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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Einwanderungsland

Israel ist ein Einwanderungsland. Vor dem Hintergrund des israelisch-arabischen Konfliktes flüchteten nach der Staatsgründung 1948 bis Ende der 50er Jahre etwa 800.000 jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern nach Israel. Während der 70er Jahre kamen aus der Sowjetunion etwa 160.000, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seit 1989 noch einmal über 1 Millionen Einwandernde aus russischsprachigen Ländern. In den 80er und 90er Jahren wurden etwa 100.000 in großer sozialer Not lebender Jüdinnen und Juden aus Äthiopien nach Israel geholt.

Die Zeiten der großen Masseneinwanderungen (Alijot) sind vorbei, doch hält die Immigration von Menschen aus unterschiedlichen Ländern in kleinerem Maßstab an. 2015 kamen nach Regierungsangaben insgesamt 30.000 Neueinwandernde nach Israel, die höchste Zahl seit 12 Jahren. Vor dem Hintergrund judenfeindlicher Drohungen und Terroranschläge hat die Zahl von Einwanderungen aus westeuropäischen Ländern 2015 mit 9.880 einen absoluten Rekordstand erreicht. Staatlich unterstützte Aktionsprogramme bemühen sich, die jüdische Bevölkerung aus den gegenwärtigen Kriegsgebieten der Ukraine nach Israel zu holen, 2015 waren es 7.000. Im gleichen Jahr kamen aus Russland 6.600 Einwandernde.

Quelle
Central Bureau of Statistics (CBS) – Statistikbüro der Israelischen Regierung (Hebräisch/Englisch) http://www.cbs.gov.il/reader

Integrationspolitik

Am Anfang war die gesellschaftliche Eingliederung der Neueingewanderten (Olim Chadaschim) mit der Vorstellung von der israelischen Gesellschaft als Schmelztiegel verbunden. Die Integration sollte zum ‚Aufgehen‘ unterschiedlicher Sprachen und Kulturen in einer neuen jüdisch-israelischen Nation führen. Dieses Konzept ist im Laufe der Jahrzehnte zugunsten einer Integrationspolitik aufgegeben worden, die unterschiedliche mitgebrachte Kulturen, Traditionen und Religionen achten und bewahren möchte und eine ‚Einheit in Vielfalt‘ zum Ziel hat.

Für den Prozess der Ausbildung und Eingliederung bringt die kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt der eingewanderten Bevölkerungsgruppen große Herausforderungen mit sich. Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund leiden besonders häufig unter Identitätskrisen und schwierigen Familienverhältnissen und haben überdurchschnittlich viele Gewalt- und Drogenprobleme. Ein hoher Prozentsatz bricht die Ausbildung ab. Ein großer Teil der Neueingewanderten siedelt sich - nach einer ersten mehrmonatigen Übergangsphase in ‚Eingliederungszentren (Merkasej Klita) - in so genannten Entwicklungsstädten (Arej Pituach) in der Peripherie des Landes an.

Die größten Schwierigkeiten bei der Integration in die Gesellschaft haben aus Äthiopien eingewanderte Familien. Ein hoher Prozentsatz arbeitet in unqualifizierten Jobs. Alleinerziehende findet man in über einem Drittel der Familien. Nach Zahlen von 2011 leben von ihnen 52 % unterhalb der Armutsgrenze (2/3 der Kinder), 43% der erwachsenen Frauen und 26% der Männer (22 - 64) haben keine oder nur eine geringe Schulbildung, 59% der Jugendlichen bestehen die Abiturprüfung nicht. Die Armutsrate äthiopisch-israelischer Familien liegt mit 39% sehr hoch. Insgesamt leben 128.900 aus Äthiopien stammende Jüdinnen und Juden in Israel (2014).

Quellen

Ministerium für Einwanderung und Eingliederung (Englisch)
http://www.moia.gov.il/english/pages/default.aspx

Immigrant Absorption - Hintergrundinformationen des Myers-JDC-Brookdale Institutes (Englisch) http://brookdale.jdc.org.il/?CategoryID=175

Israel Association for Ethiopian Jews (Englisch) http://www.iaej.co.il/en/

In Kooperation mit dem Ministerium für Erziehung entwickelt das Ministerium für Einwanderung und Eingliederung Förderprogramme für Kinder und Jugendliche, die aus dem Erziehungssystem und der Arbeitswelt herauszufallen drohen. Maßnahmen zur materiellen und finanziellen Unterstützung werden ergänzt durch Bildungsprogramme mit dem Ziel eines Abschlusses ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung. Zahlreiche NGOs und große internationale Organisationen wie der Jewish Agency oder des Joint Distribution Committee unterstützen diese Bemühungen. Spezielle Ausbildungsprogramme des ‚Ministeriums für Verteidigung‘ richten sich an Soldatinnen und Soldaten mit Migrationshintergrund. Sie können im Rahmen ihres Militärdienstes Sprachkurse besuchen oder ihre Ausbildung vervollständigen.

Links
Schiluv – Informations- und Beratungsbroschüre für Jugendliche mit Migrationshintergrund (Englisch) http://www.moia.gov.il/Publications/Shiluv_en.pdf

Integration von Einwandernden aus Äthiopien - Abteilung im Ministerium für Einwanderung und Eingliederung (Englisch) http://www.moia.gov.il/English/About/OfficeUnits/Pages/KlitatoleyEtyopya.aspx

Integrationsprogramme

Das in der Verantwortung der Ministerien für Erziehung sowie Einwanderung durchgeführte landesweite Integrationsprogramm ‚Pele‘ (Wunder) richtet sich an Kinder und Jugendliche, deren Eltern vor allem aus Äthiopien, Georgien, dem Kaukasus und der Buchara-Region stammen. In zusätzlichen schulischen Unterrichtsstunden sowie in außerschulischen Erziehungsprogrammen in über 80 örtlichen Zentren für Kultur, Jugend und Sport (Matnassim - Israelische Vereinigung der Gemeindezentren) können Schülerinnen und Schüler aus Einwanderungsfamilien ihre Lernrückstände aufholen und einen Schulabschluss erlangen.


Ein großes auf mehrere Jahre angelegtes gemeinsames Integrationsprogramm von Regierung, der äthiopisch-israelischen Gemeinde und zahlreichen internationalen jüdischen Organisationen ist das Ethiopian National Project. Die Fördermaßnahmen sind auf Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren konzentriert. Das Projekt bietet in 23 Ortschaften außerschulische Bildungs- und Sozialprojekte an und unterhält 14 Hilfszentren.

Der Verein für Erziehung und soziale Integration von äthiopischen Juden in Israel ‚Fidel‘ unterhält mit Unterstützung lokaler Gemeinden 8 Jugendzentren in verschiedenen Landesteilen. In Kooperation mit der Universität Haifa und der pädagogischen Hochschule Beit Berl werden Mediatorinnen und Mediatoren ausgebildet, die an Schulen Ansprechpersonen von Jugendlichen und von Eltern werden. Der Verein leistet auch Sozialarbeit mit Jugendlichen auf der Straße, die keinen Kontakt mehr zum Elternhaus haben und ihre Schulausbildung oder den Armeedienst abgebrochen haben.

Die Israelische Vereinigung für Kinder von Eingewanderten ist eine Gründung von engagierten Israelis, die selbst in den 90er Jahren immigriert sind. Die Vereinigung setzt sich politisch für die Interessen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein und organisiert dazu Beratungs- und Bildungsprogramme. Der Verein fördert internationalen Austausch zu Themen wie Migration, multikulturelle Gesellschaft und Erziehung zur Toleranz und organisiert internationale Begegnungen für Multiplikatoren im Bildungs- und Erziehungsbereich. Dabei arbeitet er mit dem EuroMed-Programm der Europäischen Union zusammen.

Für Immigrantinnen und Immigranten in Not- und Trauersituationen vermittelt das Zentrum für Unterstützung von Eingewanderten Selah praktische Unterstützung sowie rechtliche Beratung. Dabei wird besondere Rücksicht auf den jeweiligen kulturellen Hintergrund der Betroffenen genommen. Eine Amharisch sprechende Abteilung richtet sich besonders an äthiopisch-israelische Eingewanderte. Für sie stellen die plötzliche Trennung von ihren Familienangehörigen und von der gewohnten Umgebung in Äthiopien sowie der Kulturschock und das Erleben eigener Armut und Ausgrenzung in Israel oft traumatische Erfahrungen dar.

Auch Kinder und Jugendliche in Familien, die aus den USA, Kanada oder Großbritannien eingewandert sind, können Schwierigkeiten haben, sich in die israelische Gesellschaft zu integrieren, weil die beruflichen und sozialen Kontakte oft auf englischsprachige angelsächsische Kreise konzentriert sind. Die Initiative Nefesh B’Nefesh (Von Mensch zu Mensch) wurde zur Unterstützung dieser Einwanderungsgruppen gegründet und begleitet mit Förderprogrammen und persönlicher Betreuung den Prozess der Einreise nach Israel und der schulischen und gesellschaftlichen Eingliederung.

Fremdarbeitende und Flüchtende

In Israel leben mehr als eine Viertelmillion so genannter ‚Fremdarbeitende‘ (Owdim Sarim). Sie stammen vor allem aus Rumänien, Thailand und den Philippinen und leben zum Teil bereits seit vielen Jahren im Land. Die meisten besitzen keine offiziellen Papiere. Seit 2001 können die Kinder medizinische Fürsorge in Anspruch nehmen. Kinder und Jugendliche sind schulpflichtig und besuchen staatliche Bildungseinrichtungen.

In Israel hat die Zahl Flüchtender, die aus afrikanischen Ländern stammen, vor allem in den Jahren 2010 bis 2012 stark zugenommen. Kontinuierlich kamen monatlich mehr als tausend auf dem Landweg über die ägyptische Sinai-Halbinsel nach Israel, die meisten aus Eritrea und dem Sudan. Durch den Bau eines massiven Grenzzauns an der Südgrenze 2013 ist diese Migrationsbewegung fast vollständig gestoppt worden. Zurzeit halten sich schätzungsweise 45.000 afrikanische Flüchtende in Israel auf. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen vieler Israelis aus Zeiten der Verfolgung und Flucht wird über ihre Situation und die Frage der Legalisierung ihres Aufenthaltes im Land heftig debattiert.

Quelle

Hotline for Refugees and Migrants (Englisch) http://hotline.org.il/en/main/

ASSAF - Aid Organization for Refugees and Asylum Seekers in Israel (Englisch) http://assaf.org.il/en/node/2

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Inklusion

Daten und Fakten

In Israel leben 21 % der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Davon haben etwa 910.000 einen unterschiedlichen Grad der Behinderung. Der Anteil von Männern und Frauen ist in etwa gleich. Die häufigsten Formen der Beeinträchtigung liegen in dieser Bevölkerungsgruppe in den Bereichen: Körperbehinderung (17,5 %), psychische Behinderung (9,2 %), geistige Behinderung (4,2 %), Sehbehinderung (4,2 %), Hörbehinderung (3,7 %), Lernschwäche / Aufmerksamkeitsstörung (2,5 %) und chronische Krankheiten (2,1 %).

 

 

Die Zahl der Kinder mit Behinderungen liegt bei etwa 220.00 (8,5 %). In Kindergärten und Schulen lernen 182.000 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen (9 %). Davon besuchten 19 % sonderpädagogische Einrichtungen und 20 % spezielle Klassen einer Regelschule. 61 % sind in reguläre Schulklassen integriert (Schuljahr 2011-2012). Etwa 14 % der jungen Erwachsenen im Alter von 23 bis 26 Jahren (60.000) sind Menschen mit Behinderungen. Unter den jungen Erwachsenen, die weder arbeiten noch studieren, beträgt der Anteil etwa 38 %. Nur 10 % von ihnen nehmen an berufsvorbereitenden Förderprogrammen teil.

Quellen
People with Disabilities in Israel. Facts and Figures 2014 – Brookdale Centre for Research on Disabilities (Englisch) http://brookdale.jdc.org.il/_Uploads/dbsAttachedFiles/FACTS_FIGURES2014.pdf

Menschen mit Beeinträchtigungen –Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste (Hebräisch) http://www.molsa.gov.il/Populations/Disabilities/Pages/Disabilities.aspx

Sonderpädagogik – Ministerium für Erziehung - Abteilung Sonderpädagogik (Hebräisch)
http://cms.education.gov.il/EducationCMS/UNITS/Special

Gesetze und Bestimmungen

Die israelische Regierung hat 2012 die UN-Behindertenrechtskonvention 2007 ratifiziert. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Gesetze und Richtlinien erlassen, sowie entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um mehr Chancengleichheit und Integration zu ermöglichen. Das betrifft zum Beispiel Bereiche wie Erziehung, Infrastruktur, Bauwesen, Versicherungsschutz, Gestaltung öffentlicher Räume, Dienstleitungen, Transportwesen, Medien und Kommunikation. Zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen wurden zu folgenden Themengebieten nationale Gesetze und Bestimmungen verabschiedet:

  • Gleiche Rechte für Menschen mit Behinderungen (1998)
  • Tageszentren für Kinder mit Behinderungen (2000)
  • Rehabilitation von Menschen mit geistigen Behinderungen in der Ortsgemeinde (2000, 2001)
  • Inklusion im Gesetz für Sonderpädagogik (2002)
  • Mindestlohn und Reduzierung von Arbeitszeit (2002)
  • Ermittlungsverfahren und Menschen mit geistiger Beeinträchtigung (2005)
  • Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen (2005)
  • Untertitel und Gebärdensprache im Fernsehen (2005)
  • Staatliche Unterstützung von behindertengerechten Arbeitsplätzen (2006)
  • Rechte von Erwerbstätigen mit Beeinträchtigungen (2007)
  • Rechte von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen (2008)
  • Berufstätige mit Beeinträchtigungen und Rentenansprüche (2009)
  • Ausweitung staatlicher Unterstützung für Kinder mit Behinderungen (2012)

Quelle
Kolzchut (All Rights) – Rechte und Förderangebote für junge Menschen mit Behinderungen (Englisch / Hebräisch) http://www.kolzchut.org.il/en/Young_People_with_Disabilities

Inklusionsdebatte

In Israel läuft seit etwa 10 Jahren eine intensive ‚Inklusionsdebatte‘ mit grundsätzlicher Kritik an etablierten speziellen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Nach einer Studie des Joint Distribution Committee von 2014 fließt noch immer der größte Teil staatlicher Fördergelder und privater Zuwendungen in große Einrichtungen wie Sonderschulen und Heime. Der Prozentsatz der Menschen, die in einer speziellen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen wohnen, ist in Israel drei bis vier Mal höher als in den USA oder Westeuropa.


Links
Services for Disabilities – Liste zu Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen (Englisch)
http://www.nbn.org.il/aliyahpedia/education-ulpan/special-education-resources-for-disabilities/organizations-that-provide-services-for-disabilities/

Irgun Hagag – Dachorganisation von Behindertenorganisationen (Hebräisch) http://irgunhagag.com/

Aleh – landesweites Netzwerk von Wohneinrichtungen für Kinder mit Behinderungen https://aleh-israel.de/

Akim Israel – Nationale Vereinigung zur Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen (Englisch) http://akimisrael.com/

Ilan - landesweite Vereinigung für Kinder mit Behinderungen (Englisch) http://www.ilan-israel.co.il/en/

Nitzan – Vereinigung für Kinder und Erwachsene mit Lernschwächen http://eng.nitzan-israel.org.il/home/about-nitzan.aspx

Die Reformvorschläge zur künftigen Behindertenpolitik berufen sich auf die UN-Behindertenkonvention von 2007 und fordern mehr Inklusion mit einer enstprechenden Verlagerung staatlicher Mittel und Fördermaßnahmen. Inklusive Lebens-, Lern- und Arbeitsformen sollen intensiver gefördert werden, damit Familien, Gemeinden und Unternehmen Menschen mit Behinderungen in ihr gewohntes Umfeld integrieren können. Dazu braucht es unter anderem eine stärkere Unterstützung der Betroffenen, den Ausbau eines barrierefreien öffentlichen Nahverkehrs, Hilfen bei der Finanzierung eines Fahrzeuges oder von individuellen Betreuungspersonen. Zur Stärkung der Integration in die israelische Gesellschaft gehören auch mehr Möglichkeiten, trotz Behinderung einen Militärdienst oder einen Nationalen Zivilen Dienst ableisten zu können.

Links

Bizchut (Zu Recht) – Menschenrechtszentrum für Menschen mit Behinderungen (Englisch)
http://bizchut.org.il/en/

Negischut Israel (Zugang zu Israel) – Initiative für Barrierefreiheit in Israel (Englisch) http://www.aisrael.org/?CategoryID=1304

Megaschimim Chalom (Einen Traum verwirklichen) – Militärdienst für Menschen mit Behinderungen (Hebräisch) http://www.mitgaisim.com/


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Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Strukturen der Jugendsozialarbeit

Über staatliche Programme der Jugendsozialarbeit hinaus, die vor allem vom Ministerium für Erziehung und vom Ministerium für Wohlfahrt und soziale Dienste verantwortet werden, engagiert sich eine Vielzahl unabhängiger israelischer Initiativen, Vereine und Stiftungen in sozialen Projekten zur Hilfe und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Ihre Arbeit wird zu erheblichen Teilen durch private Spenden und Zuwendungen finanziert – oftmals durch jüdische Gemeinden und jüdische Organisationen im Ausland.

Um einen Integrationsprozess in die israelische Gesellschaft und Arbeitswelt zu fördern, leisten Projekte der Jugendsozialarbeit Informations- und Beratungsdienste, bieten sozialpädagogische und psychologische Unterstützung und vermitteln Programme zur schulischen oder beruflichen Weiterbildung. Träger entsprechender Programme sind Schulen und Ausbildungsstätten, Kultureinrichtungen und Jugendzentren, Armee, Jugendbewegungen, Sportvereine, religiöse Gruppen sowie gemeinnützige Vereine und Stiftungen.

Um eine Qualifizierung professioneller Sozialarbeit und um internationale Zusammenarbeit bemüht sich Efschar (Verein zur Förderung sozialer Erziehung in Israel (Englisch)), die Vereinigung zur Förderung von Sozialpädagogik in Israel. Sie ist Mitglied in der International Association of Social Educators.

Jugenddörfer

In der Sozialarbeit mit Jugendlichen aus eingewanderten Familien spielt der Arbeitsbereich ‚Jugend-einwanderung‘ (Alijat Hanoar) im Erziehungsministerium eine wichtige Rolle. Das Programm unterstützt vor allem Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung, die in sozialen Brennpunkten leben und deren Familien aus afrikanischen oder asiatischen Ländern stammen. Die ‚Jugendeinwanderung‘ spielt eine zentrale Rolle in der israelischen Heimerziehung. In Kibbuzim, Kinder- und Jugenddörfern und Tageszentren ist das Prinzip des Lebens und Arbeitens in Lebensge-meinschaften mit einer engen persönliche Bindung an Jugendleiter (Madrichim) und Jugendleiterinnen (Madrichot) tragendes Element der sozialpädagogischen Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen.


Links
Jewish Agency's Youth Villages – Jugenddörfer in Israel (Englisch)
http://www.jewishagency.org/jewish-social-action/program/2136

SOS-Children Villages – Israelische Gesellschaft der SOS-Kinderdörfer (Englisch)
http://www.soschildren.org.il/who-we-are/the-israeli-society-of-sos-children-s-villages

Nitzana Educational Community in the Negev - Integration von Benachteiligten Jugendlichen (Englisch)
http://www.nitzana.org.il/?lat=en

Internate und Heime

Neben den staatlichen Kinder- und Jugenddörfern ist eine ganztägige oder ganzjährige Unterbringung mit Schulausbildung in Form einer ‚Internatserziehung‘ (Chinuch Pnimiati) möglich. Für religiöse Kinder- und Jugendliche bieten besondere religiöse Internate die Möglichkeit des intensiven Studiums religiöser Schriften, ‚Jeschiwot‘ für Jungen sowie ‚Ulpanot‘ für Mädchen. Darüber hinaus stehen ge-schlossene oder offene Schutzheime (Meonot Chassut) für gefährdete Jugendliche zur Verfügung.


Links
Hamifal – Unterbringung von gefährdeten Kindern in Heimen, Dörfern und Familien (Englisch)
http://www.hamifal.org.il/eng/

Summit - psychosoziale Rehabilitation Jugendlicher und junger Erwachsener (Englisch)
http://www.summit.org.il/en

Orr Schalom – Unterbringung von gefährdeten Kindern in Kinderhäusern und Pflegefamilien
http://www.orr-shalom.org.il/about-us/

Jugend in Not

Jugendliche in einer sozialen oder wirtschaftlichen Notlage werden im Hebräischen als ‚Noar B’mezuka‘ (Jugend in Not) bezeichnet. Sie fallen oftmals aus dem etablierten Bildungssystem und der Berufswelt heraus, weil sie weder regelmäßig arbeiten noch eine Schule oder Ausbildungsstätte besuchen. Der hebräische Ausdruck für schuldistanzierte Jugend lautet ‚Noar Menutak‘ (Schulabbrechende). Hauptsächlich betroffen sind Jugendliche aus eingewanderten Familien sowie aus jüdisch-frommen sowie arabischen Familien.


Links
Elem - Verein für Jugendliche in Gefahr und Not (Englisch) http://en.elem.org.il/

Rashi-Foundation – Stiftung zur Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher (Englisch) http://www.rashi.org.il/

Jad B’jad - Beratung und Unterstützung von gefährdeten Kindern und Jugendlichen (Englisch) http://www.bigbiz.co.il/liron2/1/

Jaffa Institute – Sozialdienste für benachteiligte Kinder und Familien (Englisch) http://www.jaffainstitute.org/about-the-jaffa-institute/our-mission/

Kinderarmut

Unter den 34 Mitgliedsstaaten der OECD hat Israel nach der Türkei die zweithöchste Kinderarmutsrate. Von insgesamt 2,74 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren leben laut Armutsbericht 2015 der Nationalen Sozialversicherung 776.000 in Armut, in der fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) sind es sogar zwei Drittel der Kinder. Die landesweite Hilfsorganisation ‚Latet‘ unter-stützt mit Nahrungsmittelspenden bedürftige Familien, die aus finanziellen Gründen auf Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Obst weitgehend verzichten, sich ausreichend und gesund zu ernähren. Im Jahr 2013 wurden durch die Organisation etwa 60.000 Familien mit insgesamt mehr als 10.000 Tonnen Nahrungsmitteln unterstützt.


Link
Latet (Geben) – Hilfsorganisation für Nahrungsmittelspenden an bedürftige Familien (Englisch)
https://www.latet.org.il/en/about/

Vernachlässigung und Missbrauch

Die Zahl bekannt gewordener Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Laut Jahresbericht 2011 des Haruv-Institute (Forschungsinstitut zur Unterstützung für Kinder in Not und ihre Familien (Englisch)) der Hebräischen Universität Jerusalem, hat sich die Zahl der als gefährdet zu bezeichneten Kinder mit 344.438 im Vergleich zum Vorjahrzehnt verdoppelt. 47.184 Kinder wurden an Kinderschutzeinrichtungen vermittelt, 33 % wegen Vernachlässigung, 28 % wegen körperlicher Gewalt, 12 % wegen sexuellem Missbrauchs und 8 % wegen seelischer oder psychischer Misshandlung.

Links
Macom – Unterstützung für Opfer sexueller Gewalt http://www.macom.org.il

Association of Rape Crisis Centers in Israel – Netzwerk von Einrichtungen für Opfer sexueller Gewalt
http://www.1202.org.il/en/

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

24 % der israelischen Schülerinnen und Schüler geben an, bereits Opfer physischer Gewalt geworden zu sein. 10 % der Schülerschaft an Grund- und Mittelschulen fühlen sich unsicher und haben Angst, bestimmte Teile des Schulgeländes zu betreten. Gegen häusliche und schulische Gewalt engagieren sich Kinder- und Jugendschutzprogramme regionaler und überregionaler Einrichtungen.


Links
Aguda L’ma’an Hajeled (ELI) - Israelischer Kinderschutzverband http://www.eliusa.org/home.htm

Eli – Vereinigung zum Schutz des Kindes http://www.eli.org.il/

Beterem – Organisation für die Sicherheit und Wohlbefinden von Kindern (Englisch)
http://www.beterem.org/english/template/default.aspx?PageId=161&catId=98&maincat=23

Bait Lechal Jeled – Therapeutische Einrichtungen für Kinder in Notsituationen (Englisch) http://en.bily.org.il/

Beit Linn – Zentrum für Kinder- und Jugendschutz http://www.hagana.org.il/english.html

Jugendkriminalität

In den letzten Jahren ist die Zahl der Fälle von Jugendkriminalität und Jugendgewalt gesunken. 2013 waren 5 % aller unter Verdacht der Kriminalität Festgenommenen Minderjährige, 2012 waren es 7,6 % laut Angaben des Central Bureau of Statistics (CBS). Das Erziehungsministerium versucht, Jugendkriminalität durch spezielle Beratungsstellen und Anti-Gewaltprogramme zu begegnen. Innerhalb der Israelischen Polizei beschäftigt die Jugendabteilung eigene Jugendbeauftragte (Madrichej Noar), die keine Uniformen tragen und eng mit schulischen und sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten. Die Polizeiarbeit möchte Jugendliche aus ihrem kriminellen Umfeld lösen, um Vorstrafen zu vermeiden und Zukunftschancen zu wahren.


Links
Mischteret Israel – Polizei Israels (Englisch) http://www.police.gov.il/Eng_HomePage.aspx

Israelische Gefängnisbehörde – Programme für Erziehung und Rehabilitation (Englisch)
http://ips.gov.il/Web/En/PrisonerCare/Education/Default.aspx


Anti-Drogen-Programme

Die staatliche Nationale Behörde zum Kampf gegen Drogen und Alkohol koordiniert landesweite Anti-Drogenstrategien. Lokale Behörden und Initiativen organisieren Aufklärungskampagnen und unterhalten entsprechende Hilfs- und Beratungsstellen. Für arabische und eingewanderte Jugendliche wird Informations- und Aufklärungsmaterial in Arabisch, Russisch und Amharisch angeboten. Landes-weit bekannt ist das Aktionsprogramm Chalass (Englisch). Sein Name bedeutet auf Arabisch ‚Genug‘, im Hebräischen stehen die Buchstaben gleichzeitig als Kürzel für das Motto ‚Leben ohne Drogen‘.


Links
Al Sam – Programme für Jugendliche zur Drogenprävention (Englisch) http://www.alsam.org.il/?page_id=13

Links Psychologische Beratungsstellen

Sahar – Psychologische Hilfe- und Beratung für Jugendliche in Notsituationen (Hebräisch)
http://www.sahar.org.il/http://www.sahar.org.il/

Eran – Telefon- und Onlineberatung für Menschen in seelischer Not
http://www.eran.org.il/?CategoryID=226

Natal – Zentrum zur Behandlung Traumata aufgrund von Terror und Krieg (Englisch)
http://www.natal.org.il/english/

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