Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit - IL
Hier gibt's Infos zu den Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit in Israel. Mehr lesen unter
Situation der Kinder und Jugendlichen
Kultur und Lebensformen
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Kriminalität
Drogen
Kultur und Lebensformen
Politische Orientierung
Das Interesse junger Menschen in Israel an einer aktiven Auseinandersetzung mit der Politik hält sich in Grenzen. Von 500 im Jahr 2004 befragten Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren gaben nur 3 % an, sich für Politik „sehr zu interessieren“, 33 % waren „ziemlich interessiert“, 36 % „nicht sonderlich“ interessiert und 28 % „gar nicht interessiert“. Dennoch zeigten sich 89 % über Pläne der Regierung zur ‚Abkopplung’ (HITNATKUT) vom Gasa-Streifen informiert, 36 % unterstützten sie, 41 % waren dagegen, 23 % wollten keine Position beziehen. [Quelle: Jafet, O.: 30 % der Jugend wird alles unternehmen, nicht in Kampfeinheiten zu dienen, Y-net 29.11.04 (hebräisch)]
Unter Jugendlichen haben so genannte ‚linke’ Parteien in den vergangenen Jahren an Unterstützung verloren. Laut einer aktuellen Umfrage ergibt sich eine klare Tendenz zu einer politisch eher ‚rechter’ Orientierung. Durchschnittlich 48 % der Jugendlichen geben an, ihre politische Haltung sei ‚rechts’ oder ‚gemäßigt rechts’, 14 % bezeichnen sich als der ‚Mitte’ zugehörig, 18 % erklären sich als politisch ‚links’ orientiert (7 % als ‚gemäßigt links’ und 11 % als ‚links’). Wenn zwischen säkularen und religiösen Jugendlichen unterschieden wird, sind die Zahlen noch deutlicher. Während sich 34 % der sich als säkular verstehenden Jugendlichen als ‚rechts’ orientiert bezeichnen, macht dies eine absolute Mehrheit von 59 % der sich religiös definierenden Jugendlichen. Weniger als 3 % von ihnen unterstützen die ‚Linke’ oder die ‚gemäßigte Linke’. (Quelle: Kashti, Or, MA’ARIW 9.3.05, zitiert nach: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel, 9.3.05)
Armeedienst
Im Leben und Bewusstsein der meisten Jugendlichen bedeutet der Dienst in der Israelischen Verteidigungsarmee (hebräisches Kürzel: ZAHAL) einen markanten und prägenden Einschnitt, der häufig als Ende der Jugendzeit angesehen wird. Vielen Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten bietet die Militärzeit Chancen für eine gute Ausbildung und eine bessere soziale Integration. Während des Armeedienstes entwickeln sich andauernde enge Freundschaften und Beziehungen. Einen ähnlich prägenden Einfluss haben der Dienst in der vormilitärischen Ausbildungstruppe (GADNA) oder das Engagement in einer der Jugendbewegungen (TNUOT HANOAR) des Landes.

Nach einer Umfrage der Bar-Ilan-Universität unter angehenden Wehrpflichtigen sind junge Israelinnen und Israelis stark für einen Armeedienst motiviert, 82 % erklären ihre Bereitschaft, Wehrdienst zu leisten (Religiöse: 83 %, Säkulare: 76 %), 60 % der jungen Männer und 35 % der jungen Frauen wollen in Kampfeinheiten dienen. (Quelle: Kashti, Or, MA’ARIW 9.3.05, zitiert nach: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel, 9.3.05)
Die Militärzeit wird für viele aber auch zu einer großen Belastung. Zwischen 30 % und 40 % der Rekrutinnen und Rekruten werden während ihres ersten Dienstjahres zu einer psychologischen Beratungsstelle der Armee geschickt oder bitten selbstständig um entsprechende Hilfe.
Artikel "Zwischen allen Stühlen" zu jungen Wehrdienstverweigerern in: Amnesty Journal 08/09 2009, Seiten 56-59
Terror und Gewalt
Das Alltagsleben israelischer Kinder und Jugendlicher wird stark durch die direkte Konfrontation mit Terror und Gewalt geprägt. Seit Beginn der so genannten ‚2. INTIFADA’ im September 2002 sind über 11 % der israelischen Gesamtbevölkerung direkt von einem Terroranschlag getroffen worden, 22 % sind indirekt durch das Erleben von Freundinnen, Freunden oder Familienangehörigen betroffen. Psychologische Studien der ‚Schule für Sozialarbeit’ an der Universität Tel Aviv von 2004 besagen, dass infolge des Terrors 15 bis 19 % der israelischen Jugendlichen an posttraumatischen Störungen leiden und professionelle Hilfe benötigen. (Quelle: GLOBES Internet Edition 2.12.04)
Nach Untersuchungen an der Universität Bar Ilan fühlt sich ein Viertel von 6000 befragten Kindern und Jugendlichen in ständiger Lebensgefahr. Ein Drittel hat aus Angst vor Terroranschlägen den Verlauf des Schulweges verändert, ein Viertel leidet aufgrund der Sicherheitslage unter Konzentrationsstörungen, 35 % gehen weniger aus dem Haus als früher. [Quelle: Selinger, Assaf: Traumatisierte Schüler, MA’ARIW Internet Edition 3.6.04 (hebräisch)]
Die starken Angst- und Bedrohungsgefühle im Alltagsleben israelischer Jugendlicher werden im Ausland oft nicht verstanden. Ein Beispiel dafür ist die internationale Aufregung über den israelischen Musikbeitrag zum ‚Eurovison Song Contest 2007’. Die nominierte israelische Musikgruppe ‚Teapacks’ stieß auf Unverständnis, weil der Text ihres Liedes „Bush the Button“ die tödliche Bedrohung Israels durch Terroranschläge und Massenvernichtungswaffen thematisierte und Denken und Fühlen vieler junger Menschen in Israel mit ihrer Sehnsucht nach einem Leben in Ruhe und Frieden spiegelte. Die Veranstalter des Schlagerwettbewerbs wollten zuerst den israelischen Beitrag als zu politisch abzulehnen, erlaubten am Ende aber doch die Teilnahme. (Quelle: Frankfurter Rundschau 13.3.07, JÜDISCHE ALLGEMEINE 22.3.07)
Protestbewegungen
Politisch orientierte Jugend- und Protestgruppen reagieren sehr unterschiedlich auf einschneidende gesellschaftspolitische Entwicklungen. Nach der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin 1995 prägte die Generation der trauernden „Kerzenjugend“ (NOAR HANEROT) das öffentliche Bewusstsein, die fest an die Friedens- und Kompromisspolitik der Regierung Rabin geglaubt hatte. Eine andere Protestbewegung hat sich aus wehrpflichtigen „Militärdienst-Verweigerern“ gebildet (SSARBANEJ SCHERUT), die aus politischen Gründen keinen Dienst in den besetzten palästinensischen Gebieten leisten wollen.
Dem gegenüber organisiert die so genannte ‚Hügeljugend’ (NOAR HAGIWAOT) Widerstand gegen die staatlich angeordnete Räumung israelischer Siedlungen in seit 1967 besetzten Gebieten. Die Auflösung aller Siedlungen im Gasa-Streifen im Sommer 2005 hat innerhalb der national-religiös orientierten Jugend zu großer Enttäuschung und Verbitterung über die Regierung und das politische „Establishment“ geführt. (Quelle: HA’ARETZ Internet Edition 9.1.07)
Besonders für Kinder und Jugendliche aus den Siedlungen ist die Umsiedlung mit großen Unsicherheiten, Ängsten und Ohnmachtsgefühlen verbunden. Nach Angaben des Erziehungsministeriums lebten in den geräumten Gebieten etwa 2.800 Schülerinnen und Schüler sowie 300 Lehrerinnen und Lehrer. Das Ministerium hat für diese Bevölkerungsgruppe ein spezielles Programm mit entsprechenden Hilfs- und Betreuungsangeboten entwickelt. (Quelle: Israelische Botschaft Berlin, E-Newsletter 6.4.05)
Jugendliche reagieren auf Krisen- und Stresssituationen mit Flucht- oder Verdrängungsstrategien (ESKAPISM). In einer 2004 veröffentlichten Untersuchung schloss fast die Hälfte der befragten hebräischsprachigen Jugendlichen nicht aus, in Zukunft einmal das Land zu verlassen. 30 % gaben an, es tun zu wollen, wenn sie könnten. 14 % wollten es vielleicht tun, 6 % hatten keine Position. 50 % gaben an, das Land nicht verlassen zu wollen. [Quelle: Jafet, O.: 30 % der Jugend wird alles unternehmen, nicht in Kampfeinheiten zu dienen, Y-net 29.11.04 (hebräisch)]
Freizeitgestaltung
Israelinnen und Israelis kommunizieren zu allen Tages- und Nachtzeiten und in allen Lebenslagen per Handy. Mehr als 70 % aller Jugendlichen besitzen eins, 80 % von ihnen versenden regelmäßig SMS. [Quelle: TGI-Umfrage, in: walla! Internetportal: Jugendliche stärker verbunden und weniger optimistisch (hebräisch), 19.11.02]
Das Internet spielt im Leben vieler Jugendlicher eine überragende Rolle. Im internationalen Vergleich der Stundenzahl, die wöchentlich im Internet verbracht wird, liegt Israel (37,4 Stunden) nach Kanada (39,6 Stunden) auf dem zweiten Platz. Dann folgen Süd-Korea (34 Stunden) und die USA (31,6 Stunden). (Quelle: JÜDISCHE ALLGEMEINE, 22.3.07)

In ihrer Freizeit verbringen viele Jugendliche enorme Zeitspannen vor Bildschirmen. Beliebt ist das gemeinsame Anschauen von Spielfilmen (Fernsehen und Videorekorder), die von 82,3 % der 14 bis 17 Jährigen mindestens einmal in der Woche gesehen werden. 50,3 % dieser Altersgruppe gehen mindestens einmal im Monat ins Kino. Unter jungen Leuten in Israel gehören Fußball und Basketball zu den beliebtesten Sportarten. Von den 14 bis 17 Jährigen betreiben 79 % zumindest gelegentlich Sport. Dazu gehört vor allem Laufen (54 %), Fußball (34 %), Basketball (30 %), Schwimmen (25 %), Body-Building (24 %) und Gymnastik (13 %). 51 % nehmen mindestens einmal im Jahr an einem Sportkurs mit Training teil, 33 % besuchen ein Fußballspiel und 14 % ein Basketballspiel als Zuschauerinnen oder Zuschauer. (Quelle: Central Bureau of Statistics, Entertainment and Sport, Zahlen von 1999)
Religion und Esoterik
In Bezug auf die Entwicklung einer jüdischen Identität ist in den vergangenen Jahren eine zunehmende Religiosität unter Jugendlichen festzustellen. In einer Umfrage aus dem Jahre 2003 gaben 37 % der jüdischen jungen Erwachsenen zwischen 18 und 21 Jahren an, beim Betreten eines Raumes die MESUSA (kleines Kästchen mit Bibelzitat am Türrahmen) zu küssen, in der jüdischen Gesamtbevölkerung sind dies nur 21,9 %. Die Forderung nach Schließung öffentlicher Freizeit- und Unterhaltungseinrichtungen am Ruhetag SCHABBAT wird von 28,3 % der befragten Jugendlichen unterstützt, in der Gesamtbevölkerung sind es nur 21,7 %. Am höchsten jüdischen Feiertag JOM KIPPUR (Versöhnungstag) pflegen 62,1 % zu fasten, in der Gesamtbevölkerung 51,2 %. Nur 30,6 % der Jugendlichen sind der Meinung, Israel sollte sich mehr für westliche Kultur öffnen, in der Gesamtbevölkerung hingegen 41,2 %. (Quelle: Umfrage ‚Teleseker’, zitiert nach: Eldar Akiva, HA’ARETZ Internet Edition 9.1.03)
Sich vom Alltagsstress mit Hilfe von Meditation, Yoga oder Thai-Chi zu entspannen, wird immer beliebter. Die Nachfrage nach entsprechenden Kursen steigt. Immer mehr Läden verkaufen Esoterik- und New Age-Literatur, bieten magische Steine und Amulette an. Buddhismus und fernöstliche Heilmethoden haben Zulauf. Indische Gurus finden vor allem Anhängerschaft unter jungen und säkular eingestellten Israelinnen und Israelis, die auf der Suche nach neuer Spiritualität jenseits traditioneller religiöser Traditionen sind. (Quelle: Ralf Balke, Meditieren gegen den TERROR, JÜDISCHE ALLGEMEINE Internet Edition 11.12.03)
Sex
Das Durchschnittsalter israelischer Jugendlicher bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr liegt bei 17,1 Jahren (Deutschland: 16,2). (Quelle: Halali, Jonathan, in: MAARIW, aus: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 13.10.04)
Eine Studie der Ben-Gurion-Universität über Sexualität und Sexualverhalten von Schüler(inne)n der 9. bis 12. Klasse in staatlichen Schulen ergab 2002, das jüdisch-religiöse junge Männer häufiger Geschlechtsverkehr haben als gleichaltrige säkulare. Bei jungen Frauen ist das Gegenteil der Fall. Von den rauchenden Jugendlichen haben 52 % bereits Sex, von den nicht rauchenden erst 15 %. Obwohl sexuell weniger aktiv, haben mehr junge Frauen als Männer Angst vor durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten. Junge Männer befürchteten stärker ungewollte Schwangerschaften. (Quelle: Israelische Botschaft Berlin, E-Newsletter 2.12.02)
Bei jungen Israelinnen und Israelis wächst die Tendenz zu mehr sexueller Enthaltsamkeit. Eine von der Armee durchgeführte Studie ergab 2002, dass 20 Prozent der Rekrutinnen und Rekruten „jungfräulich“ sind und dies bis zu ihrer künftigen Heirat auch bleiben wollen. Im Vergleich zu Daten des Vorjahres stellt dies einen Anstieg um 8 % dar. Im Gegensatz zum Mythos intensiver Beziehungen zwischen Männern und Frauen während der gemeinsamen Armeezeit vermindert sich in diesem Zeitraum die Intensität sexueller Beziehungen stark und hört bisweilen ganz auf. 21 % der Soldaten und 31 % der Soldatinnen gaben an, während des gesamten Jahres vor ihrer Entlassung aus der Armee nicht einmal eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben. Erklärungen für diese Entwicklung könnten sein: der lange und belastende Militärdienst in besetzten palästinensischen Gebieten, verschärfte interne Armeebestimmungen gegen „sexuelle Belästigung“ (HATRADA MINIT) oder ein aus den USA kommender Jugendtrend zu stärkerer sexuellen Enthaltsamkeit. (Quelle: Waffenstreik (hebräisch), MA’ARIW Internet Edition 31.1.03)
Suizid
Laut einer Studie der Universität Tel Aviv hat sich die Rate der Suizid-Fälle unter Jugendlichen von 1995 bis 2004 verdreifacht und ist von 5 auf 14 per 100 000 angestiegen. Die Zahl der insgesamt registrierten Suizidversuche (vorsätzliche Selbstbeschädigung mit Todesfolge) liegt bei insgesamt 3200 bis 3500 jährlich. (Quelle: Sinai, Ruth: Suicide rate steady, despite economic woes, HA’ARETZ Internet Edition 3.7.03)
Die durchschnittliche jährliche Suizid-Rate per 100 000 Einwohner beträgt 8,6 und ist bei Männern dreimal so hoch wie bei Frauen. Innerhalb der israelisch-arabischen Bevölkerung liegt sie mit 3,6 vergleichsweise niedrig (in Deutschland betrug die Suizidrate 2006 10,9 per 100 000, Quelle: Statistisches Bundesamt Destatis, 20.10.08).
13 % der Jugendlichen haben schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sich selbst zu töten, 5 % der Heranwachsenden bereits einen Suizid-Versuch unternommen. Häufigste Hintergründe sind wirtschaftliche und soziale Notlagen oder persönliche Schwierigkeiten von Eingewanderten bei ihrer Eingliederung. [Quelle: Golan, Jehuda: 13 % der Jugendlichen dachten an Selbstmord, MA’ARIW Internet Edition 21.6.04 (hebräisch)]
Ein interner Bericht des Verteidigungsministeriums über Todesfälle in der Armee nennt 2003 zum ersten Mal Suizid als häufigste Todesursache. Im Berichtzeitraum nahmen sich 43 Soldatinnen und Soldaten das Leben, im Jahr davor waren es 31, das stellt einen Anstieg der Suizid-Rate um mehr als 30 % dar (durch Krankheit starben 32, im Gefecht 30 und durch Verkehrsunfälle 27).
Perspektiven
Noch Mitte der 90er Jahre, vor Beginn der so genannten ‚2. INTIFADA’, äußerten sich neun von zehn befragten Israelinnen und Israelis optimistisch in Bezug auf ihre persönlichen Perspektiven und die Zukunft ihres Landes. (Quelle: Ben Simon, Daniel: We have lost optimism, HA’ARETZ Internet Edition 15.9.04)
Der andauernde jüdisch-arabische Konflikt und die schlechte wirtschaftliche Entwicklung der folgenden Jahre führten jedoch zu wachsenden Zukunftsängsten und einer zunehmenden Skepsis in Bezug auf Möglichkeiten einer grundsätzlichen Verbesserung der Situation. Im Herbst 2003 sind 73 % der Gesamtbevölkerung der Ansicht, die junge Generation habe in Israel keine Zukunft, 80 % gehen nicht von einer Verbesserung der Situation in naher Zukunft aus. (Quelle: Plotzker, Sever: Das Jahr des Pessimismus, JEDIOT ACHRONOT 26.9.03, zitiert nach: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 26.9.03)
Der Wunsch nach einem vorübergehenden oder auch ständigen Leben und Arbeiten außerhalb Israels ist ausgeprägt. Das Verhältnis zur israelisch-arabischen Minderheit bleibt distanziert, 70 % betrachten sie als nicht loyal als gegenüber ihrem Staat. (Quelle: Poll: One-third of Israeli youth want to live abroad, Y-net 23.12.07)
In einer Umfrage aus dem Jahr 2008 sehen 52 % der Jugendlichen eine gewisse Gefahr, dass Israel von den arabischen Staaten, dem Iran und dem Islam vernichtet werden könnte, 30 % sehen sogar eine konkrete Gefahr. (Quelle: Umfrage der Anti-Defamation-League, Klieger, Noach: 59% der israelischen Jugendlichen: Es wird keinen Holocaust mehr geben, Ynet 20.5.08)
Junge Israelinnen und Israelis sind heute weniger optimistisch als noch Anfang des Jahrtausends. Gleichzeitig sind sie deutlich patriotischer eingestellt. [Quelle: TGI-Umfrage, in: walla! Internetportal: Jugendliche stärker verbunden und weniger optimistisch (hebräisch), 19.11.02]
Link
www.israel1.org - Eye2Israel (Jugendliche beschreiben ihr Alltagsleben in Israel)
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit (AWTALA) in Israel sinkt. Auf dem Höhepunkt der Rezession 2003 betrug die Rate zwischenzeitlich 11 %. Auf Grund des Wirtschaftswachstums lag sie im Januar 2005 mit 9,9 % erstmals seit vier Jahren wieder unter 10 % (Quelle: GLOBES Internet Edition 30.4.06). Ende 2008 lag sie nur noch bei 6,1 %. Das war die niedrigste Rate seit 16 Jahren und entsprach etwa 190 000 Arbeitslosen. In einigen Erwerbszweigen, wie im Low-Tech-Bereich, existiert gar keine Arbeitslosigkeit (Quelle: HA’ARETZ Internet Edition 20.12.07, zitiert nach Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 20.12.07). Allerdings verlangsamte sich 2008 das Wirtschaftswachstum (Quelle: MA’ARIV 18.4.08, zitiert nach Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 18.4.08). Ende 2009 stieg die Rate der Arbeitslosigkeit auf 7,6 % (Quelle: Bank of Israel).
Jugendarbeitslosigkeit in Israel (in Prozent)
Jahr Insgesamt Männer Frauen
1980 13,3 13,4 13,1
1985 17,3 17,8 16,8
1990 22,1 21,0 23,4
2000 17,0 17,1 16,8
2001 18,5 18,6 18,3
(Quelle: Globalis Israel)
In 2006 gab es in Israel insgesammt 346 000 15- bis 17-Jährige. 7,8 % von ihnen arbeiteten und lernten nicht. Unter der arabischen Jugendlichen gab es 13,8 %, die weder arbeiteten noch lernten. Bei den jüdischen Jugendlichen waren es 5,8 % (Quelle: http://hagada.org.il/hagada/html/modules.php?name=News&file=print&sid=6135, basierend auf Data von dem Central Bureau of Statistics, 2006). Die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen lag 2001 bei 18,5 %.
Links
www.tau.ac.il/~iirra/ - Gesellschaft zur Erforschung von Arbeitsbeziehungen (HA'AGUDA HA’ISRAELIT L'CHEKER JACHASSEI AWODA)
www.kavlaoved.org.il - Hotline für Arbeitsrechte von Israelis, Migranten und Palästinensern (KAF L’OWED)
www.commitment.org.il - Engagement für Frieden und soziale Gerechtigkeit (MECHUJAWUIT - Verpflichtung)
www.movtal.co.il - Internetportal für Arbeitslose (MOVTAL)
www.hilaporat.co.il - Internetportal für Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Welt der Arbeit, OLAM HA’AWODA)
www.ovdim.org - Zentrum für die Rechte von Arbeitnehmenden (OVDIM - Arbeiter)
www.laborers-voice.org - Organisation für Rechte von Arbeitslosen und Familien in der arabischen Bevölkerung (SAWT EL-AMEL)
Wachsende Armut
Arbeitslosigkeit ist eine der Hauptursachen für wachsende Armut und Verschärfung von Einkommensunterschieden. Jeder 5. israelische Bürger und jedes 3. Kind in Israel (inklusive Ost-Jerusalem) lebt unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Aufgrund verschärfter Bewilligungskriterien vermindert sich gleichzeitig die Zahl der Familien mit Kindern, die staatliche Unterstützungszahlungen erhalten (Quelle: Sinai, Ruth: Report: Israeli children getting poorer and more violant as state’s help dries up, HA’ARETZ Internet Edition 28.12.04). International hat Israel mit über 35 % einen vergleichsweise hohen Prozentsatz an Kinderarmut (laut Studie des ‚United Nations Children Fund’, zum Vergleich: Dänemark 2,4 %, Finnland 2,8 %, USA 30,8 %).

2002 waren rund 25 % der israelischen Bevölkerung auf staatliche Unterstützung angewiesen (1968 nur 2 %) (Quelle: Central Bureau of Statistics, zitiert nach Nadav Haezni, MA’ARIV 5.2.03). Rund 300 000 Menschen befinden sich in einer schwereren wirtschaftlichen und finanziellen Notlage. Die Zahl der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Israelinnen und Israelis betrug nach Angaben der ‚Nationalen Versicherungsanstalt’ (BITUACH LE’UMI) 2003 etwa 1,43 Millionen. Dies entsprach 22,4 % der Bevölkerung, darunter 30,8 % der Kinder des Landes (652 000 Kinder) (Quelle: Israeli Ministery of Foreign Affairs, E-Mail-Newsletter 23.11.04). Im Jahresbericht 2007 wird bereits eine Zahl von 1,67 Millionen konstatiert und die Kinderarmut mit 35,8 % beziffert (804 660 Kinder). Die Einkommensgrenze, unterhalb derer von Armut gesprochen wird, liegt in Israel bei 2028 NIS für Einzelpersonen und 3244 NIS für ein Ehepaar, bei einer vierköpfigen Familie bei 5191 NIS [Quelle: Bericht: Anstieg der Zahl armer Familien in Israel, MA’ARIV Internet Edition 14.2.08 (hebräisch), Merav, David / Bengal, Maya: In Würde leben - Der Armutsbericht für 2007, MA’ARIV Internet Edition 15.2.08 (hebräisch)]. Besonders verbreitet ist Armut innerhalb der arabisch-israelischen Bevölkerung, 67 % der Kinder leben dort unterhalb der Armutsgrenze (Quelle: David, Merav: Jugend 2007: ärmer und gewalttätiger, MA’ARIV Internet Edition 30.12.07). Laut der Armutsberichte von 2007 und 2008 des Wohlfahrtsministeriems hat sich von 2007 auf 2008 die Zahl der unterhalb der Armutsgränze lebenden Israelis leicht verändert (1,65 Millionen). Besonders problematisch ist, dass von 420 000 armen Familien 46,3 % der Familien ein Arbeitskommen haben (Quelle: Maariv Online, http://sports.nrg.co.il/online/1/ART1/815/068.html // http://www.nrg.co.il/online/1/ART1/961/313.html)
Beratungs- und Bildungsprogramme
Andauernde Arbeitslosigkeit bedeutet eine unmittelbare Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Plötzliche Armut stellt für viele Familien eine akute Beeinträchtigung ihrer bisherigen gesellschaftlichen Stellung und eine bisweilen dramatische Gefährdung gewachsener sozialer Beziehungen dar. Für Kinder und Jugendliche entstehen erhebliche psychische Belastungen.
Verschiedene Initiativen und Bildungsprogramme unterstützen daher Eltern, Erzieherinnen und Lehrer bei der Auseinandersetzung mit Arbeitslosigkeit und ihren Folgen. Das Erziehungswissenschaftliche Institut der Universität Haifa veröffentlicht Informationen und Hilfestellungen zum pädagogischen Umgang mit dem Thema Arbeitslosigkeit. Die Abteilung ‚Gesellschaft und Jugend’ (CHEWRA WENOAR) des Erziehungsministeriums veröffentlicht auf ihrer Website ‚AL SEDER HAJOM’ (Auf der Tagesordnung) aktuelles Material zum Umgang mit den Problemen Arbeitslosigkeit und neue Armut.
Links
www.latet.org.il - sozialpolitische Hilfsorganisation mit jährlichem Armutsbericht
www.mifalchaim.org - Unterstützung für Menschen in Armut (Meir Panim Relief Centers)
www.meals4israel.com - Verein zur Unterstützung von ‚Armenküchen’ in Israel
www.tabletotable.org.il - Freiwilligenorganisation für Lebensmittelspenden
Kriminalität
Nach einer von der israelischen Polizei (MISCHTERET ISRAEL) bekannt gegebenen ‚Verbrechensuhr’ kommt es in Israel statistisch gesehen alle 13 Minuten zu einem Einbruch, alle 17 Minuten zu einem Autodiebstahl, alle 7 Stunden zu einer Vergewaltigung (Quelle: YEDIOT ACHARONOT, aus: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 22.2.05). Wachsende Jugendgewalt und Jugendkriminalität erregen in der Öffentlichkeit immer wieder erhebliches Aufsehen. Gewalttätige Auseinandersetzungen unter Kindern und Jugendlichen nehmen stark zu.
Das Alter der Beteiligten sinkt, Härte und Intensität der Gewalt steigen. Zwischen 1990 und 2004 hat sich die Jugendkriminalität verdoppelt. Im Jahr 2004 stieg die Jugendkriminalität (AWARJANUT NOAR) besonders stark im Schfela-Bezirk an, in der Stadt Modi’in sogar um 70 %. In Rechovot, Modi’in, Ramle, Lod und Rischon LeZion geschah alle 9 Stunden ein Gewaltverbrechen unter Jugendlichen, alle 16 Stunden wird ein Minderjähriger wegen Drogendelikten festgenommen. Der statistische Anstieg der Zahlen erklärt sich zu einem erheblichen Anteil durch Erfolge der Polizeiarbeit in der Verfolgung und Bekämpfung von Verbrechen (Quelle: Azoulay, Yuval: Shfela District: Youth crime in Modi’in rose by 70% in 2004, HA'ARETZ Internet Edition 11.3.05).
In den Jahren 2005 bis 2008 sank die Jugendkriminalität um 10 %. In den Jahren 1990 bis 2004 verfünffachte sich die Zahl der Gewaltverbrechen zwischen Jugendlichen. Zwischen 2005 und 2008 ist die Zahl der Gewaltverbrechen um 10 % gesunken (Quelle: Rede des Ministers für Öffentliche Sicherheit, 12.2.2008)
Im einzigen israelischen Jugendgefängnis ‚Ofek’ sind 2003 insgesamt 114 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren inhaftiert, 20 % von ihnen wegen Sexualdelikten [Quelle: Kriminelle Kinder (hebräisch), in: ‚24 SCHAOT’, Beilage von JEDIOT ACHARONOT 1.12.03, Seite 2, 3 und 8]. Bis zum Jahr 2007 steigt die Zahl der Jugendlichen im Gefängnis auf 192 an (Quelle: Merav, David: Jugend 2007: ärmer und gewalttätiger, MA’ARIV Internet Edition 30.12.07). In Regierung, Polizei und Öffentlichkeit wird kontrovers diskutiert, welche weiteren Maßnahmen und Initiativen gegen Jugendkriminalität ergriffen werden sollten. Dazu gehört auch die Forderung nach einer nächtlichen Ausgangssperre für Jugendliche (Quelle: MA’ARIW Internet Edition 16.2.04)
Link: www.ips.gov.il/shabas - SCHERUT BATEJ HASSOHAR (Gefängnisbehörde)
Das Alter der betroffenen Kinder sinkt, auch 8- und 9-Jährige sind in Diebstahl- und Drogenkriminalität verwickelt. Im Jahr 2004 hat die Jugendkriminalität im Vergleich zum Vorjahr um 16 % zugenommen. Mit etwa 30 % daran liegt der Anteil von Jugendlichen aus Familien von Neu-Eingewanderten (OLIM CHADASCHIM) überproportional hoch, sie stellen 11 % der Gesamtbevölkerung [Quelle: MA’ARIW 12.9.04 (hebräisch)]. Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund leiden besonders häufig unter Identitätskrisen und zerrütteten Familienverhältnissen und haben überdurchschnittlich viele Gewaltprobleme. Ihr Anteil an Jugendlichen, die im Alter von 14 bis 17 Jahren ihre Ausbildung abbrechen (NOAR MENUTAK), liegt zwischen 8 und 29 % (Quelle: Singer, Ronni: Crime climbs among immigrant youth, HA’ARETZ Internet Edition 21.4.03)
| insgesamt | jüdische | arabische | |
|---|---|---|---|
| 12 - 13 Jahre | 0,7 | 0,7 | 0,9 |
| 14 - 15 Jahre | 16,2 | 16,3 | 15,6 |
| 16 - 17 Jahre | 47,6 | 48,2 | 46,7 |
| über 18 Jahre | 35,4 | 34,7 | 36,7 |
(Quelle: Central Bureau of Statistics, Statistical Abstract of Israel 2009, Seite 496)
Gewalt an Schulen
24 % der israelischen Schüler/-innen geben an, bereits Opfer physischer Gewalt geworden zu sein. 10 % der Schülerschaft an Grund- und Mittelschulen fühlen sich unsicher und haben Angst, bestimmte Teile des Schulgeländes zu betreten. 31,7 % sagen aus, schon einmal bestohlen worden zu sein (Quelle: Studie der Hebräischen Universität, in: Tovah Lazaroff, ‘One in 10 pupils feels unsafe’, JERUSALEM POST Internet Edition 16.7.2002). Lehrerverbände rufen aus Protest gegen Gewalt an den Schulen zum Streik auf und fordern einen besseren Schutz vor Angriffen durch Schüler/-innen. Verschiedene Schulen haben damit begonnen, Überwachungskameras zu installieren, zum Teil gegen heftigen Protest von Seiten der Schülerräte (Quelle: Ashkenazi, Eli / Khoury, Jack: Boy stabbed, another arrested in violent day at high schools, HA’ARETZ Internet Edition 3.3.05)

In Bezug auf die Häufigkeit von Vorfällen, in denen Waffen auf dem Schulgelände eine Rolle spielen, liegt Israel an zweiter Stelle hinter den USA [Quelle: Studie der Uni Bar Ilan, in: Israel auf dem 2. Platz bei Waffenträgern in Schulen, HA’ARETZ Internet Edition (hebräisch) 13.5.02].
Eine Langzeitstudie zum Problem von Jugendgewalt und Drogen seit 1994 ergab für das Jahr 2002, dass Israel im internationalen Vergleich von Schüler(inne)n der 6. Klassen (11 Jahre) in Bezug auf die Zahl der Gewalttaten an 7. Stelle und auf die Zahl der Gewaltopfer an 8. Stelle unter 36 Ländern stand. Alarmierend wirkte der statistische Nachweis für 2004, dass gerade unter Mädchen Gewalt, Drogenkonsum und psychische Störungen deutlich zunehmen. Der Anteil von Mädchen in den 10. Klassen und darüber, die sich selbst eine strenge Diät verordnen, ist in Israel höher als in allen anderen untersuchten Ländern [Quelle: Slikoviz, Moran: Studie: Jugendliche werden ‚artiger’, Mädchen gewalttätiger, Y-net 17.11.04 (hebräisch)].
Sexuelle Gewalt
Die Zahl bekannt gewordenen Fälle von Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch an Kindern hat sich in den letzten zehn Jahren insgesamt verdoppelt (Quelle: Merav, David: Jugend 2007: ärmer und gewalttätiger, MA’ARIV Internet Edition 30.12.07). Anzeigen von sexuellen Vergehen durch Minderjährige unter 12 Jahren sind dabei deutlich häufiger geworden. 2001 erhielt die psychologische Beratungsstelle des Erziehungsministeriums SCHEFI 186 Hilferufe wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Minderjährige, 2002 waren es 254, bis November 2003 bereits 477 [Quelle: Gideon Alon: Sexueller Missbrauch von Kindern an Kindern verdoppelt, HA’ARETZ Internet Edition (hebräisch) 26.11.03]. Nach einem Bericht des Erziehungsministeriums aus Anlass der „Erziehungswoche gegen sexuelle Gewalt“ ist die Anzahl der Anzeigen gegen sexuelle Angriffe auf Schüler/-innen im Jahr 2007 um 24 % gestiegen. In 166 Fällen ging es um sexuelle Gewalt durch Erwachsene (2006: 127), in 404 durch Minderjährige (2006: 321).
Drogen

Beruhigungsmittel
Im Jahr 2000 war laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation der prozentuale Anteil von Beruhigungsmittel nehmenden Kindern und Jugendlichen in Israel nach Grönland der zweithöchste in der Welt. 18 % der israelischen 11-jährigen Jungen und 12 % der gleichaltrigen Mädchen gaben an, mindestens einmal im Monat Beruhigungsmittel einzunehmen (Quelle: Sinai, Ruth: Huge rise in child crime since 1995, HA’ARETZ Internet Edition 17.12.00). Nach Statistiken aus dem Jahr 2008 ist der allgemeine Verbrauch an Medikamenten gegen Depression und Angstzustände in den letzen 2 Jahren um 23 % angestiegen (Quelle: Barkan, Noam, YEDIOT ACHRONOT, zitiert nach Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 25.6.08)
Tabak
Rauchen stellt in Israel die Todesursache Nr. 1 dar und kostet jährlich 10 000 Menschen das Leben (Quelle: Y-net, Internet-Zeitung 30.11.04). 25 % der israelischen Bevölkerung rauchen regelmäßig (Quelle: 25 % of Israelis smoke regularly, GLOBES Internet Edition 8.5.03). Für die Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren hat eine Untersuchung des israelischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2002 festgestellt, dass 16 % der Frauen und 29 % der Männer rauchen (Quelle: JERUSALEM POST Internet Edition 12.1.03).
In den 6. bis 10. Schulklassen beträgt der Anteil der mindestens einmal täglich rauchenden Schüler/-innen 4,7 %. Davon konsumieren 28 % 15 bis 20 Zigaretten täglich. In der 10. Klasse geben 20 % der Jungen und 9 % der Mädchen an, mindestens einmal pro Woche Wasserpfeife (NARGILA) zu rauchen (Quelle: Reznick, Ran: Health Ministry report: Quarter of all Isaeli adults smoke, HA’ARETZ Internet Edition 2.6.03). Im Jahr 1998 rauchten 18 % der männlichen und 8,3 % der weiblichen Jugendlichen mindestens einmal am Tag. 2002 betrug der Prozentsatz männlicher Jugendlicher nur noch 12,3 %, der Anteil weiblicher war jedoch auf 11 % gestiegen (Quelle: Slikoviz, Moran: Studie: Jugend werden ‚artiger’, Mädchen gewalttätiger, Y-net 17.11.04 (hebräisch)].
Das Durchschnittsalter beim Konsum der ersten Zigarette liegt bei 13 Jahren. Seit 2004 gilt in Israel ein Verbot des Verkaufs von Zigaretten und anderen Tabakerzeugnissen (Wasserpfeifen) an Minderjährige unter 18 Jahren (Quelle: Y-net, Internet-Zeitung 4.8.04). Im gleichen Jahr trat ein neues Gesetz in Kraft, das deutlich sichtbare Warnungen vor den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens auf den Zigarettenpackungen vorschreibt (Quelle: Israelische Botschaft Berlin, E-Mail-Newsletter 30.11.04).
Alkohol
Bis in die 70er Jahre war Alkoholmissbrauch in der israelischen Gesellschaft kein großes Thema. Doch hat sich der Alkoholkonsum inzwischen auf ein international vergleichbares Maß gesteigert und ist Teil der allgemeinen Jugendkultur geworden (Zahlen aus: eurocare, israel-country profile). Auch Jugendliche und Kinder nehmen immer häufiger Alkohol zu sich. In einer Umfrage aus dem Jahr 1998 gaben 40 % der männlichen und 25 % der weiblichen Jugendlichen an, eigene Erfahrungen mit Betrunkensein zu haben, 2002 ist der Anteil der männlichen Jugendlichen auf 36 % gesunden, der der weiblichen auf 32 % gestiegen (Quelle: Umfrage Ausmaß Alkoholgenuss, 2009).
Unter Studierenden konsumieren durchschnittlich 34,2 % regelmäßig Alkohol, 42,5 % gelegentlich. An der Universität Tel Aviv liegt der Anteil von regelmäßig Alkohol trinkenden Studierenden mit 45 % überdurchschnittlich hoch, an zweiter Stelle folgt mit 39 % die Ben Gurion Universität in Be’erschewa. 15 % aller Studenten geben an, unter Einfluss von Alkohol Auto zu fahren [Quelle: Rami Chasuth: ‚Die meisten Studenten machen es’, JEDIOT ACHRONOT 7.12.03, Seite 4 und 5 (hebräisch)].
Vor allem Kinder in Familien, die aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind, trinken Alkohol. Laut einer Studie der israelischen Nationalen Behörde zur Drogenbekämpfung (HARASCHUT HALE’UMIT L’MILCHAMA B’SSAMIM) geben fast 90 % dieser Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren an, innerhalb des letzten Jahres Alkohohl getrunken zu haben. Bei den im Land Geborenen derselben Altergruppe sind es 49 % (Quelle: Brandes, Sabine: Teufel aus der Flasche, Jüdische Allgemeine 8.11.07)
Drogen
Etwa 5 % der Israelinnen und Israelis nehmen nach einer offiziellen Schätzung zumindest gelegentlich illegale Drogen (SSAMIM). Der Konsum nimmt insgesamt zu. In den frühen 70er bis Mitte der 90er Jahre war Haschisch die meistgenommene Droge. Danach wurde es durch Marihuana fast vollständig vom israelischen Markt verdrängt. Inzwischen ist die Nachfrage nach Haschisch wieder stark angestiegen (Quelle: Informationsblatt ‘Haschisch is back’). Der israelische Polizeichef forderte öffentlich, der Kampf gegen Drogen müsse zur ‚nationalen Priorität’ werden (Quelle: HA’ARETZ Internet Edition 8.9.02, neuere Zahlen in: http://www.antidrugs.gov.il//download/files/?????%20???????%202009_1.doc)
Eine Studie der Nationalen Behörde zur Drogenbekämpfung über israelische Studierende löste 2003 einen Schock in der Öffentlichkeit aus. Fast jede oder jeder Dritte (30,4 %) an israelischen Hochschulen hat innerhalb des letzten Jahres illegale Drogen genommen. Im Vergleich zu entsprechenden Zahlen von 1996 ist der Konsum unter Studierenden um 9 % gestiegen. Den höchsten Anteil erreicht die Ben Gurion Universität mit einem Anstieg von 26 % auf 40 %. An den Hochschulen Beit Berl und Emek Jisrael liegt der Prozentsatz ebenfalls bei je 40 %, darauf folgen die Tel Aviv Universität (37 %) das Interdisziplinäre Zentrum in Herzlija (35 %), die Hebräische Universität in Jerusalem (31 %), die Haifa Universität (29 %), das Kibbuz-Seminar (25 %), das Technion in Haifa (24 %), die Hochschule Ariel (18 %), die Bar Ilan Universität (16 %) und die Hochschule Levinsky (14 %). Am weitesten verbreitet unter israelischen Studierenden ist der Gebrauch von Haschisch und Marihuana (27,3 %). Harte Drogen wie Heroin, Kokain, Ecstasy, Opium oder Crack werden von 4,5 % der Studentenschaft genommen [Quelle: Rami Chasuth: ‚Die meisten Studenten machen es’, JEDIOT ACHRONOT 7.12.03, Seite 4 und 5 (hebräisch)].
Unter religiösen Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren werden prozentual mehr harte Drogen genommen als unter säkular orientierten Gleichaltrigen, 6,2 % der religiösen und 5,4 % der säkularen Jugendlichen konsumieren Heroin, LSD oder Ecstasy [Quelle: Dorf für Entzugsbehandlung religiöser drogenabhängiger Jugendlicher gegründet, in: walla! Internetportal 4.12.02 (hebräisch)]. Besonders gefährdet sind Jugendliche, die ohne festen Wohnsitz auf der Straße leben, 70 % von ihnen werden in kurzer Zeit von Alkohol und harten Drogen abhängig (Quelle: Jugend in Israel 2007: ein besorgniserregendes Bild, MA’ARIV Internet Edition 15.4.08 (hebräisch)].
| Drogen allgemein | Haschisch / Marihuana | |
|---|---|---|
| Israel (2003) | 30,4 % | 27 % |
| USA (2002) | 37,0 % | 35 % |
| Kanada (1998) | 29,6 % | 29 % |
| England (1998) | - | 50 % |
| Spanien (1994) | 16,5 % | 13 % |
| Polen (2000) | 46,0 % | 41 % |
(Quelle: Rami Chasuth: ‚Die meisten Studenten machen es’, JEDIOT ACHRONOT 7.12.03, Seite 5 (hebräisch)]
Bei international vergleichenden Angaben über Drogenkonsum unter Studierenden ist zu berücksichtigen, dass Studierende in Israel in der Regel – nach zwei- bis dreijährigem Militärdienst - älter sind und sich in einer anderen Lebensphase befinden.
Schmuggelwege
Im internationalen Drogenhandel insbesondere mit Ecstasy spielen organisierte israelisch-russische Verbrecherbanden eine dominierende Rolle. Sie kontrollieren weitgehend den europäischen Markt und sind auch im nordamerikanischen Drogenhandel sehr einflussreich (Quelle: Guttmann, Nathan: Israelis at center of ecstasy drug trade, HA’ARETZ Internet Edition 6.4.03)]. Pro Jahr werden schätzungsweise 70 Tonnen Heroin ins Land gebracht, 90 % davon aus Ägypten, der Rest aus dem Libanon und zunehmend auch aus Jordanien. Ecstasy und LSD gelangen über See- und Flughäfen ins Land (Quelle: Allgemeine Jüdische WOCHENZEITUNG Internet Edition 7.7.02). Aus dem libanesischen Bekaa-Tal werden durch die islamistische HISBOLLAH großen Mengen Heroins nach Israel geschmuggelt. Die israelische Regierung äußert Sorgen, die israelische Gesellschaft solle durch die Verbreitung harter Drogen gezielt geschwächt werden (Quelle: Günther, Inge: Dealen mit den Israelis, FRANKFURTER RUNDSCHAU 26.3.08).
Gesetzliche Grundlagen
Relevante Gesetze

Nach israelischem Recht gelten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren als Minderjährige (Ketinim, Singular: Katin) und von 14 bis 17 Jahren als Jugendliche (Bnei Noar). Über 18-Jährige sind Volljährige (Bgirim, Singular: Bagir). (Quelle: Sieben, Hermann, Internationaler Jugendaustausch und Besucherdienst der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Jugend und Jugendarbeit in Israel, Bonn 1995, S. 45ff)
Zusammenfassung von bildungsrelevanten Gesetzen: www.mfa.gov.il/MFA/MFAArchive/2000_2009/2003/1/Summary+of+the+principal+laws+relating+to+educatio.htm
Eine Reihe staatlicher Gesetze, die nachfolgend dargestellt werden, definiert Rechte und Pflichten von Kindern und Jugendlichen.
Das Gesetz zur Staatlichen Erziehung formuliert allgemeine Ziele und Grundlinien des staatlichen Schul- und Erziehungssystems. Zentrale Bezugspunkte sind sowohl universelle Werte als auch Werte der israelischen Gesellschaft und Tradition. Besonders betont wird die Notwendigkeit der Erinnerung an Holocaust (Schoa) und Widerstand (Gwura) im nationalsozialistischen Europa. Das verbindliche Curriculum des staatlichen Erziehungssystems wird im Ministerium für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) entwickelt und kontrolliert.
Im Gesetz über die Schulpflicht wird für das Alter von 5 bis 15 Jahren eine allgemeine und kostenlose Schulpflicht bis zur 10. Klasse festgelegt. Der Schulbesuch beginnt vom 1. bis 6. Schuljahr mit der Grundschule (Beit-Sefer Jessodi), dann folgt vom 7. bis 9. Schuljahr die Mittelschule (Chatiwat Beinaim) und anschließend schließt sich vom 10. bis 12. Schuljahr die Oberschule (Beit-Sefer Tichon) an. Eltern haben das Recht, für ihr Kind zwischen einem der anerkannten parallelen Schulsysteme (staatlich, staatlich-religiös oder unabhängig) auszuwählen. Ein Gesetz von 2000 sieht kostenfreie Erziehung kranker Kinder vor, die mehr als 21 Tage hintereinander nicht die Schule besuchen können.
Das Gesetz über das Recht auf Ausbildung aus dem Jahr 2000 nimmt Bezug auf die UN-Charta und schreibt das Recht jeder Einzelnen und jedes Einzelnen auf menschliche Würde, Erziehung und Teilhabe an Ausbildung und Prüfungen an Schulen und Universitäten fest. Es verbietet Diskriminierungen aufgrund ethnischer, sozio-ökonomischer oder politisch abgeleiteter Kriterien.
Das Gesetz über die Schulaufsicht legt fest, dass die Gründung und Unterhaltung einer Schule nur mit offizieller staatlicher Genehmigung möglich ist. Ausführungsbestimmungen regeln die Bedingungen und Voraussetzungen, unter denen Schulen betrieben werden können, die nicht Teil des offiziellen staatlichen Erziehungssystems sind.
Seit 1997/98 wurden auf Grundlage des Gesetzes zur Einführung eines langen Schultages (Ganztagsschule) schrittweise zusätzliche Stunden in den Schulalltag eingeführt. Ziel ist, vier Tage in der Woche wenigstens acht Stunden, einen Tag in der Woche höchstens fünf Stunden, an Freitagen höchstens vier Stunden Unterricht anzubieten. Die Gesamtstundenzahl soll nicht unter 41 liegen. Ein Gesetz von 2000 regelt die Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern der Oberschulen in die Betreuungsprogramme von Ganztagsschulen. 2005 wurde das Erziehungssystem schrittweise auf eine 5-tägige Schulwoche umgestellt.
Ein Gesetz von 2001 in Zusammenarbeit von Erziehungs- und Gesundheitsministerium umfasst die Einführung von Erste-Hilfe-Kursen in Schulen vor, in denen sich Lehrpersonal und Schülerschaft mit theoretischen und praktischen Aspekten der Notfallhilfe beschäftigen.
Laut Gesetz haben Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren das Recht auf eine berufliche Ausbildung. Diese kann als Teil der höheren Schulbildung erworben werden - mit Berufsdiplom und Berechtigung zum Hochschulstudium oder in Form einer praktischen Ausbildung. Diese ist vergleichbar der deutschen Lehrlingsausbildung, in der Auszubildende einen Teil der Woche die Lehrwerkstatt und einen Teil die Berufsschule besuchen. Auch Mischformen sind möglich.
Das Gesetz zur sonderpädagogischen Erziehung (Chinuch Mejuchad) regelt staatliche Maßnahmen zur Hilfe und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und geistigen Behinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf. Es bezieht sich auf die Altersgruppe zwischen 3 und 21 Jahren. Ziel ist die Integration in Gesellschaft und Arbeitswelt.
Kinder im Alter von unter 14 Jahren dürfen laut Gesetz nicht beschäftigt werden. Eine Ausnahme gilt für Mithilfe im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb. Jugendliche dürfen nicht in der Nacht und am Tage nicht mehr als acht Stunden täglich arbeiten. Arbeitenden Jugendlichen stehen jährlich mindestens 14 Tage Urlaub zu.
Laut dem Gesetz zum Schutz von Kindern in der Öffentlichkeit ist Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren der Konsum von Alkohol verboten. Für Lokale können die kommunalen Behörden ein Aufenthaltsverbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren erteilen. Jugendliche können bereits mit 17 Jahren einen Kraftfahrzeug-Führerschein erwerben. Unter-18-Jährige dürfen jedoch zwischen ein und fünf Uhr in der Nacht nicht hinter dem Steuer sitzen.
Für Adoptionsverfahren ist ein Gericht zuständig, das eine Genehmigung nur im Interesse des zu adoptierenden Kindes (Jeled Me’umaz) beschließen darf. Die Adoptierenden sollen möglichst ein Ehepaar und wenigstens 18 Jahre älter als das Kind sein. Ausnahmen sind unter bestimmten Umständen möglich, zum Beispiel wenn eine verwandtschaftliche Beziehung zum Kind vorliegt. Der Adoption soll eine Probezeit von mindestens sechs Monaten vorausgehen.
Das Gesetz von 1955 zum Schutz von Kindern – auch Gesetz zum Schutz von minderjährigen Zeugen – (Chok L’tikun Dinei Hare’asot) bezieht sich auf Minderjährige bis zum Alter von 14 Jahren, die in Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs (Nizul Mini) oder Gewalt gegen Kinder als Tatzeugen auftreten oder selbst verdächtigt sind. Sie werden durch einen Jugendvernehmer (Choker Noar) befragt, der anstelle der Kinder die Zeugenaussage vor Gericht macht. In Fällen von Gewalttätigkeiten oder Sexualdelikten innerhalb einer Familie können Ehepartner, Kinder und Eltern auch gegeneinander aussagen.
Das Gesetz von 1960 zur Pflege und Aufsicht (Chok Hanoar - Tipul Wehaschgacha) von Jugendlichen enthält vor allem Bestimmungen zum Sorgerecht, wenn für Minderjährige keine sorgeberechtigte Person zur Verfügung steht, wenn diese Person nicht in der Lage ist, ihren Pflichten nachzukommen oder wenn Minderjährige ein Verbrechen begangen haben und noch nicht angeklagt wurden. In solchem Fall kann das Sorgerecht durch einen Gerichtsbeschluss einer ausgesuchten Person oder einem Fürsorgebeamten (Pkid-Sa’ad) mit besonderen Befugnissen übertragen werden.
Das Gesetz zu Rechtsprechung, Strafe und Behandlungswegen (Schfita, Anischa Wedarchei Tipul) definiert die Zuständigkeiten und Kompetenzen des Jugendgerichtes (Beit Mischpat L’noar) und regelt Verfahrensfragen sowie mögliche Straf- und Erziehungsmaßnahmen. Das Mindestalter für eingeschränkte Strafmündigkeit liegt bei 12 Jahren. In Strafverfahren gegen 12- und 13-Jährige muss ein Gutachten der Jugendbewährungshilfe mit einer Empfehlung für eine Bewährungsstrafe oder einer anderen im Jugendstrafrecht festgelegten Strafe vorliegen. Die endgültige Entscheidung fällt das Gericht. Jugendrichter nehmen in der Praxis eine doppelte Funktion wahr, die den Aufgaben von Jugendrichtern und Vormundschaftsrichtern in Deutschland entspricht.
Der spezielle Paragraph des israelischen Strafgesetzbuches von 1977 zu Gewalt gegen Kinder und Hilflose (Chok Haonschin - Pgia B’ktinim Wechassrei Jescha) sieht in Fällen von körperlichen und sexuellen Angriffen und Missbrauch von Minderjährigen schwere Strafen vor. Zeugen solcher Angriffe sind zur Anzeige bei der Polizei oder dem zuständigen Fürsorgebeamten (Pkid Ssa’ad) verpflichtet.
Das Gesetz zur Prävention von Gewalt in der Familie (Chok Meniat Alimut B’mischpacha) von 1991 ermöglicht dem Gericht schnelle Hilfe für die Geschädigten und den Erlass einer sofortigen gerichtlichen Schutzbestimmung (Zav Hagana) in Fällen familiärer Gewalt.
Das allgemeine Vormundschaftsgesetz regelt die gesetzliche Vertretung von Jugendlichen bis 18 Jahren, wenn die Eltern gestorben sind oder nicht in der Lage sind, ihre elterlichen Aufgaben und Pflichten wahrzunehmen. Das Vormundschaftsgesetz gilt auch für Erwachsene, die entmündigt worden sind.
Das 1998 verabschiedete Gesetz zur Öffentlichen Verteidigung (Ssanegorja Ziburit) gibt jedem verhafteten oder angeklagten Minderjährigen das Recht, auf Staatskosten einen Öffentlichen Verteidiger (Ssanegor Ziburi) zu engagieren.
Die 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedete und 54 Paragraphen umfassende Internationale Kinderrechtskonvention wurde vom Staat Israel 1991 unterzeichnet. Im Mai 2002 berichtete die israelische Sektion des internationalen Kinderschutzbundes (Defense for Children International) vor dem UN-Komitee für Kinderrechte, in den vergangenen Jahren seien in Israel eine Reihe von fortschrittlichen Gesetzen zum Schutz der Kinderrechte verabschiedet worden, zum Beispiel gegen häusliche Gewalt oder zum Schutz von Familien mit allein erziehenden Eltern. Die hohe politische und finanzielle Priorität der Sicherheitspolitik Israels beeinträchtige jedoch bis auf weiteres die Durchsetzung und Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen. (Quelle: Joseph Algazy: Children are subject to the law but not protected by it, HA’ARETZ Internet Edition 2.5.03)
Links
www.eliusa.org/home.htm - Israelischer Kinderschutzbund (AGUDA L’HAGANAT HAJELED, ELI)
www.crin.org/reg/country.asp?ctryID=102&subregID=13 - Internationaler Kinderschutzbund - Sektion Israel
www.children.org.il - Nationaler Rat für das Wohl des Kindes
www.mecaed.org - israelisch-palästinensischer Kinderschutzbund (Middle East Children Association, MECA)
Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen
| Schulpflicht: | 5 -15 Jahre | |
| bedingte Strafmündigkeit: | ab 12 Jahren | |
| Beschäftigungsverbot: | unter 14 Jahren | (Ausnahme: Landwirtschaftsbetrieb der Eltern) |
| Beschäftigungserlaubnis: | ab 14 Jahren in den Ferien, maximal 8 Stunden täglich, nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich, | |
| bis 16 Jahren nicht nach 20 Uhr, | ||
| von 16 bis 18 Jahren nicht nach 22 Uhr, | ||
| generell nicht am Schabbat | ||
| Piercing: | unter 16 Jahren ohne Erlaubnis der Eltern verboten | |
| Personalausweis: | ab 16 Jahren | |
| Führerschein-Mindestalter für: | Mofas: 6 Jahre | |
| PKW bis 4 t: 17 Jahre | ||
| Motorräder bis 500 cm³: 18 Jahre | ||
| LKW bis 14,9 t: 18 Jahre | ||
| LKW über 15 t: 19 Jahre | ||
| Motorräder über 500 cm³: 21 Jahre | ||
| Alkoholkonsum-Verbot, Tabakkauf-Verbot: | unter 18 Jahren | |
| Heiratsberechtigung: | ab 17 Jahren | (sind Ehepartner noch nicht 17 Jahre alt, nur mit Genehmigung des Bezirksgerichtes) |
| Volljährigkeit: | 18 Jahre | |
| Wahlrecht: | ab 18 Jahren | |
| Wehrpflicht: | ab 18 Jahren |
Kinder- und jugendpolitische Strukturen
Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Für den Kinder- und Jugendbereich relevante Ministerien sind:
- das Ministerium für Erziehung (Misrad HaChinuch),
- das Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste (Misrad Harewacha Wehascherutim Hachewrati’m),
- das Ministerium für Öffentliche Sicherheit (Misrad Habitachon),
- das Ministerium für Industrie, Handel und Arbeit (Misrad Hata’asia),
- das Ministerium des Inneren (Misrad Hapnim),
- das Ministerium für Eingliederung von Einwanderern (Misrad L’klitat Alija)
Weitere Informationen zu den Arbeitsbereichen der Ministerien hier... (pdf-Dokument, 138 kb)
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
Die großen überregionalen Jugendbewegungen des Landes haben sich im Rat der Jugendbewegungen (Moezet Tnuot Hanoar) zusammengeschlossen. Er ist der wichtigste jugendpolitische Dachverband Israels. Die Jugendbewegungen definieren sich politisch und religiös sehr unterschiedlich. Folgende Verbände gehören dem Rat an (siehe Jugendverbandsarbeit > Überregionale Jugendverbände):
- Ariel (religiöse Jugendbewegung)
- Betar Brit Trumpeldor (Bund Joseph Trumpeldor)
- Bnei Akiwa (Söhne Akiwas)
- Esra (religiöse Jugendbewegung)
- Ha’ichud Hachaklai (Landwirtschaftunion)
- Hamachanot Ha’olim (Einwanderer-Scharen)
- Hanoar Hadati Haowed Wehalomed (Religiöse Arbeitende und Lernende Jugend)
- Hanoar Hale’umi Haowed Wehalomed (Nationale Arbeitende und Lernende Jugend)
- Hanoar Ha’owed Wehalomed (Arbeitende und Lernende Jugend)
- Hanoar Hazioni (Die Zionistische Jugend)
- Haschomer Hazair (Junger Wächter)
- Hazofim (Pfadfinder)
- Makabi Zair (Junge Makabäer)

Der Nationale Schüler- und Jugendrat (Moezet Talmidim Wenoar Arzit) ist die landesweite Gesamtvertretung der Schüler/-innen und Jugendlichen in Israel. Er setzt sich aus 45 gewählten Vertreter(inne)n zusammen, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen repräsentieren: säkulare, religiöse, arabische, drusische und beduinische. Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte wurden 1996 von damals 726 Delegierten gemeinsam erarbeitet, verabschiedet und in dem Dokument „11 Grundsätze“ festgehalten. Innerhalb des Erziehungsministeriums wurde im Amt für Gesellschaft und Jugend (Chewra Wenoar) das Referat für Schüler- und Jugendräte (Jechida L’moazot Talmidim Wenoar) eingerichtet, um die Arbeit der Räte in Schulen, Gemeindeeinrichtungen und Jugendverbänden zu unterstützen.
Auf örtlicher Ebene sind in den Schulen Schülerräte (Moazot Talmidim) aktiv. Sie vertreten die Interessen der Schülerschaft gegenüber der Schulleitung, praktizieren demokratische Prinzipien innerhalb der Schule und arbeiten mit anderen örtlichen Schüler- und Jugendräten zusammen. Aus ihrer Mitte werden gewählte Delegierte in acht regionale Schüler- und Jugendräte (Moazoth Hatalmidim Wehanoar Hamechosiot) entsandt. Über 30 600 Schüler/-innen engagierten sich in 750 Schülerräten des Landes. Vertretungen der Schüler- und Jugendräte beteiligen sich an Sitzungen von Gemeinderäten, der Erziehungskommissionen des Parlaments und des Erziehungsministeriums.
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Auf städtischer und gemeindlicher Ebene sind die Ämter für Jugend, Sport und Freizeit für Jugendhilfe und Jugendpolitik zuständig. In Zusammenarbeit mit Behörden, Eltern, Schulen und Nachbarschaftsausschüssen entwickeln und organisieren die einzelnen Referate der Jugendabteilungen kulturelle, sportliche und pädagogische Jugendprogramme. Die Aktivitäten beziehen sich auf Jugend- und Gemeindezentren, soziale Dienste, Sommer- und Freizeitprogramme, Kultur- und Sportveranstaltungen, Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote für Jugendarbeiter. Die Jugendämter kooperieren eng mit den örtlichen Vertretungen des Erziehungsministeriums und des Wohlfahrtministeriums.
Leo Baeck-MATNASS in Haifa (Grafik: Website HACHEWRA LMATNASSIM 18.6.08)
MATNASS ist das hebräische Kürzel für Zentrum für Kultur, Jugend und Sport (MERKAS TARBUT, NOAR WESPORT), im Plural wird von MATNASSIM gesprochen. Vor allem in kleineren Orten und Entwicklungsstädten sowie in sozial benachteiligen Nachbarschaften mit wenig Angeboten zur Freizeitgestaltung sind die Zentren für Kultur, Jugend und Sport beliebte Gemeindezentren mit vielfältigen Programmen für Bevölkerungsgruppen unterschiedlichen Alters. Sie verfügen über Sportanlagen, Klubräume, Kinos, Theater, Musik, Sprachkurse und bieten Freizeitaktivitäten und Abendschulungen an. Die Zentren sind selbstständige Einrichtungen, werden jedoch vom Erziehungsministerium gefördert. Etwa 21 % der jüdischen und 25 % der arabischen Oberschüler/-innen nehmen an Aktivitäten teil.
Als Dachverband der etwa 180 Gemeindezentren mit 816 Zweigstellen fungiert die 1969 gegründete Vereinigung der MATNASSIM in Israel (HACHEWRA L’MATNASSIM B’ISRAEL). Darin arbeiten Vertreter des Ministeriums, städtischer und gemeindlicher Behörden sowie freier Trägerorganisationen zusammen. Die Vereinigung ist eine der wichtigsten jugendpolitischen Institutionen in Israel. Sie beschäftigt in ihrer Zentrale etwa 500 und im Land insgesamt etwa 18 000 Angestellte. Das Gesamtbudget beträgt mehr als 1,25 Milliarden Schekel. Jugend- und Gemeindezentren in freier oder kommunaler Trägerschaft arbeiten auch ohne der Vereinigung der MATNASSIM formal anzugehören in pädagogischen und jugendpolitischen Fragen mit ihr zusammen.
Um Einsparungsmöglichkeiten für staatliche Unterstützungen zu prüfen, kündigte das Finanzministerium 2005 die versuchsweise Privatisierung von bis zu 10 % der Programme in den MATNASSIM an, um deren Aktivitäten effizienter und kostengünstiger zu machen. Die Vereinigung der Zentren protestierte scharf. Privatisierungsmaßnahmen müssten zu einer Ausdünnung und qualitativen Verschlechterung des Gesamtangebotes führen und seien sozial ungerecht, weil sie finanziell schwache Nachbarschaften und Entwicklungsstädte benachteiligten, wo die Angebote der MATNASSIM besonders wichtig seien.
Die Gemeindeschule (BEIT SEFER KEHILATI) ist eine verbreitete pädagogische Einrichtung des so genannten informellen Erziehungssystems, der außerschulischen Bildungsarbeit. Nach Beendigung des Unterrichts fungieren das Gelände und die Räume der Schulen als Gemeindezentren für Jugendliche des Ortes. Insgesamt gibt es 250 solcher Gemeindeschulen in Israel, davon 70 in arabischen Gemeinden. In den Gemeindeschulen wird Jugendarbeit mit Gemeinwesen-, Eltern- und Schülerarbeit verknüpft.
Die außerschulische Bildungsarbeit in Israel ist stark durch Programme von Nicht-Regierungsorganisationen geprägt. Die meisten haben sich auf besondere Schwerpunktthemen und Aktivitäten spezialisiert und werden durch das Erziehungsministerium unterstützt. Verschiedene gesellschaftspolitische Gruppen und Strömungen in Israel unterhalten eigene Bildungsstätten und Tagungshäuser mit jugendpolitischer Zielsetzung, die von Organisationen der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit genutzt werden.
In der außerschulischen Jugendarbeit wird die Aus- und Fortbildung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen pädagogischen Fachkräften durch staatliche oder unabhängige Einrichtungen gefördert. Jugendleiterinnen und Jugendleiter werden in Kursen und Seminaren der großen Jugendverbände ausgebildet. Es ist auch möglich, an entsprechenden Lehrgängen und Kursen von Bildungseinrichtungen teilzunehmen, die spezifische Konzepte und Arbeitsschwerpunkte anbieten.
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Eine zentrale Rolle bei der Formulierung aktueller jugendpolitischer Themen nimmt der Arbeitsbereich Gesellschaft und Jugend (MINHAL CHEWRA WENOAR) im Erziehungsministerium ein. Hier werden Konzepte und Bildungsprogramme entwickelt und jährlich landesweite jugendpolitische Schwerpunktthemen proklamiert. Trotz der Vielfalt und der Verschiedenheit der Programme lassen sich zentrale Themengebiete vergangener Jahre unter folgenden Überschriften zusammenfassen:
- Einheit und Vielfalt
- Einwanderung und Zionismus
- Toleranz und Demokratie
- Bürgerschaft und Engagement
- Krieg und Frieden
- Erinnern und Gedenken
- Gewalt und Drogen
- Umwelt und Natur
- Bildung und Arbeit
Sie werden hier skizziert und im Kapitel Kinder- und jugendpolitische Strukturen > Aktionsprogramme durch aktuelle Projektbeispiele illustriert.

EINHEIT UND VIELFALT
Die Stärkung und Festigung individueller und kollektiver jüdisch-zionistischer Identität gilt in Israel als zentrales jugendpolitisches Anliegen. Angesichts vielfältiger innergesellschaftlicher Spannungen ist die Schaffung und Bewahrung der Einheit der Nation (ICHUD LE’UMI) ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Auf die Vermittlung verbindender Werte wird großen Wert gelegt, auch wenn diese politisch, kulturell oder religiös sehr unterschiedlich und zum Teil gegensätzlich definiert werden. Es geht zum Beispiel um die Eingliederung der Neueingewanderten und ihre Beziehungen zu den Alteingesessenen (OLIM CHADASCHIM und WATIKIM), um die Verbesserung des Verhältnisses zwischen jüdischer und arabisch-palästinensischer Bevölkerung in Israel (JEHUDIM und ARAWIM), um den Umgang mit Konflikten zwischen Säkularen und Religiösen (CHILONIM und DATI’IM), um den Abbau der Spannungen zwischen westlich und orientalisch geprägten Bevölkerungsgruppen (ASCHEKNASIM und MISRACHIM), um die Überwindung sozialer Unterschiede zwischen Großstädten und Entwicklungsstädten, um die Durchsetzung von Frauenrechten und den Dialog zwischen den Generationen.
EINWANDERUNG UND ZIONISMUS
Die zionistische Grundüberzeugung von der Notwendigkeit eines jüdischen Staates prägt Gesellschaft und Politik in Israel. Der Staat Israel wird auch als Heimstätte für alle noch in der Diaspora lebenden Jüdinnen und Juden angesehen. Der jüdisch-arabische Konflikt und judenfeindliche und israelfeindliche Einstellungen in vielen Teilen der Welt haben zu einer Stärkung jüdisch-zionistischer Identität geführt. Traditionelle jüdische Werte werden betont, um jüdische Identität, zionistische Ideale und das israelische Nationalbewusstsein zu stärken. Themen wie staatliche Selbstbehauptung, Wahrung der kollektiven Identität und Eingliederung der Neueingewanderten bilden inhaltliche Schwerpunkte jugendpolitischer Arbeit.
TOLERANZ UND DEMOKRATIE
Erziehung zu Toleranz und demokratischen Werten hat in einer Gesellschaft, deren Einwohnerschaft zu einem großen Teil aus Ländern ohne ausgeprägte demokratische Traditionen stammt und die seit Jahrzehnten immer wieder in Notstands- und Kriegssituationen lebt, einen besonders hohen Stellenwert.

Entsprechende Programme zur Demokratieerziehung und Konfliktlösung versuchen, an Bürger- und Menschenrechten orientierte Werte und Einstellungen zu vermitteln, Zivilcourage zu fördern und gegen Vorurteile und rassistische Einstellungen zu wirken. Gegenstand aktueller Programme zum Thema Toleranz und Demokratie ist auch das Spannungsverhältnis zwischen Staat und Religion in Israel, das sich als jüdischer und demokratischer Staat definiert. Dabei geht es um die Frage nach dem zukünftigen Verhältnis von religiösen und nicht-religiösen Bevölkerungsgruppen und Verbänden und Parteien im Land.
BÜRGERSCHAFT UND ENGAGEMENT
Freiwilliges Engagement in sozialen, kulturellen und politischen Organisationen hat in Israel eine stark ausgeprägte Tradition. Ohne ehrenamtliche Arbeit könnten viele sozialpolitischen Projekte und Initiativen nicht existieren. Ein erklärtes Ziel jugendpolitischer Arbeit ist, mehr junge Menschen zu freiwilligem Engagement für ihre Gemeinde, ihre Gesellschaft und ihren Staat zu motivieren. Entsprechende Programme werden von staatlicher Seite stark unterstützt. In vielen gesellschaftlichen Bereichen des Landes finden sich Einsatzstellen für Freiwilligendienste, auch in jüdischen und sozialen Organisationen im Ausland. Durch Erziehungsministerium und Lokalbehörden werden besondere Anstrengungen unternommen, Gruppenleiter/-innen und pädagogische Mitarbeiter/-innen in der Jugendarbeit zu qualifizieren und zu begleiten. Staatliche und nichtstaatliche Bildungseinrichtungen fördern die Aus- und Weiterbildung von Engagierten in der Jugendarbeit.

KRIEG UND FRIEDEN
Menschen in Israel sind vom ersten Tag der Staatsgründung 1948 an bis heute mit Gewalt, Terror und Krieg konfrontiert. Damit verbundene Fragen und Probleme prägen das israelische Alltagsleben. Ein Leben angesichts der potentiellen Möglichkeit eines Kriegs mit Massenvernichtungswaffen und andauernder Terroranschläge bringt besondere pädagogische und jugendpolitische Herausforderungen mit sich. Hoffnung und Sehnsucht nach Frieden werden immer wieder enttäuscht. Mangelnde Perspektiven auf eine grundsätzliche Verbesserung der Situation bringen die Gefahr der Resignation, Verhärtung oder Flucht mit sich. Verschiedene jugendpolitische Programme versuchen, dem entgegenzuwirken und thematisieren Krieg, Terror und den jüdisch-arabischen Konflikt. Sie bemühen sich um ein Verständnis der vielschichtigen Ursachen von Spannungen, um die Entwicklung von Gesprächs- und Streitkulturen und um Verständnis für Kompromisse. Internetgestützte Foren bieten Kindern und Jugendlichen Raum, Ängste, Wut und Zweifel zum Ausdruck zu bringen und untereinander auszutauschen.
ERINNERN UND GEDENKEN
Eine sehr jüdische Form des Gedenkens ist Erinnern durch Forschen und Lehren. Außerhalb der Schulen bemühen sich verschiedene jugendpolitische Einrichtungen um eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart der Geschichte. Bei der Entwicklung eines historischen Bewusstseins und einer eigenen Identität wird der Beschäftigung mit den eigenen familiären und kollektiven Wurzeln große Bedeutung zugemessen. Einen zentralen Stellenwert in der Gedenk- und Erinnerungsarbeit nehmen Geschichte und Folgen des nationalsozialistischen Judenmordes ein. Die SCHOA (Holocaust) wird in den größeren Zusammenhang von Judenfeindschaft und Überlebenskampf in der Geschichte des jüdischen Volkes und Israels eingeordnet. In den vergangenen Jahren ist eine vergleichende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen kollektiven Erinnerungen und Narrativen verschiedener Völker und Nationen hinzugekommen. Eine Herausforderung stellt das Spannungsverhältnis zwischen spezifisch jüdischen und universalen Deutungen der Geschichte dar.
GEWALT UND DROGEN
Gewalt (ALIMUT) gegen Jugendliche, Jugendgewalt und Jugendkriminalität sind in Israel breit diskutierte Themen. Gewalt an Schulen, in Jugendgruppen und in Familien ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Fälle sexuellen Missbrauchs in Institutionen hohen öffentlichen Ansehens wie Armee, Kibbuzbewegung oder religiösen Schulen schockierten in den vergangenen Jahren die Öffentlichkeit. Untersuchungen unter Jugendlichen konstatierten einen dramatischen Anstieg des Drogenmissbrauchs. Jugendpolitik versucht darauf durch breite Aufklärungs- und Informationsarbeit, spezielle Beratungsstellen, Antigewalt-Programme und Schulungsprogramme zu reagieren. Mit Unterstützung verschiedener Ministerien (Erziehung, Gesundheit, Wohlfahrt) betreiben staatliche Institutionen, gemeinnützige Vereine und Stiftungen Beratungs- und Hilfsprojekte für Jugendliche zur Gesundheitsvorsorge und Hilfe in Krankheits- und Notfällen. Besondere Schwerpunkte liegen in der Suchtprävention und Anti-Drogenberatung.
UMWELT UND NATUR
Israelinnen und Israelis fühlen sich traditionell stark mit ihrem Land und der Schönheit der Natur verbunden. Das Prinzip des Lernens in der Natur ist in der Jugendarbeit stark verbreitet und oft verbunden mit Wanderungen und Ausflügen (TIJULIM). Obwohl die Öffentlichkeit heftig auf Umwelt zerstörende Pannen und Skandale reagiert, genießen ökologische und umweltpolitische Fragen im allgemeinen Bewusstsein noch keinen dauerhaft hohen Stellenwert. Das Ministerium für Umweltschutz (MISRAD L’HAGANAT HASSWIWA) arbeitet eng mit dem Dachverband der MATNASSIM und örtlichen Gemeindezentren sowie Natur- und Umweltschutzgruppen zusammen. Seine Erziehungsabteilung kümmert sich um Informations- und Bildungsarbeit im außerschulischen Bereich. In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden arbeiten im Land etwa 40 Erziehungszentren für Umwelt an der Qualifizierung der Lehrerschaft, der Unterstützung von schulischen Lernprogrammen und der Entwicklung von örtlichen Aktivitäten und Veranstaltungen. Dazu gehören Schulwettbewerbe, Jugendwanderungen und Foto- oder Kunstprojekte.
BILDUNG UND ARBEIT
Schulische und berufliche Qualifizierung Jugendlicher und junger Erwachsener sind aktuelle jugendpolitische Schwerpunktthema innerhalb der Arbeitswelt. Dabei geht es vor allem um die Betreuung Jugendlicher aus eingewanderten Familien und Entwicklungsstädten mit einem hohen Anteil von Arbeitslosen. Oftmals handelt es sich um so genannte Schulabbrecher-Jugend (NOAR MENUTAK) ohne schulischen oder beruflichen Ausbildungsabschluss. Das Erziehungsministerium und Bildungsinstitutionen auf regionaler Ebene bieten Fortbildungsmaßnahmen für Pädagog(inn)en an und unterstützen deren berufliche Weiterbildung. Eine Reihe neuer Programme führt Kinder und Jugendliche mit Mitteln des elektronischen Datenaustausches an die praktisch unbegrenzten Lernmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts heran. Dadurch sollen die enorme Kluft zwischen Zentrum und Peripherie innerhalb des Landes verkleinert und die Distanz zwischen Israel und der Welt verringert werden.
In der außerschulischen und schulischen Jugendarbeit werden zu den genannten kinder- und jugendpolitischen Schwerpunktthemen Aktionsprogramme entwickelt. Den Kurzbeschreibungen praktischer Beispiele folgen Links zu Einrichtungen und Institutionen, die sich mit den genannten Themen beschäftigen.
Staatliche nationale Förderung
Staatliche Kinder- und Jugendpolitik in Israel wird durch die jeweils zuständigen Ministerien im Rahmen aktueller politischer Prioritäten und Haushaltvorgaben finanziert. Dem Ministerium für Erziehung (MISRAD HACHINUCH) und dem Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste (MISRAD HAREWACHA WEHASCHERUTIM HACHEWRATI’M) kommen dabei zentrale Aufgaben zu. Vor allem durch sein Amt für Gesellschaft und Jugend (MINHAL CHEWRA WENOAR) unterstützt das Erziehungsministerium in Kooperation mit kommunalen Behörden die Entwicklung von Konzeptionen, Planung, Supervision und Finanzierung von Personal und Sachkosten. Unterstützt wird auch die Ausbildung und Fortbildung von pädagogischen Mitarbeiter(inne)n und Gruppenleiter(inne)n. Eine besonders enge Zusammenarbeit besteht mit den großen Jugendbewegungen (TNUOT NOAR) sowie mit den Zentren für Kultur, Jugend und Sport (MATNASSIM).

Der für das Erziehungsministerium vorgesehene Posten im Gesamthaushalt 2003 hatte eine Höhe von 24,6 Milliarden NIS (9,5 % des Haushaltes), die gesamten nationalen Ausgaben für Erziehung beliefen sich in diesem Jahr auf 44 Milliarden NIS. Im Jahr 2004 machten sie in Israel 8,3 % des Bruttosozialprodukts Israels aus, in den USA 7,6 %, in Dänemark 7,2 %, in Schweden 6,7 % und in Deutschland 5,2 %.
Förderrichtlinien
Im Zusammenhang mit der Finanzierung von Kinder- und Jugendpolitik ist ein Trend zu verstärkter staatlicher Unterstützung von NGO (Nichtregierungsorganisationen) zu beobachten. Das gilt vor allem für die drei großen Bereiche Soziales, Erziehung und Religion. In Zeiten schlechter sozialer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit einschneidenden Haushaltskürzungen scheinen Nichtregierungsorganisationen leichter effektiv und unbürokratisch arbeiten zu können als offizielle Stellen und Behörden. Mit zunehmenden Finanzhilfen für NGO durch die Regierung ist allerdings auch eine stärkere staatliche Einflussnahme auf den jeweiligen Verwendungszweck verbunden.
Seit den 90er Jahren führten verschiedene Urteile des Obersten Gerichtshofes zu einer Reform des Systems staatlicher Finanzierung mit größerer Transparenz und mehr Gleichbehandlung bei der Verteilung öffentlicher Mittel an Nichtregierungsorganisationen. Einige von ihnen hatten wegen mangelnder Chancengleichheit geklagt, weil sie sich gegenüber verschiedenen seit Jahren traditionell staatlich unterstützten Institutionen und Organisationen - wie zum Beispiel der Gesellschaft zum Schutz der Natur oder dem Dachverband der Holocaust-Überlebenden - benachteiligt fühlten. Besonders die mit einer wachsenden politischen Nähe verbundenen Zuwendungen einzelner Ministerien an religiöse Vereinigungen und TORA-Schulen (JESCHIWOT) waren auf Kritik in der Öffentlichkeit gestoßen. Die Regierung erarbeitete daraufhin klarere Vergabekriterien, veröffentlichte ihre jeweiligen Finanzentscheidungen und weitete ihre Förderung auf mehr Bevölkerungsgruppen und gemeinnützige Organisationen aus.
Private und sonstige Finanzierungsquellen
Spender und Sponsoren
Über öffentliche Mittel hinaus wird Kinder- und Jugendarbeit in kommunalen Einrichtungen, gemeinnützigen Vereinen, Initiativen und Jugendverbänden in erheblichem Ausmaß durch Zuwendungen privater philanthropischer Sponsorinnen und Sponsoren unterstützt. Ohne diese nichtstaatliche Förderung wäre ein großer Teil sozialer und politischer Einrichtungen in Israel nicht überlebensfähig. Die meisten Initiativen für jüdisch-arabische Verständigung und Koexistenz zum Beispiel finanzieren sich überwiegend durch Spendengelder aus den USA und Deutschland. An der Schule für Sozialarbeit der Hebräischen Universität in Jerusalem widmet sich ein eigener Forschungsbereich gemeinnützigen Organisationen und ihrer Rolle in der öffentlichen Politik.
Link
www.givingwisely.org.il - Website zu Strukturen und Zusammenhänge zwischen gemeinnützigen Organisationen und Sponsortätigkeiten
Ein erheblicher Anteil der Unterstützung kommt von jüdischen Wohlfahrts-organisationen und ausländischen Stiftungen. Tausende von Unterstützungsgruppen senden jährlich hunderte von Millionen Dollar an eine Vielzahl gemeinnütziger Organisationen in Israel. Nach einer Aufstellung der Bank von Israel über Zuwendungen von jeweils mehr als 5 Millionen Dollar wurden 2002 insgesamt mehr als 927 Millionen Dollar gespendet. Insgesamt sind in Israel etwa 3000 ausländische Stiftungen registriert, dazu kommen schätzungsweise noch einmal 2000 nicht registrierte Vereinigungen. Zum Teil werden Fördermaßnahmen aus dem Ausland durch die Jewish Agency for Israel (HASSOCHNUT HAJEHUDIT L'EREZ ISRAEL) beziehungsweise durch die Zionistische Weltorganisation koordiniert, die in ihrem Jerusalemer Büro eine eigene Abteilung Jugend und Pioniere (NOAR WECHALUZ) zur Förderung jüdischer Jugendarbeit unterhält.
Zuwendungen der etwa 8000 jüdischen Familienstiftungen in den USA fließen zu etwa einem Drittel nach Israel. Kräftige Unterstützung kommt vom Dachverband jüdischer Gemeinden (United Jewish Communities, UJC) in den USA und Kanada. Eine weitere große philanthropische Stiftung in den USA ist die Israel Humanitarian Foundation (IHF).
Stiftungen
Zu den größten in Israel engagierten Stiftungen gehören:
- SACTA-RASHI FOUNDATION (Erziehungs- und Sozialprojekte vor allem im Süden des Landes)
- INTERNATIONAL FELLOWSHIP OF CHRISTIANS AND JEWS (soziale Projekte, Unterstützung von Einwandern und Opfern von Gewalt und Terror)
- YAD HANADIV (öffentliche Bauprojekte, Stipendien und Forschungsprojekte)
- NEW ISRAEL FUND (Projekte für Demokratie, Gleichheit und Menschenrechte)
- AVI CHAI ISRAEL (Projekte zur Verständigung zwischen religiösen und säkularen Juden, Studien- und Ausbildungsprojekte)
- CLORE ISRAEL FOUNDATION (Davidsturm-Museum in Jerusalem, Sozialprojekte und jüdisch-arabische Verständigungsprojekte)
- MARC RICH FOUNDATION FOR EDUCATION, CULTURE AND WELFARE (Museen, Theater, Bildungseinrichtungen)
- RICHARD AND RHODA GOLDMAN FUND (sozialpolitische Projekte, Gemeindezentren, Umweltinitiativen)
- BERACHA FOUNDATION (Umweltschutz, jüdisch-arabische Koexistenz, Theaterprojekte)
Vernetzungen
Ein Trend beim Sponsoring geht in Richtung einer Vernetzung von Firmen und Organisationen, die innovative Wege von Social Sponsoring beschreiten wollen. Zunehmend engagieren sich erfolgreiche israelische Wirtschaftsunternehmen der High-Tech-Branche in gemeinnützigen Projekten besonders für benachteiligte Jugendliche. Ein Beispiel ist das 2001 in Tel Aviv, Boston und Silicon Valley gegründete Israel Venture Network (IVN). Diese Initiative ist ein Verbund israelischer und US-amerikanischer Unternehmen. Ziel ist die kreative und fordernde Unterstützung gemeinnütziger Projekte mit langfristiger positiver Wirkung auf den demokratischen Charakter der israelischen Gesellschaft. Spendenorganisationen nehmen heute gezielter und kontrollierter auf die Verwendung von Spendengeldern Einfluss als traditionelle Unterstützer-Vereinigungen dies in der Vergangenheit getan haben.
Alternatives Umfeld
Eine motivierende und koordinierende Funktion bei der Gründung von Initiativen oder Vereinen und bei der Vermittlung von Spendengeldern und Fördermöglichkeiten hat die Stiftung New Israel Fund (NIF) Sie wurde gegründet, um im Ausland neben den etablierten großen jüdischen Organisationen ein alternatives Fundraising-Umfeld zu etablieren. NIF fördert zahlreiche israelische Projekte, die sich für die Rechte von Frauen und Minderheiten, Pluralismus, Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Die vom NIF im Jahre 1982 gegründete Organisation SCHATIL (Setzling) mit der Zentrale in Washington D.C. und regionalen Büros in Jerusalem, Haifa und Be’erschewa fördert, berät und vernetzt etwa 500 israelische Initiativen und Vereine für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement. Eine weitere Anlaufstelle zur Vermittlung von Spenden- und Sponsorengeldern ist die in Tel Aviv angesiedelte Beratungseinrichtung MATAN (Your Way to Give).
Aktuelle Hilfsprogramme
Als Reaktion auf die aktuelle politische und sozialpolitische Lage in Israel hat in den letzten Jahren die gezielte Unterstützung von Programmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zugenommen. Die United Jewish Communities (UJC) in den USA spendeten 2002 zweckgebunden 20 Millionen US-Dollar für Sicherheitsmaßnahmen (vor allem bewaffnetes Wachpersonal) in israelischen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Die israelische Organisation für Terroropfer SAKA (Hebräisch für: SIHUI KURBANOT ASSON, Identifizierung von Katastrophenopfern) wurde zum Hauptadressat von Zuwendungen der International Fellowship of Christians und Jews (IFCJ).
Personen oder Gruppen, die sich besonders für jüdisch-arabische Verständigung engagieren, werden im hebräischen Slang bisweilen mit skeptischem Unterton Dukis genannt, eine Wortschöpfung aus dem hebräischen Wort für Koexistenz (DUKIJUM). Auch sie werden zu einem bedeutenden Teil von Spendengeldern aus dem Ausland finanziert. Besonders die Stiftung The Abraham Fund Initiatives bemüht sich um eine Vernetzung von Projekten für Koexistenz zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung. Gemeinsam mit dem Citizen Accord Forum betreibt sie die Website Coexistence Organisations Network für über 100 Mitgliedsorganisationen.








