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Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Für die Kooperation mit anderen Ländern im Jugendbereich ist der Allchinesische Jugendverband verantwortlich. Alle internationalen Maßnahmen werden dabei von einer speziellen Abteilung durchgeführt. Im Jahr 2005 fanden Austauschprojekte mit 250 Organisationen und Regierungsstellen in über 130 Ländern statt. – Für weitere Informationen zum Allchinesischen Jugendverband siehe das Kapitel Kinder- und jugendpolitische Strukturen.

Die im chinesischen Bildungsministerium (www.moe.edu.cn) angesiedelte Abteilung für internationale Zusammenarbeit und internationalen Austausch ist für die Kooperation mit anderen Ländern und internationalen Organisationen im Bildungsbereich zuständig. 

Das chinesische Jugendzentrum für Internationalen Austausch (China Youth Center for International Exchange - CYCIE) ist eine Untergliederung des Allchinesischen Jugendverbands. Die Institution widmet sich dem Austausch im Kultur- und Bildungsbereich zwischen China und anderen Teilen der Welt. Des Weiteren bietet CYCIE Schulungsmöglichkeiten für junge Berufstätige aus dem In- und Ausland an. In 25 Jahren hat das CYCIE nach eigenen Angaben 4000 Vertreter/-innen des Allchinesischen Jugendverbands sowie junge chinesische Fachkräfte ins Ausland entsendet und hunderte von ausländischen Delegationen und Gruppen empfangen. Mehr als 20 000 in- und ausländische Teilnehmer/-innen haben die angebotenen Trainings und Seminare wahrgenommen. Auf dem 70 000 Quadratmeter großen Gelände in Peking befinden darüber hinaus auch die Internationale Jugenduniversität (International Youth University), Appartements für ausländische Studierende und die Beijing World Youth Academy.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von national tätigen Organisationen und Verbänden, die internationale Jugendarbeit fördern:

Zusammenarbeit mit Deutschland

Bundeskanzlerin Merkel am 14. Oktober 2008 beim Treffen mit 400 chinesischen Jugendlichen in Berlin - Foto: IJAB
Bundeskanzlerin Merkel am 14. Oktober 2008 beim Treffen mit 400 chinesischen Jugendlichen in Berlin - Foto: IJAB

Im Bereich der Jugendpolitik besteht die Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China seit dem Jahre 2006. Sie beruht auf einer Vereinbarung, die anlässlich des Besuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Deutschland 2006 unterzeichnet wurde. Partner der Vereinbarung sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Allchinesische Jugendverband der Volksrepublik China, der seitens der chinesischen Regierung mit der Wahrnehmung jugendspezifischer Aufgaben betraut ist.

Ziele der Zusammenarbeit sind

  • die Förderung der gegenseitigen Verständigung, Freundschaft und Zusammenarbeit,
  • die Stärkung der Freundschaft zwischen jungen Menschen beider Länder,
  • die Festigung der Zusammenarbeit im Bereich der Jugendhilfe. 

Im Zentrum der Kooperation steht neben dem Austausch von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe und von Vertreter(inne)n von Jugendverbänden und -organisationen vor allem der Erfahrungsaustausch im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Zu diesem Zweck wird neben einem regelmäßigen Delegationsaustausch auf Regierungsebene auch ein jährlicher Fachkräfteaustausch zu aktuellen Themen der Jugendhilfe durchgeführt.

Auf deutscher Seite realisiert IJAB im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Fachkräfteaustausch. Die finanzielle Unterstützung von Austauschmaßnahmen für Fachkräfte der Jugendhilfe und Jugendgruppen mit China erfolgt im Rahmen der Richtlinien des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP). Mehr Informationen zu der Kooperation finden Sie unter www.ijab.de/china/.

Deutsch-chinesisches Willkommensplakat für die erste Gruppe von 100 deutschen Jugendlichen bei ihrem Besuch in China - Foto: IJAB
Deutsch-chinesisches Willkommensplakat für die erste Gruppe von 100 deutschen Jugendlichen bei ihrem Besuch in China - Foto: IJAB

Beeindruckender Startpunkt der Kooperation im Jugendbereich war ein gegenseitiger Austausch von jeweils 400 deutschen und chinesischen Jugendlichen. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte anlässlich seines Staatsbesuches in Deutschland im Jahr 2006 eine Einladung an 400 deutsche Jugendliche nach China ausgesprochen, deren Aufenthalt in den Jahren 2007 und 2008 IJAB im Auftrag des BMFSFJ in vier Gruppen organisierte. Bei zwei dieser 100er-Delegationen geschah dies in Kooperation mit der Deutschen Sportjugend sowie dem Pädagogischen Austauschdienst. Die Gegeneinladung an 400 chinesische Jugendliche durch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Besuch in Deutschland wurde im Oktober 2008 realisiert. 

Nach diesen beiden Jugendaustauschprogrammen konzentriert man sich seitdem (2009) auf den Fachkräfteaustausch.

Auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe finden Sie in der Projektdatenbank (Stichwort "China" im Suchfeld) eine Liste mit Projekten und Austauschprogrammen, die mit Jugendlichen und/oder Fachkräften zwischen Deutschland und China stattgefunden haben und durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert wurden. Dort erfahren Sie auch etwas zu den Trägern und den chinesischen Partnern.

Deutsch-Chinesisches Jahr für Schüler- und Jugendaustausch 2016
Mit einer Zeremonie in Peking in der Großen Halle des Volkes eröffneten der damalige Bundespräsident Gauck und Staatspräsident Xi Jinping am 21. März 2016 gemeinsam das „Deutsch-Chinesische Jahr für Schüler- und Jugendaustausch 2016“.
Unter dem Motto „Austausch, Freundschaft, Zukunft” sollten junge Chinesen und Deutsche dazu angeregt und ermutigt werden, das jeweils andere Land besser kennen und verstehen zu lernen. Angesprochen sind sowohl Schüler- und Jugendliche, Studierende und Nachwuchswissenschaftler sowie junge Berufstätige.
Weitere Informationen beim Auswärtigen Amt / Deutsche Vertretungen in China


Gruppe von deutschen Jugendlichen bei einem Austausch in China im Juli 2007 - Foto: IJAB
Gruppe von deutschen Jugendlichen bei einem Austausch in China im Juli 2007 - Foto: IJAB

Alle Organisationen bestätigen für die letzten Jahre eine zunehmende Nachfrage nach Schulaufenthalten bzw. Freiwilligendienstprogrammen in China bzw. in Deutschland und sehen ein großes Potential für die weitere Entwicklung des deutsch-chinesischen Austauschs. Sie planen deshalb, ihre Aktivitäten in diesem Bereich zu verstärken. Als Gründe für die größere Nachfrage nach Chinaaufenthalten auf deutscher Seite wird angeführt, dass die Jugendlichen stärker für das Land sensibilisiert sind und darüber hinaus immer mehr Schulen Chinesischunterricht anbieten.

Des Weiteren entstehen immer mehr Partnerschaften von Schulen und Universitäten in Deutschland und China. Eine Auswahl an Beispielen guter Praxis von deutsch-chinesischen Schulpartnerschaften findet sich in einer Broschüre der Kultusministerkonferenz. Download

Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Viele Fahnen am Strand.
Viele Fahnen am Strand.Bild: SoleneC1 / pixabay.com

Der Allchinesische Jugendverband arbeitet mit zahlreichen Ländern zusammen. Seine Kooperationspartner sind dabei über die gesamte Welt verteilt: Nachbarländer wie Japan, die Mongolei und Russland, südasiatische Staaten, sozialistische Staaten wie Kuba, Nordkorea und Vietnam, Länder in Afrika und Lateinamerika sowie die USA, Australien und Europa. Die Art der Zusammenarbeit reicht von Delegationsbesuchen über Jugend- und Fachkräfteaustausche bis hin zu Trainings und Programmen für junge (politische) Führungskräfte.

Das Jugendaustauschprogramm mit Japan, das in den letzten 20 Jahren aufgebaut wurde, ist besonders intensiv. Auf der Grundlage eines bilateralen Abkommens reisen jedes Jahr rund 100 junge Japaner/-innen und 100 junge Chines(inn)en ins jeweils andere Land, um sich über dessen Politik, Wirtschaft und soziale Entwicklung zu informieren und sich mit jungen Leuten ihrer Altersgruppe auszutauschen. Seit 1987 konnten rund 2000 junge Chines(inn)en an diesem Austauschprogramm teilnehmen.

In den letzten Jahren hat China großen Wert auf den Ausbau der Zusammenarbeit mit westeuropäischen Ländern gelegt. Neben Deutschland (2006/2007) wurde auch mit Frankreich (2006) und Großbritannien (2008/2009) ein Austausch von je 400 Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt. Diesen Austauschen ging jeweils die Unterzeichnung eines Abkommens über die künftige Zusammenarbeit im Jugendbereich voran. Jugendaustauschprogramme mit europäischen Ländern existieren seit den 1980er Jahren, blieben aber in einem kleineren und weniger offiziellen Rahmen.

Weitere Informationen zu den internationalen Aktivitäten des Allchinesischen Jugendverbands finden sich auf dessen Homepage unter www.acyf.org.cn.

Weitere national tätige Organisationen, die internationale Jugendarbeit fördern:

Mobilität

Reisen ist in China ein relativ neues Phänomen. In maoistischen Zeiten galten Reisen zu Vergnügungszwecken als sinnlose und verschwenderische Aktivität und wurden politisch als potentiell gefährlich angesehen. Zudem benötigte man auch für Fernreisen innerhalb des Landes eine Erlaubnis. In den 1980ern öffnete die Regierung die Wege für Reisen nach Hongkong, Macao und andere asiatische Länder mit engen ethnischen Verbindungen zu China. 1997 wurden Auslandsreisen zu touristischen Zwecken offiziell anerkannt. Allerdings ist es chinesischen Tourist(inn)en offiziell nur erlaubt, in solche Länder zu reisen, die mit der Volksrepublik China einen Approved Destination Status Agreement, (ADS - genehmigter Zielstatus) unterzeichnet haben. Mit den meisten Ländern der Europäischen Union wurden solche Abkommen 2003/2004 abgeschlossen. Seit dem Jahr 2013 haben weltweit 146 Länder ein solches bilaterales ADS Abkommen mit China unterzeichnet. Eine Liste der ADS-Länder finden Sie unter chinacontact.org/information/approved-destination-status-ads-policyhttp://chinacontact.org/information/approved-destination-status-ads-policy.

Bis in die 1980er Jahre war die Tourismusbranche fast ausschließlich auf ausländische Tourist(inn)en ausgerichtet. Mit ihren Eltern in den Ferien zu verreisen, war für Kinder und Jugendliche in China nicht üblich. Doch mit der Erhöhung des Lebensstandards seit Ende der 1980er Jahre, der Einführung der Fünf-Tage-Woche im Jahr 1995 und der drei arbeitsfreien "Goldenen Wochen" im Jahr 2000 begann der Binnentourismus in China zu boomen. Allein die erste Maiwoche nutzen jährlich fast 150 Millionen Menschen zum Reisen.

Das Investitionsverhalten chinesischer Eltern bezüglich der Bildung ihrer Kinder wird größtenteils vom Phänomen der Einzelkinder, dem auf Prüfung orientierten Bildungssystem und den starken Druck auf dem Arbeitsmarkt bestimmt. Das Reisen verbinden in den Augen vieler Lernen und Vergnügen auf gelungene Weise miteinander. Solange die Eltern finanziell in der Lage sind, investieren sie deshalb gern in Reisen aller Art für ihre Kinder.  Trotzdem kann man noch nicht behaupten, dass Ferienreisen für Familien in China üblich seien, denn nur die Familien aus der Mittel- und Oberschicht können sich dieses leisten. Die meisten Kinder und Jugendliche verbringen ihre Ferien vor Ort in den Kommunen, wo sie Ferienkurse besuchen, die ihre Eltern für sie gebucht haben, zum Beispiel Musik-, Mal-, Tanz- oder Englischkurse. 

Familien, die sich das Reisen leisten können, verreisen meist am Ersten-Mai-Fest, den Nationalfeiertagen im Oktober oder in den Sommerferien. Beliebteste bzw. typische Ziele sind meist touristische Attraktionen innerhalb von China, wobei die Nordchinesen gerne nach Süden und die Südchinesen gerne nach Norden verreisen. Auslandsreisen mit Kindern sind sehr selten. Statistiken zeigen, dass die Mehrheit der Chines(inn)en, die ins Ausland reisen, jünger als 35 Jahre ist. 18% sind zwischen 15 und 24 Jahre alt, 39% zwischen 25 und 34 Jahre. Der Anteil der über 35-Jährigen macht insgesamt 22% aus.

Junge Frau schaut aus Zugfenster.
Junge Frau schaut aus Zugfenster.Bild: christels / pixabay.com

Organisierte Kinder- und Jugendreisen befinden sich seit einigen Jahren auf Aufschwung. Eine attraktive Form davon ist das Sommercamp (xia ling ying). Die meisten Veranstalter sind professionelle Reiseveranstalter und Reisebüros, aber auch Schulen und Jugendorganisationen organisieren solche Ferienlager. Die Inhalte der Sommercamps sind vielfältig und reichen von Sport- und Naturangeboten über Kunst- und Sprachangeboten bis zu Angeboten im Bereich Wissenschaft, Technik, Militär und Rechtlehre. 

Seitdem der Staatsrat die "Planungsskizze zur Entwicklung des Roten Tourismus 2004-2010" veröffentlichte, in der 30 typische Routen für den Roten Tourismus bekannt gegeben wurden, sind auch Sommercamps mit dem Motiv "Rote Reise" gefragt. Die Reiserouten sind meist wichtige Orte der Revolution, Schlachtorte während des antijapanischen Kriegs, bedeutsame Orte für die Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas, der ehemalige Arbeits- und Wohnort von Mao Zedong, Orte des Langen Marschs der Roten Armee oder Museen und Ausstellungen zur revolutionären Geschichte. Darüber hinaus sind auch Sommercamps mit militärischem Motiv sind sehr gefragt: Dort sollen 7-14-jährige Kinder durch gezieltes Training ihre Disziplin, soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Ausdauer, Durchhaltensvermögen sowie ihre Problemlösungsfähigkeit steigern. 

Doch der Sommercamp-Markt in China ist nicht ohne Probleme: Er ist stark von kommerziellen Zwecken geprägt und die Preise nicht besonders günstig. Zielgruppen sind daher nur gut situierte Familien. Zudem werden nicht immer pädagogische Fachkräfte als Betreuer/-innen eingesetzt und es fehlt an einem Kontrollsystem und an Qualitätsstandards. Ob die versprochenen pädagogischen Ziele immer erreicht werden können, bleibt daher fraglich.

 

Quellen:

Hinweis: Dieses Kapitel wurde von Dr. Wei Zhang verfasst.