Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Soziale Notlagen
Eine wachsende Zahl israelischer Kinder und Jugendlicher befindet sich in einer sozialen und wirtschaftlichen Notlage. Im Hebräischen wird von Jugend in Not (NOAR B’MEZUKA) gesprochen. 2003 lebten etwa 1,43 Millionen Israelinnen und Israelis unterhalb der Armutsgrenze. Dies entsprach 22,4 % der Bevölkerung, darunter 30,8 % der Kinder des Landes (652 000 Kinder). Im Jahresbericht 2007 der Nationalen Versicherungsanstalt (BITUACH LE’UMI) wird bereits eine Zahl von 1,67 Millionen genannt und Kinderarmut mit einem Prozentsatz von 35,8 beziffert (804 660 Kinder).  Insgesamt leben 244 000 Familien mit Kindern unterhalb der Armutsgrenze. Besonders betroffen ist die arabisch-israelischen Bevölkerung mit 67 % der Kinder unterhalb der Armutsgrenze.

Jugend in Gefahr

Hafuch al Hafuch - Beratungs- und Informationszentrum der Organisation ELEM. Foto: Website ELEM 29.6.08

Viele soziale Organisationen engagieren sich in Zusammenarbeit mit dem Referat Jugendförderung (KIDUM NOAR) des Erziehungsministeriums für gefährdete Jugend (NOAR B’SSIKUN) auf den Straßen. 2007 sind es 326 000 Jugendliche vor allem aus neu eingewanderten und arabischen Familien mit großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Ihre Lebenssituation ist überdurchschnittlich durch Gewalt, Kriminalität und Drogenkonsum geprägt. Oft geht es um Fälle von Vernachlässigung (HASNACHA), Verwahrlosung (ASUWA) und körperliche, sexuelle und seelische Misshandlungen (HITALELUT FISIT, MINIT, NAFSCHIT). Die Bezirksstellen des Erziehungsministeriums fördern auf lokaler Ebene eine Vielfalt von Aktionsprogrammen zur individuellen Unterstützung sowie Erziehungshilfen und Angebote zur beruflichen Ausbildung. Das Ziel der Sozialarbeit ist eine Eingliederung der Jugendlichen in die Gesellschaft unter Achtung und Bewahrung der jeweils eigenen Kultur, Tradition und Sprache.

Schuldistanzierte Jugend
In Bezug auf Lebensstandart und Bildungsniveau bestehen in einzelnen Regionen und zwischen verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen enorme Unterschiede. Untersuchungen sprechen von jährlich mehr als 20 000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die keine Ausbildung machen (NOAR MENUTAK, schuldistanzierte Jugend). Sie fallen aus dem etablierten Bildungssystem und der Arbeitswelt völlig heraus, weil sie weder regelmäßig ar-beiten noch eine Schule oder Ausbildungsstätte besuchen. Von dieser Entwicklung sind hauptsächlich Jugendliche aus eingewanderten Familien sowie aus ultra-religiösen und aus arabischen Familien betroffen.

Internatserziehung
Eine ganztägige oder auch ganzjährige Unterbringung mit Schulausbildung in Form einer Internatserziehung (CHINUCH PNIMIATI) für Kinder- und Jugendliche bieten etwa 450 Bildungseinrichtungen an. Dazu gehören staatliche wie staatlich-religiöse Kinderdörfer (KFAREI JELADIM, Singular: KFAR), staatliche wie staatlich-religiöse Jugenddörfer (KFAREI NOAR), Internate zum Studium religiöser Schriften für Jungen (JESCHIWOT) und Mädchen (ULPANOT, Singular ULPANA), geschlossene oder offene Schutzheime (MEONOT CHASSUT) für gefährdete Jugendliche und schulische Einrichtungen der Sonderpädagogik (CHINUCH MEJUCHAD) für Kinder und Jugendliche mit Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten.

Kinder- und Jugenddorf der Jugendeinwanderung. Foto: Website Jewish Agency for Israel 29.6.08

Jugendeinwanderung 

In der Sozialarbeit mit Jugendlichen aus eingewanderten Familien spielt die Abteilung für Jugendeinwanderung (ALIJAT HANOAR) im Erziehungsministerium eine wichtige Rolle. Bei der Jugendeinwanderung handelte es sich um ein 1933 geschaffenes Aktionsprogramm der Jewish Agency for Israel zur Rettung von elternlosen Kindern und Jugendlichen vor nationalsozialistischer Verfolgung. Heute unterstützt das Programm vor allem aus afrikanischen und asiatischen Ländern stammende und in sozialen Brennpunkten lebende Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung.

Die Jugendeinwanderung ist in Israel die zentrale Organisation für jede Form von Heimerziehung. Das Prinzip des Lebens und Arbeitens in einer Jugendgesellschaft (CHEWRAT NOAR) und die enge Bindung an persönliche Jugendleiter (MADRICHIM) der Gruppe sind tragende Elemente der sozialpädagogischen Arbeit in der Jugendeinwanderung. Etwa 400 000 Kinder und Jugendliche bis heute durch die Jugendeinwanderung in Kibbuzim, Kinder- und Jugenddörfern oder besonderen Tageszentren aufgenommen worden.

Armenküchen
Für das Jahr 2003 ermittelte eine Studie 400 000 israelische Familien (22 % der Bevölkerung) mit unzureichender Ernähung, weil sie aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, sich gesund zu ernähren und deshalb weniger essen oder auf Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Obst weitgehend verzichten. Laut Bericht der Hilfsorganisation LATET (Geben) wurden 2003 mehr als 30 000 Familien durch Armenküchen und Hilfslieferungen mit insgesamt mehr als 700 Tonnen Nahrungsmitteln unterstützt. Gegenüber 2002 bedeutet dies einen Anstieg der Unterstützungsleistungen um 46 %.

Familien mit einem Elternteil und kinderreiche Familien machen zusammen zwei Drittel der Empfänger der Unterstützung aus. Es werden auch Familien unterstützt, die vormals der mittleren Einkommensschicht angehört haben. Ein Viertel der Unterstützten ist aufgrund von Arbeitslosigkeit in die Notlage geraten. Der Anteil junger Erwachsener zwischen 20 und 30 Jahren an Hilfsempfängern, die mit Kleidung und Nahrung versorgt werden mussten, hat sich gegenüber 2002 fast verdoppelt und beträgt 2003 etwa 15 %.

Antidrogenarbeit
In allen Städten des Landes arbeiten Drogenberatungsstellen. Lokale Behörden und Initiativen entwickeln gemeinsame Aufklärungskampagnen und Hilfsprogramme für Drogenabhängige. Das Amt zum Kampf gegen Drogen (HARASCHUT L’MILCHAMA B’SSAMIM) der Regierung koordiniert Aufklärungs- und Informationsarbeit zu Drogenfragen und entwickelt Programme und Kampagnen gegen Drogenmissbrauch (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Situation der Kinder und Jugendlichen > Drogen).

Jugendbeauftragte der Polizei
In den letzten Jahren ist die Zahl der Fälle von Jugendkriminalität und Jugendgewalt stark angestiegen. Konflikte zwischen Straßenbanden (CHAWUROT RECHOW) verschiedener ethnischer Bevölkerungsgruppen nehmen zu. Das Erziehungsministerium versucht, diesen Entwicklungen durch spezielle Beratungsstellen und Anti-Gewalt-Programme zu begegnen. Innerhalb der Israelischen Polizei (MISCHTERET ISRAEL) beschäftigt die Jugendabteilung eigene Jugendbeauftragte (MADRICHEI NOAR), die keine Uniformen tragen und eng mit schulischen und sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten.  Bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität will die Polizeiarbeit Jugendliche aus ihrem kriminellen Umfeld herauszuholen, Vorstrafen vermeiden und ihre Zukunftschancen wahren (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Situation der Kinder und Jugendlichen > Kriminalität).

Träger der Jugendsozialarbeit
Eine Vielzahl von unabhängigen Vereinen und Initiativen engagiert sich in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Erziehung und dem Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste, mit lokalen Jugendämtern, Sozialarbeitern oder in Ergänzung staatlicher Stellen in sozialen Projekten zur Hilfe und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Sie leisten Beratungsarbeit, bieten sozial-pädagogische Unterstützung an, vermitteln Programme zur schulischen oder beruflichen Weiterbildung und versuchen auf diese Weise, einen Integrationsprozess in Gesellschaft und Arbeitswelt zu ermöglichen. Träger entsprechender Programme sind Schulen oder Ausbildungsstätten, Kultur- und Jugendzentren (MATNASSIM), Jugendbewegungen, soziale Einrichtungen der Armee, religiösen Verbände und gemeinnützige Vereine (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten).

Links
brookdale-en.pionet.com - BROOKDALE INSTITUTE (Forschungs- und Bildungszentrum für soziale Dienste)
brookdale.jdc.org.il/category/MainChildren - ENGELBERG CENTER FOR CHILDREN AND YOUTH
www.elem.org.il - ELEM (Beratung und Hilfe für Jugendliche in Gefahr und Not)
www.yadbeyad.org.il - JAD B’JAD (Hand in Hand, Hilfe für gefährdete Kinder und Jugendliche)
www.jaffainstitute.org - JAFFA-INSTITUTE (Stadtteilinitiative für Kinder und Jugendliche)
www2.jdc.org.il/category/English-JDC-Israel - JOINT ISRAEL (jüdisch-amerikanische soziale Hilfsorganisation)
www.kiju-aliyah.de - KINDER- UND JUGENDALIJAH (deutsches Komitee der Jugendeinwanderung)