Staatliche nationale Förderung

Staatliche Kinder- und Jugendpolitik in Israel wird durch die jeweils zuständigen Ministerien im Rahmen aktueller politischer Prioritäten und Haushaltvorgaben finanziert. Dem Ministerium für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) und dem Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste (MISRAD HAREWACHA WEHASCHERUTIM HACHEWRATI’M) kommen dabei zentrale Aufgaben zu. Vor allem durch sein Amt für Gesellschaft und Jugend (MINHAL CHEWRA WENOAR) unterstützt das Erziehungsministerium in Kooperation mit kommunalen Behörden die Entwicklung von Konzeptionen, Planung, Supervision und Finanzierung von Personal und Sachkosten. Unterstützt wird auch die Ausbildung und Fortbildung von pädagogischen Mitarbeiter(inne)n und Gruppenleiter(inne)n. Eine besonders enge Zusammenarbeit besteht mit den großen Jugendbewegungen (TNUOT NOAR) sowie mit den Zentren für Kultur, Jugend und Sport (MATNASSIM).

Anteil der nationalen Ausgaben für Erziehung am israelischen Bruttosozialprodukt 1985-2001. Quelle: Statistisches Jahrbuch 2004, Nr. 54

Der für das Erziehungsministerium vorgesehene Posten im Gesamthaushalt 2003 hatte eine Höhe von 24,6 Milliarden NIS (9,5 % des Haushaltes), die gesamten nationalen Ausgaben für Erziehung beliefen sich in diesem Jahr auf 44 Milliarden NIS. Im Jahr 2004 machten sie in Israel 8,3 % des Bruttosozialprodukts Israels aus, in den USA 7,6 %, in Dänemark 7,2 %, in Schweden 6,7 % und in Deutschland 5,2 %.

Förderrichtlinien
Im Zusammenhang mit der Finanzierung von Kinder- und Jugendpolitik ist ein Trend zu verstärkter staatlicher Unterstützung von NGO (Nichtregierungsorganisationen) zu beobachten. Das gilt vor allem für die drei großen Bereiche Soziales, Erziehung und Religion. In Zeiten schlechter sozialer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit einschneidenden Haushaltskürzungen scheinen Nichtregierungsorganisationen leichter effektiv und unbürokratisch arbeiten zu können als offizielle Stellen und Behörden. Mit zunehmenden Finanzhilfen für NGO durch die Regierung ist allerdings auch eine stärkere staatliche Einflussnahme auf den jeweiligen Verwendungszweck verbunden.

Seit den 90er Jahren führten verschiedene Urteile des Obersten Gerichtshofes zu einer Reform des Systems staatlicher Finanzierung mit größerer Transparenz und mehr Gleichbehandlung bei der Verteilung öffentlicher Mittel an Nichtregierungsorganisationen. Einige von ihnen hatten wegen mangelnder Chancengleichheit geklagt, weil sie sich gegenüber verschiedenen seit Jahren traditionell staatlich unterstützten Institutionen und Organisationen - wie zum Beispiel der Gesellschaft zum Schutz der Natur oder dem Dachverband der Holocaust-Überlebenden - benachteiligt fühlten. Besonders die mit einer wachsenden politischen Nähe verbundenen Zuwendungen einzelner Ministerien an religiöse Vereinigungen und TORA-Schulen (JESCHIWOT) waren auf Kritik in der Öffentlichkeit gestoßen. Die Regierung erarbeitete daraufhin klarere Vergabekriterien, veröffentlichte ihre jeweiligen Finanzentscheidungen und weitete ihre Förderung auf mehr Bevölkerungsgruppen und gemeinnützige Organisationen aus.

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Spender und Sponsoren
Über öffentliche Mittel hinaus wird Kinder- und Jugendarbeit in kommunalen Einrichtungen, gemeinnützigen Vereinen, Initiativen und Jugendverbänden in erheblichem Ausmaß durch Zuwendungen privater philanthropischer Sponsorinnen und Sponsoren unterstützt. Ohne diese nichtstaatliche Förderung wäre ein großer Teil sozialer und politischer Einrichtungen in Israel nicht überlebensfähig. Die meisten Initiativen für jüdisch-arabische Verständigung und Koexistenz zum Beispiel finanzieren sich überwiegend durch Spendengelder aus den USA und Deutschland. An der Schule für Sozialarbeit der Hebräischen Universität in Jerusalem widmet sich ein eigener Forschungsbereich gemeinnützigen Organisationen und ihrer Rolle in der öffentlichen Politik.

Link
www.givingwisely.org.il - Website zu Strukturen und Zusammenhänge zwischen gemeinnützigen Organisationen und Sponsortätigkeiten

Grün-weißes Logo der Organisation Schatil mit Schriftzug. Quelle: Website Schatil, 22.6.08)

Ein erheblicher Anteil der Unterstützung kommt von jüdischen Wohlfahrts-organisationen und ausländischen Stiftungen. Tausende von Unterstützungsgruppen senden jährlich hunderte von Millionen Dollar an eine Vielzahl gemeinnütziger Organisationen in Israel. Nach einer Aufstellung der Bank von Israel über Zuwendungen von jeweils mehr als 5 Millionen Dollar wurden 2002 insgesamt mehr als 927 Millionen Dollar gespendet. Insgesamt sind in Israel etwa 3000 ausländische Stiftungen registriert, dazu kommen schätzungsweise noch einmal 2000 nicht registrierte Vereinigungen. Zum Teil werden Fördermaßnahmen aus dem Ausland durch die Jewish Agency for Israel (HASSOCHNUT HAJEHUDIT L'EREZ ISRAEL) beziehungsweise durch die Zionistische Weltorganisation koordiniert, die in ihrem Jerusalemer Büro eine eigene Abteilung Jugend und Pioniere (NOAR WECHALUZ) zur Förderung jüdischer Jugendarbeit unterhält.

Zuwendungen der etwa 8000 jüdischen Familienstiftungen in den USA fließen zu etwa einem Drittel nach Israel. Kräftige Unterstützung kommt vom Dachverband jüdischer Gemeinden (United Jewish Communities, UJC) in den USA und Kanada. Eine weitere große philanthropische Stiftung in den USA ist die Israel Humanitarian Foundation (IHF).

Stiftungen
Zu den größten in Israel engagierten Stiftungen gehören:

Vernetzungen
Ein Trend beim Sponsoring geht in Richtung einer Vernetzung von Firmen und Organisationen, die innovative Wege von Social Sponsoring beschreiten wollen. Zunehmend engagieren sich erfolgreiche israelische Wirtschaftsunternehmen der High-Tech-Branche in gemeinnützigen Projekten besonders für benachteiligte Jugendliche. Ein Beispiel ist das 2001 in Tel Aviv, Boston und Silicon Valley gegründete Israel Venture Network (IVN). Diese Initiative ist ein Verbund israelischer und US-amerikanischer Unternehmen. Ziel ist die kreative und fordernde Unterstützung gemeinnütziger Projekte mit langfristiger positiver Wirkung auf den demokratischen Charakter der israelischen Gesellschaft. Spendenorganisationen nehmen heute gezielter und kontrollierter auf die Verwendung von Spendengeldern Einfluss als traditionelle Unterstützer-Vereinigungen dies in der Vergangenheit getan haben.

Alternatives Umfeld
Eine motivierende und koordinierende Funktion bei der Gründung von Initiativen oder Vereinen und bei der Vermittlung von Spendengeldern und Fördermöglichkeiten hat die Stiftung New Israel Fund (NIF) Sie wurde gegründet, um im Ausland neben den etablierten großen jüdischen Organisationen ein alternatives Fundraising-Umfeld zu etablieren. NIF fördert zahlreiche israelische Projekte, die sich für die Rechte von Frauen und Minderheiten, Pluralismus, Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Die vom NIF im Jahre 1982 gegründete Organisation SCHATIL (Setzling) mit der Zentrale in Washington D.C. und regionalen Büros in Jerusalem, Haifa und Be’erschewa fördert, berät und vernetzt etwa 500 israelische Initiativen und Vereine für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement. Eine weitere Anlaufstelle zur Vermittlung von Spenden- und Sponsorengeldern ist die in Tel Aviv angesiedelte Beratungseinrichtung MATAN (Your Way to Give).

Aktuelle Hilfsprogramme
Als Reaktion auf die aktuelle politische und sozialpolitische Lage in Israel hat in den letzten Jahren die gezielte Unterstützung von Programmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zugenommen. Die United Jewish Communities (UJC) in den USA spendeten 2002 zweckgebunden 20 Millionen US-Dollar für Sicherheitsmaßnahmen (vor allem bewaffnetes Wachpersonal) in israelischen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Die israelische Organisation für Terroropfer SAKA (Hebräisch für: SIHUI KURBANOT ASSON, Identifizierung von Katastrophenopfern) wurde zum Hauptadressat von Zuwendungen der International Fellowship of Christians und Jews (IFCJ).

Personen oder Gruppen, die sich besonders für jüdisch-arabische Verständigung engagieren, werden im hebräischen Slang bisweilen mit skeptischem Unterton Dukis genannt, eine Wortschöpfung aus dem hebräischen Wort für Koexistenz (DUKIJUM). Auch sie werden zu einem bedeutenden Teil von Spendengeldern aus dem Ausland finanziert. Besonders die Stiftung The Abraham Fund Initiatives bemüht sich um eine Vernetzung von Projekten für Koexistenz zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung. Gemeinsam mit dem Citizen Accord Forum betreibt sie die Website Coexistence Organisations Network für über 100 Mitgliedsorganisationen.