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Dreiecksspiel 'Identität'

Übung zur Identitätsfrage, Selbstreflexion

Kategorien

Vom ICH zum WIR

Zielgruppe

Jugendliche, Multiplikator(inn)en, Fachkräfte

Gruppengröße

4 - 5 Personen pro Kleingruppe

Dauer

Für die Kleingruppenarbeit werden ca. 35 Minuten empfohlen, mit anschließender Diskussion und abschließender Auswertung sind ca. 1 ½ Stunden notwendig.

Ziele

Bei diesem Spiel geht es um verschiedene Facetten von Identität. Die Teilnehmer/-innen sollen sich mit sich und ihrer Identität auseinander setzen und erkennen, wie sich ihre Identität als Balance zwischen ihren eigenen und den gesellschaftlichen Erwartungen entwickelt.

Rahmenbedingungen

Es sollte entweder ein ausreichend großer Seminarraum zur Verfügung stehen, in dem sich mehrere Kleingruppen ungestört unterhalten können, oder zusätzlich zu dem Seminarraum für die abschließende Gesamtplenumdiskussion auch noch mehrere kleinere Räume vorhanden sein.

Vorbereitung

Da diese Methode sehr variabel gestaltet werden kann, richtet sich die Vorbereitung nach der ausgewählten Variation. Die unter „Ablauf“ dargestellte Möglichkeit bedarf außer der Materialbereitstellung keiner weiteren Vorbereitungen.

Ablauf

Das Spiel lässt sich in drei große Teile unterteilen. In jedem dieser drei Teile sollen sich die Teilnehmer/-innen jeweils eine Frage zum Thema Identität stellen. Die Antworten zu den Fragen sollen Schritt für Schritt mit verschiedenen Farben in verschiedene Teile des dreigeteilten Dreiecks geschrieben werden.

1. Frage: Welche Erwartungen, Wünsche, Utopien habe ich an mich?

Hier geht es darum, eigene Erwartungen an sich selbst zu reflektieren. Diese Erwartungen stehen in der Regel im Kontext bestimmter Rollen, die ich in verschiedenen Interaktionszusammenhängen übernehme. Ein Beispiel wäre: Ich habe die Erwartung, den Wunsch an mich in meiner Rolle als Student/-in, mein Studium möglichst langsam und gemütlich anzugehen, um das „Studentenleben" so richtig zu genießen. Drei bis vier Antworten dieser Frage sollen von allen Teilnehmer(inne)n mit einer gemeinsamen Farbe in die Spitze ihres eigenen Dreiecks (die auf die jeweilige Person zeigt) geschrieben werden. Hierfür haben die Teilnehmenden 10 Minuten Zeit.

2. Frage: Welche Erwartungen werden von außen an mich herangetragen?

Hier geht es darum, fremde Erwartungen, die an mich von außen herangetragen werden (z.B. von meiner Familie, von meiner Arbeitsstelle, von meinem Freundeskreis), zu reflektieren. Diese Erwartungen, die ich selbst in der Regel nur vermuten kann („Erwartungserwartungen“) hängen in der Regel mit verschiedenen Rollen zusammen, die ich in unterschiedlichen Interaktionszusammenhängen übernehme. Ein Beispiel wäre: Meine Eltern haben die Erwartung an mich in meiner Rolle als Student/-in, dass ich mein Studium möglichst schnell und erfolgreich beende. Drei bis vier Antworten dieser Frage sollen von allen Teilnehmenden mit einer anderen gemeinsamen Farbe (als die der Frage 1) in die Basis des Dreiecks (die zur Mitte zeigt) geschrieben werden. Hierfür haben die Teilnehmenden 10 Minuten Zeit.

3. Frage: Wie balanciere ich meine Erwartungen und die Erwartungen, die von außen an mich herangetragen werden, gegeneinander aus?

Bei der Beantwortung dieser Frage geht es darum, in der Kleingruppe zu diskutieren, wie jede/-r Einzelne dieses Problem der Balance der eigenen Erwartungen an eine bestimmte Rolle und der vermuteten fremden Erwartungen an diese Rolle für sich löst. Werden Kompromisse gesucht, lebe ich nur meine eigenen Erwartungen und Wünsche aus, oder passe ich mich fremden Erwartungen und Wünschen an? Ein Beispiel wäre, dass ich meine Erwartungen an ein „Studentenleben“ auslebe und mir Zeit mit meinem Studium nehme, mir aber mein Studium selbst finanziere, um meinen Eltern nicht zu lange auf der Tasche zu liegen. Die Antworten sollen mit einer dritten gemeinsamen Farbe in den mittleren Teil des Dreiecks geschrieben werden. Hierfür haben die Teilnehmenden 15 Minuten Zeit.

Abschließend sollen die Ergebnisse der Kleingruppen vorgestellt und zu dem Spiel eine Diskussion in der Großgruppe stattfinden. Mögliche Fragen zur Diskussion können sein:

  • Wie hat mir das Experiment gefallen?
  • Welcher Teil des Experiments war für mich besonders schwer?
  • Wie kommen die einzelnen zu der Balance zwischen eigenen und fremden Erwartungen?

Material

Für jede/-n Teilnehmer/-in werden ein vorbereitetes Stück Papier (DIN A3) in Form eines dreigeteilten Dreiecks und jeweils drei unterschiedlich farbige Stifte benötigt.

Auswertung

Die abschließende Diskussion beinhaltet von ihrer Fragestellung her schon eine sorgfältige Evaluation.

Hinweise

Die Thematik wurde von Yvonne Mallmann in ihrer Diplomarbeit „Deutsche Identität als Thema im Kontext nationaler und internationaler Jugendarbeit“ noch wesentlich ausführlicher dargestellt.

Varianten

Variante 1

1. Frage: Was macht mich einzigartig?

Drei bis vier Antworten dieser Frage sollen von allen Teilnehmenden mit einer gemeinsamen Farbe in die Spitze ihres eigenen Dreiecks (die auf die jeweilige Person zeigt) geschrieben werden. Zur Vereinfachung und zur Eingrenzung des Bereichs der möglichen Antworten soll eine Liste von „Charaktereigenschaften“ bereitgestellt werden, aus der die Teilnehmenden Eigenschaften, die sie persönlich einzigartig machen und für sie wichtig sind, auswählen können. Natürlich sind auch eigene Ideen bevorzugt möglich (z.B. 3 aus der Liste und 2 eigene). Bei vier Teilnehmenden sind Dreifach-Nennungen möglich (bei fünf Teilnehmenden Vierfach-Nennungen). 10 Minuten Zeit.

2. Frage: Was haben alle Teilnehmer/-innen in der Kleingruppe gemeinsam?

Drei bis vier Antworten dieser Frage sollen von allen Teilnehmer(inne)n mit einer anderen gemeinsamen Farbe (als die der 1. Frage) in die Basis des Dreiecks geschrieben werden. Auch hier besteht die Möglichkeit vorher eine Liste mit Eigenschaften zu erstellen, aus der die Teilnehmenden dann auswählen können. Hier sind übereinstimmende Nennungen aller Teilnehmenden erforderlich. 10 Minuten Zeit.

3. Frage: Aus welchen Einzigartigkeiten und festgestellten Gemeinsamkeiten puzzle ich mir meine Identität?

Bei der Beantwortungen dieser Frage geht es darum, in der Kleingruppe zu diskutieren, inwiefern aus Einzigartigkeiten, die jeder Einzelne für sich besitzt und festgestellten Gemeinsamkeiten eine jeweils spezifische Identität zusammengesetzt ist. 15 Minuten Zeit.

Auch hier folgt eine Diskussion in der Großgruppe.

  • Wie hat mir das Experiment gefallen?
  • Bin ich wirklich „einzigartig“?
  • Welche Seiten meiner Persönlichkeit möchte ich in Zukunft stärker betonen?
  • Welche Seite möchte ich eher abschwächen?
  • Wie ist im Augenblick die Atmosphäre in der Gruppe?

Variante 2

Einbeziehen eines Puzzles: Jede/-r Teilnehmer/-in erhält Teile eines Puzzles, auf die er/sie die Antworten der Fragen in verschiedenen Farben schreiben soll. Diese Teile werden dann entsprechend der Spielanleitung in die Felder der Dreiecke gelegt. Bei der Bearbeitung der 3. Frage soll dann jede/-r Teilnehmer/-in sein/ihr Puzzle zusammenfügen.

Variante 3

Um unterschiedliche Identitäten (Figuren) bei nahezu gleichen Einzigartigkeiten und besonderen Gemeinsamkeiten (Puzzleteilen) deutlich zu machen, könnte man Figuren vorbereiten, die zwar aus ähnlichen Einzelteilen bestehen (Körperteile: Kopf, Rumpf, Arne, Beine) sich aber in ihrer Haltung unterscheiden (z.B. Figuren in Anlehnung an Keith Haring). Hier wird vor allem der dritte Schritt, nämlich die Balance zwischen personaler und sozialer Identität, zwischen- und Fremdwahrnehmung deutlich. Es wird außerdem deutlich, dass jeder trotz Gemeinsamkeiten und eventuell ähnlicher „Einzigartigkeiten“ eine ganz besondere Person ist, die sich von allen anderen unterscheidet. Der Nachteil bei dieser Variation ist der große Vorbereitungsaufwand.

Hintergrund

Deutschland gilt als schwieriges Vaterland. Die Entwicklung eines nationalen Wir-Gefühls oder auch eines Nationalstolzes ist in Deutschland vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sehr ambivalent – ambivalenter als dies in vielen anderen Staaten der Fall ist. Wir-Gefühl bedeutet, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen und diese als Person auch nach außen zu präsentieren. Wir-Gefühle sind bestimmt durch Selbst- und Fremdwahrnehmung und diese Wahrnehmung kann je nach Kontext stark variieren. Sie sind latent vorhandene Orientierungen, deren Aktivierung begünstigt wird, wenn wir unsere gewohnte Umgebung verlassen, verreisen, ins Ausland gehen. Oft ist dann die erste Frage, woher man kommt. Die einen sind überrascht, sich sozusagen vor allen persönlichen Merkmalen zuerst einmal als Deutsche/-r outen zu müssen. Andere betonen, man komme zwar aus Deutschland, verstehe sich aber als Europäer/-in. Wieder andere geben zu verstehen, man sei zwar aus Deutschland, wolle aber eigentlich nichts damit zu tun haben – und vermissen dann doch gerade im Ausland einen kollektiven Bezugspunkt. Und natürlich gibt es solche, die sich besonders im Urlaub in der demonstrativen Rolle der von Ausländern so wahrgenommenen deutschen Überheblichkeit üben.

Mit der Wiedervereinigung sind diese ambivalenten Gefühle hinsichtlich des deutschen Wir-Gefühls nicht verschwunden, sondern eher stärker bzw. noch differenzierter geworden. Mentalität, (kulturelle) Identität, Kulturstandards, Stereotypen etc. sind zwar Begriffe, die jederzeit heftig diskutiert werden, aber aus dieser Diskussion ließen sich bisher kaum Handlungsmuster ableiten, die Leiter/innen und Teilnehmer/innen von internationalen Jugendbegegnungen einen unverkrampfteren Umgang mit diesem Thema ermöglichten.

Quelle

Mallmann, Yvonne;Schilz, Simone: Servicepaket Identität. Dritter Teil des Readers zum Modellseminar „Du deutsch“. Koblenz 1997.