Kulturelle Bildung

Kulturelle Jugendbildung stärkt Phantasie, Kreativität, Improvisationsgabe und Kritikfähigkeit. Das Mitwirken an Kulturereignissen bringt unvergessliche Gruppenerlebnissen und Chancen zu Begegnungen mit eigener und fremder Kultur. In einer Einwanderungsgesellschaft wie Israel kommt diesen Prozessen besondere Bedeutung zu. Jugendliche werden zur aktiven Teilnahme an kulturellen Aktivitäten und Veranstaltungen ermutigt. Programme für kulturelle Jugendbildung gehen weit über die Vermittlung von Musik, Literatur, Folklore und Tanz hinaus. Sie umfassen auch soziale und gesellschaftliche Aktivitäten und Ausbildungsprogramme.

Einheit und Vielfalt
In den ersten Jahrzehnten Israels galt die Schaffung einer einheitlichen hebräisch-israelischen Kultur als Ziel der Erziehungs- und Bildungsarbeit. Der Gedanke vom jüdischen Staat als einem Schmelztiegel für die aus verschiedenen Erdteilen und Ländern eingewanderten Bevölkerungsgruppen war mit der Hoffnung auf die Herausbildung einer einheitlichen nationalen Kultur verbunden. Das Bewusstsein einer ständigen Bedrohung von außen verstärkte den Wunsch nach einer geschlossenen Gesellschaft. In Politik und Gesellschaft dieser Jahre dominierten stark europäisch-amerikanisch geprägte Denk- und Lebensweisen. Der kulturelle Reichtum der aus islamischen Ländern stammenden Bevölkerungsgruppen hatte im Bildungs- und Erziehungsleben keinen großen Stellenwert. Von einer Betonung der Eigenarten und Besonderheiten einzelner ethnischer Gruppierungen befürchtete man soziale und politische Destabilisierungseffekte.

Singende Jugendliche der Jugendbewegung ‚Einwandererscharen’. Grafik: Website HOMACHANOT HAOLIM

Für viele Jugendliche insbesondere aus Familien nordafrikanischer und asiatischer Herkunft bedeutete dies, zwischen Traditionen und Werten der eigenen Gemeinde und den dominierenden Normen der westlich-europäisch geprägten Bevölkerung (ASCHKENASIM) „zerrieben“ zu werden. Diese Entwicklung führte im Erziehungswesen zu einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Einheit und Vielfalt mit grundlegenden bildungspolitischen Reformen. Seit 1976 ist es erklärtes Ziel, andere kulturelle Traditionen - auch außereuropäische - stärker in die staatliche Bildungs- und Erziehungsarbeit zu integrieren. In der Jugendbildung wird die ethnische Vielfalt unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen nicht als Zeichen mangelnder Einheit interpretiert, sondern als Bereicherung für eine selbstbewusste Nation.

Tradition und Religion
Neue Konzepte und Methoden in der kulturellen Jugendbildung bemühen sich um Integration des orientalischen Erbes. Individuelle Zugänge und Bindungen zu einer bestimmten Kultur und Tradition entwickeln sich in erster Linie im engeren persönlichen Umfeld. Deshalb kommt der Einbeziehung von Familien und lokalen Gemeindestrukturen in einer multikulturell ausgerichteten Jugendarbeit besonderes Gewicht zu. Durch die Einbeziehung unterschiedlicher sozialer Schichten und ethnischer Gruppen werden das Selbstwertgefühl dieser Gruppen und ihre Identifikation mit der Gesamtgesellschaft gestärkt

Als in den 80er Jahren unter israelischen Jugendlichen Wissensdefizite und Entfremdungstendenzen in Bezug auf traditionelle jüdische Werte offenkundig wurden, entwickelte das Erziehungsministerium neue Bildungsmodelle. Die Auseinandersetzung mit Fragen von Religion und Ethik wurden verstärkt. Auch für säkulare Schulen wurden Unterrichtseinheiten zu Themen wie Bibelkunde‚ Gebetbuch und Kinder der guten Tat (BNEI MIZWA) entwickelt. Umstritten ist, ob es möglich sein kann oder soll, sich mit religiösen Schriften und philosophischen Traditionen zu beschäftigen und dabei eine säkulare Form der Jüdischsein zu leben, die losgelöst von Glaube und religiöser Praxis ist.

Jugendliche auf der Bühne. Theater-Aufführung von Peace Child. Foto: Website Peace Child 24.6.08

Träger der Jugendbildung
Hauptunterstützer kultureller Jugendbildung sind die pädagogischen Abteilungen des Ministeriums für Erziehung (www.education.gov.il) und entsprechende Einrichtungen der lokalen Behörden. Kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen bilden den Programmschwerpunkt der über das ganze Land verteilten Zentren für Kultur, Jugend und Sport (MATNASSIM, www.matnasim.org.il). In den großen politischen Verbänden wie Parteien, Ge-werkschaften und die Kibbuzbewegungen kümmern sich spezieller Kulturabteilungen um Jugendarbeit. Für Bildungseinrichtungen und Initiativen, die sich um jüdisch-arabische Verständigung bemühen, nehmen kulturell ausgerichtete Programme eine vermittelnde Funktion wahr.

Links
www.alma.org.il - ALMA (College für hebräische Kultur in Tel Aviv)
www.aicf.org - AMERICAN ISRAEL CULTURAL FOUNDATION (israelisch-amerikanische Kulturstiftung)
www.ipo.co.il/orchestra/guest.asp?id=291 - ANKOR CHILDRENS CHOIR (Kinderchor des Jerusalemer Rubin Konservatoriums)
www.mideastweb.org/peacechild/ - JALDEI HASCHALOM (PEACE CHILD ISRAEL, jüdisch-arabisches Theaterprojekt für Schulkinder)
www.jicc.org.il - JERUSALEM INTERCULTURAL CENTER (Interkulturelles Stadtteilzentrum in Jerusalem)
www.jmc.co.il - JERUSALEM MUSIC CENTER (Jerusalemer Kulturzentrum für Musik)
www.keshetei.org.il - KESHET EILON (Musikzentrum im Kibbuz-Eilon in Galiläa)
www.matan-arts.org.il/Index.asp?CategoryID=149 - MATAN ARTS (Kunstprojekte der Vereinigung der MATNASSIM)
www.youth-music.org.il - NOAR MUSIKALI B’ISRAEL (Jeunesses Musicales in Israel)
www.omanut-laam.co.il - OMANUT L’AM (Volkskunst, Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur)
www.saltarbutartzi.org.il/Index.asp?CategoryID=180 - SAL TARBUT ARTZY (kulturelles Erziehungsprogramm der Vereinigung der MATNASSIM)