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Kultur und Kreativität

Flying Dragon
Flying DragonBild: © Chonlapoom Banharn / fotolia.com

Die Grundlinien der allgemeinen Bildung Chinas werden meist mit vier Begriffen zusammengefasst: moralische Erziehung (de yu), intellektuelle Erziehung (zhi yu), physische Erziehung (ti yu) und ästhetische Erziehung (mei yu). In den Bereich der kulturellen Bildung fallen dabei die moralische und die ästhetische Erziehung.

Kulturelle Bildung im Sinne der Erziehung zur traditionellen chinesischen Kultur in engerem Sinne
Für die Formulierung "Erziehung zur traditionellen chinesischen Kultur" existiert keine einheitliche Definition. Parallel werden auch Begriffe wie moralische Erziehung, kultureller Aufbau, Aufbau der geistigen Zivilisation, Qualitätserziehung und Guoxue-Erziehung (Erziehung zu den traditionellen Werten und der traditionellen Kultur Chinas) verwendet. Damit ist gemeint die Vermittlung und Erziehung der traditionellen Werte und Normen Chinas, in deren Mittelpunkt die Wiederbelebung des konfuzianischen Gedankenguts steht. 

Die primäre Quelle für Konfuzius' Lehre Lunyu wird wieder gelehrt bzw. diskutiert. Hintergrund hierfür ist die große gesellschaftliche und politische Herausforderung der Transformation von der Planwirtschaft zur sozialistischen Marktwirtschaft. Dadurch entstand eine Lücke im chinesischen Wertesystem, die bei vielen Jugendlichen zu einem Verlust der Orientierung führte. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, versucht die Regierung nun, die traditionellen Werte und Normen wiederzubeleben und den Aspekt der moralischen Erziehung zu verstärken. 

Im Februar 2004 verabschiedeten der Staatsrat und die Zentrale der Kommunistischen Partei Chinas die "Vorschläge zur Verstärkung und Verbesserung des ideologischen moralischen Aufbaus bei den Minderjährigen". Infolgedessen haben landesweit zahlreiche Kampagnen und Projekte sowohl im schulischen als auch in außerschulischen Bereich stattgefunden. So initiierten das Bildungsministerium, das Zentrale Büro für den Aufbau der geistigen Zivilisation, die Zentrale der Kommunistischen Jugendliga sowie der Allchinesische Frauenverband im März 2008 die Kampagne "Moralische praktische Aktivitäten" mit dem Thema "Ein moralischer Mensch werden". Folgende Inhalte bzw. moralische Werte sollen den Minderjährigen dabei durch ihr eigenes Tun vermittelt werden: 

  • In der Familie: Kampagne "Pietätvoll sein gegenüber Eltern" - Unterstützung bei der Haushaltsarbeit, Verständnis und Dankbarkeit gegenüber den Eltern, Fürsorge für die Eltern, sparsamer Umgang mit Geld. 
  • In der Schule: Kampagne "Harmonische Schule" - Respekt gegenüber den Lehrkräften, Höflichkeit und Ritual, gegenseitige Hilfe und Unterstützung unter den Schüler(inne)n, Hilfsbereitschaft, aktive Mitwirkung bei schulischen Aktivitäten, sorgfältige Bewältigung der Hausaufgaben, liebevolle Behandlung von kollektivem Eigentum, Stärkung des Teamgeists. 
  • In der Gesellschaft: Kampagne "Liebevolles Herz" - Hilfe und Unterstützung in Seniorenwohnheimen und Wohlfahrtseinrichtungen sowie Unterstützung von allein stehenden alten Menschen, Behinderten oder Angehörigen gefallener Soldaten; Kampagne "Kleiner freiwilliger Helfer in Kommunen" - Aktive Mitwirkung beim Aufbau der Kommunen, Umweltschutz, gemeinnützige Aktivitäten; Kampagne "Kleine/-r Botschafter/-in der Zivilisation" - Höfliches Verhalten beim Umgang mit anderen Menschen und im Internet. 

Kulturelle Bildung und Erziehung in China im weiteren Sinne
Die kulturelle Bildung und Erziehung Chinas im weiteren Sinne ist vielfältig und inhaltlich sehr reich. Wie anfangs erwähnt, ist ästhetische Erziehung ein Bestandteil der allgemeinen Bildung Chinas. Im Rahmen der 9-jährigen Schulpflicht soll der Unterricht in diesem Bereich nach den Richtlinien des Bildungsministeriums 9-11% des Gesamtunterrichts ausmachen (etwa 850 bis 1050 Unterrichtsstunden). Dabei konzentriert sich der Unterricht in der Grund- und Mittelschule vor allem auf Musik und Malen. 

Neben dem allgemeinen Bildungssystem spielen zahlreiche Kunst- und Musikschulen auf nationaler Ebene, Provinz- und Stadtebene eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von kultureller Bildung. Vor dem Hintergrund der Stärkung der traditionellen chinesischen Kultur arrangieren sich auch immer mehr zivilgesellschaftliche Organisationen, wie beispielsweise die Vereinigung zur Erziehung der chinesischen nationalen Kultur und Kunst. 

Darüber hinaus gibt es in fast jeder Stadt Kulturzentren für Jugendliche. Ein konkretes Beispiel wäre der 2006 gegründete erste Stützpunkt zur Erziehung der chinesischen nationalen Kultur und Kunst für Jugendliche in Peking. Über 20 Programme werden dort durch Musik- und Kunstexpert(inn)en angeboten, z.B. Scherenschnitt, Keramik, Teekunst für Kinder, Peking-Oper, Kalligraphie, Malen, Holzschnitt, traditionelle chinesische Musik oder traditionelle chinesische Schneidereikunst.

Ein weiteres Beispiel für eine Kampagne im Bereich der kulturellen Bildung ist das erste Pekinger Jugendtheaterfestival, welches im September 2008 stattfand und von der Pekinger Kulturvereinigung, der Pekinger Vereinigung der Theaterkünstler/-innen, dem Nationaltheater sowie von einigen jungen Regisseur(inn)en ins Leben gerufen wurde. Die elf aufgeführten Theaterstücke beschäftigten sich meist mit dem Leben der heutigen Jugend, der so genannten 80er-Generation Chinas. Titel waren zum Beispiel "8008", "Leave before getting old" (Geh, bevor du alt wirst) oder "An empty space" (Ein leerer Platz).

Ein etwas älteres Beispiel für eine Kampagne im Bereich der kulturellen Bildung ist die Jugendkulturkampagne, die 2004 vom Allchinesischen Jugendverband sowie anderen relevanten Ministerien und Institutionen ins Leben gerufen wurde. Die Kampagne umfasste die folgenden fünf Aspekte:

  • Förderung einer positiven und fortgeschrittenen Jugendkultur,
  • Umsetzung von farbenfrohen Jugendkulturaktivitäten,
  • Erstellung und Verbreitung von schönen Jugendkulturprodukten,
  • Entdeckung und Förderung von jungen Talenten,
  • Entwicklung von Unternehmen und Industrie im Bereich der Jugendkultur.

Spezifische Aktivitäten im Rahmen der Kampagne sind beispielsweise das Jugendkonzert im Gedenken an den 85. Jahrestag der Bewegung des vierten Mai, die Jugendkulturwoche Chinas, die Jugendlesewoche Chinas, die Jugendmodewoche China und das China Youth Joyful Festival. Desweiteren wurde auch ein nationaler Jugendwettbewerb im SMS-Schreiben veranstaltet. Auf lokaler Ebene mobilisierten Jugendverbände im Rahmen der Kampagne zudem Jugendliche, sich an kulturellen Aktivitäten auf dem Uni-Campus, in Unternehmen und Dörfern oder im Internet zu beteiligen.

Weitere Beispiele für Jugendprogramme im Kulturbereich:

  • Projekt zur Förderung des Rezitierens klassischer chinesische Gedichte - Das Projekt soll die Wertschätzung der traditionellen chinesischen Kultur unter Jugendlichen fördern.
  • Jugendbuchprogramm des 21. Jahrhunderts – Das 1998 gestartete Programm hat zum Ziel, möglichst vielen Jugendlichen den Zugang zu Büchern und damit zum Lesen zu eröffnen. Im Rahmen des Programms wurden beispielsweise Leseklubs sowie Kinder- und Jugendbibliotheken eingerichtet.

 

Quellen:

Hinweis: Dieses Kapitel wurde von Dr. Wei Zhang verfasst.