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Partizipation und Citizenship

Politische Bildung 
Freiwilliges Engagement 

Politische Bildung

Nach langen Diskussionen wurde politische Bildung oder citizenship education, wie es im Englischen heißt, im September 2002 als Teil der verpflichtenden Lehrpläne für 11- bis 16-Jährige in England eingeführt. Nordirland, Schottland und Wales folgten diesem Beispiel, setzen jedoch auf andere Ansätze, die im Zusammenhang mit der jeweiligen spezifischen nationalen Identität stehen. So liegt in Nordirland beispielsweise eine besondere Betonung auf dem Thema Konfliktbewältigung.

Untersuchungen aus den letzten Jahren zeigen allerdings, dass der politischen Bildung häufig zu wenig Bedeutung beigemessen wird. So wurde die Lehre in dem Unterrichtsfach in einem Viertel der untersuchten Schulen als unzureichend bewertet. Mehr als die Hälfte der Schüler/-innen wussten nicht, was politische Bildung ist oder konnten keine konkreten Beispiele aus dem Lehrstoff benennen. Auch wenn ein anderes Viertel von Schulen guten Unterricht erteilt, beurteilten Schulinspektor(inn)en politische Bildung als das am schlechtesten unterrichtete Fach in englischen Sekundarstufen. Zwar wird die Notwendigkeit und Legitimität von politischer Bildung im Unterricht nicht mehr bestritten, ihre Stellung innerhalb des Curriculums bleibt jedoch unklar.

Gleichzeitig gibt es in allen Landesteilen Anstrengungen, der politischen Bildung im außerschulischen Bereich mehr Bedeutung zukommen zu lassen. So bildet die aktive Teilhabe Jugendlicher an der Gesellschaft einen Schwerpunkt der „Every child matters“-Programme in England. Auch die „Hear by right”-Offensive zur Beteiligung und Demokratieerziehung von Jugendlichen zielt in diese Richtung (siehe Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte“). Darüber hinaus werden in England Programme gefördert, mit denen über 16-Jährige und damit dem Schulalter Entwachsene mittels Trainings zur aktiven Teilhabe motiviert werden sollen (Post-16 Citizenship).

Wie auch in Deutschland engagieren sich zahlreiche Organisationen im zivilgesellschaftlichen Bereich mit Seminaren, Kampagnen, der Erstellung von Materialien etc. für die politische Bildung. Als Beispiele seien hier nur die Citizenship Foundation und die Jugendorganisationen der politischen Parteien genannt.

Quelle: Rhys Andrews/Andrew Mycock: Citizenship Education in the UK: Divergence within a Multi-National State, in: Citizenship Teaching and Learning, Vol. 3, No. 1, April 2007, Download unter http://www.citized.info/ejournal/Vol%203%20Number%201/Andrew%20Mycock.pdf.

Link
Reader zur "Jugendbeteiligung vor Ort" mit internationalen Praxisbeispielen aus der Schweiz, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. IJAB Bonn, 2012. Download hier ...

Freiwilliges Engagement

England, Schottland, Wales und Nordirland verfügen seit jeher über eine große Angebotsvielfalt im freiwilligen Engagement und zahlreiche Programme in Kurz- und Langzeitfreiwilligendienstformen. Sie waren jedoch in britischer Tradition einer unabhängigen Zivilgesellschaft nicht staatlich geregelt und nicht durch langfristige Förderprogramme finanziert. Das änderte sich als 2010 durch die Regierung David Camerons der Freiwilligendienst National Citizen Service (NCS) unter staatlicher Regie eingeführt wurde.

Der NCS bietet Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren zumeist im Rahmen ihrer Schulferien für 3-4 Wochen einen Freiwilligendienst in Form einer Mischung aus Workcamp, Gruppenseminar zur persönlichen und beruflichen Kompetenzentwicklung und der Umsetzung eines konkreten sozialen Projektes. Der gesamte Dienst wird als Ausbildung betrachtet.

Seit seiner Einführung hat die Teilnahme an den Programmen stetig zugenommen: Die Teilnehmerzahlen stiegen von 26.000 Jugendlichen im Jahr 2012 auf annähernd 100.000 im Jahr 2016.

Der National Citizen Service wird durch eine staatliche Stiftung verwaltet, den
NCS Trust.

Freiwilliges Engagement ist ein Schwerpunktthema der britischen Jugendpolitik und liegt somit im Zuständigkeitsbereich des Department for Digital, Culture, Media and Sport. Neben dem NCS gibt es ein zweites landesweite staatliche Freiwilligenprogramme die National campaign for youth social action sowie die nationale Datenbank für Freiwilligentätigkeiten Do-it.org

Im April 2017 unterstrich die Regierung ihre Unterstützung für freiwillige Aktivitäten von jungen Menschen, indem der National Citizen Service Act 2017 verabschiedet wurde, der den National Citizen Service gesetzlich verankert.

Weitere Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Activities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter: http://pjp-eu.coe.int/en/web/youth-partnership/voluntary-activities1

(Quelle: Mirko Schwärzel: Freiwilligendienste im europäischen Vergleich. In: Newsletter für Engagement und Partizipat in Europa. 10/2017)

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