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Bafa Bafa

Simulationsspiel, in dem zwei Gruppen aufgrund unterschiedlicher Regeln und Werte verschiedenartige Kulturen entwickeln und einander begegnen.

Kategorien

Vom ICH zum WIR, Konflikte & ihre Bearbeitung, Migration

Zielgruppe

Jugendliche ab 14 Jahren, Fachkräfte

Gruppengröße

20 - 30 Personen

Dauer

Etwa 2 Stunden.

Ziele

  • Empathieentwicklung für andere Kulturen.
  • Verständnis für Kultur und ihre Entstehung.
  • Reflexion der eigenen Kultur.
  • friedlicher Umgang miteinander.
  • Selbsterfahrung: Wie reagiere ich auf Neues? Wie schnell oder langsam kann ich mich auf neue Gegebenheiten einlassen?
  • Eigenes Erleben von Neugier oder Ablehnung, Verständnis oder auch totalem Unverständnis.
  • Abbau von Hemmungen in binationalen Gruppen.

Rahmenbedingungen

Notwendig sind zwei getrennte Räume und zwei Spielleiter/-innen.

Vorbereitung

Spielmaterialien auswählen und bereitstellen.

Ablauf

Die Einleitung für die Teilnehmer/-innen soll knapp und einfach sein. Es sollte aus ihr hervorgehen, dass es sich um die (simulierte) Erfahrung des Aufeinandertreffens von Menschen aus verschiedenen Kulturen geht. Danach folgt die Einteilung in zwei gleich starke (binationale) Gruppen.

Die eine Gruppe stellt die Gesellschaft BA dar, die andere die Gesellschaft FA. Zu jeder der beiden Zivilisationen gehört eine bestimmte Verhaltensweise, die einem impliziten kulturellen Code entspricht (zum Beispiel zwei antagonistische Zivilisationen: eine kollektive Kultur, die auf Gemeinwohl, Solidarität, dem Körperkontakt basiert – und eine ökonomische Kultur, die auf Handel und Gewinn, Individualismus sowie formellen und distanzierten Beziehungen aufbaut). Zunächst erlernen die Teilnehmer/-innen die Charakteristika ihrer Gesellschaft, ohne etwas von denen der anderen Zivilisation zu wissen.

Beim Erlernen der eigenen Kultur können folgende Leitfragen hilfreich sein:

  • Wie gehen wir miteinander um?
  • Was geben wir uns in der Gruppe, um uns glücklich zu machen?
  • Ist meine Kultur friedlich oder kriegerisch?
  • Will meine Kultur herrschen, beobachten, sich anpassen?
  • Was ist das Ziel meiner Kultur (Liebe, Herrschaft…)?
  • Religion meiner Kultur: Gibt es einen Götzen oder eine Priesterin, die angebetet werden oder irgendeine andere Form von religiöser Tätigkeit?
  • Wovon leben die Menschen in meiner Kultur und kann ich das, was ich brauche, bekommen?

Darüber hinaus sollten Verhaltensweisen und Ausdrucksformen für die folgenden Emotionen und Bedürfnisse überlegt und gut geübt werden:

  • Unsicherheit Angst vor Fremden, vor beängstigenden Situationen
  • Ablehnung
  • Begrüßung (von Fremden und Gruppenmitgliedern)
  • Zuneigung
  • Freude
  • Liebe und Hass
  • Bedürfnis nach dem, was immer die Kultur zum Leben braucht
  • Wie ruft man um Hilfe?
  • Was tut man, um zu helfen?
  • Was einem in der Gruppe sonst noch einfällt.

Die beiden Gruppen halten sich von nun an in zwei verschiedenen Räumen auf. Sie werden mehrmals Vertreter/-innen in die andere Zivilisation entsenden, mit der Aufgabe, diese „fremde“ Zivilisation zu dechiffrieren. Die ersten Vertreter/-innen haben lediglich einen Beobachterstatus: Nachdem sie – ohne einzuschreiten – die andere Gesellschaft beobachtet haben, kehren sie in ihre Zivilisation zurück und erzählen, was sie gesehen haben.

Die nachfolgenden Vertreter/-innen müssen versuchen, mit der anderen Kultur in Kontakt zu kommen. Sie erzählen bei ihrer Rückkehr ihrem Volk ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Im Laufe des Spiels müssen die beiden Gruppen nach und nach den Funktionsmechanismus der jeweils anderen Kultur verstehen lernen. Am Ende des Spiels sollten alle Angehörigen einer Kultur in der Lage sein, sich entsprechend und angemessen gegenüber den Angehörigen der anderen Zivilisation zu verhalten.

Material

Spielanleitungen für die Teilnehmenden.

Auswertung

Es ist sehr wichtig dass sich die Gruppen zusammen mit der Leitung zu einer Reflexion zusammenfinden und folgende Fragen (Reihenfolge bitte einhalten) beantwortet:

  1. Die Gruppe der Gesellschaft BA berichtet über ihre Gefühle als plötzlich Fremde in ihre "Heimat" kamen.
  2. Die Gruppe der Gesellschaft FA berichtet darüber wie man sich fühlt wenn man eine Kultur besucht deren Sprache Gesten und Verhaltensweisen fremd sind.
  3. Die Gruppe BA versucht die Kultur der Gruppe FA zu erklären.
  4. Die Gruppe FA versucht die Kultur der Gruppe BA zu erklären.
  5. Die Gruppe BA erklärt ihre Kultur.
  6. Die Gruppe FA erklärt ihre Kultur.

Der Auswertung folgt eine Diskussion, die mit der Frage: „Woran erinnert euch dieses Spiel?“ eingeleitet werden kann.

Hinweise

  • Sich auf einfache Regeln beschränken, da die Diskussion schwierig genug ist.
  • Neutrale Zivilisationen auswählen, um die Dramatik aus dem Dialog zu nehmen und Distanz zur eigenen Kultur zu erlangen.
  • Der erweiterte Kulturbegriff, der das Individuum in seiner Lebenswelt betrachtet, wird bei diesem Simulationsspiel außer Acht gelassen.

Hintergrund

Bei Schulungen für Betreuer/-innen oder bei Vorbereitungstreffen von internationalen Jugendbegegnungen (im nationalen Rahmen) stellt sich oft das Problem, wie Sie Ihre Kursteilnehmer/-innen – sozusagen mit einer „Trockenschwimmübung“ – dennoch möglichst praxisnah auf das Zusammentreffen mit Menschen aus anderen Kulturen vorbereiten. (Wenn Sie in der glücklichen Lage sind, solche Schulungen mit internationaler Beteiligung durchzuführen, können Sie diesen Inhalt „live“ einbringen ... dennoch ist der hier geschilderte Ansatz auch dafür interessant!).

Im Wesentlichen geht es darum, Stichworte (wie zum Beispiel Enkulturation, Ethnozentrismus, kulturelle Norm usw.) „mit Leben zu füllen“ und den Umgang damit praktisch zu üben.

Dafür bietet sich die Methode des Simulationsspiels an, mit der in der Regel am Beispiel des Aufeinandertreffens von „Phantasie-Kulturen“ Mechanismen eines solchen Prozesses verdeutlicht werden können. Der besondere Effekt liegt unter anderem darin, dass dieses „Aufeinandertreffen“ auch emotional erlebt werden kann.

Zu viel dürfen Sie von dieser Laborsituation der internationalen Begegnung allerdings auch nicht erwarten ... es ist eben doch „nur“ eine Simulation – und die Realität der eigentlichen Begegnung mit Menschen aus realen Kulturen findet nicht statt. Als Kurseinheit in Schulungen jedoch ist ein (gut angeleitetes!) Simulationsspiel allemal geeignet.

Quelle

Shirts, Robert G. (1977): Bafa Bafa – A cross culture simulation, Del Mar, California, USA.