Informations- und Beratungszentren für Jugendliche

Für den Bereich der Jugendinformation ist in Estland das Zentrum für Jugendarbeit Estlands (Eesti Noorsootöö Keskus) zuständig. Es unterhält eine Datenbank für Jugendliche, in der diese sich über verschiedene Möglichkeiten im Bereich des Studierens, Reisens, Arbeitens, der Unterhaltung etc. informieren können. Außerdem gibt es eine Jugendzeitung heraus, die direkt an die Zielgruppe versandt wird.

Seit 1994 findet jährlich die Jugendinformationsmesse TEEVIIT in Estland statt. Dort können sich Jugendliche ebenfalls über Studien-, Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten in Estland und im Ausland informieren.

Seit 1999 wurden mit Unterstützung des Bildungs- und Forschungsministeriums in Estland über 30 Jugendinformations- und -beratungszentren sowie -infopunkte eröffnet. Die am weitest verbreiteten Stellen, wo (Jugend)Information gestreut und verbreitet werden, sind Jugendzentren, Schulen und über Jugendorganisationen. Andere Informationsquellen für estnische Jugendliche sind Rajaleidja und Eurodesk.

Kinder- und Jugendmedien

Jugendmedien spielen in Estland eine untergeordnete Rolle. Dies lässt sich auf die historische Entwicklung und die wirtschaftliche Situation zurückführen. Nach der Unabhängigkeit des Landes und wirtschaftlichen Veränderungen wurden viele führenden Positionen in der Gesellschaft von der jungen Generation eingenommen. Zudem lässt die geringe Bevölkerungszahl verbunden mit fehlender Kaufkraft nicht zu, dass sich ein sehr spezifischer Medienmarkt entwickelt.

Um den Mangel an speziellen Jugendmedien zu beheben, haben zahlreiche Verlage und Rundfunk- und Fernsehanstalten damit begonnen, Jugendseiten oder -sendungen zu erstellen. Die Lage auf dem Medienmarkt verändert sich noch recht stark, so dass mit einer Stabilisierung erst in einigen Jahren zu rechnen ist. Es ist daher noch nicht abzusehen, ob sich die derzeit existierenden Veröffentlichungen für Jugendliche auf dem Markt behaupten können.

Inhaltlich beschäftigen sich Jugendmedien vor allem mit unpolitischen Themen wie Unterhaltung, Musik und Kultur. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass bei Jugendlichen ein generelles Desinteresse an Politik zu beobachten ist. Zudem greift ein Teil der Jugendlichen in Estland auf fremdsprachige, insbesondere finnische und englische Jugendmedien zurück.

Zeitungen und Magazine
Es gibt drei spezielle Jugendpublikationen in Estland:

Noorus - ein Jugendmagazin, das monatlich erscheinen soll, allerdings zurzeit in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht wird. Noorus wurde vor kurzem privatisiert und hat seitdem noch nicht seine frühere Popularität zurückgewonnen. Das Magazin wurde 1946 gegründet und erschien auch während der sowjetischen Besetzung. Dies trug zum hohen Stellenwert des Blattes in Estland bei. Nach einer Pause von wenigen Monaten startete Noorus im Januar 1996 neu.

Das Magazin beschäftigt sich überwiegend mit Musik, Mode, Spielfilmen und dem Nachtleben. Noorus versucht alternativ und "in" zu sein und verwendet viel Umgangssprache. Einer der Redakteure bemerkt hierzu: "Das Magazin erscheint in neuem Gewand - in einem ansprechenden und modernen Mantel sozusagen. Wir haben uns auf die Zukunft eingestellt und versuchen ständig etwas Frisches und Spannendes zu finden. So wie alle jungen Leute dies tun." Noorus richtet sich an die Gruppe der 18 bis 30jährigen und erscheint in einer Auflage von 6 000 Exemplaren.

Meie Meel - eine wöchentlich erscheinende Jugendzeitschrift, die recht populär geworden ist und eine relativ hohe Auflage erreicht hat. Inhalt und Druckqualität werden ständig verbessert. Das Magazin ist vor kurzem privatisiert worden.

Meie Meel richtet sich vor allem an Teenager und beschäftigt sich mit den für sie interessanten Themen. Im Vergleich zu Noorus wird viel über schulische Fragen berichtet. Daneben enthält die Zeitung Berichte über Musik und Spielfilme und hat eine eigene Ratgeberseite. Meie Meel versucht cool zu sein, aber zugleich echte Hilfe für Teenager zu bieten, die Probleme haben. Deshalb werden Leserbriefe immer beantwortet und das Blatt nimmt eine Ratgeberrolle für junge Menschen wahr.

Ne Gorjui - ein brandneues Magazin in russischer Sprache, das zusammen mit der Wochenbeilage Den za Dnjom (Tag für Tag) der größten russischen Tageszeitung Estonija erscheint. Ne Gorjui ist sehr professionell aufgemacht und bietet neben Musik und Film auch Themen wie Computer, Reisen und Portraits.

Jugendseiten
Einige überregionale Tageszeitungen veröffentlichen Jugendseiten, meist in ihren Wochenendausgaben. Weil Jugendthemen und allgemeine Themen nur relativ schwer zu trennen sind, konzentrieren sich diese Seiten meist auf Popmusik und alternative Lebenswege. Dagegen werden Probleme Jugendlicher und politische Themen meist im Hauptteil der Zeitungen behandelt.

Die Jugendseite der Tageszeitung Postimees-Extra heißt Jess. Sie ist die Wochenendbeilage der größten Tageszeitung Estlands, Postimees, die in Tartu, der zweitgrößten Stadt in Estland, erscheint. Sie deckt vor allem den südlichen Teil des Landes ab. Jess versucht, in erster Linie Heranwachsenden Hilfe in Gesundheitsfragen und für zwischenmenschliche Beziehungen zu geben. Die Seite bringt zudem viel über Musik, neue Bands, Bücher und Filme. Darüber hinaus erscheinen immer wieder Reportagen über die älteren Generationen, wie zum Beispiel ein Überblick über die Beat-Generation. Jess hat eine Auflage von 61 000 Exemplaren.

Mikser sind die Jugendseiten von Laupäevaleht, der Samstagsbeilage der drittgrößten Tageszeitung im Land Sonumileht. Mikser deckt vor allem verschiedene Aspekte von Pop-Musik ab und ist nicht so sehr an Teenagern orientiert wie zum Beispiel Jess. Die Seite erreicht eine Auflage von 33 000 Exemplaren.

Die Samstagsbeilage der Eesti Paevaleht, der zweitgrößten Tageszeitung des Landes, heißt Pühapäevaleht. Sie erscheint als Massenblatt und ist von allgemeinem Interesse. Pühapäevaleht richtet sich nicht nur an Jugendliche, sondern vor allem an junge Familien. Die Zeitung erreicht eine Auflage von 43 000 Exemplaren.

Radio
Ein Radiosender, der sich speziell an Jugendliche richtet, existiert in Estland nicht. Die meisten der regionalen und überregionalen Sender wenden sich an alle Bevölkerungsgruppen und haben höchstens einige Jugendsendungen im Programm. Die einzigen erwähnenswerten Radiostationen, die bei Jugendsendungen von Interesse sind, sind Raadio 2, die staatliche, kommerzielle Radioanstalt, die vor allem Unterhaltungsprogramme für Jugendliche sendet, Raadio Kuku, ein privater Sender, der vorwiegend Talkshows und Informationssendungen im Programm hat (nicht speziell an Jugendliche gerichtet) und Tartu Raadio, der größte Sender in der zweitgrößten Stadt Estlands, Tartu.

Die anderen Radioanstalten spielen vor allem Musik, ohne sich dabei an bestimmte Bevölkerungsgruppen zu richten.

Fernsehen
ETV ist der staatliche Fernsehsender, der zur Zeit sowohl aus öffentlichen Mitteln, als auch durch Werbung finanziert wird und im ganzen Land zu empfangen ist. Im Programm sind zahlreiche Sendungen für Jugendliche, meist Musikprogramme oder die neuesten Nachrichten über Musik und Film. Das Programm und die dafür Verantwortlichen wechseln zweimal im Jahr.

TV 1 heißt die unabhängige Fernsehanstalt Estlands, der jüngste kommerzielle TV-Sender. Er ist derzeit noch in der Entwicklungsphase und könnte nach einiger Zeit auch neue Jugendprogramme übertragen.
(Text von Marek Dreving)

Internationale Kooperationen

Das Zentrum für Jugendarbeit Estlands ist seit 2004 Vollmitglied bei ERYICA (European Youth Information and Counselling Agency)

Estland ist Mitglied im europäischen Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk und wird vertreten durch die Organisation European Movement in Estonia.