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Bildung und Beschäftigung

Bildung
Beschäftigung

Bildung

Informationen zum Bildungssystem in Finnland unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen (EURYPEDIA, https://webgate.ec.europa.eu/fpfis/mwikis/eurydice/index.php/Finland:Overview).

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Beschäftigung

Obwohl Finnland wiederholt als Sieger aus der Pisa-Studie hervorging, ist Jugendarbeitslosigkeit ein ernsthaftes Problem. Im März 2014 lag die saisonbereinigte Jugendarbeitslosenquote (Altersgruppe der unter 25-Jährigen) bei 20,5% (Quelle: www.dnet.at). In Finnland war die Jugendarbeitslosigkeit früher besonders hoch. Nach der Jahrtausendwende hat sich die Jugendbeschäftigungssituation deutlich verbessert und auch die Langzeitarbeitslosigkeit unter Jugendlichen ging zurück. Von Jobsuchenden werden zunehmend mehr Flexibilität und Mobilität erwartet sowie Computer- und Sprachkenntnisse und Teamfähigkeit. Die meisten frischgebackenen Akademikerinnen und Akademiker müssen wie in anderen europäischen Ländern auch ihre berufliche Karriere in Projekten oder anderen befristeten Stellen beginnen, was vielfach zu finanziellen Engpässen führt.

Die meisten Arbeitsämter in den Großstädten haben eine Abteilung, die sich speziell an junge Leute richtet, die auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder einem Arbeitsplatz sind. Kommunen sind zur Planung und Errichtung von sektorübergreifenden Youth Guidance and Service Networks verpflichtet, um Koordinierungsmechanismen zu schaffen. Diese Netzwerke setzen sich zusammen aus Vertretern der Bereiche Bildung, Sozial- und Gesundheitswesen, Verwaltung, Arbeitsmarkt, Polizei und arbeiten ebenfalls mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zusammen.  

Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat man seit den Neunzigerjahren die berufliche Ausbildung verstärkt, mehr Lehrstellen geschaffen und so genannte Jugendwerkstätten (Nuorten työpajat) eingerichtet. Diese bieten Ausbildung, Arbeit und andere Aktivitäten für arbeitslose Jugendliche über einen Zeitraum von sechs Monaten an. Inzwischen gibt es Jugendwerkstätten in der Hälfte der finnischen Kommunen, also in rund 200 Gemeinden. Arbeitsschwerpunkte der Werkstätten sind:

  • Unterstützung der berufliche Ausbildung,
  • Ermunterung junger Menschen zur Gründung einer eigenen Firma,
  • Einrichtung von Werkstätten bei Berufsschulinstitutionen,
  • Förderung von Aktivitäten zur Ausbildung von Meister(inne)n,
  • Entwicklung von Jugendwerkstätten im Rahmen von Jugendaktivitäten,
  • Vorbeugung von Ausgrenzung. 

2005 nahmen 7050 unter 29-jährige junge Leute an Programmen in diesen Werkstätten teil. 66% von ihnen erhielten nach der Werkstattperiode einen Arbeits- oder einen Ausbildungsplatz oder beteiligten sich an sonstigen Maßnahmen. Arbeitslosenunterstützung gibt es nur für Jugendliche, die genügend Engagement nachweisen können. 

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben sich die Jugendwerkstätten erheblich weiterentwickelt. Ihre Tätigkeit zählt laut Regierungsprogramm zum festen Bestandteil der Dienstleistungen des öffentlichen Sektors für Jugendliche. 2011 nahmen schon über 13000 junge Menschen daran teil, von denen 75% erfolgreich in Arbeit, Ausbildung oder andere Aktivitäten weitervermittelt werden konnten. Die Jugendwerkstätten werden vom Arbeitsministerium, vom Unterrichtsministerium, von den Gemeinden und aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert.

Seit der Jahrtausendwende hat sich auch die Einstellung jungen Finn(inn)en zu Arbeitslosigkeit und sozialer Sicherheit drastisch geändert. Arbeitslosigkeit wird von vielen nicht länger als Makel betrachtet. Nur ein Fünftel der 15- bis 24-Jährigen ist der Ansicht, dass man sich deshalb schämen müsse. Immer weniger Jugendliche denken auch, dass Arbeitslosigkeit auf persönliche Fehler zurückzuführen ist und dass soziale Sicherungssysteme Leute passiv werden lassen.

Zu Jahresbeginn 2013 setzte Finnland die sogenannte "Jugendgarantie" um, deren Einführung Ende 2012 von der Europäischen Kommission im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit beschlossen wurde. Die Jugendgarantie garantiert allen Jugendlichen unter 25 Jahren und Hochschulabsolvent(inn)en unter 20 Jahren innerhalb von drei Monaten nach Anmeldung ihrer Arbeitslosigkeit einen Arbeitsplatz, ein Praktikum oder eine Aus- bzw. Weiterbildung. Die Einführung der Jugendgarantie hat die Jugendarbeitslosigkeit in Finnland nachweislich verringert und verhindert durch das direkte Einschreiten zudem Nachfolgeeffekte der Jugendarbeitslosigkeit. 

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