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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Japan hat einen Ausländeranteil von ca 1,5 Prozent. Aufgrund der geringen Zuwanderungsrate spielt das Thema der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine eher untergeordnete Rolle.

Der Begriff der Integration fand als politisches Ziel im Rahmen von Migrationspolitik erstmals 2006 in einem Dokument der japanischen Regierung Erwähnung. Dieses Dokument stellte einen Rahmenplan für die einzelnen Präfekturen und Kommunen dar, welche die Integration von Zuwanderern durch das Konzept des tabunkakyōsei umsetzen sollten. [...]
Ein Kritikpunkt an diesem von der japanischen Regierung als zentral für die Realisierung einer Integration der Zuwandererbevölkerung verstandenen Konzept weist auf die Restriktionen seiner Umsetzbarkeit auf lokaler Ebene hin. Die Kommunen, die tabunkakyōsei umsetzen sollen, erhalten dafür weder zusätzliche finanzielle Mittel noch administrative Unterstützung. Zwar gebe es mittlerweile einige aktive Kommunen mit weitreichenden Aktionsplänen, doch sei das Gros der Kommunen nach wie vor lediglich den 3F verbunden – fashion, festivals, food – und Integration damit nichts anderes als ein kosmetischer Anstrich.1

In dem Bericht der Vereinten Nationen2 heißt es “Kinder nicht-japanischer Nationalität, die in Japan leben, sind immer noch vom japanischen Schulsystem ausgeschlossen“, während das japanische Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten behauptet: „Japanische, staatliche Pflichtschulen sichern ausländischen Kindern die Möglichkeit zu, auf Wunsch solche Schulen zu besuchen, indem sie sie aufnehmen ohne Gebühren zu erheben, wie das auch für japanische Schulkinder der Fall ist. …Des Weiteren wird ausländischen Kinder, wenn sie die Schule besuchen, eine maximale Aufmerksamkeit zuteil, um zu gewährleisten, dass sie ohne übermäßige Schwierigkeiten den Bildungsstand erreichen, der normalerweise japanischen Kindern gelehrt wird. Zu diesem Zweck erhalten sie u.a. Hilfe beim Erlernen der japanischen Sprache und werden von ihren Lehrer(inn)n und Mutterspracherler(inn)en unterstützt.”3

Der Bericht der Vereinten Nationen hält dagegen, dass sich nichtjapanische Kinder zwar in einer staatlichen Schule einschreiben können, doch besteht für die Schulen ihrerseits keinerlei legale Verpflichtung, diese Schüler aufzunehmen.4
Zudem wird in dem Bericht bemängelt, dass in stattlichen Schulen erst ab einer Anzahl von fünf Schülern, die nicht ausreichend japanische Sprachkenntnisse besitzen, ein Sprachlehrer eingesetzt wird, so dass mangelnde Sprachkenntnisse ein großes Hindernis beim Schulbesuch darstellen. Unterrichtseinheiten der jeweiligen Muttersprachen und Kulturen der nichtjapanischen Kinder finden nur vereinzelt statt.5

Für Kinder nichtjapanischer Herkunft existieren um die 200 Schulen, deren Unterrichtssprache eine andere als die japanische ist. Viele dieser Schulen sind nicht offiziell anerkannt, weswegen sie keine staatlichen Gelder erhalten, sondern sich häufig über hohe Schulgebühren finanzieren müssen. Auch führt die fehlende offizielle Anerkennung dazu, dass die Abschlüsse nicht gleichwertig sind.

Bezüglich des Status’ von Flüchtlingskindern stellt der Bericht des Komitees über die Rechte von Kindern der Vereinten Nationen fest, dass im Falle illegaler Einwanderung nach Japan Kinder ebenso wie Erwachsene wieder ausgewiesen werden können.

Links
www.dijtokyo.org/?page=project_detail.php&p_id=46 - Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo zum Thema Migration und Integration
ehlt.flinders.edu.au/education/iej/articles/v3n5/5kim/paper.pdf - Identity Politics and Korean Youth in Japan: A Case Study of a Junior High School Student, Fukuoka, 2001
www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/149711/japan - Dossier 'Migration' Japan der Bundeszentrale für politische Bildung
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

Inklusion

In Japan leben ca. 7, 5 Million Menschen mit Behinderung (ca. 5,8% der Bevölkerung). Der größte Teil der Menschen mit Behinderung lebt zu Hause (92,6 %) und wird von der Familie unterstützt und versorgt. 7,4 % sind in einem Heim untergebracht.6

Im Januar 2014 ratifizierte Japan die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Um die geforderten Bedingungen der UN-Behindertenrechtskonvention zu erfüllen, wurden von der japanischen Regierungen seit 2007 Maßnahmen eingeleitet.
Im Jahr 2009 wurde ein Ministerialausschuss zur Reformierung der Behindertenpolitik ins Leben gerufen.
2012 wurde der „Basic Law for Persons with Disabilities“ überarbeitet. Ziel des Gesetzes ist die Realisierung einer Gesellschaft, in der Personen mit Behinderung freiwillig und nach eigener Wahl an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilhaben können und ihre Rechte als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft respektiert werden.
Am 19. Juni 2013 wurde der "Act on the Elimination of Discrimination against Persons with Disabilities" verabschiedet. Das Gesetz verbietet jegliche Form der Diskriminierung gegenüber Menschen mit Behinderung seitens des Privatsektors und der Regierung auf nationaler und lokaler Ebene und verpflichtet die Regierung dazu, angemessene Einrichtungen bereitzustellen.
(Informationen zu den Maßnahmen der Regierung im Annual Report on Government Measures for Persons with Disabilities (Summary) 2012 des Cabinet Office sowie unter Health Care and Welfare Measures for People with Physical Disabilities im Annual Health, Labour, and Welfare Report 2011-2012 des Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales)

Seit dem Jahr 2003 hat MEXT alle Präfekturen damit beauftragt, „Projekte zur Förderung der Sonderpädagogik“ zu implementieren, um ein Bildungssystem zu schaffen, das Schüler/-innen mit Lernschwierigkeiten in allen regulären Schulklassen vom Kindergarten bis zum Eintritt in das Berufsleben unterstützt. Das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern als Bestandteil der schulischen Bildung soll gefördert werden.
Sonderpädagogische Maßnahmen finden in Japan in verschiedenen Formen statt. Zum einen gibt es innerhalb der regulären Schulen unterrichtsergänzende Kurse, die die Schüler/-innen neben dem regulären Unterricht besuchen. Zum anderen existieren sonderpädagogische Klassen mit geringer Gruppengröße ebenfalls innerhalb der regulären Schulen.
Außerdem gibt es Sonderschulen für Schüler/-innen mit schweren oder Mehrfachbehinderungen, die sich durch einen anderen Curriculum, höhere Anzahl an Lehrkräften und eine behindertengerechte Ausstattung auszeichnen. 2012 existierten 1059 solcher Sonderschulen.
(Weitere Informationen zu Sonderpädagogik unter: MEXT: Special Needs Education und
Schools for Special Needs Education in Japan)

Informationen zum Thema Inklusion in Japan finden Sie auch unter Inclusion international.

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Bunte Ballons und Karpfenfahnen zum japanischen Kindertag.
Bunte Ballons und Karpfenfahnen zum japanischen Kindertag. Bild: merdanata / pixabay.com

Grundsätzlich hat der Staat den AuftragKindern und Jugendlichen, die sich in familiären oder sozialen Notlagen befinden, Unterstützung anzubieten und bei der Reintegration in die Gesellschaft zu helfen.

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales übernimmt Aufgaben, die man in Deutschland als Maßnahmen der Jugendsozialarbeit bezeichnen würde. Der gesamte Bereich der Sozial-, Kinder- und Behindertenfürsorge fällt in die Zuständigkeit des Ministeriums ebenso wie die berufliche Förderung der jugendlichen Arbeitnehmer und die Arbeitsplatzvermittlung. 

Gemäß den Vorgaben des Kinderwohlfahrtsgesetzes gibt es in jeder der 47 japanischen Präfekturen verschiedene Kinderberatungsstellen (jido sodanjo) als institutionalisierten Mittelpunkt der Einrichtungen der Jugendhilfe. In jeder Beratungsstelle sind ausgebildete Kindersozialarbeiter (jido fukushishi) angestellt, die beratend zu den angebotenen Themenkreisen tätig sind. Sie leiten Vormunde von Kindern an und die notwendigen Schritte für die zeitweise Betreuung von Kindern durch Pflegeeltern oder die Aufnahme von benachteiligten Kindern in Wohnhilfeeinrichtungen ein. Diese Entscheidungen werden in enger Absprache mit Jugendpflegeeinrichtungen und Gesundheitszentren (hokenjo) getroffen.

Die groß- und kleinstädtischen sowie kommunalen Behörden beschäftigen entsprechend ihren rechtlichen Zuständigkeiten freiwillige Kindersozialarbeiter (jido iin), die sich in Zusammenarbeit mit den Kindersozialarbeitern und anerkannten Sozialarbeitern bemühen, umfassende Informationen über das Lebensumfeld der Kinder, schwangeren Frauen und jungen Mütter, die Hilfe benötigen, zu erlangen. Öffentliche Einrichtungen zur besonderen Betreuung von Kindern sind Kinderheime (nyujiin), Tageseinrichtungen (hoikusho) und Krankenhäuser für Kinder mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen.
(Quelle: web-japan.org/factsheet/en/pdf/e43_welfare.pdf, 24.2.2010)

Nach der Reform des Kinderwohlfahrtsgesetzes wurden den Kinderberatungsstellen Beiräte an die Seite gestellt und etwa 30 Hilfestellen für Familien mit Kindern eingerichtet. Weitere Einrichtungen der Jugendhilfe sind dabei, ihr Profil zu schärfen, so unter anderem die meist privaten Jugendpflegeheime, die Hilfestellen für die Selbständigkeit von Kindern, die Hilfestellen für die Lebenshaltung von Mutter und Kind.

Der japanische Staat reagiert auf den steigenden Bedarf an sozialen Hilfen zögernd mit erhöhten Ausgaben. Das führt dazu, dass immer mehr Ehrenamtliche, Semiprofessionelle oder geringfügig Beschäftigte Aufgaben übernehmen. 
(Quelle: Jugendhilfe in Japan aus deutscher Sicht. Beitrag von Manuel Metzler. In: neue politik 4/2004)

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Fußnoten

1. Quelle: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Gabriele Vogt für bpb.de.
2. NGO Report Regarding the Rights of Non-Japanese Nationals, Minorities of Foreign Origins, and Refugees in Japan. Prepared for the 76th United Nations Committee on the Elimination of Racial Discrimination Session (February 2010), S. 15.
3. “Japanese public schools at the compulsory education level guarantee foreign nationals the opportunity to receive education if they wish
to attend such school by accepting them without charge, just as they do with Japanese school children. … Furthermore, when these foreign children enter school, maximum attention is given to ensure that they can receive, without undue difficulty, the education in Japanese normally taught to Japanese children. Toward this end, they are provided with, among other things, guidance in learning Japanese and are supported by their regular teachers as well as by others who can speak their native language.”
IN: Third, Fourth, Fifth and Sixth Combined Periodic Report on the Implementation of the International Convention on the Elimination of Racial Discrimination in Japan. (2008).
4. NGO Report Regarding the Rights of Non-Japanese Nationals, Minorities of Foreign Origins, and Refugees in Japan. (February 2010), S. 15.
5. NGO Report Regarding the Rights of Non-Japanese Nationals, Minorities of Foreign Origins, and Refugees in Japan. (February 2010), S. 16.
6. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Politik für Menschen mit Behinderung und zum Entschädigungsrecht in der EU, USA und Japan (2011)