Situation der Kinder und Jugendlichen

Kultur und Lebensformen 
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit  
Kriminalität   
Drogen 

Kultur und Lebensformen

Politische Orientierung
Das Interesse junger Menschen in Israel an einer aktiven Auseinandersetzung mit der Politik hält sich in Grenzen. Von 500 im Jahr 2004 befragten Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren gaben nur 3 % an, sich für Politik „sehr zu interessieren“, 33 % waren „ziemlich interessiert“, 36 % „nicht sonderlich“ interessiert und 28 % „gar nicht interessiert“. Dennoch zeigten sich 89 % über Pläne der Regierung zur ‚Abkopplung’ (HITNATKUT) vom Gasa-Streifen informiert, 36 % unterstützten sie, 41 % waren dagegen, 23 % wollten keine Position beziehen. [Quelle: Jafet, O.: 30 % der Jugend wird alles unternehmen, nicht in Kampfeinheiten zu dienen, Y-net 29.11.04 (hebräisch)]

Unter Jugendlichen haben so genannte ‚linke’ Parteien in den vergangenen Jahren an Unterstützung verloren. Laut einer aktuellen Umfrage ergibt sich eine klare Tendenz zu einer politisch eher ‚rechter’ Orientierung. Durchschnittlich 48 % der Jugendlichen geben an, ihre politische Haltung sei ‚rechts’ oder ‚gemäßigt rechts’, 14 % bezeichnen sich als der ‚Mitte’ zugehörig, 18 % erklären sich als politisch ‚links’ orientiert (7 % als ‚gemäßigt links’ und 11 % als ‚links’). Wenn zwischen säkularen und religiösen Jugendlichen unterschieden wird, sind die Zahlen noch deutlicher. Während sich 34 % der sich als säkular verstehenden Jugendlichen als ‚rechts’ orientiert bezeichnen, macht dies eine absolute Mehrheit von 59 % der sich religiös definierenden Jugendlichen. Weniger als 3 % von ihnen unterstützen die ‚Linke’ oder die ‚gemäßigte Linke’. (Quelle: Kashti, Or, MA’ARIW 9.3.05, zitiert nach: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel, 9.3.05)

Armeedienst
Im Leben und Bewusstsein der meisten Jugendlichen bedeutet der Dienst in der Israelischen Verteidigungsarmee (hebräisches Kürzel: ZAHAL) einen markanten und prägenden Einschnitt, der häufig als Ende der Jugendzeit angesehen wird. Vielen Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten bietet die Militärzeit Chancen für eine gute Ausbildung und eine bessere soziale Integration. Während des Armeedienstes entwickeln sich andauernde enge Freundschaften und Beziehungen. Einen ähnlich prägenden Einfluss haben der Dienst in der vormilitärischen Ausbildungstruppe (GADNA) oder das Engagement in einer der Jugendbewegungen (TNUOT HANOAR) des Landes.

Religiöse Soldaten studieren in HESDER-Einheiten (Israelische Briefmarke)

Nach einer Umfrage der Bar-Ilan-Universität unter angehenden Wehrpflichtigen sind junge Israelinnen und Israelis stark für einen Armeedienst motiviert, 82 % erklären ihre Bereitschaft, Wehrdienst zu leisten (Religiöse: 83 %, Säkulare: 76 %), 60 % der jungen Männer und 35 % der jungen Frauen wollen in Kampfeinheiten dienen. (Quelle: Kashti, Or, MA’ARIW 9.3.05, zitiert nach: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel, 9.3.05)
Die Militärzeit wird für viele aber auch zu einer großen Belastung. Zwischen 30 % und 40 % der Rekrutinnen und Rekruten werden während ihres ersten Dienstjahres zu einer psychologischen Beratungsstelle der Armee geschickt oder bitten selbstständig um entsprechende Hilfe.

Artikel "Zwischen allen Stühlen" zu jungen Wehrdienstverweigerern in: Amnesty Journal 08/09 2009, Seiten 56-59

Terror und Gewalt
Das Alltagsleben israelischer Kinder und Jugendlicher wird stark durch die direkte Konfrontation mit Terror und Gewalt geprägt. Seit Beginn der so genannten ‚2. INTIFADA’ im September 2002 sind über 11 % der israelischen Gesamtbevölkerung direkt von einem Terroranschlag getroffen worden, 22 % sind indirekt durch das Erleben von Freundinnen, Freunden oder Familienangehörigen betroffen. Psychologische Studien der ‚Schule für Sozialarbeit’ an der Universität Tel Aviv von 2004 besagen, dass infolge des Terrors 15 bis 19 % der israelischen Jugendlichen an posttraumatischen Störungen leiden und professionelle Hilfe benötigen. (Quelle: GLOBES Internet Edition 2.12.04)
Nach Untersuchungen an der Universität Bar Ilan fühlt sich ein Viertel von 6000 befragten Kindern und Jugendlichen in ständiger Lebensgefahr. Ein Drittel hat aus Angst vor Terroranschlägen den Verlauf des Schulweges verändert, ein Viertel leidet aufgrund der Sicherheitslage unter Konzentrationsstörungen, 35 % gehen weniger aus dem Haus als früher. [Quelle: Selinger, Assaf: Traumatisierte Schüler, MA’ARIW Internet Edition 3.6.04 (hebräisch)]

Die starken Angst- und Bedrohungsgefühle im Alltagsleben israelischer Jugendlicher werden im Ausland oft nicht verstanden. Ein Beispiel dafür ist die internationale Aufregung über den israelischen Musikbeitrag zum ‚Eurovison Song Contest 2007’. Die nominierte israelische Musikgruppe ‚Teapacks’ stieß auf Unverständnis, weil der Text ihres Liedes „Bush the Button“ die tödliche Bedrohung Israels durch Terroranschläge und Massenvernichtungswaffen thematisierte und Denken und Fühlen vieler junger Menschen in Israel mit ihrer Sehnsucht nach einem Leben in Ruhe und Frieden spiegelte. Die Veranstalter des Schlagerwettbewerbs wollten zuerst den israelischen Beitrag als zu politisch abzulehnen, erlaubten am Ende aber doch die Teilnahme. (Quelle: Frankfurter Rundschau 13.3.07, JÜDISCHE ALLGEMEINE 22.3.07)

Protestbewegungen
Politisch orientierte Jugend- und Protestgruppen reagieren sehr unterschiedlich auf einschneidende gesellschaftspolitische Entwicklungen. Nach der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin 1995 prägte die Generation der trauernden „Kerzenjugend“ (NOAR HANEROT) das öffentliche Bewusstsein, die fest an die Friedens- und Kompromisspolitik der Regierung Rabin geglaubt hatte. Eine andere Protestbewegung hat sich aus wehrpflichtigen „Militärdienst-Verweigerern“ gebildet (SSARBANEJ SCHERUT), die aus politischen Gründen keinen Dienst in den besetzten palästinensischen Gebieten leisten wollen.

Friedensbewegte und Siedleranhänger: Sie versprachen uns Tauben. - Sie versprachen uns Hügel und Berge. (Cartoon: HA’ARETZ 23.10.03)

Dem gegenüber organisiert die so genannte ‚Hügeljugend’ (NOAR HAGIWAOT) Widerstand gegen die staatlich angeordnete Räumung israelischer Siedlungen in seit 1967 besetzten Gebieten. Die Auflösung aller Siedlungen im Gasa-Streifen im Sommer 2005 hat innerhalb der national-religiös orientierten Jugend zu großer Enttäuschung und Verbitterung über die Regierung und das politische „Establishment“ geführt. (Quelle: HA’ARETZ Internet Edition 9.1.07)

Besonders für Kinder und Jugendliche aus den Siedlungen ist die Umsiedlung mit großen Unsicherheiten, Ängsten und Ohnmachtsgefühlen verbunden. Nach Angaben des Erziehungsministeriums lebten in den geräumten Gebieten etwa 2.800 Schülerinnen und Schüler sowie 300 Lehrerinnen und Lehrer. Das Ministerium hat für diese Bevölkerungsgruppe ein spezielles Programm mit entsprechenden Hilfs- und Betreuungsangeboten entwickelt. (Quelle: Israelische Botschaft Berlin, E-Newsletter 6.4.05)

Jugendliche reagieren auf Krisen- und Stresssituationen mit Flucht- oder Verdrängungsstrategien (ESKAPISM). In einer 2004 veröffentlichten Untersuchung schloss fast die Hälfte der befragten hebräischsprachigen Jugendlichen nicht aus, in Zukunft einmal das Land zu verlassen. 30 % gaben an, es tun zu wollen, wenn sie könnten. 14 % wollten es vielleicht tun, 6 % hatten keine Position. 50 % gaben an, das Land nicht verlassen zu wollen. [Quelle: Jafet, O.: 30 % der Jugend wird alles unternehmen, nicht in Kampfeinheiten zu dienen, Y-net 29.11.04 (hebräisch)]

Freizeitgestaltung
Israelinnen und Israelis kommunizieren zu allen Tages- und Nachtzeiten und in allen Lebenslagen per Handy. Mehr als 70 % aller Jugendlichen besitzen eins, 80 % von ihnen versenden regelmäßig SMS. [Quelle:  TGI-Umfrage, in: walla! Internetportal: Jugendliche stärker verbunden und weniger optimistisch (hebräisch), 19.11.02]
Das Internet spielt im Leben vieler Jugendlicher eine überragende Rolle. Im internationalen Vergleich der Stundenzahl, die wöchentlich im Internet verbracht wird, liegt Israel (37,4 Stunden) nach Kanada (39,6 Stunden) auf dem zweiten Platz. Dann folgen Süd-Korea (34 Stunden) und die USA (31,6 Stunden). (Quelle: JÜDISCHE ALLGEMEINE, 22.3.07)

Handydarstellung in Form der typisch israelischen Sabre-Kaktusfrucht (Israelische Briefmarke)

In ihrer Freizeit verbringen viele Jugendliche enorme Zeitspannen vor Bildschirmen. Beliebt ist das gemeinsame Anschauen von Spielfilmen (Fernsehen und Videorekorder), die von 82,3 % der 14 bis 17 Jährigen mindestens einmal in der Woche gesehen werden. 50,3 % dieser Altersgruppe gehen mindestens einmal im Monat ins Kino. Unter jungen Leuten in Israel gehören Fußball und Basketball zu den beliebtesten Sportarten. Von den 14 bis 17 Jährigen betreiben 79 % zumindest gelegentlich Sport. Dazu gehört vor allem Laufen (54 %), Fußball (34 %), Basketball (30 %), Schwimmen (25 %), Body-Building (24 %) und Gymnastik (13 %). 51 % nehmen mindestens einmal im Jahr an einem Sportkurs mit Training teil, 33 % besuchen ein Fußballspiel und 14 % ein Basketballspiel als Zuschauerinnen oder Zuschauer. (Quelle: Central Bureau of Statistics, Entertainment and Sport, Zahlen von 1999)

Religion und Esoterik
In Bezug auf die Entwicklung einer jüdischen Identität ist in den vergangenen Jahren eine zunehmende Religiosität unter Jugendlichen festzustellen. In einer Umfrage aus dem Jahre 2003 gaben 37 % der jüdischen jungen Erwachsenen zwischen 18 und 21 Jahren an, beim Betreten eines Raumes die MESUSA (kleines Kästchen mit Bibelzitat am Türrahmen) zu küssen, in der jüdischen Gesamtbevölkerung sind dies nur 21,9 %. Die Forderung nach Schließung öffentlicher Freizeit- und Unterhaltungseinrichtungen am Ruhetag SCHABBAT wird von 28,3 % der befragten Jugendlichen unterstützt, in der Gesamtbevölkerung sind es nur 21,7 %. Am höchsten jüdischen Feiertag JOM KIPPUR (Versöhnungstag) pflegen 62,1 % zu fasten, in der Gesamtbevölkerung 51,2 %. Nur 30,6 % der Jugendlichen sind der Meinung, Israel sollte sich mehr für westliche Kultur öffnen, in der Gesamtbevölkerung hingegen 41,2 %. (Quelle: Umfrage ‚Teleseker’, zitiert nach: Eldar Akiva, HA’ARETZ Internet Edition 9.1.03)

Sich vom Alltagsstress mit Hilfe von Meditation, Yoga oder Thai-Chi zu entspannen, wird immer beliebter. Die Nachfrage nach entsprechenden Kursen steigt. Immer mehr Läden verkaufen Esoterik- und New Age-Literatur, bieten magische Steine und Amulette an. Buddhismus und fernöstliche Heilmethoden haben Zulauf. Indische Gurus finden vor allem Anhängerschaft unter jungen und säkular eingestellten Israelinnen und Israelis, die auf der Suche nach neuer Spiritualität jenseits traditioneller religiöser Traditionen sind. (Quelle:  Ralf Balke, Meditieren gegen den TERROR, JÜDISCHE ALLGEMEINE Internet Edition 11.12.03)

Sex
Das Durchschnittsalter israelischer Jugendlicher bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr liegt bei 17,1 Jahren (Deutschland: 16,2). (Quelle:  Halali, Jonathan, in: MAARIW, aus: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 13.10.04)
Eine Studie der Ben-Gurion-Universität über Sexualität und Sexualverhalten von Schüler(inne)n der 9. bis 12. Klasse in staatlichen Schulen ergab 2002, das jüdisch-religiöse junge Männer häufiger Geschlechtsverkehr haben als gleichaltrige säkulare. Bei jungen Frauen ist das Gegenteil der Fall. Von den rauchenden Jugendlichen haben 52 % bereits Sex, von den nicht rauchenden erst 15 %. Obwohl sexuell weniger aktiv, haben mehr junge Frauen als Männer Angst vor durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten. Junge Männer befürchteten stärker ungewollte Schwangerschaften. (Quelle: Israelische Botschaft Berlin, E-Newsletter 2.12.02)

Bei jungen Israelinnen und Israelis wächst die Tendenz zu mehr sexueller Enthaltsamkeit. Eine von der Armee durchgeführte Studie ergab 2002, dass 20 Prozent der Rekrutinnen und Rekruten „jungfräulich“ sind und dies bis zu ihrer künftigen Heirat auch bleiben wollen. Im Vergleich zu Daten des Vorjahres stellt dies einen Anstieg um 8 % dar. Im Gegensatz zum Mythos intensiver Beziehungen zwischen Männern und Frauen während der gemeinsamen Armeezeit vermindert sich in diesem Zeitraum die Intensität sexueller Beziehungen stark und hört bisweilen ganz auf. 21 % der Soldaten und 31 % der Soldatinnen gaben an, während des gesamten Jahres vor ihrer Entlassung aus der Armee nicht einmal eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben. Erklärungen für diese Entwicklung könnten sein: der lange und belastende Militärdienst in besetzten palästinensischen Gebieten, verschärfte interne Armeebestimmungen gegen „sexuelle Belästigung“ (HATRADA MINIT) oder ein aus den USA kommender Jugendtrend zu stärkerer sexuellen Enthaltsamkeit. (Quelle: Waffenstreik (hebräisch), MA’ARIW Internet Edition 31.1.03)

Suizid
Laut einer Studie der Universität Tel Aviv hat sich die Rate der Suizid-Fälle unter Jugendlichen von 1995 bis 2004 verdreifacht und ist von 5 auf 14 per 100 000 angestiegen. Die Zahl der insgesamt registrierten Suizidversuche (vorsätzliche Selbstbeschädigung mit Todesfolge) liegt bei insgesamt 3200 bis 3500 jährlich. (Quelle: Sinai, Ruth: Suicide rate steady, despite economic woes, HA’ARETZ Internet Edition 3.7.03)
Die durchschnittliche jährliche Suizid-Rate per 100 000 Einwohner beträgt 8,6 und ist bei Männern dreimal so hoch wie bei Frauen. Innerhalb der israelisch-arabischen Bevölkerung liegt sie mit 3,6 vergleichsweise niedrig (in Deutschland betrug die Suizidrate 2006 10,9 per 100 000, Quelle: Statistisches Bundesamt Destatis, 20.10.08).

13 % der Jugendlichen haben schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sich selbst zu töten, 5 % der Heranwachsenden bereits einen Suizid-Versuch unternommen. Häufigste Hintergründe sind wirtschaftliche und soziale Notlagen oder persönliche Schwierigkeiten von Eingewanderten bei ihrer Eingliederung. [Quelle: Golan, Jehuda: 13 % der Jugendlichen dachten an Selbstmord, MA’ARIW Internet Edition 21.6.04 (hebräisch)]
Ein interner Bericht des Verteidigungsministeriums über Todesfälle in der Armee nennt 2003 zum ersten Mal Suizid als häufigste Todesursache. Im Berichtzeitraum nahmen sich 43 Soldatinnen und Soldaten das Leben, im Jahr davor waren es 31, das stellt einen Anstieg der Suizid-Rate um mehr als 30 % dar (durch Krankheit starben 32, im Gefecht 30 und durch Verkehrsunfälle 27).

Perspektiven
Noch Mitte der 90er Jahre, vor Beginn der so genannten ‚2. INTIFADA’, äußerten sich neun von zehn befragten Israelinnen und Israelis optimistisch in Bezug auf ihre persönlichen Perspektiven und die Zukunft ihres Landes. (Quelle: Ben Simon, Daniel: We have lost optimism, HA’ARETZ Internet Edition 15.9.04)
Der andauernde jüdisch-arabische Konflikt und die schlechte wirtschaftliche Entwicklung der folgenden Jahre führten jedoch zu wachsenden Zukunftsängsten und einer zunehmenden Skepsis in Bezug auf Möglichkeiten einer grundsätzlichen Verbesserung der Situation. Im Herbst 2003 sind 73 % der Gesamtbevölkerung der Ansicht, die junge Generation habe in Israel keine Zukunft, 80 % gehen nicht von einer Verbesserung der Situation in naher Zukunft aus. (Quelle: Plotzker, Sever: Das Jahr des Pessimismus, JEDIOT ACHRONOT 26.9.03, zitiert nach: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 26.9.03)

Der Wunsch nach einem vorübergehenden oder auch ständigen Leben und Arbeiten außerhalb Israels ist ausgeprägt. Das Verhältnis zur israelisch-arabischen Minderheit bleibt distanziert, 70 % betrachten sie als nicht loyal als gegenüber ihrem Staat. (Quelle: Poll: One-third of Israeli youth want to live abroad, Y-net 23.12.07)
In einer Umfrage aus dem Jahr 2008 sehen 52 % der Jugendlichen eine gewisse Gefahr, dass Israel von den arabischen Staaten, dem Iran und dem Islam vernichtet werden könnte, 30 % sehen sogar eine konkrete Gefahr. (Quelle: Umfrage der Anti-Defamation-League, Klieger, Noach: 59% der israelischen Jugendlichen: Es wird keinen Holocaust mehr geben, Ynet 20.5.08)
Junge Israelinnen und Israelis sind heute weniger optimistisch als noch Anfang des Jahrtausends. Gleichzeitig sind sie deutlich patriotischer eingestellt. [Quelle: TGI-Umfrage, in: walla! Internetportal: Jugendliche stärker verbunden und weniger optimistisch (hebräisch), 19.11.02]

Link
www.israel1.org - Eye2Israel (Jugendliche beschreiben ihr Alltagsleben in Israel)

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Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Titelzeile der Tageszeitung JEDIOT ACHRONOT: 92 Prozent der Arbeitgeber verletzen Arbeitnehmerrechte (Grafik: Website OVDIM)

Die Arbeitslosigkeit (AWTALA) in Israel sinkt. Auf dem Höhepunkt der Rezession 2003 betrug die Rate zwischenzeitlich 11 %. Auf Grund des Wirtschaftswachstums lag sie im Januar 2005 mit 9,9 % erstmals seit vier Jahren wieder unter 10 % (Quelle: GLOBES Internet Edition 30.4.06). Ende 2008 lag sie nur noch bei 6,1 %. Das war die niedrigste Rate seit 16 Jahren und entsprach etwa 190 000 Arbeitslosen. In einigen Erwerbszweigen, wie im Low-Tech-Bereich, existiert gar keine Arbeitslosigkeit (Quelle: HA’ARETZ Internet Edition 20.12.07, zitiert nach Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 20.12.07). Allerdings verlangsamte sich 2008 das Wirtschaftswachstum (Quelle: MA’ARIV 18.4.08, zitiert nach Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 18.4.08). Ende 2009 stieg die Rate der Arbeitslosigkeit auf 7,6 % (Quelle: Bank of Israel).

Jugendarbeitslosigkeit in Israel (in Prozent)
Jahr   Insgesamt   Männer   Frauen
1980   13,3            13,4        13,1
1985   17,3            17,8        16,8
1990   22,1            21,0        23,4
2000   17,0            17,1        16,8
2001   18,5            18,6        18,3
(Quelle: Globalis Israel)

In 2006 gab es in Israel insgesammt 346 000 15- bis 17-Jährige. 7,8 % von ihnen arbeiteten und lernten nicht. Unter der arabischen Jugendlichen gab es 13,8 %, die weder arbeiteten noch lernten. Bei den jüdischen Jugendlichen waren es 5,8 % (Quelle: http://hagada.org.il/hagada/html/modules.php?name=News&file=print&sid=6135, basierend auf Data von dem Central Bureau of Statistics, 2006). Die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen lag 2001 bei 18,5 %. 

Links
www.tau.ac.il/~iirra/ - Gesellschaft zur Erforschung von Arbeitsbeziehungen (HA'AGUDA HA’ISRAELIT L'CHEKER JACHASSEI AWODA)
www.kavlaoved.org.il - Hotline für Arbeitsrechte von Israelis, Migranten und Palästinensern (KAF L’OWED)
www.commitment.org.il - Engagement für Frieden und soziale Gerechtigkeit (MECHUJAWUIT - Verpflichtung)
www.movtal.co.il - Internetportal für Arbeitslose (MOVTAL)
www.hilaporat.co.il - Internetportal für Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Welt der Arbeit, OLAM HA’AWODA)
www.ovdim.org - Zentrum für die Rechte von Arbeitnehmenden (OVDIM - Arbeiter)
www.laborers-voice.org - Organisation für Rechte von Arbeitslosen und Familien in der arabischen Bevölkerung (SAWT EL-AMEL)

Wachsende Armut
Arbeitslosigkeit ist eine der Hauptursachen für wachsende Armut und Verschärfung von Einkommensunterschieden. Jeder 5. israelische Bürger und jedes 3. Kind in Israel (inklusive Ost-Jerusalem) lebt unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Aufgrund verschärfter Bewilligungskriterien vermindert sich gleichzeitig die Zahl der Familien mit Kindern, die staatliche Unterstützungszahlungen erhalten (Quelle: Sinai, Ruth: Report: Israeli children getting poorer and more violant as state’s help dries up, HA’ARETZ Internet Edition 28.12.04). International hat Israel mit über 35 % einen vergleichsweise hohen Prozentsatz an Kinderarmut (laut Studie des ‚United Nations Children Fund’, zum Vergleich: Dänemark 2,4 %, Finnland 2,8 %, USA 30,8 %).

Demo gegen Arbeitslosigkeit vor dem Finanzministerium. Foto: Website Kelim Schluwim

2002 waren rund 25 % der israelischen Bevölkerung auf staatliche Unterstützung angewiesen (1968 nur 2 %) (Quelle: Central Bureau of Statistics, zitiert nach Nadav Haezni, MA’ARIV 5.2.03). Rund 300 000 Menschen befinden sich in einer schwereren wirtschaftlichen und finanziellen Notlage. Die Zahl der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Israelinnen und Israelis betrug nach Angaben der ‚Nationalen Versicherungsanstalt’ (BITUACH LE’UMI) 2003 etwa 1,43 Millionen. Dies entsprach 22,4 % der Bevölkerung, darunter 30,8 % der Kinder des Landes (652 000 Kinder) (Quelle: Israeli Ministery of Foreign Affairs, E-Mail-Newsletter 23.11.04). Im Jahresbericht 2007 wird bereits eine Zahl von 1,67 Millionen konstatiert und die Kinderarmut mit 35,8 % beziffert (804 660 Kinder). Die Einkommensgrenze, unterhalb derer von Armut gesprochen wird, liegt in Israel bei 2028 NIS für Einzelpersonen und 3244 NIS für ein Ehepaar, bei einer vierköpfigen Familie bei 5191 NIS [Quelle: Bericht: Anstieg der Zahl armer Familien in Israel, MA’ARIV Internet Edition 14.2.08 (hebräisch), Merav, David / Bengal, Maya: In Würde leben - Der Armutsbericht für 2007, MA’ARIV Internet Edition 15.2.08 (hebräisch)]. Besonders verbreitet ist Armut innerhalb der arabisch-israelischen Bevölkerung, 67 % der Kinder leben dort unterhalb der Armutsgrenze (Quelle: David, Merav: Jugend 2007: ärmer und gewalttätiger, MA’ARIV Internet Edition 30.12.07). Laut der Armutsberichte von 2007 und 2008 des Wohlfahrtsministeriems hat sich von 2007 auf 2008 die Zahl der unterhalb der Armutsgränze lebenden Israelis leicht verändert (1,65 Millionen). Besonders problematisch ist, dass von 420 000 armen Familien 46,3 %  der Familien ein Arbeitskommen haben (Quelle: Maariv Online, http://sports.nrg.co.il/online/1/ART1/815/068.html // http://www.nrg.co.il/online/1/ART1/961/313.html)

Beratungs- und Bildungsprogramme
Andauernde Arbeitslosigkeit bedeutet eine unmittelbare Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Plötzliche Armut stellt für viele Familien eine akute Beeinträchtigung ihrer bisherigen gesellschaftlichen Stellung und eine bisweilen dramatische Gefährdung gewachsener sozialer Beziehungen dar. Für Kinder und Jugendliche entstehen erhebliche psychische Belastungen.

Verschiedene Initiativen und Bildungsprogramme unterstützen daher Eltern, Erzieherinnen und Lehrer bei der Auseinandersetzung mit Arbeitslosigkeit und ihren Folgen. Das Erziehungswissenschaftliche Institut der Universität Haifa veröffentlicht Informationen und Hilfestellungen zum pädagogischen Umgang mit dem Thema Arbeitslosigkeit. Die Abteilung ‚Gesellschaft und Jugend’ (CHEWRA WENOAR) des Erziehungsministeriums veröffentlicht auf ihrer Website ‚AL SEDER HAJOM’ (Auf der Tagesordnung) aktuelles Material zum Umgang mit den Problemen Arbeitslosigkeit und neue Armut.

Links
www.latet.org.il - sozialpolitische Hilfsorganisation mit jährlichem Armutsbericht
www.mifalchaim.org - Unterstützung für Menschen in Armut (Meir Panim Relief Centers)
www.meals4israel.com - Verein zur Unterstützung von ‚Armenküchen’ in Israel
www.tabletotable.org.il - Freiwilligenorganisation für Lebensmittelspenden

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Kriminalität

„Fürsorge und Resozialisierung“ (Broschüre Israelische Gefängnisbehörde 08)

Nach einer von der israelischen Polizei (MISCHTERET ISRAEL) bekannt gegebenen ‚Verbrechensuhr’ kommt es in Israel statistisch gesehen alle 13 Minuten zu einem Einbruch, alle 17 Minuten zu einem Autodiebstahl, alle 7 Stunden zu einer Vergewaltigung (Quelle: YEDIOT ACHARONOT, aus: Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 22.2.05). Wachsende Jugendgewalt und Jugendkriminalität erregen in der Öffentlichkeit immer wieder erhebliches Aufsehen. Gewalttätige Auseinandersetzungen unter Kindern und Jugendlichen nehmen stark zu.

Das Alter der Beteiligten sinkt, Härte und Intensität der Gewalt steigen. Zwischen 1990 und 2004 hat sich die Jugendkriminalität verdoppelt. Im Jahr 2004 stieg die Jugendkriminalität (AWARJANUT NOAR) besonders stark im Schfela-Bezirk an, in der Stadt Modi’in sogar um 70 %. In Rechovot, Modi’in, Ramle, Lod und Rischon LeZion geschah alle 9 Stunden ein Gewaltverbrechen unter Jugendlichen, alle 16 Stunden wird ein Minderjähriger wegen Drogendelikten festgenommen. Der statistische Anstieg der Zahlen erklärt sich zu einem erheblichen Anteil durch Erfolge der Polizeiarbeit in der Verfolgung und Bekämpfung von Verbrechen (Quelle: Azoulay, Yuval: Shfela District: Youth crime in Modi’in rose by 70% in 2004, HA'ARETZ Internet Edition 11.3.05).

In den Jahren 2005 bis 2008 sank die Jugendkriminalität um 10 %. In den Jahren 1990 bis 2004 verfünffachte sich die Zahl der Gewaltverbrechen zwischen Jugendlichen. Zwischen 2005 und 2008 ist die Zahl der Gewaltverbrechen um 10 % gesunken (Quelle: Rede des Ministers für Öffentliche Sicherheit, 12.2.2008)

Im einzigen israelischen Jugendgefängnis ‚Ofek’ sind 2003 insgesamt 114 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren inhaftiert, 20 % von ihnen wegen Sexualdelikten [Quelle: Kriminelle Kinder (hebräisch), in: ‚24 SCHAOT’, Beilage von JEDIOT ACHARONOT 1.12.03, Seite 2, 3 und 8]. Bis zum Jahr 2007 steigt die Zahl der Jugendlichen im Gefängnis auf 192 an (Quelle: Merav, David: Jugend 2007: ärmer und gewalttätiger, MA’ARIV Internet Edition 30.12.07). In Regierung, Polizei und Öffentlichkeit wird kontrovers diskutiert, welche weiteren Maßnahmen und Initiativen gegen Jugendkriminalität ergriffen werden sollten. Dazu gehört auch die Forderung nach einer nächtlichen Ausgangssperre für Jugendliche (Quelle: MA’ARIW Internet Edition 16.2.04)

Link: www.ips.gov.il/shabas - SCHERUT BATEJ HASSOHAR (Gefängnisbehörde)

Das Alter der betroffenen Kinder sinkt, auch 8- und 9-Jährige sind in Diebstahl- und Drogenkriminalität verwickelt. Im Jahr 2004 hat die Jugendkriminalität im Vergleich zum Vorjahr um 16 % zugenommen. Mit etwa 30 % daran liegt der Anteil von Jugendlichen aus Familien von Neu-Eingewanderten (OLIM CHADASCHIM) überproportional hoch, sie stellen 11 % der Gesamtbevölkerung [Quelle: MA’ARIW 12.9.04 (hebräisch)]. Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund leiden besonders häufig unter Identitätskrisen und zerrütteten Familienverhältnissen und haben überdurchschnittlich viele Gewaltprobleme. Ihr Anteil an Jugendlichen, die im Alter von 14 bis 17 Jahren ihre Ausbildung abbrechen (NOAR MENUTAK), liegt zwischen 8 und 29 % (Quelle: Singer, Ronni: Crime climbs among immigrant youth, HA’ARETZ Internet Edition 21.4.03)

Verurteilte jugendliche Straftäter (Anteil der Altersgruppen in % - 2007)
insgesamt jüdische arabische
12 - 13 Jahre0,70,70,9
14 - 15 Jahre 16,216,315,6
16 - 17 Jahre 47,648,246,7
über 18 Jahre 35,434,736,7

(Quelle: Central Bureau of Statistics, Statistical Abstract of Israel 2009, Seite 496)

Gewalt an Schulen
24 % der israelischen Schüler/-innen geben an, bereits Opfer physischer Gewalt geworden zu sein. 10 % der Schülerschaft an Grund- und Mittelschulen fühlen sich unsicher und haben Angst, bestimmte Teile des Schulgeländes zu betreten. 31,7 % sagen aus, schon einmal bestohlen worden zu sein (Quelle: Studie der Hebräischen Universität, in: Tovah Lazaroff, ‘One in 10 pupils feels unsafe’, JERUSALEM POST Internet Edition 16.7.2002). Lehrerverbände rufen aus Protest gegen Gewalt an den Schulen zum Streik auf und fordern einen besseren Schutz vor Angriffen durch Schüler/-innen. Verschiedene Schulen haben damit begonnen, Überwachungskameras zu installieren, zum Teil gegen heftigen Protest von Seiten der Schülerräte (Quelle: Ashkenazi, Eli / Khoury, Jack: Boy stabbed, another arrested in violent day at high schools, HA’ARETZ Internet Edition 3.3.05)

Gewalt stoppen! (Grafik: Website Israel Football Association)

In Bezug auf die Häufigkeit von Vorfällen, in denen Waffen auf dem Schulgelände eine Rolle spielen, liegt Israel an zweiter Stelle hinter den USA [Quelle: Studie der Uni Bar Ilan, in: Israel auf dem 2. Platz bei Waffenträgern in Schulen, HA’ARETZ Internet Edition (hebräisch) 13.5.02].

Eine Langzeitstudie zum Problem von Jugendgewalt und Drogen seit 1994 ergab für das Jahr 2002, dass Israel im internationalen Vergleich von Schüler(inne)n der 6. Klassen (11 Jahre) in Bezug auf die Zahl der Gewalttaten an 7. Stelle und auf die Zahl der Gewaltopfer an 8. Stelle unter 36 Ländern stand. Alarmierend wirkte der statistische Nachweis für 2004, dass gerade unter Mädchen Gewalt, Drogenkonsum und psychische Störungen deutlich zunehmen. Der Anteil von Mädchen in den 10. Klassen und darüber, die sich selbst eine strenge Diät verordnen, ist in Israel höher als in allen anderen untersuchten Ländern [Quelle: Slikoviz, Moran: Studie: Jugendliche werden ‚artiger’, Mädchen gewalttätiger, Y-net 17.11.04 (hebräisch)].

Sexuelle Gewalt
Die Zahl bekannt gewordenen Fälle von Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch an Kindern hat sich in den letzten zehn Jahren insgesamt verdoppelt (Quelle: Merav, David: Jugend 2007: ärmer und gewalttätiger, MA’ARIV Internet Edition 30.12.07). Anzeigen von sexuellen Vergehen durch Minderjährige unter 12 Jahren sind dabei deutlich häufiger geworden. 2001 erhielt die psychologische Beratungsstelle des Erziehungsministeriums SCHEFI 186 Hilferufe wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Minderjährige, 2002 waren es 254, bis November 2003 bereits 477 [Quelle: Gideon Alon: Sexueller Missbrauch von Kindern an Kindern verdoppelt, HA’ARETZ Internet Edition (hebräisch) 26.11.03]. Nach einem Bericht des Erziehungsministeriums aus Anlass der „Erziehungswoche gegen sexuelle Gewalt“ ist die Anzahl der Anzeigen gegen sexuelle Angriffe auf Schüler/-innen im Jahr 2007 um 24 % gestiegen. In 166 Fällen ging es um sexuelle Gewalt durch Erwachsene (2006: 127), in 404 durch Minderjährige (2006: 321).

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Drogen

Alkohol ist eine mörderische Waffe (Poster: Gesellschaft für Alkoholismus-Prävention)

Beruhigungsmittel
Im Jahr 2000 war laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation der prozentuale Anteil von Beruhigungsmittel nehmenden Kindern und Jugendlichen in Israel nach Grönland der zweithöchste in der Welt. 18 % der israelischen 11-jährigen Jungen und 12 % der gleichaltrigen Mädchen gaben an, mindestens einmal im Monat Beruhigungsmittel einzunehmen (Quelle: Sinai, Ruth: Huge rise in child crime since 1995, HA’ARETZ Internet Edition 17.12.00). Nach Statistiken aus dem Jahr 2008 ist der allgemeine Verbrauch an Medikamenten gegen Depression und Angstzustände in den letzen 2 Jahren um 23 % angestiegen (Quelle: Barkan, Noam, YEDIOT ACHRONOT, zitiert nach Medienspiegel, Website der Deutschen Botschaft in Israel 25.6.08)

Tabak
Rauchen stellt in Israel die Todesursache Nr. 1 dar und kostet jährlich 10 000 Menschen das Leben (Quelle: Y-net, Internet-Zeitung 30.11.04). 25 % der israelischen Bevölkerung rauchen regelmäßig (Quelle: 25 % of Israelis smoke regularly, GLOBES Internet Edition 8.5.03). Für die Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren hat eine Untersuchung des israelischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2002 festgestellt, dass 16 % der Frauen und 29 % der Männer rauchen (Quelle: JERUSALEM POST Internet Edition 12.1.03).

In den 6. bis 10. Schulklassen beträgt der Anteil der mindestens einmal täglich rauchenden Schüler/-innen 4,7 %. Davon konsumieren 28 % 15 bis 20 Zigaretten täglich. In der 10. Klasse geben 20 % der Jungen und 9 % der Mädchen an, mindestens einmal pro Woche Wasserpfeife (NARGILA) zu rauchen (Quelle: Reznick, Ran: Health Ministry report: Quarter of all Isaeli adults smoke, HA’ARETZ Internet Edition 2.6.03). Im Jahr 1998 rauchten 18 % der männlichen und 8,3 % der weiblichen Jugendlichen mindestens einmal am Tag. 2002 betrug der Prozentsatz männlicher Jugendlicher nur noch 12,3 %, der Anteil weiblicher war jedoch auf 11 % gestiegen (Quelle: Slikoviz, Moran: Studie: Jugend werden ‚artiger’, Mädchen gewalttätiger, Y-net 17.11.04 (hebräisch)].

Das Durchschnittsalter beim Konsum der ersten Zigarette liegt bei 13 Jahren. Seit 2004 gilt in Israel ein Verbot des Verkaufs von Zigaretten und anderen Tabakerzeugnissen (Wasserpfeifen) an Minderjährige unter 18 Jahren (Quelle: Y-net, Internet-Zeitung 4.8.04). Im gleichen Jahr trat ein neues Gesetz in Kraft, das deutlich sichtbare Warnungen vor den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens auf den Zigarettenpackungen vorschreibt (Quelle: Israelische Botschaft Berlin, E-Mail-Newsletter 30.11.04).

Alkohol
Bis in die 70er Jahre war Alkoholmissbrauch in der israelischen Gesellschaft kein großes Thema. Doch hat sich der Alkoholkonsum inzwischen auf ein international vergleichbares Maß gesteigert und ist Teil der allgemeinen Jugendkultur geworden (Zahlen aus: eurocare, israel-country profile). Auch Jugendliche und Kinder nehmen immer häufiger Alkohol zu sich. In einer Umfrage aus dem Jahr 1998 gaben 40 % der männlichen und 25 % der weiblichen Jugendlichen an, eigene Erfahrungen mit Betrunkensein zu haben, 2002 ist der Anteil der männlichen Jugendlichen auf 36 % gesunden, der der weiblichen auf 32 % gestiegen (Quelle: Umfrage Ausmaß Alkoholgenuss, 2009).

Unter Studierenden konsumieren durchschnittlich 34,2 % regelmäßig Alkohol, 42,5 % gelegentlich. An der Universität Tel Aviv liegt der Anteil von regelmäßig Alkohol trinkenden Studierenden mit 45 % überdurchschnittlich hoch, an zweiter Stelle folgt mit 39 % die Ben Gurion Universität in Be’erschewa. 15 % aller Studenten geben an, unter Einfluss von Alkohol Auto zu fahren [Quelle: Rami Chasuth: ‚Die meisten Studenten machen es’, JEDIOT ACHRONOT 7.12.03, Seite 4 und 5 (hebräisch)].

Vor allem Kinder in Familien, die aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind, trinken Alkohol. Laut einer Studie der israelischen Nationalen Behörde zur Drogenbekämpfung (HARASCHUT HALE’UMIT L’MILCHAMA B’SSAMIM) geben fast 90 % dieser Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren an, innerhalb des letzten Jahres Alkohohl getrunken zu haben. Bei den im Land Geborenen derselben Altergruppe sind es 49 % (Quelle: Brandes, Sabine: Teufel aus der Flasche, Jüdische Allgemeine 8.11.07)

Ratgeber für Eltern: „Wacht auf!“ (Grafik: Israel Anti-Drug Authority)

Drogen
Etwa 5 % der Israelinnen und Israelis nehmen nach einer offiziellen Schätzung zumindest gelegentlich illegale Drogen (SSAMIM). Der Konsum nimmt insgesamt zu. In den frühen 70er bis Mitte der 90er Jahre war Haschisch die meistgenommene Droge. Danach wurde es durch Marihuana fast vollständig vom israelischen Markt verdrängt. Inzwischen ist die Nachfrage nach Haschisch wieder stark angestiegen (Quelle: Informationsblatt ‘Haschisch is back’). Der israelische Polizeichef forderte öffentlich, der Kampf gegen Drogen müsse zur ‚nationalen Priorität’ werden (Quelle: HA’ARETZ Internet Edition 8.9.02, neuere Zahlen in: http://www.antidrugs.gov.il//download/files/?????%20???????%202009_1.doc)

 

Eine Studie der Nationalen Behörde zur Drogenbekämpfung über israelische Studierende löste 2003 einen Schock in der Öffentlichkeit aus. Fast jede oder jeder Dritte (30,4 %) an israelischen Hochschulen hat innerhalb des letzten Jahres illegale Drogen genommen. Im Vergleich zu entsprechenden Zahlen von 1996 ist der Konsum unter Studierenden um 9 % gestiegen. Den höchsten Anteil erreicht die Ben Gurion Universität mit einem Anstieg von 26 % auf 40 %. An den Hochschulen Beit Berl und Emek Jisrael liegt der Prozentsatz ebenfalls bei je 40 %, darauf folgen die Tel Aviv Universität (37 %) das Interdisziplinäre Zentrum in Herzlija (35 %), die Hebräische Universität in Jerusalem (31 %), die Haifa Universität (29 %), das Kibbuz-Seminar (25 %), das Technion in Haifa (24 %), die Hochschule Ariel (18 %), die Bar Ilan Universität (16 %) und die Hochschule Levinsky (14 %). Am weitesten verbreitet unter israelischen Studierenden ist der Gebrauch von Haschisch und Marihuana (27,3 %). Harte Drogen wie Heroin, Kokain, Ecstasy, Opium oder Crack werden von 4,5 % der Studentenschaft genommen [Quelle: Rami Chasuth: ‚Die meisten Studenten machen es’, JEDIOT ACHRONOT 7.12.03, Seite 4 und 5 (hebräisch)].

Unter religiösen Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren werden prozentual mehr harte Drogen genommen als unter säkular orientierten Gleichaltrigen, 6,2 % der religiösen und 5,4 % der säkularen Jugendlichen konsumieren Heroin, LSD oder Ecstasy [Quelle: Dorf für Entzugsbehandlung religiöser drogenabhängiger Jugendlicher gegründet, in: walla! Internetportal 4.12.02 (hebräisch)]. Besonders gefährdet sind Jugendliche, die ohne festen Wohnsitz auf der Straße leben, 70 % von ihnen werden in kurzer Zeit von Alkohol und harten Drogen abhängig (Quelle: Jugend in Israel 2007: ein besorgniserregendes Bild, MA’ARIV Internet Edition 15.4.08  (hebräisch)].

Drogenkonsum durch Studierende (Israel und andere Länder)
Drogen allgemeinHaschisch / Marihuana
Israel (2003)30,4 %27 %
USA (2002)37,0 % 35 %
Kanada (1998)29,6 %29 %
England (1998)-50 %
Spanien (1994) 16,5 %13 %
Polen (2000)46,0 %41 %

(Quelle: Rami Chasuth: ‚Die meisten Studenten machen es’, JEDIOT ACHRONOT 7.12.03, Seite 5 (hebräisch)]

Bei international vergleichenden Angaben über Drogenkonsum unter Studierenden ist zu berücksichtigen, dass Studierende in Israel in der Regel – nach zwei- bis dreijährigem Militärdienst - älter sind und sich in einer anderen Lebensphase befinden.

Schmuggelwege
Im internationalen Drogenhandel insbesondere mit Ecstasy spielen organisierte israelisch-russische Verbrecherbanden eine dominierende Rolle. Sie kontrollieren weitgehend den europäischen Markt und sind auch im nordamerikanischen Drogenhandel sehr einflussreich (Quelle: Guttmann, Nathan: Israelis at center of ecstasy drug trade, HA’ARETZ Internet Edition 6.4.03)]. Pro Jahr werden schätzungsweise 70 Tonnen Heroin ins Land gebracht, 90 % davon aus Ägypten, der Rest aus dem Libanon und zunehmend auch aus Jordanien. Ecstasy und LSD gelangen über See- und Flughäfen ins Land (Quelle: Allgemeine Jüdische WOCHENZEITUNG Internet Edition 7.7.02). Aus dem libanesischen Bekaa-Tal werden durch die islamistische HISBOLLAH großen Mengen Heroins nach Israel geschmuggelt. Die israelische Regierung äußert Sorgen, die israelische Gesellschaft solle durch die Verbreitung harter Drogen gezielt geschwächt werden (Quelle: Günther, Inge: Dealen mit den Israelis, FRANKFURTER RUNDSCHAU 26.3.08).

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