Internationale Jugendarbeit
Zentrale Einrichtungen
Zusammenarbeit mit Deutschland
Internationale Zusammenarbeit
Zentrale Einrichtungen

Der Öffentliche Rat für Jugendaustausch (Hamo’aza Haziburit L’chilufei Noar Wezairim - Israel Youth Exchange Council) wurde 1972 von der Regierung ins Leben gerufen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die damals stark wachsenden Kontakte und Partnerschaften zwischen deutschen und israelischen Städten und Jugendverbänden. Der Öffentliche Rat koordiniert, kontrolliert und unterstützt internationale Begegnungsprogramme von jährlich etwa 5000 israelischen Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Multiplikator(inn)en in der Jugendarbeit. Zudem hilft er beim Aufbau neuer Partnerschaften für Austauschprojekte.
Nachdem die deutsche und die israelische Regierung die Einrichtung koordinierender Büros für die Jugendkontakte zwischen beiden Ländern beschlossen hatte und 2001 in Deutschland das bundesweit arbeitende Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch ConAct seine Arbeit aufnahm, wurde auf israelischer Seite der Öffentliche Rat für Jugendaustausch beauftragt, als Partner des Koordinierungszentrums zu fungieren.
Die Vollversammlung des Öffentlichen Rates setzt sich aus 80 vom Erziehungsministerium ernannten Vertretern der Organisationen zusammen, die an der Durchführung von Begegnungsprogrammen beteiligt sind. Finanziert wird die Arbeit durch Beiträge der Mitgliedsorganisationen, private Spenden und öffentliche Zuschüsse. Von Seiten des Erziehungsministeriums wurde der Rat im Jahr 2003 mit 901 555 NIS gefördert, 2002 mit 1 066 000 NIS und 2001 mit 706 000 NIS. Neue Mitglieder im Öffentlichen Rat für Jugendaustausch können Organisationen oder Institutionen werden, die staatlich anerkannt sind, im Bereich der Jugendarbeit arbeiten, Interesse an internationalen Jugendbegegnungen nachweisen und nicht durch eine andere Organisation im Rat repräsentiert sind. Folgende Organisationen sind vertreten:
- Jugendbewegungen:
Beitar, Bnei Akiwa, Esra, Ha’ichud Hachakla’i, Hamachanot Haolim, Hanoar Hadati, Hanoar Hale’umi, Hanoar Haowed, Hanoar Hazioni, Haschomer Haza’ir, Hazofim Ha’iwrim, Makabi Za’ir - Rat der Jugendbewegungen
- Jugendverbände:
Noar Magen David Adom, Noar Massorati - Sportverbände:
Hapoel, Makabi, Elizur, Betar, Ozma, Asa - Partei-Jugendorganisationen:
Likud, Awoda, Merez, Schinui, Mafdal, Gescher, Israel B’alija, Jahadut Hatora, Schass, Moledet, Israel Beiteinu, Mifleget Hamerkas, Cherut, Tekuma - Gewerkschaften:
Histadrut, Hahistadrut Haowdim Hale’umit, Hahistadrut Hapoel Hamisrachi - Landwirtschaftsverbände:
Kibbuzbewegungen Takam, Arzi, Dati, Moschawbewegung, Bauernverband - Stadtverwaltungen:
Jerusalem, Tel Aviv, Haifa - Vereinigung der Lokalbehörden
- Vereinigung der Regionalräte
- Ministerium für Erziehung, Kultur und Sport (Ministerium, Gesellschaft und Jugend, Sicherheit)
- Regierungsstellen:
Büro des Ministerpräsidenten, Ministerien: Kultur und Sport, Außenpolitik, Verteidigung, Tourismus, Umwelt, Finanzen, Innenpolitik, Transportwesen - Andere Organisationen:
El AL, Zentrale für Information, Jugendherbergsverband, Dachverband der Matnassim, Jüdischer Nationalfond, Jewish Agency, World Zionist Organization, Na’amat, Emuna, WIZO, Chason, Experiment, Beit Rutenberg, Leo-Baeck-Erziehungszentrum, Nationaler Studentenverband, Vereinigung israelischer Studenten und Akademiker, Naturschutzgesellschaft, Newe Schalom, Internationales Kulturzentrum für Jugendliche, Behörde für Naturschutz, Behörde für Nationalparks, Dachverband der Behinderten, Adam-Institut, Delet Petucha Israel, Israelischer Jugendpreis
Der Öffentliche Rat für Jugendaustausch ist auch Nationalagentur für das im Jahr 2000 eingerichtete EuroMed-Jugendprogramm der Europäischen Kommission.

Link: www.europa.eu.int/youth Europäisches Jugendportal
Der israelische Rat der Jugendbewegungen (Mo’ezet Tnuot Hanoar) ist Mitglied im Öffentlichen Rat für Jugendaustausch (Siehe auch Kinder- und Jugendhilfe in der Praxis > Jugendverbandsarbeit > Überregionale Jugendverbände). Er unterhält Arbeitsbeziehungen zu nationalen Jugendräten verschiedener europäischer Länder. Mit dem Deutschen Bundesjugendring bestehen seit vielen Jahren enge Beziehungen. Der Rat der Jugendbewegungen fungiert auch als israelisches Büro der World Union of Jewish Youth.
Die Vereinigung der Lokalbehörden in Israel (Merkas Haschilton Hamekomi B’israel) also der israelische Städtetag fungiert als Dachorganisation aller Städte- und Gemeindeverwaltungen des Landes und vertritt die Kommunalverwaltungen gegenüber der Öffentlichkeit und der Landesregierung. Interessierte im Ausland, die Jugendbegegnungen aufbauen oder jugendpolitisch kooperieren wollen, können sich an die Abteilung für internationale Beziehungen des Städtetages wenden. Dort werden Kontakte vermittelt, aber auch eigene Programme durchführt. Seit vielen Jahren nehmen von den lokalen Behörden organisierte Jugend- und Multiplikatorengruppen an bi- und internationalen Begegnungsprogrammen teil. Die Internationale Abteilung des Städtetages ist auch für die Vermittlung von Kontakten mit israelischen Landkreisen zuständig, deren Verwaltungsstruktur die jeweiligen Dörfer, Moschawim und Kibbuzim umfasst und deren Dachverband die Vereinigung der Regionalräte (Irgun Hamoazot Ha’esoriot) ist.
Zusammenarbeit mit Deutschland
Nachdem das israelische Parlament (Knesset) vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Verbrechen 1958, und 1962 noch einmal, beschlossen hatte, bis auf weiteres keinen offiziellen Delegationen die Reise nach Deutschland zu erlauben, entspannte sich das deutsch-israelische Verhältnis erst nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, der eine Welle von deutschen Hilfsangeboten an Israel zur Folge hatte. Inzwischen findet zwischen staatlichen Stellen und lokalen Behörden beider Staaten seit vier Jahrzehnten eine langjährige und fruchtbare Kooperation statt. Dies war bis 1990 auf die Bundesrepublik Deutschland beschränkt, da es von Seiten der Deutschen Demokratischen Republik nie zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel gekommen ist. Seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten engagieren sich zahlreiche israelische Kommunen, Einrichtungen und Verbände für deutsch-israelische Begegnungsprogramme auch in den neuen Bundesländern.
Die praktische Zusammenarbeit mit Deutschen auf dem Gebiet der internationalen Jugendarbeit wird in der Regel von freien Trägern wie Bildungsstätten, Jugendverbänden und anderen Institutionen der Jugendbildung und Jugendsozialarbeit betrieben. Deutschland stand 1995 unter 13 Ländern an erster Stelle der Austausch- und Begegnungsprogramme Israels.
Seit ein paar Jahren sind nicht nur deutsche Freiwillige in Israel, sondern auch israelische Freiwillige in Deutschland tätig, die meisten in jüdischen Gemeinden, wo sie sich im Rahmen ihrer Freiwilligenorganisation um die Förderung jüdischer Identität in der Gemeinde bemühen. Die bekannteste israelische Freiwilligenorganisation ist Bat Ami. Jährlich nehmen einige hundert deutsche und israelische Studierende Möglichkeiten für Studien- und Praktika-Aufenthalte im jeweils anderen Land wahr.
Mit der Etablierung eines interministeriellen Ausschusses und der Gründung einer Gemeinsamen Fachkommission für den deutsch-israelischen Jugendaustausch findet der deutsch-israelische Austausch seit 1969 in institutionalisierter Form statt. Mit der Einrichtung des Gemischten Fachausschusses für den deutsch-israelischen Jugendaustausch im Jahre 1973 wurden erstmals für beide Seiten verbindliche Absprachen getroffen, die in den Gemeinsamen Bestimmungen für die Durchführung und Förderung des deutsch-israelischen Jugendaustausches ihren Niederschlag fanden. Diese wurden 1981 und 1997 überarbeitet.
Über die Austausch- und Begegnungsprogramme hinaus sind Sonderprogramme für Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und Multiplikator(inn)en zu wichtigen aktuellen Themen vereinbart. Der deutsch-israelische Fachausschuss trifft sich jährlich wechselnd in Israel und in Deutschland. Das Jahrestreffen 2004 fand in Israel statt und stand im Zeichen des bevorstehenden 40-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten. Mit Blick auf die aktuelle Situation im Jugendaustausch begrüßte der Fachausschuss, dass im Jahr 2004 trotz der weiterhin angespannten sicherheitspolitischen Situation im Nahen Osten etwa 65% der beantragten deutsch-israelischen Begegnungsprogramme stattfinden konnte, darunter zahlreiche auch wieder in Israel. Für das Jahr 2005 gab er die Empfehlung, mehr als 190 Programme in die Förderung aufzunehmen.
Link
www.kiga-berlin.org/media/dokumente/P%e4dagogische%20Konzepte.pdf - Planspiel zur Staatsgründung Israels für die politische Bildung in mehrheitsdeutschen Gruppen, als auch für Teilnehmende mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Ländern
Internationale Zusammenarbeit
Staatliche und nichtstaatliche Jugendverbände, Organisationen, Gremien und Regierungsstellen sind in Israel an internationalen Programmen für Jugendliche und Fachkräfte der Jugendarbeit beteiligt.
Israelische Jugendarbeit ist stark zionistisch ausgerichtet und zielt auf Kooperation mit jüdischen Gemeinden und Organisationen in aller Welt. Die internationale Arbeit geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Jewish Agency und der Jugend- und Pionierabteilung der World Zionist Organisation. In den Führungsgremien beider Organisationen, deren politische und finanzielle Unterstützung in vielen sozialen und gesellschaftspolitischen Programmen eine tragende Rolle spielt, nehmen israelische Politiker traditionell Schlüsselfunktionen wahr. Auch die Women’s International Zionist Organization (WIZO) engagiert sich stark in der Jugendarbeit.

Israelische Pädagog(inn)en, Erzieher/-innen und Freiwillige arbeiten im Ausland in zahlreichen Begegnungs- und Bildungsprogrammen für Jugendliche und stellen zwischen 16 und 25% des Personals in jüdischen Erziehungseinrichtungen. Umgekehrt kommen aus vielen Ländern der Welt Jugendliche oder Fachkräfte der Jugendarbeit für mehrere Wochen oder Monate nach Israel, um sich intensiv mit jüdischem Leben, ihrer Religion und ihrem Verhältnis zu Israel auseinanderzusetzen. Die Erziehungsarbeit wird von israelischen Universitäten unterstützt. Seit 1968 existiert an der Hebräischen Universität in Jerusalem das Melton Centre for Jewish Education in the Diaspora. Vergleichbare Institute arbeiten an der Universität Tel Aviv und der Bar-Ilan-Universität.
Diese internationale orientierte Jugendarbeit zielt auf eine individuelle und kollektive Stärkung der jüdischen und zionistischen Identität der Beteiligten, eine Intensivierung der Bildungs- und Erziehungsarbeit im jeweiligen Heimatland und eine Förderung der Jugendeinwanderung (Aliat Hanoar). Besonders bekannt in diesem Zusammenhang sind das Begegnungsprogramm Birthright (Taglit) die jährliche internationale Gedenkstättenfahrt nach Polen March of the Living (Mizad Hechajim) und das Programm der israelischen Armee für internationale Freiwillige aus Jugendverbänden des Auslandes Machal2000 (hebräisches Kürzel für Mitnatwei Chuz L’arez - Freiwillige aus dem Ausland).
Link: www.hagshama.org.il/en/programs/ Freiwilligenprogramme in Israel, zum Beispiel Sar El und Marva
Israelische Regierungsstellen und nichtstaatliche Organisationen (NGO) verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in Bezug auf gemeinsame Projekte mit sich entwickelnden Ländern in Asien, Afrika und Südamerika. Eine zentrale Rolle spielt MASCHAV, die 1958 eingerichtete Abteilung des israelischen Außenministeriums für internationale Zusammenarbeit (MASCHAV ist das hebräische Kürzel für Machlaka L’schituf Pe’ula Beinle’umi, Abteilung für internationale Kooperation). Seit seiner Gründung hat MASCHAV mehr als 202 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im In- und Ausland fortgebildet. Im Jahr 2003 wurden 2349 Teilnehmer aus 108 verschiedenen Ländern in Israel zu entwicklungspolitischen Themen fortgebildet.
Neben politischer, wirtschaftlicher und militärischer Zusammenarbeit wird traditionell großes Gewicht auf soziale und erzieherische Aspekte der Beziehungen gelegt. Innerhalb der Entwicklungspolitik bilden landwirtschaftliche Programme den Schwerpunkt, an zweiter Stelle folgen jugendpolitische Programme zur Erziehung und Ausbildungsförderung, an dritter Stelle Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Durch einen Ausbau des Erziehungs- und Ausbildungssystems sollen demokratische Strukturen des Gemeinwesens gefördert werden. Erzieherische und soziale Programme – vor allem für Mädchen und Frauen – sollen parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes vorangetrieben werden.
Von Anfang an gehörte zur Außenpolitik Israels die Förderung von Jugendorganisationen in sich entwickelnden Ländern. In mehr als 30 Staaten wurden mit israelischer Hilfe nationale Jugendorganisationen gegründet, Jugendzentren entwickelt und Programme zur Ausbildung von Jugendleiter(inne)n organisiert. Eine tragende Rolle spielten und spielen dabei nichtstaatliche Institutionen wie die Gewerkschaft Histadrut, die Frauenorganisation Hadassa oder das Ausbildungswerk ORT (Organization for Rehabilitation Training). Verschiedene Einrichtungen bieten in Israel Ausbildungs- und Schulungsprogramme für internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer an.
Weiterführende Links
mashav.mfa.gov.il > Our Training Extensions > Aharon Ofri International Training Center (Schulungszentrum für Erziehungsfragen) und MCTC (Schulungszentrum Entwicklungspolitik)
www.beitberl.ac.il/out/home.asp Beit Berl College - Department of International Relations
www.histadrut.org.il Peoples - International Institute Histadrut (Gewerkschafts-Schulungszentrum)
Israelische Experten für Jugendarbeit pflegen innerhalb entsprechender internationaler Gremien seit mehreren Jahrzehnten Arbeitskontakte und regelmäßigen Austausch mit Pädagog(inn)en und Institutionen befreundeter Staaten. Die israelische Regierung ist in verschiedenen internationalen Netzwerken zu jugendpolitischen Fragen vertreten. Einen wichtigen Stellenwert hat die Mitarbeit in der UNESCO in der Israel bereits seit 1949 Mitgliedsstaat ist. Die Youth Unit der UNESCO erarbeitet internationale Förderprogramme für Jugendliche, steht durch ein Netzwerk von assoziierten NGO-Verbänden in direktem Kontakt zur Lebens- und Arbeitswelt Jugendlicher und setzt sich aktiv für die Unterstützung von Jugend-Programmen und Veranstaltungen ein.
Als nichtstaatliche Organisation engagiert sich ein israelischer Mitgliedsverband der mehr als 100 Mitgliedsorganisationen umfassenden World Federation of United Nations Associations (WFUNA) und tritt in der Öffentlichkeit für eine Verbreitung von Zielen und Anliegen der Vereinten Nationen ein. Der Verband initiierte zum Beispiel 1995 in israelischen Oberschulen einen landesweiten Aufsatzwettbewerb zur künftigen Aufgabe der Vereinten Nationen und publizierte entsprechende Unterrichtsmaterialien.


