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Die Insel

Simulationsspiel, bei dem zwei Gruppen mit unterschiedlichen Regeln und Werten einander begegnen und zusammenarbeiten.

Kategorien

Vom ICH zum WIR

Zielgruppe

Jugendliche

Gruppengröße

10-16 Personen

Dauer

Etwa 2-3 Stunden

Ziele

  • Sensibilisierung dafür, wie Kulturen unser Leben und unsere Ansichten beeinflussen.
  • Anregung einer Auseinandersetzung darüber, wie Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander kommunizieren und interagieren.
  • Auslotung kultureller Tabus und der Grenzen der Toleranz.
  • Anregung einer Diskussion über die Möglichkeiten interkultureller Kooperationen.

Rahmenbedingungen

Ein großer Raum, in dem die Gruppen ausreichend Platz haben. Mit ein paar Anpassungen kann die Simulation auch nach draußen verlegt werden.

Vorbereitung

Die Spielleitung sollte die Simulationsbeschreibung sehr genau durchlesen und sich vergewissert, dass sie alles verstanden hat und genau weiß, welche Aufgaben die Spieler/-innen in jeder Phase haben und welche Regeln ihre Kultur vorschreibt.

Die Simulation erfordert eine recht umfangreiche Vorbereitung:

  1. Suchen Sie ein passendes Versteck für die Spezialballons, blasen sie diese aber nicht auf.
  2. Zeichnen Sie eine Karte, auf der das Versteck gekennzeichnet ist. Dabei sollten Sie sicherstellen, dass das Versteck nicht entdeckt werden kann, wenn die Spieler/-innen nur die Hälfte oder drei Viertel der Karte sitzen.
  3. Schneiden Sie die Karte in vier Teile. Zwei Teile erhält später Stamm B. Falten Sie die anderen beiden Teile zusammen und stecken Sie sie in je einen Ballon (gemeint sind zwei der drei unterschiedlichen Ballons für Stamm A).
  4. Blasen Sie die acht farbigen Ballons auf, nutzen Sie aber zum Verschließen keinen Knoten, sondern einen Faden, so dass man die Luft aus den Ballons lassen kann, ohne diese zerstören zu müssen.
  5. Befestigen Sie vier der roten runden Ballons an der Wand in der Ecke, in der Stamm B siedelt (Küste) und die übrigen vier in der Ecke von Stamm A (Berge). Legen Sie die zwei Teile der Karte, die für Stamm B gedacht sind, in einem Umschlag in dessen Ecke bereit.
  6. Stellen Sie den Kasten mit „Equipment“ in die Mitte des Raumes. Sie sollten dabei nicht spezifizieren, für was die Gegenstände gedacht sind. Es ist Sache der Teilnehmenden, ob sie sie nutzen oder nicht. Ergänzen Sie weitere Gegenstände in dem Kasten, die nützlich sein könnten, wie z.B. eine Lupe, wenn die Karte sehr klein ist, eine Taschenlampe, wenn die Karte im Dunkeln versteckt ist, oder einen Schlüssel, wenn sich die Karte in einer Kiste befindet.

Ablauf

Das Spiel umfasst drei Phasen: Im ersten Teil lernen die beiden Stämme etwas über ihre eigene Kultur, im zweiten Teil treffen die Stämme aufeinander und lernen miteinander in der Sprache des anderen zu kommunizieren und im dritten Teil suchen die Stämme nach den versteckten Ballons.

Die Teilnehmenden werden in zwei Gruppen eingeteilt. Im Anschluss erzählt die Spielleitung die folgende Hintergrundgeschichte:

„Auf einer Insel leben zwei Stämme. Stamm A siedelt in den Bergen und Stamm B in der Nähe der Küste. Sie existieren Seite an Seite und haben nur selten Kontakt miteinander.

Die beiden Stämme sprechen unterschiedliche Sprachen und haben verschiedene Kulturen. Gemeinsam ist ihnen aber, dass Ballons für sie von besonderer Bedeutung sind. Stamm A legt aus religiösen Gründen großen Wert auf die Vielfalt von Ballons und sammelt sie in so vielen verschiedenen Typen, Formen und Farben wie möglich. Stamm B nutzt Ballons für medizinische Zwecke, insbesondere solche, die rund und rot sind.

Seit einiger Zeit leiden die Angehörigen von Stamm B an einer seltsamen Krankheit, die gemäß einer alten Legende nur durch ein einziges Mittel zu heilen ist: einen sehr seltenen Ballon, der nur an einem unbekannten Ort auf der Insel zu finden ist. Glücklicherweise gibt es eine Karte, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird und sie zu dem Ballon führen soll, den sie brauchen.

Doch leider wurde die Karte vor vielen Jahren in einem Krieg fast zerstört und Stamm B hat nur noch einen Teil davon. Die Legende besagt aber, dass Stamm A die andere Hälfte besitzt.

Ziel dieses Spiels ist es, dass Stamm B die Medizin findet, die er benötigt, und Stamm A seine Ballons beschützt. Allerdings werdet ihr auch sehen, dass es – wie im richtigen Leben – unerwartete Entwicklungen geben kann.“

1. Phase: Die Stämme lernen ihre Kultur kennen und entwickeln ihre eigene Sprache. Die Gruppen werden gebeten, sich in der ihnen zugewiesenen Ecke des Raumes niederzulassen. Dort erhalten sie die Rollenbeschreibung für ihren jeweiligen Stamm sowie Papier und Stifte.

Die Gruppen erhalten nun den Auftrag, sich einen Namen für ihren Stamm auszudenken, die Regeln ihrer Kultur zu lernen und eine eigene Sprache zu entwickeln. Diese Sprache müssen sie üben, so dass sichergestellt ist, dass jeder in der Gruppe sie fließend spricht. Hierfür haben sie 20 Minuten Zeit.

Die Spielleitung gibt nun das Signal, dass die Simulation beginnt. Von nun an muss jede/-r seine/ihre Rolle spielen, das heißt die Sprache nutzen und nach den Regeln seines/ihres Stammes leben.

2. Phase: Die Stämme treffen aufeinander. Dies ist die Möglichkeit für sie zu lernen, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren, indem sie Essen und Getränke miteinander teilen.

Stamm A erhält die Kekse und Stamm B die Getränke und Becher. Beide Gruppen treffen sich nun in der Mitte des Raumes, die neutrales Territorium repräsentiert.

3. Phase: Die Suche nach den Ballons. Die Gruppen werden informiert, dass sie nun noch 45 Minuten Zeit haben. Stamm B sollte nun mit den Verhandlungen über die fehlende Kartenhälfte beginnen und versuchen, die versteckten Ballons zu finden.

Material

Für die Entwicklung der Stammeskultur:

  • Stifte und Papier
  • Kopien der Rollenbeschreibungen (siehe Download)

Für das Zusammentreffen:

  • Getränke, Becher und Kekse für alle

Für die Suche:

  • 5 rote, runde Luftballons
  • 3 Luftballons, die sich in Farbe und Form unterscheiden (zum Beispiel ein runder Gelber, ein langer Grüner, ein schlangenförmiger Blauer)
  • 2 gleiche Spezialballons, die sich deutlich von den anderen unterscheiden [zu Ballons aufgeblasene Kondome (siehe hierfür auch die Erläuterungen unter „Hinweise“)]
  • Faden, um die Luftballons zuzubinden
  • Klebeband, um die Luftballons an der Wand zu befestigen
  • Kasten mit „Equipment“, darunter Reißzwecken, Scheren, ein Stück roter Lippenstift/rote Schminke, Klebeband.
  • Papier beziehungsweise Karton und Stifte, um eine Karte zu zeichnen

Auswertung

Die Auswertung sollte damit beginnen, dass die Gruppe darüber spricht, was während der Simulation passiert ist, und dann dazu übergehen, was die Teilnehmenden gelernt haben und welcher Bezug zum realen Leben besteht.

Mögliche Leitfragen:

  • Was es schwierig die Sprachen zu verwenden und zu verstehen?
  • Wie habt ihr während der Suche miteinander kommuniziert? Habt ihr eine oder beide Sprachen verwendet? Zeichensprache? Gab es Missverständnisse?
  • Wie habt ihr das Problem gelöst, die Ballons von Stamm A zu öffnen? Wer hat es getan? Wie hat es sich angefühlt, ein kulturelles Tabu zu brechen?
  • Welche Tabus gibt es in unserer Gesellschaft? Was ist ihre Funktion?
  • Welche Dinge nutzen wir in unserem Alltag, die ursprünglich aus anderen Ländern oder Kontinenten stammen?
  • Könnt ihr euch vorstellen, nur davon zu leben, was aus eurer eigenen Kultur/eurem eigenen Land kommt?
  • Warum ist Kultur für uns so wichtig? Ist Kultur wichtig für dich? Weshalb?
  • Was hindert uns daran, andere Kulturen zu verstehen?
  • Könnt ihr Beispiele nennen (aus der Vergangenheit oder der Gegenwart), bei denen sich zwei Kulturen einander angepasst und dabei gewonnen haben?
  • In der heutigen Welt gibt es zahlreiche Beispiele für Konflikte zwischen Kulturen. Entscheiden Sie gemeinsam mit der Gruppe darüber, welches Beispiel Sie diskutieren wollen: Was führte zu dem Konflikt? Wer gewinnt und wer verliert dabei? Was verlieren Menschen, wenn sie sich anderen Kulturen öffnen? Was haben sie dabei zu gewinnen?

Hinweise

Es wird vorgeschlagen, dass als Spezialballons Kondome verwendet werden, da diese sich zum einen deutlich von den anderen Ballons unterscheiden und zum anderen für viele Menschen immer noch ein „Tabu” darstellen. Kondome zu verwenden, könnte deshalb ein „Test“ für die Grenzen der Toleranz einiger Teilnehmender darstellen. Zudem bietet sich in der Auswertungsrunde ein guter Anknüpfungspunkt ggf. Themen wie AIDS und Diskriminierung HIV-positiver Menschen anzusprechen.

Entwicklung der Stammeskultur
In dieser Phase sollen die Teilnehmenden kreativ werden.

Sollte eine Gruppe Schwierigkeiten haben, kann die Spielleitung vorschlagen, beispielsweise alle Konsonanten durch einen einzigen Buchstaben zu ersetzen. Im Englischen funktioniert dies zum Beispiel gut mit „L“ oder „R“. Andere Vorschläge könnten sein, Wörter rückwärts zu sprechen oder jedes Wort mit einem bestimmten Buchstaben anzufangen.

Stellen Sie sicher, dass die Stammesmitglieder ihre jeweilige Sprache und die Regeln ihrer Kultur gut beherrschen.

Das Zusammentreffen
Dass der eine Stamm die Kekse und der andere die Getränke hat, stellt eine gute Gelegenheit dar, die Sprache des jeweils anderen kennen zu lernen. Die Spieler/-innen müssen miteinander kommunizieren, wenn sie das Problem zum Vorteil aller lösen wollen.

Die Suche
Es gibt viele mögliche Ausgänge für die Simulation, abhängig vom Verhandlungsgeschick und dem Temperament der Teilnehmenden und der Bedeutung, die kulturelle Werte sie haben. Sollte die Simulation ins Stocken geraten, kann die Spielleitung mit einem oder mehreren Hinweisen weiterhelfen.

Ein mögliches Szenario könnte folgendermaßen aussehen:

Die Spieler/-innen sichten die Kartenteile in den Ballons von Stamm A. Sie müssen darauf kommen, dass es möglich ist, die Papierstücke aus den Ballons herauszuholen und trotzdem die kulturellen Werte von Stamm A zu respektieren.

Eine genaue Untersuchung der Ballons wird zeigen, dass es möglich ist, sie aufzubinden, die Luft herauszulassen, das Papier herauszuholen und die Ballons anschließend wieder aufzublasen.

Trotzdem wird Stamm B verhandeln müssen, um Stamm A davon zu überzeugen, dass jemand das kulturelle Tabu brechen und die Ballons berühren darf. Stamm A könnte beispielsweise darauf bestehen, dass derjenige, der die Ballons anfasst, eine rote Nase trägt und sich qualifizieren muss, indem er das Ritual vollzieht (siehe Rollenbeschreibung für Stamm A).

Am Anfang scheint es keinen Vorteil für Stamm A zu geben, wenn er Stamm B hilft, da Stamm B nur über rote Ballons verfügt, von denen Stamm A bereits einen besitzt. Am Ende wird sich aber zeigen, dass Stamm A trotzdem gewinnen kann, da zwei neue Ballons versteckt sind und Stamm B einen der beiden abgeben könnte.

Hintergrund

Bei Schulungen für Betreuer/-innen von internationalen Jugendbegegnungen (im nationalen Rahmen) stellt sich oft das Problem, wie Sie Ihre Kursteilnehmer/-innen – sozusagen mit einer „Trockenschwimmübung“ – dennoch möglichst praxisnah auf das Zusammentreffen mit Menschen aus anderen Kulturen vorbereiten. (Wenn Sie in der glücklichen Lage sind, solche Schulungen mit internationaler Beteiligung durchzuführen, können Sie diesen Inhalt „live“ einbringen ... dennoch ist der hier geschilderte Ansatz auch dafür interessant!).

Im Wesentlichen geht es darum, Stichworte (wie zum Beispiel Enkulturation, Ethnozentrismus, kulturelle Norm usw.) „mit Leben zu füllen“ und den Umgang damit praktisch zu üben.

Dafür bietet sich die Methode des Simulationsspiels an, mit der in der Regel am Beispiel des Aufeinandertreffens von „Phantasie-Kulturen“ Mechanismen eines solchen Prozesses verdeutlicht werden können. Der besondere Effekt liegt unter anderem darin, dass dieses „Aufeinandertreffen“ auch emotional erlebt werden kann.

Zu viel dürfen Sie von dieser Laborsituation der internationalen Begegnung allerdings auch nicht erwarten ... es ist eben doch „nur“ eine Simulation – und die Realität der eigentlichen Begegnung mit Menschen aus realen Kulturen findet nicht statt. Als Kurseinheit in Schulungen jedoch ist ein (gut angeleitetes!) Simulationsspiel allemal geeignet.

Quelle

Europarat: Education Pack - Idea, resources, methods and activities for informal intercultural education with young people and adults, Straßburg 2005.