x

Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:

[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen

Bildung und Beschäftigung

Bildung 
Beschäftigung 

Bildung

Schüler/-innen im Klassenzimmer.
Schüler/-innen im Klassenzimmer.Bild: salinger / pixabay.com

In den vergangenen Jahrzehnten wurde das chinesiche Bildungssystem reformiert und eine flächenendeckende Bildung installiert, die durchschnittliche Schulbesuchsquote und –dauer sind seit Jahren ansteigend und die Ausgaben für Bildung wachsen jährlich. In der Tendenz verbessern sich die Schulen auch auf dem Land und die Regierung ist um Chancengleichheit bemüht. Die Zahl der Analphabeten in China ist im Vergleich zu anderen Schwellenländern extrem niedrig. Chinas Alphabetisierungsrate liegt bei 94,3 Prozent, was das Beherrschen von immerhin mindestens 1.500 Schriftzeichen voraussetzt.

Chinas Bildungssystem zeichnet sich durch eine zentralistische Verwaltung aus. Das Ministerium für Erziehung ist die oberste Bildungsbehörde mit nachgeordneten Regionalämtern/-kommissionen in den 31 Provinzen und speziellen Verwaltungszonen. Regionale Selbstverwaltung wird in bestimmten Bereichen zugelassen. 

In China gibt es eine neunjährige Schulpflicht, die die Grund-  und Mittelschule betrifft. Das "Gesetz über die allgemeine Schulpflicht" (nachzulesen auf englisch unter www.edu.cn/20050114/3126820.shtml) ist zum 1. Juli 1986 in Kraft getreten. Bis Ende 2009 ist die neunjährige Schulpflicht bei 99,7% der Bevölkerung durchgeführt. 
Das aktuelle Schulsystem in China ist das Ergebnis umfassender Reformen seit Beginn der Öffnungspolitik in den späten 1970er Jahren. Mit dem "Beschluss über die Reform des Bildungswesens" aus dem Jahre 1985 entstand ein Bildungssystem, das die Kinder mit Vollendung des sechsten Lebensjahres zum Besuch der sechsjährigen Grundschulzeit und dreijährigen Mittelschule verpflichtet. Im Anschluss daran kann die dreijährige Oberstufe gewählt werden, die eine Aufnahmeprüfung voraussetzt. Der Unterricht erfolgt in Ganztagsschulen. Nach erfolgreichem Bestehen der Oberstufe kann man sich für ein Studium entweder an der Universität (im Normalfall vierjährig) oder an der Fachhochschule (zweijährig) entscheiden. Diejenigen, die keine Oberschule besuchen, können auf eine Fachoberschule bzw. auf eine Berufsfachschule gehen. Die Ausbildung dort dauert zwei bis vier Jahre. Danach folgt in der Regel der direkte Einstieg in das Berufsleben.

Im Jahr 2009 hat sich China im Rahmen der PISA-Studie erstmals den internationalen Vergleichstests gestellt, bei denen chinesische Jugendliche gut abschnitten und den europäischen und amerikanischen Kindern vor allem in den Naturwissenschaften oft voraus sind.  Schüler/-innen aus der ostchinesischen Küstenmetropole Shanghai gelten sogar als die besten der Welt.

Repräsentativ sind die Ergebnisse jedoch nicht und Shanghai steht nicht für ganz China. Landesweit wären die Ergebnisse wohl schlechter ausgefallen, denn in China gibt es ein gewaltiges Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land.
Aufgrund der meist schlechteren Einkommenssituation in ländlichen Regionen verlassen viele Kinder, insbesondere Mädchen, die Schule vor Abschluss der gesetzlichen Mindestschulausbildung, um ihre Familien finanziell zu entlasten und beispielsweise auf den Feldern und in der Landwirtschaft zu helfen. Auch der Analphabetismus ist auf dem Land höher als in den städtischen Gebieten. Schulen in den ländlichen Regionen sind zudem meist schlechter ausgestattet und die Gehälter der Lehrkräfte niedriger, was ein Grund für die häufig geringere Bildungsqualität sein mag. Im Nord- und im Südwesten Chinas kommen zudem durch einen Mangel an Schulen und Lehrer(inne)n infrastrukturelle Probleme hinzu, die einen Schulbesuch erschweren.

In den städtischen Gebieten dagegen sind durch den wirtschaftlichen Aufschwung und als Resultat der Ein-Kind-Politik immer mehr gut situierte Familien in der Lage, durch Investitionen in private Bildungseinrichtungen, ihren Kindern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Seit den frühen 1990er Jahren bildete sich in den Städten ein breiter privater Bildungsmarkt heraus und Privatschulen entstanden auf allen Ebenen des Bildungssystems, von der Vorschuleinrichtung bis zur Hochschule. Ein Trend hin zu Privatschulen zeichnet sich ab.

Dabei nimmt der Bildungsbereich einen besonderen Stellenwert innerhalb der Schwerpunktthemen ein. In den letzten Jahren hat die chinesische Regierung zunehmend finanzielle Mittel in das Bildungssystem investiert, um die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in China zu erhöhen. Zum einen soll der Anteil derjenigen Schüler/-innen, die die neunjährige Grund- und Mittelschule erfolgreich absolvieren, erhöht werden. Zum anderen sollen mehr Jugendliche die Möglichkeit erhalten, weitergehende Schulen zu besuchen. Daneben wurde die berufliche (Aus-)Bildung ausgebaut. 

Eines der größten und bekanntesten Bildungsprojekte ist das "Projekt Hoffnung", das seit 1989 Schulabbrecher/-innen in armen Gebieten Chinas unterstützt, in die Schule zurückzukehren, um zumindest einen Grundschulabschluss zu erwerben. Es wird von der Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend getragen. Bis 2004 ist es gelungen, mehr als 2,7 Milliarden Yuan an Spendengeldern für das Projekt einzuwerben und damit rund 2,75 Millionen Kindern die Möglichkeit zu geben, weiter zur Schule zu gehen. Insgesamt wurden rund 10 000 Grundschulen in ländlichen Gebieten gebaut, Mini-Bibliotheken eingerichtet und weitere Schulen mit modernem Equipment ausgestattet. 

Darüber hinaus hat die Stiftung den "Stars of Hope Award Fund" eingerichtet, über den herausragende Schüler/-innen des Projekts Hoffnung unterstützt werden. Mit einem weiteren Fonds wird die Weiterbildung von Grundschullehrer(inne)n im ländlichen China gefördert. Daneben führt der Allchinesische Frauenverband (All-China Women’s Federation) das so genannte "Knospen-Programm" durch, dass die Unterstützung speziell von Mädchen zum Ziel hat.

Der Jugendentwicklungsplan (2016-2025) weist beim Thema Bildung darauf hin, dass das Bildungsrecht der Jugendlichen noch besser durchgesetzt werden und die Differenzen in der grundlegenden öffentlichen Bildung schrittweise ausgeglichen werden sollen, damit die Bildungschancen gerechter werden. Die Arbeitskräfte, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, haben im Durchschnitt eine schulische Erziehung bzw. Bildung von 13,5 Jahren genossen, welche auch die Berufs- und Hochschulausbildung einschließt. Die Bruttoimmatrikulationsquote Chinas nach der Hochschulaufnahmeprüfung muss über 50% liegen. Der Jugendentwicklungsplan sieht viele Entwicklungsmaßnahmen vor, z.B. die Verteilung der Bildungsressourcen muss wissenschaftlich basiert sein. Die Politik soll außerdem dafür sorgen, dass die Bildungsrechte der Kinder bäuerlicher Wanderarbeiter, welche in Städten leben, besser gewährleistet werden, so dass sie in den Städten ihre Schulpflicht erfüllen und an Prüfungen der weiterführenden Schulen teilnehmen können.
Quelle: Jugendentwicklungsplan (2016-2025) (in Chinesisch)

Informationen zum Bildungssystem in China unter www.bildung-weltweit.de

nach oben

Beschäftigung

Junge Frau auf Fahrrad im Straßenverkehr.
Junge Frau auf Fahrrad im Straßenverkehr.Bild: hitesh0141 /piaxabay.com

Offene Arbeitslosigkeit ist in China ein relativ neues Phänomen. Verursacht wird sie zum einen durch das Bevölkerungswachstum, das dafür sorgt, dass jedes Jahr zehn Millionen neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt strömen. Zum anderen gab es in der Planwirtschaft einen hohen Arbeitskräfteüberschuss im Staatssektor und in der Landwirtschaft, der durch den Wandel zur Marktwirtschaft abgebaut wurde und viele Chines(inn)en "freisetzte". Trotz eines hohen Wirtschaftswachstums konnten nicht ausreichend neue Arbeitsplätze geschaffen werden, um der Flut von Arbeitsuchenden zu begegnen. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote in städtischen Gebieten offiziell bei etwa 4,1% (Stand 2013). Von Arbeitsmarkexperten wird die seit Jahren recht stabile Quote von etwa 4% allerdings mit Vorsicht betrachtet. Die Arbeitslosenquote der ländlichen Gebiete ist nicht bekannt. Sie wird als deutlich höher eingeschätzt.

Aufgrund der schwierigen Lage hat die Zahl der Arbeitsmigrant(inn)en, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Städte gezogen sind, bereits die 150 Millionen überschritten. Schätzungen gehen davon aus, dass noch einmal mindestens 150 Millionen "überschüssige Arbeitskräfte" auf dem Land leben, die keine Arbeit haben oder unterbeschäftigt sind. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird davon ausgegangen, dass der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung in den nächsten 10 bis 20 Jahren noch weiter ansteigen wird (und damit auch das Missverhältnis zwischen Arbeitskräften und den zur Verfügung stehenden Arbeitsstellen) bis sich Chinas Altersstruktur und damit die Arbeitsmarktsituation grundlegend ändern wird (s.u. Demographischer Wandel).

Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind Jugendliche und junge Erwachsene unter 35 Jahren. Laut Angaben des chinesischen Ministeriums für Arbeit und soziale Sicherheit machen sie mit 70% den größten Anteil unter den Arbeitslosen aus.Bildung und Beschäftigung

Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein Problem der schlechter qualifizierten Personen, sondern zunehmend auch von Hochschulabsolvent(inn)en. Im Zuge massiver Investitionen in das Hochschulwesen ist die Zahl der Universitätsabsolvent(inn)en stark angestiegen: Hatten im Jahr 1998 noch nur 830 000 Chines(inn)en einen Hochschulabschluss in der Tasche, zählte China 2010 schon sechs Millionen Akademiker/-innen.Bildung und Beschäftigung Die Zahl hat sich in zwölf Jahren mehr als versiebenfacht. So schnell hält der Arbeitsmarkt jedoch nicht mit, er kann die Akademiker-Schwemme noch nicht aufnehmen. Viele Hochschulabsolvent(inn)en finden deshalb keinen Job oder nur einen Arbeitsplatz, der weit unter ihrer Qualifikation liegt. Jedoch hat die Generation der heute 20- bis 30-Jährigen, die in der Zeit der wirtschaftlichen Reformen aufgewachsen ist, hohe Erwartungen bezüglich materiellem Wohlstands und Aufstiegschancen. Entsprechend zurückhaltend sind die Hochschulabsolvent(inn)en, wenn sie einfache oder niedrig bezahlte Jobs annehmen sollen.

Fragt man die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst, so beschreiben sie sich als konfus und gestresst, halten sich aber auch für eine Generation, die in Geborgenheit und ohne Enttäuschungen aufgewachsen ist. Sie sind stolz und ehrgeizig. Während ihre Fähigkeit zur Selbstdarstellung meist sehr stark entwickelt ist und sie über ein großes Selbstwertgefühl verfügen, fehlt es vielen gleichzeitig an politischen oder religiösen Überzeugungen. Neben Erfolg im Beruf legen sie großen Wert darauf, das Leben zu genießen.

Gleichzeitig macht sich der Druck der sich verschärfenden Arbeitsmarktsituation bei vielen Jugendlichen bemerkbar. Sie stehen unter großem Lern- und Erwartungsdruck und anders als vorangegangene Generationen müssen sie sich selbst um eine Wohnung und ihren Arbeitsplatz kümmern. Dieser ständige Druck zeigt bereits Auswirkungen. Studien zeigen, dass psychische Probleme (Depressionen, Selbstmordgedanken) unter Jugendlichen zunehmen. Hierzu auch "Psychische Gesundheit" im Kapitel Gesundheit und Wohlbefinden.

Als ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sieht der Staat die Förderung des Unternehmertums unter Jugendlichen an. Sie gilt als wichtiges Instrument zur Entwicklung der Wirtschaft und der Beschäftigungsförderung. Die staatlichen Behörden und chinesischen Jugendorganisationen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Anstrengungen unternommen, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gründung eines eigenen Unternehmens zu unterstützen. So wurden zahlreiche Programme und Projekte durchgeführt, die sich sowohl an entlassene junge Arbeiter/-innen als auch an Hochschulabsolvent(inn)en richteten. – Weitere Informationen hierzu im Kapitel Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen > Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme.

nach oben

Demographischer Wandel

Seit mehr als 30 Jahren gilt in China die Ein-Kind-Politik. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die chinesische Bevölkerung von einer jungen zu einer alten Gesellschaft gewandelt. Das bedeutet, dass auch China mittelfristig mit einer Überalterung der Gesellschaft zu kämpfen haben wird. Laut Prognosen wird der Anteil der Über-60-jährigen an der Bevölkerung im Jahr 2050 bei rund einem Drittel liegen, das bedeutet, 438 Millionen Menschen über 60, davon 100 Millionen über 80 Jahre.

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung verändert sich relativ schnell, der Anteil der älteren Beschäftigten nimmt in den nächsten Jahrzehnten stark zu, weniger jüngere Arbeitskräfte kommen nach. Der Arbeitsmarkt, der sich in der Vergangenheit durch ein großes Arbeitskräfteangebot ausgezeichnet hat, wandelt sich dahingehend, dass in Teilbereichen ein zunehmender Arbeitskräftemangel auszumachen ist. Bereits heute können Unternehmen nicht mehr ohne Weiteres ihren Arbeitskräftebedarf decken.

Somit steht China vor neuen Herausforderungen, die nicht nur die Arbeitsmarktpolitik betreffen.  Die sozialen Sicherungssysteme sind schlecht auf die gesellschaftliche Alterung vorbereitet und der Großteil der Chines(inn)en verfügt über keine oder nur über eine kleine Altersabsicherung. Traditionell ist die Versorgung und Pflege der Eltern Aufgabe der Kinder. Aber dieses familiäre Unterstützungssystem wird aufgrund des demographischen und gesellschaftlichen Wandels brüchig.

 

Quellen: