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Kinder mit roten Fahnen.
Kinder mit roten Fahnen.Bild: BM10777 / pixabay.com

Jugendverbandsarbeit

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Da sich die Rolle und der Stellenwert von nicht-staatlichen Organisationen in Deutshcland und in China stark unterscheidet, können deutsche Vorstellungen von Jugendverbänden nicht einfach mit Jugendorganisationen in China gleichgesetzt werden.

In China waren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im westlichen Sinne bis in die 1980er Jahre hinein verboten. Stattdessen gab es die parteinahen Massenorganisationen. Auch heute bilden diese Massenorganisationen noch einen wichtigen Bestandteil der chinesischen Politik, da sie als "Transmissionsriemen" zwischen Partei und Gesellschaft fungieren. Es gibt rund 2000 nationale Massenorganisationen, darunter etwa 200, die Geldzuweisungen vom Staat erhalten. Unter diesen 200 Organisationen erfreuen sich der Allchinesische Gewerkschaftsbund, der Allchinesische Frauenverband und - für den Jugendbereich - die Kommunistische Jugendliga eines speziellen politischen Status, der ihnen recht großen Einfluss auf die Gesellschaft gewährt.

Mit dem Wandel des politischen Klimas hat sich der NGO-Sektor in China recht schnell entwickelt. Dabei entstanden auch Organisationen, die nach chinesischem Verständnis als NGO betrachtet werden, aus westlicher Sicht aber zu staatsnah sind und deshalb häufig als GONGOs (Government-Organised NGOs) bezeichnet werden. Dazu wird beispielsweise auch die Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend gezählt (siehe Kapitel Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen ). Daneben entwickelten sich in den letzten Jahren viele Organisationen, vor allem auf lokaler Ebene, die von engagierten Bürger(inne)n gegründet wurden (grassroots organisations) und gerade auch Jugendliche ansprechen.

Kommunistische Jugendliga
Die größte und einflussreichste Jugendorganisation Chinas ist die Kommunistische Jugendliga (China Youth Connection, http://en.youth.cn). Sie wurde 1920 als Sozialistische Jugendliga gegründet und erhielt nach mehreren Namensänderungen 1957 ihren heutigen Namen. Sie ist der Jugendverband der Kommunistischen Partei Chinas, in dem rund 75 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 14 und 28 Jahren Mitglied sind. Die Kommunistische Jugendliga war ursprünglich eine Eliteorganisation, welche die Nachwuchskräfte bzw. zukünftigen Führungskräfte der Kommunistischen Partei Chinas vorbereitete. Somit waren anfangs die "fortschrittlichen" Jugendlichen ihre Hauptzielgruppe. Heute zählen jedoch auch benachteiligte Jugendliche zu ihrer Zielgruppe.

Laut ihrer Satzung verfolgt die Kommunistische Jugendliga unter anderem folgende Ziele: 

  • Umsetzung der Grundsätze der Kommunistischen Partei,
  • die jungen Menschen in China zu vereinen und sie bei der Befolgung der vier Kardinalprinzipien der Kommunistischen Partei anzuleiten,
  • Förderung der Entwicklung produktiver Kräfte und des sozialen Fortschritts sowie 
  • Heranziehung von Nachwuchs für die Kommunistische Partei Chinas. 

Die Kommunistische Jugendliga unterstützt nach eigenen Angaben das Programm der Kommunistischen Partei und gründet ihr Handeln auf den Marxismus-Leninismus, die Gedanken Mao Zedongs und die Theorien Deng Xiaopings. Dabei besteht eine enge Verbindung zwischen der Kommunistischen Jugendliga und ihrer "Erwachsenenorganisation". Viele Führungspersonen in der Kommunistischen Partei und der chinesischen Regierung hatten zuvor einen Führungsposten in der Jugendliga inne, unter ihnen auch der derzeitige chinesische Staatspräsident Hu Jintao. Jedoch spielt die Kommunistische Jugendliga nicht mehr die Rolle im politischen System der Volksrepublik China, die sie noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts innehatte.

Die Kommunistische Jugendliga verfügt über eine vertikale Organisationsstruktur: Auf nationaler Ebene gibt es die Zentrale in Peking, auf der Provinz-, der Stadt- und der lokalen Ebene sind Basisorganisationen in Form von "Komitees der Jugendliga" in ganz China organisiert. Die Strukturen der Kommunistischen Jugendliga sind sowohl in Schulen und Hochschulen als auch in Betrieben fest angesiedelt, das heißt die "Komitees der Jugendliga" sind sowohl ins Bildungssystem als auch in fast jeder Berufsbranche verankert. 

Höchstes Entscheidungsgremium der Kommunistischen Jugendliga ist der Nationalkongress, der alle fünf Jahre tagt. Zwischen den Sitzungen übernimmt das vom Nationalkongress gewählte Zentralkomitee die Beschlussfassung und gestaltet die Arbeit der Liga. Zur Wahrnehmung der verschiedenen Aufgaben unterhält die Liga eine Geschäftsstelle. Zwischen der Kommunistischen Jugendliga und dem Allchinesischen Jugendverband besteht eine enge Verflechtung - Siehe hierzu auch das Kapitel Kinder- und jugendpolitische Strukturen.

Junge Pioniere
Die nationale Kinderorganisation Chinas sind die Jungen Pioniere. Es handelt sich dabei um eine Massenbewegung, die sich an Kinder zwischen 7 und 14 Jahren richtet und von der Kommunistischen Jugendliga geleitet wird. Jedes Kind in dem entsprechenden Alter ist automatisch Mitglied der Organisation. Die Jungen Pioniere sind das chinesische Pendant der Pionierbewegungen, die in vielen anderen kommunistischen Ländern existieren oder existierten. Kennzeichen der Jungen Pioniere Chinas ist ein rotes Tuch, das um den Hals gebunden wird.

Die Jungen Pioniere spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation von außerschulischen Aktivitäten für Kinder. Ihre Hauptfunktion ist es, Kinder zur Teilnahme an Gemeinschaftsaktivitäten und -diensten zu motivieren. Allerdings sehen viele Schüler/-innen und Eltern "die Mitgliedschaft [bei den jungen Pionieren] als unvermeidliche Formalität an oder aber als Gelegenheit zu mehr oder weniger unterhaltsamen Gruppenaktivitäten." (Quelle: Heilmann, Sebastian: Das politische System der Volksrepublik China. Wiesbaden, 2004. S.83.)

Der Verband ist sehr stark strukturiert. Jede Schule bzw. jedes Dorf verfügt über eine Brigade, die wiederum in Schwadronen und Gruppen unterteilt ist. Die Schwadronen korrespondieren in der Regel mit einer Schulklasse, die Gruppen setzen sich aus etwa fünf Schüler(inne)n zusammen. Landesweit gibt es rund 530 000 Brigaden und 15 Millionen Schwadronen. Die erwachsenen Gruppenleiter/-innen stammen entweder aus der Kommunistischen Jugendliga oder der lokalen Lehrerschaft. Höchstes Entscheidungsgremium der Jungen Pioniere ist das Nationalkomitee, das alle fünf Jahre tagt.

Überregionale Jugendverbände 

Neben der Kommunistischen Jugendliga sind derzeit 15 weitere landesweite Jugendorganisationen im Allchinesischen Jugendverband Mitglied:

  • der Allchinesische Studierendenverband (All-China Students’ Federation – ACSF) 
  • die Chinesische Gesellschaft für Jugendkriminalitätsforschung (Chinese Society for Juvenile Delinquency Research – CSJDR) 
  • die Chinesische Gesellschaft für Jugendstudien (Chinese Society for Juvenile Studies - CSJS) 
  • die Chinesische Jugendgesellschaft zur Förderung der Industriellen Entwicklung (Chinese Youth Society for Promoting Industrial Development – CYSPID) 
  • der Chinesische Jugendverband für Netzwerkentwicklung (Chinese Youth Association for Network Development – CYAND) 
  • der Chinesische Verband Junger Arbeiter/-innen in Wissenschaft und Technologie (Chinese Association of Young Science and Technology Workers - CAYSTW) 
  • der Chinesische Verband Junger Freiwilliger (Chinese Young Volunteers Association - CYVA) 
  • der Chinesische Verband Junger Städtischer Unternehmer/-innen (Chinese Association of Young Township Entrepreneurs - CYTE) 
  • der Chinesische Verband Junger Unternehmer/-innen (Chinese Association of Young Entrepreneurs – CAYE) 
  • der Chinesische Verband von Instituten der Jugendarbeit (Chinese Association of Youth Work Institutes – CAYWI) 
  • der Chinesische Christliche Verein Junger Frauen (Chinese Association of YWCAs
  • der Chinesische Christliche Verein Junger Menschen (Chinese Association of YMCAs
  • der Jugendpresseverband Chinas (China Youth Press Association – CYPA
  • der Hauptverband Junger Herausgeber/-innen und Journalist(inn)en (Capital Youth Association of Editors and Journalists – CYAEJ) 
  • der Verband Nationaler Jugendzentren/-paläste Chinas (China National Youth Palace Association – CNYPA) 

Zu einigen der aufgeführten Verbände sind auf der Website der China Youth Connection Kurzbeschreibungen auf Englisch zu finden.

Quellen:

  • "GONGOs" are here to stay, but need to reform and open up", in China Development Brief vom 19. April 2008.
  • Datong, Li: China's Youth League faction: incubus of power? (letzter Zugriff 14. Mai 2014)
  • Heilmann, Sebastian: Das politische System der Volksrepublik China. Wiesbaden, 2004. S.83.

Offene (Öffentliche) Jugendarbeit

Die Konzepte von Jugendarbeit in China und Deutschland sind nicht gleichzusetzen. In China spielt die Schule eine zentrale Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen und die Ganztagsschule strukturiert deren Alltag. Aufgaben der non-formalen Bildung werden häufig von Schule übernommen und außerschulische Angebote werden im Kontext von Schulen organisiert. Viele Schulen sind damit überlastet. Der Ausbau des außerschulischen  Angebots steht daher zunehmend im Fokus u.a. auch um junge Menschen zu motivieren, beispielsweise durch freiwilliges Engagement, Verantwortung zu übernehmen.

Darüber hinaus gibt es spezielle Einrichtungen für außerschulische Bildungsangebote. In China gibt es in fast jeder Gemeinde mindestens eine Freizeiteinrichtung für junge Leute. Vor allem die Jugendpaläste in den Großstädten spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation von außerschulischen Aktivitäten im Bereich Kunst, Musik, Literatur und Sport insbesondere an Wochenenden und in den Ferien. Zu den vom Allchinesischen Jugendverband (ACJV) betriebenen Einrichtungen gehören etwa 5000 Jugendpaläste, 1800 städtische und 4000 kommunale Jugendzentren, die Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten sowie mit ihren Angeboten der Entwicklung gesellschaftlicher Werte junger Menschen, der Erziehung und der kulturellen Bildung dienen. Es stehen auch Sozialarbeiter zur Verfügung. In den Städten entstehen riesige moderne Komplexe mit Räumlichkeiten für Aktivitäten in den Bereichen Kunst, Musik, Sport etc.. Die Zielgruppe dieser Jugendpaläste sind 14- bis 35-Jährige.

Im außerschulischen Bildungsbereich liegen die Schwerpunkte des ACJV im Bereich des Ausbaus des Kultur- und Freizeitangebots für junge Menschen sowie auf der sozialen Seite der Bildung. Kommerzielle Organisationen bieten in den Ferien bzw. an den Wochenenden Sommer- und Wintercamps sowie Nachhilfekurse und Hausaufgabenbetreuung an. (Zu den Sommercamps siehe auch in der Rubrik Internationale Jugendarbeit und Mobilität.)

Jugendinformation

Zwei Jugendliche mit Handy.
Zwei Jugendliche mit Handy.Bild: tookapic / pixabay.com

Struktur der Jugendinformation
Bis Anfang der 1980er Jahre erhielten Jugendliche in China Informationen zu Themen wie Berufswahl und Aufklärung hauptsächlich auf zwei Wegen: 

  • über die Kommunistische Jugendliga und ihre Basisorgane auf Provinz-, Stadt- und Stadtteilebene sowie in jeder Schule und Hochschule; 
  • über das danwei-System. 

Beim danwei-System handelt es sich um die Arbeitseinheiten, in denen die Bevölkerung zur Zeit der Planwirtschaftszeit organisiert war. Die danwei waren nicht nur Produktionseinheit, sondern fungierten auch als soziale Gemeinde, politisches Gefüge und Lebensgemeinschaft. Im Zuge der Reform der Arbeitsorganisation hat das danwei-System allmählich an Bedeutung verloren, während gleichzeitig die Kommunen (she qu) bzw. die kommunalen Dienste eine immer wichtigere Rolle spielen. 

Vor diesem Hintergrund versucht die Kommunistische Jugendliga seit einigen Jahren, Jugendpaläste auf kommunaler Ebene aufzubauen. Seit 2003/2004 entstanden zahlreiche Jugendpaläste in den städtischen und ländlichen Kommunen. Sie verfügen zwar offiziell über einen nicht-staatlichen Status, unterliegen jedoch der Leitung und Aufsicht der Kommunistischen Jugendliga.

Die von den Jugendpalästen angebotenen Programme gliedern sich in folgende Bereiche: Schutz der Jugendrechte, Jugendaktivitäten (Sport und Kultur) sowie Information und Beratung.

Spezifische Aufklärung zu Fragen der Gesundheit, Drogen und HIV/AIDS erhalten die Jugendlichen zudem bei den Basisorganen des Gesundheitsministeriums, des Allchinesischen Frauenverbandes, des Ministeriums für Zivilangelegenheiten sowie bei zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (in China auch als Grasswurzelorganisation bezeichnet).

Mit dem zunehmendem Problem der Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolvent(inn)en und Wanderarbeiter(inne)n spielt seit einigen Jahren die Informationen und Beratung über Berufswahl, Praktika und Existenzgründung für Jugendliche eine immer größere Rolle. Im Februar 2009 hat die Kommunistische Jugendliga in Peking deshalb das Beratungsprogramm "Informationen über Praktikumsplätze und -stützpunkte für Jugendliche" gestartet. Zielgruppen sind Hochschulabsolvent(inn)en sowie arbeitslose Jugendliche und junge Wanderarbeiter/-innen. Unter anderem wurde eine Online- und Telefonberatung eingerichtet, die Informationen und Beratung über 260 Praktikumsstützpunkte und 6300 Praktikumsplätze für Jugendliche anbietet.

Der Allchinesische Jugendverband verfügt mit der China Youth Press und der China Children Publishing and Press Group über zwei Verlagshäuser, über die er Zeitungen und Magazine herausgibt, darunter die Tageszeitung China Youth Daily mit einer täglichen Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren und das Magazin China Youth mit einer monatlichen Auflage von 400 000 Exemplaren.

Ebenso wie in Deutschland ist der Umgang mit dem Internet für junge Menschen eine Selbstverständlichkeit und aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. In den meisten Gegenden Chinas hat das Internet bei Jugendlichen Fernsehen und Zeitungen als beliebtestes Medium verdrängt.

Es gibt aber nur wenige Webseiten, die speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnittene Informationen anbieten. Diese Lücke schließt die Jugendwebseite, die der ACJV unter en.youth.cn betreibt. Die Seite wurde 1999 gegründet und ist zu 100 % von der chinesischen Regierung finanziert. Die Webseite fördert auch den Kontakt und die Kommunikation chinesischer Studierender mit anderen Studierenden weltweit – 7 % sind internationale Nutzer. So gibt es auch eine englische und eine französische Version, die sich in den Inhalten und Informationen jedoch von der chinesischen Version unterscheidet. Die Webseite wurde insbesondere auch für die Netzwerkbildung im Rahmen des Europäisch-Chinesischen Jahrs der Jugend 2011 genutzt. Bislang bietet die Webseite lediglich Informationen an, der Ausbau zu einer interpersonellen Kommunikationsplattform ist geplant.

Internationale Kooperationen
Im Jahr 2007 haben das Medieninstitut der Qinghua-Universität in China und die Agentur für Wirtschaftsnachrichten in Japan gemeinsam eine Onlinestudie über den Umgang von chinesischen und japanischen Jugendlichen mit Medien durchgeführt. 1200 Jugendliche im Alter von 20 bis 29 Jahren in Peking, Shanghai, Tokio und Osaka wurden dafür online befragt. Laut den Ergebnissen dieser Studie ist das Internet das am stärksten genutzte Medium chinesischer Jugendlicher. Durchschnittlich verbringen sie etwa fünf Stunden pro Tag im World Wide Web. Andere häufig genutzte Medien sind das Handy, der Fernseher und Zeitungen. Das Fazit dieser Untersuchung lautet: Der Abhängigkeitsgrad chinesischer Jugendlicher von Internet und Handy ist höher als der japanischer Jugendlicher. Darüber hinaus hat die Studie gezeigt, dass chinesische Jugendliche ein zu hohes Vertrauen in Internetinformationen setzen. Die Förderung der Medienkompetenz und der Schutz vor den negativen Wirkungen der neuen Medien werden deshalb als eine große Herausforderung für die Zukunft gesehen.

Quellen:

  • Cui, Baoguo; Wang, Shirong: "Untersuchungsbericht über die Situation der Mediennutzung der Jugendlichen in China und Japan", in: Medien Journalist 10/2007. (chinesischsprachige Quelle)
  • Zhang, Wei: Sozialwesen in China. Hamburg, 2005. S.52ff.
  • http://www.bjyouth.gov.cn/gzdt/246733.shtml (Abruf: 16. Februar 2009)

Hinweis: Dieses Kapitel wurde von Dr. Wei Zhang verfasst.