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Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Seit Juli 2016 liegt die Zuständigkeit für nationale Jugendpolitik beim Department for Culture, Media and Sport (DCMS), insbesondere beim Office for Civil Society. Seit November 2018 ist Mims Davies der Conservative Party Minister for Civil Society und somit für Jugend zuständig. Matthew Hancock ist seit dem 8. Januar 2018 Staatssekretär des Ministeriums für Kultur, Medien und Sport (Secretary of State for Culture, Media and Sport).
Das DCMS ist für den außerschulischen Bereich der Jugendpolitik zuständig. Ebenfalls in Verantwortungsbereich des DCMS fällt derbritische Freiwilligendienst National Citizen Service sowie die Unterstützung der lokalen Behörden bei der Umsetzung der Jugendhilfeangebote.

Zwischen Juli 2013 und Juli 2016 übergab die britische Regierung die Verantwortung für Jugendpolitik an das Cabinet Office. Seit September 2014 war Rob Wilson Minister für Zivilgesellschaft, für Jugendpolitik und Jugendhilfe zuständig. Zuvor war das Department for Education neben Bildung und Familie auch für die Kinder- und Jugendhilfe zuständig. Bildungsminister war seit Mai 2010 Michael Gove. Es löste mit dem Regierungswechsel im Mai 2010 das Ministerium für Kinder, Schulen und Familie (Department for Children Schools and Families) ab.

Im Department of Health ist die Gesundheitsministerin mit verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendgesundheit betraut.

Das Department for Work and Pensions ist für Jugendbeschäftigung zuständig.

In den letzten Jahren hat die britische Regierung einen Ansatz der Dezentralisierung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe verfolgt, der der lokalen Ebene mehr Verantwortung und Macht einräumt. Seitdem fallen Entscheidungen über die Bereitstellung von Angeboten und Aktivitäten der Kinder- und Jugendhilfe verstärkt auf lokaler als auf nationaler Ebene. Dies ermöglicht einerseits eine bessere Anpassung an die Bedarfe vor Ort, führt andererseits aber zu fehlenden Standards seitens der nationalen Ebene.

Aufgrund der Dezentralisierungsprozesse und der damit zusammenhängenden zunehmenden Verwaltungsautonomie in Schottland, Wales und Nordirland sind das Department for Culture, Media and Sport, das Department for Education bzw. das Cabinet Office in vielen Bereichen nur für England zuständig. Darunter fällt auch die Kinder- und Jugendhilfe. Die anderen Landesteile haben in diesen Feldern eigene Ministerien mit entsprechenden Zuständigkeiten. Insbesondere in Schottland und Nordirland können deshalb Strukturen und Terminologie abweichen. Gleichzeitig ergibt sich aus der Tatsache, dass die Bevölkerung Englands 85% der Gesamtbevölkerung des Vereinigten Königreichs ausmacht, eine gewisse Vorreiterschaft Englands bei der Entwicklung politischer Maßnahmen. So wirken sich zum Beispiel Maßnahmen in den Bereichen Beschäftigung und Jugendstrafrecht auf das gesamte Vereinigte Königreich aus. 

In Nordirland ist das Department of Education, in Schottland das Department for Education and Training und in Wales das Department for Children, Education, Lifelong Learning and Skills für Fragen der Bildung sowie der Kinder- und Jugendhilfe zuständig.

Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Programmen und Initiativen von der britischen Regierung ins Leben gerufen worden, die zu nicht unerheblichen Änderungen im gesamten Sektor der Kinder- und Jugendhilfe geführt haben. Nachfolgend werden die wichtigsten dieser Programme und Initiativen aufgeführt. Sie gelten größtenteils nur für England.

Nach mehreren tragischen Todesfällen von Kindern und Jugendlichen, die auch im Zusammenhang mit einer ungenügenden Vernetzung und Kommunikation von beteiligten Einrichtungen gesehen wurden, veröffentlichte die Regierung 2003 ein Grünbuch mit dem Titel Every Child Matters. Das Papier enthält einen neuen Ansatz, nach dem alle Kinder und Jugendlichen in England von der Geburt bis zum 19. Lebensjahr unabhängig von ihrem Hintergrund oder ihrer Lebensumstände die Unterstützung erhalten sollten, die sie benötigen. Folgende Schwerpunkte, „outcomes“ genannt, stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Gesundheit: physische und psychische Gesundheit verbunden mit einem gesunden Lebensstil; 
  • Sicherheit: geschützt sein vor Schaden und Verwahrlosung; 
  • Freude und Erfolg: Spaß am Leben und den eigenen Fähigkeiten entwickeln; 
  • einen positiven Beitrag leisten: in die Gemeinschaft einbezogen sein und nicht am Rande stehen; 
  • finanzielle Sicherheit: um alle Potentiale für den persönlichen Lebensweg ausschöpfen zu können. 

Diese fünf Schwerpunkte bilden die Grundlage für die Kinder- und Jugendpolitik der britischen Regierung und damit auch den Kern des 2004 verabschiedeten Children Act, der wiederum die gesetzliche Basis für die Entwicklung von effektiveren und zugänglicheren Diensten für Kinder, Jugendliche und deren Familien darstellt (siehe Kapitel „Gesetzliche Grundlagen“).

Umgesetzt wird das Gesetz durch verschiedene Regierungsprogramme. Das Programm „Every Child Matters: Change for Children“ (2004) bildet dabei den nationalen Rahmen für die lokalen Reformprogramme und die damit verbundenen vielfältigen Umstrukturierungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

2005 und 2006 folgten das Grünbuch „Youth Matters“ und das Programm „Youth Matters: next steps“, welche „Every Child Matters“ ergänzen und die Schwierigkeiten und Herausforderungen, mit denen Jugendliche im Alter zwischen 13 und 19 konfrontiert werden, angehen. Ergebnis waren Vorschläge für eine radikale Umstrukturierung von Angeboten und Diensten für Teenager. Die Schwerpunkte von „Youth Matters“ sind:

  • Motivation junger Menschen zu mehr Engagement/Aktivitäten; 
  • Stärkung des freiwilliges Engagements von Jugendlichen (Partizipation); 
  • Schaffung eines verbesserten Informationsangebots sowie von Hilfs- und Unterstützungsangeboten; 
  • Entwicklung verbesserter individueller Serviceleistungen für junge Menschen, die ernste Probleme haben und/oder in Schwierigkeiten geraten sind. 

Zentrales Vorhaben des Regierungsprogramms sind so genannte integrierte Unterstützungsdienste für Jugendliche. Seit Januar 2007 sind die lokalen Behörden gesetzlich verpflichtet, in Jugendfragen mit dem freiwilligen und dem privaten Sektor zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, das Wohlergehen von Jugendlichen durch Zugang zu ausreichenden Bildungs- und Freizeitaktivitäten, auch als „positive activities“ bezeichnet, sicherzustellen. Hierfür hat die Regierung nationale Standards festgelegt, die unter anderem folgende Punkte umfassen:

  • Zugang zu zwei Stunden sportlichen Aktivitäten pro Woche (inner- und außerschulisch); 
  • Zugang zu zwei Stunden „konstruktiven“ Freizeitaktivitäten in Jugendgruppen, Jugendklubs und in der Klasse; 
  • Möglichkeiten zur Freiwilligenarbeit; 
  • Zugang zu einem breiten Angebot an Freizeit-, Kultur- und anderen bereichernden Erfahrungen; 
  • Zugang zu sichereren und angenehmen Plätzen, an denen man sich mit anderen treffen kann. 

Weitere Informationen zu Youth Matters gibt es hier

Im Juli 2007 veröffentlichte die Regierung „Aiming High for Young People“, eine 10-Jahresstrategie (2008-2018) zur Förderung „positiver Aktivitäten“ von jungen Menschen. Die Strategie beruht auf der Annahme, dass aktive Partizipation Jugendlichen hilft, soziale und emotionale Fähigkeiten zu entwickeln. Insgesamt enthält das Papier 55 Verpflichtungen, mit denen die Beteiligung Jugendlicher, insbesondere benachteiligter Jugendlicher, an positiven, das heißt angenehmen und sinnvollen Freizeitaktivitäten erhöht werden soll. 

Der im März 2008 von der Regierung vorgelegte Umsetzungsplan für Aiming High beschreibt unter anderem die Kernaktivitäten zur Umsetzung der Strategie in den nächsten zwölf Monaten und die vorgesehenen Finanzmittel. Insgesamt sind bis 2018 679 Millionen Pfund für die Umsetzung der Strategie sowie weitere 160 Millionen Pfund für die Renovierung und Ausstattung von Jugendeinrichtungen vorgesehen.

Im Hinblick auf die Förderung des freiwilligen Engagements Jugendlicher wurde im Mai 2004 eine Kommission eingerichtet mit der Aufgabe, einen nationalen Rahmen für Jugendaktion und -engagement zu entwickeln. Deren im März 2005 veröffentlichter Bericht sprach sich für Veränderungen des freiwilligen Engagements von Jugendlichen im Hinblick auf Vielfalt, Qualität und Quantität aus. Die Regierung startete daraufhin ein neues Freiwilligenprogramm, dessen Ziel es ist, innerhalb von fünf Jahren eine Million zusätzliche junge Freiwillige zu werben. Für die Umsetzung der Empfehlungen wurden insgesamt 100 Millionen Pfund bereitgestellt. Mit diesen Mitteln wurde unter anderem die Einrichtung von „v“, einer unabhängigen und jugendgeführten Nichtregierungsorganisation, die sich der Förderung freiwilliger Aktivitäten Jugendlicher verschrieben hat, gefördert. 

Der National Citizen Service (NCS) ist das Flaggschiff der britischen Regierungsprogramme für Freiwilligendienste. Er wendet sich an 15- bis 17jährige in England und Nordirland. Im Mai 2010 wurde das Programm von Premierminister David Cameron ins Leben gerufen als Teil des gesellschaftspolitischen Programmes „Big Society“ der Koalition aus der Conservative Party und den Liberal Democrats.
Das Programm besteht aus vier Phasen, die mit Outdoor Teambuilding Aktivität beginnen, 30 Stunden Freiwilligentätigkeit beinhalten und mit einem Zertifikat enden (ausführliche Informationen unter: http://www.ncsyes.co.uk/)
Seit seiner Gründung im Jahr 2010 hat die Teilnahme an den Programmen stetig zugenommen: 2012 nahmen 26,003 junge Menschen am NCS teil, 2013 waren es 39,556 und 2014 waren es 57,609. Im Jahr 2015 möchte die Regierung 120 000 Plätze zur Verfügung stellen und 2016 sollen 150 000 Plätze werden
Im Haushaltsjahr 2014 -2015 war der NCS mit einem Budget von £129.579 Millionen ausgestattet,  2015 -2016 verfügt er über £140.000 Millionen.
(Mehr Informationen zum NCS auf der Webseite der Regierung, im Jahresbericht des Cabinet Office und Evaluation des NCS.)

Aufgrund der seit einiger Zeit stark zurückgehenden Wahlbeteiligung, insbesondere bei Jungwähler(inne)n, läuft seit mehreren Jahren unter dem Titel „Hear by Right“ (Recht gehört zu werden) eine Partizipationsoffensive. Diese legt Standards für eine aktive Beteiligung von jungen Menschen an demokratischen Prozessen in Organisationen und Kommunen fest, die vom Kommunalverband in Zusammenarbeit mit der National Youth Agency entwickelt wurden. Die Partizipationsoffensive gilt auch für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und stellt damit eine einzigartige Verknüpfung von politischem Willen und dessen praktischer Umsetzung durch die Strukturen der britischen Jugendhilfe dar. Ermöglicht wird dies durch die Bereitstellung von beeindruckenden finanziellen Mitteln. 

Mit “Positive for Youth” veröffentlichte die Regierung im Dezember 2011 einen neuen regierungsübergreifenden Ansatz der britischen Jugendpolitik, der in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Fachkräften ausgearbeitet wurde. „Positive for Youth“ richtet sich an die Altersgruppe der 13 bis 19 Jährigen und vereint die jugendpolitischen Angelegenheiten von neun verschiedenen Regierungsabteilungen. Die Hauptziele von „Positive for Youth“ sind:

  • junge Menschen darin zu stärken, die Qualität von Jugendhilfeangebote selbst zu überprüfen und zu verbessern.
  • die Einrichtung einer Untersuchungsgruppe, die die Regierungspolitik auf ihren "Jugendfaktor" überprüft und gemeinsam mit einem Jugendsonderausschuss die Regierung berät.
  • Unterstützung gefährdeter Familien und Jugendlicher durch die Einrichtung von Beratungsstellen.
  • Förderung von Vermittlungsangeboten und Kontakten zwischen Unternehmen und Jugendlichen. Weitere Informationen unter: Business in the Community.
  • Überarbeitung gesetzlicher Richtlinien für lokale Behörden zur Sicherstellung von ausreichenden Maßnahmen und Dienstleistungen für Jugendliche.
  • Stärkung der Kommunen und Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen.
  • Anhebung des schulpflichtigen Alters auf 18 Jahre bis 2015, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und bessere Vorbereitung der  16 bis 24 Jährigen beim Übergang in Arbeit.
  • Schaffung von Jugendinnovationsgebieten (Youth Innovation Zones) zur Entwicklung neuer, kreativer Ansätze, die systemübergreifend alle Unterstützungsdiensten für Jugendliche einbeziehen.
  • weiterer Ausbau von myplace Jugendzentren, an deren Planung und Betrieb Jugendliche mitwirken. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Erreichen benachteiligter Jugendlicher. Weiter Informationen finden Sie hier.
  • jährlich stattfindendes Audit zur Prüfung der erzielten Fortschritte von „Positive for Youth“ sowie die Veröffentlichung eines Berichts mit den durchgeführten Maßnahmen und deren Wirkungen.

Derzeit existiert keine aktuelle übergreifende Jugendstrategie. Im November 2016 kündigte der damalige Jugendminister Rob Wilson an, dass die Regierung eine neue jugendpolitische Grundsatzerklärung für die Jahre 2017 – 2020 erarbeiten wird, nachdem mehrfach der Vorwurf im Raum stand, die Regierung verfolge keine kohärente Politik in Bezug auf Kinder- und Jugendhilfe. Ein Jahr später, im November 2017, verwarf das Department for Digital, Culture, Media and Sport die Pläne zur Erstellung einer eigenständigen jugendpolitische Grundsatzerklärung wieder. (Weitere Informationen: https://www.cypnow.co.uk/cyp/news/2004514/government-ditches-youth-policy-statement)

Mann spielt den Dudelsack.
Mann spielt den Dudelsack.Bild: sharonang / pixabay.com

2007 veröffentlichte die Schottische Regierung ihre Strategie für die Jugendhilfe („Moving forward: a national youth work strategy“). Schwerpunkte sind unter anderem die Förderung, Sicherheit, Aktivität und Gesundheit von jungen Menschen. Nähere Informationen zu den kinder- und jugendpolitischen Schwerpunkten der schottischen Regierung sind auf deren Homepage zu finden. Darüber hinaus bietet YouthLink Scotland einen guten Überblick über die Ziele und Inhalte der Strategie. Zudem hat die Regierung 2011 eine Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut aufgelegt. Sie setzt dabei auf: 

  • den Abbau von Kinderarmut durch die stärkere Förderung und Qualifizierung von einkommensschwachen Eltern und Familien und damit die Förderung des Zugangs zu mehr und besserer Arbeit. 
  • die Stärkung und Verbesserung der frühkindlichen Förderung und der Bedingungen für gesundes Aufwachsen, um den Armutszirkel von klein auf zu durchbrechen.

2014 legten die schottische Regierung, Education Scotland und YouthLink Scotland eine gemeinsam entwickelte National Youth Work Strategy 2014-2019 vor. 

In der Strategy for the Delivery of Youth Work 2005-2008 beschreibt die Nordirische Regierung ihre Prioritäten für die Kinder- und Jugendarbeit im besagten Zeitraum. 2013 veröffentlichte das Nordirische Department of Education mit Priorities for Youth den Rahmen für die Jugendarbeit, Jugendpolitik und Visionen für junge Menschen. 

In Wales wird die Kinder- und Jugendhilfe von den 22 lokalen Verwaltungsbezirken und von freien Trägern umgesetzt. Anfang 2014 legte die walisische Regierung ihre National Youth Work Strategy for Wales 2014-2018 vor. Sie bildet die Fortsetzung einer Kinder- und Jugendhilfepolitik, die im Jahr 2000 mit der Strategie “Extending Entitlement: supporting young people in Wales” begann. Einen besonderen Fokus legt die walisische Regierung dabei auf die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Entscheidungen.

Die Grundsätze, auf die sich die Jugendarbeit in Wales stützt, und einen Überblick über die Art, Zweck und Umsetzung der Jugendarbeit in Wales sind in Youth Work in Wales: Principles and Purposes zusammengefasst.
Weiter Informationen lieferen die Webseite der walisischen Regierung und die Vereinigung der walisischen Verwaltungsbezirke (Welsh Local Government Association).

Aktuelle Informationen zur Kinder- und Jugendpolitik im Vereinigten Königreich finden sich auf der Homepage der National Youth Agency, zum Beispiel im monatlichen Newsletter.

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Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Die Nationale Jugendagentur (National Youth Agency) ist ein zentraler Akteur der Kinder- und Jugendpolitik in England. Unter ihrem Dach sind alle relevanten Aufgaben vereinigt, die im Zusammenhang mit der Entwicklung von Kinder- und Jugendhilfestrukturen sowie Jugendangelegenheiten stehen. Ihre Finanzierung erfolgt vorrangig durch die Regierung. Auf politischer Ebene ist die National Youth Agency an der qualitativen Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe beteiligt und verfolgt die Entwicklung der jugendpolitischen Schwerpunkte. Als zentraler Akteur der Kinder- und Jugendpolitik übt die National Youth Agency großen politischen Einfluss aus und betreibt Lobbyarbeit für die Jugendhilfe. Darüber hinaus publiziert sie eigene Zeitschriften und relevante Forschungsergebnisse.

Ähnliche Aufgaben wie die National Youth Agency für England werden in Nordirland vom Youth Council for Northern Ireland und in Schottland von YouthLink Scotland wahrgenommen. Die Wales Youth Agency wurde Ende 2005 aufgelöst, eine Nachfolgestruktur gibt es derzeit nicht. Das Vertretungsorgan für Jugendarbeit und den Freiwilligensektor in Wales ist das Council for Wales of Voluntary Youth Services.

Der Nationale Rat der Freien Träger (National Council for Voluntary Youth Services, NCVYS) war ein Zusammenschluss von über 180 freien Trägern der Jugendhilfe, die auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene agieren. 1936 gegründet war er der einzige Dachverband in England, der die freie Jugendhilfe repräsentierte. Er informierte seine Mitgliedsorganisation über jugendpolitische Entwicklungen und betrieb Lobbyarbeit für die freien Träger. Am 1. April 2016 wurde der NCVYS mit dem seit 1925 existierenden Ambition zusammengelegt. Ambition ist das nationale Mitgliedsgremium für Jugendorganisationen mit der Hauptaufgabe, diese zu unterstützen, ihre Reichweite zu steigern, ihren Einfluss zu vergrößern und die Qualität zu verbessern. Die Ziele von Ambitionen für die Jahre 2015-2018 können in dem Strategiepapier Leading the Way nachgelesen werden. Aufgabenbereiche des NCVYS wurden nach dessen Schließung 2016 auch von UK Youth übernommen, eine Dachorganisation, die gemeinsam mit den Partnern in Schottland, Wales und Nordirland 4890 lokale Jugendorganisationen vereint und mit diesem Netzwerk ca. 730 000 Jugendliche erreicht.

Das Centre for Youth Impact, CYI (http://www.youth-impact.uk/) wurde im September 2014 von der Regierung und mit einem Startkapitel des Cabinet Office gegründet, um eine führende Rolle  bei der Unterstützung des Jugendbereichs zu übernehmen. Es entstand, um der unzureichend evidenzbasierten Wirkung von Jugendarbeit entgegenzuwirken. Aufgabe des CYI ist es, die Entwicklung, Förderung, Evaluierung, Finanzierung und Umsetzung qualitativ hochwertiger Angebote für junge Menschen zu verbessern. Dazu arbeitet das CYI eng mit dem Project Oracle zusammen.

Die Rolle der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Vereinigten Königreich ist nicht mit der der freien Träger in Deutschland zu vergleichen. Auch wenn sie wichtige Arbeit leisten, so wird die Kinder- und Jugendhilfe doch hauptsächlich durch die Kommunen umgesetzt. Allerdings hat die britische Regierung mit ihrer im Juli 2007 veröffentlichten 10-Jahresstrategie „Aiming High“ die Rolle der freien Träger gestärkt (siehe auch das Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme“).

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Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Der Britische Jugendrat (British Youth Council) wurde 1948 mit der Aufgabe ins Leben gerufen, britische Jugendorganisationen und die nicht organisierte Jugend auf internationaler Ebene zu vertreten. Seit 1977 arbeitet er auch auf nationaler und lokaler Ebene. Heute ist er ein eigenständiger freier Träger der Jugendarbeit und vertritt die Interessen von über 180 Jugendorganisationen und einem Netzwerk von über 400 lokalen Jugendräten. Seine Mitgliedsorganisationen lassen sich grob in fünf Gruppen aufteilen: örtliche Gruppen, nationale Jugendverbände, konfessionell oder parteipolitisch gebundene Organisationen, Jugendabteilungen der Gewerkschaften sowie „uniformierte“ Organisationen wie Pfadfinderinnen und Pfadfinder.

Der Britische Jugendrat setzt sich für die Beteiligung junger Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben ein und unterstützt sie bei der Vertretung ihrer Interessen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Dabei verfolgt man einen Peer-Ansatz. So müssen Mitglieder im Vorstand oder in den Komitees jünger als 26 Jahre sein. 

Auch auf internationaler Ebene vertritt der Britische Jugendrat die Interessen britischer Jugendlicher und seiner Mitgliedsorganisationen. Er ist unter anderem Mitglied im Europäischen Jugendforum und im Commonwealth Youth Forum.

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