Kinder- und jugendpolitische Strukturen
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Die wichtigsten Schwerpunke der chinesischen Regierung in der Kinder- und Jugendpolitik liegen in den Bereichen1
- Bildung,
- Jugendarbeitslosigkeit,
- Jugendkriminalität und
- freiwilliges Engagement Jugendlicher.
Dabei nimmt der Bildungsbereich einen besonderen Stellenwert innerhalb der Schwerpunktthemen ein. In den letzten Jahren hat die chinesische Regierung zunehmend finanzielle Mittel in das Bildungssystem investiert, um die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in China zu erhöhen. Zum einen soll der Anteil derjenigen Schülerinnen und Schüler, die die neunjährige Grund- und Mittelschule erfolgreich absolvieren, erhöht werden. Zum anderen sollen mehr Jugendliche die Möglichkeit erhalten, weitergehende Schulen zu besuchen. Daneben wurde die berufliche (Aus-)Bildung ausgebaut. Dabei klafft immer noch eine große Lücke zwischen den Bildungschancen für Kinder, die in der Stadt und die auf dem Land leben.
Eines der größten und bekanntesten Bildungsprojekte ist das „Projekt Hoffnung“, das seit 1989 Schulabbrecher/-innen in armen Gebieten Chinas unterstützt, in die Schule zurückzukehren, um zumindest einen Grundschulabschluss zu erwerben. Es wird von der Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend getragen. Bis 2004 ist es gelungen, mehr als 2,7 Milliarden Yuan an Spendengeldern für das Projekt einzuwerben und damit rund 2,75 Millionen Kindern die Möglichkeit zu geben, weiter zur Schule zu gehen.2 Insgesamt wurden rund 10 000 Grundschulen in ländlichen Gebieten gebaut, Mini-Bibliotheken eingerichtet und weitere Schulen mit modernem Equipment ausgestattet.
Darüber hinaus hat die Stiftung den „Stars of Hope Award Fund“ eingerichtet, über den herausragende Schüler/-innen des Projekts Hoffnung unterstützt werden. Mit einem weiteren Fonds wird die Weiterbildung von Grundschullehrer(inne)n im ländlichen China gefördert. Daneben führt der Allchinesische Frauenverband (All-China Women’s Federation) das so genannte Knospen-Programm durch, dass die Unterstützung speziell von Mädchen zum Ziel hat.
Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit setzt die Regierung auf
- die Schaffung von Arbeitsplätzen für Jugendliche;
- die Verbesserung der Arbeitsmarktfähigkeit von Jugendlichen durch bessere Ausbildung und Schulung;
- die Förderung von Unternehmertum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie
- den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber Jugendlichen.
Als eine Maßnahme gegen Jugendarbeitslosigkeit hat die Regierung Programme zur Verbesserung der beruflichen Ausbildung aufgelegt. So gibt es seit 1999 ein Angebot von ein- bis dreijährigen Berufsvorbereitungstrainings für Schulabsolvent(inn)en sowie Schulungen für jugendliche Arbeitslose.
Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Regierungsmaßnahmen spielt der Allchinesische Jugendverband. Er unterhält rund 650 Arbeitsvermittlungszentren im ganzen Land, die Jugendlichen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern sollen, indem sie bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen helfen. Darüber hinaus gibt es mehr als 100 so genannte „Start Your Business“-Trainingszentren, die junge Menschen beim Erlernen von Gründerfähigkeiten unterstützen und Starthilfe für Jungunternehmen geben. Des Weiteren werden an Universitäten „Know About Business“-Projekte angeboten, die Hochschüler(inne)n schon zu Studienzeiten relevante Kenntnisse über die Geschäftswelt vermitteln sollen.
Weitere Maßnahmen des Allchinesischen Jugendverbands zur Förderung der Jugendbeschäftigung:3
- Modellarbeiter-Kampagne für Jugendliche (Youth Model Worker Campaign) – Kampagne in staatseigenen Betrieben, an der sich bis 2004 rund 40 000 Unternehmen und 30 Millionen junge Arbeiter/-innen beteiligt haben.
- Plan zur Aktivierung von fachlichen Kompetenzen von jungen Arbeiter(inne)n (Skill Vitalization Plan for Young Workers).
- Kompetenztrainingsprojekt für eine Million junge arbeitlose Arbeiter/-innen (Skill Training Project for a Million Young Laid-off Workers).
- Trainingsprojekt in den Bereichen Wissenschaft und Technologie für junge Landwirte (Century-spanned Science and Technology Training Project for Young Farmers).
- “Funkele in den westlichen Regionen”-Programm (Sparkle in Western Regions Programme) – Ziel dieses Programms ist es, Jugendliche mit den notwendigen beruflichen Fähigkeiten auszustatten, so dass sie in ihren Heimatregionen im Westen Chinas Arbeit finden.
- Plan der eintausend Schulen, eine Million junger Wanderarbeiter/-innen in den Städten zu schulen (Plan of One Thousand Schools to Train a Million Young Migrant Workers in Cities).
- Qualitätsentwicklungsplan für Studierende (College Student Quality Development Plan) – Beschäftigungstraining und Coaching für Studierende, um sie besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.
- Plan zur Förderung von berufsvorbereitenden Praktika für Jugendliche (Pre-employment Internship Plan for the Youth).

- Junge Verkäuferin auf der Chinesischen Mauer - Foto: flickr - televiseus (CC: BY-NC-ND)
Viele Projekte werden in Zusammenarbeit mit dem Youth Employment Network Office China umgesetzt, das 2005 im Rahmen einer Kooperation des Allchinesischen Jugendverbands mit den Vereinten Nationen, der Weltbank und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingerichtet wurde. – Homepage des Youth Employment Network Office China (auf Englisch).
In Bezug auf die Jugendkriminalität und ihre Bekämpfung bzw. Vorbeugung hat in den letzten Jahren eine Annäherung an Konzepte anderer Länder stattgefunden. So steht bei der Bestrafung junger Straftäter/-innen mittlerweile der mit der Strafe verbundene Erziehungsansatz im Mittelpunkt und die Strafen für Jugendliche fallen entsprechend geringer aus. Darüber hinaus wurde die Präventionsarbeit professionalisiert. Seit 2001 koordiniert eine Führungsgruppe zur Präventionsarbeit im Bereich Jugendkriminalität (Leading Group on Juvenile Delinquency Prevention Work) die Aktivitäten und in allen Provinzen des Landes wurden Einrichtungen zur Umsetzung der Präventionsmaßnahmen aufgebaut.
Bei der Präventionsarbeit setzt die Regierung auf einen lokalen Ansatz. Ab 2002 wurden im Rahmen des gemeindebasierten Präventionsprojekts „Jugendkriminalität“ (Community-based Juvenile Delinquency Prevention Project) zunächst 50 Pilotdistrikte ausgewählt, in denen Mechanismen, Organisationen, Einrichtungen und Arbeitsgruppen zur Präventionsarbeit aufgebaut wurden. Ziel ist es, das Umfeld für Jugendliche unter anderem durch Bildungs- und Freizeitangebote sowie psychologische Dienste zu ändern, um so ein „Abdriften vom rechten Weg“ zu verhindern. Dabei wird eng mit den lokalen Behörden, Familien, Schulen und weiteren relevanten Akteuren zusammengearbeitet. – Siehe für Informationen zum Umgang mit jugendlichen Straftäter(inne)n auch das Kapitel „Situation von Kindern und Jugendlichen“ >> „Kriminalität“.
Ein weiterer Schwerpunkt der Kinder- und Jugendpolitik ist es, möglichst viele Jugendliche für die Freiwilligenarbeit zu gewinnen. Die Freiwilligen werden insbesondere zu Umweltschutzprojekten oder zur Armutsbekämpfung eingesetzt. Ein populäres Beispiel ist die „Mother River Protection Operation“, mit deren Hilfe seit 1999 eine Fläche von 285 000 Hektar aufgeforstet wurde. Mit dem „College Students Go West“-Programm wurden darüber hinaus seit 2003 über 50 000 Hochschulabsolvent(inn)en in die ärmeren ländlichen Gebiete im Westen und Südwesten Chinas entsandt, um dort Aufbauhilfe in Bereichen wie etwa Bildung, Gesundheit oder landwirtschaftliche Produktionstechnik zu leisten. Daneben werden vor allem jugendliche Freiwillige zur Unterstützung von Großveranstaltungen wie zum Beispiel den Olympischen Spielen 2008 rekrutiert.
Laut Angaben des Allchinesischen Jugendverbands existierten 2004 in jeder Provinz des Landes sowie zwei Dritteln der Bezirke und in einigen Landkreisen Vereinigungen von (jungen) Freiwilligen. Darüber hinaus gab es 89 000 Freiwilligenzentren auf lokaler Ebene (community service center) und mehr als 100 000 Freiwilligenteams.4
Die chinesische Regierung führt verschiedene Aktionsprogramme im Jugendbereich durch, die zum Teil vom Allchinesischen Jugendverband umgesetzt werden. Im Folgenden wird eine kleine Auswahl an Beispielen für solche Programme, Kampagnen und staatliche Auszeichnungen vorgestellt:5
Das China Youth May 4 Medal – Appraisal and Citation Programme wurde 1997 von der Kommunistischen Jugendliga und dem Allchinesischen Jugendverband initiiert. Es richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 40 Jahren, die sich beispielsweise durch ihr politisches und soziales Engagement, ihr Einstehen für die Öffnung und sozialistische Modernisierung des Landes oder ihr ethisches und soziales Verhalten ausgezeichnet haben. Die Auszeichnungen werden in der Regel am 4. Mai, dem Tag der Jugend, verliehen.
Das Top Ten Chinese Youth Appraisal and Selection Programme gibt es seit 1990. Der Allchinesischen Jugendverband und die Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend zeichnen in diesem Rahmen gemeinsam mit Medienunternehmen (darunter das chinesische Staatsfernsehen und People’s Daily) jedes Jahr zehn Personen im Alter zwischen 18 und 39 Jahren aus. Diese gelten aufgrund ihres herausragenden Verhaltens und ihres besonderen Engagements für die Gesellschaft und die Partei als Vorbilder für andere Jugendliche. Infolge dieses nationalen Programms haben mittlerweile alle Provinzen des Landes ihr regionales Top Ten Selection Programme entwickelt.
Das Model Youth Units Programme ist eine seit 1994 existierende Kampagne, die sich an berufstätige Jugendliche wendet. Ihr Ziel ist es, über so genannte vorbildliche Arbeitsgruppen von jungen Berufstätigen andere Jugendliche zu motivieren und den Geist von Professionalisierung, Qualität und erstklassiger Arbeit unter ihnen zu fördern.
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Fußnoten
1 Vgl. All-China Youth Federation/China Youth and Children Research Center: China Youth Report (1995-2004).
2 Vgl.All-China Youth Federation/China Youth and Children Research Center: China Youth Report (1995-2004), S. 6.
3 Vgl. All-China Youth Federation/China Youth and Children Research Center: China Youth Report (1995-2004), S. 14f.
4 Vgl.All-China Youth Federation/China Youth and Children Research Center: China Youth Report (1995-2004), S. 56.
5 Quelle: Selbstdarstellungsbroschüre des Allchinesischen Jugendverbands aus dem Jahr 2005.



