Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

In der Bundesrepublik Deutschland kommt über ein Viertel (27 %) der Kinder und Jugendlichen unter 25 Jahren aus Familien mit Migrationshintergrund. (Quelle: de.statista.org/statistik/daten/studie/1448/umfrage/anteil-der-familien-mit-migrationshintergrund-nach-kinderanzahl/, letzter Zugriff 3.11.08)

Die neue Bundesregierung von CDU/CSU und FDP unterstützt verbindliche bundesweit vergleichbare Sprachstandstests für alle Kinder im Alter von vier Jahren und bei Bedarf eine verpflichtende gezielte Sprachförderung vor der Schule sowie darüber hinausgehende unterrichtsbegleitende Sprachprogramme.

Statuslose und Flüchtlingskinder haben es ungleich schwerer in der Bundesrepublik. Teilweise greifen hier verschiedene normative Rahmenbedingungen. Kinder und Jugendliche mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland sind teilweise von der allgemeinen Schulpflicht ausgeschlossen, da die Eltern auf politisches Asyl warten, die Familien in Deutschland nur geduldet sind oder sie keinerlei Aufenthaltsstatus haben. In Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen-Anhalt sind Flüchtlingskinder mit unsicherem Aufenthaltsstatus nicht schulpflichtig. Sie haben lediglich ein Schulbesuchsrecht.

Kinder und Jugendlichedie in Deutschland eine Duldung besitzenkönnen an Kinder- und Jugendreisen teilnehmen. Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) hat auf seiner Hauptausschusssitzung im September 2005 einstimmig eine Stellungnahme verabschiedet, in der es um die Situation von jugendlichen Flüchtlingen in der Jugendarbeit geht. Der DBJR weist darauf hin, dass die Themen „Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft“ und „interkulturelle Öffnung“ zentrale Themen sind, deren Implementierung jedoch manchmal an gesetzlichen Rahmenbedingungen scheitert. Infos: www.dbjr.de/index.php?m=4&pid=77&UID=77218fb1fa31502cfe52f08b87fc81e3 

Um die Chancen junger Ausländer/-innen auf einen Ausbildungsplatz zu verbessern, hat das Bundesbildungsministerium (BMBF) zehn berufliche Qualifizierungsnetzwerke (BQN) gestartet. Handwerkskammern, Gewerkschaften, Schulen und Betriebe sollen künftig enger zusammen arbeiten, um junge Migrant(inn)en zu fördern und bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu unterstützen. Das Ministerium will mit dem Programm der „wachsenden Benachteiligung junger Migrantinnen und Migranten entgegen wirken“. Derzeit absolvieren nur rund 39% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Ausbildung im dualen System, bei deutschen Jugendlichen sind es nach Auskunft des BMBF mehr als 60%. Mehr Informationen: www.kompetenzen-foerdern.de  
(Quellen: terre des hommes Deutschland e.V., www.tdh.de/content/materialien/download/index.htm, 2.5.05; Deutscher Bundestag, www.bundestag.de/bic/presse/2005/pz_050322.html, 2.5.05) 

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung hat den schlechten Ausbildungsstand von Migrantenkindern als hochalarmierend bezeichnet. Seit Mitte der 90er Jahre sei der Anteil ausländischer Jugendlicher in Ausbildung kontinuierlich gesunken. Danach beträgt die Ungelernten-Quote in dieser Gruppe 40%, bei den deutschen Jugendlichen dagegen nur 12%. Insgesamt leben in Deutschland 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu zählen Ausländer, Aussiedler, Eingebürgerte und wieder aus dem Ausland zurückgekehrte Deutsche. Jedes vierte Neugeborene habe ein ausländisches Elternteil, jede fünfte Eheschließung sei binational.
(Quelle: www.integrationsbeauftragte.de/download/Memorandum_Endfassung.pdf, September 2005)

Im sportlichen Bereich werden durch das Bundesprogramm Integration durch Sport unter anderem junge Spätaussiedler/-innen und andere Zuwanderer/-innen durch Integrationsmaßnahmen mit breiten- und freizeitsportlicher Ausrichtung gefördert.

Eine spezielle Beratung für jugendliche und junge erwachsene Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer bis 27 Jahre wird kostenlos durch die Jugendmigrationsdienste angeboten. Die Jugendmigrationsdienste beraten und betreuen vor allem die nicht mehr schulpflichtigen jungen Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer vor, während und nach den Integrationskursen (Sprachkurs und Orientierung über Land und Leute). Sie ermitteln mit ihnen gemeinsam ihre Stärken und Defizite und stellen mit ihnen einen Integrationsplan für die Eingliederung in den Ausbildungsmarkt oder für den Besuch weiterführender Schulen auf. Bei den Jugendmigrationsdiensten werden auch Kontakte zu einheimischen Jugendlichen und zu Jugendlichen mit Migrationshintergrund hergestellt, die schon länger im Land sind.

Verschiedene Verbände der Jugendarbeit haben Projekte zur interkulturellen Öffnung und Förderung der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund initiiert, zum Beispiel:

  • Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e. V. (BAG EJSA): bundesweites Projekt „TANDEM - Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“. Ziel des Projektes ist es, Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund Zugänge zu außerschulischen Bildungsangeboten der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zu eröffnen und ihre Einbindung in ehrenamtliche Strukturen zu fördern. Zu diesem Zweck wurden Partnerschaften zwischen Projektträgern der Evangelischen Jugend an acht Standorten und den Jugendmigrationsdiensten vor Ort initiiert. Die Aktionen der Projektpartner reichen von Tanz- und Theaterprojekten über interkulturelle Konfliktmediation bis hin zu Kurzfreizeiten für Kinder und Jugendliche. 
  • Bayerisches JugendrotkreuzProjekt „Die Mischung macht’s… Take part!“. Ziel ist die Interkulturelle Öffnung des Verbandes. Im Projekt werden zum einen die Jugendrotkreuzlerinnen und Jugendrotkreuzler für interkulturelle Themen und Vielfalt sensibilisiert und zum anderen über verschiedene Aktivitäten Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund für das Jugendrotkreuz begeistert. Mit den neu erreichten Jugendlichen sollen Angebote einer gemeinsamen Jugendarbeit entwickelt werden. Die Interkulturelle Öffnung wird auf den verschiedenen Ebenen des Verbandes thematisiert. Schwerpunktmäßig wird das Projekt zunächst in vier Regionen (Aichach-Friedberg, Augsburg Stadt, Landshut und München) durchgeführt.

Weiterführende Links
www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/2012-01-31-nap-gesamt-barrierefrei.html - Nationaler Aktionsplan Integration der deutschen Bundesregierung
www.bpb.de/themen/TI50RA,0,Bildung_und_Integration.html - Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Bildung und Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
http://dip.bundestag.de/btd/16/048/1604818.pdf - Antwort der Bundesregierung vom 23.3.07 auf die Große Anfrage der FDP vom 17.5.06 zur beruflichen Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
http://bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=164794.html
 - Dossier des BMFSFJ "Familien mit Migrationshintergrund" (2010)
www.fruehe-chancen.de - Förderprogramm der Bundesregierung zur Sprach- und Integrationsförderung in Schwerpunkt-Kitas
www.dsj.de/downloads/Publikationen/2010/Expertise_ISS_final_2010.pdf - Expertise (September 2010) zur Förderung des Engagements benachteiligter Jugendlicher mit Migrationshintergrund im organisierten Sport der Deutschen Sportjugend