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Politische Bildung

Mädchen mit französischer Flagge.
Mädchen mit französischer Flagge. Bild: lcarissimi / pixabay.com

Der Begriff der außerschulischen Jugendbildung, wie er in Deutschland gebräuchlich ist, existiert in Frankreich so nicht. Alle Arten von Bildung und Erziehung von jungen Menschen (und Erwachsenen), die außerhalb der Schule stattfinden, werden als Volkserziehung oder Volksbildung (éducation populaire) bezeichnet. Diese Erziehung/Bildung wird von den Jugendverbänden und -vereinen wahrgenommen. 

Von staatlicher Seite aus wird das System der so genannten CREPS (Centres d’éducation populaire et de sport) betrieben. Die CREPS sind öffentliche Bildungseinrichtungen, die prinzipiell auf regionaler Ebene tätig sind, aber ihre Aktionen auch auf nationaler oder interregionaler Ebene ausüben können. Die CREPS sind weniger für politische Jugendbildung zuständig, sondern sie bilden aus und qualifizieren (zum Beispiel Mitarbeitende im Jugend-, Sport- und Bildungsbereich), entwickeln praktische Modelle der aktiven Erziehung und Jugendarbeit. Darüber hinaus forschen und dokumentieren sie in den oben genannten Bereichen. 

Eine Liste aller CREPS in Frankreich finden Sie hier

Informationen zum Wahlverhalten und zur politischen Beteiligung französischer Jungendlicher zwischen 18 und 24 Jahren im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen 2012 können Sie in "Jeunesses études et synthèses" nachlesen: Retour sur la présidentielle de 2012: comment les jeunes ont-ils voté?

Links

Place Publique mit Informationen über Mitwirkung und Demokratie sowie dauerhafte Entwicklung, dem Erfahrungsaustausch zwischen den Bürgern

Reader zur "Jugendbeteiligung vor Ort" mit internationalen Praxisbeispielen aus der Schweiz, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. IJAB Bonn, 2012. Download hier ...

Freiwilliges Engagement

Die französische Regierung ist bemüht, das freiwillige Engagement in der Gesellschaft zu stärken. Eines der jugendpolitischen Ziele der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Jugend (Comité interministériel de la jeunesse) lautet „Fördern und Aufwerten des freiwilligen Engagements Jugendlicher“ (Promouvoir et valoriser l’engagement des jeunes). In Folge eines Treffens im Februar 2013 hat diese Arbeitsgruppe gezielte Maßnahmen eingeleitet, um junge Menschen zu mehr Partizipation in politischen Vereinigungen, Vereinen und Gewerkschaften zu bewegen. Ein Arbeitsstab im Jugendministerium wurde eingerichtet, um die Gründung von Jugendvereinigungen zu unterstützen. Ab Juni 2015 wird der 2010 eingeführte Freiwilligendienst (Service civique) auf Initiative von Staatspräsident François Hollande stark ausgeweitet und mehr Plätze zur Verfügung gestellt.

Laut einer Studie «La Situation du Bénévolat ein France en 2013» des Meinungsforschungsinstituts IFOP (Institut français d'opinion publique)  von Juni 2013 ist die Zahl der engagierten Bürger/- innen in Frankreich zwischen 2010 und 2013 um 14 % gestiegen. 40 % der Franzosen sind in ihrer Freizeit in Vereinen (12,5 Millionen), in Gewerkschaften, politischen oder religiösen Vereinigungen (4,2 Millionen) oder direkt in ihrem sozialen Umfeld tätig (9,7 Millionen). Besonders junge Menschen im Alter zwischen 15-35 Jahren engagieren sich zunehmend – eine Steigerung von 32 % (gegen 10 % bei den 35-65-Jährigen). 

In Frankreich gibt es verschiedene Arten von Freiwilligendiensten, die sich – abhängig vom jeweiligen Dienst – an junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren richten. Sie alle stehen auch Bürgern aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union offen.

1 – Der staatlich organisierte Freiwilligendienst (Service Civique)
Der staatlich organisierte Freiwilligendienst kann bei Vereinen, Gebietskörperschaften (Kommune, Departement oder Region) oder bei öffentlichen Einrichtungen (Museen, Schulen u.a.) in Frankreich oder im Ausland geleistet werden. Die Laufzeit beträgt 6 bis 12 Monate mit mindestens 24 Wochenarbeitsstunden. Ein freiwilliges Engagement ist also mit der Fortsetzung des Studiums oder mit einer Teilzeitbeschäftigung vereinbar.
Einsatzmöglichkeiten bestehen in neun großen Bereichen: Kultur und Freizeit, internationale Entwicklung und humanitäre Maßnahmen, Bildung für alle, Umwelt, Hilfseinsätze bei Katastrophen, Gedenken und Bürgersinn, Gesundheit, Solidarität, Sport.
Der Freiwilligendienst wird mit 573 Euro netto monatlich vergütet (davon 467,34 € vom Staat und 106, 31 € von der Trägerorganisation). Diese Vergütung erfolgt in Form von Geld- oder Sachleistungen, wie die Übernahme von Verpflegungs- oder Transportkosten.
www.service-civique.gouv.fr

2 – Der staatlich organisierte Freiwilligendienst für Erwachsene (Volontariat de Service Civique)
Jeder über 25 kann einen Freiwilligendienst über einen Zeitraum von 6 bis 24 Monaten leisten. Dieser Dienst kann durchgeführt werden in Einrichtungen, die allgemeine Interessen verfolgen wie Vereine, Stiftungen oder bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts in den Departements und den Überseegebieten. Die Freiwilligen erhalten eine Aufwandsentschädigung und eine soziale Absicherung, die von der Einrichtung übernommen werden.
www.service-civique.gouv.fr

3 – Der Europäische Freiwilligendienst (Service Volontaire Européen)
Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) der Europäischen Union bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich als Freiwillige in einem gemeinnützigen Projekt im Ausland zu engagieren, z.B. in den Bereichen Kunst und Kultur, Umwelt, Chancengleichheit, soziale Integration, Medien und Kommunikation, Europäisches Bewusstsein oder Drogenprävention.
Der Europäische Freiwilligendienst ist offen für junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren aus allen Programmländern und den förderfähigen Drittländern. Ein bestimmter Bildungsabschluss ist nicht Voraussetzung für die Teilnahme. Der EFD bietet keine Praktikumsmöglichkeit im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums.
Sprachkurs, Reisekosten, Unterbringung und Verpflegung sind frei. Gezahlt wird außerdem ein monatliches Taschengeld. Die Freiwilligen werden für die Dienstzeit krankenversichert und erhalten eine Unfall/Invaliditäts- und Haftpflichtversicherung. Das Kindergeld wird weiter gezahlt.
www.france-volontaires.org

4 – Der internationale Freiwilligendienst in Verwaltungseinrichtungen (Volontariat International en Administration)
Botschaften, Alliances Françaises, Forschungseinrichtungen, Finanz- und Wirtschaftsabteilungen bei Französischen Botschaften usw. Der internationale Freiwilligendienst in Verwaltungseinrichtungen eröffnet die Möglichkeit, für Einrichtungen des französischen Staats im Ausland zu arbeiten.
Die Freiwilligen erhalten monatlich zwischen 1200 € und 2800 €, je nach Gastland. Der Dienst umfasst 6 bis 24 Monate.
www.civiweb.com/

5 – Der internationale Freiwilligendienst im Unternehmen (Volontariat International en Entreprise)
Diese Form des internationalen Freiwilligendienstes bietet französischen Unternehmen die Möglichkeit, einem jungen Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren einen Auslandsauftrag für eine Dauer von 6 bis 24 Monaten anzuvertrauen.
Die Freiwilligen erhalten monatlich zwischen 1200 € und 3000 € netto, je nach Gastland. Alle Berufsgruppen sind in das Programm eingeschlossen: Finanzen, Marketing, internationaler Handel, Management, Buchhaltung, technische Berufe, Telekommunikation, Informatik, Hoch- und Tiefbau, Agrarwissenschaft, Tourismus, Rechtsberufe, Personalverwaltung…
www.civiweb.com/

6 – Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst (Volontariat Franco-Allemand)
Das DFJW koordiniert seit 2007 einen Deutsch-Französischen Freiwilligendienst, der von der staatlichen französischen Agence du Service Civique, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) sowie von französischen und deutschen Schulen und Vereinen unterstützt wird.
Ein Jahr Freiwilligendienst im anderen Land ermöglicht es jungen Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren, die Kultur des Partnerlandes näher kennenzulernen, vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen oder gar die Partnersprache zu erlernen. Darüber hinaus bietet er die Möglichkeit, die eigenen, sozialen Kompetenzen zu verbessern und birgt so auch beruflich Vorteile.
Die Freiwilligen erhalten ein monatliches Taschengeld für Unterkunft und Verpflegung. Der Betrag kann je nach Verein und Art des Freiwilligendienstes unterschiedlich ausfallen. Während seines Aufenthalts im Partnerland ist der Freiwillige weiterhin über seine gesetzliche Krankenkasse versichert. Er muss vor Antritt des Freiwilligendienstes die Europäische Versicherungskarte beantragen.
www.volontariat.ofaj.org

(Quelle: http://www.ambafrance-de.org/Freiwilligendienste-in-Frankreich)

Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Activities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter: http://pjp-eu.coe.int/en/web/youth-partnership/voluntary-activities1und auf der Seite der französischen NPO France Bénévolat, die die Förderung und Unterstützung der Freiwilligenaktivitäten zum Ziel hat.