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Relevante Gesetze

Verfassung
Die griechische Verfassung betrifft sowohl indirekt als auch direkt die Belange junger Menschen:

  • Artikel 16 (indirekt): Der Artikel betrifft hauptsächlich die Bildung und definiert die Rolle des Staates bei der intellektuellen, professionellen, moralischen und körperlichen Entwicklung junger Menschen. Kernaussage des Artikels ist die Verantwortung des Staates, Kunst, Wissenschaft, Unterricht und Forschung kostenlos für Bürger/-innen zu gewährleisten bei einer Mindestschulpflicht von neun Jahren. Zielsetzung ist die Heranbildung “freier und verantwortungsbewusster Bürger/-innen“.
  • Artikel 21 (direkt): Der Artikel bezieht sich auf die Verpflichtung des Staates zur Ergreifung gesundheitsfördernder Maßnahmen, unter anderem für junge Menschen.

Nationale Gesetze
Die nationale Gesetzgebung im Bereich Jugend bezieht sich auf folgende Bereiche:

  • Jugendbeschäftigung (Schutz junger Berufstätiger, besondere Maßnahmen für junge Berufstätige),
  • Sport (besondere Maßnahmen für junge besonders talentierte Sportler/-innen wie z. B. leichteren Zugang zu staatlichen Universitäten),
  • Bildung (Gesetzgebung in Bezug auf die Struktur und die Funktion des Bildungssystems inklusive Einbeziehung der Studierenden in Leitungsgremien der staatlichen Universitäten),
  • Familie (Gesetzgebung zum Thema Rechte von Kindern sowie Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch in der Familie),
  • Militärdienst (in der Regel 9 Monate, Befreiung vom Militärdienst durch Zivildienst, welcher die doppelte Dauer des Wehrdienstes hat),
  • Fehlgeleitetes Verhalten (besondere Behandlung von jungen Straffälligen),
  • Medien (Gesetzgebung zum Schutz Minderjähriger, Maßnahmen zum Schutz vor schädlichen Einflüssen wie Pornographie und Gewalt durch das Fernsehen)
  • Teilhabe (Maßnahmen, die die Partizipation Jugendlicher auf lokaler Ebene verbessern).

Jugendräte

In Griechenland gibt es keinen Aufbau der dem deutschen Jugendring-System ähnlich ist.

Das Gesetz 3852 (07.06.2010) teilt das Land in 13 Regionen, welche die Einheiten der Staatsverwaltung bilden. Eine Aufgabe dieser Verwaltung ist das Verfassen und Implementieren von Jugendprogrammen. Das Gesetz besagt u.a., dass Gemeinden einen Gemeinderat stellen müssen, welchem ein Repräsentant des lokalen Jugendrats vorsitzt (Artikel 76). Das Gesetz macht zudem Vorgaben für die Administration im Bereich „Bildung, Kultur, Sport und Jugend" (Artikel 97).

Im Februar 2006 wurde ein neues Gesetz (Nr. 3443/27) über die Schaffung lokaler Jugendräte verabschiedet. Die Jugendrätemitglieder werden in einer direkten und geheimen Wahl gewählt; junge Leute zwischen 15 und 28 können sich an der Wahl beteiligen, wenn sie in den Wahlregistern aufgeführt sind. Diese lokalen Jugendräte sollen Bedürfnisse und Probleme junger Menschen identifizieren, herausstellen und weiter verfolgen. Das Gesetz verspricht eine Förderung für die lokalen Jugendräte sowie eine Vertretung der Stadt-, Gemeinde- und Bezirksjugendräte auf nationaler Ebene im Rahmen des Nationalkomitees der lokalen Jugendräte.

Jedoch ist bisher der Erfolg von Jugendräten nur bedingt erkennbar, da Jugendräte auf freiwilliger Basis entstanden sind. Seit 2008 haben dazu keine Wahlen stattgefunden. Dadurch existieren de facto keine regionalen Jugendräte in Griechenland.

Internationales Recht
Folgende internationale Dokumente gelten in Griechenland:
-    UN-Kinderrechtskonvention (1992 ratifiziert)
-    Europäische Konvention für Menschenrechte und Fundamentale Freiheiten (1974 ratifiziert)
Zuständig für den Schutz und die Förderung der Kinderrechte sind das National Observatory on the Rights of Children und der Ombudsman für Griechenland.

(Quellen: Griechische VerfassungOmbudsman GriechenlandGeneral Secretariat for Youth; Country Sheet on Youth Policy)

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Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

Schulpflicht
Beginn der Schulpflicht: 6 Jahre
Ende der Schulpflicht: 15 Jahre
Die Mindestschulpflicht nach Artikel 19 der Verfassung schreibt einen Schulbesuch von mindestens neun Jahren vor. (6 Jahr Grundschule und 3 Jahre weiterführende Schule)

Volljährigkeit: 18 Jahre
als Kind gilt, wer zwischen 6 und 12 Jahren ist
als Heranwachsende/r gilt, wer 12 bis 17 Jahre ist
als Jugendliche/r gilt, wer zwischen 18 und 30 Jahren ist (Dieser Altersabschnitt ist jedoch nicht gesetzlich fixiert und kann je nach Bedarf geändert werden. Beispielsweise liegt die Altersgrenze bei Jugend in Aktion bei 35.)

Mindestalter für juristische Haftbarkeit
Im Strafgesetzbuch werden Personen zwischen 7 und 17 Jahren als Minderjährige betrachtet. Personen unter 12 fallen unter die Gruppe der Kinder, 12- bis 17-Jährige sind Heranwachsende. Straffällige Minderjährige sind laut Artikel 121 des Strafgesetzbuches Erziehungsmaßregeln oder therapeutischen Maßnahmen zu unterziehen oder können auch in den Strafvollzug eingewiesen werden. Kinder können für ihre Taten nicht haftbar gemacht werden und unterlaufen daher nur Erziehungs- oder therapeutische Maßnahmen. Bei Heranwachsenden besteht auch die Möglichkeit der Einweisung in den Strafvollzug, wenn vorher genannte Maßnahmen nicht greifen.

Führerscheinerwerb
Moped: 17 Jahre
Motorrad: 18 Jahre
Auto: 18 Jahre
LKW: 21 Jahre
Bus: 24 Jahre

Mindestalter für …

  • die Arbeitsaufnahme: 15 Jahre mit Zustimmung der Sorgeberechtigten. Ohne deren Zustimmung kann das Gericht auf Antrag der/des Minderjährigen (nach Artikel 136 des Zivilgesetzgesetzbuches) entscheiden und die Erlaubnis zusprechen.
    Ausnahmen bilden artistische oder ähnliche Tätigkeiten, wenn die Gesundheit beziehungsweise Moral der Minderjährigen nicht gefährdet wird. Das Mindestalter für Aufnahme einer solchen Arbeit ist 15 Jahre. Kulturelle Aktivitäten werden vom griechischen Staat ausdrücklich gefördert, daher wurde diese Ausnahme gesetzlich verankert.
  • den Kauf alkoholischer Getränke: 17 Jahre. (Artikel 1 Abs. 1 S. b des Präsidialdekretes 36/1994, das auf der Grundlage des Art. 12 Abs. 1 S. a und c, und des Abs. 2 des Gesetzes 1481/1984 erlassen wurde).
  • Heirat: 18 Jahre, ansonsten nur bei Vorlage triftiger Gründe und mit Erlaubnis des Gerichts. Dazu werden die Brautleute und deren Sorgeberechtigte angehört.
  • das Einziehen zum Militär: 19 Jahre, ab 17 Jahren mit Zustimmung der Eltern
  • Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft: 16 Jahre.
  • Kandidieren für das Nationalparlament: 25 Jahre
    Kandidieren für den Landrat: 21 Jahre
    Kandidieren für das Amt des Bürgermeisters: 21 Jahre
    Kandidieren für das Amt des Stadtrats: 18 Jahre

Wahlrecht
Aktives und passives Wahlrecht zur Wahl von Jugendvertreter(inne)n in einer Firma: 16 Jahre.
Aktives und passives Wahlrecht auf allen Ebenen: alle Bürger/-innen ab 18 Jahren, die in den Wahllisten registriert sind und denen die Wahlrechte nicht aberkannt wurden. Im Juli 2016 wurde das Wahlalter von 18 auf 17 Jahre gesenkt. Prinzipiell herrscht in Griechenland Wahlpflicht. Verstöße dagegen werden aber seit 2001 nicht mehr geahndet.
Für die Wahl zur/zum Parlamentsabgeordneten muss man mindestens 25 Jahre alt sein.

(Quellen: Greek National Council for Radio and Television; Ministry of National Defence; Ministry of Public Order & Citizen Protection; Ministry of Interior; Hellenic ParliamentMinistry of Transport and Communication; The Right to Education Project; Ministry for Education, Research and Religions)

Link
http://www.protection-of-minors.eu/de/country/GR - Informationen zum Kinder- und Jugendschutz in Europa der BAG Kinder- und Jugendschutz

http://www.bag-jugendschutz.de/PDF/MDA12-Laender_einzeln/Jugendschutzbestimmungen_Griechenland.pdf - Europäischer Jugendschutzatlas Griechenland der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz

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Finanzierung

NGOs und Vereine, die Kinder- und Jugendaktivitäten anbieten, finanzieren sich meistens durch Erasmus+ Programme, durch Mitglieds- und Teilnahmebeiträge oder werden projektbezogen von internationalen Organisationen finanziert (z.B. können Projekte für junge Geflüchtete von UNICEF unterstützt werden). Andere Organisationen finanzieren sich durch Spenden von Unternehmen und Stiftungen oder durch Erbschaften.

Erbschaften sind in Griechenland von großer Bedeutung. Erbschaften sind Vermögen, die eine verstorbene Person einer NGO, einer Universität oder einer anderen Organisation hinterlässt. Eine besondere Rolle spielen Erbschaften für Studierende, da die meisten Erbschaften Stipendiencharakter besitzen und explizit für ein Studium hinterlassen wurden. Die Aristoteles Universität von Thessaloniki hat sogar eine eigene Webseite dafür (http://www.klirodotimata.web.auth.gr/general-info). Erbschaften werden auf Griechisch „Klirodotimata“ genannt und sind für Universitäten, Institute, die Kirche und für deren Finanzierung ausschlaggebend.

Stiftungen
In Griechenland gibt es keine Stiftungen, die exklusiv die Jugend ansprechen oder Jugendarbeit als explizites Ziel verfolgen. Jedoch gibt es mehrere Stiftungen, die unter anderem auch viele Projekte für Jugendliche und Kinder unterstützen und oft zu Kooperationen mit dem Ausland bereit sind. Hier ist eine Auswahl:

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