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Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen - Vereinigtes Königreich

Hier gibt's Infos zu den Grundlagen und Strukturen der Kinder- und Jugendpolitik im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland. Mehr lesen unter 

Relevante Gesetze

Seit Ende der 1990er Jahre hat das britische Parlament zunehmend Kompetenzen an die regionalen Parlamente in Schottland, Wales und Nordirland abgetreten1, darunter auch die Bereiche Bildung und Jugendarbeit. In der Folge haben sich Gesetzgebung und Strukturen in den vier Landesteilen zum Teil unterschiedlich entwickelt. Die hier aufgeführten (aktuelleren) Gesetze beziehen sich deshalb weitgehend nur auf England.

In England gibt es keine nationale Gesetzgebung, die ausschließlich Kinder und Jugendliche oder Jugendpolitik betrifft. In einer Reihe von Rechtsvorschriften werden Aspekte, Bedürfnisse und Rechte Jugendlicher und deren Regulierung behandelt.

Children and Young Persons Act (1933)
Nach diesem Gesetz ist die Verabreichung von Alkohol an Kinder unter fünf Jahren gesetzeswidrig, es sei denn, es ist aus medizinischen Gründen erforderlich. Der Kauf von Zigaretten und Tabak wird ab 16 Jahren erlaubt und die Strafmündigkeit von Kindern auf 8 Jahre sowie das Mindestalter für die Todesstrafe auf 18 Jahre erhöht. Weiterhin regelt das Gesetz die Beschäftigung von Minderjährigen zwischen 13 und 17 Jahren. Einige der Regelungen, die sich auf die Beschäftigung von Kindern beziehen, haben heute noch Gültigkeit.

Ausgewählte Erweiterungen:
1955:  Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen vor unsittlichen Schriften
1963: Erhöhung der Strafmündigkeit auf 10 bzw. 14 Jahre
1969:  Bestimmungen über die Anordnung der Hilfe zur Erziehung durch Jugendgerichte

Education Act (1944)
Der Education Act garantiert das Recht aller jungen Brit(inn)en auf eine umfassende Bildung, unabhängig vom Vermögen und Einfluss oder der sozialen Stellung der Eltern. Im Zuge dieses Gesetzes wurde erstmals auch ein Ministerium für das Erziehungswesen eingerichtet, dem aber in erster Linie eine Schieds- und Überwachungsfunktion auf dem Felde der Bildungspolitik zukommt. Die eigentliche Schulverwaltung liegt in den Händen der kommunalen Schulbehörden.

Children Act (1989)
Mit dem Gesetz nähert sich Großbritannien den Zielen der UN-Kinderrechtskonvention an. Das Gesetz bezieht sich auf die Obhut, Erziehung und Unterstützung von Kindern in Familien sowie in Pflegeheimen, bei Tagesmüttern und in anderen Formen der Betreuung. Die Gültigkeit des Gesetzes ist auf England und Wales beschränkt. Das entsprechende Gesetz für Schottland ist der Children (Scottland) Act (1995), für Nordirland die Children (Northern Ireland) Order (1995).

Education Act (1996)
Das Gesetz verpflichtet die lokalen Behörden, Freizeit- und außerschulische Bildungsangebote (youth services) für Jugendliche bereit zu stellen.

Sexual Offences Act (2000/2002)
Der Sexual Offences Act aus dem Jahr 2000 gleicht die gesetzlichen Regelungen für sexuelle Handlungen heterosexueller und homosexueller Personen an. Für beide Gruppen sind sexuelle Handlungen jetzt ab 16 Jahren erlaubt (in Nordirland ab 17). Bei der Erweiterung im Jahr 2002 wurden alle Arten von sexuellen Übergriffen und Missbrauch sowie das Strafmaß umfassend behandelt.

Education Act (2002)
Neuregelung der Lehrpläne sowie Verpflichtung, Schüler/-innen an allen relevanten Entscheidungen die Schule betreffend zu beteiligen.

Anti-Social Behaviour Act (2003)
Neuregelung zum Umgang mit auffälligen und gewaltbereiten Jugendlichen

Children Act (2004)
Mit dem Children Act von 2004 wurde ein neuer Rahmen für die Jugendpolitik in England geschaffen, der auf das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen bis zum 19. Lebensjahr ausgerichtet ist. In Verbindung damit steht die Entwicklung des neuen Children’s Service, das heißt eine Zusammenführung von Jugend- und Sozialarbeit zu einem System ähnlich dem deutschen Jugendhilfesystem sowie Einführung eines Kinderkommissars, der den Interessen von Kindern und Jugendlichen eine Stimme verleiht.

Der Children Act 2004 legte den Grundstein für grundlegende Veränderungen im Bereich der Jugendhilfe und hatte die Implementierung neuer, verbindlicher Strukturen auf allen Ebenen zur Folge. Dazu gehören die Schaffung kommunaler, behördenübergreifender Verwaltungsstellen, neue Prüfungsvorgaben für alle staatlichen Träger und ein integrierter Qualifizierungsansatz für Mitarbeiter/-innen der Jugendhilfe. Infolgedessen wurden alle kinder- und jugendrelevanten Abteilungen unter einem Dach auf nationaler Ebene zusammengeführt. Darüber hinaus entwickelte man eine koordinierte landesweite Strategie, um relevante Dienstleistungen und Angebote für Jugendliche in allen Kommunen zu gewährleisten. Im April 2008 ging im Rahmen des Local Area Agreement die zentrale Verantwortung für die koordinierte Strategie von den Regierungsstellen auf die Kommunen über.

Nur der erste Teil des Children Act 2004 (Einrichtung von Kinderkommissar(inn)en) besitzt im gesamten Vereinigten Königreich Gültigkeit, die Teile 2 bis 5 gelten nur für England und Wales. – Weitere Informationen im Kapitel „Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder“.

Education Act (2005)
Neuregelung der Inspektion von Schulen sowie Veränderungen in der Ausbildung von Lehrer/-innen

Education and Inspections Act (2006)
Dieses Gesetz verpflichtet die lokalen Behörden, allen 13- bis 19-Jährigen einen Zugang zu so genannten positiven Bildungs- und Freizeitaktivitäten sowie entsprechenden Einrichtungen zu gewährleisten. Darüber hinaus müssen die lokalen Behörden die Meinung von Jugendlichen bei Entscheidungen, die diese Aktivitäten und Einrichtungen betreffen, berücksichtigen.

Children and Families Act (2014)
Enthält Gesetzesänderungen, die vor allem die Bereiche Adoptionsverfahren, Pflegekinder, Familiengericht und sonderpädagogischer Förderbedarf betreffen.
(Der komplette Children and Families Act 2014 steht als PDF-Download bereit unter: http://www.legislation.gov.uk/ukpga/2014/6/pdfs/ukpga_20140006_en.pdf. Einen Überblick über die Reformen des Children and Families Act 2014 auf der Website des Bildungsministeriums unter: http://www.education.gov.uk/a00221161/children-families-bill)

Children and Young People (Scotland) Act 2014
http://www.legislation.gov.uk/asp/2014/8/contents/enacted

Gesetzliche Neuregelungen finden Sie unter: www.opsi.gov.uk/legislation/uk.htm

Dossier zur Gesetzgebung im Kinder- und Jugendbereich unter http://www.oijj.org/en (englische Version)

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Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

                              

RegelungAlter

Schulpflicht*
- Beginn der Schulpflicht (Nordirland)
- Beginn der Schulpflicht (England, Wales, Schottland) 
- Ende der Schulpflicht

 

4            
5
17,18

Mündigkeit
- Bedingte Strafmündigkeit (Schottland) 
- Bedingte Strafmündigkeit (England, Wales, Nordirland)
- Sexuelle Mündigkeit für beide Geschlechter 
- Befugnis zur Heirat mit Zustimmung der Eltern
- Sexuelle Mündigkeit für homosexuelle Jugendliche in Nordirland
- Volljährigkeit

8
10
16
16
17
18

Arbeit
- Erlaubnis zur Teilzeitbeschäftigung (bis zu zwei Stunden an Schultagen und sonntags, samstags halbtags) 
- Erlaubnis zur Vollzeitbeschäftigung (ausgenommen ist die Arbeit in Bars und Wettbüros)
- Recht einer Gewerkschaft beizutreten 
- Jungen dürfen mit Einwilligung der Eltern Mitglied der Streitkräfte werden
- Mädchen dürfen mit Einwilligung der Eltern Mitglied der Streitkräfte werden


14

16
16
16
17

Recht zum Erwerb des Führerscheins
- Mopeds, Behindertenfahrzeuge und einige Traktoren
- Motorräder und PKW
- LKW und Kleinbusse bis 16 Personen
- Schwerlaster und Busse über 16 Personen

16
17
18
21
Altersbegrenzungen bei Filmen
- Für Filme der Kategorie U (Universal) bestehen keine Einschränkungen
- Für Filme der Kategorie PG (Parental Guidance) ist der Besuch der Entscheidung der Eltern überlassen
- Besuch der jeweils für die Altersgruppe freigegebenen Filme


U
PG
15, 18

Weiteres
- Kauf von Tabakwaren und Rauchen in der Öffentlichkeit erlaubt
- Erlaubnis zum Kauf von Lotterielosen
- Konsum von leichten alkoholischen Getränken in der Öffentlichkeit
- Aktives Wahlrecht
- Barbesuch und Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit erlaubt
- Passives Wahlrecht
- Befugnis zum Verkauf von Alkohol
- Adoption eines Kindes

16
16
16
18
18
21
21
21

* In Großbritannien besteht anstatt der Schulpflicht eine Bildungspflicht oder Unterrichtspflicht, die auch durch Hausunterricht oder selbständiges Lernen erfüllt werden kann. Das Alter für die (Aus)Bildungspflicht wurde im September 2013 von 16 auf 17 Jahre hochgesetzt und wird bis zum Jahr 2015 auf 18 Jahre hochgesetzt. (siehe: Raising the participation age unter: www.gov.uk)

 

Links
http://www.protection-of-minors.eu/de/country/GB - Informationen zum Kinder- und Jugendschutz in Europa der BAG Kinder- und Jugendschutz
http://wiki.crin.org/mediawiki/index.php?title=United_Kingdom - Wiki zu Kinderrechten im Vereinigten Königreich
http://www.bag-jugendschutz.de/PDF/MDA12-Laender_einzeln/Jugendschutzbestimmungen_Grossbritannien.pdf - Europäischer Jugendschutzatlas Großbritannien der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz

Finanzierung

Britische Pfundnoten.
Britische Pfundnoten.Bild: PDPics / pixaxaby.com

Staatliche nationale Förderung

Die Kinder- und Jugendhilfe im Vereinigten Königreich wird entweder durch die kommunale Ebene oder durch freie Träger umgesetzt. Die kommunale Kinder- und Jugendhilfe finanziert sich aus Zuwendungen der Zentralregierung sowie zusätzlich durch kommunale Steuereinnahmen. Der Bereich der freien Träger erhält seine Unterstützung sowohl durch die Kommunen als auch durch private Spenden und Zuwendungen diverser Wohltätigkeitsorganisationen.

Kommunen sind dazu verpflichtet, Kinder- und Jugendhilfeangebote zu machen. Finanzielle Unterstützung erhalten die Kommunen dabei durch das Regierungsprogramm “Delivering Differently for Young People“.

Landesweit wurden in Großbritannien dem Jugendbereich in den vergangenen Jahren starke finanzielle Einschränkungen auferlegt. Statistiken bezeugen die Verluste im Kinder- und Jugendhilfebereich durch jährlich Kürzungen der öffentlichen Ausgaben:

HaushaltsjahrAusgaben für Kinder- und Jugendhilfe
2010/11£ 1,2 Md
2012/13£ 791 Mio
2013/14£ 712 Mio
2015/16£ 527,9 Mio
2016/17£ 447,5 Mio
geplant für 2017/18£ 415,8 Mio

(Quelle: Official Statistics. Department for Education)

Als Folge mussten viele Träger der Kinder- und Jugendhilfe ihre Angebote einschränken oder komplett schließen, Stellen für Jugendarbeiter/-innen wurden gestrichen und Plätze für junge Menschen in der Jugendhilfe fehlen. Um die Angebote dennoch möglichst aufrechtzuerhalten, ist man auf lokaler Ebene auf freiwillige und ehrenamtliche Helfer angewiesen.

Auch in Wales sind die Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe gesunken, wie die Statistiken der Walisischen Regierung zeigen. Beliefen sich die Ausgaben im Haushaltsjahr 2013/14 noch auf £ 40,5 Millionen, verringerten sie sich im Haushaltsjahr 2014/15 auf £ 34,8 Millionen. Damit gehen ein Rückgang an Beschäftigten im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe einher und ein Rückgang der jungen Menschen, die die Angebote der Jugendhilfe wahrnahmen.

Weitere Informationen: Bericht der National Youth Agency  „Youth services in England: Changes and trends in the provision of services“ und Bericht von UNISON (Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst) “The Damage: The UK’s youth services how cuts are removing opportunities for young people  and damaging their lives

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Das Vereinigte Königreich zeichnet sich durch eine bunte Landschaft von zahlreichen privaten und gemeinnützigen Wohlfahrtsorganisationen aus, den „Charity Organisations“, die eine Reihe von zeitlich befristeten, aber auch langfristig angelegten Projekte vorrangig im Bereich der freien Träger fördern. 

Social impact bonds sind eine Form des sozialen Investments, die auf einem "Zahlung nach Ergebnis" System basieren. Investor(inn)en fördern soziale und innovative Maßnahmen, wobei sich die Regierung erst dann finanziell beteiligt, wenn diese Maßnahmen gute Ergebnisse zeigen. Auf diese Art wurde beispielsweise der Youth Engagement Fund finanziert, der mit £16 Millionen benachteiligte jungen Menschen beim Übergang in Ausbildung und Arbeit unterstützte. 

Finanzierungsmöglichkeiten für das Jahr 2012 für Projekte und Organisationen, die mit jungen Menschen arbeiten, finden sich in der Spezialausgabe Research and Youth Policy Digest.

Eine Initiative zur Förderung von lokalen Jugendaktivitäten waren die Jugendbanken (YouthBank UK). 1999 aus einem nationalen Pilotprojekt entstanden, vergaben Jugendliche darüber Gelder an andere Jugendliche. Die Jugendbanken formierten sich auf lokaler Ebene und entschieden selbst über ihre Vergabekriterien. Sie erhielten ihre finanziellen Ressourcen durch eine Reihe von unterschiedlichen Sponsoren sowie der öffentlichen Hand. YouthBank UK war 2011 gezwungen Insolvenz anzumelden, YouthBank Scotland und YouthBank
Ireland
bestehen weiterhin.

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Seit Juli 2016 liegt die Zuständigkeit für nationale Jugendpolitik beim Department for Culture, Media and Sport (DCMS), insbesondere beim Office for Civil Society. Seit November 2018 ist Mims Davies der Conservative Party Minister for Civil Society und somit für Jugend zuständig. Matthew Hancock ist seit dem 8. Januar 2018 Staatssekretär des Ministeriums für Kultur, Medien und Sport (Secretary of State for Culture, Media and Sport).
Das DCMS ist für den außerschulischen Bereich der Jugendpolitik zuständig. Ebenfalls in Verantwortungsbereich des DCMS fällt derbritische Freiwilligendienst National Citizen Service sowie die Unterstützung der lokalen Behörden bei der Umsetzung der Jugendhilfeangebote.

Zwischen Juli 2013 und Juli 2016 übergab die britische Regierung die Verantwortung für Jugendpolitik an das Cabinet Office. Seit September 2014 war Rob Wilson Minister für Zivilgesellschaft, für Jugendpolitik und Jugendhilfe zuständig. Zuvor war das Department for Education neben Bildung und Familie auch für die Kinder- und Jugendhilfe zuständig. Bildungsminister war seit Mai 2010 Michael Gove. Es löste mit dem Regierungswechsel im Mai 2010 das Ministerium für Kinder, Schulen und Familie (Department for Children Schools and Families) ab.

Im Department of Health ist die Gesundheitsministerin mit verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendgesundheit betraut.

Das Department for Work and Pensions ist für Jugendbeschäftigung zuständig.

In den letzten Jahren hat die britische Regierung einen Ansatz der Dezentralisierung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe verfolgt, der der lokalen Ebene mehr Verantwortung und Macht einräumt. Seitdem fallen Entscheidungen über die Bereitstellung von Angeboten und Aktivitäten der Kinder- und Jugendhilfe verstärkt auf lokaler als auf nationaler Ebene. Dies ermöglicht einerseits eine bessere Anpassung an die Bedarfe vor Ort, führt andererseits aber zu fehlenden Standards seitens der nationalen Ebene.

Aufgrund der Dezentralisierungsprozesse und der damit zusammenhängenden zunehmenden Verwaltungsautonomie in Schottland, Wales und Nordirland sind das Department for Culture, Media and Sport, das Department for Education bzw. das Cabinet Office in vielen Bereichen nur für England zuständig. Darunter fällt auch die Kinder- und Jugendhilfe. Die anderen Landesteile haben in diesen Feldern eigene Ministerien mit entsprechenden Zuständigkeiten. Insbesondere in Schottland und Nordirland können deshalb Strukturen und Terminologie abweichen. Gleichzeitig ergibt sich aus der Tatsache, dass die Bevölkerung Englands 85% der Gesamtbevölkerung des Vereinigten Königreichs ausmacht, eine gewisse Vorreiterschaft Englands bei der Entwicklung politischer Maßnahmen. So wirken sich zum Beispiel Maßnahmen in den Bereichen Beschäftigung und Jugendstrafrecht auf das gesamte Vereinigte Königreich aus. 

In Nordirland ist das Department of Education, in Schottland das Department for Education and Training und in Wales das Department for Children, Education, Lifelong Learning and Skills für Fragen der Bildung sowie der Kinder- und Jugendhilfe zuständig.

Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Programmen und Initiativen von der britischen Regierung ins Leben gerufen worden, die zu nicht unerheblichen Änderungen im gesamten Sektor der Kinder- und Jugendhilfe geführt haben. Nachfolgend werden die wichtigsten dieser Programme und Initiativen aufgeführt. Sie gelten größtenteils nur für England.

Nach mehreren tragischen Todesfällen von Kindern und Jugendlichen, die auch im Zusammenhang mit einer ungenügenden Vernetzung und Kommunikation von beteiligten Einrichtungen gesehen wurden, veröffentlichte die Regierung 2003 ein Grünbuch mit dem Titel Every Child Matters. Das Papier enthält einen neuen Ansatz, nach dem alle Kinder und Jugendlichen in England von der Geburt bis zum 19. Lebensjahr unabhängig von ihrem Hintergrund oder ihrer Lebensumstände die Unterstützung erhalten sollten, die sie benötigen. Folgende Schwerpunkte, „outcomes“ genannt, stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Gesundheit: physische und psychische Gesundheit verbunden mit einem gesunden Lebensstil; 
  • Sicherheit: geschützt sein vor Schaden und Verwahrlosung; 
  • Freude und Erfolg: Spaß am Leben und den eigenen Fähigkeiten entwickeln; 
  • einen positiven Beitrag leisten: in die Gemeinschaft einbezogen sein und nicht am Rande stehen; 
  • finanzielle Sicherheit: um alle Potentiale für den persönlichen Lebensweg ausschöpfen zu können. 

Diese fünf Schwerpunkte bilden die Grundlage für die Kinder- und Jugendpolitik der britischen Regierung und damit auch den Kern des 2004 verabschiedeten Children Act, der wiederum die gesetzliche Basis für die Entwicklung von effektiveren und zugänglicheren Diensten für Kinder, Jugendliche und deren Familien darstellt (siehe Kapitel „Gesetzliche Grundlagen“).

Umgesetzt wird das Gesetz durch verschiedene Regierungsprogramme. Das Programm „Every Child Matters: Change for Children“ (2004) bildet dabei den nationalen Rahmen für die lokalen Reformprogramme und die damit verbundenen vielfältigen Umstrukturierungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.

2005 und 2006 folgten das Grünbuch „Youth Matters“ und das Programm „Youth Matters: next steps“, welche „Every Child Matters“ ergänzen und die Schwierigkeiten und Herausforderungen, mit denen Jugendliche im Alter zwischen 13 und 19 konfrontiert werden, angehen. Ergebnis waren Vorschläge für eine radikale Umstrukturierung von Angeboten und Diensten für Teenager. Die Schwerpunkte von „Youth Matters“ sind:

  • Motivation junger Menschen zu mehr Engagement/Aktivitäten; 
  • Stärkung des freiwilliges Engagements von Jugendlichen (Partizipation); 
  • Schaffung eines verbesserten Informationsangebots sowie von Hilfs- und Unterstützungsangeboten; 
  • Entwicklung verbesserter individueller Serviceleistungen für junge Menschen, die ernste Probleme haben und/oder in Schwierigkeiten geraten sind. 

Zentrales Vorhaben des Regierungsprogramms sind so genannte integrierte Unterstützungsdienste für Jugendliche. Seit Januar 2007 sind die lokalen Behörden gesetzlich verpflichtet, in Jugendfragen mit dem freiwilligen und dem privaten Sektor zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, das Wohlergehen von Jugendlichen durch Zugang zu ausreichenden Bildungs- und Freizeitaktivitäten, auch als „positive activities“ bezeichnet, sicherzustellen. Hierfür hat die Regierung nationale Standards festgelegt, die unter anderem folgende Punkte umfassen:

  • Zugang zu zwei Stunden sportlichen Aktivitäten pro Woche (inner- und außerschulisch); 
  • Zugang zu zwei Stunden „konstruktiven“ Freizeitaktivitäten in Jugendgruppen, Jugendklubs und in der Klasse; 
  • Möglichkeiten zur Freiwilligenarbeit; 
  • Zugang zu einem breiten Angebot an Freizeit-, Kultur- und anderen bereichernden Erfahrungen; 
  • Zugang zu sichereren und angenehmen Plätzen, an denen man sich mit anderen treffen kann. 

Weitere Informationen zu Youth Matters gibt es hier

Im Juli 2007 veröffentlichte die Regierung „Aiming High for Young People“, eine 10-Jahresstrategie (2008-2018) zur Förderung „positiver Aktivitäten“ von jungen Menschen. Die Strategie beruht auf der Annahme, dass aktive Partizipation Jugendlichen hilft, soziale und emotionale Fähigkeiten zu entwickeln. Insgesamt enthält das Papier 55 Verpflichtungen, mit denen die Beteiligung Jugendlicher, insbesondere benachteiligter Jugendlicher, an positiven, das heißt angenehmen und sinnvollen Freizeitaktivitäten erhöht werden soll. 

Der im März 2008 von der Regierung vorgelegte Umsetzungsplan für Aiming High beschreibt unter anderem die Kernaktivitäten zur Umsetzung der Strategie in den nächsten zwölf Monaten und die vorgesehenen Finanzmittel. Insgesamt sind bis 2018 679 Millionen Pfund für die Umsetzung der Strategie sowie weitere 160 Millionen Pfund für die Renovierung und Ausstattung von Jugendeinrichtungen vorgesehen.

Im Hinblick auf die Förderung des freiwilligen Engagements Jugendlicher wurde im Mai 2004 eine Kommission eingerichtet mit der Aufgabe, einen nationalen Rahmen für Jugendaktion und -engagement zu entwickeln. Deren im März 2005 veröffentlichter Bericht sprach sich für Veränderungen des freiwilligen Engagements von Jugendlichen im Hinblick auf Vielfalt, Qualität und Quantität aus. Die Regierung startete daraufhin ein neues Freiwilligenprogramm, dessen Ziel es ist, innerhalb von fünf Jahren eine Million zusätzliche junge Freiwillige zu werben. Für die Umsetzung der Empfehlungen wurden insgesamt 100 Millionen Pfund bereitgestellt. Mit diesen Mitteln wurde unter anderem die Einrichtung von „v“, einer unabhängigen und jugendgeführten Nichtregierungsorganisation, die sich der Förderung freiwilliger Aktivitäten Jugendlicher verschrieben hat, gefördert. 

Der National Citizen Service (NCS) ist das Flaggschiff der britischen Regierungsprogramme für Freiwilligendienste. Er wendet sich an 15- bis 17jährige in England und Nordirland. Im Mai 2010 wurde das Programm von Premierminister David Cameron ins Leben gerufen als Teil des gesellschaftspolitischen Programmes „Big Society“ der Koalition aus der Conservative Party und den Liberal Democrats.
Das Programm besteht aus vier Phasen, die mit Outdoor Teambuilding Aktivität beginnen, 30 Stunden Freiwilligentätigkeit beinhalten und mit einem Zertifikat enden (ausführliche Informationen unter: http://www.ncsyes.co.uk/)
Seit seiner Gründung im Jahr 2010 hat die Teilnahme an den Programmen stetig zugenommen: 2012 nahmen 26,003 junge Menschen am NCS teil, 2013 waren es 39,556 und 2014 waren es 57,609. Im Jahr 2015 möchte die Regierung 120 000 Plätze zur Verfügung stellen und 2016 sollen 150 000 Plätze werden
Im Haushaltsjahr 2014 -2015 war der NCS mit einem Budget von £129.579 Millionen ausgestattet,  2015 -2016 verfügt er über £140.000 Millionen.
(Mehr Informationen zum NCS auf der Webseite der Regierung, im Jahresbericht des Cabinet Office und Evaluation des NCS.)

Aufgrund der seit einiger Zeit stark zurückgehenden Wahlbeteiligung, insbesondere bei Jungwähler(inne)n, läuft seit mehreren Jahren unter dem Titel „Hear by Right“ (Recht gehört zu werden) eine Partizipationsoffensive. Diese legt Standards für eine aktive Beteiligung von jungen Menschen an demokratischen Prozessen in Organisationen und Kommunen fest, die vom Kommunalverband in Zusammenarbeit mit der National Youth Agency entwickelt wurden. Die Partizipationsoffensive gilt auch für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und stellt damit eine einzigartige Verknüpfung von politischem Willen und dessen praktischer Umsetzung durch die Strukturen der britischen Jugendhilfe dar. Ermöglicht wird dies durch die Bereitstellung von beeindruckenden finanziellen Mitteln. 

Mit “Positive for Youth” veröffentlichte die Regierung im Dezember 2011 einen neuen regierungsübergreifenden Ansatz der britischen Jugendpolitik, der in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Fachkräften ausgearbeitet wurde. „Positive for Youth“ richtet sich an die Altersgruppe der 13 bis 19 Jährigen und vereint die jugendpolitischen Angelegenheiten von neun verschiedenen Regierungsabteilungen. Die Hauptziele von „Positive for Youth“ sind:

  • junge Menschen darin zu stärken, die Qualität von Jugendhilfeangebote selbst zu überprüfen und zu verbessern.
  • die Einrichtung einer Untersuchungsgruppe, die die Regierungspolitik auf ihren "Jugendfaktor" überprüft und gemeinsam mit einem Jugendsonderausschuss die Regierung berät.
  • Unterstützung gefährdeter Familien und Jugendlicher durch die Einrichtung von Beratungsstellen.
  • Förderung von Vermittlungsangeboten und Kontakten zwischen Unternehmen und Jugendlichen. Weitere Informationen unter: Business in the Community.
  • Überarbeitung gesetzlicher Richtlinien für lokale Behörden zur Sicherstellung von ausreichenden Maßnahmen und Dienstleistungen für Jugendliche.
  • Stärkung der Kommunen und Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen.
  • Anhebung des schulpflichtigen Alters auf 18 Jahre bis 2015, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und bessere Vorbereitung der  16 bis 24 Jährigen beim Übergang in Arbeit.
  • Schaffung von Jugendinnovationsgebieten (Youth Innovation Zones) zur Entwicklung neuer, kreativer Ansätze, die systemübergreifend alle Unterstützungsdiensten für Jugendliche einbeziehen.
  • weiterer Ausbau von myplace Jugendzentren, an deren Planung und Betrieb Jugendliche mitwirken. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Erreichen benachteiligter Jugendlicher. Weiter Informationen finden Sie hier.
  • jährlich stattfindendes Audit zur Prüfung der erzielten Fortschritte von „Positive for Youth“ sowie die Veröffentlichung eines Berichts mit den durchgeführten Maßnahmen und deren Wirkungen.

Derzeit existiert keine aktuelle übergreifende Jugendstrategie. Im November 2016 kündigte der damalige Jugendminister Rob Wilson an, dass die Regierung eine neue jugendpolitische Grundsatzerklärung für die Jahre 2017 – 2020 erarbeiten wird, nachdem mehrfach der Vorwurf im Raum stand, die Regierung verfolge keine kohärente Politik in Bezug auf Kinder- und Jugendhilfe. Ein Jahr später, im November 2017, verwarf das Department for Digital, Culture, Media and Sport die Pläne zur Erstellung einer eigenständigen jugendpolitische Grundsatzerklärung wieder. (Weitere Informationen: https://www.cypnow.co.uk/cyp/news/2004514/government-ditches-youth-policy-statement)

Mann spielt den Dudelsack.
Mann spielt den Dudelsack.Bild: sharonang / pixabay.com

2007 veröffentlichte die Schottische Regierung ihre Strategie für die Jugendhilfe („Moving forward: a national youth work strategy“). Schwerpunkte sind unter anderem die Förderung, Sicherheit, Aktivität und Gesundheit von jungen Menschen. Nähere Informationen zu den kinder- und jugendpolitischen Schwerpunkten der schottischen Regierung sind auf deren Homepage zu finden. Darüber hinaus bietet YouthLink Scotland einen guten Überblick über die Ziele und Inhalte der Strategie. Zudem hat die Regierung 2011 eine Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut aufgelegt. Sie setzt dabei auf: 

  • den Abbau von Kinderarmut durch die stärkere Förderung und Qualifizierung von einkommensschwachen Eltern und Familien und damit die Förderung des Zugangs zu mehr und besserer Arbeit. 
  • die Stärkung und Verbesserung der frühkindlichen Förderung und der Bedingungen für gesundes Aufwachsen, um den Armutszirkel von klein auf zu durchbrechen.

2014 legten die schottische Regierung, Education Scotland und YouthLink Scotland eine gemeinsam entwickelte National Youth Work Strategy 2014-2019 vor. 

In der Strategy for the Delivery of Youth Work 2005-2008 beschreibt die Nordirische Regierung ihre Prioritäten für die Kinder- und Jugendarbeit im besagten Zeitraum. 2013 veröffentlichte das Nordirische Department of Education mit Priorities for Youth den Rahmen für die Jugendarbeit, Jugendpolitik und Visionen für junge Menschen. 

In Wales wird die Kinder- und Jugendhilfe von den 22 lokalen Verwaltungsbezirken und von freien Trägern umgesetzt. Anfang 2014 legte die walisische Regierung ihre National Youth Work Strategy for Wales 2014-2018 vor. Sie bildet die Fortsetzung einer Kinder- und Jugendhilfepolitik, die im Jahr 2000 mit der Strategie “Extending Entitlement: supporting young people in Wales” begann. Einen besonderen Fokus legt die walisische Regierung dabei auf die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Entscheidungen.

Die Grundsätze, auf die sich die Jugendarbeit in Wales stützt, und einen Überblick über die Art, Zweck und Umsetzung der Jugendarbeit in Wales sind in Youth Work in Wales: Principles and Purposes zusammengefasst.
Weiter Informationen lieferen die Webseite der walisischen Regierung und die Vereinigung der walisischen Verwaltungsbezirke (Welsh Local Government Association).

Aktuelle Informationen zur Kinder- und Jugendpolitik im Vereinigten Königreich finden sich auf der Homepage der National Youth Agency, zum Beispiel im monatlichen Newsletter.

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Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Die Nationale Jugendagentur (National Youth Agency) ist ein zentraler Akteur der Kinder- und Jugendpolitik in England. Unter ihrem Dach sind alle relevanten Aufgaben vereinigt, die im Zusammenhang mit der Entwicklung von Kinder- und Jugendhilfestrukturen sowie Jugendangelegenheiten stehen. Ihre Finanzierung erfolgt vorrangig durch die Regierung. Auf politischer Ebene ist die National Youth Agency an der qualitativen Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe beteiligt und verfolgt die Entwicklung der jugendpolitischen Schwerpunkte. Als zentraler Akteur der Kinder- und Jugendpolitik übt die National Youth Agency großen politischen Einfluss aus und betreibt Lobbyarbeit für die Jugendhilfe. Darüber hinaus publiziert sie eigene Zeitschriften und relevante Forschungsergebnisse.

Ähnliche Aufgaben wie die National Youth Agency für England werden in Nordirland vom Youth Council for Northern Ireland und in Schottland von YouthLink Scotland wahrgenommen. Die Wales Youth Agency wurde Ende 2005 aufgelöst, eine Nachfolgestruktur gibt es derzeit nicht. Das Vertretungsorgan für Jugendarbeit und den Freiwilligensektor in Wales ist das Council for Wales of Voluntary Youth Services.

Der Nationale Rat der Freien Träger (National Council for Voluntary Youth Services, NCVYS) war ein Zusammenschluss von über 180 freien Trägern der Jugendhilfe, die auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene agieren. 1936 gegründet war er der einzige Dachverband in England, der die freie Jugendhilfe repräsentierte. Er informierte seine Mitgliedsorganisation über jugendpolitische Entwicklungen und betrieb Lobbyarbeit für die freien Träger. Am 1. April 2016 wurde der NCVYS mit dem seit 1925 existierenden Ambition zusammengelegt. Ambition ist das nationale Mitgliedsgremium für Jugendorganisationen mit der Hauptaufgabe, diese zu unterstützen, ihre Reichweite zu steigern, ihren Einfluss zu vergrößern und die Qualität zu verbessern. Die Ziele von Ambitionen für die Jahre 2015-2018 können in dem Strategiepapier Leading the Way nachgelesen werden. Aufgabenbereiche des NCVYS wurden nach dessen Schließung 2016 auch von UK Youth übernommen, eine Dachorganisation, die gemeinsam mit den Partnern in Schottland, Wales und Nordirland 4890 lokale Jugendorganisationen vereint und mit diesem Netzwerk ca. 730 000 Jugendliche erreicht.

Das Centre for Youth Impact, CYI (http://www.youth-impact.uk/) wurde im September 2014 von der Regierung und mit einem Startkapitel des Cabinet Office gegründet, um eine führende Rolle  bei der Unterstützung des Jugendbereichs zu übernehmen. Es entstand, um der unzureichend evidenzbasierten Wirkung von Jugendarbeit entgegenzuwirken. Aufgabe des CYI ist es, die Entwicklung, Förderung, Evaluierung, Finanzierung und Umsetzung qualitativ hochwertiger Angebote für junge Menschen zu verbessern. Dazu arbeitet das CYI eng mit dem Project Oracle zusammen.

Die Rolle der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Vereinigten Königreich ist nicht mit der der freien Träger in Deutschland zu vergleichen. Auch wenn sie wichtige Arbeit leisten, so wird die Kinder- und Jugendhilfe doch hauptsächlich durch die Kommunen umgesetzt. Allerdings hat die britische Regierung mit ihrer im Juli 2007 veröffentlichten 10-Jahresstrategie „Aiming High“ die Rolle der freien Träger gestärkt (siehe auch das Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme“).

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Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Der Britische Jugendrat (British Youth Council) wurde 1948 mit der Aufgabe ins Leben gerufen, britische Jugendorganisationen und die nicht organisierte Jugend auf internationaler Ebene zu vertreten. Seit 1977 arbeitet er auch auf nationaler und lokaler Ebene. Heute ist er ein eigenständiger freier Träger der Jugendarbeit und vertritt die Interessen von über 180 Jugendorganisationen und einem Netzwerk von über 400 lokalen Jugendräten. Seine Mitgliedsorganisationen lassen sich grob in fünf Gruppen aufteilen: örtliche Gruppen, nationale Jugendverbände, konfessionell oder parteipolitisch gebundene Organisationen, Jugendabteilungen der Gewerkschaften sowie „uniformierte“ Organisationen wie Pfadfinderinnen und Pfadfinder.

Der Britische Jugendrat setzt sich für die Beteiligung junger Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben ein und unterstützt sie bei der Vertretung ihrer Interessen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Dabei verfolgt man einen Peer-Ansatz. So müssen Mitglieder im Vorstand oder in den Komitees jünger als 26 Jahre sein. 

Auch auf internationaler Ebene vertritt der Britische Jugendrat die Interessen britischer Jugendlicher und seiner Mitgliedsorganisationen. Er ist unter anderem Mitglied im Europäischen Jugendforum und im Commonwealth Youth Forum.

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Jugendverbandsarbeit

Sprung.
Sprung.Bild: geralt / pixabay. com

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Ein großer Teil der Jugendarbeit im Vereinigten Königreich wird vom ehrenamtlichen Sektor und dort insbesondere von den Jugendverbänden geleistet. Diese werden von der Regierung finanziell gefördert.

Die größten Jugendverbände sind traditionell orientierte, oft uniformierte Jugendgruppen wie ScoutsGuides oder Boys’ und Girls’ Brigades. Darüber hinaus gibt es vor allem im ländlichen Raum kleine Gemeindejugendklubs, die häufig von Eltern oder anderen Gemeindemitgliedern auf freiwilliger Basis geleitet werden.

Parteipolitische Jugendorganisationen sind den großen Parteien angeschlossen. Sie versammeln Jugendliche und Studierende, die parteipolitische Interessen vertreten, aber nicht ausschließlich die gleichen politischen Ziele verfolgen.

Religiöse Zusammenschlüsse: Organisationen wie die Young Men’s Christian Association (YMCA) stehen in engem Bezug zu ihren Gemeinden, sind aber auch offen für junge Menschen aus anderen Glaubensgemeinschaften. Ihr Angebot umfasst Reisen, internationale Camps, Jugendklubs, Sportveranstaltungen, Musikfestivals, Laientheater sowie diverse Bildungsangebote. - Siehe dazu auch das Kapitel „Glaubensgemeinschaftliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“.

Da die Jugendverbände seit einiger Zeit unter Nachwuchsproblemen leiden, wurde ein weiterer Weg der Interessenvertretung für Jugendliche eingerichtet: Seit 1999 gibt es ein nationales Jugendparlament, das UK Youth Parliament. Es besteht aus über 369 gewählten Mitgliedern sowie deren Stellvertreter(inne)n im Alter zwischen 11 und 18 Jahren. Ziel des Jugendparlaments ist es:

  • Jugendlichen ein Forum der Mitbestimmung und Meinungsäußerung zu ermöglichen entsprechend den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention; 
  • Jugendlichen auf nationaler Ebene die Möglichkeit zur Beteiligung an sie betreffenden Entscheidungen zu geben; 
  • Jugendliche zu ermutigen, auch auf lokaler Ebene aktiv zu werden und sich in die Gestaltung des Gemeinwesens einzumischen. 

Darüber hinaus will das Jugendparlament möglichst breit die unterschiedlichen Lebenslagen (Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Behinderung, etc.) von Jugendlichen repräsentieren.

Das Jugendparlament verfasst ein jährliches Manifest mit Stellungnahmen und Forderungen der Delegierten zu allen relevanten gesellschaftlichen Themen. Die nationale Abteilung für Kinder- und Jugendpolitik trägt dafür Sorge, dass dieses Manifest auf allen politischen Ebenen diskutiert und darüber hinaus von der Regierung beantwortet wird.

Finanziert wird die Arbeit durch eine jährliche Förderung von umgerechnet 375 000 Euro aus dem nationalen Budget sowie durch zusätzliche Sponsorengelder und Zuschüsse der kommunalen Ebene für die Arbeit vor Ort. Ein Großteil der Arbeit des Jugendparlamentes findet auf lokaler Ebene statt und wird durch das Jugendhilfesystem unterstützt. Partner des Jugendparlaments in den anderen Landesteilen sind das Scottish Youth ParliamentFunky Dragon in Wales (seit 2014 nicht mehr in Betrieb) und das Northern Ireland Youth Forum.

Nicht direkt an die Jugendverbandsstrukturen angebunden sind die Award-Programme. Der größte und international bekannteste unter ihnen ist der Duke of Edinburgh’s Award. 1956 unter der Schirmherrschaft von Herzog Prinz Philip von Edinburgh als Programm eingeführt, fördert der Award praktisches Handeln, soziales Engagement, sportliche Betätigung sowie die Entdeckung und Ausweitung persönlicher Hobbys und Interessen. Über die Programmteile Dienst, Expedition, Talente und Fitness sowie über die Stufen Bronze, Silber und Gold sollen Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren geschult und zu Aktivitäten angeregt werden. Der Duke of Edinburgh's Award ist keine Organisation, sondern wird von Einrichtungen wie Schulen, Heimen, Jugendgruppen und Unternehmen bei ihrer Arbeit mit jungen Leuten eingesetzt. Derzeit sind mehr als 250 000 Jugendliche in dem Programm engagiert. Finanziert wird das Programm vom Königshaus, vor allem aber auch durch Sponsoring der Wirtschaft. Der Duke of Edinburgh’s Award wird außer im Vereinigten Königreich noch in etwa 60 anderen Ländern angeboten. – Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Duke of Edinburgh's Award.

Beispiele weiterer Award-Programme:

Überregionale Jugendverbände

Im strukturellen Aufbau der Dachverbände der Jugendarbeit im Vereinigten Königreich fehlt häufig die regionale Ebene. In vielen Fällen arbeiten deshalb nationale Verbände mit lokalem Verbänden sowie kommunalen Jugendringen auf derselben Ebene zusammen.

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Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Religiös orientierte Angebote für Jugendliche werden im Vereinigten Königreich über national organisierte Verbände oder regional gebundene Projekte vermittelt. Ziel ist es, ein breit angelegtes Angebot zur Unterstützung Jugendlicher in unterschiedlichsten Lebenslagen bereit zu stellen sowie die jungen Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu fördern. Als Beispiel ist hier die Young Women's Christian Association (YWCA, Christlicher Verein junger Frauen) zu nennen. Als Äquivalent zum Christlichen Verein Jungen Menschen (YMCA) hat sich diese Organisation, die sich als christlich und feministisch zugleich versteht, das Ziel gesetzt, insbesondere Mädchen und junge Frauen auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu begleiten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Girls Friendly Society.

Andere Organisationen versuchen deutlich stärker, für die eigene (christliche) Ausrichtung bzw. den christlichen Glauben zu werben und Jugendliche zur Mitgliedschaft zu motivieren. Zu diesen eher traditionell ausgerichteten Organisationen sind die Boys’ Brigade und die Girls’ Brigade zu zählen. Beide Organisationen gehören wie die Pfadfinder/-innen zu den „uniformierten“ Jugendgruppen.

Weitere Beispiele für nationale Organisationen, die eine glaubensgemeinschaftliche Ausrichtung haben, sind:

Kathedrale von Salisbury
Kathedrale von SalisburyBild: falco / pixabay.com

Beispiele der zahlreichen, meist auf freiwilliger Basis arbeitenden und mit extrem eingeschränkten Ressourcen ausgestatteten lokalen religiös orientierten Gruppen gibt es hier

Die Muslim Youthwork Foundation unterstützt speziell Organisationen und Jugendarbeiter/-innen, die mit muslimischen Jugendlichen arbeiten. Ziel ist es, die Chancen für muslimische Kinder und Jugendliche zu erhöhen und als Plattform für die muslimische Jugendarbeit gegenüber Regierung und Öffentlichkeit zu fungieren.

Die Organisation Muslim Youth Helpline bietet jungen Muslim(inn)en Unterstützung an, bei der glaubensgemeinschaftliche und kulturelle Besonderheiten des Islams berücksichtigt werden. Wichtigstes Element ist dabei der Informations- und Beratungsdienst Muslim Youth Net, der sich speziell an die Zielgruppe richtet.

Literaturhinweis: 

Jugendinformation

Strukturen der Jugendinformation

Der National Careers Service bietet Jugendlichen und Erwachsenen Informationen für ihre Zukunftsplanung. Wenn die Fragen über das allgemeine Informationsangebot hinaus gehen, können die Jugendlichen mit einem Berater direkt Kontakt aufnehmen, um ganz spezielle Fragen zu Lebensplanung, Arbeit und Ausbildung/Lernen zu besprechen.

Die britische Regierung stellt Schulen und Kommunen finanzielle Hilfe zur Verfügung, damit diese frühzeitig sozial benachteiligte und gefährdete Jugendliche identifizieren und mit ihnen arbeiten können. Weitere Informationen finden Sie beim Department Education: http://www.education.gov.uk/16to19/careersguidance/a0064052/the-role-of-schools-and-local-authorities-in-careers-guidance 

Es gibt eine große Bandbreite von nationalen und lokalen Organisationen und Einzelpersonen, die Information, Beratung und Unterstützung für Jugendliche anbieten. Viele sind in der Dachorganisation Youth Access zusammengeschlossen. Damit verpflichten sie sich zur Einhaltung von Qualitätsstandards und zu jugendgerechter Arbeit. Darüber hinaus stellen zahlreiche kommunale und freie Träger wie beispielsweise das Citizen Advice Bureau (Bürgerberatung) ebenfalls Einrichtungen zur Information und Beratung von Jugendlichen zur Verfügung. Daneben entstehen zunehmend Informations- und Beratungsangebote im Internet. 

Als Beispiel für einen auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtetem Informations- und Beratungsdienst sei hier musl!m youth.net genannt. Dieser bietet einen kostenlosen Service für muslimische Jugendliche im Vereinigten Königreich. Neben Telefon, E-Mail und persönlichen Kontakten stellt die Internetplattform Informationen zu verschiedenen Themenbereichen bereit.

Auch in den anderen Landesteilen des Vereinigten Königreichs stehen Jugendlichen Beratungs- und Informationsdienste zur Verfügung. In Nordirland ist dies NEELB Youth Service, dessen Zielgruppe Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren und Fachkräfte der Jugendarbeit sind und der über ein Netzwerk von 25 Informationspunkten in Schulen und Jugendklubs verfügt. In Schottland bietet Young Scot Zugang zu Informationen sowie Kontakte zu lokalen Jugendinformationsdiensten.

Internationale Kooperationen

Das Vereinigte Königreich wirkt beim European Knowledge Centre for Youth Policy mit, der Wissensplattform von Europarat und Europäischer Kommission zur Jugend in Europa. Die fünf Themenbereiche sind: ABC der Jugendpolitik, besseres Verständnis der Jugend, Information über die Jugend, Partizipation von Jugendlichen und freiwillige Aktivitäten von Jugendlichen.

Die Europäische Jugendinformations- und Beratungsagentur ERYICA kooperiert mit Young Scot Enterprise in Schottland und dem WELB Youth Infomationen Service in Nordirland.

Darüber hinaus wirkt das Vereinigte Königreich beim europäischen Netzwerk Eurodesk mit: Eurodesk UK

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Karte, auf der Impressum steht.
Karte, auf der Impressum steht.Bild: geralt / pixabay.com

Impressum - Vereinigtes Königreich

Die Länderinfos zum VEREINIGTEN KÖNIGREICH von Großbritannien und Nordirland wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: Juni 2018

Kontakt: dija(at)ijab.de