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Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich - Frankreich

Junge Frau mit französischer Flagge in der Hand.
Junge Frau mit französischer Flagge in der Hand. Bild: PourquoiPas / pixabay.com

Bildung und Beschäftigung

Auswahl an Werkzeug.
Auswahl an Werkzeug.Bild: © stockphoto-grad / fotolia.com

Bildung

Informationen zum Bildungssystem in Frankreich unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen EURYPEDIA.

Beschäftigung

Die Arbeitslosenzahl unter den jungen Menschen in Frankreich ist ziemlich hoch. Im Jahr 2010 lagen die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren bei 23,3% und somit über dem EU 27 Durchschnitt (20,9%). In bestimmten städtischen Problemzonen erreicht die Jugendarbeitslosigkeit bis zu 43%. Personen mit Migrationshintergrund bzw. Zuwanderer sind weit überproportional betroffen. Etwa zwei Drittel der unter 25-Jährigen befinden sich noch in einer schulischen Ausbildung und stehen dem Arbeitsmarkt somit nicht zur Verfügung. Insgesamt kann man also davon ausgehen, dass de facto nur etwa jeder Zehnte Jugendliche in dieser Altersgruppe ohne Arbeit, das heißt arbeitsuchend, ist. Das bedeutet, dass in dieser Altersgruppe mittlerweile auch nur noch etwa jeder Fünfte einer geregelten Beschäftigung nachgeht. Damit hat sich der Eintritt der jungen Menschen in den aktiven Arbeitsprozess in den letzten Jahren um einige Jahre nach hinten verschoben.

In der seit Mai 2012 amtierenden Regierung unter dem Staatspräsidenten François Hollande gibt es den Posten eines Ministers für Arbeit, Beschäftigung und sozialen Dialog, den François Rebsamen inne hat (davor: Michel Sapin). Die neue Regierung hat den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit zur Hauptaufgabe gemacht und möchte mit der Schaffung von 150 000 Stellen in Unternehmen (emplois d’avenir) Jugendlichen den Übergang ins Arbeitsleben erleichtern.

Meist finden junge Menschen in Frankreich relativ schnell den Weg aus der Arbeitslosigkeit, im Durchschnitt nach etwa vier Monaten (10 Monate in der Altersgruppe der 44- bis 45-Jährigen). Das bedeutet aber nicht, dass sie dann ein gesichertes Arbeitsverhältnis eingegangen sind. In der Regel verlieren etwa die Hälfte der Jugendlichen, die eine Arbeit gefunden haben, diese im Verlauf des ersten Jahres bereits wieder.

Durch finanziell geförderte unbefristete Arbeitsverträge für gering qualifizierte Jugendliche soll den Jugendlichen der Einstieg oder Wiedereinstieg in das Berufsleben erleichtert werden. Ein Beispiel sind die Contrat Jeunes en entreprise (CJE), die Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren ohne Ausbildung oder Abitur einen Arbeitsvertrag in Betrieben bietet.

Die Missions Locales (missions locales pour l’insertion professionnelle et sociale des jeunes) ist in Frankreich ein öffentlicher Jugendhilfeträger, der auf lokaler Ebene tätig ist. Aufgabe ist die soziale und arbeitsmarktliche Integration von Jugendlichen.
Die Mission Locales sind ca. 450 Anlaufstellen flächendecken in ganz Frankreich verteilt für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren, besonders für diejenigen, deren Integration in Gesellschaft und Berufsleben schwierig ist.
Die Missions Locales bieten jungen Menschen ein umfassendes Betreuungsangebot, das die gesamte persönliche Lebenssituation berücksichtigt, indem die Domänen Bildung, Gesundheit, Unterkunft, Kultur und Freizeitbeschäftigung im Beratungsprogramm der Missions Locales zusammengelegt sind.
Im Durchschnitt werden 600 000 Jugendliche pro Monat in den Missions Locales empfangen, individuell beraten und begleitet. Zwischen 1982 und 2007 konnten mithilfe der Missions Locales sieben Millionen Jugendliche in einen unbefristeten Arbeitsplatz integriert werden.

Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit

In der internationalen UNICEF-Vergleichsstudie zum kindlichen Wohlbefinden liegt Frankreich auf Platz 13 von insgesamt 29 untersuchten Industrieländern. Bei der Selbsteinschätzung des subjektiven Wohlbefindens von Jugendlichen liegt Frankreich auf Platz 18 und somit weit vor Deutschland. (Quelle und detailliertere Informationen: Child well-being in rich countries. A comparative overview, 2013)

Selbstwahrnehmung des eigenen Gesundheitszustandes
96% der 15- bis 30-Jährigen bezeichnen ihren Gesundheitszustand als gut. Die Hälfte davon hat sogar das Gefühl bei hervorragender Gesundheit zu sein. Diese positive Selbstwahrnehmung verringert sich mit zunehmendem Alter. Auch zeigt sich ein Unterschied bei den Geschlechtern: Junge Frauen nehmen ihre Gesundheitszustand negativer wahr als junge Männer der gleichen Altersgruppe. Besonders arbeitslose Jugendliche empfinden ihren Gesundheitszustand häufig als schlecht.

Arztbesuch
Acht von zehn jungen Menschen gehen mindestens einmal pro Jahr zu einem Allgemeinarzt. Der Empfehlung der französischen Behörde für Gesundheitsfragen (La Haute Autorité de Santé française, HAS) ein Mal pro Jahr zum Zahnarzt zu gehen, folgt nicht einmal jeder zweite Jugendliche.  7% der 15- bis 30-Jährigen haben schon einmal einen Spezialisten für psychische Gesundheit konsultiert. Eine/-r von 10 Jugendlichen hat im Laufe seines Lebens schon einmal eine Psychotherapie gemacht und 22% haben Psychopharmaka eingenommen – junge Frauen häufiger als junge Männer.

Information
Die Altersgruppe der 15- bis 30- Jährigen zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich besonders gut über Gesundheitsfragen informiert fühlt und zur Information das Internet nutzt. So erklärt es sich auch, dass die 15- bis 30-Jährigen sich weitaus besser informiert fühlen als die 31- bis 75-Jährigen.
Jeder zweite der jungen Menschen hat in den vorangegangenen 12 Monaten vor der Umfrage im Internat nach Ratschlägen und Informationen zu Gesundheitsthemen recherchiert und 15% geben an, dass das Internet ihr Verhalten bezüglich ihrer Gesundheit verändert hat.
93% empfinden sich als gut oder sehr gut informiert über die Themen: Alkohol, Tabak, Verhütung und Aids. In Bezug auf andere Gesundheitsfragen, wie Krebs, Impfungen und andere sexuell übertragbare Krankheiten fühlen sie sich ebenso gut informiert, wenn auch etwas weniger gut als bei den obengenannten Themen. Nur jeder zweite fühlt sich ausreichen informiert über Gesundheitsrisiken, die im Zusammenhang mit Umwelteinflüssen stehen. Schlecht informiert fühlt sich eine Mehrheit über Depressionen, Berufskrankheiten und Alzheimer.

Genuss- und Rauschmittel
Tabak
Mit 44% Tabakkonsument(inn)en, davon 36% regelmäßige, ist die Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen diejenige, mit den meisten Raucher(inne)n. Nachdem der Tabakkonsum in Frankreich in den vergangenen 10 Jahren stetig zurückging, befand er sich zum Zeitpunkt der Befragung (2010) wieder auf einem Höchststand – insbesondere bei jungen Männern.  Während sich die Anzahl der jungen Raucherinnen zwischen 2005 und 2010 verringerte, nahm die Anzahl der jungen Raucher im gleichen Zeitraum zu. Im Durchschnitt beginnen sie mit 15,6 Jahren zu rauchen. 52% der regelmäßigen Tabakkonsument(inn)en möchten mit dem Rauchen aufhören. Die meistgenannten Gründe, um mit dem Rauchen aufzuhören, sind die Gesundheit (53%), die Kosten (24%) und Schwangerschaft (17%). Die sozio-berufliche Situation hat einen Einfluss auf den Tabakkonsum: 23%  der Student(inn)en, 42,5% der Berufstätigen und 53% der Arbeitslosen sind Raucher.

Alkohol
Alkohol ist das meist konsumierte Rauschmittel in der Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen. 82% der Befragten hatten innerhalb des letzten Jahres Alkohol getrunken und 25,5% gaben an, einmal pro Monat betrunken gewesen zu sein (API, alcoolisation ponctuelle importante).  Täglicher Alkoholkonsum ist bei jungen Menschen jedoch selten und trifft nur für 2,5% der Befragten zu. Ebenso wie beim Tabakkonsum ist auch der Alkoholkonsum wieder angestiegen, nachdem er in den Vorjahren rückläufig war. Den ersten Alkoholrausch erleben die Jugendlichen im Durchschnitt mit 16 Jahren. Übermäßiger Alkoholkonsum ist nach wie vor in erster Linie eine männliche Verhaltensweise doch die Diskrepanz zwischen jungen Männern und jungen Frauen verringert sich (2005: 48 % der jungen Männer und 19 % der jungen Frauen; 2010: 57 % der jungen Männer und et 33,5 % der jungen Frauen). Junge Frauen bevorzugen Wein, während junge Männer eher zu Bier oder harten Alkoholika greifen.

Illegale Drogen
Mit 51% bei jungen Männer und 38% bei jungen Frauen ist der Cannabiskonsum in Frankreich seit dem Jahr 2000 gleichbleibend. Erste Erfahrungen mit Cannabis machen junge Menschen im Durschnitt mit 17 Jahren. Andere illegale Drogen, die (nicht ganz so häufig wie Cannabis) konsumiert werden, sind vor allem Poppers (10,5% der jungen Männer und 7% der jungen Frauen) und Kokain (5,5% der jungen Männer und 5% der jungen Frauen).

Weitere Informationen zum Drogenkonsum unter französischen Jugendlichen finden Sie auf der Seite der Europäischen Schul-Überwachungsstelle für Alkohol und andere Drogen (ESPAD, European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs) sowie in der Veröffentlichung des Observatoire français des drogues et des toxicomanies (OFDT):  "Alcool, tabac et cannabis durant les années lycée" (November 2013) und 

Frankreich gehört zu den Ländern mit den härtesten Drogengesetzen Europas. Die Herstellung, die Weitergabe und der Konsum von Drogen sind entweder streng geregelt oder gänzlich verboten. Für Alkohol und Tabak gelten eigene Regelungen. Hier finden Sie Informationen zur französischen Gesetzgebung zum Thema Drogen.
Das Observatoire français des drogues et des toxicomanies, OFDT (Französische Beobachtungsstelle für Drogen und Sucht) beschäftigt sich ebenfalls mit den strafrechtlichen Sanktionen bei Drogenkonsum.

Weitere allgemeine Informationen, mit einem besonderen Fokus auf Jugendlichen, sowie Angaben von Telefondiensten, Internetseiten und örtlichen Hilfsangeboten und Beratungsstellen unter: www.drogues-dependance.fr sowie auf der Seite der Mission interministérielle de lutte contre la drogue et la toxicomanie: www.drogues.gouv.fr/.

Drogues Alcool Tabac Info Service 113 ist ein nationaler, kostenloser und anonymer Telefondienst zur Information und Prävention in Sachen Drogen und Drogenabhängigkeit.


Ernährung
Junge Frauen ernähren sich im Allgemeinen gesunder als junge Männer. Sie essen mehr Obst und Gemüse, seltener fast-Food-Produkte und trinken weniger zuckerhaltige Getränke als junge Männer.

Schlaf
Die Durchschnitts-Schlafzeit der 15- bis 30-Jährigen liegt bei 7 Stunden 26 Minuten, (7 Stunden 37 bei jungen Männern und 7 Stunden 15 Minuten bei jungen Frauen), weniger als die empfohlene tägliche Menge an Schlaf für diese Altersgruppe. Fast ein Viertel von ihnen klagen über chronischen Schlafmangel. Unter Schlafstörungen leiden junge Frauen (19%) eher als junge Männer (9%). 11% greifen zu Schlafmitteln.

Weitere Informationen und Quellen:

Sport

Frau mit Ball.
Frau mit Ball.Bild: © MaFiFo / fotolia.com

Sport spielt in Frankreich eine große Rolle, vor allem auch bei jungen Menschen. Von 2002 bis 2004 gab es ein eigenes Ministerium für Sport. In der französischen Regierung unter Hollande waren seit dem 16. Mai 2012 die Ressorts Sport, Jugend, Volksbildung und Verbandswesen gemeinsam in einem Ministerium zusammengefasst, seit April 2014 dann die Ressorts Frauenrechte, Stadt Jugend und Sport. Dem Sport in der Erziehung und der Gesundheitsvorsorge im Jugendbereich wird weiterhin große Bedeutung beigemessen.

Die Organisation des sportlichen Lebens in Frankreich ruht fast ausnahmslos auf den Schultern der Vereine. Etwa ein Viertel aller registrierten Vereine in Frankreich sind Sportvereine (170 000 von 730 000). Diese haben ungefähr 14 Millionen Mitglieder. Der nationale Dachverband für den Sport in Frankreich ist das Comité National Olympique et Sportif Francais (CNOSF), in dem 89 Sportverbände Mitglied sind und das auch für den Jugendbereich und die internationalen Beziehungen zuständig ist. 

Die Sportkarte (Coupon sport) ist ein personengebundener Ausweis im Wert von 16 €, der jeweils ein Jahr gültig ist. Der Ausweis kann von der ganzen Familie benutzt werden, wenn die Familie eine finanzielle Beihilfe zum Schulanfang bekommt. Mit der Sportkarte kann man an allen Sportarten, die von durch das Sportministerium anerkannten Sportclubs und Vereinen angeboten werden, teilnehmen. Informationen erteilen die für Jugend und Sport zuständigen Stellen im jeweiligen Département, die Rathäuser (Stadtverwaltungen) und die Nationale Agentur für Ferienschecks (Agence Nationale pour les Chèques-Vacances). 

Die Mitgliedschaft des Ministeriums für Sport und Jugend in der Jugend- und Sportministerkonferenz der französischsprachigen Länder (Conférence des ministres de la Jeunesse et des Sports des pays ayant le français en partage - CONFEJES) ermöglicht jungen Französinnen und Franzosen die Teilnahme an den Frankofonie-Spielen (Jeux de la Francophonie), die im künstlerischen und sportlichen Bereich seit 1989 ausgetragen werden. 2013 werden die Spiele in Frankreich stattfinden.

Politische Bildung

Mädchen mit französischer Flagge.
Mädchen mit französischer Flagge. Bild: lcarissimi / pixabay.com

Der Begriff der außerschulischen Jugendbildung, wie er in Deutschland gebräuchlich ist, existiert in Frankreich so nicht. Alle Arten von Bildung und Erziehung von jungen Menschen (und Erwachsenen), die außerhalb der Schule stattfinden, werden als Volkserziehung oder Volksbildung (éducation populaire) bezeichnet. Diese Erziehung/Bildung wird von den Jugendverbänden und -vereinen wahrgenommen. 

Von staatlicher Seite aus wird das System der so genannten CREPS (Centres d’éducation populaire et de sport) betrieben. Die CREPS sind öffentliche Bildungseinrichtungen, die prinzipiell auf regionaler Ebene tätig sind, aber ihre Aktionen auch auf nationaler oder interregionaler Ebene ausüben können. Die CREPS sind weniger für politische Jugendbildung zuständig, sondern sie bilden aus und qualifizieren (zum Beispiel Mitarbeitende im Jugend-, Sport- und Bildungsbereich), entwickeln praktische Modelle der aktiven Erziehung und Jugendarbeit. Darüber hinaus forschen und dokumentieren sie in den oben genannten Bereichen. 

Eine Liste aller CREPS in Frankreich finden Sie hier

Informationen zum Wahlverhalten und zur politischen Beteiligung französischer Jungendlicher zwischen 18 und 24 Jahren im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen 2012 können Sie in "Jeunesses études et synthèses" nachlesen: Retour sur la présidentielle de 2012: comment les jeunes ont-ils voté?

Links

Place Publique mit Informationen über Mitwirkung und Demokratie sowie dauerhafte Entwicklung, dem Erfahrungsaustausch zwischen den Bürgern

Reader zur "Jugendbeteiligung vor Ort" mit internationalen Praxisbeispielen aus der Schweiz, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. IJAB Bonn, 2012. Download hier ...

Freiwilliges Engagement

Die französische Regierung ist bemüht, das freiwillige Engagement in der Gesellschaft zu stärken. Eines der jugendpolitischen Ziele der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Jugend (Comité interministériel de la jeunesse) lautet „Fördern und Aufwerten des freiwilligen Engagements Jugendlicher“ (Promouvoir et valoriser l’engagement des jeunes). In Folge eines Treffens im Februar 2013 hat diese Arbeitsgruppe gezielte Maßnahmen eingeleitet, um junge Menschen zu mehr Partizipation in politischen Vereinigungen, Vereinen und Gewerkschaften zu bewegen. Ein Arbeitsstab im Jugendministerium wurde eingerichtet, um die Gründung von Jugendvereinigungen zu unterstützen. Ab Juni 2015 wird der 2010 eingeführte Freiwilligendienst (Service civique) auf Initiative von Staatspräsident François Hollande stark ausgeweitet und mehr Plätze zur Verfügung gestellt.

Laut einer Studie «La Situation du Bénévolat ein France en 2013» des Meinungsforschungsinstituts IFOP (Institut français d'opinion publique)  von Juni 2013 ist die Zahl der engagierten Bürger/- innen in Frankreich zwischen 2010 und 2013 um 14 % gestiegen. 40 % der Franzosen sind in ihrer Freizeit in Vereinen (12,5 Millionen), in Gewerkschaften, politischen oder religiösen Vereinigungen (4,2 Millionen) oder direkt in ihrem sozialen Umfeld tätig (9,7 Millionen). Besonders junge Menschen im Alter zwischen 15-35 Jahren engagieren sich zunehmend – eine Steigerung von 32 % (gegen 10 % bei den 35-65-Jährigen). 

In Frankreich gibt es verschiedene Arten von Freiwilligendiensten, die sich – abhängig vom jeweiligen Dienst – an junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren richten. Sie alle stehen auch Bürgern aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union offen.

1 – Der staatlich organisierte Freiwilligendienst (Service Civique)
Der staatlich organisierte Freiwilligendienst kann bei Vereinen, Gebietskörperschaften (Kommune, Departement oder Region) oder bei öffentlichen Einrichtungen (Museen, Schulen u.a.) in Frankreich oder im Ausland geleistet werden. Die Laufzeit beträgt 6 bis 12 Monate mit mindestens 24 Wochenarbeitsstunden. Ein freiwilliges Engagement ist also mit der Fortsetzung des Studiums oder mit einer Teilzeitbeschäftigung vereinbar.
Einsatzmöglichkeiten bestehen in neun großen Bereichen: Kultur und Freizeit, internationale Entwicklung und humanitäre Maßnahmen, Bildung für alle, Umwelt, Hilfseinsätze bei Katastrophen, Gedenken und Bürgersinn, Gesundheit, Solidarität, Sport.
Der Freiwilligendienst wird mit 573 Euro netto monatlich vergütet (davon 467,34 € vom Staat und 106, 31 € von der Trägerorganisation). Diese Vergütung erfolgt in Form von Geld- oder Sachleistungen, wie die Übernahme von Verpflegungs- oder Transportkosten.
www.service-civique.gouv.fr

2 – Der staatlich organisierte Freiwilligendienst für Erwachsene (Volontariat de Service Civique)
Jeder über 25 kann einen Freiwilligendienst über einen Zeitraum von 6 bis 24 Monaten leisten. Dieser Dienst kann durchgeführt werden in Einrichtungen, die allgemeine Interessen verfolgen wie Vereine, Stiftungen oder bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts in den Departements und den Überseegebieten. Die Freiwilligen erhalten eine Aufwandsentschädigung und eine soziale Absicherung, die von der Einrichtung übernommen werden.
www.service-civique.gouv.fr

3 – Der Europäische Freiwilligendienst (Service Volontaire Européen)
Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) der Europäischen Union bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich als Freiwillige in einem gemeinnützigen Projekt im Ausland zu engagieren, z.B. in den Bereichen Kunst und Kultur, Umwelt, Chancengleichheit, soziale Integration, Medien und Kommunikation, Europäisches Bewusstsein oder Drogenprävention.
Der Europäische Freiwilligendienst ist offen für junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren aus allen Programmländern und den förderfähigen Drittländern. Ein bestimmter Bildungsabschluss ist nicht Voraussetzung für die Teilnahme. Der EFD bietet keine Praktikumsmöglichkeit im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums.
Sprachkurs, Reisekosten, Unterbringung und Verpflegung sind frei. Gezahlt wird außerdem ein monatliches Taschengeld. Die Freiwilligen werden für die Dienstzeit krankenversichert und erhalten eine Unfall/Invaliditäts- und Haftpflichtversicherung. Das Kindergeld wird weiter gezahlt.
www.france-volontaires.org

4 – Der internationale Freiwilligendienst in Verwaltungseinrichtungen (Volontariat International en Administration)
Botschaften, Alliances Françaises, Forschungseinrichtungen, Finanz- und Wirtschaftsabteilungen bei Französischen Botschaften usw. Der internationale Freiwilligendienst in Verwaltungseinrichtungen eröffnet die Möglichkeit, für Einrichtungen des französischen Staats im Ausland zu arbeiten.
Die Freiwilligen erhalten monatlich zwischen 1200 € und 2800 €, je nach Gastland. Der Dienst umfasst 6 bis 24 Monate.
www.civiweb.com/

5 – Der internationale Freiwilligendienst im Unternehmen (Volontariat International en Entreprise)
Diese Form des internationalen Freiwilligendienstes bietet französischen Unternehmen die Möglichkeit, einem jungen Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren einen Auslandsauftrag für eine Dauer von 6 bis 24 Monaten anzuvertrauen.
Die Freiwilligen erhalten monatlich zwischen 1200 € und 3000 € netto, je nach Gastland. Alle Berufsgruppen sind in das Programm eingeschlossen: Finanzen, Marketing, internationaler Handel, Management, Buchhaltung, technische Berufe, Telekommunikation, Informatik, Hoch- und Tiefbau, Agrarwissenschaft, Tourismus, Rechtsberufe, Personalverwaltung…
www.civiweb.com/

6 – Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst (Volontariat Franco-Allemand)
Das DFJW koordiniert seit 2007 einen Deutsch-Französischen Freiwilligendienst, der von der staatlichen französischen Agence du Service Civique, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) sowie von französischen und deutschen Schulen und Vereinen unterstützt wird.
Ein Jahr Freiwilligendienst im anderen Land ermöglicht es jungen Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren, die Kultur des Partnerlandes näher kennenzulernen, vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen oder gar die Partnersprache zu erlernen. Darüber hinaus bietet er die Möglichkeit, die eigenen, sozialen Kompetenzen zu verbessern und birgt so auch beruflich Vorteile.
Die Freiwilligen erhalten ein monatliches Taschengeld für Unterkunft und Verpflegung. Der Betrag kann je nach Verein und Art des Freiwilligendienstes unterschiedlich ausfallen. Während seines Aufenthalts im Partnerland ist der Freiwillige weiterhin über seine gesetzliche Krankenkasse versichert. Er muss vor Antritt des Freiwilligendienstes die Europäische Versicherungskarte beantragen.
www.volontariat.ofaj.org

(Quelle: http://www.ambafrance-de.org/Freiwilligendienste-in-Frankreich)

Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Activities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter: http://pjp-eu.coe.int/en/web/youth-partnership/voluntary-activities1und auf der Seite der französischen NPO France Bénévolat, die die Förderung und Unterstützung der Freiwilligenaktivitäten zum Ziel hat.

Kultur und Kreativität

Für den Bereich der Kultur ist in Frankreich das Ministerium für Kultur und Kommunikation (Ministère de la Culture et de la Communication) zuständig. Eine seiner Aufgaben ist die künstlerische und kulturelle Bildung der Kinder und Jugend (éducation artistique et culturelle des enfants et des jeunes), die unter anderem der bestehende Rahmenplan für die Entwicklung der künstlerischen und kulturellen Bildung vorgibt.

Hier gibt es sowohl schulische als auch außerschulische Projekte und Maßnahmen unter anderem in den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Bildhauerkunst, Museen, nationales Erbe. Beispielsweise können junge Leute in Ateliers künstlerisch tätig werden, sich mit Künstlerinnen und Künstlern treffen, pädagogische Materialien nutzen, an Führungen und Aktionen für junge Leute durch Museen und nationale Denkmäler wie zum Beispiel L’été des 6-12 ans teilnehmen. 

Jugendbereich des französischen Kulturportals Espace Jeunes

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Wie die anderen europäischen Industrienationen, hat Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeitskräfte aus Südeuropa, Polen und Nordafrika, so genannte Gastarbeiter, angeworben, um die Anforderungen seiner wachsenden Wirtschaft zu bedienen. In den 1950er und 60er Jahren verstärkte sich die Einwanderung infolge der Unabhängigkeitsbewegungen in den ehemaligen Kolonien (v.a. Maghreb und das subsaharische Afrika). Im Verlauf des Algerienkrieges (1954-62) und nach der Unabhängigkeit des Landes kam es zu einer massiven Einwanderung nach Frankreich. Bis heute stellen die Algerier mit 713 334 die grösste Einwanderergruppe. Weitere maßgebende Herkunftsregionen sind Marokko mit 653 826 und die Türkei mit 238 862 Einwanderern. (Stand 2008, Quelle: http://www.insee.fr/fr/). Bedingt durch die Wirtschaftskrise in den frühen 1970er Jahren, wurden 1974 alle Anwerbeprogramme gestoppt. Die staatlich gewollte Einwanderung wurde ab jetzt von der Einwanderung im Zuge von Familienzusammenführungen und von Asylsuchenden abgelöst.

Ende der 80er Jahre ist ein erheblicher Anstieg der Anträge auf politisches Asyl zu verzeichnen. Da andere Migrationskanäle so gut wie verschlossen blieben, war der Asylantrag die einzige Form, einen "legalisierten" Ausländerstatus zu erreichen. In den frühen 1990er Jahren setzte der konservative Innenminister Charles Pasqua (RPR) unter dem Slogan immigration zéro eine restriktive Einwanderungspolitik durch, die sich in rückläufigen Einwanderungszahlen niederschlug. Der Regierungswechsel 1997 brachte eine Lockerung dieser restritktiven Einwanderungspolitik: es wurde ein spezieller Einwanderungsstatus für hochqualifizierte Arbeitnehmer, Wissenschaftler und Künstler geschaffen und ein Legalisierungsprogramm für illegal eingewanderte Ausländer aufgelegt. Von 150 000 Antragstellern erhielten 87 000 einen legalen Aufenthaltsstatus. Gleichzeitig wurde unter dem Begriff  "asile territorial" und konform der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) ein zweiter Asylstatus geschaffen, der zunächst nur für Flüchtlinge des algerischen Bürgerkriegs Gültigkeit hatte. Auf Druck verschiedener Migrantenrechtsorganisationen wurde dieser Status für alle Nationalitäten geöffnet. Das asile territorial kann dann beantragt werden, wenn eine Rückkehr eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, wobei die Gefahr nicht vom Staat ausgehen muss. Daraufhin stieg die Zahl der Asylanträge wieder an. Heute macht das asile territorial den geringsten Anteil der Asylverfahren aus. Die konservative Regierung unter Premier Dominique de Villepin (UMP) und Innenminister Sarkozy (UMP) hat die Einwanderungsbestimmungen weiter verschärft. Im Jahr 2003 wurden nur 100 800 Asylanträge positiv beschieden, wobei die meisten Antragsteller entgegen dem Trend der letzten Jahre (Afrika und Asien), aus Europa und Lateinamerika kamen. 
(Quellen: Länderprofil Frankreich, Migration und Bevölkerung: www.migration-info.de; Bericht des Obersten Rechnungshofes (Cour des Comptes) zur Integrationspolitik: www.ccomptes.fr; Statistische Daten: Les orientations de la politique d'immigration. Bericht des Innenministeriums zur Einwanderungspolitik)

Staatsangehörigkeit und Integration von Migranten
Das französische Einwanderungsmodell basiert auf dem Prinzip der Citoyenneté (Staatsbürgerschaft/ Staatsangehörigkeit), das auf die Französische Revolution zurückgeht und die politischen Rechte und Pflichten der Zuwanderer gegenüber dem Französischen Staat beschreibt. Durch die Einbürgerung erhalten Einwanderer politische Partizipationsrechte, die ihnen eine uneingeschränkte Teilnahme am politischen Leben der Nation ermöglicht. Immigranten werden somit als einzelne politische Akteuere wahrgenommen und nicht als Teil einer Gruppe. Es gibt kein spezifisches Integrationskonzept für Zuwanderer, dies geschieht allein über die Staatsbürgerschaft. Der laizistische Staat und die Kultur Frankreichs erwarten von jedem Einzelnen eine graduelle Anpassung an französische Werte und Kulturmuster. Es gibt so gut wie keinen politischen und kulturellen Spielraum für ethnische Unterschiede. Auch die "islamische Frage" wurde in Frankreich bislang monokulturell diskutiert. Artikel 1 der Verfassung bringt dieses Prinzip der "einen und unteilbaren Republik" zum Ausdruck. 

Es gilt das jus soli (Bodenrecht), wonach in Frankreich geborene Kinder ausländischer Eltern mit der Vollendung des 18. Lebensjahres automatisch die französische Staatsangehörigkeit erhalten. Im Ausland geborene und in Frankreich lebende Personen können unter bestimmten Voraussetzungen die Staatsangehörigkeit erlangen. Sie müssen mindestens 5 Jahre im Land leben, über ausreichenden Sprachkenntnisse verfügen und keine Sozialleistungen beziehen. Im Jahr 2000 gab es 150 025  Einbürgerungen nach dieser Regelung. Die meisten Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind Kinder von Einwanderern der zweiten und dritten Generation. Obwohl diese Jugendlichen französische Staatsbürger sind und die französische Sprache sprechen, leben sie oft in von der französischen Gesellschaft abgetrennten Einwanderer-Milieues in den Vorstädten, den so genannten Banlieues, der Metropolen, und bleiben von sozialen Aufstiegsschancen abgeschnitten. Die Staatsangehörigkeit ist ein wichtiges Instrument der Integration, es reicht aber nicht aus, um das friedliche Miteinander zwischen der französischen und den vielfältigen Einwanderungskulturen zu garantieren.

Um die bessere Integration der Migranten in die französische Gesellschaft zu fördern, wurde 2002 von der Regierung eine operative Agentur gegründet, die Agence nationale de l’accueil des étrangers et des migrations (ANAEM) - Nationale Agentur für die Aufnahme von Ausländern und Migranten. Die Einwanderer erhalten einen sogenannten Contrat d'accueil et d'intégration (CAI), der grundlegende Informationen über den französischen Staat und der Gesellschaft enthält. Des weiteren bietet der Staat den ausländischen Bürgern folgende kostenlose Integrationsleistungen an: eine gesundheitliche Untersuchung, einen Informationstag "Vire en France" über Geschichte, Gesellschaft und französische Alltagskultur, einen Sprachtest, eine Beratung durch einen Sozialarbeiter, Beratung zum Berufseinstieg in Frankreich, sowie einen Sprachkurs (200 bis 500 Stunden). 
(Quellen: Agence Nationale de l'accueil des étrangers et des migrations unter: http://www.ofii.fr/; Tiemann, Sophia: Die Integration islamischer Migranten in Deutschland und Frankreich. Ein Situationsvergleich ausgewählter Bevölkerungsgruppen, Berlin: Wostok Verlag, 2004, S. S.25-27) 

Jugend und Migration
Weil in Frankreich geborene Jugendliche ausländischer Eltern formell französische Staatsbürger sind (jus soli), hat das Thema Migration und Integration in der französischen Jugendpolitik (noch) keine besondere Stellung. Es gibt keine offiziellen Programme des Jugendministeriums oder des Ministeriums für sozialen Zusammenhalt, die die Situation und die Bedürfnisse dieser Jugendlichen berücksichtigen. Auch fehlt eine spezifische Jugendforschung zu diesem Aspekt der Jugendpolitik und Jugendarbeit. Zwar haben Jugendliche mit Migrationshintergrund in Frankreich durch die französische Staatsangehörigkeit den selben rechtlichen Status wie französische Jugendliche, faktisch aber sind sie, trotz französischer Mutterprache, benachteiligt. Sie gelten als Bürger zweiter Klasse. Dies zeigt sich an der hohen Zahl von Schulabbrechern und der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Unter dem ehemaligen Premierminister Dominique de Villepin wurde ein Plan zur Arbeitsbeschafftung La bataille pour l'emploi (Der Kampf für Arbeit) verabschiedet, in dem besondere Angebote für Jugendliche vorgesehen sind.

Mit 40 bis 50 % ist das Problem fehlender Arbeitsplätze in den Banlieues in explosiver Weise konzentriert. Seit den 80er Jahren kam es in den Banlieues der Großstädte Paris, Marseille, Lyon, Straßburg oder Lille immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen und Straßenschlachten mit der Polizei.

Links

https://www.unicef.fr/contenu/espace-medias/ni-sains-ni-saufs-enquete-sur-les-mineurs-non-accompagnes-dans-le-nord-de-la-france - UNICEF-Studie 2016 zu unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Nordfrankreich "Ni sains, ni saufs : enquête sur les mineurs non accompagnés dans le Nord de la France"
www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/135107/frankreich - Dossier 'Migration' Frankreich der Bundeszentrale für politische Bildung
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Den Begriff der Jugendsozialarbeit als Oberbegriff für alle Maßnahmen zur Unterstützung Jugendlicher, einen Platz als anerkanntes und verantwortliches Mitglied der Gesellschaft zu finden, gibt es so in Frankreich nicht. Der Begriff ist auch in seiner Bedeutung nicht adäquat zu übersetzen (travail social pour l'intégration des jeunes en difficulté).

Natürlich gibt es, ähnlich wie in Deutschland, in Frankreich Maßnahmen und Hilfen für Jugendliche, die in ihrer Entwicklung benachteiligt und bedroht sind. Diese werden in erster Linie von einzelnen Ministerien koordiniert und finanziert wie:

Auf regionaler Ebene gibt es bei den Generalräten, die für den Kinder- und Jugendschutz zuständig sind, Direktionen für Kinder und Familie, die soziale Hilfe und Unterstützung erweisen.

Auf Vereins- und Verbandsebene sind zahlreiche Organisationen in diesem Bereich tätig. Einen Dachverband der Jugendsozialarbeit gibt es nicht.

Eine weitere wichtige Einrichtung für Kinder ist der Nationale Telefondienst für misshandelte Kinder (Service National d’Accueil Téléphonique pour l’Enfance maltraitée, SNATEM) unter der Telefonnummer 119, der rundum zur Verfügung steht. Der Telefondienst wird von erfahrenen Psycholog(inn)en, Sozialarbeiter(inne)n, Jurist(inn)en, Mediziner(inne)n und anderem Fachpersonal betreut.

Frankreich ist Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zum französischen Büro unter www.defenseurdesdroits.fr. http://www.barnombudsmannen.se/

Zentrale Einrichtungen und Organisationen

In erster Linie ist für die internationale Jugendarbeit das Ministerium für Stadtentwicklung, Jugend und Sport zuständig. Innerhalb des Ministeriums ist die Abteilung für Jugend, außerschulische Bildung und Verbandswesen mit der Koordination der internationalen jugendpolitischen Zusammenarbeit beauftragt. Die Abteilung hat die Aufsicht über das Deutsch-Französische Jugendwerk DFJW/OFAJ (siehe Zusammenarbeit Deutschland) und das Französisch-Kanadische Jugendwerk OFQJ. Außerdem arbeitet das Ministerium Bereich eng mit dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten zusammen. 

Das Institut National de la Jeunesse et de l’Èducation populaire – INJEP ist für die Umsetzung des Europäischen Aktionsprogramms JUGEND zuständig.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Angemalte Hände mit deutscher Flagge und französischer Flagge greifen ineinander.
Angemalte Hände mit deutscher Flagge und französischer Flagge greifen ineinander.Bild: © Nelos / fotolia.com

Die Zusammenarbeit mit Deutschland wird im Wesentlichen über das Deutsch-Französische Jugendwerk – DFJW abgewickelt. Die Gründung des DFJW im Jahre 1963 war ein Meilenstein auf dem Weg der deutsch-französischen Annäherung und Partnerschaft. Seit der Gründung konnten sich etwa 7 Millionen junge Franzosen und Deutsche begegnen und in gemeinsamen Programmen und Projekten von einander lernen. Das DFJW fördert jährlich über 7000 Begegnungen, an denen rund 200 000 Jugendliche teilnehmen. Das DFJW fördert insbesondere den Jugendaustausch zwischen

  • Jugendorganisationen
  • Sportvereinen
  • Sprachzentre
  • Berufsbildungseinrichtunge
  • Standesorganisationen und Gewerkschaften
  • Schulen und Universitäten
  • Gemeinden
  • Partnerschaftskomitees

Das DFJW hilft seinen Partnern bei finanziellen, pädagogischen und sprachlichen Fragen des Austauschs. Es unterstützt sie bei der inhaltlichen Vorbereitung und Analyse der Begegnungen, informiert und berät sie.

Im Rahmen des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags haben die Regierungschefs von Frankreich und Deutschland eine gemeinsame Erklärung und neue Leitlinien für die Jugendminister beider Länder verabschiedet. In den Leitlinien wird festgehalten, dass zukünftig verstärkt Jugendinitiativen gefördert werden sollen, dass die Freiwilligenprogramme beider Länder näher zusammengebracht werden sollen (zum Beispiel Freiwilliges Soziales Jahr) und dass die interkulturelle Komponente in der Begegnungsarbeit intensiviert werden soll, auch in der verstärkten Zusammenarbeit mit Drittländern. Die Regierungschefs bestätigen gleichzeitig, dass das DFJW auch weiterhin eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit spielen soll, wobei die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Behörden und Einrichtungen der Jugendarbeit noch intensiviert werden soll. Der 22. Januar ist zum Deutsch-Französischen Tag erklärt worden, der zukünftig zur Sympathiewerbung für vertiefte Beziehungen zwischen beiden Ländern genutzt werden soll.

Auf dem Gipfeltreffen in Poitiers 2003 wurde auch eine Arbeitsgruppe Jugend/Bildung/Sprache (Bericht Seiten 63-76) zu dem vom Deutsch-Französischen Jugendparlament anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrages angeregten Deutsch-Französischen Geschichtsbuch gebildet.  

Am 17. Januar 2006 hat der französische Senat in Paris das Abkommen zur Reform des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) ratifiziert. Damit ist das Gesetzgebungsverfahren zur Neufassung des Abkommens abgeschlossen. Die ehemalige Bundesjugendministerin Renate Schmidt und ihr französischer Amtskollege Jean-François Lamour hatten das Abkommen zur Reform des DFJW beim Deutsch-Französischen Ministerrat vergangenes Jahr in Paris unterzeichnet. Ziel der Reform ist es, den deutsch-französischen Jugendaustausch an die nach vierzig Jahren veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Im Abkommen werden deswegen künftig die Ziele des Jugendwerks beschrieben und dem DFJW so mehr Flexibilität gegeben: Neben dem Erwerb sprachlicher Kompetenzen, soll die Kultur des anderen vermittelt, interkulturelles Lernen gefördert, die berufliche Qualifizierung unterstützt werden und für die besondere Verantwortung Deutschlands und Frankreichs in Europa sensibilisiert werden.

Strukurelle Veränderungen durch die Reform:

  • das bisherige Kuratorium wird aufgesplittet in: 
    • ein Entscheidungsgremium,
    • den Verwaltungsrat und in
    • ein beratendes Gremium, den Beirat.

Damit wurde einem seit langem bemängelten Interessenkonflikt Rechnung getragen. Dieser entstand dadurch, dass im Kuratorium Vereine und Verbände über den Haushalt des DFJW entschieden und gleichzeitig Zuwendungsempfänger der Institution waren. Als weiteres innovatives Element der Reform wird es zukünftig zwei gleichberechtigte und nach dem Kollegialitätsprinzip arbeitende Generalsekretäre - einen Deutschen und einen Franzosen - geben.

Der Nationale Jugendrat CNAJEP hat eine deutsch-französische Arbeitsgruppe, die sich regelmäßig trifft und Aktivitäten in der Zusammenarbeit mit Deutschland beschließt.

Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Neben den bilateralen Beziehungen mit Deutschland, die durch das Deutsch Französische Jugendwerk betrieben werden, unterhält Frankreich vor allem intensive jugendpolitische Beziehung mit Québec, für die das Französisch-Kanadische Jugendwerk (Office franco-québécois pour la jeunesse, OFQJ) zuständig ist. Außerdem vereinfacht ein spezielles Französisch-kanadisches Abkommen zur Jugendmobilität (Accord France-Canada sur la mobilité des jeunes) den Austausch zwischen den beiden Ländern.

Im Rahmen von so genannten Kulturabkommen (accord culturel cadre) existieren internationale jugendpolitische Beziehungen zu etwa 20 weiteren Ländern, vorwiegend in Ost- und Westeuropa sowie im Mittelmeerraum. Spezielle Kooperationsverträge sind auch mit Libanon, Vietnam und Palästina geschlossen worden. Im Rahmen dieser Abkommen werden hauptsächlich Jugend- und Fachkräfteaustauschmaßnahmen gefördert und durchgeführt. Das Ministerium für Jugend und Sport vertritt Frankreich auf europäischer Ebene im Bereich Jugendfragen.
Informationen zu Frankreichs internationale jugendpolitische Beziehungen finden sich unter „Mobilité Internationale“ auf der Seite des französischen Jugendministeriums: http://www.jeunes.gouv.fr/

Das französische Ministerium für Jugend und Sport ist neben dem französischen Außenministerium Mitglied in der Jugend- und Sportministerkonferenz der französischsprachigen Länder (Conférence des ministres de la Jeunesse et des Sports des pays ayant le français en partage - CONFEJES). Es kooperiert dort mit den vertretenen Partnerländern zum Beispiel bei der Ausarbeitung von nationalen Jugend- und Sportpolitiken insbesondere in den afrikanischen Mitgliedstaaten, im Trainingsbereich für Jugendbetreuerinnen und -betreuer/-innen, bei der Organisation von Sportveranstaltungen und Jugendtreffen. 

Die dem französischen Außenministerium beigeordnete Staatssekretärin für Entwicklung und Frankofonie (Secrétaire d'État au Développement et à la Francophonie) vertritt in der  Organisation internationale de la Francophonie, OIF (ehemals: Agence intergouvernementale de la Francophonie) die Interessen Frankreichs. Die Internationale Organisation der Frankophonie hat das Ziel, durch multilaterale Zusammenarbeit den Frieden, den Dialog der Kulturen, die Entwicklung und die Jugend zu fördern unter anderem durch gezielte Programme wie das Programme de mobilité des jeunes dans l'espace francophone (PMJ). Die OIF hat auch ein eigenes Jugendportal (Portail Jeunesse): http://www.jeunesse.francophonie.org/.

Mobilität

Um berufliche Auslandserfahrungen zu sammeln oder um zu immigrieren, ist Québec das Zielland Nummer eins außerhalb Europas für junge Franzosen und Französinnen. (Quelle: http://www.ofqj.org/)

Sehr beliebt sind in Frankreich die so genannten Feriendörfer (Centres des vacances), in denen Kinder und Jugendliche auch ohne ihre Eltern, individuell oder in Gruppen ihre Ferien verbringen können. Zahlreiche Feriendörfer empfangen Kinder im Rahmen von Schulaufenthalten. (Quelle: www.franceguide.com)

Rund 71% der Franzosen erachten gerade Ferien für Kinder und Jugendliche als besonders wichtig. Der Verband La Jeunesse au Plein Air macht sich dafür stark und hat den Aufruf Un million d'enfants de plus en vacances! an Entscheidungsträger im Bereich Kinder- und Jugendreisen sowie -ferien gerichtet mit der Aufforderung, mehr Kindern und Jugendlichen Ferien zu ermöglichen. Zum Beispiel ging die Forderung an die französische Bahngesellschaft SNCF, bessere Gruppentarife für Kinder- und Jugendgruppen anzubieten.

Frankreich ist Mitglied in der European Youth Card Association (EYCA). Am 13. September 2016 haben der Europarat, die Stadt Straßburg, die Universität Straßburg und der Verband der Europäischen Jugendkarte (EYCA)  die Jugendkarte in Frankreich eingeführt.
Die Europäische Jugendkarte bietet jungen Menschen unter 31 Rabatte bei Reisen, Unterkunft, Transport, Kultur, Sport, Bildung, Versicherung und vielerlei Produkten in 35 Ländern in Gesamteuropa. Mehr Informationen zur EURO26 unter http://www.euro26.org.

Frankreich ist Programmland im EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Die französische Nationalagentur für die Umsetzung des Programms (Agence Erasmus+ France Jeunesse & Sport) ist das Institut National de la Jeunesse et de l’Education populaire mit Sitz in Paris.

Weitere Informationen zu Frankreich für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: http://europa.eu/youth/FR_de

Weitere Informationen zur französischen Jugendmobilitätsstrategie finden Sie unter 'Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme'

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Jugend in der Welt

Informationen zum Thema "Jugend in der Welt (Youth in the World)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy.

Karte, auf der Impressum steht.
Karte, auf der Impressum steht.Bild: geralt / pixabay.com

Impressum - Frankreich

Die Länderinfos zu FRANKREICH wurden gesammelt zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: Oktober 2017

Kontakt: dija(at)ijab.de