Kinder- und jugendpolitische Strukturen
Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Für die Koordinierung der Jugendpolitik in Estland ist das Bildungs- und Forschungsministerium zuständig, das über eine eigene Jugendabteilung verfügt.
Zu den wichtigsten Aufgaben des Ministeriums zählen:
- Vorbereitung staatlicher Programme für die Jugend
- Unterstützung der Jugendverbände
- Koordination der Jugendcamps
- Koordination des Informations- und Beratungssystems für Jugendliche
- Forschung in Jugendfragen
- Überwachung der Verwendung der finanziellen Mittel etc.
Das Ministerium veröffentlichte 2001 eine Konzeption der estnischen Jugendarbeit für 2001 bis 2014 und parallel dazu einen Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland für die Jahre 2001 bis 2004. Außerdem ist in Teilbereichen das Kultusministerium mit jugendrelevanten Fragen befasst. Es leistet finanzielle Unterstützung für das landesweite Netz von Kunst- und Musikschulen für Kinder und Jugendliche.
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
Am 19. Mai 2002 wurde der Nationale Jugendring Estlands (Eesti Noorteühenduste Liit, ENL) gegründet. Er ist eine Dachorganisation von zurzeit über 55 Jugendorganisationen.
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Seit dem 1. September 1999 besteht das Zentrum für Jugendarbeit Estlands (Eesti Noorsootöö Keskus), das auf Beschluss des Bildungs- und Forschungsministeriums gegründet und von diesem auch finanziell unterstützt wird. Ziel des Zentrums ist die Koordinierung der Jugendarbeit im Land. Folgende Arbeitsbereiche bilden den Schwerpunkt des Zentrums:
- Information und Beratung
- Projekte und Programme
- Schulung und Training
- Jugendkarte <26
- Internationale Zusammenarbeit
- Soziale und sozialpädagogische Jugendarbeit u.v.m.
Das Zentrum für Jugendarbeit führt außerdem jährlich die Jugendinformationsmesse Teeviit durch, auf der Jugendliche Informationen über Studiumsmöglichkeiten, Jobs, Jugendorganisationen, Freizeitaktivitäten usw. finden können.
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Im November 1999 fand in Estland ein Jugendarbeitsforum statt, auf dem die Prioritäten der estnischen Jugendarbeit der nächsten Jahre festgelegt wurden. Im Wesentlichen sind vier Bereiche in den Vordergrund gestellt worden:
- Entwicklung von präventiven Möglichkeiten in der Jugendarbeit
- Fort- und Weiterentwicklung des Informations- und Beratungssystems für Jugendliche
- Weiterentwicklung des Zentrums für Jugendarbeit Estlands und Ausweitung seiner Arbeitsbereiche
- Verstärkung des Einflusses der freien Träger in der Jugendarbeit (inkl. größere finanzielle Unterstützung), Stärkung der Dachorganisationen der Jugendverbände
Im Jahr 2001 formulierte der damalige Bildungsminister Tönis Lukas ein Konzept zur estnischen Jugendarbeit, in dem die Hauptbereiche und Begriffe der Jugendarbeit definiert werden und das eine Basis für die Ausarbeitung und Realisierung von Entwicklungsplänen darstellt. Ziel der Jugendarbeit ist es demnach, "die Bedingungen für persönlichkeitsentwickelnde Beschäftigungen außerhalb der Familie, Schule und Arbeitsstelle zu schaffen, um die Sozialisierung der Jugendlichen und ihre Entwicklung zu in der Gesellschaft zurechtkommenden Mitgliedern zu fördern."
Nach dieser Konzeption findet Jugendpolitik auf verschiedenen staatlichen Ebenen statt: Parlament und Regierung schaffen die gesetzliche Basis für Jugendarbeit und stellen finanzielle Mittel aus dem Hauhalt bereit, das Bildungs- und Forschungsministerium und andere Ministerien sind zuständig für die (Weiter-) Entwicklung von Gesetzen und Konzepten und verantwortlich für die Umsetzung der staatlichen Jugendprogramme und -projekte, der Landkreisvorsteher und die örtliche Selbstverwaltung koordinieren und organisieren Jugendarbeit im entsprechenden Zuständigkeitsbereich. Außerdem führen freie Träger selbständig Jugendarbeit durch, darüber hinaus beteiligen sich Wirtschaftsunternehmen als Kooperationspartner der örtlichen Selbstverwaltung und an der Finanzierung.
Der hierauf basierende Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland für die Jahre 2001 bis 2004 beschreibt die Jugendarbeit in acht Bereichen: Jugendsozialarbeit; Freizeitbildung; Information über und für die Jugendlichen, Beratung und Forschung; Ausbildung, Fortbildung und Umschulung im Bereich der Jugendarbeit; gesundheitsfördernde und -entwickelnde Erholung der Jugendlichen; Integration der Jugendlichen in die Arbeitswelt; Internationale Jugendarbeit; Strukturen der Jugendarbeit und Beteiligung der Jugendlichen an deren Tätigkeit. Neben den Prioritäten der einzelnen Bereiche werden die zuständigen Institutionen und Verbände genannt.
Auf dem 3. Forum für Jugendarbeit vom 12. bis 13. Mai 2005 in Pärnu wurde von Vertreter(inne)n estnischer Einrichtungen der Jugendarbeit ein Strategiepapier verabschiedet, das die Basis für die Jugendpolitik der Jahre 2006 bis 2013 bildet. Folgende Hauptziele wurden formuliert:
- Sicherstellung von Jugendpartizipation und -entwicklung in allen jugendpolitischen Bereichen auf der Grundlage aktueller Interessen und Bedürfnisse junger Menschen
- Sicherstellung der Nachhaltigkeit der Jugendarbeit, indem Variabilität und Qualität der Angebote der Jugendarbeit erhöht und der Zugang zu ihnen verbessert werden
Eine Zusammenfassung des Strategiepapiers in deutscher Sprache kann hier heruntergeladen werden:
Jugendpolitik und Strategien der Jugendarbeit in Estland 2006-2013 - Kurze Zusammenfassung
Das gesamte Strategiepapier hier zum Download (in Englisch, 2 MB): ESTONIAN YOUTH WORK STRATEGY 2006-2013
Am 21. Februar 1996 lancierte Präsident Lennart Meri das Tiger Leap National Program. Ein Ziel dieses Programmes ist die Modernisierung des Erziehungssystems mit besonderem Blick auf die Anpassung an die Bedürfnisse einer modernen Informationsgesellschaft. 1997 wurde daraufhin auf Initiative des Erziehungsministeriums, der Computerindustrie und einiger privater Einzelpersonen die Tiger Leap Foundation gegründet. Diese wurde damit beauftragt, die Ziele des Programmes organisatorisch und finanziell zu verwirklichen. In der Öffentlichkeit wurde das Programm durch den Spruch Einen Computer für jeden 20. Schüler bekannt.
Estland nimmt am europäischen Aktionsprogramm JUGEND IN AKTION teil. Ansprechpartner ist die estnische Nationalagentur. Zwischen 2000 und 2002 konnten über 241 verschiedene internationale Jugendprojekte mit einer Summe von 14,6 Millionen EEK (zirka 933 108 Euro) durch JUGEND IN AKTION gefördert werden.


