Politische Bildung
Politische Bildung in Israel möchte Persönlichkeit und individuellen Fähigkeiten Jugendlicher entwickeln und fördern. Durch die Vermittlung gesellschaftspolitischer Kenntnisse und Erfahrungen sollen Jugendlichen zur Meinungsbildung über politische Vorgänge und Konflikte qualifiziert und zur Wahrnehmung eigener Rechte und Pflichten motiviert werden. Jugendbildung zielt auf die praktische Umsetzung eigener Ideale und eine aktive Teilnahme am sozialen und politischen Leben des Landes im Jugendverband, zivilen oder militärischen Dienst, Studium, Gemeinde- oder Arbeitsleben.
Universelle und jüdische Werte

Das allgemeine Erziehungssystem will zur Entwicklung der israelischen Demokratie, zur Sicherung der staatlichen Existenz und zur individuellen und kollektiven Selbstbehauptung im Kampf gegen Antisemitismus und Assimilation beitragen. Politischer Jugendbildung kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie fördert jüdische und israelische Identität durch Stärkung persönlicher Bindungen an Religion und Tradition, an die Geschichte des jüdischen Volkes und an das Land Israel. In der multikulturellen und multiethnischen israelischen Gesellschaft stellt die Kombination jüdischer und universeller Werte eine besondere Herausforderung dar. Allgemeine humanistische Überzeugungen und wachsendes Bewusstsein, in einer globalen Welt zu leben, wollen mit einer ausgesprochen jüdischen Identität der Gesellschaft und des Staates in eine Balance gebracht werden.
Die für politische Bildung verantwortlichen Institutionen und Initiativen innerhalb und außerhalb des Schulsystems kooperieren eng miteinander und organisieren gemeinsame Projekte. Das Ministerium für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) fördert schulische wie außerschulische Jugendbildung organisatorisch, pädagogisch und finanziell. Ein jährlich im Ministerium erarbeitetes Jahresthema wird inhaltlicher Fokus der Jugendbildung, indem es von Organisationen der Jugendbildung in unterschiedlicher Weise aufgegriffen wird (siehe Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit > Kinder- und Jugendpolitische Strukturen > Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte).
Individualität und Betroffenheit
In der Bildungsarbeit mit Jugendlichen zu den Themen Judentum und jüdische Identität stellte die Auseinandersetzung mit Texten, Traditionen und Riten viele Jahre lang einen methodischen Schwerpunkt dar. Doch im Laufe der Jahrzehnte hat sich der pädagogische Ansatz verlagert. Noch immer geht es um die Vermittlung von Quellen jüdischen Wissens und jüdischer Traditionen. Heute ist jedoch die Frage nach der eigenen Jüdischkeit der erste Ansatzpunkt einer Bildungsarbeit, die mehr nach persönlicher Identität, individuellen Standpunkten und eigenem Betroffensein fragt.
Es geht weniger um die Beschäftigung mit Texten und ritualisierten Handlungen als um Reflektion der individuellen Bindung an Religion und Tradition. Das ‚Wir-Gefühl’, die Zugehörigkeit zu einer Jugendorganisation oder zu einem informellen sozialen Netzwerk, prägen den Charakter vieler jugendpolitischer Bildungsprojekte. Vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche aus eingewanderten Familien, in denen keine ausgeprägte jüdische oder zionistische Identität vorausgesetzt werden kann, wird dieser Ansatz für eine Eingliederung in die israelische Gesellschaft als hilfreich angesehen.
Religion und Tradition

Viele Jugendliche distanzieren sich von einer als kopflastig, theoretisch und ideologisch empfundenen Herangehensweise und suchen nach authentischeren Zugängen. Dies zeigt sich in einer wachsende Popularität religiöser Gruppen und Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel der Frommenbewegung (CHASSIDIM), in der lebendige und unmittelbar erlebbare Formen der Religiosität praktiziert werden. Für manche bisher säkular lebende Jugendliche, die sich als Rückkehrer zum Judentum (Singular: CHOSER B’TSCHUWA) erstmals oder wieder zu ihren jüdischen Wurzeln bekennen wollen, bieten solche Gruppen einen attraktiven Rahmen für Sozialkontakte und Identitätssuche.
Auch säkular ausgerichtete Verbände und Organisationen bemühen sich in ihrer politischen Bildungsarbeit verstärkt um die Integration von Inhalten aus der jüdischer Religion und Tradition. Spezielle Bildungsprogramme für nicht religiös Praktizierende bieten Einführungen in jüdische Schriften und beschäftigen sich mit ihrer Relevanz für das Alltagsleben. Die Jugendbewegung Junger Wächter (HASCHOMER HAZA’IR) fördert zum Beispiel mit ihrem Lernprojekt Guter Kreis für Jugendleiter die Gründung von örtlichen Studienzirkeln (BATEI MIDRASCH) zu traditionellen jüdischen Texten. Säkulare Schulen bieten mit Unterstützung des Jerusalemer Schalom Hartman Instituts wöchentliche Kurse für Schüler an, die im Klassenverband und in Form klassischer Zweier-Lerngruppen (CHEWRUTOT) jüdische Studien betreiben.
Link
web.conact-org.de/downloads/andere_news/AJC_Reader_Gaza-Konflikt.pdf - Reader des American Jewish Committee (Stand Januar 2009) mit Pressebeiträgen und Empfehlungen für Pädagog/innen und interessierte Jugendlichen zu Hintergründen und Einblicken in die aktuellen Diskussionen um den Gaza-Konflikt


