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Interkulturelles Lernen

Sascha Rutzen / Jugendfotos.de

Interkulturelles Lernen findet nicht per se statt, sondern erfordert eine gute pädagogische Unterstützung und Begleitung, besonders bei jungen Menschen mit wenig Vorerfahrung. Die Aufgabe für Sie als Leitung besteht darin, einen pädagogisch strukturierten Rahmen bereitzustellen, in dem interkulturelle Lernerfahrungen gemacht und reflektiert werden können. Doch was versteht man eigentlich unter interkulturellem Lernen?

Treffen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinander, entdecken Sie Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Um in diesen Situationen voneinander zu lernen, ist es erforderlich, sich mit den verschiedenen Wahrnehmungen, Einstellungen, Werten und sozialisationsbedingten Verhaltensweisen auseinanderzusetzen.

Der interkulturelle Lernprozess sensibilisiert für andere, fremde Kulturen. Dies kann allerdings nur gelingen, in dem man sich zunächst der eigenen kulturellen Herkunft bewusst wird. Ziel ist es bei aller Verschiedenheit und den damit verbundenen Spannungen und Konflikten, friedliche Lösungen gemeinsam zu erarbeiten und Toleranz und Empathie für das jeweils Fremde zu entwickeln.

Interkulturelles Lernen erfordert die Bereitschaft sich auf komplexe Vorgänge einzulassen, die gleichzeitig verwirren und Spaß machen können. Gut gewählte Methoden und eine umfassende Auswertung erleichtern den Teilnehmenden den Einstieg. Die Auswahl und Vorbereitung der Methoden muss sehr gründlich erfolgen und unbedingt auch eine strukturierte Auswertungsphase enthalten, damit die Teilnehmenden aus den gemachten Erfahrungen Schlüsse ziehen und lernen können. Damit sich die Teilnehmenden auf eine interkulturelle Erfahrung überhaupt einlassen, ist es wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohl fühlen und das zur Kommunikation auffordert.

Zur Einführung in die Thematik eignen sich Spiele, Übungen und Simulationen besonders. Auf diese Weise erfahren die Teilnehmenden spielerisch und am eigenen Leib, was es zum Beispiel heißt in einer anderen Sprache eine demokratische Entscheidung in der Gruppe zu treffen.

In der (wissenschaftlichen) Literatur gibt es folgende Annahmen, die interkulturelles Lernen bei internationalen Begegnungen fördern:

  • Eine interkulturelle Gruppe kann durch kreative Methoden, die sich an gemeinsamen Interessen orientieren, besser in interkulturelle Lernprozesse geführt werden, als durch sprachlich überbetonte Angebote (wie zum Beispiel Vorträge).
  • Kleine Gruppen bieten die beste Voraussetzung, um intensiv interkulturell voneinander zu lernen: Es muss Zeit da sein, um Unterschiede herauszufinden und Missverständnisse zu klären.
  • Spiel und Sport „weichen“ bestehende Barrieren auf, sofern nicht zu viele komplizierte Erläuterungen nötig sind und Peinlichkeiten vermieden werden (zum Beispiel „Berührungsspiele“ mit arabischen Gruppen).
  • Mahlzeiten sind für diesen Prozess wenig ergiebig, wenn sie straff durchstrukturiert sind. Günstiger sind Selbstversorgerkonzepte, wenn sie nicht in Stress ausarten. Auf jeden Fall sind gemütliche Räume und genügend Zeit wichtige Rahmenbedingungen, um beim Essen miteinander ins Gespräch zu kommen.
  • Ausflüge und Exkursionen, die über Selbsterkundungskonzepte umgesetzt werden, vermitteln authentischere Eindrücke als traditionelle Besuche und Besichtigungen. Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln (statt im gemieteten Reisebus) tragen dazu ebenso bei wie das selbständige Durchstreifen interessanter touristischer Bereiche (statt dem Mitgehen auf Führungen). Ausreichende Pausen (in Cafés oder auf Parkbänken ...) bieten Möglichkeiten, sich über das Gesehene auszutauschen.
  • Gegenseitige Übersetzungshilfen tragen in einer Gruppe wesentlich mehr zum positiven Klima bei als eine perfekte Simultanübersetzung.

Wenn Sie das im Hinterkopf behalten beziehungsweise bei der Durchführung des Programms berücksichtigen, haben Sie für den interkulturellen Lernprozess eine gute Ausgangslage geschaffen.

Quellen: Kern, M. und Kimmig, M., Interkulturelles Lernen – eine Annäherung, in: Und was machen wir heute? Deutsch-Polnische Werkstatt Teil 2, Erste Auflage.; Müller, Werner, Spiele und Methoden: Kreative Formen in interkulturellen Begegnungen.; Taylor, Mark, Methoden internationaler Jugendarbeit. Bausteine inhaltlicher Gestaltungen. In: Otten & Treuheit (Hrsg.), Interkulturelles Lernen in Theorie und Praxis, Leske und Budrich 1994.

Konkrete Methoden, aber auch Hintergrundliteratur zum interkulturellen Lernen finden Sie auf DIJA.de in der Toolbox Interkulturelles Lernen - Methodenbox interkulturell sowie unter Toolboxen - Literatur & Links.