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Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit
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Die allgemeine Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen im Vereinigten Königreich ist in ähnlicher Weise beeinflusst wie die Kinder und Jugendlicher in anderen europäischen Ländern. So bestimmen heute sozioökonomische Faktoren und das Milieu, in dem Kinder und Jugendliche aufwachsen, stärker ihre Chancen im Leben als in den vergangenen Jahren das traditionelle Klassensystem.

Gleichzeitig weist das Vereinigte Königreich jedoch einige besorgniserregende Merkmale auf: Im Vergleich zu ihren Altersgenoss(inn)en auf dem Kontinent haben junge Brit(inn)en den höchsten Alkohol- und Cannabiskonsum und sind häufiger in Kämpfe verwickelt.1 Darüber hinaus verzeichnet das Land die höchste Zahl an Teenagerschwangerschaften in Europa und eine hohe Kriminalitätsrate bei Jugendlichen.
Young People’s Health: Where Are We Up To? Update 2017 weist auf amtliche Statistiken hin, die weitere Tendenzen beschreiben:

  • die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Selbstverletzungen bei jungen Menschen hat zugenommen
  • Überweisungen an Fachärzte für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind zwischen 2012 und 2015 um 64% gestiegen.

Eine UNICEF-Studie aus dem Jahr 2007 zum Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen in Industriestaaten verortet das Vereinigte Königreich auf dem letzten Platz des Rankings.

Die britische Regierung hat auf diese Entwicklungen reagiert und seit Ende der 1990er zahlreiche Strategien, Aktionspläne und Programme auf den Weg gebracht. Erfolge sind sichtbar: 2015 zeigte die Statistik die niedrigste Anzahl von Schwangerschaften bei unter 18-Jährigen seit derartige Statistiken erfasst werden. Dennoch ist die Anzahl höher als in anderen westeuropäischen Ländern. (Quelle: Conceptions in England and Wales: 2015 und Adolescent fertility rate.) 

Die dritte internationale UNICEF-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder in Industrieländern aus dem Jahr 2013 zeigt für Großbritannien deutliche Verbesserungen auf, im Bereich der Kindergesundheit liegt Großbritannien auf einem mittleren Platz (16).

Die Gesundheitsstudie Health Survey for England ist das wichtigste Monitoring Instrument im Gesundheitsbereich, das von der britischen Regierung zur Planung des Gesundheitswesens benutzt wird sowie dazu, wichtige politische Entscheidungen zu treffen. Seit 1991 wird die Gesundheitsstudie jährlich von NatCen Social Research im Auftrag des Health and Social Care Information Centre durchgeführt. Seit 1995 wurden auch Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 15 Jahren in die Studie mit aufgenommen, seit 2001 auch die unter 2-Jährigen. Die Health Survey for England enthält alle die wichtigen Basisdaten zur Gesundheit, Lebensstil und Wohlergehen. Weitere Informationen stehen auf der Webseite des Health and Social Care Information Centre der britischen Regierung bereit.

Mehrere Flaschen schottischer Gin.
Mehrere Flaschen schottischer Gin.Bild: u_8rfrqf07 7 pixabay.com

Genuss- und Rauschmittel
Der aktuelle Bericht “Smoking, Drinking and Drug Use Among Young People in England in 2013” des Health & Sovial Care Information Centre zeigt, dass junge Menschen weitaus gesündere Verhaltensweisen an den Tag legen als noch vor 10 Jahren. Der Anteil der jungen Menschen, die Tabak, Alkohol und Drogen konsumieren ist zwischen 2003 und 2013 drastisch zurück gegangen.2

Alkoholkonsum: 39% der 2013 befragten Schüler/-innen, so wenig wie noch nie seit Beginn der Umfragen im Jahr 1982, gaben an mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken zu haben. Im Jahr 2003 waren es noch 61%. Am häufigsten tranken die männlichen Jugendlichen Bier und Cider (63 %), gefolgt von Spirituosen (16 %) und Alcopops (13 %). Die Alkoholaufnahme bei weiblichen Jugendlichen verteilte sich auf Bier und Cider (30 %), Wein (25%), Spirituosen (22 %) und Alcopops (20 %). Der Alkoholkonsum nimmt mit dem Alter zu.

Zigarettenkonsum: Der Anteil der rauchenden Jugendlichen hat 2013 ein Rekordtief erreicht. Regelmäßige Raucher waren 2013 nur noch 3% der befragten 11- bis 15-Jährigen im Vergleich zu 9% im Jahr 2003 und 12% 1994.  Auch der Tabakkonsum nimmt mit zunehmendem Alter zu.

Drogenkonsum: Ähnlich wie beim Alkohol- und Tabakkonsum sind auch beim Drogenverhalten sinkende Tendenzen feststellbar. Während der Befragung 2013 gaben nur noch halb so viele Schüler/-innen (16%) wie 2003 (30%) an, schon einmal Drogen genommen zu haben. Ebenso wie in den Vorjahren war auch 2013 Cannabis mit Abstand die am häufigsten genutzte Droge, von der 7% der Befragten angaben, sie innerhalb des letzten Jahres konsumiert zu haben. Doch auch der Cannabiskonsum geht drastisch zurück: 2006 waren es noch 10,1%, 2001 waren es 13,4%. An zweiter Stelle nach Cannabis steht das Inhalieren flüchtiger Substanzen zur Erzielung psychoaktiver Wirkungen (3,6% der Befragten), gefolgt von Stimulanzien wie Kokain, Crack, Ecstasy, psychedelische Drogen wie LSD oder halluzinogene Pilze und Opiate wie Heroin oder Methadon, die 1.9% der Befragten konsumiert hatten.

(Quelle: Health & Sovial Care Information Centre: Smoking, Drinking and Drug Use Among Young People in England in 2013 und National Statistics: Drug misuse: Findings from the 2013/14 Crime Survey for England and Wales.)

Seit 1982 untersuchen Forschungsinstitute im Auftrag der britischen Regierung regelmäßig das Trink- und Rauchverhalten sowie den Drogenkonsum von 11- bis 15-jährigen Schüler(inne)n in England. Die Ergebnisse der Untersuchungsreihe sind auf der Homepage des Health & Sovial Care Information Centre abrufbar.

Im Rahmen der Prävention arbeitet das Innenministerium seit 2005 eng mit dem Bildungs- und dem Gesundheitsministerium zusammen.3 Die nationale Drogenpräventionsstrategie für Kinder und Jugendliche:Every Child Matters: Change for Children, Young People and Drugs ist dabei eng mit dem Regierungsprogramm „Every Child Matters: Change for Children“ verknüpft (siehe Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte“) und hat folgende Schwerpunkte:

  • Umsetzung der Strategie und Stärkung der Verantwortlichkeiten, so dass auch lokale Stellen verstärkt einbezogen werden; 
  • Sicherstellung, dass Dienste und Einrichtungen vor allem den Bedürfnissen von besonders für den Drogenkonsum anfälligen Kindern und Jugendlichen angepasst werden; 
  • Aufbau von weiteren Diensten und Arbeitskapazitäten. 

Die nationale Strategie wird von etwa 150 regional arbeitende Drogenaktionsteams (Drug Action Teams) umgesetzt. Diese arbeiten eng mit anderen Einrichtungen zusammen. Im Jugendbereich sind dies insbesondere Einrichtungen der Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und der freien Träger. Gefördert wird diese Partnerschaft mit rund 55 Millionen Pfund, die zusätzlich insbesondere für die lokale Ebene zur Verfügung stehen. Bisher herausragende Aktivitäten waren:

  • FRANK, Friendly, confidential drugs advice  - Aufklärungskampagne, die Millionen Jugendliche über eine Hotline und eine Website erreichte, http://www.talktofrank.com/;
  • Positive Futures – nationales Integrationsprogramm, das Sport- und Freizeitaktivitäten nutzt, um benachteiligte Jugendlichen positiv zu beeinflussen und ihnen neue Chancen zu eröffnen, http://www.positive-futures.net/
  • Blueprint – Forschungsprogramm zu Drogenpräventionsprogrammen in Schulen.
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Sport

Sprinter am Start.
Sprinter am Start.Bild: © Stefan Schurr / fotolia.com

Sport- und Outdoor-Aktivitäten gehören auch zum festen Bestandteil der Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Grundlage ist die Überzeugung, dass Aktivitäten wie Klettern, Abseilen, Kanufahren, Segeln und Höhlenklettern Kindern und Jugendlichen andere bzw. neue Erfahrungen ermöglichen, ihre Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Disziplin fördern und sich außerdem positiv auf die Entwicklung von Selbstvertrauen und Teamfähigkeit auswirken.

Im Jahr 2011 veröffentlichten die Gesundheitsministerien der vier Länder Großbritanniens Empfehlungen zur körperlichen Aktivität: „Start Active, Stay Active“. Darin enthalten sind neben den "Guidelines for children and young people (5-18 years)" erstmals auch Richtlinien für Kinder unter 5 Jahren. Die Richtlinien sehen vor, dass sich alle Kinder und Jugendlichen mindesten 60 Minuten pro Tag sportlich betätigen sollen und sitzende Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum vermeiden sollen.4
Ziel der Regierung ist es, Übergewicht und anderen Erkrankungen, die durch körperliche Inaktivität entstehen, zu bekämpfen. Bereits 2008 hatte die britische Regierung die Initiative „Healthy Weight, Healthy Lives“ ins Leben gerufen, mit der sektorübergreifend gegen das zunehmende Übergewicht in der Bevölkerung angegangen werden sollte. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf Kindern und Jugendlichen. Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist der Youth Sport Trust, eine Nichtregierungsorganisation, die sich die Verbesserung von Sportangeboten für Kinder und Jugendliche zum Ziel gesetzt hat.

Die meisten kommunalen Jugendbehörden unterhalten Zentren für Outdoor-Aktivitäten, die von den verschiedenen Projekten kurz- und langfristig gebucht werden können, und bieten Kurse für Mitarbeiter/-innen an. Weitere Zentren für Aktivitäten im Freien werden unter anderem auch vom Sports Council und vom Outward Bound Trust unterhalten. – Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Department for Culture Media & Sport.

Der Outward Bound Trust ist die älteste und erfahrenste Organisation zur Förderung der persönlichen Entwicklung durch Aktivitäten im Freien im Vereinigten Königreich. Er verfügt im englischen Lake District, in Wales und in Schottland über fünf und weltweit über 38 Zentren (unter anderem in Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden). Der Ansatz des Outward Bound Trust basiert auf zwei einfachen Prinzipien: „Erstens ist jeder fähig, mehr zu leisten, als er sich zutrauen mag, und zweitens haben viel zu wenig Menschen wirklich die Erfahrung gemacht, was in Teamarbeit und durch gegenseitige Unterstützung erreicht werden kann.“ Der Outward Bound Trust bietet beispielsweise Expeditionen zwischen 8 und 20 Tagen sowie Überlebenskurse für Großstadtjugendliche an.

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Fußnoten:

1 Catherine Mayer: “Unhappy, Unloved and Out of Control – An epidemic of violence, crime and drunkenness has made Britain scared of its young. What’s causing the crisis?”, in: Time Magazine, Vol. 171, Nr. 7/2008 und Der Strassenkinderreport: Zur Lage der Kinder und Jugendlichen in Großbritannien.

2 siehe auch: "Number of children trying smoking drops to record low." In: The Guardian, Thursday 24 July 2014

3 weitere informationen im UK Government Web Archive: Young people's substance misuse strategy

4 „All children and young people should engage in moderate to vigorous intensity physical activity for at least 60 minutes and up to several hours every day. All children and young people should minimise the amount of time spent being sedentary (sitting) for extended periods.“ Department of Health: Start Active, Stay Active. A report on physical activity for health from the four home countries’. London, 2011, S. 26ff.