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Integration und Inklusion

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Der Ausländeranteil liegt in Großbritannien leicht unter dem EU-Durchschnitt.
Die meisten Einwanderer nach Großbritannien im Zeitraum 2013 - 2016 kamen aus drei Ländern: China, Indien und aus Polen.
Einwanderung war eines der zentralen Themen im Wahlkampf vor dem EU-Referendum in Großbritannien.

Nach früheren Zuwanderungsphasen (insbesondere aus den ehemaligen Kolonien) hat die Einwanderung nach Großbritannien aufgrund einer stabilen Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit seit den 1990ern stark zugenommen. So stieg die Zahl der Asylanträge von jährlich rund 35 000 Bewerbungen, die zwischen 1991 und 1998 gestellt wurden, auf 100 000 Bewerbungen im Jahr 2002. Einschränkende Maßnahmen haben seither zu einem steilen und beständigen Absinken der Asylanträge geführt. Gleichzeitig wurden ab 2002 Rekordzahlen hinsichtlich der Vergabe von Arbeitserlaubnissen erreicht. Zwischen 2002 und 2005 erteilten die Behörden rund 130 000 Genehmigungen. Ab 2004 kam es infolge des EU-Beitritts von zehn neuen Mitgliedstaaten noch einmal zu einem drastischen Anstieg der Zuwanderung aus Mitteleuropa und dem Baltikum. Parallel dazu stieg die Angst der Brit(inn)en vor dem Umfang und den Auswirkungen der Migration. Umfragen zeigen, dass die Anzahl der Menschen, die Immigration und Rasse als die wichtigste bzw. eine der wichtigsten Herausforderungen für das Vereinigte Königreich ansehen, sehr hoch ist.

Heute gehört eine von zwölf Personen im Vereinigten Königreich einer ethnischen Minderheit an; in einigen Gegenden Londons hat gar mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund bzw. ist afroamerikanischer Abstammung. Während einige Minderheitengruppen sehr gut in die Gesellschaft integriert sind, leiden andere weiterhin unter signifikanter Benachteiligung, Rassismus und Diskriminierung. Für den Bildungsbereich hat man beispielsweise festgestellt, dass schwarze Schüler/-innen zwar im Alter von fünf Jahren etwa auf dem gleichen Niveau wie der Rest der Schüler/-innen beginnen, mit Erreichen des 10. Lebensjahres jedoch bereits deutlich zurückliegen. Dagegen erreichen indische und chinesische Schüler/-innen meist Resultate, die über dem nationalen Durchschnitt liegen. Auf der universitären Ebene sind die Ergebnisse vielversprechender. Bei den Zugangstests für die Universitäten übertreffen sowohl indische, pakistanische und afro-karibische Frauen als auch Männer aus Indien, Pakistan und Bangladesch den nationalen Durchschnitt. Dennoch studieren unverhältnismäßig viele von ihnen an den am wenigsten angesehenen Universitäten und haben damit in der Regel schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Seit Januar 2005 setzt die britische Regierung die Strategie „Improving Opportunities – Strengthening Society“ um, mit deren Hilfe bis 2008 die vorhandenen Barrieren im Zusammenhang mit ethnischem Hintergrund weiter abgebaut und die Chancen aller in England lebenden Menschen unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft verbessert werden sollen. Dabei sind auch explizit Maßnahmen im Jugend- und Bildungsbereich vorgesehen, die im Rahmen des Regierungsprogramms „Every Child Matters“ umgesetzt werden. So wurden Sure Start Children’s Centres und so genannte erweiterte Schulen insbesondere in Gegenden mit einem hohen Anteil an Einwohner(inne)n mit Migrationshintergrund eingerichtet. Sie bilden einen Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und deren Familien. Darüber hinaus wurden die Betreuungsmöglichkeiten sowie deren Qualität in den letzten Jahren weiter ausgebaut. 

Zur Förderung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund werden darüber hinaus unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Über den Ethnic Minority Achievement Grant stehen den Schulen und lokalen Behörden finanzielle Mittel in Höhe von 178,6 Millionen Pfund (2007/2008) für die Förderung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund zur Verfügung. 
  • Das Black Pupils’ Achievement Programme arbeitet mit 25 Kommunen und 100 Sekundarschulen zusammen. Ziel ist es, die Leistungen von schwarzen Schüler(inne)n zu erhöhen. Ein ähnliches Programm wurde 2006 für Primärschulen gestartet. 
  • Zur Verbesserung der Leistungen von jungen Sinti und Roma bzw. Tinker/Irish Traveller wurde im September 2006 ein nationales Programm gestartet. Gemeinsam arbeiten lokale Behörden und Schulen daran, für die Schüler/-innen dieser Gruppen und deren Eltern maßgeschneiderte Unterstützung anzubieten (z.B. mittels e-Learning). 
  • Um der Ausgrenzung von schwarzen Jugendlichen entgegenzutreten, wurden Maßnahmen entwickelt, die helfen sollen, die Gleichheit unter den verschiedenen ethnischen Gruppen zu fördern (z.B. Schulung von Schulleitungen, Entwicklung von Leitlinien und Praxismaterial). 
  • Vermehrte Einstellung von Lehrpersonal mit Migrationshintergrund. 
  • Die Schulen sind zu einer „race equality policy“ verpflichtet, in der festgelegt wird, wie mit Diskriminierung umgegangen und wie Gleichberechtigung und „good race relations“ bei allen schulischen Aktivitäten gefördert werden sollen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Berichtspflichten. 

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Inklusion

In Großbritannien leben über 10 Millionen Menschen mit einer Behinderung; ungefähr jedes zwanzigste Kind und jeder siebte Erwachsene.

Das zuständige Ministerium ist das Department for Work and Pensions, innerhalb dessen im Jahr 2005 das Office for Disability Issues, ODI errichtet wurde, das für die politikbereichsübergreifende Koordinierung der Behindertenpolitik1 zuständig ist. Seit Oktober 2013 ist Mike Penning Minister für Menschen mit Behinderung.

Ausgehend von der englischen Behinderten-Bewegung in den neunziger Jahren wurde nach zwei Jahrzehnten intensiver Lobbyarbeit und öffentlichkeitswirksamer Aktionen der Disability Discrimination Act 1995 (DDA 1995) verabschiedet. Der DDA 1995 machte die Diskriminierung behinderter Menschen rechtswidrig und zwar in Bezug auf Beschäftigung, Zugang zu Waren und Dienstleistungen, Bildung und Transport. Im Jahre 2010 wurde der DDA 1995 durch den weitaus umfangreicheren Equality Act 2010 ersetzt, der sämtliche Antidiskriminierungsgesetze zusammenführte.

Mit dem Electoral Administration Act wurden 2006 alle Wahlrechtsbeschränkungen abgeschafft, die besagen, dass eine Person mit geistiger Behinderung nicht wahlberechtigt sei. („Any rule of common law which provides that a person is subject to a legal incapacity to vote by reason of his mental state is abolished“).

Großbritannien hat die UN- Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Jahr 2009 ratifiziert. Für die Umsetzung und Koordinierung ist das ODI zuständig. Seit der Ratifizierung sind eine Vielzahl an Gesetzen, finanziellen Regelungen und administrativer Strukturen reformiert worden: http://www.publications.parliament.uk/pa/jt201012/jtselect/jtrights/257/25707.htm

Als unabhängige Nationale Menschenrechtsorganisation ist die Equality and human rights commission für die Förderung und das Monitoring der Umsetzung der UN-BRK zuständig (gemeinsam mit der Scottish Human Rights Commission, Northern Ireland Human Rights Commission, Northern Ireland Equality Commission). 

Zwei Jahre nach der Ratifizierung im November 2011 hat die britische Regierung der UN den ersten Bericht über die Implementierung der UN-BRK vorgelegt, indem das geplante Vorgehen zur Erreichung der Ziele der Konvention nachzulesen ist, sowie das bis dato Erreichte. Artikel 7 des Berichts widmet sich dem Thema Children with disabilities. UK Initial Report On the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities: http://odi.dwp.gov.uk/disabled-people-and-legislation/un-convention-on-the-rights-of-disabled-people/have-your-say.php

Am 2. Juli 2013 hat die Regierung ihre Behinderten-Strategie Fulfilling Potential – Making it Happen herausgegeben, die Aktionspläne für alle Politikbereiche enthält, mit dem Ziel, dass behinderte Menschen die Möglichkeit haben, sich mit ihrem vollen Potential in der Gesellschaft zu verwirklichen. "Fulfilling Potential – Making it Happen" unterstreicht, dass sich die Regierung dem UN-Übereinkommen über die Rechte der Menschen mit Behinderung verpflichtet hat und versucht, dessen formulierte Ziele in die Realität umzusetzen. Fulfilling Potential – Making it Happen, Last updated 2015: http://odi.dwp.gov.uk/fulfilling-potential/index.php

Beispiele für Regierungsinitiativen für und mit behinderten jungen Menschen

  • In Zusammenarbeit mit der Organisation für behinderte Kinder Whizz Kidzerarbeitet die Regierung Unterstützungsangebote für behinderte Kinder und Jugendliche und versucht, Wissen über die UN-BRK zu verbreiten. Als Beispiel das gemeinsames Videoprojekt Do you know your rights? von ODI und Whizz Kidz: http://www.youtube.com/watch?v=GuOkGONN7lo
  • Das Department for Education und das Department of Health unterstützen die Arbeit des Council for Disabled Children, CDC. Das CDC ist eine Dachorganisation für derzeit 120 Mitgliedsorganisationen, die für oder mit behinderten Kindern tätig sind. Das CDC unterstützt die Entwicklung und Umsetzung von politischen Maßnahmen für behinderte Kinder.

In Nordirland wurde A strategy to improve the lives of people with disabilities - 2012 to 2015  erarbeitet und bis zum Maärz 2017 verlängert. (https://www.communities-ni.gov.uk/articles/disability). Vorangegangen war eine Konsultationsphase mit behinderten Menschen und den sie vertretenden Organisationen. Ziel der Strategie ist, durch Chancengleichheit und Gleichbehandlung den Forderungen der UN-BRK Rechnung zu tragen.
Die Strategie berücksichtigt in besonderem Maße Kinder und Jugendliche und die speziellen Herausforderungen, denen sie begegnen, durch beispielsweise Unterstützungsangebote beim Übergang von der Kindheit zum Jugendalter sowie Übergang von Jugend zum Erwachsenenalter oder Hilfen beim Eintritt in die Arbeitswelt.

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Fußnote

1 Die vier Teilstaaten Großbritanniens (England, Wales, Schottland und Nordirland) haben unterschiedliche, wenn auch sehr ähnliche, Strategien. Hier geschilderte Ausführungen beziehen sich auf England.

 

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Hilfen für Kinder und Jugendliche werden in England von den Kommunen in Kooperation mit freien und privaten Trägern bereitgestellt. Eine Auflistung der Jugendhilfeangebote findet sich in: Statutory Guidance for Local Authorities on Services and Activities to Improve Young People’s Well-being (Department for Education, 2012).
Der Children Act und das damit verbundene Regierungsprogramm „Every Child Matters: Change for Children“ führten auch in diesem Bereich zu umfangreichen Reformen. Ziel ist die Verbesserung der Hilfen und Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche

In der Vergangenheit unterschieden sich die Unterstützungsdienste für Kinder und Jugendliche (children’s and youth services) in den einzelnen Regionen Englands zum Teil erheblich voneinander. Doch im Rahmen der Implementierung des neuen Children’s Service kommt es zu einer Angleichung. Ein nationales Rahmenwerk gibt vor, wie die Jugendsozialarbeit und die Hilfen für Kinder auf der lokalen Ebene zu gestalten sind. 

Ein wichtiger Aspekt der Reformen ist die Zusammenarbeit aller lokalen Partner in so genannten Multi-Agency Children’s Trusts. Seit April 2008 sind öffentliche, freie und private Träger verpflichtet zusammenzuarbeiten, um durch integrierte Unterstützungsangebote bestmöglich den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen entsprechen zu können. Fachkräfte verschiedener Berufsgruppen (Sozialarbeit, Schule, Gesundheit, Freizeit, Sicherheit etc.) arbeiten dazu in lokalen Teams zusammen. Darüber hinaus müssen die lokalen Behörden und ihre Partner seit 2004 Aktionspläne (Children and Young People’s Plans) entwickeln, in denen sie festlegen, wie sie die Prioritäten umzusetzen planen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass die Meinungen von Kindern, Jugendlichen und deren Familien bei der Planung und Entwicklung der Dienste berücksichtigt werden. Des Weiteren wurde eine gemeinsame Datenbank aufgebaut, in der Informationen über das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen gesammelt werden. Diese soll helfen, besonders gefährdete Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig zu erkennen.

Die drei wichtigsten Elemente der integrierten Unterstützungsdienste sind:

  • universelle Hilfen für alle Kinder und Jugendlichen; 
  • maßgeschneiderte Unterstützung für diejenigen, die sie am meisten benötigen; 
  • Zugang zu Information, Rat, Anleitung und Beratung. 

Eine Auswahl an Projekten und Angeboten für Jugendliche, die im Rahmen der Unterstützungsdienste umgesetzt werden, zeigt die folgende Übersicht:

  • lebenspraktische und psychosoziale Beratungsarbeit; 
  • offene Jugendarbeit und Jugendclubs; 
  • Straßensozialarbeit und mobile Jugendarbeit; 
  • Projekte im Zusammenhang mit Kriminalität oder Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, insbesondere im städtischen Bereich; 
  • Projekte für Teenagereltern/-mütter; 
  • Projekte für jugendliche Betreuer/-innen von Familienangehörigen; 
  • Projekte in Partnerschaft mit dem Informations- und Beratungsdienst Connexions
  • Projekte für Jugendliche in besonderen Lebenslagen; 
  • Schulsozialarbeit – hier gibt es eine Reihe von Projekten zu alternativen Qualifizierungsmöglichkeiten in der Schule („alternative curriculum“) wie die XL Clubs des Prince’s Trust
  • Beteiligungsprojekte aller Art (z.B. YouthBank); 

2008 wurde die Qualität der Unterstützungsdienste für Kinder und Jugendliche evaluiert. Das Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills (Ofsted) untersuchte die Qualität der Angebote und beurteilte den Beitrag, den die (Stadt-, Land-, Kreis-)Räte gemeinsam mit ihren Partnern zur Umsetzung der Prioritäten zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen leisten. Der Evaluationsbericht bewertet die Arbeitsqualität der Mehrheit der Unterstützungsdienste positiv. 

Im Zuge der Umsetzung des Children Act wurden die sozialen Hilfsdienste für Kinder von denen für Erwachsene getrennt. Jede Kommune unterhält seit April 2006 Bildungs- und Sozialdienste (education and social care services). Diese stellen Betreuung und Unterstützung für Kinder und Familien bereit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf bedürftigen Kindern (zum Beispiel Kinder mit Behinderungen).

Neben der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe unterhalten die größeren freien Träger oder Wohltätigkeitsorganisationen vergleichbare Angebote oder ergänzen die Palette der Kommune. Die einzelnen Organisationen haben sich dabei oft auf bestimmte Projekte (zum Beispiel Unterstützung von obdachlosen Jugendlichen) spezialisiert.

England, Nordirland, Schottland und Wales sind Vollmitglieder des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zu den Büros
in England unter http://www.childrenscommissioner.gov.uk/
in Nordirland unter http://www.niccy.org
in Schottland unter http://www.sccyp.org.uk
in Wales unter http://www.childcom.org.uk/.

Literaturhinweis 
Soziale Dienste in Europa. Ein Vergleich zwischen Großbritannien und Deutschland (Studienarbeit). André Höllmann, 2010. http://www.grin.com/e-book/145173/soziale-dienste-in-europa#inside

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