Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Nach der politischen Wende in Osteuropa und der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit musste sich auch in Estland erst einmal eine selbstständige Jugendverbandsstruktur entwickeln.

Seit 1995 existiert in Estland ein Gesetz über den Status von gemeinnützigen Organisationen. Gemäß dieses Gesetzes können sich Organisationen staatlich registrieren lassen und, sofern sie auf nationaler Ebene tätig sind, staatliche Zuschüsse erhalten.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Organisationen und Verbänden, die im Kinder- und Jugendbereich wirken. Ihre Mitgliederzahl und ihr Einfluss variieren stark.

Das damalige Bildungsministerium (jetzt Bildungs- und Forschungsministerium) hat 1998 in Zusammenarbeit mit dem Estnischen Jugendinitiativzentrum und der damaligen "Jugend für Europa"-Nationalagentur eine Broschüre herausgegeben, die einen Überblick über die Jugendorganisationen im Land geben soll: Estonian Youth Associations and Organisations dealing with Youth, Estonian Ministry of Education 1998.

Überregionale Jugendverbände

In der vom damaligen Bildungsministerium (jetzt Bildungs- und Forschungsministerium) herausgegebenen Broschüre Estonian Youth Associations and Organisations dealing with Youth finden sich alle in Estland tätigen überregionalen Jugendverbände.

Die mitgliederstärksten Verbände sind die Pfadfinder- und Studentenvereinigungen sowie mit 4 000 Mitgliedern das Estnische Jugendrotkreuz. - Hier einige Links:

Estnischer Pfadfinderverband: www.skaut.ee
Estnischer "4H"-Verband: www.eesti4h.ee
Estnischer YMCA (Christlicher Verein junger Menschen): www.ymca.ee
Vereinigung der estnischen Studentenvertretungen: www.escu.ee

Eine der größten Dachorganisationen bei den Jugendverbänden ist die "Offene Republik" (Avatud Vabariik). Mit rund 700 Mitgliedern repräsentiert sie größtenteils Jugend- und Schülervertretungen. Der Verband macht Programme zur Bürgerbildung, zur Organisation von Schülervertretungen und zur Verbesserung der Qualität der Bildung bei nationalen Minderheiten in Estland (insbesondere der russischen).

Im "Runden Tisch estnischer Non-Profit-Organisationen" (Eesti Mittetulundusühenduste Ümarlaud) sind die verschiedenen Dachorganisationen und regionalen Verbände (unter anderem Jugendverbände) zusammengeschlossen, um den nicht-kommerziellen Sektor als Ganzes zu repräsentieren und den Mitgliedern in der Öffentlichkeit eine Stimme zu verleihen.

Politische Bildung

Eine nationale Dachorganisation für den Bereich der politischen Jugendbildung gibt es nicht. Die politischen Parteien in Estland haben zum Teil Jugendabteilungen, die aber noch sehr geringe Mitgliederzahlen haben. Zu nennen sind hier:

Logo der Jugendorganisation der Estnischen Vereinten Volkspartei

Kulturelle Bildung

Im Bereich der kulturellen Jugendbildung existiert kein nationaler Dachverband. Es sind vor allem lokale Vereine und Organisationen, die im kulturellen Bereich tätig sind.

Das Kultusministerium Estlands (Kultuuriministeerium) leistet finanzielle Unterstützung für das landesweite Netz von Kunst- und Musikschulen für Kinder und Jugendliche. Auf der Homepage des Ministeriums gibt es unter dem Punkt Organisations eine Übersicht aller national relevanten Kulturinstitutionen und -organisationen.

Sport

Sport spielt in Estland eine große Rolle. Die beliebtesten Sportarten sind Fußball und Basketball, aber auch andere Sportarten wie nordischer Wintersport oder Leichtathletik (der international sehr erfolgreiche Zehnkämpfer Erki Nool ist Este).

Estlands Jugend ist zahlreich in Sportvereinen und -verbänden organisiert. Zu nennen sind hier vor allem drei Verbände, die direkt mit der Jugendabteilung des Bildungs- und Forschungsministeriums zusammenarbeiten und von ihr unterstützt werden:

  • Schulsportverband
  • Akademischer Sportverband
  • Sportverband der Berufsschulen

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Eine nationale Dachorganisation für den Bereich der Jugendsozialarbeit gibt es in Estland nicht. Im Wesentlichen übernimmt das Zentrum für Jugendarbeit Estlands (Eesti Noorsootöö Keskus) koordinierende Tätigkeiten auf dem Gebiet der sozialen Jugendarbeit. Diese Tätigkeiten umfassen Maßnahmen der Integration unterprivilegierter Jugendlicher, das Erstellen von Infomaterialien und die Durchführung von Schulungen sowie verschiedene weitere Programme und Projekte.

Die rund 50 Jugendzentren haben sich in einem Dachverband zusammengeschlossen, dem Eesti Avatud Noortekeskuste Ühendus. Unter Federführung des ANK wird das Modell des offenen Jugendzentrums weiterentwickelt, er übernimmt gewerkschaftliche Aufgaben und ist an nationalen jugendpolitischen Fragen beteiligt.

Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Übersicht über die Kirchen und Religionsgemeinschaften
Estland gehört einerseits neben Tschechien zu den beiden am meisten atheistisch geprägten Ländern Europas, andererseits sind in der nördlichsten Baltikumrepublik die vielfältigen religiösen Tendenzen präsent. Dass sich bei der Volksumfrage 2002 nur 51 der Befragten als „religiös“ (nach der Religionszugehörigkeit wurde hingegen gar nicht gefragt) bezeichneten, ist auf die historisch-kulturelle Entwicklung und nicht nur allein auf die Säkularisierung der letzten Jahrzehnte zurückzuführen, als es der Sowjetunion gelang, das religiöse Leben auf ein Minimum zu beschränken. Die meisten jungen Leute wuchsen so ohne einen Bezug zu einer Kirche auf, die katholische Tradition in Estland ist – was den springenden Unterschied zu Lettland und Litauen ausmacht – mit der Vertreibung der Katholiken 1626 völlig erloschen. Den vier „katholischen“ (1227-1626) folgten daraufhin bis zur erstmaligen Selbstständigkeit Estlands (1918-1940) die vier „protestantischen Jahrhunderte“ (1522-1918), aus denen 1917 die Estnisch-Evangelisch-Lutherische Kirche (EELK) als Institution hervorging. Heute sind nur knapp 30 Prozent der Bevölkerung als Angehörige einer Religionsgemeinschaft statistisch erfasst, die meisten davon zur protestantischen und orthodoxen (jeweils zirka 14 Prozent). Die Orthodoxie wird unter anderem von der großen russischen Minderheit getragen, die Katholiken zählen hingegen nur 6000 Mitglieder, was 0,4 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Neben weiteren religiösen Gruppierungen, die seit Jahrhunderten in Estland tätig sind (Baptisten, Adventisten, Methodisten), konnten nach der politischen Wende 1989 viele meist charismatische (evangelikale Gruppierungen) oder sektenähnliche (Hare Krishna-Anhänger) Bewegungen in der säkularisierten estnischen Gesellschaft Fuß fassen. Diese schwierige Situation hat natürlich auch nachhaltige Auswirkungen auf die konfessionelle Jugendarbeit und die damit verbundenen Strukturen.

Situation während des Kommunismus
Die EELK behauptete während der Sowjetzeit ihre Rolle als größte religiöse Vereinigung. Die Mitgliederzahlen gingen zwar stetig zurück, in der Phase des „nationalen Erwachens“ ab 1980 wurde die Rolle der EELK als estnische Identität aber immer bedeutender, da viele Geistliche in Unabhängigkeitsbewegungen aktiv waren. Die orthodoxen Kirchen, die sich ursprünglich zum ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel hingezogen fühlten, wurden in der Sowjetzeit mit dem Moskauer Patriarchat zwangsvereinigt. Diese Konstellation machte Estland ab 1990 zu einem Kampfplatz der orthodoxen Mächte, da sowohl der Moskauer Patriarch Alexej II. als auch der ökumenische Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel die orthodoxen Gemeinden für jeweils sein Patriarchat beanspruchten (eine ähnliche Konstellation gab es auch in Moldova und der Ukraine). Der Streit, der 1996 eskalierte, wurde schließlich damit beigelegt, dass jede Gemeinde eigenständig die Wahl des Patriarchats entscheiden durfte. Die Gemeinden der russischen Minderheit entschieden sich für die Zugehörigkeit zu Moskau, während viele estnisch geprägte Gemeinden nun zur autonomen Estnisch Apostolisch Orthodoxen Kirche (EAOK) gehören, die unter die Jurisdiktion des ökumenischen Patriarchats in Konstantinopel fällt.

Verhältnis Staat und Kirche
Die 1991/92 ausgearbeitete estnische Verfassung lässt einen religiösen Bezug bewusst außen vor und vermerkt in Artikel 40, dass es „keine Staatskirche gibt.“ Damit ist umschrieben, dass der Staat keine religiösen Gemeinschaften bevorzugt, die alle gleichbehandelt werden und dieselben Rechte und Pflichten haben. Staatliche Unterstützung im religiösen und sozialen Bereich erfahren die einzelnen Religionsgemeinschaften kaum und sind somit völlig auf sich alleine gestellt. Trotz des strengen Laizismus gilt die EELK neben dem Estnisch Ökumenischem Kirchenrat (dem alle wichtigen Religionsgemeinschaften angehören – das ökumenische Klima wird von allen Seiten als sehr angenehm bezeichnet) als Hauptbindeglied zwischen Staat und Kirche, wenngleich aufgrund der marginalen Rolle von Religion in der estnischen Gesellschaft der Einfluss der Kirchen auf politische Entscheidungen nahezu bedeutungslos ist.

Verbände, Gruppen und Bewegungen
Die protestantisch-lutherische Jugendarbeit ist in erster Linie geprägt von zwei Organisationen, die sich 2004 zur Association of Work with Children and Youth zusammenschlossen (MTÜ EELK Laste- ja Noorsootöö Ühendus). Sie ist aus dem 1991 gegründeten nationalen Jugendzentrum und der Sunday School Union entstanden. Mit dem Zusammenschluss der beiden größten protestantischen Jugendorganisationen soll die Arbeit in Zukunft noch effizienter gestaltet werden.

Das nationale Jugendzentrum nahm 1991 nach dem Ende der Sowjetunion seine Arbeit offiziell auf und koordinierte die protestantische Jugendarbeit in ganz Estland. Jahreshöhepunkt sind die „Tage der jungen Kirche“, wo sich einmal im Jahr die gesamte protestantische Jugend Estlands trifft. Auf der Tagesordnung stehen neben geistlichem Programm auch Diskussionsrunden und Bildungsarbeit.

Die Sunday School Union wurde bereits 1988 ins Leben gerufen, da in den Schulen Estlands bis heute kein Religionsunterricht gegeben wird. Die Sunday School Union unterrichtet die Mitglieder der protestantischen Kirchen jeweils an Sonntagen die ersten beiden Jahre zunächst im Untergrund, 1990 wurde die Organisation dann nach dem finnischen Vorbild als Organisation gegründet und gibt seitdem privaten Religionsunterricht für die estnische protestantische Kirche.

Durch den Zusammenschluss 2004 wurde die Arbeit effizienter gestaltet. Die EELK ist heute eine nicht-staatliche Organisation, die ihren Mitgliedern ein breites Angebot an christlicher Jugendarbeit bieten will. Sie ist der Dachverband für die in den Pfarreien tätigen Regionalverbände. Neben den „Tagen der jungen Kirche“ organisiert und koordiniert sie eine Reihe von Sommercamps, die Ausbildung der Gruppenleiter, den Konfirmationsunterricht und Informationstage für in der Jugendarbeit aktive Leiter. Zudem ist sie der Herausgeber einer ganzen Reihe von christlichen Zeitschriften, Liederbüchern und Journalen für Kinder und Jugendlichen.

Kontakt
The Estonian Evangelical Lutheran Church´s
Association for Work with Children and Youth
Kiriku plats 3, 10130 TALLINN
ESTONIA
Tel.: +372 627 7374, Fax: +372 627 7352
E-Mail: lny@eelk.ee, Website: www.eelk.ee/lny oder www.eelk.ee/lny/pea_lnu.php 
Direktor: Jaan Tammsalu
Leiterin der Abteilung Kinder: Lia Kaljuste
Leiterin der Abteilung Jugendarbeit: Mari-Ann Oviir

Neben der estnisch-lutherischen Kirche gibt es noch zwei weitere kleinere evangelikale Kirchen, die ebenfalls Jugendarbeit anbieten, die Pfingstprediger und die Reformierten.

Nur 0,4 Prozent und damit 6000 Esten gehören der katholischen Kirche an, die sich somit in einer Diaspora-Situation befindet. Von den 13 Priestern Estlands aus insgesamt acht Nationen ist nur einer wirklich Este (Vello Salo), wobei keiner offiziell für Jugendseelsorge zuständig ist. Katholische Jugendorganisationen wurden seit 1991 noch nicht gegründet, Jugendtreffen finden sporadisch statt. Die Organisation liegt dabei in den Händen des Theologiestudenten Hannes Heinsar.

Literaturtipps

  • Ringvee, Ringo: Religion nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Estland. In: Ost-West. Europäische Perspektiven. Schwerpunkt: Die baltischen Staaten. Heft1/2006.
  • Deutsche Geschichte im Osten Europas. Baltische Länder. Herausgeber Gert von Pistohlkors. Berlin: Siedler 1994.
  • Helk, Vello 1977: Die Jesuiten in Dorpat 1583-1625: Ein Vorposten der Gegenreformation in Nordosteuropa. Odense: Fyens Stiftbogtrykkeri.
  • Klinke, Lambert 2000: Erzbischof Eduard Profittlich und die katholische Kirche in Estland 1930-1942. Ulm: Hess.
  • Salo, V. 2000: Geschichte der katholischen Kirche in Estland bis 1918. Manuskript.
  • Salo, V. 2002: The Catholic Church in Estonia, 1918-2001. The Catholic Historical Review, Vol. LXXXVIII, No. 2, Seiten 281-292.
  • Salo, V. 1987: Per un’introduzione alla storia religiosa dell’Estonia. In: Storia religiosa dei popoli baltici. Collana «Ricerche» 16. Milano/Gazzada, Seiten 47-68.
  • Wrembek, Christoph 2002: Jesuiten in Estland 1923 bis 1961. Tartu: JEV.
  • GO EAST. Jugend in Ost und West gestaltet Zukunft. Eine Arbeitshilfe für die kirchliche Jugendarbeit in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, hrsg. v. BDKJ und Renovabis - Infos und Download unter www.goeast-online.de
  • Länderinformationen zur Evangelischen Kirche in den Baltischen Staaten, hrsg. vom Kirchenamt der EKD, Informations - und Kontaktstelle Osteuropa (IKOE): www.ekd.de/download/baltikum.pdf

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Estland ist kein Einwanderungsland und das Thema "Migration" steht in der Politik nicht im Vordergrund. In Estland leben nach 1945 noch zwei nennenswerte ethnische Minderheiten: Russen und Finnen. Die russische Minderheit wird als historisch- nationale Minderheit angesehen und ist mit 406 049 (1999) am stärksten vertreten. 

In der Kinder- und Jugendarbeit gibt es bislang noch keine Programme, die sich speziell an Jugendliche mit Migrationshintergrund richten. 

Basierend auf den Ergebnissen des staatlichen Programms „Integration in die estnische Gesellschaft 2000-2007“ hat die Regierung eine Fortsetzung der Integrationsstrategie 2008-2013 erarbeitet. Diese sieht vor, die Integration junger Menschen nicht-estnischer Herkunft weiterhin über das Bildungssystem zu fördern, insbesondere durch Sprachförderung. Diese soll aber nicht erst in der höheren Schulbildung greifen, sondern schon in der frühkindlichen Bildung beziehungsweise der Grundschule ansetzen, wo die Kinder am schnellsten Sprache erlernen. Hier soll vor allem die Methode der Sprachimmersion greifen. Informationen

Der vom Ministerium für Bildung und Forschung finanzierte Jugendverband Avatud Vabariik (Offene Republik) unterhält für russischstämmige Jugendliche an weiterführenden Schulen und Gymnasien eine eigene Sektion.

Links
http://welcome.teretere.eu/integration-plan - Informationen zum Aktionsplan mit indiviudellem Stundenplan und Maßnahmen zur Förderung ausländischer Kinder bei der Eingewöhnung und zur Bewältigung der Aufgaben in estnischen Schulen
http://estonia.eu/about-estonia/society/integration-in-estonian-society.html - Informationen zur Integrationspolitik in Estland
www.praxis.ee/ - Link zum Bericht "Integration Monitoring 2011"

Informations- und Beratungszentren für Jugendliche

Für den Bereich der Jugendinformation ist in Estland das Zentrum für Jugendarbeit Estlands (Eesti Noorsootöö Keskus) zuständig. Es unterhält eine Datenbank für Jugendliche, in der diese sich über verschiedene Möglichkeiten im Bereich des Studierens, Reisens, Arbeitens, der Unterhaltung etc. informieren können. Außerdem gibt es eine Jugendzeitung heraus, die direkt an die Zielgruppe versandt wird.

Seit 1994 findet jährlich die Jugendinformationsmesse TEEVIIT in Estland statt. Dort können sich Jugendliche ebenfalls über Studien-, Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten in Estland und im Ausland informieren.

Seit 1999 wurden mit Unterstützung des Bildungs- und Forschungsministeriums in Estland über 30 Jugendinformations- und -beratungszentren sowie -infopunkte eröffnet. Die am weitest verbreiteten Stellen, wo (Jugend)Information gestreut und verbreitet werden, sind Jugendzentren, Schulen und über Jugendorganisationen. Andere Informationsquellen für estnische Jugendliche sind Rajaleidja und Eurodesk.

Kinder- und Jugendmedien

Jugendmedien spielen in Estland eine untergeordnete Rolle. Dies lässt sich auf die historische Entwicklung und die wirtschaftliche Situation zurückführen. Nach der Unabhängigkeit des Landes und wirtschaftlichen Veränderungen wurden viele führenden Positionen in der Gesellschaft von der jungen Generation eingenommen. Zudem lässt die geringe Bevölkerungszahl verbunden mit fehlender Kaufkraft nicht zu, dass sich ein sehr spezifischer Medienmarkt entwickelt.

Um den Mangel an speziellen Jugendmedien zu beheben, haben zahlreiche Verlage und Rundfunk- und Fernsehanstalten damit begonnen, Jugendseiten oder -sendungen zu erstellen. Die Lage auf dem Medienmarkt verändert sich noch recht stark, so dass mit einer Stabilisierung erst in einigen Jahren zu rechnen ist. Es ist daher noch nicht abzusehen, ob sich die derzeit existierenden Veröffentlichungen für Jugendliche auf dem Markt behaupten können.

Inhaltlich beschäftigen sich Jugendmedien vor allem mit unpolitischen Themen wie Unterhaltung, Musik und Kultur. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass bei Jugendlichen ein generelles Desinteresse an Politik zu beobachten ist. Zudem greift ein Teil der Jugendlichen in Estland auf fremdsprachige, insbesondere finnische und englische Jugendmedien zurück.

Zeitungen und Magazine
Es gibt drei spezielle Jugendpublikationen in Estland:

Noorus - ein Jugendmagazin, das monatlich erscheinen soll, allerdings zurzeit in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht wird. Noorus wurde vor kurzem privatisiert und hat seitdem noch nicht seine frühere Popularität zurückgewonnen. Das Magazin wurde 1946 gegründet und erschien auch während der sowjetischen Besetzung. Dies trug zum hohen Stellenwert des Blattes in Estland bei. Nach einer Pause von wenigen Monaten startete Noorus im Januar 1996 neu.

Das Magazin beschäftigt sich überwiegend mit Musik, Mode, Spielfilmen und dem Nachtleben. Noorus versucht alternativ und "in" zu sein und verwendet viel Umgangssprache. Einer der Redakteure bemerkt hierzu: "Das Magazin erscheint in neuem Gewand - in einem ansprechenden und modernen Mantel sozusagen. Wir haben uns auf die Zukunft eingestellt und versuchen ständig etwas Frisches und Spannendes zu finden. So wie alle jungen Leute dies tun." Noorus richtet sich an die Gruppe der 18 bis 30jährigen und erscheint in einer Auflage von 6 000 Exemplaren.

Meie Meel - eine wöchentlich erscheinende Jugendzeitschrift, die recht populär geworden ist und eine relativ hohe Auflage erreicht hat. Inhalt und Druckqualität werden ständig verbessert. Das Magazin ist vor kurzem privatisiert worden.

Meie Meel richtet sich vor allem an Teenager und beschäftigt sich mit den für sie interessanten Themen. Im Vergleich zu Noorus wird viel über schulische Fragen berichtet. Daneben enthält die Zeitung Berichte über Musik und Spielfilme und hat eine eigene Ratgeberseite. Meie Meel versucht cool zu sein, aber zugleich echte Hilfe für Teenager zu bieten, die Probleme haben. Deshalb werden Leserbriefe immer beantwortet und das Blatt nimmt eine Ratgeberrolle für junge Menschen wahr.

Ne Gorjui - ein brandneues Magazin in russischer Sprache, das zusammen mit der Wochenbeilage Den za Dnjom (Tag für Tag) der größten russischen Tageszeitung Estonija erscheint. Ne Gorjui ist sehr professionell aufgemacht und bietet neben Musik und Film auch Themen wie Computer, Reisen und Portraits.

Jugendseiten
Einige überregionale Tageszeitungen veröffentlichen Jugendseiten, meist in ihren Wochenendausgaben. Weil Jugendthemen und allgemeine Themen nur relativ schwer zu trennen sind, konzentrieren sich diese Seiten meist auf Popmusik und alternative Lebenswege. Dagegen werden Probleme Jugendlicher und politische Themen meist im Hauptteil der Zeitungen behandelt.

Die Jugendseite der Tageszeitung Postimees-Extra heißt Jess. Sie ist die Wochenendbeilage der größten Tageszeitung Estlands, Postimees, die in Tartu, der zweitgrößten Stadt in Estland, erscheint. Sie deckt vor allem den südlichen Teil des Landes ab. Jess versucht, in erster Linie Heranwachsenden Hilfe in Gesundheitsfragen und für zwischenmenschliche Beziehungen zu geben. Die Seite bringt zudem viel über Musik, neue Bands, Bücher und Filme. Darüber hinaus erscheinen immer wieder Reportagen über die älteren Generationen, wie zum Beispiel ein Überblick über die Beat-Generation. Jess hat eine Auflage von 61 000 Exemplaren.

Mikser sind die Jugendseiten von Laupäevaleht, der Samstagsbeilage der drittgrößten Tageszeitung im Land Sonumileht. Mikser deckt vor allem verschiedene Aspekte von Pop-Musik ab und ist nicht so sehr an Teenagern orientiert wie zum Beispiel Jess. Die Seite erreicht eine Auflage von 33 000 Exemplaren.

Die Samstagsbeilage der Eesti Paevaleht, der zweitgrößten Tageszeitung des Landes, heißt Pühapäevaleht. Sie erscheint als Massenblatt und ist von allgemeinem Interesse. Pühapäevaleht richtet sich nicht nur an Jugendliche, sondern vor allem an junge Familien. Die Zeitung erreicht eine Auflage von 43 000 Exemplaren.

Radio
Ein Radiosender, der sich speziell an Jugendliche richtet, existiert in Estland nicht. Die meisten der regionalen und überregionalen Sender wenden sich an alle Bevölkerungsgruppen und haben höchstens einige Jugendsendungen im Programm. Die einzigen erwähnenswerten Radiostationen, die bei Jugendsendungen von Interesse sind, sind Raadio 2, die staatliche, kommerzielle Radioanstalt, die vor allem Unterhaltungsprogramme für Jugendliche sendet, Raadio Kuku, ein privater Sender, der vorwiegend Talkshows und Informationssendungen im Programm hat (nicht speziell an Jugendliche gerichtet) und Tartu Raadio, der größte Sender in der zweitgrößten Stadt Estlands, Tartu.

Die anderen Radioanstalten spielen vor allem Musik, ohne sich dabei an bestimmte Bevölkerungsgruppen zu richten.

Fernsehen
ETV ist der staatliche Fernsehsender, der zur Zeit sowohl aus öffentlichen Mitteln, als auch durch Werbung finanziert wird und im ganzen Land zu empfangen ist. Im Programm sind zahlreiche Sendungen für Jugendliche, meist Musikprogramme oder die neuesten Nachrichten über Musik und Film. Das Programm und die dafür Verantwortlichen wechseln zweimal im Jahr.

TV 1 heißt die unabhängige Fernsehanstalt Estlands, der jüngste kommerzielle TV-Sender. Er ist derzeit noch in der Entwicklungsphase und könnte nach einiger Zeit auch neue Jugendprogramme übertragen.
(Text von Marek Dreving)

Internationale Kooperationen

Das Zentrum für Jugendarbeit Estlands ist seit 2004 Vollmitglied bei ERYICA (European Youth Information and Counselling Agency)

Estland ist Mitglied im europäischen Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk und wird vertreten durch die Organisation European Movement in Estonia.

Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen

Zum spezifischen Reiseverhalten der estnischen Jugendlichen liegen keine Angaben vor. Informationen und Anregungen bitte an die Redaktion.

Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte

Der nationale Jugendherbergsverband Estlands heißt Eesti Noortehostelite Ühendus. Zurzeit gibt es in Estland etwa 20 Jugendherbergen oder an den Verband angeschlossene Hotels. Die Preise (als Jugendherbergsmitglied) liegen zwischen 4 und 39 Euro. Teilweise ist in den Preisen das Frühstück inbegriffen.

Auf der Homepage des Estonian Tourist Boards findet sich eine Datenbank, in der man nach Unterkünften suchen kann.

Reisetipps und -informationen

In Estland gibt es die Möglichkeit mit der Europäischen Jugendkarte <26 zahlreiche Vergünstigungen zu erhalten. Das Zentrum für Jugendarbeit Estlands arbeitet mit EYCA (European Youth Card Association) zusammen und hat sich für eine Vollmitgliedschaft ab dem Jahr 2005 beworben.

Ausführliche weiterführende Informationen gibt es beim Estonian Tourist Board. Dort gibt es unter anderem nützliche Informationen für den Bereich des Kanu- und Wassersports, für den es in Estland aufgrund der vielen Seen hervorragende Möglichkeiten gibt.

Weitere Informationen zu Estland für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: http://europa.eu/youth/travelling_europe/index_ee_de.html

Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Für den Bereich der internationalen Jugendarbeit ist in enger Abstimmung mit dem Bildungs- und Forschungsministerium das Zentrum für Jugendarbeit Estlands zuständig. Es führt verschiedene Programme im Auftrag und mit dem Ministerium durch, setzt die internationalen Abkommen im Bereich der jugendpolitischen Zusammenarbeit um und koordiniert die internationalen Campaustausche im Rahmen des PLATFORM-Programms.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Am 25. November 1993 wurde in Bonn die Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Frauen und Jugend (BMFJ) und dem Ministerium für Kultur und Bildung der Republik Estland über jugendpolitische Zusammenarbeit unterzeichnet. Vereinbart wurde, sich jährlich über zu fördernde bilaterale Programme abzustimmen.

Das Ostseejugendbüro beim Landesjugendring Schleswig-Holstein, ein Netzwerk für Jugendaustausch rund um die Ostsee, unterhielt bisher mit dem estnischen Jugendrat enge Verbindungen. Nachdem dieser nicht mehr in der alten Form existiert und (September 1999) eine neue Dachorganisation im Aufbau befindlich ist, kooperiert das Ostseejugendbüro derzeit projektabhängig mit einzelnen Institutionen der Jugend(verbands)arbeit.

Internationale Zusammenarbeit

Das Ministerium für Bildung und Forschung Estlands hat bilaterale Abkommen über die jugendpolitische Zusammenarbeit mit Deutschland, Russland, Finnland und der flämischen Gemeinschaft in Belgien abgeschlossen. Estland ist Mitglied in den Strukturen der Ostseezusammenarbeit, die in den letzten Jahren zu einem gut funktionierenden Netzwerk geworden sind.

Im Ostsee-Jugendforum arbeiten die nationalen und regionalen Jugendringe der Ostseeanrainerstaaten zusammen. Jährlich finden mindestens zwei gemeinsame Treffen statt. Das Forum versteht sich als Plattform für die Koordination der multilateralen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen. Das Sekretariat rotiert auf jährlicher Basis. Das deutsche Mitglied ist das Deutsche Nationalkomitee (DNK), das in enger Abstimmung mit den Landesjugendringen in Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein im Ostsee-Jugendforum mitarbeitet.

Im März 1999 wurde beim Landesjugendring Schleswig-Holstein ein Ostsee-Sekretariat für Jugendangelegenheiten eingerichtet. Das Sekretariat arbeitet in Jugendfragen eng mit den für Jugend zuständigen Ministerien in den Ostsee-Anrainer Staaten sowie mit anderen Ostsee-Institutionen zusammen.

Als estnische Nationalagentur für das EU-Programm JUGEND IN AKTION ist die Archimedes-Stiftung zuständig.