
Kinder- und Jugendhilfe in der Praxis - IL
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Jugendverbandsarbeit
Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Überregionale Jugendverbände
Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
In der israelischen Jugendarbeit nehmen die großen Jugendbewegungen (TNUOT NOAR), landesweite Jugendverbände verschiedener Traditionen und Strömungen, eine zentrale Funktion wahr. Zigtausend Jugendliche engagieren sich in Jugendverbänden, leisten einen freiwilligen Beitrag für die Gesellschaft und übernehmen persönliche Verantwortung als Gruppenleiter oder Gruppenleiterin. Von den Kindern im Grundschulalter sind 20 % Mitglieder in einer Jugendbewegung. Vor allem die Pfadfinderbewegung (HAZOFIM) ist in den letzten Jahren stark gewachsen und konnte ihre Mitgliederzahl von 1997 bis 2003 um 60 % steigern - von 38 000 auf 60 000.
Die Jugendbewegungen bieten ihren Mitgliedern soziale Kontakte, Gelegenheiten der Begegnung zwischen Jungen und Mädchen, Möglichkeiten intensiver Kommunikation mit einen Austausch von Informationen und Standpunkten. Durch Seminare, Kurse und vielfältige Freizeitaktivitäten werden Möglichkeiten geschaffen, tiefe und bleibende Freundschaften zwischen Jugendlichen aus Städten und Dörfern, Kibbuzim, Entwicklungsregionen und Siedlungen zu schließen und Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen und Schichten zusammen zu führen.
Die großen landesweiten Jugendverbände Israels haben sich im Rat der Jugendbewegungen (MO’EZET TNUOT HANOAR, hebräisches Kürzel: MATAN, Englisch: Council of Youth Movements in Israel, CYMI) zusammengeschlossen. Der Rat wurde 1974 als von der Regierung unabhängiger gesetzlich anerkannter Dachverband der Jugendbewegungen gegründet. Er dient als koordinierendes Forum der Mitgliedsverbände und als Interessenvertretung nach außen. Der Rat versteht sich als überparteiliches Gremium, das die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Mitgliedsorganisationen und ihre jeweilige politische Ausrichtung respektiert. Im Rat entwickeln die Mitgliedsorganisationen gemeinsam jugendpolitische Programme und stehen darüber mit Politik und Gesellschaft in einem ständigen Dialog. Zu den Aufgaben des Rates gehören das zentrale Organisieren von Ausflügen, Sommerlagern, Gedenkstättenfahrten nach Polen und andere von den Mitgliedsverbänden gemeinsam getragener Unternehmungen. Teil dieser Arbeit ist auch die Beschäftigung mit Fragen der Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmenden. Der Rat publiziert Schriften und Materialien zur Begleitung der praktischen Jugendarbeit. Seine Mitglieder setzen sich aus den Vorsitzenden der Mitgliedsverbände zusammen. Die Geschäfte führt ein von den Mitgliedern des Rates gewählter hauptamtlicher Generalsekretär. Der Rat ist dem Amt Gesellschaft und Jugend (CHEWRA WENOAR) im Erziehungsministerium zugeordnet und wird von dort fachlich und finanziell unterstützt. Darüber hinaus finanziert er sich durch Zuwendungen der Jewish Agency for Israel und Beiträge der Mitgliedsorganisationen. Das Amt fördert die Zusammenarbeit der Jugendbewegungen untereinander und mit den Jugendämtern der Gemeindeverwaltungen. Auf örtlicher Ebene sind Jugendverbände in den Jugendräten (MOAZOT TNUOT NOAR) der jeweiligen Gemeinde organisiert.

Die Gesamtheit der Jugendbewegungen in Israel zeigt eine große Vielfalt in Bezug auf ihre jeweilige politische Einstellung (sozialistisch, national, liberal) oder religiöse Orientierung (nationalreligiös, reformjüdisch, ultrareligiös, muslimisch, christlich). Zum größten Teil unterhalten sie starke personelle und finanzielle Bindungen zu etablierten Institutionen in Gesellschaft und Politik (Parteien, Gewerkschaften, Kibbuzbewegung, religiöse Verbände). Darüber hinaus pflegen sie enge Beziehungen zu gleich gesinnten Jugendbewegungen im In- und Ausland. Sie zählen zu den aktivsten politischen Verbänden in Israel. Zentrale gemeinsame Prinzipien der Jugendbewegungen sind Freiwilligkeit (WOLUNTARIUT), praktisches Handeln (ASSIJA), anspornendes persönliches Beispiel (DUGMA ISCHIT) und ein starkes Gemeinschaftsgefühl (SCHAJACHUT). Sie pflegen gemeinsame Werte und Identifikationsmöglichkeiten mit gesellschaftlichen und nationalen Zielen. Durch Freizeitaktivitäten, Schulungsprogramme und sozial-politisches Engagement wird das Selbstbewusstsein gestärkt und die Bereitschaft zu gemeinschaftlichem Handeln gefördert. Jugendbewegungen engagieren sich besonders in sozialen Projekten mit eingewanderten und benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Ihre Mitglieder stellen einen hohen Anteil in der Kämpfenden Pionierjugend (NACHAL) mit einer Kombination aus militärischem und zivilem Dienst. Aus den Reihen der Jugendbewegungen kommt ein großer Teil der Freiwilligen des Dienstjahres (SCHNAT SCHERUT) und des Nationalen Dienstes (SCHERUT LE’UMI).

Die Wurzeln der meisten israelischen Jugendbewegungen gehen auf zionistisch orientierte Jugendverbände im Europa der Zeit vor und während des 2. Weltkrieges zurück und lassen sich zum Teil über 90 Jahre zurückverfolgen. Die Bewegungen beanspruchten damals eine spezifisch jüdische Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krisen der Zeit zu sein. Sie sahen sich in Opposition zu etablierten Verbänden und Parteien des jüdischen Establishments. Der Einsatz sozialistischer und religiöser Jugendbewegungen für eine legale - und nach dem Einwanderungsverbot durch die britische Mandatsmacht auch ‚illegale’ - Einwanderung nach Israel durch Organisierung von Ausbildungslagern in Europa zur Vorbereitung (HACHSCHARA) auf die Einwanderung und ihr politischer und bewaffneter Widerstandskampf gegen Nazi-Deutschland sind noch heute zentrale Bestandteile ihres Selbstverständnisses. Die Vernichtung der jüdischen Gemeinden in Europa durch die Deutschen und ihre Verbündeten während des 2. Weltkrieges war auch das Ende der dortigen jüdischen Jugendbewegungen. Die meisten der Überlebenden konnten sich nach Israel retten. Jugendverbände in Israel sind bis heute sichtbar von bündischen Traditionen aus Europa wie der Wandervogel-Bewegung und der Pfadfinderbewegung beeinflusst. Aktivitäten und Atmosphäre israelischer Jugendbewegungen werden durch Verbundenheit mit Natur, Wanderungen, Lieder, Volkstänze, das Tragen einer eigenen Kluft und ein gewisses Pathos geprägt. Viele Israelinnen und Israelis sind so sozialisiert. Auch wenn einige Elemente dieser Traditionen heute in Teilen der Jugend als anachronistisch empfunden werden, prägen sie weiter in hohem Maße Ziele und Formen der Jugendarbeit und sind lebendige Bestandteile eines Teils der israelischen Jugendszene geblieben.
In der Geschichte der Jugendverbände lassen sich drei Phasen ausmachen. Die erste wurde durch die Generation der sozialistischen Einwanderung in vorstaatlicher Zeit geprägt - mit idealistischem Pioniergeist, Protestbewegungen und entschiedener Abgrenzung von Werten und Traditionen der alten Generation und des „Establishments“. Darauf folgte eine zweite - politische - Phase des Bemühens, sich mit anderen Kräften zu verbünden, um das neu entstehende Israel mit vereinten Kräften sichern und gestalten zu können. In dieser Zeit wurden aus Bewegungen Organisationen, die sich den bereits etablierten politischen Parteien und Gewerkschaften zuordneten oder diese selbst gründeten. In der dritten Phase orientierten sich Jugendbewegungen nüchtern an Realitäten und verstanden sich selbst als integrierte und tragende Stützen der Gesellschaft.
Die meisten Jugendverbände betonen bis heute ihre Funktion als Pioniere (CHALUZIM) beim Aufbau einer besseren Gesellschaft und sind stolz auf ihre führende Rolle in der Geschichte der zionistischen Bewegung. Ihr Beitrag bei der Verbreitung zionistischer Ideale, beim Aufbau des jüdischen Staates, seiner landwirtschaftlichen Besiedlung und militärischen Verteidigung, sichert den Jugendbewegungen bis heute eine zentrale Position in der außerschulischen Erziehungs- und Bildungsarbeit. Das Zusammenwirken von staatlichen Stellen und Jugendbewegungen wurde von der israelischen Regierung im Jahre 1959 offiziell anerkannt und institutionalisiert. Die Verbände können seitdem direkt in Schulen um Nachwuchs werben.

In sozial benachteiligen arabischen Gemeinden, die häufig kein eigenes örtliches Zentrum für Kultur, Jugend und Sport (MATNASS) haben, ist Jugendverbandsarbeit besonders wichtig. Die Jugendarbeit kann sich dort in der Regel weniger als vergleichbare jüdische Verbände auf ein etabliertes Netzwerk von Förderkreisen im In- und Ausland stützen. Eigenständige arabische Jugendverbände wie zum Beispiel die Arabische Jugend (Hebräisch: HANOAR HA’ARAWIT) versuchen, lokale Jugendarbeit aufzubauen und weiterzuentwickeln. Dabei werden sie vom Ministerium für Erziehung, lokalen Behörden und anderen Jugendverbänden unterstützt.
Vor allem die zionistische Arbeitende und Lernende Jugend (HANOAR HAOWED WEHALOMED) bemüht sich um jüdisch-arabische Koexistenz und um Integration arabischer Jugendlicher in ihre Programme. Arabische Jugendliche stellen etwa 20 % ihrer Mitglieder. Die Verbandsstruktur verfügt über eine Arabische Abteilung, etwa 25 Ortsgruppen arbeiten in arabischen Gemeinden. Auch die israelischen Pfadfinder (HAZOFIM) verfügen über arabische Unterverbände für arabische (muslimische, christliche, drusische) Kinder und Jugendliche.
Eine dominierende Rolle in der politischen Jugendarbeit spielen neben den landesweiten Jugendbewegungen (TNUOT HANOAR) die Jugendorganisationen der politischer Parteien, der Gewerkschaften, der Kibbuzbewegungen und der religiösen Verbände. Noch vor der Staatsgründung zur Zeit des britischen Mandats hatten bereits fast alle Parteien im Land eigene Jugendbewegungen. Bis heute prägen unterschiedlich ausgerichtete, miteinander konkurrierende oder kooperierende Jugendverbände die bunte parteilpolitische Landschaft Israels. Dazu kommt eine Vielzahl unabhängiger Organisationen und Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft.
Mit Veränderungen in der israelischen Gesellschaft haben sich im Laufe der Jahre auch Inhalte und Strukturen der Jugendarbeit entwickelt. Heute ist es schwieriger als in den 50er und 60er Jahren, Bedürfnisse und Interessen Jugendlicher ohne weiteres in Einklang mit pädagogischen, politischen oder religiösen Zielen der Jugendverbände zu bringen. Die Jugendbewegungen versuchen, durch neue Programme, innovative Ideen und Methoden, auch durch Anpassung an Vokabular und Jargon heutiger Jugendlicher neue Mitglieder zu gewinnen. Die Kleiderordnung ist lockerer geworden, in vielen Gruppen der ZOFIM (Pfadfinder) zum Beispiel wird nicht mehr auf das ständige Tragen khakifarbener Uniformen bestanden.
Der gesellschaftliche Einfluss der Kibbuz- und Arbeiterbewegungen, mit denen viele Jugendbewegungen traditionell stark verbunden sind, ist insgesamt zurückgegangen. Der verminderten Rolle der sozialistisch und säkular geprägten Kibbuz- und Arbeiterbewegung entspricht ein stärkerer Einfluss religiöser und national orientierter Jugendverbände. Noch immer stellt ein von Pioniergeist geprägter Einsatz von Freiwilligen bei der Erschließung und Besiedlung des Landes in Kibbuzim und in Siedlungen ein traditionelles Betätigungsfeld dar. Doch bildet gesellschaftliches Engagement in sozialen Brennpunkten und Entwicklungsstädten heute bereits den Schwerpunkt der Freiwilligenprogramme in den meisten Jugendbewegungen.

Aufgrund der angespannten politischen Situation zeigt sich in den vergangenen Jahren in Teilen der Jugendbewegungen ein Trend zu exklusiverem, weniger pluralistischem Denken und einer gewissen Radikalisierung politischer Positionen. Zum Beispiel in Bezug auf das Verhältnis zwischen religiösen und säkularen Bevölkerungsgruppen oder in Bezug auf eine denkbare Regelung des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Vor allem im national-religiös orientierten BNEI AKIWA-Verband (Söhne Akiwas) und im sozialistisch ausgerichteten HASCHOMER HAZA’IR-Verband (Junger Wächter) ist eine zunehmende Politisierung der Mitglieder zu beobachten. Durch diese Entwicklung werden politisch unterschiedlich orientierte gesellschaftliche Gruppierungen eher auseinander als zusammen gebracht. Zur Minderung der polarisierenden Tendenzen wird den Jugendbewegungen bisweilen eine größere Distanz zur Parteipolitik und eine engeren Bindung an die Regierung durch verstärkte staatliche Förderungen nahe gelegt.
Insgesamt nimmt das Gewicht traditioneller landesweiter Jugendverbände ab und wächst die Bedeutung lokaler Gemeindestrukturen mit Jugendzentren und Jugendklubs. Der Trend zu stärkerer Individualisierung und Ich-Bezogenheit unter Jugendlichen ist auch in der Jugendverbandsarbeit Israels spürbar. Er zeigt sich in wachsender Distanz Jugendlicher zu Großorganisationen. Außerhalb der Großverbände hat sich eine Fülle unabhängiger Jugendgruppen und Initiativen entwickelt. Immer mehr junge Menschen organisieren Freizeit und gesellschaftliches Engagement, ohne Mitglieder in Jugendverbänden zu sein.
Überregionale Jugendverbände
Die Mitgliedsorganisationen im Rat der Jugendbewegungen (siehe Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit) vertreten mehr als 250 000 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren und etwa 20 000 Jugendleiter/-innen. 30 % der über 1400 Ortsgruppen arbeiten in Entwicklungsstädten und sozial benachteiligten Wohngegenden. Die einzelnen Verbände definieren sich politisch, weltanschaulich und religiös sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen eine an der israelischen Unabhängigkeitserklärung orientierte Grundhaltung. Die meisten Jugendbewegungen orientieren sich an etablierten politischen Parteien und Organisationen.
Mitgliedsorganisationen im Rat der Jugendbewegungen sind:
- Hebräische Pfadfinder (HAZOFIM HA’IWRIM)
- Arbeitende und Lernende Jugend (Hanoar Haowed Wehalomed)
- Söhne Akiwas (BNEI AKIWA)
- Töchter des Hauses Jakob Batya (BANOT BEIT JA’AKOV BATJA)
- Junger Wächter (HASCHOMER HAZA’IR)
- ESRA
- Junge Makabäer (MAKABI ZA’IR)
- Landwirtschaftsunion (HA’ICHUD HACHAKLA’I)
- Einwandererscharen (HAMACHANOT HAOLIM)
- Nationale Jugend (HANOAR HALE’UMI)
- Ariel
- Bund Joseph Trumpeldor (BETAR BRIT TUMPELDOR, hebräisches Kürzel: BETAR)
- Arabische Jugend (HANOAR HA’ARAWI)
- Religiöse arbeitende und lernende Jugend (HANOAR HADATI HAOWED WEHALOMED)
- Zionistische Jugend (HANOAR HAZIONI)
Politische Bildung
Politische Bildung in Israel möchte Persönlichkeit und individuellen Fähigkeiten Jugendlicher entwickeln und fördern. Durch die Vermittlung gesellschaftspolitischer Kenntnisse und Erfahrungen sollen Jugendlichen zur Meinungsbildung über politische Vorgänge und Konflikte qualifiziert und zur Wahrnehmung eigener Rechte und Pflichten motiviert werden. Jugendbildung zielt auf die praktische Umsetzung eigener Ideale und eine aktive Teilnahme am sozialen und politischen Leben des Landes im Jugendverband, zivilen oder militärischen Dienst, Studium, Gemeinde- oder Arbeitsleben.
Universelle und jüdische Werte

Das allgemeine Erziehungssystem will zur Entwicklung der israelischen Demokratie, zur Sicherung der staatlichen Existenz und zur individuellen und kollektiven Selbstbehauptung im Kampf gegen Antisemitismus und Assimilation beitragen. Politischer Jugendbildung kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie fördert jüdische und israelische Identität durch Stärkung persönlicher Bindungen an Religion und Tradition, an die Geschichte des jüdischen Volkes und an das Land Israel. In der multikulturellen und multiethnischen israelischen Gesellschaft stellt die Kombination jüdischer und universeller Werte eine besondere Herausforderung dar. Allgemeine humanistische Überzeugungen und wachsendes Bewusstsein, in einer globalen Welt zu leben, wollen mit einer ausgesprochen jüdischen Identität der Gesellschaft und des Staates in eine Balance gebracht werden.
Die für politische Bildung verantwortlichen Institutionen und Initiativen innerhalb und außerhalb des Schulsystems kooperieren eng miteinander und organisieren gemeinsame Projekte. Das Ministerium für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) fördert schulische wie außerschulische Jugendbildung organisatorisch, pädagogisch und finanziell. Ein jährlich im Ministerium erarbeitetes Jahresthema wird inhaltlicher Fokus der Jugendbildung, indem es von Organisationen der Jugendbildung in unterschiedlicher Weise aufgegriffen wird (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und Jugendpolitische Strukturen > Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte).
Individualität und Betroffenheit
In der Bildungsarbeit mit Jugendlichen zu den Themen Judentum und jüdische Identität stellte die Auseinandersetzung mit Texten, Traditionen und Riten viele Jahre lang einen methodischen Schwerpunkt dar. Doch im Laufe der Jahrzehnte hat sich der pädagogische Ansatz verlagert. Noch immer geht es um die Vermittlung von Quellen jüdischen Wissens und jüdischer Traditionen. Heute ist jedoch die Frage nach der eigenen Jüdischkeit der erste Ansatzpunkt einer Bildungsarbeit, die mehr nach persönlicher Identität, individuellen Standpunkten und eigenem Betroffensein fragt.
Es geht weniger um die Beschäftigung mit Texten und ritualisierten Handlungen als um Reflektion der individuellen Bindung an Religion und Tradition. Das ‚Wir-Gefühl’, die Zugehörigkeit zu einer Jugendorganisation oder zu einem informellen sozialen Netzwerk, prägen den Charakter vieler jugendpolitischer Bildungsprojekte. Vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche aus eingewanderten Familien, in denen keine ausgeprägte jüdische oder zionistische Identität vorausgesetzt werden kann, wird dieser Ansatz für eine Eingliederung in die israelische Gesellschaft als hilfreich angesehen.
Religion und Tradition

Viele Jugendliche distanzieren sich von einer als kopflastig, theoretisch und ideologisch empfundenen Herangehensweise und suchen nach authentischeren Zugängen. Dies zeigt sich in einer wachsende Popularität religiöser Gruppen und Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel der Frommenbewegung (CHASSIDIM), in der lebendige und unmittelbar erlebbare Formen der Religiosität praktiziert werden. Für manche bisher säkular lebende Jugendliche, die sich als Rückkehrer zum Judentum (Singular: CHOSER B’TSCHUWA) erstmals oder wieder zu ihren jüdischen Wurzeln bekennen wollen, bieten solche Gruppen einen attraktiven Rahmen für Sozialkontakte und Identitätssuche.
Auch säkular ausgerichtete Verbände und Organisationen bemühen sich in ihrer politischen Bildungsarbeit verstärkt um die Integration von Inhalten aus der jüdischer Religion und Tradition. Spezielle Bildungsprogramme für nicht religiös Praktizierende bieten Einführungen in jüdische Schriften und beschäftigen sich mit ihrer Relevanz für das Alltagsleben. Die Jugendbewegung Junger Wächter (HASCHOMER HAZA’IR) fördert zum Beispiel mit ihrem Lernprojekt Guter Kreis für Jugendleiter die Gründung von örtlichen Studienzirkeln (BATEI MIDRASCH) zu traditionellen jüdischen Texten. Säkulare Schulen bieten mit Unterstützung des Jerusalemer Schalom Hartman Instituts wöchentliche Kurse für Schüler an, die im Klassenverband und in Form klassischer Zweier-Lerngruppen (CHEWRUTOT) jüdische Studien betreiben.
Link
web.conact-org.de/downloads/andere_news/AJC_Reader_Gaza-Konflikt.pdf - Reader des American Jewish Committee (Stand Januar 2009) mit Pressebeiträgen und Empfehlungen für Pädagog/innen und interessierte Jugendlichen zu Hintergründen und Einblicken in die aktuellen Diskussionen um den Gaza-Konflikt
Kulturelle Bildung
Kulturelle Jugendbildung stärkt Phantasie, Kreativität, Improvisationsgabe und Kritikfähigkeit. Das Mitwirken an Kulturereignissen bringt unvergessliche Gruppenerlebnissen und Chancen zu Begegnungen mit eigener und fremder Kultur. In einer Einwanderungsgesellschaft wie Israel kommt diesen Prozessen besondere Bedeutung zu. Jugendliche werden zur aktiven Teilnahme an kulturellen Aktivitäten und Veranstaltungen ermutigt. Programme für kulturelle Jugendbildung gehen weit über die Vermittlung von Musik, Literatur, Folklore und Tanz hinaus. Sie umfassen auch soziale und gesellschaftliche Aktivitäten und Ausbildungsprogramme.
Einheit und Vielfalt
In den ersten Jahrzehnten Israels galt die Schaffung einer einheitlichen hebräisch-israelischen Kultur als Ziel der Erziehungs- und Bildungsarbeit. Der Gedanke vom jüdischen Staat als einem Schmelztiegel für die aus verschiedenen Erdteilen und Ländern eingewanderten Bevölkerungsgruppen war mit der Hoffnung auf die Herausbildung einer einheitlichen nationalen Kultur verbunden. Das Bewusstsein einer ständigen Bedrohung von außen verstärkte den Wunsch nach einer geschlossenen Gesellschaft. In Politik und Gesellschaft dieser Jahre dominierten stark europäisch-amerikanisch geprägte Denk- und Lebensweisen. Der kulturelle Reichtum der aus islamischen Ländern stammenden Bevölkerungsgruppen hatte im Bildungs- und Erziehungsleben keinen großen Stellenwert. Von einer Betonung der Eigenarten und Besonderheiten einzelner ethnischer Gruppierungen befürchtete man soziale und politische Destabilisierungseffekte.

Für viele Jugendliche insbesondere aus Familien nordafrikanischer und asiatischer Herkunft bedeutete dies, zwischen Traditionen und Werten der eigenen Gemeinde und den dominierenden Normen der westlich-europäisch geprägten Bevölkerung (ASCHKENASIM) „zerrieben“ zu werden. Diese Entwicklung führte im Erziehungswesen zu einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Einheit und Vielfalt mit grundlegenden bildungspolitischen Reformen. Seit 1976 ist es erklärtes Ziel, andere kulturelle Traditionen - auch außereuropäische - stärker in die staatliche Bildungs- und Erziehungsarbeit zu integrieren. In der Jugendbildung wird die ethnische Vielfalt unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen nicht als Zeichen mangelnder Einheit interpretiert, sondern als Bereicherung für eine selbstbewusste Nation.
Tradition und Religion
Neue Konzepte und Methoden in der kulturellen Jugendbildung bemühen sich um Integration des orientalischen Erbes. Individuelle Zugänge und Bindungen zu einer bestimmten Kultur und Tradition entwickeln sich in erster Linie im engeren persönlichen Umfeld. Deshalb kommt der Einbeziehung von Familien und lokalen Gemeindestrukturen in einer multikulturell ausgerichteten Jugendarbeit besonderes Gewicht zu. Durch die Einbeziehung unterschiedlicher sozialer Schichten und ethnischer Gruppen werden das Selbstwertgefühl dieser Gruppen und ihre Identifikation mit der Gesamtgesellschaft gestärkt
Als in den 80er Jahren unter israelischen Jugendlichen Wissensdefizite und Entfremdungstendenzen in Bezug auf traditionelle jüdische Werte offenkundig wurden, entwickelte das Erziehungsministerium neue Bildungsmodelle. Die Auseinandersetzung mit Fragen von Religion und Ethik wurden verstärkt. Auch für säkulare Schulen wurden Unterrichtseinheiten zu Themen wie Bibelkunde‚ Gebetbuch und Kinder der guten Tat (BNEI MIZWA) entwickelt. Umstritten ist, ob es möglich sein kann oder soll, sich mit religiösen Schriften und philosophischen Traditionen zu beschäftigen und dabei eine säkulare Form der Jüdischsein zu leben, die losgelöst von Glaube und religiöser Praxis ist.

Träger der Jugendbildung
Hauptunterstützer kultureller Jugendbildung sind die pädagogischen Abteilungen des Ministeriums für Erziehung (www.education.gov.il) und entsprechende Einrichtungen der lokalen Behörden. Kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen bilden den Programmschwerpunkt der über das ganze Land verteilten Zentren für Kultur, Jugend und Sport (MATNASSIM, www.matnasim.org.il). In den großen politischen Verbänden wie Parteien, Ge-werkschaften und die Kibbuzbewegungen kümmern sich spezieller Kulturabteilungen um Jugendarbeit. Für Bildungseinrichtungen und Initiativen, die sich um jüdisch-arabische Verständigung bemühen, nehmen kulturell ausgerichtete Programme eine vermittelnde Funktion wahr.
Links
www.alma.org.il - ALMA (College für hebräische Kultur in Tel Aviv)
www.aicf.org - AMERICAN ISRAEL CULTURAL FOUNDATION (israelisch-amerikanische Kulturstiftung)
www.ipo.co.il/orchestra/guest.asp?id=291 - ANKOR CHILDRENS CHOIR (Kinderchor des Jerusalemer Rubin Konservatoriums)
www.mideastweb.org/peacechild/ - JALDEI HASCHALOM (PEACE CHILD ISRAEL, jüdisch-arabisches Theaterprojekt für Schulkinder)
www.jicc.org.il - JERUSALEM INTERCULTURAL CENTER (Interkulturelles Stadtteilzentrum in Jerusalem)
www.jmc.co.il - JERUSALEM MUSIC CENTER (Jerusalemer Kulturzentrum für Musik)
www.keshetei.org.il - KESHET EILON (Musikzentrum im Kibbuz-Eilon in Galiläa)
www.matan-arts.org.il/Index.asp?CategoryID=149 - MATAN ARTS (Kunstprojekte der Vereinigung der MATNASSIM)
www.youth-music.org.il - NOAR MUSIKALI B’ISRAEL (Jeunesses Musicales in Israel)
www.omanut-laam.co.il - OMANUT L’AM (Volkskunst, Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur)
www.saltarbutartzi.org.il/Index.asp?CategoryID=180 - SAL TARBUT ARTZY (kulturelles Erziehungsprogramm der Vereinigung der MATNASSIM)
Sport
Geschichte
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war organisierter Sport im Land Israel so gut wie unbekannt. Doch durch die Einwanderung der zionistischen Jugendbewegungen erhielten körperliche Arbeit und sportliche Betätigung einen hohen Stellenwert. Dies geschah in bewusster Abgrenzung vom antijüdischen Klischee der Juden als körperlich schwache und vergeistigte Bevölkerungsgruppe. Die ersten jüdischen Sportvereine wurden 1906 gegründet - RISCHON L’ZION in Jaffa und BAR GIORA in Jerusalem.

Durch den Einfluss ost- und zentraleuropäisch geprägter Sportbewegungen waren die Pro-gramme und Aktivitäten der ersten Sportvereine anfangs vor allem durch Gymnastik (HITAMLUT) geprägt. Nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich zu Zeiten der britischen Mandatsregierung Fußball (KADUR REGEL) zur populärsten Sportart und ist dies neben Basketball (KADUR SSAL) bis heute geblieben. Eine weitere sehr beliebte Vereinssportart wurde Judo. In den letzten Jahren hat der Tennissport breiten Zulauf bekommen. Die in den zwanziger und dreißiger Jahren mit verschiedenen politischen Strömungen identifizierten großen nationalen Sportbewegungen haben sich seit den 70er Jahren weitgehend entpolitisiert. Sie verstehen sich heute als überparteiliche Organisationen. Dies betrifft die nationale BETAR- (Kürzel für: Bund Joseph Trumpeldor), die sozialdemokratische HAPOEL- und die religiöse ELIZUR-Sportbewegung.
Internationale Sportkontakte sind stark beeinträchtigt durch politischen und wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen der arabischen Staaten. Nach dem israelisch-arabischem Krieg vom Oktober 1973 wurde Israel von internationalen Sportereignissen in asiatischen Ländern ausgeschlossen und deshalb in die europäische Sportwelt integriert. Israel beteiligt sich an internationalen Wettkämpfen europäischer Sportverbände und ist nach 1989 offiziell in die europäische Region verschiedener internationaler Sport-Föderationen aufgenommen. Israelische Fußballmannschaften nehmen zum Beispiel an den vom europäischen Fußballverband UEFA veranstalteten Meisterschaften teil.
Amt für Sport
Im Jahr 1961 wurde innerhalb des Ministeriums für Erziehung ein Referat Sport und Leibeserziehung (SPORT - CHINUCH GUFANI) eingerichtet. Die Regierung ordnete 2006 das Amt für Sport in das Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Sport (MISRAD HAMADA, TARBUT WESPORT) ein. Es ist verantwortlich für schulischen Sport und für sportliche Programme anderer Erziehungseinrichtungen und Sportzentren und auch zuständig für Forschung, Sportmedizin und entsprechende fachliche Veröffentlichungen. Die verschiedenen Abteilungen des Sportamtes fördern Sportverbände, Veranstaltungen, Sportprogramme und Sportanlagen im kommunalen Bereich sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport. Das Ministerium unterstützt israelische Teams, die an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Internationale Zusammenarbeit wird auch in der Ausbildung von Trainerinnen und Trainern groß geschrieben.
Auf lokaler Ebene fördern die Sportämter der Gemeinde- oder Stadtverwaltungen außerschulische sportliche Aktivitäten. Sie sind auch für den Ausbau und Unterhalt lokaler Sportstätten verantwortlich. In den Schulen steht wöchentlicher Sportunterricht auf dem Stundenplan, tausende von Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an jährlichen landesweiten Sportwettkämpfen der Schulen. Die Ausbildung und Qualifizierung von besonders begabten Jugendlichen sowie von Fachkräften geschieht in sportbetonten Schulklassen und in besonderen Sportzentren. Das 1957 gegründete Wingate Institute in der Nähe von Netanja ist die zentrale, staatlich unterstützte Ausbildungseinrichtung des Landes für Sport und Leibeserziehung. Die Hochschule ermöglicht ihren Studierenden eine drei- oder vierjährige Ausbildung zu Sportlehrer(inne)n und Physiotherapeut(inn)en. Darüber hinaus bietet sie einjährige Trainer- und Jugendleiter(innen)kurse an und fungiert als Ausbildungszentrum für die Armee. Israelische Spitzensportler/-innen und Nationalmannschaften benutzen die Wingate-Sportanlagen als Trainingslager. Das Institut besitzt eine Abteilung für Forschung und Sportmedizin, eine Bibliothek und Mediothek und einen eigenen Verlag. Drei weitere israelische Sporthochschulen befinden sich in Tel Aviv, Be’erschewa und Giwat Washington.
Breitensport
Öffentliche Sportveranstaltungen haben oftmals einen speziellen israelischen Charakter. Vielfach beziehen sich Ort und Datum auf Ereignisse in der Bibel und in der jüdischen Geschichte. Gemeinsames Wandern, Laufen oder Schwimmen ist bei jungen und alten Israelinnen und Israelis sehr beliebt. Häufig werden Veranstaltungen des Breitensports geprägt von einer Atmosphäre großer Familien- und Volksfeste und finden unter Beteiligung junger Soldatinnen oder Soldaten in der Ausbildung statt. Jährliche populäre Traditionsveranstaltungen sind: der dreitägige durch die Armee organisierte Frühlingsmarsch nach Jerusalem, das vom Sportverband HAPOEL organisierte Durchschwimmen des Genezaret-Sees von Ein Gev nach Tiberias, der Volkslauf um den Berg Tabor und die Massenschwimmen in der Bucht von Haifa und im Roten Meer bei Eilat.

Die Stadt Jerusalem organisiert jährlich im Sommer Zeltlager und Sportwettkämpfe für tausende Jugendliche aus jüdischen und arabischen Jugendklubs, ähnliche Veranstaltungen finden auch in anderen Städten und Regionen statt. Bereits zum 2. Mal fand 2005 ein gemeinsamer Friedensmarathon von Sportlerinnen und Sportlern aus Italien, Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten statt, der auch von der italienischen Regierung und vom Vatikan unterstützt wurde. Weltweit bekannte Sportereignisse in Israel sind das jeweils im Jahr vor den olympischen Spielen von der internationalen MAKABI-Sportbewegung organisierte Sportfestival MAKABIA und die jeweils im Jahr nach der Olympiade durch die HAPOEL-Sportbewegung veranstalteten Sportwettkämpfe für jüdische Athletinnen und Athleten aus aller Welt. An internationalen Sportbegegnungen des von Nichtregierungsorganisationen getragene Programms Play Soccer Make Peace (PSMP) nehmen auch Fußballteams aus Israel teil. Unterstützt werden diese Jugendbegegnungen durch die World Association of Non-Governmental Organizations (WANGO).
Links
www.asa.org.il - ACADEMIC SPORT ASSOCIATION (ASA, Akademischer Verband der Studentensportvereine)
www.etgarim.org - ETGARIM (Vereinigung für Behindertensport im Freien)
www.igudkliya.co.il - HITACHDUT HAKLIA B’ISRAEL (Sportschützenverband)
www.iab.org.il - ISRAEL BASEBALL ASSOCIATION (Baseballverband)
www.ofanaim.org.il - ISRAEL CYCLING FEDERATION (Radsportverband)
www.israeldance.co.il - ISRAEL DANCE (Tanzsport)
football.org.il - ISRAEL FOOTBALL ASSOCIATION (Fußballverband)
www.rowing.org.il - ISRAEL ROWING FEDERATION (Ruderverband)
www.isfa.co.il - ISRAEL SPORT FOR ALL ASSOCATION (ISFA, Volkssportverband)
www.nivut.org.il - ISRAEL SPORT ORIENTEERING ASSOCIATION (Orientierungslaufverband)
www.triathlon.org.il/ita.php - ISRAEL TRIATHLON ASSOCIATION (Triathlonverband)
www.iscd.com - ISRAELI SPORT CENTER FOR THE DISABLED (Sportzentrum für behinderte Sportler)
olympic.tapuz.co.il - OLYMPIC COMMITEE OF ISRAEL (Olympisches Komitee in Israel)
www.otzma-sport.com - OZMA (Dachverband unabhängiger Sportverbände)
www.soi.org.il - SPECIAL OLYMPICS ISRAEL (Behinderte Sportler auf den Paralympics)
Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder
Soziale Notlagen
Eine wachsende Zahl israelischer Kinder und Jugendlicher befindet sich in einer sozialen und wirtschaftlichen Notlage. Im Hebräischen wird von Jugend in Not (NOAR B’MEZUKA) gesprochen. 2003 lebten etwa 1,43 Millionen Israelinnen und Israelis unterhalb der Armutsgrenze. Dies entsprach 22,4 % der Bevölkerung, darunter 30,8 % der Kinder des Landes (652 000 Kinder). Im Jahresbericht 2007 der Nationalen Versicherungsanstalt (BITUACH LE’UMI) wird bereits eine Zahl von 1,67 Millionen genannt und Kinderarmut mit einem Prozentsatz von 35,8 beziffert (804 660 Kinder). Insgesamt leben 244 000 Familien mit Kindern unterhalb der Armutsgrenze. Besonders betroffen ist die arabisch-israelischen Bevölkerung mit 67 % der Kinder unterhalb der Armutsgrenze.
Jugend in Gefahr

Viele soziale Organisationen engagieren sich in Zusammenarbeit mit dem Referat Jugendförderung (KIDUM NOAR) des Erziehungsministeriums für gefährdete Jugend (NOAR B’SSIKUN) auf den Straßen. 2007 sind es 326 000 Jugendliche vor allem aus neu eingewanderten und arabischen Familien mit großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Ihre Lebenssituation ist überdurchschnittlich durch Gewalt, Kriminalität und Drogenkonsum geprägt. Oft geht es um Fälle von Vernachlässigung (HASNACHA), Verwahrlosung (ASUWA) und körperliche, sexuelle und seelische Misshandlungen (HITALELUT FISIT, MINIT, NAFSCHIT). Die Bezirksstellen des Erziehungsministeriums fördern auf lokaler Ebene eine Vielfalt von Aktionsprogrammen zur individuellen Unterstützung sowie Erziehungshilfen und Angebote zur beruflichen Ausbildung. Das Ziel der Sozialarbeit ist eine Eingliederung der Jugendlichen in die Gesellschaft unter Achtung und Bewahrung der jeweils eigenen Kultur, Tradition und Sprache.
Schuldistanzierte Jugend
In Bezug auf Lebensstandart und Bildungsniveau bestehen in einzelnen Regionen und zwischen verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen enorme Unterschiede. Untersuchungen sprechen von jährlich mehr als 20 000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die keine Ausbildung machen (NOAR MENUTAK, schuldistanzierte Jugend). Sie fallen aus dem etablierten Bildungssystem und der Arbeitswelt völlig heraus, weil sie weder regelmäßig ar-beiten noch eine Schule oder Ausbildungsstätte besuchen. Von dieser Entwicklung sind hauptsächlich Jugendliche aus eingewanderten Familien sowie aus ultra-religiösen und aus arabischen Familien betroffen.
Internatserziehung
Eine ganztägige oder auch ganzjährige Unterbringung mit Schulausbildung in Form einer Internatserziehung (CHINUCH PNIMIATI) für Kinder- und Jugendliche bieten etwa 450 Bildungseinrichtungen an. Dazu gehören staatliche wie staatlich-religiöse Kinderdörfer (KFAREI JELADIM, Singular: KFAR), staatliche wie staatlich-religiöse Jugenddörfer (KFAREI NOAR), Internate zum Studium religiöser Schriften für Jungen (JESCHIWOT) und Mädchen (ULPANOT, Singular ULPANA), geschlossene oder offene Schutzheime (MEONOT CHASSUT) für gefährdete Jugendliche und schulische Einrichtungen der Sonderpädagogik (CHINUCH MEJUCHAD) für Kinder und Jugendliche mit Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten.

Jugendeinwanderung
In der Sozialarbeit mit Jugendlichen aus eingewanderten Familien spielt die Abteilung für Jugendeinwanderung (ALIJAT HANOAR) im Erziehungsministerium eine wichtige Rolle. Bei der Jugendeinwanderung handelte es sich um ein 1933 geschaffenes Aktionsprogramm der Jewish Agency for Israel zur Rettung von elternlosen Kindern und Jugendlichen vor nationalsozialistischer Verfolgung. Heute unterstützt das Programm vor allem aus afrikanischen und asiatischen Ländern stammende und in sozialen Brennpunkten lebende Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung.
Die Jugendeinwanderung ist in Israel die zentrale Organisation für jede Form von Heimerziehung. Das Prinzip des Lebens und Arbeitens in einer Jugendgesellschaft (CHEWRAT NOAR) und die enge Bindung an persönliche Jugendleiter (MADRICHIM) der Gruppe sind tragende Elemente der sozialpädagogischen Arbeit in der Jugendeinwanderung. Etwa 400 000 Kinder und Jugendliche bis heute durch die Jugendeinwanderung in Kibbuzim, Kinder- und Jugenddörfern oder besonderen Tageszentren aufgenommen worden.
Armenküchen
Für das Jahr 2003 ermittelte eine Studie 400 000 israelische Familien (22 % der Bevölkerung) mit unzureichender Ernähung, weil sie aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, sich gesund zu ernähren und deshalb weniger essen oder auf Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Obst weitgehend verzichten. Laut Bericht der Hilfsorganisation LATET (Geben) wurden 2003 mehr als 30 000 Familien durch Armenküchen und Hilfslieferungen mit insgesamt mehr als 700 Tonnen Nahrungsmitteln unterstützt. Gegenüber 2002 bedeutet dies einen Anstieg der Unterstützungsleistungen um 46 %.
Familien mit einem Elternteil und kinderreiche Familien machen zusammen zwei Drittel der Empfänger der Unterstützung aus. Es werden auch Familien unterstützt, die vormals der mittleren Einkommensschicht angehört haben. Ein Viertel der Unterstützten ist aufgrund von Arbeitslosigkeit in die Notlage geraten. Der Anteil junger Erwachsener zwischen 20 und 30 Jahren an Hilfsempfängern, die mit Kleidung und Nahrung versorgt werden mussten, hat sich gegenüber 2002 fast verdoppelt und beträgt 2003 etwa 15 %.
Antidrogenarbeit
In allen Städten des Landes arbeiten Drogenberatungsstellen. Lokale Behörden und Initiativen entwickeln gemeinsame Aufklärungskampagnen und Hilfsprogramme für Drogenabhängige. Das Amt zum Kampf gegen Drogen (HARASCHUT L’MILCHAMA B’SSAMIM) der Regierung koordiniert Aufklärungs- und Informationsarbeit zu Drogenfragen und entwickelt Programme und Kampagnen gegen Drogenmissbrauch (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Situation der Kinder und Jugendlichen > Drogen).
Jugendbeauftragte der Polizei
In den letzten Jahren ist die Zahl der Fälle von Jugendkriminalität und Jugendgewalt stark angestiegen. Konflikte zwischen Straßenbanden (CHAWUROT RECHOW) verschiedener ethnischer Bevölkerungsgruppen nehmen zu. Das Erziehungsministerium versucht, diesen Entwicklungen durch spezielle Beratungsstellen und Anti-Gewalt-Programme zu begegnen. Innerhalb der Israelischen Polizei (MISCHTERET ISRAEL) beschäftigt die Jugendabteilung eigene Jugendbeauftragte (MADRICHEI NOAR), die keine Uniformen tragen und eng mit schulischen und sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten. Bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität will die Polizeiarbeit Jugendliche aus ihrem kriminellen Umfeld herauszuholen, Vorstrafen vermeiden und ihre Zukunftschancen wahren (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Situation der Kinder und Jugendlichen > Kriminalität).
Träger der Jugendsozialarbeit
Eine Vielzahl von unabhängigen Vereinen und Initiativen engagiert sich in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Erziehung und dem Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste, mit lokalen Jugendämtern, Sozialarbeitern oder in Ergänzung staatlicher Stellen in sozialen Projekten zur Hilfe und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Sie leisten Beratungsarbeit, bieten sozial-pädagogische Unterstützung an, vermitteln Programme zur schulischen oder beruflichen Weiterbildung und versuchen auf diese Weise, einen Integrationsprozess in Gesellschaft und Arbeitswelt zu ermöglichen. Träger entsprechender Programme sind Schulen oder Ausbildungsstätten, Kultur- und Jugendzentren (MATNASSIM), Jugendbewegungen, soziale Einrichtungen der Armee, religiösen Verbände und gemeinnützige Vereine (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten).
Links
brookdale-en.pionet.com - BROOKDALE INSTITUTE (Forschungs- und Bildungszentrum für soziale Dienste)
brookdale.jdc.org.il/category/MainChildren - ENGELBERG CENTER FOR CHILDREN AND YOUTH
www.elem.org.il - ELEM (Beratung und Hilfe für Jugendliche in Gefahr und Not)
www.yadbeyad.org.il - JAD B’JAD (Hand in Hand, Hilfe für gefährdete Kinder und Jugendliche)
www.jaffainstitute.org - JAFFA-INSTITUTE (Stadtteilinitiative für Kinder und Jugendliche)
www2.jdc.org.il/category/English-JDC-Israel - JOINT ISRAEL (jüdisch-amerikanische soziale Hilfsorganisation)
www.kiju-aliyah.de - KINDER- UND JUGENDALIJAH (deutsches Komitee der Jugendeinwanderung)
Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche
Volk - Land - Tora
Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung ist weltlich-säkular und nur eine Minderheit ausgesprochen religiös orientiert. Das gilt auch für die moslemischen und christlichen Glaubensgemeinschaften. Trotz mancher Spannungen und Konflikte zwischen Religiösen und Säkularen werden individuelle und kollektive Identitäten in beiden Gruppen durch jüdische Kultur, Tradition und Geschichte geprägt. Im Denken und in der Sprache auch ausgesprochen weltlich orientierter Israelinnen und Israelis nehmen die Wort der hebräische Bibel (TORA), die Geschichte des jüdischen Volkes (AM ISRAEL) und die jüdische Geschichte im Land Israel (EREZ ISRAEL) großen Raum ein. In der Auffassung von Israel als Heimat des jüdischen Volkes vermengen sich nationale und religiöse Motive.
Staatliche-religiöse Erziehung
Staatliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Institutionen und Verbände in Israel wenden sich in besonderer Weise an die religiöse Bevölkerung. Das Bildungssystem unterhält ein Netz staatlich-religiöser Erziehungseinrichtungen. Ministerien und lokalen Behörden kümmert mit dem Arbeitsbereich Religiöse Erziehung (TAT, Kürzel für TARBUT TORANI, religiöse Kultur) um spezielle Belange religiöser Bevölkerungsgruppen. Die Abteilung Soldatenlehrerinnen (MOROT CHAJALOT) im Erziehungsministerium entwickelt Programme zur pädagogischen Begleitung junger religiöser Frauen, die als Teil ihrer Armeezeit Freiwilligendienste in sozialen Brennpunkten leisten. Die Abteilung für Internatserziehung (CHINUCH PNIMIATI) hat eine ähnliche Aufgabe in Bezug auf staatlich-religiöse Jugenddörfer (KFAREI NOAR) oder Internate zum Studium religiöser Schriften für Jungen (JESCHIWOT) und Mädchen (ULPANOT).

Das Amt für Gesellschaft und Jugend im Erziehungsministerium (CHEWRA WENOAR) entwickelt und begleitet mit seiner Abteilung Staatlich-Religiöse Erziehung (CHEMED, Kürzel für CHINUCH MAMLACHTI DATI, staatlich-religiöse Erziehung) Bildungsprogrammen für Kinder und Jugendliche, die demokratische Werte im Einklang mit den Geboten der Bibel vermitteln (TORA UMIZWOT). Die Abteilung Arabischer Sektor (HAMIGSAR HA’ARAWI) beschäftigt sich mit Bildungs- und Erziehungsfragen des arabischen Teils der israelischen Bevölkerung und nimmt in entsprechenden Lehrplänen und Materialien auch auf religiöse Fragen Bezug, wie zum Beispiel die Vorbereitung und Begleitung moslemischer oder christlicher Feiertage.
Religiöse und Säkulare
Die Förderung von Begegnungen zwischen Säkularen und Religiösen mit dem Ziel der Bewahrungen der Einheit der Nation (ICHUD LE’UMI) gilt als gemeinsame nationale Aufgabe (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Aktionsprogramme > Einheit und Vielfalt). Besonders nach dem Schock über die Ermordung des israelischen Premierministers Jizchak Rabin 1995 durch einen fanatischen religiösen Juden sind verschiedene staatliche und nichtstaatliche Initiativen für eine bessere Verständigung zwischen religiöser und säkularer Bevölkerung unternommen worden.
Besondere Bildungsprogramme versuchen die starre Trennung zwischen religiösen und säkularen Schulsystemen zu mildern. Das von der Regierung unterstützte Erziehungsprogramm KESCHET (Regenbogen) fördert die Neugründung von Schulen, in denen sich beide Bevölkerungsgruppen mischen. In der der nationalen Fußball-Jugendliga spielt unter dem Motto ZAW PIUS (Gebot zur Versöhnung) eine Fußballmannschaft aus Netanja, die zur Hälfte aus religiösen und zur Hälfte aus säkularen Spielern besteht. Die Mannschaftsmitglieder engagieren sich neben dem Fußballspielen in sozialen und pädagogischen Projekten, der Schabbat bleibt natürlich spielfrei.
In den vergangenen Jahren ist das Interesse auch säkularer Israelinnen und Israelis an einer persönlichen Begegnung und Auseinandersetzung mit religiösen Schriften wie TORA undTALMUD gewachsen. Das BEIT MIDRASCH (Lernhaus zum Studium der TORA und ihrer Auslegung) in moderner Ausprägung wird zu einem gern besuchten Ort, wo sie sich säkulare und religiöse, junge und alte Lernende zum gemeinsamen Studium zusammenfinden.
Links
moreshet.iba.org.il - MORESCHET (Erbe - jüdisch religiöser Kanal des staatlichen Rundfunksenders KOL ISRAEL)
www.tali.org.il - TALI EDUCATIONAL FUND (Vermittlung jüdischer Religion und Tradition in staatlich-säkularen Schulen)
www.tzavpius.org.il - ZAW PIUS (Gebot zur Versöhnung - Dialog zwischen Religiösen und Säkularen)
www.yesodot.org.il - YESODOT (religiöses Bildungszentrum für TORA und Demokratie)
Religiöse Strömungen
In Israel unterhalten die verschiedenen religiösen Strömungen in Judentum, Islam und Chris-tentum jeweils eigenständige von der Regierung unabhängige religiös ausgerichteten Erzie-hungs- und Bildungssysteme für Kinder und Jugendliche. Dabei kann es sich um Schulen, andere Bildungseinrichtungen, Fortbildungs- und Freizeitangebote oder Anlaufstellen zur seelsorgerischen und sozialen Unterstützung handeln. Die religiöse jüdische Bevölkerung lässt sich fünf Grundströmungen zuordnen:
1. Gottesfürchtige
2. Bibeltreue Orientalen
3. Nationalreligiöse
4. Konservative
5. Progressive
Mehr Informationen zu den fünf Grundströmungen hier...
Staatliche Freiwilligendienste
Unter den jungen Israelinnen und Israelis, die sich an Stelle eines Armeedienstes oder als Teil ihrer Militärzeit zu ein- oder zweijährigen sozialen Freiwilligendiensten melden, sind besonders viele religiöse Frauen. Der Nationale Dienst (SCHERUT LE’UMI) richtet sich an Freiwillige, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Wehrdienst herangezogen werden. Eine besondere Form dieses Dienstes ist der Nationale Dienst in der Diaspora (SCHERUT LE’UMI B’TFUZOT), der von der internationalen religiösen Jugendorganisation BNEI AKIWA (Söhne Akiwas) und der Erziehungsabteilung der Jewish Agency for Israel organisiert wird. Künftige Wehrpflichtige können sich unter der Bezeichnung Dienstjahr (SCHNAT SCHERUT) auch zu einem vormilitärischen einjährigen Programm verpflichten.
Die Freiwilligen wollen durch ihr sozial-karitatives und erzieherisches Engagement bei Kindern und Jugendlichen Neugier für jüdische Kultur, Sprache und Religion wecken, Verbindungen zwischen säkularen und religiösen Bevölkerungsteilen schaffen und die Beziehungen zwischen Israel und jüdischen Gemeinden im Ausland stärken. Bei ihrem Eintritt in die säkulare Welt und während ihrer Dienstzeit werden die religiösen Freiwilligen vom Ministerium für Wohlfahrt und staatlichen pädagogischen Begleitprogrammen unterstützt (siehe auch Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten: Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt).
Armeeprogramme
Religiöse Studenten aus JESCHIWOT (TALMUD-TORA-Schulen) sind nicht wehrpflichtig (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten: Ministerium für Sicherheit). Sie können jedoch freiwillig in speziellen Armee-Einheiten dienen, die das Studium religiöser Schriften mit einem verkürzten Militärdienst kombinieren. Durch diese Regelung soll die Bereitschaft der religiösen Bevölkerung für einen Armeedienst gestärkt und ihre Integration in die israelische Gesellschaft verbessert werden.

In den letzten Jahren hat die Zahl religiöser Frauen zugenommen, die einen Armeedienst leisten wollen, obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind. Für 2007 ist daher erstmalig die Einrichtung einer speziellen Armee-Einheit (MECHINA KDAM ZWA’IT) für religiöse Frauen geplant, die diese bei ihrer Begegnung mit der säkularen Welt begleiten wird. Sie sollen einen Armeedienst leisten können, ohne ihre an den religiösen Geboten ausgerichteten Überzeugungen und Lebensweisen aufgeben zu müssen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der religiösen Kibbuz-Bewegung DATI entwickelt.
Judentum Online
Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich über Angebote und Programme verschiedener religiöser Strömungen zu informieren. Lernportale erleichtern es, jüdische Religion, Kultur und Tradition zu studieren. Datenbanken geben wertvolle Hilfen beim Finden von jüdischen Schriften und ihrer Auslegung. Erfahrungsberichte und praktische Tipps helfen bei der Vorbereitung jüdischer Feiertage und Familienfeste. Bei religiösen Jugendlichen besonders bliebt sind Internet-Foren in Form von Fragen und Antworten zwischen Surfern und Rabbinern. Diese spezielle Art religiöser Unterweisung wird mit dem hebräischen Kürzel SCHUT bezeichnet (SCHE’ELOT UTSCHUWOT, Fragen und Antworten).
Religiöse Jugendliche nutzen das Internet zur Kommunikation über alltägliche Fragen des Glaubens und der Religion, zum Beispiel im Forum Freunde antworten (CHAWERIM MAK-SCHIWIM) im Internetportal KIPA. Eine Titelliste der threads gibt Aufschluss über aktuelle Diskussionen: Bibel und Gebote, Böses in der Welt, Demut, Feiertage, Freiheit, Glaube, Jugendbewegungen, Leitungsfunktionen, Persönliche Geschichten, Rechtsentscheidungen, Religiöser Zionismus, Staat und Erlösung, Werte, Zwischen Mann und Frau. Internetforen (KWUZOT HADIJUN) des Erziehungsministeriums sprechen Jugendliche aus dem Bereich des staatlich-religiösen Erziehungssystems an und behandeln ähnliche Fragen, außerdem noch: Armeedienst, Drogen, Freiwilligendienste, Gedenkstättenfahrten, Holocaust, Internetprobleme, Schülerräte.
Links
www.bmv.org.il - BEIT MIDRASCH VIRTUALI (Website zum Studium von Talmud und Mischna-Texten)
www.dafyomi.co.il - DAFYOMI ADVANCMENT FORUM (Lernportal zum TALMUD-Studium)
chareidi.shemayisrael.com - DE’A WEDIBUR (TORA-Informationsnetzwerk)
www.daat.ac.il - DA’AT (Meinung - Lernportal des Erziehungsministeriums für Judentum und Tora)
www.piyut.org.il - HASMANA L’PIJUT (Einladung zur Liturgie - Studium jüdischer liturgischer Poesie)
www.kipa.co.il - KIPA (populäres Portal zu jüdischen religiösen Themen)
www.mikragesher.org.il - MIKRA GESCHER (Website für Bibel-Studium nach Lehrplänen des Erziehungsministeriums)
www.mikranet.org.il - MIKRA NET (Website für Bibelkunde)
www.moreshet.co.il - MORESCHET (Internetportal zu jüdischem Wissen)
www.snunit.org.il/toshba/ - SNUNIT-TOSCHBA (Lernportal zur Auslegung der TORA)
cms.education.gov.il/educationcms/units/mazkirut_pedagogit/toshba/ - TOSCHBA (Unterrichtsmaterial zu Traditionen mündlicher jüdischer Schriftauslegung)
www.kabbalah.info/engkab/worldwide_classes.htm - WORLD CENTER FOR KABBALAH (Lernzentrum zum Studium der Kabala)
www.yishreilev.org - YISHREI LEV (Unterricht in TORA-Kunde für Kinder)
Trends
Nach der Zwangsräumung aller israelischen Siedlungen des Gaza-Streifen 2005 sind viele national-religiös gesinnte Jugendliche enttäuscht und verunsichert. Sie fühlen sich von Regierung, Armee und den Medien im Stich gelassen und distanzieren sich vom Establishment. Neue Bildungsprogramme versuchen, ein Auseinanderfallen ihrer israelischen und jüdischen Identität zu verhindern. Durch organisierte Begegnungen zwischen Jugendlichen aus 1967 eroberten Gebieten und aus dem israelischen Kernland sollen Frustrationsgefühle und Verbitterung abgebaut werden.

Eine 2006 veröffentliche Studie der Ben-Gurion-Universität stellte innerhalb der religiösen Jugend des staatlich-religiösen Erziehungssystems eine Tendenz zur Distanzierung von ihrem religiösen Elternhaus fest. 42 % der Befragten geben an, sich weniger religiös zu fühlen als ihre Eltern, 25 % wollen nach Abschluss der Oberschule aufhören, ihre Religion zu praktizieren. Medien schreiben von einem Erdbeben in der Jugend und rufen nach Initiativen zur Stärkung der persönlichen Verbundenheit religiöser Jugendlicher mit ihrer Gemeinde.
Das Interesse der jungen Generation an fernöstlichen Religionen und Heilmethoden, Meditationstechniken, Yoga und Thai-Chi ist groß. Entsprechende Kurse und Fortbildungsangebote finden unter Jugendlichen, die auf der Suche nach neuer Spiritualität jenseits traditioneller religiöser Angebote sind, starken Zulauf. Einiges Aufsehen erregte 2006 die Ankündigung der pädagogische Fachhochschule Beit Berl, einen interreligiösen akademischen Studiengang Spirituelle Studien - Religionen, Mystizismus und Philosophie einzuführen. Bisher hatten New Age-Themen im akademischen Lehrbetrieb israelischer Hochschulen keinen Platz.
Links
- Bildungseinrichtungen
www.bmj.org.il - BEIT MORASCHA (TORA-Studien kombiniert mit akademischer Ausbildung)
www.hartmaninstitute.com - MACHON SCHALOM HARTMAN (Institut für interreligiöse Forschung und Diskussi-on)
www.jici.org - Torah Institute of Contemporary Issues (religiöses Institut für aktuelle Fragen)
- Fachhochschulen
www.shaanan.macam98.ac.il - HAMICHLALA HA’AKADEMIT HADATIT L’CHINUCH (religiöse pädagogische Fachhochschule)
www.talpiot.macam98.ac.il - HAMICHLALA TALPIOT (religiöse Fachhochschule für Lehrer und Erzieher)
www.midrashot.org -IGUD HAMIDRASCHOT (Dachverband der Fachhochschulen für Judentum und Israelkun-de)
lif.ac.il - MICHLELET LIFSCHITZ (religiöse Fachhochschule für Lehrerausbildung)
www.orot.org - MICHLELET OROT (pädagogische Fachhochschule für Absolventinnen religiöser Oberschulen)
www.midrasha.co.il - MIDRASCHA EIN HANAZIV (Frauen-Fachhochschule für Jüdische Studien)
- Talmud-Tora-Schulen
www.yeshiva.org.il - JESCHIWAT BEIT EL (TALMUD-TORA-Schule in Beit-El)
www.birkatmoshe.org.il - JESCHIWAT BIRKAT MOSCHE (TALMUD-TORA-Schule in Ma’ale Adumim)
www.haretzion.org - JESCHIWAT HAR EZION (TALMUD-TORA-Schule in Gusch Ezion)
www.mercazharav.org - JESCHIWAT MERKAS HARAW (TALMUD-TORA-Schule in Jerusalem)
Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Einwanderungsland
Für die meisten Israelinnen und Israelis ist Israel als jüdischer Staat nicht nur Lebensmittelpunkt und Heimat, sondern auch Heimstätte der (noch) in anderen Ländern lebenden Jüdinnen und Juden. Von dieser zionistischen Grundüberzeugung ist die israelische Gesellschaft tief geprägt. In den ersten Jahrzehnten waren die großen Einwanderungswellen (ALIJOT) mit der Vorstellung vom Schmelztiegel Israel verbunden. Dieser sollte ein allmähliches Aufgehen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen in einer gemeinsamen neuen israelischen Identität zur Folge haben. Inzwischen ist diese alte Metapher durch das Bild vom Mosaik aus vielen verschiedenen Teilen abgelöst worden, aus dem sich die israelische Gesellschaft zusammensetzt. Heute ist gegenüber den Neueinwanderern (OLIM CHADASCHIM) erklärte Absicht der Integrationspolitik, die jeweils mitgebrachten Kulturen, Traditionen und Religionen zu achten und zu wahren. Alle ethnischen Gemeinschaften (EDOT) zusammen sollen in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt die neue israelische Gesellschaft bilden.

Im Vergleich mit den besonders hohen Zahlen aus den Jahren 1990 bis 2001 ist die Anzahl der Einwanderungen in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen. Von 2006 auf 2007 sank die Gesamtzahl um weitere 10 % von 21 000 auf 19 000. Die meisten OLIM CHADASCHIM kamen in diesem Zeitraum aus Äthiopien (3600), Russland (3250), Frankreich (2335), den USA (2094) und der Ukraine (1450). Die größten Schwierigkeiten bei der Integration in die Gesellschaft haben Einwanderer aus Äthiopien, die FALASCHAS genannt werden, wenn sie jüdisch, und FALASCHMURA, wenn sie judenchristlich sind.
Staatliche Programme
Die kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt der einwandernden Bevölkerungsgruppen stellt für Programme zur Ausbildung und Eingliederung von Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund eine schwierige Aufgabe dar. Ein großer Teil der Neueingewanderten lässt sich nach einer ersten Übergangsphase in Eingliederungszentren (MERKASEI KLITA) in so genannten Entwicklungsstädten (AREI PITUACH) an der Peripherie des Landes nieder. In Kooperation mit zahlreichen Nicht-Regierungsorganisationen und internationalen zionistischen Verbänden unternimmt die Regierung intensive Anstrengungen zur Integration der OLIM CHADASCHIM in die Gesellschaft und zur Förderung weiterer Einwanderung.
Das Ministerium für Eingliederung von Einwanderern (MISRAD L’KLITAT HA’ALIJA) arbeitet durch seine Abteilung Eingliederung in die Gemeinde (KLITA B’KEHILA) eng mit den örtlichen Eingliederungskomitees zusammen. Materielle und finanzielle Hilfe wird durch eine Vielzahl von Bildungs- und Ausbildungsprogrammen ergänzt. Praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die aus dem Erziehungssystem und der Arbeitswelt völlig herauszufallen drohen, wird von einer Vielzahl sozialer und politisch engagierter Vereine und Initiativen geleistet. Sie werden durch die Abteilungen Jugendförderung (KIDUM NOAR), Gefährdete Jugend (NOAR B’SSIKUN) und Jugendeinwanderung (ALIJAT NOAR) im Ministerium für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) unterstützt. Nach Untersuchungen aus dem Jahr 2007 brechen 40 % der Kinder aus eingewanderten Familien ihre schulische oder berufliche Ausbildung ab.

Folgende Auswahl ermöglicht einen Einblick in die Vielfalt von aktuellen Integrationsprogrammen für Kinder und Jugendliche:
- An den Mittelstufen (Klassen 7-9) von Schulen mit einem besonders hohen Anteil von Jugendlichen aus Einwanderungsfamilien wird im Rahmen des Gesellschaftskunde-Unterrichts das Erziehungsprogramm SCHALHEWET (Flamme) durchgeführt. Durch verstärkte Förderung der hebräischen Sprachkenntnisse soll das Selbstvertrauen gestärkt und die Voraussetzung für eine bessere gesellschaftliche Integration geschaffen werden.
- Das in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Oranim entwickelte Programm MA’AGALIM (Kreise) versucht, in einem Verständigungsprozess der Teilnehmenden über die jeweils mitgebrachten Kulturen (in Familie, Gemeinde, Volk, Staat) gemeinsame Schnittmengen zwischen eingewanderten Jugendlichen und israelischen Jugendlichen zu finden. Diese werden dann für gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse genutzt. Die Gespräche und Diskussionen können sich zum Beispiel um Kreise oder Schnittmengen wie Feste, Feiertage, Zeichen, Symbole, Gedenk- und Jahrestage, Filme und Lieblingsbücher drehen.
- Das Integrationsprogramm PELE richtet sich an tausende von Jugendlichen mit Eltern aus Äthiopien, dem Kaukasus und der Bukhara-Region. Es ist in Zusammenarbeit von Erziehungs- und Einwanderungsministerium entwickelt worden und wird durch die örtlichen Zentren für Kultur, Jugend und Sport (MATNASSIM) durchgeführt. Das Bildungsprogramm versucht, durch besondere Fördermaßnahmen Lernrückstände der Jugendlichen aufzuholen, um einen Schulabschluss zu ermöglichen. Der Name PELE (Wunder) ist gleichzeitig ein hebräisches Kürzel für Aktion anderes Lernen. Um das Selbstbewusstsein zu stärken, legt das Programm großes Gewicht auf Sport und Freizeitaktivitäten.
- Wenn Schulen sich an dem Lernprogramm MIRKAM (Flechtwerk) zur Förderung der Integration von Jugendlichen mit äthiopischem Hintergrund beteiligen, wirken sämtliche Schüler/-innen und Lehrer/-innen der Schule mit. Die Durchführung des vom Erziehungsministerium und dem Zentrum für Erziehungstechnologie (MERKAS L’TECHOLOGIA CHINUCHIT) entwickelten Programms liegt in den Händen von Literatur- und Sprachlehrkräften. Das Programm vermittelt Wissen um äthiopische Kultur und Traditionen und sensibilisiert für die Notwendigkeit ihrer Achtung und Bewahrung.
- Sprachkenntnisse sind die Voraussetzung für eine gelungene Integration. Deshalb legt das Lernprogramm SCHA’AL (Kürzel für SCHIPUR IWRIT L’OLIM: Verbesserung der Hebräischkenntnisse von Eingewanderten) besonderes Gewicht auf die Vermittlung von Sprache als Kommunikationsmittel und Lernwerkzeug für Jugendliche im Alltag, ohne dabei die Pflege der eigenen Muttersprache zu vernachlässigen. Das Lernmaterial ist speziell auf potentielle künftige Berufe zugeschnitten, die besondere Sprachfertigkeiten verlangen.

- Das Ministerium für Einwanderung startete 2006 in Zusammenarbeit mit der Jewish Agency for Israel und Medien ein Aktionsprogramm zur Förderung der besseren Integration von Eingewanderten aus Äthiopien. Von den etwa 100 000 Mitgliedern der äthiopischen Gemeinde sind 55 000 unter 18 Jahre alt. Die junge Generation hat es trotz abgeschlossener Ausbildung oft schwer, Arbeit in qualifizierten Berufszweigen zu finden. Das Aktionsprogramm will zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Einwanderern und Alteingesessenen (OLIM und WATIKIM) beitragen und in der israelischen Gesellschaft die Bereitschaft fördern, ausgebildeten junger Menschen aus der äthiopischen Gemeinde einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu geben.
- Der gemeinnützige Verein FIDEL engagiert sich für die Förderung von Bildung und sozialer Integration von Kindern und Jugendlichen, insbesondere aus Äthiopien. Der Verein wurde 1996 von äthiopischen Neueinwanderern und alteingesessenen Israelis gegründet, weil das Erziehungssystem nicht genügend auf die große Zahl von äthiopischen Einwanderern vorbereitet war. In Kooperation mit der Universität Haifa und der pädagogischen Hochschule Beit Berl werden Mediator(inn)en ausgebildet, die Ansprechpersonen von Jugendlichen an Schulen und von Eltern werden. Der Verein leistet Sozialarbeit für Jugendliche auf der Straße, die keinen Kontakt mehr zum Elternhaus haben und ihre Schulausbildung oder den Armeedienst abgebrochen haben.
- Kinder in Familien aus Nordamerika haben nicht selten Schwierigkeiten, sich gesellschaftlich in die israelische Gesellschaft zu integrieren, weil ihre Familien berufliche und soziale Kontakte oft auf englischsprachige angelsächsische Kreise konzentrieren. Ein relativ hoher Prozentsatz nordamerikanischer Einwanderer entschloss sich in der Vergangenheit, Israel wieder zu verlassen. Dies traf nach Statistiken des israelischen Innenministeriums für ein Viertel der OLIM aus Nordamerika zu, die seit 1989 ins Land kamen. Die zur Unterstützung von Einwanderern aus Nordamerika gegründete Initiative Von Mensch zu Mensch (NEFESCH B’NEFESCH) hat mit ihren Aktivitäten zur persönlichen Betreuung einzelner Familien großen Erfolg. 99 % der seit 2002 gekommenen 7000 Erwachsenen und Kinder sind geblieben.
Linkwww.israel21c.org/social-action/jerusalem-invests-millions-in-arab-schools Artikel über das Investitionsprojekt in arabische Schulen (in Englisch), gesehen 16.10.2011
Armeeprogramme
In der Verantwortung des Ministeriums für Sicherheit (MISRAD HABITACHON) richten sich verschiedene staatliche Ausbildungs- und Bildungsprogramme an sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Im Rahmen ihres Militärdienstes erhalten Wehrpflichtige die Möglichkeiten, bisher mangelnde Ausbildung zu vervollständigen, sich durch Sprachkurse oder allgemein bildenden Unterricht zu qualifizieren und spezielle Hilfe zum Erreichen von Schulabschlüssen in Anspruch zu nehmen. Das Erziehungskorps (CHEL CHINUCH) der Armee unterstützt mit seinen Aktivitäten vor allem junge Einwanderer aus den GUS-Staaten und aus Äthiopien. Mitglieder der so genannten Jugendtruppen (GDUDEI NOAR) leisten in Entwicklungsstädten und in besonders dafür eingerichteten Militärlagern soziale und pädagogische Arbeit mit Jugendlichen. Mit vergleichbarem Engagement unterstützen junge religiöse Soldatenlehrerinnen (MOROT CHAJALOT) örtliche Integrationsprogramme in Schulen, religiösen Internaten, Gemeindezentren und sozialen Brennpunkten.

FremdarbeiterIn Israel leben mehr als eine Viertelmillion so genannte Fremdarbeiter (OWDIM SARIM), zu deren Familien zigtausende von Kindern und Jugendlichen gezählt werden. Sie stammen vor allem aus Rumänien, Thailand und den Philippinen und leben zum Teil bereits seit vielen Jahren im Land. Die meisten besitzen keine offiziellen Papiere. In der israelischen Öffentlichkeit wird diskutiert, wie die Zahl der Fremdarbeiter drastisch zu reduzieren ist und wie vor allem deren Familien in Israel mit einem Mindestmaß an Gesundheitsfürsorge und Schulausbildung versorgt werden können. Das Parlament verhandelt Gesetzentwürfe, die in Zukunft in Israel geborenen Kindern die Möglichkeit einer Einbürgerung eröffnen sollen.
Flüchtlinge aus Afrika
Auch in Israel hat die Zahl der Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern zugenommen. Vor allem aus dem Sudan rettet sich eine zunehmende Anzahl von Flüchtlingen vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land über die ägyptische Sinai-Halbinsel nach Israel. Etwa 10 000 Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern haben bisher Zuflucht in Israel gefunden. Sie werden unter schwierigen Lebensbedingungen in Auffanglagern untergebracht. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen vieler Israelinnen und Israelis aus Zeiten der Verfolgung und Flucht wird über die Situation der afrikanischen Flüchtlinge und die Frage der Legalisierung ihres Aufenthaltes im Land besonders heftig debattiert.
Links
www.iaic.org.il/Home - ISRAELI ASSOCIATION FOR IMMIGRANT CHILDREN (IAIC, Hilfe für Kinder in Einwanderfamilien)
www.orr-shalom.org.il - OR SCHALOM (Wohnprojekt für gefährdete Jugendliche aus Einwandererfamilien)
www.iba.org.il/reka/ - REKA (Programm des staatlichen israelischen Rundfunks KOL ISRAEL für Neueinwanderer)
www.macom.org.il/todaa-NGOs-report-2005.asp - Bericht des MACHON TODA’A-Awareness Center über Prostitution und Menschenhandel in Israel
www.yeminorde.org - YEMIN ORDE (Jugenddorf für Kinder aus eingewanderten Familien)
brookdale.jdc.org.il/files/PDF/27es-space-eng.pdf - The Ethiopian National Project: An Evaluation Study of the SPACE Program – Scholastic Assistance, Youth Centers 2005-2007
Jugendinformation
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Kinder- und Jugendmedien
Internationale Kooperationen
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche

Kindern und Jugendlichen, die Rat und Unterstützung suchen, steht ein vielfältiges Netz von staatlichen und nichtstaatlichen Informations- und Beratungsstellen zur Verfügung. Sie können sich an zentrale Einrichtungen, regionale Beratungsstellen, Krankenhäuser, soziale Projekte oder Telefon- und Onlinedienste wenden. Engagierte Initiativen, Vereine und Selbsthilfegruppen helfen mit Auskünften, Erfahrungen und persönlicher Zuwendung. Eine zentrale und landesweit bekannte staatliche Anlaufstelle für Hilfe suchende Kinder und Jugendliche, Erziehungsberechtigte und Pädagog(inn)en, ist SCHEFI (hebräische Abkürzung für SCHERUT PSICHOLOGI JI’UZI - Psychologischer Beratungsdienst). Die Einrichtung unterhält Niederlassungen in allen Regionalbezirken. Dazu gehören auch die Telefon-Hotlines HAKAW HAPA-TUACH (Die Offene Leitung) für Schüler und die kostenlose Hotline HAKAW HAJAROK (Die Grüne Leitung).
Große gesellschaftspolitisch engagierte Verbände wie die Frauenorganisation der Arbeiterbewegung NA’AMAT oder die Internationale Zionistische Frauenorganisation WIZO (Women’s International Zionist Organization) bieten Informations- und Beratungsstellen zu Kinder- und Jugendfragen. In der Verantwortung des Ministeriums für Arbeit und Wohlfahrt liegt die allgemeine Informations- und Beratungseinrichtung SCHIL (hebräisches Kürzel für SCHERUT JI’UZ L’ESRACH - Beratungsdienst für Bürger). Im Folgenden werden nach Themenbereichen geordnete Links zu unterschiedlichen Informations- und Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche und deren Familien aufgeführt. Hier geht es zu den Links...
Einige Informations- und Beratungsstellen richten sich an Bevölkerungsgruppen, die eine relativ geschlossene und von der jüdischen säkularen Mehrheitsbevölkerung weitgehend getrennt lebende Gesellschaften bilden, wie zum Beispiel die jüdische ultra-religiöse Bevölkerung (CHAREDIM) oder die arabisch-palästinensische Minderheit in Israel. In persönlichen Not- und Krisenfällen sind vor allem Mädchen und Frauen aus diesen Gruppen darauf angewiesen, speziell an ihren Bedürfnissen und an ihrer Lebenswelt ausgerichtete Unterstützung finden zu können. Veröffentlichungen, Publikationen und Fortbildungsprogramme der Informations- und Beratungszentren wenden sich an unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in ihrer jeweiligen Muttersprache, zum Beispiel in arabischer, russischer, französischer, jiddischer und amharischer Sprache.

Einen detaillierten, mit Adressen versehenen Gesamtüberblick über aktuelle Hilfs- und Beratungsangebote zu verschiedenen Problembereichen der Jugendarbeit bietet die Website SAHAR (hebräisches Kürzel für SIJUA W’HAKSCHAWA B’RESCHET- Helfen und Zuhören im Internet).
Kinder- und Jugendmedien
Surfing
Die israelische Gesellschaft ist eine der internetaktivsten der Welt. Neue Medien und das Internet nehmen eine dominierende Stellung im Freizeitverhalten ein. Auf den Wunschlisten Jugendlicher für neue Anschaffungen stehen Computer mit Breitband-Internetanschluss ganz oben. 55 % der Jugendlichen surfen, mailen und chatten regelmäßig. Die Zahl israelischer Surferinnen und Surfer nimmt stark zu, 2000 waren es 2000, 2001 bereits 38 000, 2004 schon 860 000. Insgesamt verfügen 57 % der Israelis über eine Internetverbindung.
Anlaufstelle für Informationen in Bezug auf die israelische Internet-Szene ist die Israel Internet Association. Das beliebteste israelische Internet-Portal ist WALLA!. 58,3 % der Jugendlichen surfen dort mindestens einmal pro Woche. Weitere populäre Websites sind TAPUZ, NANA, IOL, MSN, ZOOLOO, BANANO BOOM und ZULA. Ein israelisches Portal in arabischer Sprache ist JAHALA.
Blogging
Israelische Surfer/-innen bilden einen sehr aktiven Teil der internationalen Blogger-Szene. Fortlaufend werden tagebuchähnliche persönliche Aufzeichnungen, Erfahrungen und Gedankengänge veröffentlicht, jeweils versehen mit aktuellen Links. Blogger/-innen ordnen ihre Beiträge verschiedenen Kategorien zu, die durch Alter (18-, 18+, 20+, 30+…) oder durch Themen (zum Beispiel Lebensphilosophie, Aktuelles, Universität, Armee, Sport…) definiert sind. ISRABLOG ist eine der beliebtesten Websites der israelischen Szene in hebräischer und auch jiddischer Sprache. TAPUZ BLOGS verfügt nach nur fünf Jahren Existenz über mehr als 100 000 Blogs und mehr als 1,2 Millionen registrierte Nutzer/-innen. Auch englischsprachige Blogs zum Thema Israel und so genannte J-Blogs zu jüdischen Themen haben starken Zulauf.

Lernportale
Als führendes Lern-Portal für Jugendliche, Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen gilt SNUNIT (Schwalbe), das monatlich etwa 17 Millionen Mal angeklickt wird. Das Programm wurde 1994 an der Hebräischen Universität in Jerusalem entwickelt und arbeitet seit 1991 als unabhängige und gemeinnützige Einrichtung. Ziel ist die Erschließung des Internets als eine gleiche Chancen ermöglichende Lern- und Lehrquelle für verschiedene Bevölkerungsgruppen. SNUNIT möchte die Möglichkeiten des Internets nutzen, um Foren für unterschiedliche Standpunkte zu schaffen, die sich gegenseitig befruchten. Das Lernportal richtet sich besonders an sozial und gesellschaftlich benachteiligte Minderheiten.
Ein neues Projekt kreativen und experimentellen Lernens ist das Internetportal MEDUCATION). Es wurde vom israelischen Erziehungsministerium eingerichtet und ist der jungen Kunst gewidmet. Schüler/-innen der 12. Klassen des ganzen Landes stellen dort unter den Kategorien Film, Radio, Galerie, und Wettbewerb eigene Kunstprojekte vor und präsentieren sich so wie sie sich selbst sehen. Das Projekt zielt auf den Dialog mit der Öffentlichkeit zu Themengebieten wie Gewalt, Koexistenz, Krieg und Frieden, Drogen, Zionismus und Demokratie, Glaube, Gender, Rechte und Pflichten von Schüler(inne)n, Gesellschaft, Musik, Verkehrserziehung.
Fernsehen
Das Erziehungsfernsehen (HATELEWISIA HACHINUCHIT) wird seit 1968 ausgestrahlt. Es gehört heute in den Verantwortungsbereich des Ministeriums für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) und richtet sich an unterschiedlichste Gruppen - von Vorschulkindern über Wehrdienstpflichtige bis zu Erwachsenen jeden Alters. Produziert werden Beiträge für drei unterschiedliche israelische Fernsehkanäle: in Kanal 1 werden Programme für Vorschulen und das Erziehungssystem gesendet, Kanal 2 ist thematisch vielfältiger, Kanal 23 des Kabelfernsehens richtet sich mit Beiträgen zu Themen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur eher an ältere Fernsehzuschauer. Das Erziehungsfernsehen versucht, Bewusstsein und Debatten der Gesellschaft zu prägen und zu wichtigen nationalen Ereignissen Beiträge zu produzieren.
Bei Jugendlichen sehr beliebt sind über Kabel- oder Satellitenfernsehen ausgestrahlte amerikanische TV-Serien und Videoclips ausländischer Musiksender wie MTV oder VIVA. Seit 2003 sendet mit dem Kanal 24 (ARUZ ESRIM WEARBA) auch ein israelischer Musiksender ein 24-Stunden-Programm mit Videoclips von Interpreten und Gruppen aus der israelischen Musikszene.
Radio
Unter 500 hebräischsprachigen Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren beziehen laut einer Untersuchung von 2004 etwa 40 % von ihnen Informationen und Nachrichten hauptsächlich durch das Fernsehen, 20 % durch das Internet, 18 % durch Zeitungen, 17 % durch Eltern oder Freunde und 4 % durch das Radio.
Der Rundfunksender Stimme Israels (KOL ISRAEL) der staatlichen Israelischen Rundfunkanstalt (RASCHUT HASCHIDUR) produziert in seinem Informationsprogramm Kanal Alef (RESCHET ALEF) zahlreiche Beiträge, die besonders auf junge Hörer/-innen zielen. Dokumentarbeiträge, Features, Reportagen und Diskussionen beschäftigen sich mit einer Vielzahl jugendrelevanter Themen wie zum Beispiel Musik, Freizeitgestaltung, Literatur, Kunst, Computer, Internet, Geschichte, Landeskunde, Natur oder Gesundheit.
Bei dem vom israelischen Rundfunk initiierten Erziehungsradio (HARADIO HACHINUCHI) handelt es sich um landesweites Netzwerk von lokalen Sendestationen in Universitäten, Hochschulen und Schulen. Es soll vor allem Schüler/-innen wie Studierende aus so genannten Randgebieten des Landes (HAPERIFERIA) erreichen und sie durch das Betreiben eines eigenen lokalen Radiosenders zu einer späteren Arbeit mit modernen Kommunikationsmitteln motivieren.
Bücher
Nachdem in den 70er Jahren verschiedene Buchverlage (AM OWED, MASSADA, KETER und andere) begannen, spezielle Buchreihen für Kinder und Jugendliche aufzulegen, bildet dieser Literaturbereich seit den 80er Jahren einen zentralen Bestandteil der israelischen Buchproduktion. Auch in Literaturforschung und Literaturkritik spiegelt sich das wachsende Interesse an Kinder- und Jugendbüchern. Das Ministerium für Erziehung fördert die Entwicklung von Kinder- und Jugendliteratur durch die Herausgabe der Zeitschrift SIFRUT JELADIM WENOAR (Kinder- und Jugendliteratur) und durch die Verleihung des jährlichen Se’ew-Preises für ausgezeichnete Kinderliteratur. Die Themen dieser Literatur umfassen heute auch kontroverse Inhalte, die früher als Tabu in der Kinder- und Jugendliteratur galten, wie zum Beispiel Familienkrisen, Scheidungen, Tod und Verzweifelung in Kriegssituationen. Auf der anderen Seite steht ein Trend zur nostalgischen Darstellung von Kindheits- und Jugenderlebnissen.

Jugend-Magazine
Das bekannteste kommerzielle Jugend-Magazin ist ROSCH ECHAD (1 Kopf). Die hebräische Tageszeitung MA’ARIW veröffentlicht unter der Bezeichnung MA’ARIV L’NOAR (MA’ARIW für die Jugend) ein eigenes Jugendmagazin, das bis in die 80er Jahre das führende Jugendmagazin war. Zahlreiche gesellschaftspolitische Gruppen und Verbände veröffentlichen spezielle Publikationen für Kinder oder Jugendliche. Dazu gehören Jugendverbände wie die Arbeitende und Lernende Jugend mit der Zeitschrift B’MA’ALE (Im Aufstieg), die Pfadfinderbewegung mit HEJE NACHON (Sei bereit), die Söhne Akiwas mit SERAIM (Saaten), die Religiöse Arbeitende und Lernende Jugend mit MASSAD (Fundament), die Nationale Arbeitende und Lernende Jugend mit JA’AD (Ziel), die Jungen Makabäer mit MODI’IN (Information), die Einwanderer-Scharen mit B’MIWCHAN (In der Bewährung), Esra mit ALONIM (Hefte), die Zionistische Jugend mit B’TNUA (In Bewegung). Die Vereinigte Kibbuzbewegung (TAKAM) publiziert die Jugendzeitschrift ALE. Von der Gesellschaft für Naturschutz (CHEWRA L’HAGANAT HATEWA) wird monatlich eine Zeitschrift für Kinder (PASCHOSCH) und eine Zeitschrift für Jugendliche (SALIT) herausgegeben.
2011 ist ein neues Magazin für israelische Grundschulkinder erschienen. Es heißt Adam Tza’ir (Junger Mensch). Es wird von der anthroposophischen Gesellschaft Israel herausgegeben und orientiert sich an den Prinzipien Rudolf Steiners. Das Magazin richtet sich an Kinder zwischen 7 und 12 Jahren.
(Quelle: http://www.haaretz.com/culture/arts-leisure/a-kinder-gentler-magazine-for-kids-1.387820, gesehen 19.10.11)
Armee-Medien
Zum Erziehungs- und Bildungssystem der israelischen Armee ZAHAL gehört der armeeeigene Radiosender GALEI ZAHAL (Armee-Welle). Vor allem junge Leute wählen den Armee-Sender mit seinen beiden Kanälen GALAZ und GALGALAZ, die ganztägig Nachrichten, Gespräche und Musik bringen. Viel gelesen unter jungen Wehrpflichtigen wird die Wochenzeitschrift der Armee B’MACHANE (Im Militärlager).
Zentrale für Öffentlichkeitsarbeit
In der Verantwortung des Büros des Ministerpräsidenten liegt die Veröffentlichung für eine Reihe von Medien und Publikationen, die sich an Jugendliche richten. Die Zentrale für Öffentlichkeitsarbeit (MERKAS HAHASSBARA) konzipiert und publiziert aktuelles Aufklärungs- und Informationsmaterial zu gesellschaftspolitischen Fragen für Jugendliche und junge Erwachsene aus unterschiedlichen Alters- und Bevölkerungsgruppen (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten).
Links
www.kidstv.co.il - Israelisches Kinderfernsehen im Überblick
www.hot.net.il - HOT (israelischer Internetprovider)
http://magazine.ort.org.il - KTAW NET (Internet-Magazin der Bildungseinrichtung ORT)
Internationale Kooperationen
Internationaler Informationsaustausch
Vertretungen der israelischen Regierung oder israelischer NGO (Nichtregierungsorganisationen) wirken im Rahmen internationaler Zusammenarbeit an der Entwicklung jugendpolitischer Programme mit. Innerhalb der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) beschäftigen sich entsprechende Arbeitszweige mit Themengebieten aus der Jugend- und Erziehungsarbeit. Seit 1950 ist in Israel die Nationale Israelische Kommission für die UNESCO (HAWA’AD HAISRAELI L’UNESKO) tätig. Präsidentin ist die israelische Erziehungsministerin.

In der UNESCO wurde 1992 das Netzwerk der UNESCO Chairs eingerichtet, das über 500 Lehrstühle verschiedener Disziplinen aus insgesamt 124 Ländern umfasst. Das weltweite Netzwerk dient dem Informationsaustausch und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entwicklung und Erprobung von Modellen internationaler und interkultureller Zusammenarbeit. Forschung, Ausbildung, Information und Dokumentation sind integrale Bestandteile der gemeinsamen Arbeit. In Israel wurden bisher neun UNESCO-Lehrstühle eingerichtet. Für Themengebiete internationaler Jugendarbeit besonders relevant sind folgende:
- Multikulturelle Erziehung
An der Hochschule Beit-Berl ist seit 2004 ein Lehrstuhl für multikulturelle Erziehung angesiedelt. Im Rahmen internationaler Zusammenarbeit zwischen der israelischen Hochschule und Bildungseinrichtungen anderer Länder werden Programme zur multikulturellen Erziehung in der Ausbildung von Pädagog(inn)en in Israel, Europa und Nordamerika entwickelt. - Interkultureller interreligiöser Dialog
An der Universität Haifa wurde 2000 ein Lehrstuhl für interkulturelle und interreligiöse Studien geschaffen. Aus der Erforschung des christlich-jüdisch-moslemischen Verhältnisses auf der iberischen Halbinsel im Mittelalter sollen Erkenntnisse für ein Zusammenleben dieser Bevölkerungsgruppen in heutigen Gesellschaften in Europa, Mittelmeerraum, Nordafrika und Zentralasien gewonnen werden. - Erziehung zu Humanismus, Toleranz und Frieden
An der Bar-Ilan-Universität existiert seit 2000 ein Lehrstuhl für Erziehung zu humanistischen Werten, Toleranz und Frieden. In Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler(inne)n und Pädagog(inn)en in Israel, im Nahen Osten, im Mittelmeerraum und in anderen Ländern werden Erziehungsmodelle erforscht und entwickelt, die sich an den internationalen und universellen Erklärungen der Menschenrechte orientieren. - Weisheit der Weltreligionen
Am Jerusalemer Elijah-Interfaith Institute wurde 1999 ein UNESCO-Lehrstuhl Studium der Weisheit der Weltreligionen eingerichtet. Ziel der Arbeit ist die Entwicklung von Studien- und Erziehungsprogrammen für nationale und internationale Bildungsarbeit, die sich um interreligiöse und interkulturelle Verständigung im Geiste von Frieden und Toleranz bemühen. - Humanistische Erziehung
Am Institute for Educational Thought der Pädagogischen Hochschule der Kibbuz-Bewegung ist seit 2004 ein Lehrstuhl für humanistische Erziehung etabliert. In Zusammenarbeit mit vergleichbaren anderen Einrichtungen in Israel, Europa und Nordamerika bemüht er sich um einen Austausch von Erfahrungen und Erziehungsmodellen auf dem Gebiet der Erziehung zu humanistischen Werten und umfasst unter anderem Themengebiete wie kritische Pädagogik, soziale Gerechtigkeit, Ökologie, pluralistische Gesellschaft, Geschlechterverhältnis, Familie und Gesellschaft.
Informationen für alle
Das National Committee for Information for All Programme arbeitet seit 2005 als israelische Vertretung im internationalen Programm Information for All Programme (IFAP) der UNESCO mit. Das Programm zielt auf die faire und gerechte Gestaltung der Möglichkeiten und Chancen des modernen Informations- und Kommunikationszeitalters weltweit. Mehr als 50 nationale Vertretungen sind beteiligt. Der israelischen Vertretung gehören Expertinnen und Experten aus dem akademischen, öffentlichen und privaten Bereich und verschiedener NGO an.
(Quelle: portal.unesco.org/ci/en/ev.php-URL_ID=20605&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html, 21.1.09)
Kinder- und Jugendreisen
Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen
Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte
Reisetipps und -informationen
Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen
Auslandsreisen
Israelische Jugendliche unternehmen gern Gruppenausflüge (TIJULIM) in die Natur des Landes Israel (EREZ ISRAEL) und träumen von langen Reisen in ferne Länder. Der Begriff CHUL (Abkürzung für CHUZ L’AREZ, außerhalb des Landes) hat für viele Jugendliche - und auch viele Erwachsene - einen magischen Klang. Bis heute legendär sind illegale Ausflüge in den 50er Jahren, die zu Fuß über die feindliche jordanische Grenze zur sagenhaften Wüstenstadt Petra führten. Als zwölf Jugendliche dabei ums Leben kamen, verbot die israelische Regierung die weitere Ausstrahlung des damals populären hebräischen Schlagers HASSE-LA HA’ADOM (Der Rote Felsen), der wegen seiner romantisierenden Darstellung dieser Jordanien-Ausflüge zu weiteren gefährlichen Unternehmen zu verleiteten schien.
In einem Staat, der sich seit seiner Gründung 1948 mit umliegenden arabischen Ländern im Kriegszustand befindet, haben Auslandsreisen eine besondere Bedeutung. Sie bieten Möglichkeiten, dem Alltag zu entfliehen und die weite Welt außerhalb des kleinen Israels kennen zu lernen. Ein jährlich wiederkehrendes typisch israelisches Sommer-Phänomen ist die Ausreise von Hunderttausenden, um ein paar Wochen außerhalb des Landes zu verbringen und Erholung und Ablenkung zu suchen.
Backpackers

Fast rituellen Charakter haben die zeitlich und geografisch ausgedehnten Auslandsaufenthalte junger Israelinnen und Israelis nach Abschluss ihrer mehrjährigen Armeezeit. Israelische Rucksack-Reisende (Backpackers, hebräisch: TARMILA’IM) sind überall in der Welt anzutreffen. Nach einer anstrengenden und oft gefährlichen Zeit beim Militär suchen sie Erholung, Selbstfindung und die Rückkehr ins zivile Leben. Als besonders beliebte Reiseziele gelten Indien, Tibet und Südamerika. Allein die indische Botschaft in Tel Aviv stellt jährlich etwa 25 000 Einreisevisa für 12-monatige Aufenthalte in Indien aus, meistens für junge Israelis im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Junge israelische Reisende werden im Ausland sehr unterschiedlich wahrgenommen. Interessiertes und kommunikatives Auftreten findet viele Sympathien, bisweilen wird jedoch auch rüpelhaftes und lautes Verhalten kritisiert.
Laut einer Untersuchung der Ben-Gurion-Universität konsumieren mehr als 80 % der insgesamt etwa 20 000 israelische Backpackers im Ausland Drogen. Diese Art des Drogentourismus bezieht sich vor allem auf Länder in Asien und Süd- und Mittelamerika. Die Befragten geben an, der Genuss von Drogen sei ihnen im Ausland anonym und ohne die enge soziale Kontrolle wie im Heimatland möglich. Er sei aber nur vorübergehend und auf die Zeit ihres Auslandaufenthaltes beschränkt. Die bewusste Verletzung tradierter Normen wird als Akt der persönlichen Befreiung empfunden. Auch europäische Länder sind in diesem Zusammenhang Reiseziele. Als bekannte Treffpunkte zum Konsumieren von Drogen in Deutschland gelten große Musik- und Straßen-Festivals und speziell organisierte Schifffahrten auf dem Rhein. Entsprechende Hinweise finden sich in israelischen Internet-Foren.
Links
sf.tapuz.co.il/forum-662--.htm - TARMILA’IM (Internetforum von TAPUZ zum Thema Backpackers)
www.traveler.co.il - TRAVELER (Reiseinformationen von Travelern für Traveler, auf Hebräisch)
Familiäre Wurzeln
Die israelische Gesellschaft ist eine Einwanderungsgesellschaft, deren Bevölkerung sich aus Nachkommen von aus mehr als 80 verschiedenen Ländern der Welt eingewanderten Familien zusammensetzt. Reisen in die Länder der eigenen Vorfahren haben daher oft einen besonderen biografischen Aspekt und können zu intensiven Begegnungen mit den eigenen Wurzeln (SCHORASCHIM) werden. Oft nutzen israelische Jugendliche ihren Auslandsaufenthalt zum Besuch von Geburtsort und Lebensstationen ihrer Großeltern und Urgroßeltern, um dort Spuren der eigenen Familiengeschichte nachzugehen.
In Europa sind dies meist Spuren einer durch die nationalsozialistische Judenverfolgung vernichteten Welt. Viele Jugendliche beteiligen sich an speziell organisierten Fahrten zu Gedenkstätten oder zu Orten, die ehemals Zentren jüdischen Lebens in Europa waren. Solche Reisen, vor allem nach Polen, Tschechien und in die baltischen Staaten, werden als schulische Veranstaltungen durch das Ministerium für Erziehung unterstützt. Auf Grund der schmerzhaften Erinnerungen können sich allerdings auch gegenteilige Reaktionen zeigen, dass nämlich Jugendliche grundsätzlich ablehnen, in die Länder der Verfolgung und Ermordung ihrer Familien zu reisen.
Links
www.myshorashim.com - MY SHORASHIM (interaktives Lernportal zur Familiengenealogie)
www.geotours.co.il/?CategoryID=255 - SHORASCHIM (Reiseangebote zur Familiengeschichte)
www.happynet.co.il/family/ - SSIPUR MISCHPACHOT (Familiengeschichten - interaktives Lernportal zur Familiengenealogie)
www.jewish-world.org.il/Roots/german/Main.asp?Language=german&PageLink=02&lesson=2& - WURZELN (Lernportal der Jewish Agency for Israel zu Namens- und Familienforschung)
Sicherheitsdenken
Reisen in fremde Länder werden oft als eine Fahrt ins Ungewisse empfunden und sind mit Ängsten verbunden. Ständige Begleiter israelischer Besuchergruppen im Ausland sind Sicherheitsüberlegungen und die Befürchtung, auf Juden- und Israelfeindschaft zu treffen. Organisierte Jugendgruppen beschäftigen sich vor einer Reise in der Regel ausführlich mit Sicherheitsaspekten und entsprechenden Verhaltensmaßregeln. Das Referat für Sicherheit des Erziehungsministeriums erarbeitet dazu ausführliche Bestimmungen für offizielle Reisegruppen.

Manche Gruppen vereinbaren, sich aus Sicherheitsgründen im Ausland möglichst nicht als israelische oder jüdische Reisende erkennen zu geben. Sie sprechen in der Öffentlichkeit kein Hebräisch, tragen keine Kleidung mit hebräischen Buchstaben und verzichten auf Schmuck und Kopfbedeckungen, die sie als Jüdinnen oder Juden kenntlich machen. Falls es notwendig erscheint, bringen sie eigene ausgebildete Sicherheitsbeamte mit. Für Israelinnen und Israelis ist es bei Auslandsaufenthalten oft eine überraschende Erfahrung, dass die Menschen dort ohne weiteres Nachdenken und ohne Ängste Veranstaltungsorte, Kinos, Diskotheken und Kneipen besuchen.
Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte
Jugendherbergen
ACHSSANJAT NOAR ist der hebräische Begriff für Jugendherberge (Plural: ACHSANIOT). Dachverband aller Gästehäuser im Land ist der Israelische Jugendherbergsverband (AGUDAT ACHSSANJOT HANOAR B’ISRAEL, Israel Youth Hostel Association – IYHA). Die meisten Häuser sind in größeren Städten oder in der Nähe beliebter touristischer Ziele gelegen. Schulklassen, Jugendgruppen, Touristengruppen, Familien und auch Einzelgäste sind herzlich willkommen.

In den größeren Unterkünften können Gäste über Schlafmöglichkeiten und Verpflegung hinaus Gäste Gruppen- und Tagungsräume mit entsprechender technischer Ausstattung für Seminarprogramme nutzen. Der israelische Jugendherbergsverband betreibt eine eigene Jugend-Reiseagentur. Auf Wunsch werden spezielle Programme, zum Beispiel Ausflüge in die umgebende Natur bis in das benachbarte Ägypten oder Jordanien, organisiert. Der Verband wird vom Ministerium für Erziehung unterstützt, ist Mitglied im Internationalen Jugendherbergsverband (International Youth Hostel Federation, IYHF) und arbeitet eng mit dem Deutschen Jugendherbergswerk zusammen.
Jugendbildungsstätten
Eine Reihe von Bildungseinrichtungen bietet über ihre jeweilige thematische Arbeit hinaus Unterbringungs- und Verpflegungsmöglichkeiten für Jugendgruppen:
- In Haifa übernimmt die Studien- und Begegnungsstätte Rutenberg Institut Vorbereitung und Durchführung von israelischen und internationalen Jugend- und Fachkräfte-Seminaren und bietet mehrere Internatshäuser und ein Gästehaus.
- Das Studienzentrum Beit Berl, gleichzeitig auch Pädagogische Hochschule, besitzt ein vom Deutschen Städtetag mitfinanziertes Gästehaus für internationale Gruppen von Jugendlichen und Jugendleiter(inne)n, die an Begegnungsprogrammen und Fachseminaren des Zentrums teilnehmen.
- Die Bildungsstätte für interkulturelle Begegnungen Dialog organisiert internationale Jugendbegegnungen und Programme für Fachkräfte und verfügt im Kibbuz Nachscholim über Semi-narräume und ein Gästehaus.
- In der Nähe von Hadera liegt das Erziehungs- und Seminarzentrum der Kibbuzbewegung Givat Haviva, das sich für jüdisch-arabische Verständigung engagiert und gern auch internationale Gästegruppen aufnimmt.
- Die Vereinigte Kibbuzbewegung verfügt über das eigene Studien- und Ausbildungszentrum EFAL, in dem internationale Seminare durchgeführt werden. Die jugendpolitischen Programme des Studienzentrums richten sich an israelische und ausländische Fachkräfte und Jugendgruppen.
- Das jüdisch-arabische Gemeinschaftsdorf Neve Schalom/Wahat Al-Salam bei Latrun betreibt im Rahmen ihrer jüdisch-arabischen Bildungs- und Erziehungsarbeit eine Jugendherberge und ein Jugendgästehaus, das auch von Besuchergruppen aus dem Ausland genutzt werden kann.
Feldschulen
Die in Israel beliebte Bildungseinrichtung der Feldschule (BEIT SEFER SADE) bietet in der Regel nicht nur für israelische Schüler/-innen, sondern auch für Gästegruppen aus dem Ausland die Durchführung mehrtägiger Seminare mit Möglichkeiten der Übernachtung und Verpflegung an. Insgesamt 26 Feldschulen in verschiedenen Landesteilen werden von der israelischen Gesellschaft für den Schutz der Natur (HACHEWRA L’HAGANAT HATEWA) getragen. In besonders schöner Wüstenlandschaft gelegen ist die Feldschule Sde Boker im Süden Israels. Das dazugehörige Seminargebäude für Jugendgruppen und Fachkräfte Haus Hamburg wurde von der Bürgerschaft der Stadt Hamburg gestiftet.
Internationale Begegnungsstätten

Die Weltunion für progressives Judentum (World Union of Progressive Judaism, hebräisch: HATNUA L’JAHADUT MITKADEMET) unterhält in Jerusalem das internationale Studien- und Kulturzentrum Beit Schmuel mit Gästehaus und Tagungsräumen für Gruppen aller Religionen und Konfessionen.
Ebenfalls in Jerusalem befindet sich die internationale Begegnungsstätte Beit Ben Yehuda. Der programmatische Schwerpunkt liegt auf interkultureller und internationaler Auseinandersetzung mit der Gegenwart von Geschichte, besonders mit den Folgen des Nationalsozialismus.
In der Nähe von Naharija liegt die christliche internationale Bildungs- und Tagungsstätte Nes Amim. Das Haus engagiert sich für christlich-jüdische und europäisch-israelische Begegnungen und Verständigung. Gäste werden in einer Jugendherberge, in Appartements oder in einem Hotel untergebracht.
Christliche Gästehäuser
Kirchen und christliche Vereinigungen betreiben an vielen Orten des Heiligen Landes Gästehäuser für Pilger- und Touristengruppen in unterschiedlichen Komfort- und Preisklassen. In Jerusalem befinden sich:
- das Auguste-Victoria-Zentrum auf dem Ölberg,
- die Dormitio Abtei auf dem Zionsberg,
- die Evangelische Gemeinde der Erlöserkirche und
- das Österreichische Hospiz in der Altstadt.
Der Deutsche Verein vom Heiligen Lande unterhält das Paulushaus in Jerusalem und ein Gästehaus in Tabgha am See Genezareth.
Kibbuz-Gästehäuser
Viele Kibbuzim bieten auf unterschiedlichem Preisniveau Unterbringungsmöglichkeiten und Freizeitangebote für Einzelpersonen, Familien und Gruppen. Kibbuzim, die über Hotels, Gästehäuser, Feriendörfer, Bed-and-Breakfast-Angebote und Freizeiteinrichtungen verfügen, haben sich im Netzwerk israelischer Kibbuz-Hotels zusammengeschlossen und sind im Internet abrufbar.
Gedenkstätten
Die Gedenkstätte Lochamei Hagetaot (Ghettokämpfer) und das zugehörige Kindermuseum Jad L’Jeled (Denkmal für das Kind) in der Nähe von Naharija bieten für Gästegruppen mehrtägige Seminare an und verfügen in ihrem Studienzentrum und im benachbarten Kibbuz über Unterbringungsmöglichkeiten.
Die unabhängige Forschungs- und Bildungsstätte zum Umgang mit der SCHOA (Holocaust) Massua im Kibbuz Tel Jitzchak kann eine eigene Unterbringungsmöglichkeit für in- und ausländische Gästegruppen stellen.
Links
www.b-and-b.co.il - Bed-and-Breakfast-Unterkünfte in Israel
www.hotels-israel-jerusalem.com - Verzeichnis von Hotels in Israel
www.inisrael.com - INISRAEL (Onlinebuchen von Hotels und Mietwagen)
www.israelhotels.org.il - ISRAEL HOTEL ASSOCIATION
www.hotels-of-israel.com - Verzeichnis der israelischen Hotels
www.israel-tourist-information.com - ISRAEL TOURIST mit Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten und Unterkünften
Reisetipps und -informationen
Fremdsprachen
Sehr hilfreich und Kontakte fördernd sind Kenntnisse in einer oder sogar in beiden der offiziellen Landessprachen Hebräisch und Arabisch. Selbst rudimentäre und unvollkommene Anfangskenntnisse erwecken bei einheimischen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern Freude und Neugier. Sie können überraschende Begegnungs- und Kontaktmöglichkeiten eröffnen.

In Israel werden zahlreiche Sprachkurse (ULPANIM) verschiedener Intensität, Dauer und Preisklasse angeboten. Auch in Deutschland finden sich in vielen Städten hebräische Einführungskurse - in Universitäten, Volkshochschulen und Jüdischen Gemeinden. Vergleichbares gilt auch in Bezug auf Arabisch. Besonders ausführliche Hinweise zu aktuellen Angeboten hebräischer und arabischer Sprachkurse in Deutschland und Israel bringt die Website des Koordinierungszentrums Deutsch-Israelischer Jugendaustausch ConAct.
Lernangebote für Modernes Hebräisch bestehen an folgenden Universitäten in Deutschland:
- Kirchliche Hochschule Bethel, Bielefeld
- Universität Bremen, Religionswissenschaft
- Universität Düsseldorf, Institut für jüdische Studien
- Universität Nürnberg-Erlangen, Semitistische Philosophie
- Universität Frankfurt/M., Institut für Judaistik#
- Universität Freiburg, Institut für Judaistik
- Universität Halle-Wittenberg, Jüdische Studien
- Universität Greifswald, Theologische Fakultät#
- Freie Universität Berlin, Institut für Judaistik
- Universität Potsdam, Jüdische Studien
- Universität Hamburg, Evangelische Theologie#
- Universität Heidelberg, Jüdische Studien
- Universität Köln, Martin Buber Institut
- Universität Leipzig, Forschungsstelle Judentum
- Universität München, Jüdische Geschichte und Kultur
Links
hebrew-academy.huji.ac.il/english.html - Akademie der Hebräischen Sprache in Jerusalem
www.akademie-fuer-fernstudien.de/Lehrgang_Arabisch__FB4.html - Hamburger Adademie für Fernstudien (Fernkurs Arabisch)
www.hebraeischkurs.de - Website mit Überblick zu Hebräisch-Kursen
www.hebrewonline.com/default.asp - Hebrew Online (Hebräischkurse im Internet)
www.learnhebrew.org.il - IWRITH - PASSING PHRASE (Alltags- und Slangausdrücke mit Erklärungen)
www.jr.co.il/aliyah/hebrew.htm - Jacob Richman’s Homepage (Informationen und Tipps zum Hebräisch-Lernen)
www.milingua.com - MILINGUA (Hebräischlernen im Internet mit täglicher Wortschatzübung)
www.morfix.co.il - MORFIX (kostenfreies Online-Lexikon mit voller Vokalisierung)
www.ravmilim.co.il/naerr.asp - RAVMILIM (kostenpflichtiges Online-Lexikon mit Grammatikerläuterungen)
www.slamathil.co.il - SCHA’AR LAMATCHIL (Zeitung in leichtem Hebräisch für Sprachanfänger/-innen)
Reiseinformationen
Reiseinformationen aller Art im Internet bieten das Staatliche Israelische Verkehrsbüro oder der Online-Reiseführer Israel Tourist an. Zuständige Regierungsstelle für Tourismus ist das Ministerium für Tourismus (MISRAD HATAJARUT). Einen aktuellen meteorologischen Online-Dienst veröffentlicht das Israelische Transportministerium (MISRAD HATACHBURA). Über An- und Abflugzeiten der israelischen Flughäfen informiert die Israelische Flughafenbehörde. Der jüdische Informationsdienst Hagalil bringt aktuelle und hilfreiche Tipps für Israelreisende.
Informationen, Stadtpläne und Veranstaltungshinweise sind in über zwanzig Fremdenverkehrsämtern (Tourist Information Offices) verschiedener Städte erhältlich. Das israelische Außenministerium hat 2004 im Rahmen seiner internationalen Öffentlichkeitsarbeit das Comic-Buch Rachel - Eszter speziell für Kinder veröffentlicht, das anschaulich über die jüdische Geschichte und Religion sowie den Staat Israel informiert. Die größte israelische Reisegesellschaft ISSTA (Israel Student Tourist Association) organisiert Flüge, Übernachtungen, Exkursionen und Arbeitseinsätze.
Links
search.aisrael.org/english/ilinfo.asp - ACCESS ISRAEL (Ratgeber über behindertengerechte Zugänge in Israel)
www.amiie.org - Alexander Muss Institute (Internationale Studienaufenthalte in Israel)
www.emap.co.il - eMap (Landkarten und Straßenverzeichnisse von Israel)
www.infotour.co.il - Infotour (Website Tourismusministerium zu Tourismusangeboten)
Sicherheitshinweise

Das Thema der eigenen Sicherheit (BITACHON) sollte bei Israelreisen nicht verdrängt, sondern ausführlich besprochen werden. Aufgrund der politischen Spannungssituation im Nahen Osten und andauernder gewalttätiger Auseinandersetzungen ist es für Besuchsgruppen vor und während der Reisen durch Israel notwendig, sich untereinander und mit israelischen Partnerorganisationen intensiv über sicherheitspolitische und sicherheitstechnische Fragen zu verständigen und geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Aktuelle Einschätzungen der Lage und Sicherheitshinweise zu Israel und den palästinensischen Gebieten bietet das Auswärtige Amt der Bundesregierung unter www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Israel/Sicherheitshinweise.html.
Krankenversicherung
Die Versicherungen deutscher Krankenkassen gelten in der Regel in Israel nicht. Meist ist es notwendig, für die Dauer der Reise eine zusätzliche Auslands-Krankenversicherung abzuschließen. Deutsche Gruppen, deren Begegnungsprogramme aus Kinder- und Jugendplan-Mitteln finanziell gefördert werden, sind zum Abschluss einer solchen Auslands-Krankenversicherung für alle Teilnehmenden verpflichtet.
Link
www.crm.de - Centrum für Reisemedizin (Impfschutz auf Reisen nach Israel)
Kleidung
Im Sommer wird es in Israel sehr heiß, die Sonne scheint etwa 13 Stunden am Tag. Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme sind unverzichtbare Bestandteile des Reisegepäcks. Es ist sehr wichtig, den gesamten Tag über genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen beziehungsweise im Sommer außerhalb des Hauses ständig eine Wasserflasche mit sich zu tragen. Im Winter kann es dagegen kalt werden und in Höhenlagen kräftige Niederschläge geben. In den Wintermonaten fallen drei Viertel der jährlichen Niederschlagsmenge. In dieser Jahreszeit gehören warme Jacken und wasserfeste Schuhe ins Reisegepäck.
Stromspannung
Aus israelischen Steckdosen fließt 220-Volt-Wechselstrom. Die Kontaktöffnungen bestehen aus zwei schräg gestellten Schlitzen. Entsprechende Adapter sind in deutschen und israelischen Fachgeschäften erhältlich.
Internationale Jugendarbeit
Zentrale Einrichtungen
Zusammenarbeit mit Deutschland
Internationale Zusammenarbeit
Zentrale Einrichtungen

Der Öffentliche Rat für Jugendaustausch (Hamo’aza Haziburit L’chilufei Noar Wezairim - Israel Youth Exchange Council) wurde 1972 von der Regierung ins Leben gerufen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die damals stark wachsenden Kontakte und Partnerschaften zwischen deutschen und israelischen Städten und Jugendverbänden. Der Öffentliche Rat koordiniert, kontrolliert und unterstützt internationale Begegnungsprogramme von jährlich etwa 5000 israelischen Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Multiplikator(inn)en in der Jugendarbeit. Zudem hilft er beim Aufbau neuer Partnerschaften für Austauschprojekte.
Nachdem die deutsche und die israelische Regierung die Einrichtung koordinierender Büros für die Jugendkontakte zwischen beiden Ländern beschlossen hatte und 2001 in Deutschland das bundesweit arbeitende Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch ConAct seine Arbeit aufnahm, wurde auf israelischer Seite der Öffentliche Rat für Jugendaustausch beauftragt, als Partner des Koordinierungszentrums zu fungieren.
Die Vollversammlung des Öffentlichen Rates setzt sich aus 80 vom Erziehungsministerium ernannten Vertretern der Organisationen zusammen, die an der Durchführung von Begegnungsprogrammen beteiligt sind. Finanziert wird die Arbeit durch Beiträge der Mitgliedsorganisationen, private Spenden und öffentliche Zuschüsse. Von Seiten des Erziehungsministeriums wurde der Rat im Jahr 2003 mit 901 555 NIS gefördert, 2002 mit 1 066 000 NIS und 2001 mit 706 000 NIS. Neue Mitglieder im Öffentlichen Rat für Jugendaustausch können Organisationen oder Institutionen werden, die staatlich anerkannt sind, im Bereich der Jugendarbeit arbeiten, Interesse an internationalen Jugendbegegnungen nachweisen und nicht durch eine andere Organisation im Rat repräsentiert sind. Folgende Organisationen sind vertreten:
- Jugendbewegungen:
Beitar, Bnei Akiwa, Esra, Ha’ichud Hachakla’i, Hamachanot Haolim, Hanoar Hadati, Hanoar Hale’umi, Hanoar Haowed, Hanoar Hazioni, Haschomer Haza’ir, Hazofim Ha’iwrim, Makabi Za’ir - Rat der Jugendbewegungen
- Jugendverbände:
Noar Magen David Adom, Noar Massorati - Sportverbände:
Hapoel, Makabi, Elizur, Betar, Ozma, Asa - Partei-Jugendorganisationen:
Likud, Awoda, Merez, Schinui, Mafdal, Gescher, Israel B’alija, Jahadut Hatora, Schass, Moledet, Israel Beiteinu, Mifleget Hamerkas, Cherut, Tekuma - Gewerkschaften:
Histadrut, Hahistadrut Haowdim Hale’umit, Hahistadrut Hapoel Hamisrachi - Landwirtschaftsverbände:
Kibbuzbewegungen Takam, Arzi, Dati, Moschawbewegung, Bauernverband - Stadtverwaltungen:
Jerusalem, Tel Aviv, Haifa - Vereinigung der Lokalbehörden
- Vereinigung der Regionalräte
- Ministerium für Erziehung, Kultur und Sport (Ministerium, Gesellschaft und Jugend, Sicherheit)
- Regierungsstellen:
Büro des Ministerpräsidenten, Ministerien: Kultur und Sport, Außenpolitik, Verteidigung, Tourismus, Umwelt, Finanzen, Innenpolitik, Transportwesen - Andere Organisationen:
El AL, Zentrale für Information, Jugendherbergsverband, Dachverband der Matnassim, Jüdischer Nationalfond, Jewish Agency, World Zionist Organization, Na’amat, Emuna, WIZO, Chason, Experiment, Beit Rutenberg, Leo-Baeck-Erziehungszentrum, Nationaler Studentenverband, Vereinigung israelischer Studenten und Akademiker, Naturschutzgesellschaft, Newe Schalom, Internationales Kulturzentrum für Jugendliche, Behörde für Naturschutz, Behörde für Nationalparks, Dachverband der Behinderten, Adam-Institut, Delet Petucha Israel, Israelischer Jugendpreis
Der Öffentliche Rat für Jugendaustausch ist auch Nationalagentur für das im Jahr 2000 eingerichtete EuroMed-Jugendprogramm der Europäischen Kommission.

Link: www.europa.eu.int/youth Europäisches Jugendportal
Der israelische Rat der Jugendbewegungen (Mo’ezet Tnuot Hanoar) ist Mitglied im Öffentlichen Rat für Jugendaustausch (Siehe auch Kinder- und Jugendhilfe in der Praxis > Jugendverbandsarbeit > Überregionale Jugendverbände). Er unterhält Arbeitsbeziehungen zu nationalen Jugendräten verschiedener europäischer Länder. Mit dem Deutschen Bundesjugendring bestehen seit vielen Jahren enge Beziehungen. Der Rat der Jugendbewegungen fungiert auch als israelisches Büro der World Union of Jewish Youth.
Die Vereinigung der Lokalbehörden in Israel (Merkas Haschilton Hamekomi B’israel) also der israelische Städtetag fungiert als Dachorganisation aller Städte- und Gemeindeverwaltungen des Landes und vertritt die Kommunalverwaltungen gegenüber der Öffentlichkeit und der Landesregierung. Interessierte im Ausland, die Jugendbegegnungen aufbauen oder jugendpolitisch kooperieren wollen, können sich an die Abteilung für internationale Beziehungen des Städtetages wenden. Dort werden Kontakte vermittelt, aber auch eigene Programme durchführt. Seit vielen Jahren nehmen von den lokalen Behörden organisierte Jugend- und Multiplikatorengruppen an bi- und internationalen Begegnungsprogrammen teil. Die Internationale Abteilung des Städtetages ist auch für die Vermittlung von Kontakten mit israelischen Landkreisen zuständig, deren Verwaltungsstruktur die jeweiligen Dörfer, Moschawim und Kibbuzim umfasst und deren Dachverband die Vereinigung der Regionalräte (Irgun Hamoazot Ha’esoriot) ist.
Zusammenarbeit mit Deutschland
Nachdem das israelische Parlament (Knesset) vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Verbrechen 1958, und 1962 noch einmal, beschlossen hatte, bis auf weiteres keinen offiziellen Delegationen die Reise nach Deutschland zu erlauben, entspannte sich das deutsch-israelische Verhältnis erst nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, der eine Welle von deutschen Hilfsangeboten an Israel zur Folge hatte. Inzwischen findet zwischen staatlichen Stellen und lokalen Behörden beider Staaten seit vier Jahrzehnten eine langjährige und fruchtbare Kooperation statt. Dies war bis 1990 auf die Bundesrepublik Deutschland beschränkt, da es von Seiten der Deutschen Demokratischen Republik nie zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel gekommen ist. Seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten engagieren sich zahlreiche israelische Kommunen, Einrichtungen und Verbände für deutsch-israelische Begegnungsprogramme auch in den neuen Bundesländern.
Die praktische Zusammenarbeit mit Deutschen auf dem Gebiet der internationalen Jugendarbeit wird in der Regel von freien Trägern wie Bildungsstätten, Jugendverbänden und anderen Institutionen der Jugendbildung und Jugendsozialarbeit betrieben. Deutschland stand 1995 unter 13 Ländern an erster Stelle der Austausch- und Begegnungsprogramme Israels.
Seit ein paar Jahren sind nicht nur deutsche Freiwillige in Israel, sondern auch israelische Freiwillige in Deutschland tätig, die meisten in jüdischen Gemeinden, wo sie sich im Rahmen ihrer Freiwilligenorganisation um die Förderung jüdischer Identität in der Gemeinde bemühen. Die bekannteste israelische Freiwilligenorganisation ist Bat Ami. Jährlich nehmen einige hundert deutsche und israelische Studierende Möglichkeiten für Studien- und Praktika-Aufenthalte im jeweils anderen Land wahr.
Mit der Etablierung eines interministeriellen Ausschusses und der Gründung einer Gemeinsamen Fachkommission für den deutsch-israelischen Jugendaustausch findet der deutsch-israelische Austausch seit 1969 in institutionalisierter Form statt. Mit der Einrichtung des Gemischten Fachausschusses für den deutsch-israelischen Jugendaustausch im Jahre 1973 wurden erstmals für beide Seiten verbindliche Absprachen getroffen, die in den Gemeinsamen Bestimmungen für die Durchführung und Förderung des deutsch-israelischen Jugendaustausches ihren Niederschlag fanden. Diese wurden 1981 und 1997 überarbeitet.
Über die Austausch- und Begegnungsprogramme hinaus sind Sonderprogramme für Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und Multiplikator(inn)en zu wichtigen aktuellen Themen vereinbart. Der deutsch-israelische Fachausschuss trifft sich jährlich wechselnd in Israel und in Deutschland. Das Jahrestreffen 2004 fand in Israel statt und stand im Zeichen des bevorstehenden 40-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten. Mit Blick auf die aktuelle Situation im Jugendaustausch begrüßte der Fachausschuss, dass im Jahr 2004 trotz der weiterhin angespannten sicherheitspolitischen Situation im Nahen Osten etwa 65% der beantragten deutsch-israelischen Begegnungsprogramme stattfinden konnte, darunter zahlreiche auch wieder in Israel. Für das Jahr 2005 gab er die Empfehlung, mehr als 190 Programme in die Förderung aufzunehmen.
Link
www.kiga-berlin.org/media/dokumente/P%e4dagogische%20Konzepte.pdf - Planspiel zur Staatsgründung Israels für die politische Bildung in mehrheitsdeutschen Gruppen, als auch für Teilnehmende mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Ländern
Internationale Zusammenarbeit
Staatliche und nichtstaatliche Jugendverbände, Organisationen, Gremien und Regierungsstellen sind in Israel an internationalen Programmen für Jugendliche und Fachkräfte der Jugendarbeit beteiligt.
Israelische Jugendarbeit ist stark zionistisch ausgerichtet und zielt auf Kooperation mit jüdischen Gemeinden und Organisationen in aller Welt. Die internationale Arbeit geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Jewish Agency und der Jugend- und Pionierabteilung der World Zionist Organisation. In den Führungsgremien beider Organisationen, deren politische und finanzielle Unterstützung in vielen sozialen und gesellschaftspolitischen Programmen eine tragende Rolle spielt, nehmen israelische Politiker traditionell Schlüsselfunktionen wahr. Auch die Women’s International Zionist Organization (WIZO) engagiert sich stark in der Jugendarbeit.

Israelische Pädagog(inn)en, Erzieher/-innen und Freiwillige arbeiten im Ausland in zahlreichen Begegnungs- und Bildungsprogrammen für Jugendliche und stellen zwischen 16 und 25% des Personals in jüdischen Erziehungseinrichtungen. Umgekehrt kommen aus vielen Ländern der Welt Jugendliche oder Fachkräfte der Jugendarbeit für mehrere Wochen oder Monate nach Israel, um sich intensiv mit jüdischem Leben, ihrer Religion und ihrem Verhältnis zu Israel auseinanderzusetzen. Die Erziehungsarbeit wird von israelischen Universitäten unterstützt. Seit 1968 existiert an der Hebräischen Universität in Jerusalem das Melton Centre for Jewish Education in the Diaspora. Vergleichbare Institute arbeiten an der Universität Tel Aviv und der Bar-Ilan-Universität.
Diese internationale orientierte Jugendarbeit zielt auf eine individuelle und kollektive Stärkung der jüdischen und zionistischen Identität der Beteiligten, eine Intensivierung der Bildungs- und Erziehungsarbeit im jeweiligen Heimatland und eine Förderung der Jugendeinwanderung (Aliat Hanoar). Besonders bekannt in diesem Zusammenhang sind das Begegnungsprogramm Birthright (Taglit) die jährliche internationale Gedenkstättenfahrt nach Polen March of the Living (Mizad Hechajim) und das Programm der israelischen Armee für internationale Freiwillige aus Jugendverbänden des Auslandes Machal2000 (hebräisches Kürzel für Mitnatwei Chuz L’arez - Freiwillige aus dem Ausland).
Link: www.hagshama.org.il/en/programs/ Freiwilligenprogramme in Israel, zum Beispiel Sar El und Marva
Israelische Regierungsstellen und nichtstaatliche Organisationen (NGO) verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in Bezug auf gemeinsame Projekte mit sich entwickelnden Ländern in Asien, Afrika und Südamerika. Eine zentrale Rolle spielt MASCHAV, die 1958 eingerichtete Abteilung des israelischen Außenministeriums für internationale Zusammenarbeit (MASCHAV ist das hebräische Kürzel für Machlaka L’schituf Pe’ula Beinle’umi, Abteilung für internationale Kooperation). Seit seiner Gründung hat MASCHAV mehr als 202 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im In- und Ausland fortgebildet. Im Jahr 2003 wurden 2349 Teilnehmer aus 108 verschiedenen Ländern in Israel zu entwicklungspolitischen Themen fortgebildet.
Neben politischer, wirtschaftlicher und militärischer Zusammenarbeit wird traditionell großes Gewicht auf soziale und erzieherische Aspekte der Beziehungen gelegt. Innerhalb der Entwicklungspolitik bilden landwirtschaftliche Programme den Schwerpunkt, an zweiter Stelle folgen jugendpolitische Programme zur Erziehung und Ausbildungsförderung, an dritter Stelle Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Durch einen Ausbau des Erziehungs- und Ausbildungssystems sollen demokratische Strukturen des Gemeinwesens gefördert werden. Erzieherische und soziale Programme – vor allem für Mädchen und Frauen – sollen parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes vorangetrieben werden.
Von Anfang an gehörte zur Außenpolitik Israels die Förderung von Jugendorganisationen in sich entwickelnden Ländern. In mehr als 30 Staaten wurden mit israelischer Hilfe nationale Jugendorganisationen gegründet, Jugendzentren entwickelt und Programme zur Ausbildung von Jugendleiter(inne)n organisiert. Eine tragende Rolle spielten und spielen dabei nichtstaatliche Institutionen wie die Gewerkschaft Histadrut, die Frauenorganisation Hadassa oder das Ausbildungswerk ORT (Organization for Rehabilitation Training). Verschiedene Einrichtungen bieten in Israel Ausbildungs- und Schulungsprogramme für internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer an.
Weiterführende Links
mashav.mfa.gov.il > Our Training Extensions > Aharon Ofri International Training Center (Schulungszentrum für Erziehungsfragen) und MCTC (Schulungszentrum Entwicklungspolitik)
www.beitberl.ac.il/out/home.asp Beit Berl College - Department of International Relations
www.histadrut.org.il Peoples - International Institute Histadrut (Gewerkschafts-Schulungszentrum)
Israelische Experten für Jugendarbeit pflegen innerhalb entsprechender internationaler Gremien seit mehreren Jahrzehnten Arbeitskontakte und regelmäßigen Austausch mit Pädagog(inn)en und Institutionen befreundeter Staaten. Die israelische Regierung ist in verschiedenen internationalen Netzwerken zu jugendpolitischen Fragen vertreten. Einen wichtigen Stellenwert hat die Mitarbeit in der UNESCO in der Israel bereits seit 1949 Mitgliedsstaat ist. Die Youth Unit der UNESCO erarbeitet internationale Förderprogramme für Jugendliche, steht durch ein Netzwerk von assoziierten NGO-Verbänden in direktem Kontakt zur Lebens- und Arbeitswelt Jugendlicher und setzt sich aktiv für die Unterstützung von Jugend-Programmen und Veranstaltungen ein.
Als nichtstaatliche Organisation engagiert sich ein israelischer Mitgliedsverband der mehr als 100 Mitgliedsorganisationen umfassenden World Federation of United Nations Associations (WFUNA) und tritt in der Öffentlichkeit für eine Verbreitung von Zielen und Anliegen der Vereinten Nationen ein. Der Verband initiierte zum Beispiel 1995 in israelischen Oberschulen einen landesweiten Aufsatzwettbewerb zur künftigen Aufgabe der Vereinten Nationen und publizierte entsprechende Unterrichtsmaterialien.



