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Bildung und Beschäftigung

Bildung
Beschäftigung

Bildung

Ein neues Schuljahr wird an der Yonatan-Grundschule in Netanya eröffnet. Bildquelle: Amos Ben Gershom/National Photo Collection

In Israel machen die jährlichen Gesamtausgaben für Bildung und Erziehung nach Angaben des Zentralbüros für Statistik (CBS) insgesamt 7,9 % des Bruttoinlandsproduktes aus (2014). Das ist ein höherer Anteil als in Deutschland (5,1 %) oder im Durchschnitt aller OECD-Länder (6,2 %) (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Rechnet man die Ausgaben jedoch pro Kopf der Gesamtbevölkerung, erreicht Israel wegen des hohen Anteils an Kindern und Jugendlichen einen geringeren Prozentsatz als der Durchschnittswert der OECD.

Staatliche Programme
Erziehungs- und Lernprogramme zu Fächern wie Mathematik, Physik, Biologie und Biochemie sind Schwerpunkte der Bildungs- und Ausbildungssysteme. Das Ministerium für Erziehung (Abteilung Wissenschaft und Technologie) investiert insbesondere in die Förderung der Bildung auf wissenschaftlichem und technischem Gebiet. Mit verschiedenen Universitäten und wissenschaftlichen Forschungsinstituten des Landes arbeitet das Erziehungsprogramm ‚Wissenschaftsinteressierte Jugend’ (Noar Schocher) zusammen. Es richtet sich an Jugendliche aus einkommensschwachen Familien und verfolgt das Ziel, eine wissenschaftsorientierte Ausbildung und eine entsprechende Berufswahl zu fördern.

In Kooperation mit dem US-amerikanischen Rüstungs- und Technologiekonzern Lockheed-Martin arbeitet das ‚Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Raumfahrt‘ seit 2014 an der Entwicklung von Programmen der beruflichen Qualifizierung im Bereich von Cyber-Security. Für Kindergärten und Schulen soll ein STEM-Curriculum (Science, Technology, Engineering, Mathematics) entwickelt werden, um frühzeitig motivierte und gut geförderte Schülerinnen und Schüler für diese Ausbildungszweige zu gewinnen.

Ein Ausbildungsprogramm des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Raumfahrt will speziell Schülerinnen dazu motivieren, bereits an der Oberschule intensiv naturwissenschaftliche Fächer zu wählen und zu studieren, um später eine wissenschaftliche Berufslaufbahn einzuschlagen. Etwa 400 Mädchen, zur Hälfte aus arabischen und drusischen Familien, haben 2015 an diesem Programm unter dem Titel ‚Frauen als Wissenschaftlerinnen der Zukunft‘ teilgenommen.

Nichtstaatliche Bildungsreinrichtungen

Nichtstaatliche Organisationen spielen in der Berufsbildung Israels traditionell eine tragende Rolle. Sie unterhalten ein dichtes Netzwerk von Ausbildungsstätten und Angeboten zur beruflichen Bildung. Die wichtigste dieser Organisationen ist ORT (Engl.), die weltweit größte jüdische Erziehungs- und Ausbildungseinrichtung mit Schwerpunkt auf Ausbildungsprogrammen für Wissenschaft und Technik. ORT unterhält in Israel über 150 Einrichtungen für mehr als 90.000 Auszubildende. Das vergleichbare (gewerkschaftsnahe) Ausbildungsnetzwerk Amal (Engl.) verfügt über mehr als 120 Einrichtungen mit etwa 40.000 Lernenden.

Jugendförderung

Israel ist ein Einwanderungsland. Bei der Aufnahme und Eingliederung von Neueingewanderten (Olim Chadaschim) sind Programme zur Berufsbildung ein entscheidender Faktor. In den Dörfern der Kinder- und Jugendalija liegt der Schwerpunkt der Erziehung in der beruflichen Ausbildung.

Das Erziehungsprogramm HILAhttp://brookdale.jdc.org.il/?CategoryID=192&ArticleID=179 (Engl.) der Name ergibt sich aus dem hebräische Kürzel für ‚Abschluss der Grundausbildung‘) wendet sich an Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten. Es ermöglicht Jugendlichen aus eingewanderten Familien, oft mit russischem oder äthiopischem Familienhintergrund, ihre schulische oder berufliche Ausbildung abzuschließen. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms liegt auf der Verbesserung von Lese- und Schreibfertigkeiten arabischer Kinder und Jugendlicher.

Die Initiative des Erziehungsministeriums http://cms.education.gov.il/EducationCMS/Units/Noar/TochniothUmifalim/NoarBemerkazHainyanim.htmJugend im Zentrum des Interesses (Hebr.) (Hanoar B’Merkas Ha‘injanim) richtet sich an Jugendliche aus sozialen Brennpunkten und vernetzt verschiedene Einrichtungen der Jugendarbeit. Es dient der Entwicklung neuer Förderprogramme, der Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Integration von Jugendlichen durch Aktionsprogramme und der engen Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden und Jugendeinrichtungen.

Das Förderprogramm Unistream (Engl.) möchte sozial benachteiligte Jugendliche zu einer guten beruflichen Ausbildung motivieren und zur Gründung künftiger eigener Start-Up-Unternehmen befähigen.

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Beschäftigung

Titelzeile der Tageszeitung JEDIOT ACHRONOT: 92 Prozent der Arbeitgeber verletzen Arbeitnehmerrechte (Grafik: Website OVDIM)
Titelzeile der Tageszeitung JEDIOT ACHRONOT: 92 Prozent der Arbeitgeber verletzen Arbeitnehmerrechte (Grafik: Website OVDIM)

Seit einem Höhepunkt im Jahr 2003 ist die Arbeitslosigkeit in Israel enorm gesunken. Damals betrug die Rate bis zu 11 %. Aufgrund des Wirtschaftswachstums lag sie Ende 2008 bei 6,1 % und im Dezember 2015 bei nur noch 5,2 % mit einer aktuellen Beschäftigungsrate von 61,1 %. Unter den 15- bis 17-jährigen Jugendlichen arbeiten 8,8 % (2014).

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Israel im Vergleich mit anderen Mitgliedsstaaten der OECD  relativ niedrig, der Prozentsatz der 15- bis 24-Jährigen lag 2013 und 2014 bei 10,5 % und 2015 bei 9,2 %. Im Durchschnitt der EU-Mitgliedsstaaten lag die Jugendarbeitslosigkeit 2015 bei knapp über 20 %. Bestimmte israelische Bevölkerungsgruppen sind überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen. Mehr als 3/4 der männlichen fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) und 3/4 der weiblichen arabischen Bevölkerung sind nicht berufstätig. Fehlende Beschäftigungsverhältnisse in Verbindung mit hohen Geburtenraten sind die entscheidenden Ursachen der hohen Armutsrate dieser Bevölkerungsgruppen.

Links
OECD Economic Surveys Israel 2016 – aktuelle Wirtschaftsstudie der OECD http://www.oecd.org/eco/surveys/Israel-Overview-OECD-Economic-Survey-2016.pdf


Kinder- und Jugendarmut
Laut Armutsbericht 2015 der Nationalen Sozialversicherung gelten 1,7 Millionen Menschen in Israel als arm, darunter 776.000 von insgesamt 2,74 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren. In der fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) leben sogar 54 % unterhalb der Armutsgrenze und 2/3 der Kinder in Armut. Damit hat Israel unter den 34 Mitgliedsstaaten der OECD nach der Türkei die zweithöchste Kinderarmutsrate.

Verschiedene staatliche Programme unterstützen Eltern, Erziehende und Lehrende bei der Auseinandersetzung mit Arbeitslosigkeit und ihren Folgen. Das Erziehungswissenschaftliche Institut der Universität Haifa veröffentlicht Informationen und Ratgeber. Die Abteilung ‚Gesellschaft und Jugend’ im Ministerium für Erziehung gibt Aufklärungsmaterial zu Arbeitslosigkeit und Armut heraus. Mehr Frauen aus der arabischen und mehr Männer aus der frommen jüdischen Bevölkerung in das Berufsleben zu integrieren ist zentrales Ziel staatlicher Politik gegen Armut.

Links

Kav Laowed (Workers Hotline) – Informationen zu Rechten von Arbeitenden und Arbeitssuchenden http://www.kavlaoved.org.il/en/

Israelische Gesellschaft zur Erforschung von Arbeitsbeziehungen http://iirra.org.il/


Berufsqualifizierung für Religiöse
Ein entscheidender Faktor für die fehlende berufliche Perspektive der fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) ist der fehlende Unterricht in ihrem Schulsystem in Fremdsprachen und naturwissenschaftlichen Fächern. Das führt zu mangelnder Qualifikation für den Arbeitsmarkt. Das Erziehungsministerium hat 2015 ein Pilotprojekt für 17- bis 20-jährige religiöse Jugendliche initiiert, um ihnen eine berufliche Zukunft zu ermöglichen. Innerhalb von nur 2 Jahren können sie kostenlos die allgemeine 12-jährige Schulausbildung nachholen und das Abitur ablegen.

Ein 2007 geschaffenes Ausbildungsprogramm der Armee versucht, mehr religiöse Männer für die Armee zu gewinnen, sie leisten wegen ihrer kontinuierlichen religiösen Studien normalerweise keinen Militärdienst. Das ‚Schachar-Programm‘ ermöglicht fromm-religiösen Rekruten, in besonderen Einheiten zu dienen, ihren Glauben zu praktizieren und gleichzeitig in einem 6-monatigen Intensivkurs eine computer- und kommunikationstechnische Ausbildung zu absolvieren. Das Programm hat bisher etwa 1.700 junge Männer in den Militärdienst integriert, für eine spätere Berufstätigkeit qualifiziert und auf diese Weise einen finanziellen Unterhalt der Familien ermöglicht.

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