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Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich - Japan

Hier gibt's Infos zu Aktionsfeldern im Kinder- und Jugendbereich in Japan. Mehr lesen unter 

Bildung und Beschäftigung

Bildung 
Beschäftigung

Bildung

Japanische Schriftzeichen auf Holz.
Japanische Schriftzeichen auf Holz.Bild: Monaharris / pixabay.com

Bildung findet in Japan in erster Linie im schulischen Kontext statt und ist charakterisiert durch einen ganzheitlichen Bildungsansatz. Non-formale Bildung bzw. (außerschulische) Jugendbildung ist strukturell an Schule gebunden bzw. durch die erlebnispädagogischen Programmangebote in den Bildungsstätten der National Institution for Youth Education (NIYE) stark institutionalisiert.

Die japanischen Schulen stellen hohe Anforderungen an die Schüler/-innen und das Lernen wird in der japanischen Gesellschaft sehr hoch geschätzt. In Japan gibt es seit vielen Jahren nur Ganztagsschulen. Die Klassen werden dem Prinzip der Gemeinschaft entsprechend nicht nach Leistungsfähigkeit getrennt und umfassen bis zu 40 Schüler/-innen. Im Anschluss an den regulären Unterricht finden in der Verantwortung der Schule außerunterrichtliche Aktivitäten statt, die täglich zwei bis drei Stunden in Anspruch nehmen. So kann der Arbeitsalltag eines Schülers / einer Schülerin bis zum Abend dauern. Soziales Lernen und freiwilliges Engagement finden in Japan vor allem im schulischen Kontext statt. Der Schullalltag hat daher einen weitaus größeren Einfluss auf das Leben junger Menschen als in Deutschland.

Das japanische Schulsystem ist am amerikanischen Vorbild ausgerichtet. Die normale Schullaufbahn dauert zwölf Jahre: sechs Jahre Elementarschule, drei Jahre Mittelschule (Junior High School) und noch mal drei Jahre Oberschule (Senior High School). Obwohl der größte Teil des Jahrgangs mitgenommen wird (fast 98 % eines Jahrgangs absolvieren diesen Weg) überragen die Schulleistungen japanischer Schüler/-innen andere im internationalen Vergleich.
In der Zusammenfassung der PISA-Ergebnisse 2009 heißt es: „In Kanada, Finnland, Japan und Korea sowie den Partnervolkswirtschaften Hongkong (China) und Shanghai (China) liegen die Ergebnisse weit über dem OECD-Durchschnitt, und die Schülerinnen und Schüler schneiden in der Regel unabhängig von ihrem Hintergrund oder der besuchten Schule gut ab.“ (Quelle: http://www.oecd.org/berlin/46580802.pdf)

Der größte Teil der Schulabsolvent(inn)en besucht im Anschluss an die Schule eine Universität, eine Fachhochschule oder eine Kurzuniversität.

Weitere Informationen zum Bildungssystem in Japan finden Sie unter www.bildung-weltweit.de

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Beschäftigung

Japan zeichnet sich durch eine vergleichsweise sehr niedrige Jugendarbeitslosigkeitsquote und eine hohe Beschäftigungsquote aus. Dennoch zeigen sich die Folgen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt. Während die Gesamtarbeitslosenquote in den 1970er und 1980er Jahren bei maximal 2,5 % lag, rangiert sie mittlerweile bei rund 5 %, wobei junge Menschen immer stärker betroffen sind (7,9% im Jahr 2012).
Aktuell sieht sich Japan mit seinem rasch voranschreitenden demographischen Wandel einer neuen Herausforderung gegenüber. Japans Bevölkerung altert und schrumpft; insbesondere schrumpft die Erwerbsbevölkerung.

Die japanische Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Bislang galt eine Beschäftigung in der Stammbelegschaft eines Unternehmens als der anzustrebende Normalfall. Eine solche Einstellung erfolgte lebenslang, i. d. R. bis zu Rente - zumindest für Männer. Das immer noch propagierte Ideal der lebenslangen Bindung an ein Unternehmen ist für viele nicht mehr realistisch. Inzwischen sinkt der Anteil der lebenslang sicher Beschäftigten, befristete und atypische Beschäftigungsverhältnissen nehmen zu und die Jugendarbeitslosigkeit steigt.

Eine Folgeerscheinung am japanischen Arbeitsmarkt sind die sogenannten Freeter. (Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen "free" und dem deutschen "Arbeiter") Das soziale Phänomen Freeter entstand zunächst aus dem Bestreben junger Menschen nach mehr Freiheit. Sie vertraten bis in die 1990er Jahre einen neuen Lebensstil, der auch Privatleben und Freizeit neben der Arbeit ermöglichte. Aus dieser Motivation heraus wählten sie bewusst atypische Arbeitsverhältnisse. Zunehmend wurden prekäre Beschäftigungsformen aber zu einem sozialen Problem. Freeter zu sein ist für viele kein selbst gewählter Weg mehr, sondern eine negative Folge der Veränderungen am Arbeitsmarkt. Hinzu kommt, dass Freeter im öffentlichen Ansehen inzwischen ein negatives Image haben und als Gefährdung für die japanischen Wirtschaft und soziale Sicherheit angesehen werden.
Besonders betroffen von atypischen Beschäftigungsverhältnissen sind Frauen (während jeder fünfte Mann in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis steht, trifft es für jede zweite Frau zu), ältere Arbeitnehmer/-innen und junge Berufseinsteiger/-innen. Im Jahr 2012 gab es 1.800,000 Freeters in der Altersgruppe der der 15 bis 34jährigen, was 6.6% in dieser Altersgruppe entspricht.

Als NEETs (Not in Employment, Education or Training) gelten in Japan junge Menschen, die sich weder im Bildungssystem befinden, noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, an keiner Maßnahme der beruflichen Eingliederung teilnehmen, nicht im Haushalt tätig sind und auch nicht als arbeitssuchend gelten. In Japan werden – anders als in anderen Ländern der OECD – NEETs in der Statistik der Arbeitslosen nicht erfasst, da sie nicht als aktiv arbeitssuchend registriert sind. In der öffentlichen Wahrnehmung erfahren NEETs eine starke Ablehnung. Die Anzahl der NEETs im Alter zwischen 15 und 35 Jahren liegt bei 630, 000 (im Jahr 2012), was 2,3% in dieser Altersgruppe entspricht. 

Als Hikikomori (Rückzügler) bezeichnet man in Japan (junge) Menschen, die sich aus Überforderung und/oder aus Scham aus der Gesellschaft zurückziehen, isoliert leben und Außenkontakte vermeiden. Verständlicherweise ist es äußerst schwer, diese Menschen zu erreichen und zu erfassen. Bei den Hikikomori handelt es sich nur zum Teil um ein Jugendproblem, das Durchschnittsalter dieser Menschen liegt bei 30 Jahren. Die überwiegende Zahl (80%) der Betroffenen ist männlich. Das Phänomen ist in Japan nicht neu, dennoch spricht vieles dafür, dass die sich verschlechternden Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu einer Zunahme geführt haben.
Im Jahr 2012 lag die geschätzte Zahl der Hikikomori bei 696,000.

Sobald junge Menschen von der Hauptlaufbahn abrutschten, ist der Wiedereinstieg in die Gesellschaft sehr schwierig. Sowohl Forschung als auch Politik und Unternehmen haben sich dieser Fragestellungen angenommen. Dies belegen die Weißbücher der Regierung, in denen die Probleme offen angesprochen werden. Verschiedene Projekte und flexible Maßnahmen als Alternative zu bzw. im Anschluss an die Schule versuchen diese jungen Menschen aufzufangen, damit sie wieder den Weg in die Gesellschaft finden.

Eine Maßnahme der japanischen Regierung sind die Boot Camps, in denen jungen Leuten innerhalb von drei Monaten Grundlagen der Selbstdisziplin, Ethik und Arbeitsetikette vermittelt werden.  Außerdem sollen sie Unterstützung bei der Suche nach Arbeit erhalten.
(Quelle: Young, disinclined to work? ‘Camp’ awaits. IN: The Japan Times vom 10.9.2004)

Hilfen für NEETs und Hikikomori bieten u. a. die derzeit 116 regionalen Beratungsstellen mit dem Titel Support stations. Die vom Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Arbeit initiierten Support Stations werden von freien  Trägern, NPOs und Verbänden im Auftrag der öffentlichen Seite betrieben. Die Support Stations sind die ersten Anlaufstellen für junge Menschen (15 bis 34 Jahre) und deren Familien, wenn sie den Schritt in die Erwachsenenwelt bzw. Arbeitswelt nicht schaffen. 9 von 10 jungen Menschen, die die Support Station aufsuchen, sind männlich. Als offene, diskrete und niedrigschwellige Anlaufstelle außerhalb von Schule bieten sie eine sehr individuelle und bedarfsgerechte Begleitung an. Statt standardisierter Maßnahmen werden maßgeschneiderte Angebote gemacht, je nachdem, was ein (junger) Menschen braucht und leisten kann. Die pädagogische Betreuung zielt darauf, Potenziale aufzudecken, die eine schrittweise Rückkehr in die Gesellschaft ermöglichen.

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist im japanischen Verständnis nicht nur ein Übergang in die Arbeitswelt sondern auch ein Übergang in die Gesellschaft. Das wird durch den Ausdruck „SHAKAIJIN NI NARU“ deutlich. „Mitglied der Gesellschaft werden“ beinhaltet sowohl, dass junge Menschen Erwachsene werden und auf eigenen Beinen stehen als auch dass Schulabgänger/-innen und Absolvent(inn)en eine Arbeit beginnen und Arbeitskraft für die Gemeinschaft werden. Die Gesellschaft bemüht sich, möglichst allen diesen Übergang problemlos zu ermöglichen. Dennoch verlaufen die Übergänge von Schule in den Beruf in Japan nicht mehr so reibungslos wie das früher der Fall war.

Die Schulen haben eine wichtige Funktion beim Zugang zur Arbeitswelt. Sie haben gute Kontakte zu Unternehmen und arbeiten eng mit öffentlichen Arbeitsvermittlungen zusammen. Zudem wird in den Schulen das Konzept von Career Education umgesetzt, das auf die Lebenswegplanung und die Vorbereitung auf die Arbeitswelt abzielt. Im Vordergrund steht dabei, den Kontakt von jungen Menschen mit der Erwachsenenwelt zu fördern und so möglichst allen Schüler(inne)n einen sanften Übergang in die Gesellschaft zu ermöglichen. Die japanische Vorbereitung auf die Arbeitswelt zielt - anders als die deutsche Berufsorientierung - nicht auf die Berufswahl, sondern auf die Karriereplanung. Pädagogisches Ziel der Career Education ist es, Jugendliche charakterlich darauf vorzubereiten, sich  möglichst ein Leben lang auf einen Arbeitgeber/ eine Arbeitgeberin einzulassen, in die jeweilige Unternehmenskultur einzugliedern und sich mit dem Unternehmen zu identifizieren.    

In Japan übernimmt Training on the Job die Funktion einer regulären beruflichen Bildung. Ein Berufsbegriff, verbunden mit einem spezifischen Kompetenzprofil, ist in Japan anders als in  Deutschland weithin unbekannt. Der Einstieg in die Erwerbstätigkeit erfolgt über die  Anwerbung von Absolvent(inn)en an der jeweiligen Schule oder Universität durch die Unternehmen.
Die Ausbildung liegt in Japan ganz in den Händen der jeweiligen Firma. Das jeweilige Training on the Job ist an den Bedürfnissen des Unternehmens ausgerichtet. Es handelt sich vor allem um situatives Lernen von den erfahrenen Expert(inn)en. Die Bindekraft dieses Verfahrens an das entsprechende Unternehmen ist außerordentlich hoch.

Um den Übergang von der Schule zum Arbeitsplatz zu verbessern, propagierte Japan im Jahr 2003 einen Aktionsplan, der als ein zentrales Element vorsah, ein Duales System nach deutschem Vorbild“ einzuführen. Gemeint war die Verbindung von schulischem Lernen mit praktischer Erfahrung in Betrieben. Das Angebot der neu entstandenen Berufsbildungszentren umfasst sowohl Ausbildung als auch Weiterbildung und wendet sich an unterschiedliche Adressatengruppen, deren Altersspanne von Jugendlichen bis zum Alter von sechzig Jahren reicht. Inhaltlich umfassen alle Kurse die drei Bereiche Theorie, Praxis und Benehmen. Fast 83 % der Kursteilnehmenden finden nach dem Abschluss eine Stelle, weitere 10 % innerhalb des nächsten Jahres.

Quellen:

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Partizipation und Citizenship

Politische Bildung
Freiwilliges Engagement

Politische Bildung

Artikel 8 des japanischen Bildungsgesetzes von 1947 besagt, dass politisches Wissen für eine intelligente Bürgerschaft notwendig ist. Dieses soll durch den Bildungsbereich evaluiert werden. Schulen ist es per Gesetz untersagt, politische Bildung oder anderweitige parteipolitisch orientierte Aktivitäten durchzuführen. 

Ein formuliertes Ziel im Weißbuch der Regierung von 2013 ist es, Kinder und junge Menschen bei ihrer Partizipation in der Gesellschaft zu unterstützen. Zu diesem Zweck wurde das Konzept der Partizipation in den schulischen Lehrplänen stärker betont und darauf ausgerichtet, praktisches Wissen zur Problemlösung in der Gemeinschaft zu vermitteln.
Das Cabinet Office führt ein “Project for Gathering Opinions from Youth” durch, damit Kinder und junge Menschen aktiv ihre Meinung zum Ausdruck bringen können und damit sie ein gesteigertes Bewusstsein für gesellschaftliche Teilhaben entwickeln.
Auch andere relevante Ministerien geben Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich an politischen Entscheidungen zu beteiligen.

Weitere Hinweise zum Thema Partizipation: Participation as a Key Concept in Modern Japanese Youth Work, Beitrag von Haruhiko Tanaka von der Rikkyo Universität. http://www.childresearch.net/papers/community/2004_01.htm

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Freiwilliges Engagement

Während sich im Jahr 2006 ca. 400,000 Menschen in Japan ehrenamtlich engagierten, waren es 1985 lediglich 100,000 Menschen. Im Lauf der 1990er Jahre entwickelte sich in Japan nach langjähriger Debatte eine neue gesellschaftliche Bedeutung und Bewertung von zivilgesellschaftlichem Engagement, das in dem Begriff borantia shakai (ehrenamtlich-orientierte Gesellschaft) zum Ausdruck kam.
Das Erdbeben von Kobe 1995, in dessen Folge sich - als Reaktion auf eine desorganisierte Regierung - spontan 1,3 Mio. freiwillige Helfer/-innen organisierten, hat zu diesem gesellschaftlichen Wandel beigetragen.
Mit der Zunahme des freiwilligen Engagements in den 90ern stieg auch die Anzahl der Nonprofit-Organisation (NPO) mit freiwilligen Aktivitäten.
Ein weiterer Wendepunkt war 1998 die Verabschiedung des sog. NPO-Gesetzes „Gesetz zur Förderung von besonderen nonprofit-orientierten Aktivitäten" (tokutei hi-eiri katsudô so-kushin-hô). Das Gesetz formulierte das Ziel, bürgerschaftliches Engagement zu fördern und konstituierte erstmals eine neue Organisationsform für Bürger/-innen, indem der Rechtsstatus einer Nonprofit-Organisation eingeführt wurde.

Quellen und weitere Informationen:

Auch das Weißbuch der Regierung (2013) formuliert als Ziel, die Förderung von freiwilligen Aktivitäten.
Im Bildungsbereich fördert beispielsweise das Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology freiwilliges Engagement in Form der "school support area headquarters initiative". Vor Ort lebende Bürger/-innen unterstützen Schulen, indem sie im Unterricht assistieren, Kindern vorlesen oder Schüler/-innen auf ihrem Schulweg begleiten.
Im Rahmen einer Initiative gegen Kinderarmut führt das Ministry for Health, Labour and Welfare ein “Learning Support Volunteer Program” durch, bei dem Studierende die Kinder alleinerziehender Eltern beim Lernen und unterstützen und begleiten.
Das Ministry of Justice bildet freiwillige Bewährungshelfer aus.
Weitere Freiwilligentätigkeiten werden von zahlreichen Bildungseinrichtungen angeboten.

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Kultur und Kreativität

Japanischer Tanz.
Japanischer Tanz.Bild: LoveToTakePhotos / pixabay.com

Innerhalb des Ministeriums für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) arbeitet seit 1968 die Agentur für Kulturelle Angelegenheiten (engl. Agency for Cultural Affairs), die die Förderung von Kunst und Kultur In Japan zur Aufgabe hat sowie  die Aufrechterhaltung und Förderung kultureller Einrichtungen und Organisationen zum Ziel hat.

Zu den Aufgaben gehören im Einzelnen: das künstlerische Schaffen zu fördern, der Schutz und die Erhaltung von Kulturgütern, der Schutz der Urheberrechte, Maßnahmen zur Verbesserung und Verbreitung der japanischen Sprache, den internationalen Kulturaustausch zu fördern und als Verwaltung für Religion zu fungieren.

So werden auch kulturelle Jugendorganisationen in ihrer Tätigkeit unterstützt. Einen nationalen Dachverband der kulturellen Jugendbildung gibt es nicht. Es existieren aber zahlreiche Organisationen im kulturellen Bereich, so zum Beispiel die Japan Koteki Band League, die sich auf dem Feld der Musik (des gemeinsamen Musizierens) engagiert.

Das National Institution For Youth Education (NIYE) bietet Jugendaktivitäten im Bereich  Kunst und Kultur: http://www.niye.go.jp/taiken/?naiyou_a=6&srch1=1

Das Deutsch-Japanische Studienprogramm „Kulturelle Bildung“ zur Qualifizierung von Fachkräften der Jugendhilfe wird seit 2005 von der BKJ (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung - Kulturelle Bildung International) mit verschiedenen Trägern der kulturellen Bildung durchgeführt.
In den Jahren 2012/2013 wurde ein Austausch vom Bundesverband Museumspädagogik und dem japanischen Museumsverband (JAM - Japanese Association of Museums) in jeweils zwei Programmbausteinen in Deutschland und Japan durchgeführt. Auftraggeber und Zuwendungsgeber sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das japanische Ministerium für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT).

Allgemeine Informationen zu Kultur finden Sie auf der Seite der Japanischen Botschaft.

Kultur und Lebensformen

Die Familie spielt in der japanischen Gesellschaft traditionell eine große Rolle. Sie ist eine selbstständige Einheit (auch wirtschaftlich), der sich die einzelnen Mitglieder unterzuordnen haben. Bis in die jüngste Vergangenheit lebten (vor allem auf dem Land) mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach zusammen. In der letzten Zeit übernahm dann das Unternehmen mehr und mehr die Rolle der Familie. Im Idealfall absolvieren Japaner/-innen ihre Ausbildung in einem Unternehmen und gehören diesem dann bis zur Pensionierung an. Doch auch dieses Bild beginnt sich zu verändern. Die Jugendkulturen und Lebensformen der jüngeren Generation, insbesondere in den Großstädten, nähern sich mehr und mehr denen in Westeuropa oder in den USA an.

Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit
Sport

Nigiri-Sushi
Nigiri-SushiBild: rawpixel / pixabay.com

Ernährung

Auch wenn Japan im internationalen Vergleich eines der „gesündesten“ Länder mit der höchsten Lebenserwartung ist, sind ernährungsbedingte gesundheitliche Probleme wie Diabetes und Übergewicht auch in Japan derzeit auf dem Vormarsch.

Im Jahr 2005 hat die japanische Regierung ein Rahmengesetz zur Ernährungserziehung Shokuiku erlassen, als Antwort auf besorgniserregende Ernährungsgewohnheiten, gehäufte Lebensmittelskandale und einen vermuteten Verlust der traditionellen Esskultur. Ausgearbeitet wurde es vom Cabinet Office (Naikakufu) in Zusammenarbeit mit dem Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT), dem Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries (MAFF) und dem Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW). Das Gesetz definiert Shokuiku als “den Erwerb von Wissen über Lebensmittel und Ernährung und die Fähigkeit durch vielfältige Erfahrungen in Bezug auf Nahrung eine angemessen Auswahl an Lebensmittel zu treffen, um Menschen in ihrer Fähigkeit einer gesunden Ernährung zu schulen“. (Quelle: Broschüre des Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries: What is "Shokuiku (Food education)"?).
2008 folgte das School Health and Safety Act und eine Überarbeitung des School Lunch Program Act.

Als besorgniserregende Essgewohnheit wird das zunehmend häufige Auslassen des Frühstücks empfunden. 30% aller Männer in ihren 20ern gehen morgens ohne Frühstück aus dem Haus und eins von zehn Grundschulkindern frühstückt nicht.
Im Jahre 2009 veröffentlichte das Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei (MAFF) im Rahmen einer Kampagne ein Video, in dem die Pop-Sängerin Aya Matsuura sich Zeit für ein gesundes und ausgewogenes Frühstück nimmt, anstatt in der morgendlichen Eile, darauf zu verzichten.
Auch konnte festgestellt werden, dass Kinder immer später zu Bett gehen. Daher führt das National Institution for Youth Education (NIYE), größter halb-öffentlicher Träger der Jugendarbeit, die Kampagne: „Early to bed,Early to rise, Don’t forget your breakfast National Campaign”. Eine andere Kampagnen des NIYE ist "Taiken no kaze o okosou (Let’s create a wind of experience)", die Kindern, die z. T. unter seelischem Stress leiden, die Möglichkeit gibt, durch Naturerlebnisse in Gruppen frischen Wind in deren Leben zu bringen. Des Weiteren hat das NIYE Angebote im Bereich Umweltschutz und Umweltbildung und im Bereich Naturerlebnis und Outdoor-Erfahrungen.

Das Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) fördert die Ernährungserziehung an Schulen (School Health Education) durch Ernährungslehrer ebenso wie die Gesundheitserziehung die sich auf Themen wie Rauchen, Alkohol, Drogen, Sexualität und Allergien bezieht.

Weitere Informationen:

Drogen 

Detaillierte Aussagen zum quantitativen Drogenkonsum japanischer Jugendlicher lassen sich nur schwer treffen. Im Jahr 2008 wurden 2.758 Verstöße Jugendlicher im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch aufgeführt und 1.730 Fälle in Bezug auf Cannabiskonsum. 

Insgesamt scheint das Problem des Drogenmissbrauchs unter Jugendlichen in Japan, ähnlich wie in vielen westlichen Industriegesellschaften auch, in den letzten Jahren zugenommen zu haben. Dies konstatiert zumindest das in Japan zuständige Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales

Aus diesem Grund wurde im April 1997 unter Vorsitz des Premierministers im Cabinet Office eine Abteilung zur Förderung von Maßnahmen gegen Drogenmissbrauch etabliert und im Mai 1998 ein Fünfjahresplan zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs (Five-Year Drug Abuses Prevention Strategy) verabschiedet, der 2003 und und 2008 erneuert wurde. Dieser sieht unter anderem die Verschärfung von gesetzlichen Bestimmungen, den Ausbau von öffentlicher Gesundheitserziehung und -prävention sowie eine verstärkte internationale Zusammenarbeit vor. (Ausführlichere Informationen zu den Zielen des Fünfjahresplans unter: http://www8.cao.go.jp/souki/drug/pdf/know/plan-e.pdf)

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Sport

Sport spielt in Japan eine bedeutende Rolle. Es existiert eine gewaltige Zahl an öffentlichen und privaten Sporteinrichtungen, von denen allerdings der größte Teil schulisch genutzt wird.

Für sportliche Belange ist die Abteilung für Sport des MEXT (Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie) zuständig. Im März 2012 formulierte das MEXT den Sport Basic Plan, mit dem Ziel eine Umgebung zu erschaffen, die möglichst viele Menschen entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten ungeachtet von Alter, Geschlecht und Einschränkungen zur Teilnahme an sportlichen Aktivitäten befähigt.
Der physischen Erziehung und Ertüchtigung von Jugendlichen wird eine große Bedeutung beigemessen. Dies soll allerdings nicht nur in der Schule geschehen, sondern die ganze Gesellschaft soll zu einer, so wörtlich im Programm des Ministeriums, lifelong sports society umgestaltet werden. Im Basisplan für die Förderung des Sports (2001-2010) des MEXT sind drei Hauptbereiche der Förderung des Sports festgelegt:

  • Förderung des Sports in Schulen; 
  • Gestaltung einer lebenslangen sportlichen Gesellschaft; 
  • Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Japans im Bereich Sport

(Quelle: Promotion of Sports MEXT: http://www.mext.go.jp/english/sports_promotion/index.htm)

Grafik zur Darstellung der drei Förderbereiche im Sport. Quelle: Japanisches Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT)

In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen liegt der Anteil der Jugendlichen, die aktiv Sport treiben, bei weit über 80% (15 bis 19 Jahre sogar 89,8%). Die beliebtesten Sportarten bei Japans Jugendlichen sind Baseball, Football, Bowling, Softball, Volleyball und Basketball. Auch Fußball wird immer populärer, insbesondere seitdem Japan zusammen mit Südkorea die Fußballweltmeisterschaft 2002 ausgerichtet hat. Trotz aller Sportbegeisterung hat das MEXT in einer Studie zur Fitness 2004 herausgefunden, dass japanische Kinder so schlecht wie nie seit 1964 abschneiden. Deshalb fördert das MEXT eine landesweite Kampagne zur Verbesserung der Fitness bei Kindern. Mehr Informationen im aktuellen White Paper on Education, Culture, Sports, Science and Technology (2011).

Anzahl der Jugendsportverbände in Japan. Quelle: White Paper on Education, Culture, Sports, Science and Technology 2004

Die Japan Junior Sport Club Association, Unterorganisation der Japan Sports Association, als Austauschpartner der Deutschen Sportjugend wurde im Jahre 1962 im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokyo gegründet. Ziel der JJSA ist es, Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung mit sportlichen Aktivitäten in ihrer näheren Umgebung anzubieten. Das bedeutet eine außerschulische Bildungsarbeit mit dem Akzent Sport. Eine ganzheitliche Persönlichkeitsförderung von jungen Menschen wird als Ziel gesetzt. In Japan gibt es keine eingetragenen Organisationsformen wie die Turn- und Sportvereine in Deutschland mit breiten Programmangeboten, die altersmäßig durchgängig organisiert sind. Die Sportjugendgruppen der JJSA können als Kinder- und Jugendsportclubs eingestuft werden. Bei der JJSA sind heute knapp eine Million Kinder und Jugendliche, rund 180 000 Jugendübungsleiter in etwa 35 000 örtlichen Sportjugendgruppen organisiert. Zirka 88% der Mitglieder gehören der Altersgruppe 6 bis 12 an. Das sind Schüler/-innen der Grundschule. Da es für diese Altersgruppe keine schulischen Sportangebote außerhalb des Unterrichts gibt, gehen sportbegeisterte Grundschüler/-innen zur Japanischen Sportjugend.

Ältere Jugendliche treiben Sport dann im schulischen Bereich weiter, in den Schulsportklubs. Mit 13 Jahren gehen die Mitglieder von der JJSA weg. Die älteren Mitglieder assistieren den Übungsleiter(inne)n bei Trainingsstunden, übernehmen Betreuungsaufgaben, helfen bei Veranstaltungen oder Zeltlagern. Sie koordinieren die Belange der Sportjugendgruppen zwischen den Jugendleiter(inne)n und Kindern. Diese jungen angehenden "Leader" werden in Lehrgängen ausgebildet: "Junior-Leaders-Stufe I" (11 - 13 Jahre) auf der kommunalen oder Präfekturebene, "Junior-Leaders-Stufe II" (13 - 17 Jahre) auf der Präfekturebene, "Senior-Leaders" (bis zu 20 Jahre) auf der nationalen Ebene. Die Absolvierung dieser 40-stündigen Ausbildung für "Senior-Leader" ist unter anderem die Voraussetzung für die Bewerbung für die Teilnahme am jährlich stattfindenden deutsch-japanischen Sportjugend-Simultanaustausch.
(Quelle: Deutsche Sportjugend)

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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Japan hat einen Ausländeranteil von ca 1,5 Prozent. Aufgrund der geringen Zuwanderungsrate spielt das Thema der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine eher untergeordnete Rolle.

Der Begriff der Integration fand als politisches Ziel im Rahmen von Migrationspolitik erstmals 2006 in einem Dokument der japanischen Regierung Erwähnung. Dieses Dokument stellte einen Rahmenplan für die einzelnen Präfekturen und Kommunen dar, welche die Integration von Zuwanderern durch das Konzept des tabunkakyōsei umsetzen sollten. [...]
Ein Kritikpunkt an diesem von der japanischen Regierung als zentral für die Realisierung einer Integration der Zuwandererbevölkerung verstandenen Konzept weist auf die Restriktionen seiner Umsetzbarkeit auf lokaler Ebene hin. Die Kommunen, die tabunkakyōsei umsetzen sollen, erhalten dafür weder zusätzliche finanzielle Mittel noch administrative Unterstützung. Zwar gebe es mittlerweile einige aktive Kommunen mit weitreichenden Aktionsplänen, doch sei das Gros der Kommunen nach wie vor lediglich den 3F verbunden – fashion, festivals, food – und Integration damit nichts anderes als ein kosmetischer Anstrich.1

In dem Bericht der Vereinten Nationen2 heißt es “Kinder nicht-japanischer Nationalität, die in Japan leben, sind immer noch vom japanischen Schulsystem ausgeschlossen“, während das japanische Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten behauptet: „Japanische, staatliche Pflichtschulen sichern ausländischen Kindern die Möglichkeit zu, auf Wunsch solche Schulen zu besuchen, indem sie sie aufnehmen ohne Gebühren zu erheben, wie das auch für japanische Schulkinder der Fall ist. …Des Weiteren wird ausländischen Kinder, wenn sie die Schule besuchen, eine maximale Aufmerksamkeit zuteil, um zu gewährleisten, dass sie ohne übermäßige Schwierigkeiten den Bildungsstand erreichen, der normalerweise japanischen Kindern gelehrt wird. Zu diesem Zweck erhalten sie u.a. Hilfe beim Erlernen der japanischen Sprache und werden von ihren Lehrer(inn)n und Mutterspracherler(inn)en unterstützt.”3

Der Bericht der Vereinten Nationen hält dagegen, dass sich nichtjapanische Kinder zwar in einer staatlichen Schule einschreiben können, doch besteht für die Schulen ihrerseits keinerlei legale Verpflichtung, diese Schüler aufzunehmen.4
Zudem wird in dem Bericht bemängelt, dass in stattlichen Schulen erst ab einer Anzahl von fünf Schülern, die nicht ausreichend japanische Sprachkenntnisse besitzen, ein Sprachlehrer eingesetzt wird, so dass mangelnde Sprachkenntnisse ein großes Hindernis beim Schulbesuch darstellen. Unterrichtseinheiten der jeweiligen Muttersprachen und Kulturen der nichtjapanischen Kinder finden nur vereinzelt statt.5

Für Kinder nichtjapanischer Herkunft existieren um die 200 Schulen, deren Unterrichtssprache eine andere als die japanische ist. Viele dieser Schulen sind nicht offiziell anerkannt, weswegen sie keine staatlichen Gelder erhalten, sondern sich häufig über hohe Schulgebühren finanzieren müssen. Auch führt die fehlende offizielle Anerkennung dazu, dass die Abschlüsse nicht gleichwertig sind.

Bezüglich des Status’ von Flüchtlingskindern stellt der Bericht des Komitees über die Rechte von Kindern der Vereinten Nationen fest, dass im Falle illegaler Einwanderung nach Japan Kinder ebenso wie Erwachsene wieder ausgewiesen werden können.

Links
www.dijtokyo.org/?page=project_detail.php&p_id=46 - Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo zum Thema Migration und Integration
ehlt.flinders.edu.au/education/iej/articles/v3n5/5kim/paper.pdf - Identity Politics and Korean Youth in Japan: A Case Study of a Junior High School Student, Fukuoka, 2001
www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/149711/japan - Dossier 'Migration' Japan der Bundeszentrale für politische Bildung
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Bunte Ballons und Karpfenfahnen zum japanischen Kindertag.
Bunte Ballons und Karpfenfahnen zum japanischen Kindertag. Bild: merdanata / pixabay.com

Grundsätzlich hat der Staat den AuftragKindern und Jugendlichen, die sich in familiären oder sozialen Notlagen befinden, Unterstützung anzubieten und bei der Reintegration in die Gesellschaft zu helfen.

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales übernimmt Aufgaben, die man in Deutschland als Maßnahmen der Jugendsozialarbeit bezeichnen würde. Der gesamte Bereich der Sozial-, Kinder- und Behindertenfürsorge fällt in die Zuständigkeit des Ministeriums ebenso wie die berufliche Förderung der jugendlichen Arbeitnehmer und die Arbeitsplatzvermittlung. 

Gemäß den Vorgaben des Kinderwohlfahrtsgesetzes gibt es in jeder der 47 japanischen Präfekturen verschiedene Kinderberatungsstellen (jido sodanjo) als institutionalisierten Mittelpunkt der Einrichtungen der Jugendhilfe. In jeder Beratungsstelle sind ausgebildete Kindersozialarbeiter (jido fukushishi) angestellt, die beratend zu den angebotenen Themenkreisen tätig sind. Sie leiten Vormunde von Kindern an und die notwendigen Schritte für die zeitweise Betreuung von Kindern durch Pflegeeltern oder die Aufnahme von benachteiligten Kindern in Wohnhilfeeinrichtungen ein. Diese Entscheidungen werden in enger Absprache mit Jugendpflegeeinrichtungen und Gesundheitszentren (hokenjo) getroffen.

Die groß- und kleinstädtischen sowie kommunalen Behörden beschäftigen entsprechend ihren rechtlichen Zuständigkeiten freiwillige Kindersozialarbeiter (jido iin), die sich in Zusammenarbeit mit den Kindersozialarbeitern und anerkannten Sozialarbeitern bemühen, umfassende Informationen über das Lebensumfeld der Kinder, schwangeren Frauen und jungen Mütter, die Hilfe benötigen, zu erlangen. Öffentliche Einrichtungen zur besonderen Betreuung von Kindern sind Kinderheime (nyujiin), Tageseinrichtungen (hoikusho) und Krankenhäuser für Kinder mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen.
(Quelle: web-japan.org/factsheet/en/pdf/e43_welfare.pdf, 24.2.2010)

Nach der Reform des Kinderwohlfahrtsgesetzes wurden den Kinderberatungsstellen Beiräte an die Seite gestellt und etwa 30 Hilfestellen für Familien mit Kindern eingerichtet. Weitere Einrichtungen der Jugendhilfe sind dabei, ihr Profil zu schärfen, so unter anderem die meist privaten Jugendpflegeheime, die Hilfestellen für die Selbständigkeit von Kindern, die Hilfestellen für die Lebenshaltung von Mutter und Kind.

Der japanische Staat reagiert auf den steigenden Bedarf an sozialen Hilfen zögernd mit erhöhten Ausgaben. Das führt dazu, dass immer mehr Ehrenamtliche, Semiprofessionelle oder geringfügig Beschäftigte Aufgaben übernehmen. 
(Quelle: Jugendhilfe in Japan aus deutscher Sicht. Beitrag von Manuel Metzler. In: neue politik 4/2004)

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Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Die nationale Zuständigkeit für die internationale Jugendarbeit liegt beim Büro des Premierministers (Cabinet Office). Der Bereich des internationalen Jugendaustausches fällt in die Zuständigkeit des Ressorts der Politik für eine geschlossene Gesellschaft (Policies on Cohesive Society). Die direkt dem Büro des Premierministers unterstellten internationalen Jugendaustauschprogramme sind: International Youth Development Exchange Program, Japan-China Youth Friendship Exchange Program, Japan-Korea Youth Friendship Exchange Program, Ship for World Youth Program, Ship for Southeast Asian Youth Program, 21st Century Renaissance Youth Leaders Invitation Program, Young Core Leaders of Civil Society Groups Development Program.
Das Center for International Youth Exchange (CENTERYE) führt die internationalen Austauschprogramme im Auftrag des Cabinet Office durch.
Die International Youth Exchange Organization of Japan (IYEO) wurde 1959 von ehemaligen Teilnehmenden der internationalen Jugendaustauschprogramme des Cabinet Office der japanischen Regierung gegründet und agiert seither als Alumni Organisation.

Daneben ist auch das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten für kulturellen Austausch und Überseekooperationen im Jugendbereich zuständig. In der Zuständigkeit des japanischen Außenministeriums liegen die folgenden Austauschprogramme, die auch für deutsche Teilnehmende offen sind: 

  • Global Youth Exchange (GYE) Program, 
  • Asia-Europe Young Leaders Symposium, 
  • Working Holiday Programmes in Japan, 
  • Japan Exchange and Teaching (JET) Programme. 

Zwei wichtige Organisationen im Bereich der internationalen Jugendarbeit und der bi- und multilateralen Zusammenarbeit sind das National Olympics Memorial Youth Center (NYC) und die National Assembly for Youth Development (NAYD)
Das NYC wurde 1965 geschaffen und ist seit 2008 unter dem Dach der National Institution for the Promotion of Youth Education (NIYE) tätig. NYC ist unter anderem für den internationalen Austausch der im NIYE vereinigten Institutionen zuständig. 
Die National Assembly for Youth Development (NAYD) wurde 1966 unter Initiative des Büros des Premierministers und von freiwilligen Organisationen gegründet. Seit 1975 arbeitet NAYD im Auftrag des Büros des Premierministers und ist teilweise zuständig für die Organisation und Koordination staatlicher Jugendaustauschprogramme. Weitere Aufgabenbereiche sind: 
- Kontaktaufnahme mit entsprechenden internationalen Jugendverbänden, 
- Organisation von Homestay-Programmen, 
- Einladung Jugendlicher aus Entwicklungsländern.

Liste von Verbänden, die in der internationalen Jugendarbeit aktiv sind: http://web-japan.org/links/international/youth/others.html

Im Ministerium für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) hat man sich unter dem Stichwort „International Education“ zur Aufgabe gemacht, junge Menschen für das Leben in einer internationalen Gesellschaft vorzubereiten und sie zu unabhängigem und weltoffenem Handeln zu befähigen. Maßnahmen die diesem Ziel dienen sind 1) verbesserte Bildung, um ein umfassenderes internationales Verständnis zu erlangen sowie das lehren von Fremdsprachen, 2) Förderung des internationalen Austauschs, 3) bessere Bildung für japanische Kinder im Ausland und 4) bessere Bildung für japanische Kinder, die aus dem Ausland zurück kommen und ausländische Kinder in Japan.

Das MEXT hat hierfür auch einen Aktionsplan zur Verbesserung der englischen Sprachkenntnisse bei japanischen Schüler(inne)n von der Grundschule bis zur Oberstufe entworfen, um sie so fit für internationale Kontakte zu machen. (English Education Reform Plan corresponding to Globalization.)

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Zusammenarbeit mit Deutschland

Die jugendpolitische Zusammenarbeit mit Japan blickt auf eine langjährige erfolgreiche Tradition zurück. Sie nahm ihren Anfang in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die von Ministerpräsident Ryûtarô Hashimoto und Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 20. Juni 1997 in Denver unterzeichnete gemeinsame Erklärung zur Intensivierung des Deutsch-Japanischen Jugend- und Personenaustausches setzte einen neuen Schwerpunkt in den bilateralen Beziehungen. Auf Grundlage dieser Erklärung besteht seit Ende 1997 am Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) die Koordinationsstelle für den Deutsch-Japanischen Jugendaustausch. Koordinatoren sind der Generalsekretär und der Stellvertretende Generalsekretär des JDZB.

Seit 2005 greift für das Deutsch-Japanische Studienprogramm eine neue Programmstruktur. Stärker als bisher steht der themenspezifische Fachaustausch im Vordergrund der Maßnahme, um gezielter wichtige Impulse für die jeweils aktuellen Themen der nationalen Jugendarbeit zu erhalten.

Daher werden seit 2005 zwei thematisch ausgerichtete Studienprogramme auf deutscher Seite gemeinsam sowohl von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. als auch vom Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) verantwortlich geleitet. Die japanische Partnerorganisation ist das National Olympics Memorial Youth Center (NYC) der National Institution for Youth Education (NIYE). Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH), die Deutsche Sportjugend (DSJ) sowie die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) führen ihre Programme nun in Eigenregie durch. Die jeweiligen Partnerorganisationen sind das Japanische Herbergswerk, die Japanische Sportjugend und der Japan Arts Council.

Übersicht über Jugendaustauschprogramme zwischen Japan und Deutschland (Stipendien, Praktika, Austausch etc.): www.de.emb-japan.go.jp/austausch/index.html

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Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Im Rahmen des Japanese Youth Goodwill Mission Program nehmen jährlich rund 70 Jugendliche an Austauschmaßnahmen in fünf Regionen weltweit teil, in Südostasien, im Nahen Osten, in Afrika, Europa und Mittel- und Südamerika. In den besuchten Ländern wird das gegenseitige Verständnis zwischen der japanischen und der lokalen Jugend durch die Besuche von Einrichtungen aus Kultur, Industrie, Bildung und Jugend sowie durch gemeinsame Aktivitäten wie freiwillige Arbeiten, Homestays und anderen Austausch mit der lokalen Jugend gefördert. Das Programm besteht seit 1959 und wurde 1994 reorganisiert und verbessert.

Ebenso pflegt Japan eine enge Zusammenarbeit mit der All China Youth Federation.

Japan arbeitet als UN-Mitglied in den dortigen Jugendstrukturen mit.

Im Rahmen des Academic Frontiers Student Exchange Promotion Program wurde der Austausch von japanischen und ausländischen Studierenden und Graduierten für Forschungszwecke gefördert.

Siehe auch Zentrale Einrichtungen und Organisationen

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Impressum aus Scrabblesteinen gelegt.
Impressum aus Scrabblesteinen gelegt. Bild: mih83 / pixabay.com

Impressum - Japan

Die Länderinfos zu JAPAN wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. 

Letzte Aktualisierung: laufend

Kontakt: dija(at)ijab.de