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Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich - Finnland

Hier gibt's Infos zu den Aktionsfeldern im Kinder- und Jugendbereich in Finnland. Mehr lesen unter 

Bildung und Beschäftigung

Bildung
Beschäftigung

Bildung

Informationen zum Bildungssystem in Finnland unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen (EURYPEDIA, https://webgate.ec.europa.eu/fpfis/mwikis/eurydice/index.php/Finland:Overview).

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Beschäftigung

Obwohl Finnland wiederholt als Sieger aus der Pisa-Studie hervorging, ist Jugendarbeitslosigkeit ein ernsthaftes Problem. Im März 2014 lag die saisonbereinigte Jugendarbeitslosenquote (Altersgruppe der unter 25-Jährigen) bei 20,5% (Quelle: www.dnet.at). In Finnland war die Jugendarbeitslosigkeit früher besonders hoch. Nach der Jahrtausendwende hat sich die Jugendbeschäftigungssituation deutlich verbessert und auch die Langzeitarbeitslosigkeit unter Jugendlichen ging zurück. Von Jobsuchenden werden zunehmend mehr Flexibilität und Mobilität erwartet sowie Computer- und Sprachkenntnisse und Teamfähigkeit. Die meisten frischgebackenen Akademikerinnen und Akademiker müssen wie in anderen europäischen Ländern auch ihre berufliche Karriere in Projekten oder anderen befristeten Stellen beginnen, was vielfach zu finanziellen Engpässen führt.

Die meisten Arbeitsämter in den Großstädten haben eine Abteilung, die sich speziell an junge Leute richtet, die auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder einem Arbeitsplatz sind. Kommunen sind zur Planung und Errichtung von sektorübergreifenden Youth Guidance and Service Networks verpflichtet, um Koordinierungsmechanismen zu schaffen. Diese Netzwerke setzen sich zusammen aus Vertretern der Bereiche Bildung, Sozial- und Gesundheitswesen, Verwaltung, Arbeitsmarkt, Polizei und arbeiten ebenfalls mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zusammen.  

Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat man seit den Neunzigerjahren die berufliche Ausbildung verstärkt, mehr Lehrstellen geschaffen und so genannte Jugendwerkstätten (Nuorten työpajat) eingerichtet. Diese bieten Ausbildung, Arbeit und andere Aktivitäten für arbeitslose Jugendliche über einen Zeitraum von sechs Monaten an. Inzwischen gibt es Jugendwerkstätten in der Hälfte der finnischen Kommunen, also in rund 200 Gemeinden. Arbeitsschwerpunkte der Werkstätten sind:

  • Unterstützung der berufliche Ausbildung,
  • Ermunterung junger Menschen zur Gründung einer eigenen Firma,
  • Einrichtung von Werkstätten bei Berufsschulinstitutionen,
  • Förderung von Aktivitäten zur Ausbildung von Meister(inne)n,
  • Entwicklung von Jugendwerkstätten im Rahmen von Jugendaktivitäten,
  • Vorbeugung von Ausgrenzung. 

2005 nahmen 7050 unter 29-jährige junge Leute an Programmen in diesen Werkstätten teil. 66% von ihnen erhielten nach der Werkstattperiode einen Arbeits- oder einen Ausbildungsplatz oder beteiligten sich an sonstigen Maßnahmen. Arbeitslosenunterstützung gibt es nur für Jugendliche, die genügend Engagement nachweisen können. 

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben sich die Jugendwerkstätten erheblich weiterentwickelt. Ihre Tätigkeit zählt laut Regierungsprogramm zum festen Bestandteil der Dienstleistungen des öffentlichen Sektors für Jugendliche. 2011 nahmen schon über 13000 junge Menschen daran teil, von denen 75% erfolgreich in Arbeit, Ausbildung oder andere Aktivitäten weitervermittelt werden konnten. Die Jugendwerkstätten werden vom Arbeitsministerium, vom Unterrichtsministerium, von den Gemeinden und aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert.

Seit der Jahrtausendwende hat sich auch die Einstellung jungen Finn(inn)en zu Arbeitslosigkeit und sozialer Sicherheit drastisch geändert. Arbeitslosigkeit wird von vielen nicht länger als Makel betrachtet. Nur ein Fünftel der 15- bis 24-Jährigen ist der Ansicht, dass man sich deshalb schämen müsse. Immer weniger Jugendliche denken auch, dass Arbeitslosigkeit auf persönliche Fehler zurückzuführen ist und dass soziale Sicherungssysteme Leute passiv werden lassen.

Zu Jahresbeginn 2013 setzte Finnland die sogenannte "Jugendgarantie" um, deren Einführung Ende 2012 von der Europäischen Kommission im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit beschlossen wurde. Die Jugendgarantie garantiert allen Jugendlichen unter 25 Jahren und Hochschulabsolvent(inn)en unter 20 Jahren innerhalb von drei Monaten nach Anmeldung ihrer Arbeitslosigkeit einen Arbeitsplatz, ein Praktikum oder eine Aus- bzw. Weiterbildung. Die Einführung der Jugendgarantie hat die Jugendarbeitslosigkeit in Finnland nachweislich verringert und verhindert durch das direkte Einschreiten zudem Nachfolgeeffekte der Jugendarbeitslosigkeit. 

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Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit
Sport

Gesundheit

Der Beirat für Jugendangelegenheiten, ein beim Unterrichtsministerium angesiedeltes Expert(inn)engremium, publiziert seit 1994 regelmäßig ein Jugendbarometer, das über die Einstellungen, Werte und Erwartungen von jungen Leuten in Finnland Auskunft gibt. Die Befragungen aus den Jahren 2006 und 2007 zeigen, dass Jugendliche in Finnland sehr zufrieden mit ihrem Leben sind. Dazu gehören Familie und Kinder ebenso wie eine erstklassige Ausbildung und ein fester Job. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das Vertrauen junger Finn(inn)en in die politischen Institutionen und die finnische Demokratie gewachsen. Die Mehrheit ist überzeugt, dass die Regierung im Allgemeinen die richtigen Entscheidungen trifft und drei von vier Befragten glauben, dass das demokratische System ausreichend Möglichkeiten für Einflussmöglichkeiten gewährt. Zwei Drittel der 15- bis 29-Jährigen sind der Meinung, dass Jugendliche die Politik vor allem auf lokaler Ebene beeinflussen können.

Quellen:

  • Tilastokeskus - (Finnisches Amt für Statistik): www.stat.fi
  • Nuora: Jugendbarometer (Nuorisobarometri) 2006 und 2007 (Download)
  • Uusitalo, Tuula (2007)Suicides in Finland among children and young people (Download)

Drogen
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern beginnen finnische Jugendliche recht früh mit dem Rauchen und Trinken. Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2007 gaben 5% der 14- bis 15-jährigen Mädchen und 3% der Jungen dieser Altersgruppe an, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu konsumieren. Bei den 16- bis 17-Jährigen waren es jeweils 13%. Seit 2000 ist in der Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen allerdings ein leichter Abwärtstrend im Rauchen und Trinken zu verzeichnen, ausgenommen davon sind jedoch die 18-jährigen Mädchen.

Wie viele andere Länder auch gab es in Finnland zwei große "Drogenwellen": eine in den 1960ern und eine in den 1990ern. Der Anteil derjenigen, die mit Drogen experimentierten, erreichte Ende der 1990er den Höhepunkt. Diese Entwicklung ging mit der Technowelle einher und war vor allem ein Jugendphänomen. Zwischen 1995 und 1999 hat sich der Drogenkonsum fast verdoppelt. Im Vergleich dazu ist die Generation, die Ende der 1980er geboren wurde, weniger an Drogen interessiert. Trotzdem ist der Konsum von Drogen heute noch stärker verbreitet als zu Beginn der 1990er.

Das am häufigsten konsumierte Rauschmittel nach Alkohol und Medikamenten ist Cannabis. Bei einer Untersuchung im Jahr 2006 bestätigten 19% der 15- bis 24-Jährigen, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Damit sank der Cannabiskonsum dieser Altersgruppe zwischen 2002 und 2006 um sechs Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg der Konsum bei den 25- bis 34-Jährigen um diesen Prozentsatz an. Daraus lässt sich schließen, dass Cannabis etwas an seiner Bedeutung für die aktuelle Jugendkultur verloren hat, wohingegen die Generation, die zur Jahrtausendwende mit Drogen experimentierte, ihren Konsum weiter fortsetzt – und dies mit steigendem Trend. 

In Bezug auf härtere Drogen zeigen Untersuchungen, dass 25% 15- bis 34-Jährigen Finn(inn)en jemanden kennen, der im Jahr zuvor illegale Drogen konsumierte. 10% waren illegale Drogen angeboten worden. Des Weiteren wurden Amphetamine, Ecstasy und Opiate konsumiert. Der Kokainkonsum ist in Finnland ein relativ kleines Problem. Grundsätzlich ist aber feststellbar, dass der Anteil von Jugendlichen, die Kontakt mit illegalen Drogen haben oder diese konsumieren, abnimmt. 

Bei der Drogen- und Suchtvorbeugung für Jugendliche handelt es sich in der Regel um eine Primärprävention. Die Aufklärungsarbeit erfolgt zum einen an den Schulen im Fach Gesundheitsaufklärung, in dem das Thema Drogenmissbrauch einen Schwerpunkt bildet. Zum anderen ist die außerschulische Jugendarbeit – gefördert vom Unterrichtsministerium - in dem Feld aktiv, wobei Individualbehandlungen und Therapien dem Sozial- und Gesundheitssektor überlassen werden. In der Praxis ist die Abgrenzung jedoch nicht so eindeutig. Die Arbeitsteilung überschneidet sich zum Beispiel bei der Sonderjugendarbeit und in den Jugendwerkstätten für arbeitslose Jugendliche.

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Sport

Skifahrer
SkifahrerBild: © Helix2012 / fotolia.com

Sport ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung junger Finninnen und Finnen: Etwa 84% der 3- bis 18-Jährigen geben Sport als Hobby an, rund 50% von ihnen treiben mindestens viermal wöchentlich Sport. Mehr als einer von drei Jugendlichen nimmt an Aktivitäten teil, die von einem Sportklub angeboten werden. Der Rest betreibt alleine oder mit Freunden Sport.

Etwa 30% der finnischen Kinder haben ausreichend Bewegung, 10% sind physisch inaktiv. 40% der Kinder und Jugendlichen sind in Sportvereinen engagiert. Insgesamt nutzen jährlich rund 350 000 junge Finn(inn)en die Angebote der Sportverbände. Die beliebtesten Sportarten von Jungen sind Fußball und Salibandy, ein Mannschaftsspiel, das eine Verwandtschaft mit Hockey aufweist und in Deutschland unter dem Begriff Unihockey bekannt ist. Mädchen bevorzugen Schwimmen und mit Musik verbundene Sportarten wie zum Beispiel Tanzen.

Der Sport basiert in Finnland größtenteils auf Ehrenamtlichkeit. Insgesamt 500 000 Ehrenamtliche sind in diesem Bereich aktiv – davon viele in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Die Gemeinden unterhalten zahlreiche Sporteinrichtungen, sind aber nicht verpflichtet, außerschulische sportliche Aktivitäten für Kinder anzubieten. Deshalb spielen die lokalen Sportklubs eine zunehmend aktivere Rolle im außerschulischen Sport für Kinder.

Auf nationaler Ebene ist das Unterrichtsministerium für den Sport verantwortlich. Es entwickelt und koordiniert die Sportpolitik und fördert sportliche Aktivitäten, den Bau von Sportstätten, die Sportwissenschaft, internationale Sportkooperationen, gesundheitsfördernde Sportarten und anderes mehr im Bereich Sport. 

Der Jugendsport nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Von 2004 bis 2007 setzte Finnland ein Regierungsprogramm zur Förderung des Kinder- und Jugendsports um. Dieses umfasste zahlreiche Maßnahmen, um junge Finn(inn)en zu täglichen sportlichen Aktivitäten zu ermutigen. Ziel war es, die physische Aktivität von jungen Menschen zu erhöhen. So unterstützte das Programm unter anderem Sportklubs, die sportliche Aktivitäten für Schülerinnen und Schüler entwickelten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf bisher inaktiven Kindern und Teenagern lag. 

Anfang 2008 hat ein vom Unterrichtsministerium beauftragtes Komitee einen Entwurf für ein nationales Sportprogramm vorlegt. Darin empfiehlt es unter anderem 

  • die Förderung des Kinder- und Jugendsports,
  • die Förderung der körperlichen Betätigung in Tagesbetreuungseinrichtungen und in der Schule,
  • die Gewährleistung guter Rahmenbedingungen für die Organisationen und Verbände, die Angebote im Sportbereich bereitstellen,
  • die bessere Nutzung der Jugendkultur im Sport. 

Der größte Dachverband von Sportverbänden ist der Finnische Sportverband (Suomen Liikunta ja Urheiluwww.sport.fi). Dieser fungiert sowohl als eine Serviceeinrichtung für seine 125 Mitgliedsorganisationen als auch als soziale Bewegung, die sich für die Förderung des finnischen Sports einsetzt.

Für junge Leute, die eine Karriere im Wettkampfsport anstreben, gibt es Schulen, die sich auf Sport spezialisiert haben. Sportliche junge Männer können sich auch für den Militärdienst in der Sportschule der Verteidigungskräfte bewerben.

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Partizipation und Citizenship

Politische Bildung
Freiwilliges Engagement

Politische Bildung

Politische Bildung (Yhteiskuntaoppi) ist Bestandteil des Unterrichts in finnischen Schulen und wird fächerübergreifend gelehrt. Seit 2005 beziehungsweise 2006 wird es zudem als eigenständiges Fach in der finnischen Sekundarstufe unterrichtet. Das finnische Schulsystem legt den Schwerpunkt auf die aktive Partizipation und die Entwicklung von Werten und Einstellungen, die mit einer aktiven Bürgerschaft einhergehen. Letzteres spiegelt sich auch in den Maßnahmen der Regierung zur Förderung der aktiven Bürgerschaft Kinder und Jugendlicher wider.

Von den 1980ern bis Ende der 1990er Jahre verzeichnete Finnland einen starken Rückgang bei der Wahlbeteiligung der 18- bis 30-Jährigen. Die Wahlbeteiligung von Jugendlichen lag 10 bis 15 Prozentpunkte unter der der Gesamtbevölkerung. Eine Wende gab es bei den Parlamentswahlen 2003, als die Beteiligung junger Erwachsener erstmals wieder anstieg – um einen Prozentpunkt auf 54%.

Um die Wahlbeteiligung zu erhöhen, wurden in den vergangenen Jahren viele Anstrengungen unternommen, die politische Partizipation junger Menschen anzuregen. Eine Folge war die Einführung des eigenständigen Unterrichtsfachs "Politische Bildung". Des Weiteren wurde ein Jugendpartizipationsprojekt aufgelegt, das Teil des Regierungsprogramms zur bürgerschaftlichen Partizipation 2003-2007 war. Ziel des Projektes war es, Maßnahmen zur Förderung der aktiven Teilhabe junger Menschen an der Zivilgesellschaft zu entwickeln.

Heute verpflichtet das Gesetz über die Jugendarbeit die Gemeinden, Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu schaffen. Auch bei den aktuellen kinder- und jugendpolitischen Schwerpunkten der Regierung spielt das Thema eine wichtige Rolle (siehe Kapitel Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen).

Wichtige Akteure im Bereich der politischen Bildung sind zudem die Jugendverbände und weitere Nichtregierungsorganisationen. Beispielhaft werden hier die (partei-)politischen Jugend- und Studierendenverbände in Finnland genannt:

Link:
Reader zur "Jugendbeteiligung vor Ort" mit internationalen Praxisbeispielen aus der Schweiz, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. IJAB Bonn, 2012. Download hier.

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Freiwilliges Engagement

Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Activities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter http://youth-partnership-eu.coe.int/youth-partnership/ekcyp/By_country/Finland.html

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Kultur und Kreativität

Die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen fällt in den Verantwortungsbereich des Unterrichtsministeriums. Dieses fördert die kulturelle Bildungsmaßnahmen, die die Anregung der Kreativität von Kindern und Jugendlichen zum Ziel haben, sowie künstlerische und kulturelle Angebote, die sich an Kinder und Jugendliche richten.

Das Gesetz über eine elementare kulturelle Bildung von 1992 verpflichtet die Gemeinden, außerschulische kulturelle Bildung anzubieten. Dafür erhalten sie und private Institutionen staatliche Mittel, von denen in der Praxis der größte Teil an Musikschulen fließt. Daneben haben in den 1990er Jahren Kultur- und Kunstinstitutionen wie die nationale Kunstgalerie und die Nationaloper begonnen, ihre eigenen Programme für die kulturelle Bildung zu entwickeln.

Für die Weiterentwicklung der kulturellen Bildung wurde in den Jahren 2003 bis 2007 ein spezielles Programm aufgelegt. Die darin enthaltenen Maßnahmen und Strategien richten sich an die lokalen Behörden sowie an Kulturorganisationen und -institutionen.

Die Fördermittel für die kulturelle Bildung werden auf Vorschlag des staatlichen Kunstrats (Taiteen Keskustoimikunta) verteilt. Unterstützt werden beispielsweise

  • Kinder- und Jugendtheater, 
  • Kunstschulen für Kinder und Jugendliche, 
  • das musische Zentrum der Kinder und Jugend sowie 
  • die dem Ministerrat der nordischen Länder untergeordnete Arbeitsgruppe für Kinderkultur.

Zahlreiche zentrale Kulturveranstaltungen, Musiklager, Schulkonzerte, Kinderkulturvorhaben der Minderheiten, Kinder- und Jugendbuchanschaffungen der kommunalen Bibliotheken sowie Kinderfilmproduktionen wurden in der Vergangenheit ebenfalls gefördert. An Bibliotheken und Museen herrscht in Finnland kein Mangel. Das gleiche gilt für Musik-, Heim- und Volkshochschulen. 

Stadtbibliothek von Oulu
Stadtbibliothek von OuluBild: 12019 / pixaxaby.com

Ein besonderer Fokus lag in den letzten Jahren auf der Förderung von Kinderfilmen und der Medienpädagogik. So wurden zahlreiche Kinderfilme produziert, die ein großes Publikum fanden, und die Medienpädagogik wurde in die Lehrpläne der Schulen integriert.

Gewürdigt wird die kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche durch Auszeichnungen. So vergibt das Ministerium jährlich den Children's Day Prize an Organisationen, die sich durch die Förderung der kulturellen Freizeitgestaltung und Bildung von Kindern ausgezeichnet haben, und den staatlichen Kunstpreis in Kinderkultur.

Unter dem Titel Junge Kultur (Nuori Kulttuuri, http://nuorikulttuuri.fi) nehmen jährlich Zehntausende junger Finn(inn)en an regionalen und lokalen Veranstaltungen sowie zwei nationalen Veranstaltungen im Frühjahr und Herbst teil. Ziel ist es, die künstlerischen Aktivitäten junger Amateure und Amateurinnen zu würdigen, den jungen Künstler(inne)n Feedback zu ihren künstlerischen Arbeiten und damit verbunden auch neue Anreiz für ihre weitere Arbeit zu geben.

Taikalamppu (Aladdins Wunderlampe, www.taikalamppu.fi/index.php/fi/inenglish) ist ein landesweites Netzwerk von regionalen Kinder- und Jugendkulturzentren. Das Netzwerk entwickelt Kunst- und Kulturangebote für Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichen Regionen Finnlands und fördert den Aufbau kultureller Angebote an Orten, an denen sie noch nicht vorhanden sind.

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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Saamenfamilie in Tracht gekleidet - Foto: IJAB

Das Thema Einwanderung und migrationspolitische Fragen haben in der finnischen Öffentlichkeit und Politik erst seit den 1990er Jahren zunehmend an Relevanz gewonnen. Denn Finnland ist eher ein klassisches Auswanderungsland und blieb bis Mitte der 1980er Jahre von Zuwanderungsprozessen praktisch unberührt. Erst seit 1989 ist ein stetiger Anstieg der Zahl von Migrant(inn)en zu beobachten. Gründe hierfür waren vor allem der Zusammenbruch des sowjetischen Systems, der Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft und der Beitritt zu internationalen Abkommen wie der Genfer Flüchtlingskonvention.

2007 lebten insgesamt 132 632 Ausländer/-innen permanent in Finnland. Das entspricht 2,5% der Bevölkerung, ein Anteil der im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedstaaten sehr gering ist. Die größte Gruppe der Ausländer/-innen sind russische Zuwanderer (26 205), die zweitgrößte Gruppe Esten (19 965).

Der rasche und stetige Anstieg des Ausländeranteils seit den 1990er Jahren führte zu zahlreichen Reformen in der finnischen Migrations- und Integrationspolitik. So wurde 1999 das nationale Integrationsgesetz verabschiedet, das die Integration von Ausländer(inne)n in den finnischen Arbeitsmarkt und die finnische Gesellschaft unter Aufrechterhaltung der eigenen Sprache und Kultur fördern soll. Das Gesetz legt fest, dass Asylbewerber/-innen und alle Ausländer/-innen, die Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe empfangen, verpflichtet sind, an Integrationsmaßnahmen, wie Sprachkursen, Umschulungen, Berufstraining oder Kursen über die finnische Gesellschaft und Kultur teilzunehmen. Ein besonderer Schwerpunkt des Gesetzes liegt auf bildungspolitischen Maßnahmen für ausländische Kinder und Jugendliche. Allerdings hat sich gezeigt, dass zum Teil zu wenig finanzielle Mittel zum Umsetzung des Gesetzes veranschlagt wurden.

Gemäß dem Jugendbarometer 2005 ist die allgemeine Einstellung finnischer Jugendlicher zu Migrant(inn)en und Multikulturalismus positiv. Doch trotz dieser positiven Meinung sprach sich nur eine/r von drei Jugendlichen für eine verstärkte Einwanderung aus, eine/r von vier Befragten unterstellte den Ausländer(inne)n gar, nach Finnland zu kommen, um vom Geld der finnischen Steuerzahler/-innen zu profitieren. Die Umfrage zeigte auch, dass nur wenige konkrete Kontakte zwischen finnischen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund bestehen. Etwa die Hälfte der Befragten hatte keine Freunde mit Migrationshintergrund und nur ein Drittel nahm an Aktivitäten teil, an denen auch Jugendliche mit Migrationshintergrund beteiligt waren.

Trotzdem gelten die meisten Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund als recht gut in die finnische Gesellschaft integriert. Dies wird vor allem auf das finnische Schulsystem zurückgeführt, bei dem alle Schüler/-innen bis zum 9. Schuljahr die gleiche Schulform besuchen. Darüber hinaus gibt es im Bereich der außerschulischen Jugendarbeit zahlreiche Angebote, die sich explizit an Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund wenden. Dabei versucht man, die Jugendlichen insbesondere über attraktive Freizeitangebote und interessante Projekte zu erreichen. Mädchen mit Migrationshintergrund bilden eine besondere Zielgruppe, da sie in der Regel stärkeren Benachteiligungen ausgesetzt sind.

Die Integration von Kindern und Jugendlichen, die einen Migrationshintergrund haben bzw. einer der finnischen Minderheiten entstammen, ist auch einer der Kernpunkte des Regierungsprogramms für die Kinder- und Jugendpolitik 2007-2011. In Bezug auf diese spezifische Zielgruppe sind in dem Programm unter anderem folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Förderung von Gleichberechtigung und Nicht-Diskriminierung durch die Stärkung positiver Einstellungen junger Menschen gegenüber Multikulturalismus und verschiedenen Minderheiten, zum Beispiel durch die finanzielle Unterstützung entsprechender Projekte von Nichtregierungsorganisationen und Gemeinden,
  • verstärkte Einbeziehung von Themen wie Gleichberechtigung und Genderfragen in die Ausbildung von Lehrer(inne)n und Jugendarbeiter(inne)n,
  • staatliche Förderung von Jugendorganisationen, die Minderheitenkulturen bzw. Jugendliche mit Migrationshintergrund repräsentieren. Deren Aufbau wird von der Finnischen Jugendkooperation Allianssi unterstützt. Nichtregierungsorganisationen werden ermutigt, Strukturen aufzubauen, über die Jugendliche mit Migrationshintergrund motiviert werden, an Aktivitäten teilzunehmen,
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund werden ermutigt, ihre Ausbildung nach der Gesamtschule fortzusetzen. 

Es gibt zahlreiche Organisationen, die sich für die Integration von Migrant(inn)en einsetzen. Neben den Kirchen und Glaubensgemeinschaften sind dies zahlreiche Kultur- und Freundschaftsverbände sowie beispielsweise das Finnische Rote Kreuz (Suomen Punainen Risti, www.redcross.fi/en_GB).
FiMu - Suomen monikulttuurinen liikuntaliitto (www.fimu.org) ist eine Migrantenselbstorganisation im Bereich Sport.

Link
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Rentierschaukelpferd im Schnee - Foto: IJAB

Die staatliche Kinder- und Jugendhilfe wird in Finnland dezentral von den Gemeinden bereit gestellt. Die lokalen Behörden sind dafür verantwortlich, entsprechende soziale Dienste und Unterstützung anzubieten. Daneben gibt es zahlreiche nicht-staatliche Träger, die sich in der sozialen Kinder- und Jugendarbeit engagieren.

Wie die anderen skandinavischen Länder gilt Finnland als weltweit führend im Bereich der Familienpolitik. Viel Geld fließt in die finanzielle Unterstützung von Familien und in Kinderbetreuungseinrichtungen. Nachdem eine tiefe wirtschaftliche Rezession in den frühen 1990er Jahren zu Einschnitten in der Familien-, Kinder- und Jugendhilfe führte, hat man sich in den letzten Jahren bemüht, die Entwicklung wieder umzukehren und stellte sehr viel mehr Geld für die Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung. Aber auch verschiedene Regierungsprogramme, die speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind, und ein neues Kinderhilfegesetz, das im Januar 2008 in Kraft trat, spiegeln die wachsende Bedeutung des Bereichs wider (siehe dazu auch das Kapitel Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit). 

Obwohl die Vorteile einer direkten Zusammenarbeit mit Kindern bekannt sind, stellt es für die finnischen Gemeinden eine große Herausforderung dar, die Beteiligung und Einbeziehung von Kindern in die Planung und Umsetzung der Kinder- und Jugendhilfe sicherzustellen. Lange Zeit gab es die Tendenz, kinderbezogene Probleme als Familienprobleme einzustufen, so dass die Maßnahmen in der Regel auf die Eltern oder die Familie als Ganzes angelegt waren. Auch wenn diese Herangehensweise sich langsam ändert, variiert die Art, wie Einrichtungen mit Kindern zusammenarbeiten bzw. nicht zusammenarbeiten recht stark. Dementsprechend variieren auch das Niveau und die Qualität der angebotenen Dienste in der Kinder- und Jugendhilfe von Gemeinde zu Gemeinde und von Region zu Region. Das neue Kinderhilfegesetz soll deshalb für mehr Gleichheit sorgen und lokalen und regionalen Behörden helfen, ihre Dienste zu standardisieren.

Parallel zur wirtschaftlichen Rezession schnellte auch die Jugendarbeitslosigkeit in den 1990er extrem in die Höhe. 1998 lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen bei 23,5% im Vergleich zu 11,4% Arbeitslosigkeit bei der Gesamtbevölkerung. Bis 2003 sank die Jugendarbeitslosigkeitsrate der 15- bis 24-Jährigen auf 21,8%. Heute liegt sie bei vergleichsweise niedrigen 15%, bleibt aber weiterhin eines der zentralen Probleme der Jugendarbeit.

Werkraum im Jugendzentrum in Tampere. Foto: IJAB

Als Gegenmaßnahmen baute man die bereits seit den 1980er Jahren existierenden so genannten Jugendwerkstätten (Nuorten työpajat, www.tpy.fi/in_english) aus. Sie kombinieren die Ziele und Instrumente der Jugendarbeit und der Arbeitsämter und sind mittlerweile in 200 Kommunen zu finden. Auch wenn sich das Konzept der Jugendwerkstätten über die Jahre weiterentwickelte, so ist ihre Hauptaufgabe doch immer noch, Jugendliche in den Bereichen Berufsfindung und Bewerbung zu beraten und Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten. Mittlerweile arbeiten die von Kommunen oder freien Trägern getragenen Jugendwerkstätten auch mit dem Bildungssystem und den Sozialämtern zusammen und ihre Zielgruppe ist erweitert worden. Neben Schulabrecher(inne)n, jungen Arbeitslosen und benachteiligten Jugendlichen richten sie sich an alle Personen zwischen 13 und 60 Jahre, die Beratung zur Arbeitssuche sowie zur Aus- und Weiterbildung benötigen.

Neben den staatlichen Einrichtungen gibt es zahlreiche Verbände und Organisationen, die in dem Bereich der Jugendsozialarbeit und Kinderhilfe tätig sind. Hier finden Sie eine kleine Auswahl:

Finnland ist Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zum finnischen Büro unter www.lapsiasia.fi

Quellen: 

  • Finnisches Unterrichtsministerium: Jugendarbeit und Jugendpolitik, Grundinformation Jugend. Helsinki 2007
  • Hätälä, Jaana: Youth workshops in Finland. 
  • Sinko, Päivi: The New Child Welfare Act in Finland. Zum Download.
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Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Handstand im Schnee.
Handstand im Schnee.Bild: © Julian Weber / fotolia.com

Auf Regierungsebene liegt die Verantwortung für die internationale Jugendarbeit beim finnischen Unterrichtsministerium (www.minedu.fi/OPM/?lang=en).

Das Centre for International Mobility (Kansainvälisen henkilövaihdon keskus - CIMO, www.cimo.fi) ist als nachgeordnete Fachorganisation des Unterrichtsministeriums für die Förderung der interkulturellen Verständigung in den Bereichen Bildung und Fortbildung zuständig. So koordiniert es das EU-Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION, vergibt Stipendien für Auslandsaufenthalte sowie an ausländische Studierende, führt Austauschprogramme durch, fördert die Internationalisierung des Bildungs- und Fortbildungsbereichs durch Programme und Aktivitäten (Marketing, Kommunikation) und ist Träger des Informationsdienstes Eurodesk.

Die Finnische Jugendkooperation Allianssi (www.alli.fi/english) repräsentiert die finnischen Jugendorganisationen unter anderem im Europäischen Jugendforum (www.youthforum.org), in den Jugendstrukturen des Europarats (www.coe.int/t/dg4/youth/default_en.asp), im Nordischen Jugendkomitee (www.norden.org/en), in der Europäischen Jugendinformations- und Beratungsagentur (http://eryica.org) und in der World Assembly of Youth (www.way.org.my). Allianssis Interesse ist es, die Rolle der außerschulischen Bildung hervorzuheben und die Stärkung der Interessen Jugendlicher auf europäischer Ebene zu fördern. Unabhängig von Allianssi haben die Jugendorganisationen einen eigenen Zugang zu internationalen Kooperationen durch ihre internationalen Vereinigungen.

Das Unterrichtsministerium, CIMO, Allianssi, die Provinzregierungen sowie lokale Verantwortliche und Organisationen, die auf internationaler Ebene aktiv sind, treffen sich regelmäßig, um internationale Fragen zu diskutieren.

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Zusammenarbeit mit Deutschland

Deutschland und Finnland arbeiten im Jugendbereich seit Jahrzehnten eng zusammen. Ein Abkommen über die kulturelle Zusammenarbeit (Download als PDF) wurde im November 1978 verabschiedet und trat im April 1979 in Kraft.

Für 2008 und 2009 haben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das finnische Unterrichtsministerium die Durchführung eines deutsch-finnischen Kooperationsprojekts vereinbart. Um die Demokratie in Europa zu stärken und Jugendliche an demokratischen Prozessen zu beteiligen, tauschten sich Entscheidungsträger/-innen, Forscher/-innen, Fachkräfte der Jugendarbeit und Jugendliche bei verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen über Formen und Wege der Jugendpartizipation in Deutschland und Finnland aus. Begleitet wurde das Projekt durch das Weblog "VERSTÄRKER – Jugendpolitik auf deutsch und auf finnisch" (http://verstaerker.pressenetzwerk.de) des Pressenetzwerks für Jugendthemen. Seinen Abschuss fand das Projekt auf einer Konferenz im Februar 2010, bei der die Ergebnisse der Zusammenarbeit vorgestellt wurden. Rund 70 Teilnehmer/-innen aus Deutschland und Finnland, sowie Gäste aus Belgien, Estland, Ungarn und der Ukraine beteiligten sich. Es wurde über Jugendpartizipation und deren Messbarkeit diskutiert, die Fachsprache von Politiker(inne)n kritisiert und die Gemeinsamkeiten und Gegensätze von Deutschland und Finnland herausgestellt. In einem Punkt herrschte Einigkeit: Die Meinung junger Leute muss ernst genommen, angehört und respektiert werden.

Das Netz des nicht-staatlichen Kultur- und Jugendaustauschs zwischen Deutschland und Finnland ist sehr dicht. Neben zahlreichen Besuchen und Direktkontakten zwischen Künstler(inne)n und Wissenschaftler(inne)n beider Staaten setzen mehr als 30 finnisch-deutsche Vereine in Finnland sowie die rund 80 Gruppen der Deutsch-Finnischen Gesellschaft in Deutschland vielfältige kulturelle Austauschprogramme um. Die Deutsch-Finnische Gesellschaft (www.deutsch-finnische-gesellschaft.de/aktivitaten/jugendarbeit) ist die drittgrößte bilaterale Vereinigung ihrer Art in Deutschland. Hinzukommen die rund 80 Städte- und Kommunalpartnerschaften, die sich unter anderem für den Schüler- und Jugendaustausch einsetzen. Darüber hinaus organisieren deutsche und finnische Jugendverbände bi- oder multilaterale Jugendbegegnungen. Als Beispiel seien hier nur der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern (www.jugend.inmv.de/ljr/index.php) und dessen Mitgliedsorganisationen genannt, die sehr enge Kontakte nach Finnland unterhalten.

Deutschland bleibt für finnische Studierende beliebter Studienstandort, denn Deutsch ist bei jungen Finn(inn)en nach den Pflichtsprachen Schwedisch und Englisch nach wie vor die am häufigsten gewählte Fremdsprache. Im Studienjahr 2006/2007 studierten 757 Finn(inn)en in Deutschland, 593 davon über das europäische Austauschprogramm ERASMUS. Umgekehrt verbrachten 1172 Studierende aus Deutschland ein ERASMUS-Jahr in Finnland (Quelle: CIMO).

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Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Auf Regierungsebene ist internationale Jugendkooperation ein Bestandteil der kulturellen Kooperation. Jugendfragen werden in allen bilateralen Vereinbarungen berücksichtigt. Engere bilaterale Kooperationen im Jugendbereich unterhält Finnland derzeit zum Beispiel zu China, Deutschland, Estland, Israel, Italien, Mexiko, Palästina, Russland, Spanien und Südkorea. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt dabei auf dem Fachkräfteaustausch. Ziel ist es, unter anderem die eigene Jugendarbeit durch den Austausch von Expert(inn)en und guter Praktiken (best practices) zu fördern. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Unterrichtsminsteriums unter www.minedu.fi.

Ein Schwerpunkt der multilateralen Kooperation ist die Zusammenarbeit mit den skandinavischen Ländern sowie Russland, Estland und weiteren Ländern der Ostsee- und Barentsseeregion. 

Im Rahmen der Nordischen Zusammenarbeit ist das Unterrichtsministerium Finnlands im Nordischen Jugendkooperationskomitee (Nordic Youth Co-operation Committee) des Nordischen Ministerrats (Nordic Council of Ministers) vertreten. Das Gremium arbeitet als Beratungs- und Koordinierungsorgan im Bereich der nordischen und internationalen Kinder- und Jugendpolitik. Dem Komitee gehören sowohl Staaten als auch Jugendverbände an. Es fördert die nordische Zusammengehörigkeit der Jugend und Vorhaben, die dazu beitragen, die Zusammenarbeit zu verstärken. Weitere Informationen unter www.norden.org.

Straßenschild mit Hauptstädten
Straßenschild mit HauptstädtenBild: larahcv / pixabay.com

Des Weiteren ist Finnland in der Jugendzusammenarbeit der Ostseeanrainerstaaten aktiv. Der zuständige Ministerrat wird von einer Arbeitsgruppe unterstützt. Umgesetzt werden die vereinbarten Maßnahmen seit 1999 mit Hilfe des Ostseesekretariats für Jugendangelegenheiten (Baltic Sea Secretariat for Youth Affairs, http://bssya.org/http://bssya.org), das beim Landesjugendring Schleswig-Holstein in Kiel angesiedelt ist. Das Sekretariat dient als Informations- und Koordinierungsstelle für alle Formen der Zusammenarbeit zwischen jugendpolitischen Strukturen der Jugendarbeit und zwischen Jugendprojekten in der Ostseeregion.

Seit 1994 hat Allianssi als Dachverband der finnischen Jugendorganisationen im Ostsee-Jugendforum (Baltic Youth Forum) gemeinsam mit nationalen bzw. regionalen Jugendvertretungen aus den anderen skandinavischen Ländern, dem Baltikum, Russland, Polen und Deutschland mitgearbeitet. Ziel der Kooperation war die Vertretung der Jugendorganisationen gegenüber den Strukturen der Jugendzusammenarbeit in der Ostseeregion. Zudem wurden gemeinsame Projekte durchgeführt. Aufgrund geänderter Interessenlagen wurde die Arbeit im Ostsee-Jugendforum 2007 vorerst eingestellt. Derzeit wird überlegt, eine neue Form der Zusammenarbeit aufzubauen. 

Ähnlich wie im Ostseeraum gibt es auch eine Jugendzusammenarbeit der Barentsseeregion. Auch hier engagiert sich das finnische Unterrichtsministerium und ist in der zuständigen Arbeitsgruppe vertreten. 2001 wurde ein Aktionsplan für die Jugendkooperation verabschiedet, dessen Umsetzung vom Jugendsekretariat der Barentsseekooperation (Barents Youth Cooperation Office, www.barentsyouth.org) unterstützt wird. Das Sekretariat ist in Murmansk (Russland) angesiedelt.

Verschiedene Jugendorganisationen und Jugendgruppen in der Barentsseeregion (die Barentssee grenzt an den Norden Russlands, Finnlands, Schwedens und Norwegens) haben in den letzten Jahren ein Netzwerk aufgebaut, um die Kooperation in der Region auch auf der Ebene der Jugendstrukturen zu fördern. Der Name des Netzwerks ist Barents Regional Youth Forum (Regionales Jugendforum der Barentssee). Seit 2004 gibt es darüber hinaus den Regionalen Jugendrat der Barentssee (Barents Regional Youth Council). Er besteht aus je einer bzw. einem Jugendvertreter/-in pro Region und einer bzw. einem Repräsentantin bzw. Repräsentanten der indigenen Völker und vertritt die Interessen von Jugendlichen der Region gegenüber den staatlichen Strukturen. – Weitere Informationen zum Regionalen Jugendrat der Barentssee finden sich unter www.barentsyouth.org/the-barents-regional-youth-council.375116-71762.html.

Im Europarat, insbesondere im europäischen Lenkungsausschuss für die Jugend, bemüht sich Finnland, die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Jugendforschung und deren Nutzung voranzutreiben. Seit 1995 ist Finnland Mitglied der Europäischen Union, wo es versucht, auf horizontale Aspekte der Jugendpolitik aufmerksam zu machen und die Wichtigkeit der Koordination in der Jugendpolitik zu betonen.

Finnland wirkt beim European Knowledge Centre for Youth Policy (EKCYP, http://youth-partnership-eu.coe.int/youth-partnership/ekcyp/index) mit, einer Online-Wissensplattform von Europarat und Europäischer Kommission zur Jugend in Europa. Die fünf großen Themenbereiche, zu denen Informationen gesammelt und verbreitet werden, sind: ABC der Jugendpolitik, besseres Verständnis der Jugend, Information, Partizipation und Aktivitäten von Freiwilligen.

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Mobilität

Reisen innerhalb Finnlands sind bei finnischen Familien relativ häufig. In den Sommermonaten werden die Sommer- und Ferienhäuser an den Seen stark frequentiert, in den Wintermonaten boomt der Tourismus in Lappland, wo Ski und Snowboard gefahren werden kann.

Junge Finn(inn)en reisen viel. Jährlich nehmen Tausende an Mobilitätsprogrammen teil - zum Jugendaustausch, Studium oder Arbeiten. Zum Auslandsstudium gehen junge Finninnen und Finnen am liebsten nach Estland, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, die USA und Schweden. Dabei sind es vor allem junge Frauen, die im Ausland studieren.

Das Unterrichtsministerium fördert die Mobilität der Jugendlichen unter anderem durch das Centre for International Mobility (CIMO, www.cimo.fi/frontpage), das zu Auslandsaufenthalten berät, Stipendien vergibt und als Nationalagentur für das EU-Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION fungiert. Regierungsbezirke und Gemeinden verfügen darüber hinaus über eigene Austauschprogramme.

Finnland ist Mitglied in der European Youth Card Association (EYCA). Informationen zu Vergünstigungen mit der Europäischen Jugendkarte EURO26 (und jede Menge weiterer Informationen zu kulturellen Veranstaltungen, Reiseangeboten, ...) gibt es unter www.euro26.fi.

Weitere Informationen zu Finnland für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: http://europa.eu/youth/FI_en

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Jugend in der Welt

Informationen zum Thema "Jugend in der Welt (Youth in the World)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy.

Impressum
ImpressumBild: geralt / pixabay.com

Impressum - Finnland

Die Länderinfos zu FINNLAND wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: November 2017

Kontakt: dija@ijab.de