Jugendinformation
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Kinder- und Jugendmedien
Internationale Kooperationen
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Ende der Sechzigerjahre haben sich in der Jugendinformation im System der kommunalen Jugendarbeit Jugendinformationszentren hervorgetan, die vorwiegend eine allgemein informierende und beratende Funktion übernehmen. Mit dem Ziel gegründet, bei der Lösung von persönlichen Schwierigkeiten und Problemen junger Menschen behilflich zu sein, stehen sie Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie bestimmten Zielgruppen zur Verfügung und bieten Beratung in verschiedensten Problem- und Konfliktsituationen an. Entweder sie informieren und beraten direkt in den Bereichen Drogen, Alkohol, Schule, Aids, Kultur, Freizeit, Reisen etc. oder sie verweisen auf andere, fachspezifische Beratungsstellen.
Das erste dieser spezifischen Jugendinformationszentren wurde 1967 in München eröffnet, andere folgten bald, so dass es mittlerweile in vielen, meist größeren Städten solche Info- und Beratungsstellen für Jugendliche gibt.
Natürlich findet Jugendinformation nicht nur dort statt, sondern auch in den vielen Ämtern, Jugendzentren, bei Jugendverbänden, innerhalb von Selbsthilfegruppen, in der Jugendpresse sowie in der Jugendforschung.
Die Informationsvermittlung im Jugendbereich orientiert sich an der dezentralen und föderativen Struktur der Bundesrepublik Deutschland. Die Informationsstellen befinden sich vor Ort auf lokaler, kommunaler, regionaler und Landesebene über die gesamte Bundesrepublik verteilt und sind so für jeden Jugendlichen erreichbar. Insgesamt ist die Bedeutung der Jugendinformation in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die neuen Medien bieten große Möglichkeiten, eine Vielzahl an Jugendlichen zu erreichen. Seit September 2004 ist das nationale Jugendportal Netzcheckers (http://www.netzcheckers.de) online.
Das Projekt Jugendserver ist Ende 2004 nach sechsjähriger erfolgreicher Laufzeit beendet worden. Es wurde weiterentwickelt zum Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Plattform Jugendinfonetz.de wurde als Informationsquelle für Fachkräfte in der Jugendinformation aufgebaut. Jede Einrichtung in Deutschland die sich mit dem Thema Jugendinformation beschäftigt hat die Möglichkeit, sich aktiv an der Gestaltung von jugendinfonetz zu beteiligen.
Kinder- und Jugendmedien
Jugendmedien haben in der Bundesrepublik immer eine große Rolle gespielt: Aus der 1956 ursprünglich als Fernsehzeitung gegründeten Bravo entwickelte sich ein Blatt, das seit Jahrzehnten den Nerv der jungen Leserschaft trifft. Andere Jugendzeitschriften wie Pop Rocky und Popcorn sind längst zu Medien-Dinosauriern geworden.
Vor allem in den Siebzigerjahren befreiten sich die Medien auch von dem pädagogischen Mief der Wirtschaftswunder-Zeit. Selbst in so konservativen Fernsehanstalten wie dem ZDF wurden Jugendmagazine wie direkt möglich, die im Sender wegen der Themen und ihrer Aufbereitung regelmäßig für Zündstoff sorgten.
In den Achtzigerjahren stagnierten die Jugendmedien. Sowohl aus den Zeitschriftenredaktionen als auch aus den Rundfunkstationen kam nicht all zu viel Innovatives. Seit Beginn der Neunzigerjahre aber ist der Jugendmedienmarkt wieder in Bewegung gekommen: Viele neue Zeitschriftentitel wurden erfolgreich auf dem Markt platziert. Außerdem entdeckten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen durch das plötzliche Auftreten von privater Konkurrenz wieder die Zielgruppe Junge Leute.
Typisch für den Jugendmedienmarkt ist eine große und schnelle Dynamik. Manche Magazine oder Zeitschriften entstehen urplötzlich neu, begleiten einen neuen Jugendtrend eine Zeitlang und verschwinden dann genauso schnell, wie sie entstanden sind. Der Trend ist nicht mehr in und schon verlieren die Jugendlichen, aber vor allem die Sponsoren das Interesse.
Trotz der elektronischen Medien lesen die jungen Leute weiterhin Zeitschriften. Die Musiksender VIVA und MTV nehmen den Jugendmagazinen zwar Werbekunden weg, aber keine Leser/-innen. Dafür spricht auch eine deutliche Auflagensteigerung der Jugendzeitschriften seit 1990: Die Auflagenzahlen lagen 1995 bei 4,8 Millionen, 1991 waren es noch 3,5 Millionen (rund 14 Millionen junge Leute zwischen 14 und 26 Jahren bilden in Deutschland die Kern-Zielgruppe für Jugendmedien).
Besonders erfolgreich waren in den letzten Jahren die so genannten Mädchenzeitschriften. 1988 begann mit Bravo Girl die Erfolgswelle dieser Zeitschriftensparte. Sie ermöglichte Titel wie Brigitte Young Miss, ein Blatt, das 1990 zunächst als Sonderheft der Frauenzeitschrift Brigitte erschien. Neuere Kindermagazine sind: Dein Spiegel - Einfach mehr wissen (für Kinder ab 8 Jahren), GEOlino (für 8- bis 14-Jährige), GEOmini (für Kinder ab 5 Jahren), National Geographic World (für 7- bis 13-Jährige).
Nicht nur der Zeitschriftenmarkt ist in den Neunzigerjahren in Bewegung gekommen. Seit Gründung der Privatradios mit ihren Angeboten für ein überwiegend junges Publikum und dem großen Erfolg der Musik-TV-Sender MTV und VIVA, die von den jungen Leuten wie Radio genutzt werden, musste das öffentlich-rechtliche Radio (die ARD-Rundfunksender) reagieren, um die jugendlichen Hörer/-innen zu halten. Besonders erfolgreich war und ist dabei Eins Live vom Westdeutschen Rundfunk. Der aus dem DDR-Jugendsender DT 64 hervor gegangene MDR-Jugendkanal Sputnik agiert erfolgreich. Weitere Jugendsender im Bereich der ARD mit steigenden Marktanteilen unter den 14- bis 29-Jährigen sind beziehungsweise waren N-joy (NDR), SWF3 und Fritz (RBB).
Die Fernsehsender scheinen von allen Medien das größte Problem mit der Zielgruppe Jugend zu haben: Kaum einer für Jugendliche konzipierten Sendung ist ein langes Leben beschieden. Jugendliche sind für die TV-Macher die schwierigste aller Zielgruppen: Ganze 96 Minuten verbringen die 14- bis 16-Jährigen nach einer Studie des WDR täglich vor dem Fernsehen. Damit sind sie die Gruppe der Deutschen, die am wenigsten fernsieht. Ein großer Teil von ihnen nutzt regelmäßig die Angebote der beiden Musiksender MTV und VIVA. Diese Sender genießen unter jungen Leuten den Ruf, Trendsetter zu sein. Die Musik, die Sprache und die Art der Mache sind Teil der Jugendkultur.
(Große Teile dieses Textes stammen von Ulrich Kalhöfer.)
Die KidsVerbraucheranalyse 2010 (KidsVA) zum Medien- und Konsumverhalten 6- bis 13-jähriger Kinder und Jugendlicher konstatiert, dass trotz der zunehmenden Nutzung elektronischer Medien die Lust am Lesen geblieben ist. Die Analyse ist repräsentativ für 6,2 Millionen deutschsprachige Kinder zwischen 6 und 13 Jahren. Die für die Studie befragten 44 Kinderzeitschriften haben 4,35 Millionen regelmäßige Leser/-innen, das entspricht 70,2 Prozent aller 6- bis 13-Jährigen. Drei von vier Kindern (4,7 Millionen) verwenden inzwischen zu Hause einen Computer und mehr als 67 Prozent (4,2 Millionen) waren schon einmal Online. 28 Prozent dieser User sind sogar täglich im Internet unterwegs.
Quelle: KidsVerbraucherAnalyse 2010, http://www.ehapa.de/ehapa/content/e7/e36/e37/e9119/, 4.3.2011)
Die KIM-Studie 2010 zur Mediennutzung von Kindern des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) zeigen, dass 57 Prozent der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren das Internet nutzen. Die Studie belegt dabei eine deutliche Zunahme der Nutzung sozialer Netzwerke. Im Zuge der Verbreitung von Online-Communities geben die Kinder auch verstärkt persönliche Daten von sich selbst und anderen preis. 6- bis 13-Jährige verbringen durchschnittlich 24 Minuten pro Tag im Internet. Die Affinität zu PC und Onlinediensten nimmt dabei mit dem Alter deutlich zu. Insgesamt ist das Fernsehen aber weiterhin das zentrale Medium für Kinder: Drei Viertel der 6- bis 13-Jährigen sehen bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 98 Minuten pro Tag jeden oder fast jeden Tag fern. (Quelle: http://www.mpfs.de)
Linkliste des Jugendpresseclub e.V. zu Kinder- und Jugendmedien in Deutschland: www.jugendpresseclub.de/links.html
Wissenschaftliche Studie von Michael Haller (Leipzig) zum Thema "Next generation media – mit oder ohne Print? – Ziele und Strategien für eine Wiederbelebung der Lesekultur durch Printmedien bei Kindern und Jugendlichen" (Mai 2009): Zusammenfassung hier (pdf, 190 kb) ...
Kinderradiogeschichte in der Bundesrepublik Deutschland: http://www.ifak-kindermedien.de/pdf/Kinderradiogeschichte.pdf
Kinderhörspiele: http://www.hdm-stuttgart.de/ifak/medienwissenschaft/renaissance_hoermedien/kinderhoerspiele.pdf
Leseverhalten von Jungen: http://www.ifak-kindermedien.de/pdf/Jungen_lesen_anders.pdf
Internationale Kooperationen
Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied bei Eurodesk, dem europäischen Jugendinformationsnetzwerk mit Informationen zu den Themen Jugend, Ausbildung, Bildung, Mobilität in Europa sowie zu Förderprogrammen. Die bestehende Datenbank wird von jedem Netzwerkpartner mit nationalen Daten ergänzt. In Deutschland ist Eurodesk bei IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. angesiedelt.
IJAB ist Mitglied bei ERYICA (European Youth Information and Counselling Agency), dem Zusammenschluss der Jugendinformationsangebote auf europäischer Ebene.


