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Kinder- und Jugendpolitik Grundlagen und Strukturen - Japan

Hier gibt's Infos zu den Grundlagen und Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe in Japan. Mehr lesen unter 

Relevante Gesetze

Im Jahr 2009 wurde das nationale Gesetzt Act on Promotion of Development and Support of Children and Young People erlassen, das die Regierung dazu aufforderte, ein Headquarter for Promotion of Development and Support for Children and Young People zu etablieren und ein Grundsatzpapier für Kinder und Jugendliche zu formulieren. Außerdem sollten die Rahmenbedingungen für eine umfassenden Förderung der Maßnahmen für Kinder- und Jugendhilfe geschaffen werden sowie eine Netzwerk zur Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher.

Daraufhin begann das Cabinet Office umgehenden mit der Ausarbeitung eines Grundsatzpapiers für Kinder und Jugendliche und mit Inkrafttreten des Act am 1. April 2010 wurde das Headquarters for Promotion of Development and Support for Children and Young People errichtet (angegliedert an das Cabinet Office, Vorsitz: japanischer Premierminister)

Das Ergebnis ist die im Juli 2010 vom Headquarters formulierte Jugendstrategie Vision for Children and Young People auf Grundlage des Act on Promotion of Development and Support of Children and Young People, die eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Jugend und Jugendarbeit in Japan spielt. Die Schwerpunkte der Jugendstrategie sind:

  • Förderung einer gesunden Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen
  • Hilfsmaßnahmen für benachteiligte Kinder und Jugendliche und deren Familien
  • Schaffung eines sozialen Umfelds, um eine funktionsübergreifende Unterstützung der ganzen Gesellschaft zu ermöglichen.

Das Gesetz von 2009 und die Jugendstrategie von 2010 sind ressortübergreifend gültig und haben stets die Zielgruppe Jugend im Blick. Sie wurden mit dem Ziel verabschiedet und erstellt, die verschiedensten Maßnahmen der Ministerien und Akteure zusammenzufassen, besser zu vernetzen und zu koordinieren.

Die Umsetzung ist systematisch bis auf Lokalebene vorgesehen. Präfekturen bzw. Kommunen sind aufgefordert, gemäß der neuen nationalen Vorgaben Kinder- und Jugendpläne aufzustellen und verstärkt koordinierende Strukturen aufzubauen. In der Gestaltung der Angebote sollen Non-Profit-Organisationen (NPOs) noch stärker Aufgaben übernehmen. Es handelt sich bei dieser Jugendstrategie nicht um ein Gesetz, sondern um Empfehlungen und Handlungsstrategien, die möglichst von allen Ministerien umgesetzt werden sollen. 

Eine ausführliche Darstellung der Jugendstrategie Vision for Children and Young People finden Sie auch auf dija.de unter Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Gesetze des Ministeriums für Bildung, die auch Elemente außerschulischer Bildung umfassen: 

Das Grundgesetz zur Bildung (Fundamental Law of Education) wurde erstmals in der Verfassung von 1947 (Artikel 26) verankert. Es garantiert das Recht auf eine für Jungen und Mädchen gleiche und freie grundlegende Bildung.

2006 verabschiedete die japanische Regierung zum ersten Mal eine Änderung und eine überarbeitete Version des grundlegenden Gesetzes über Bildung (Basic Act on Education, 2006).

Gleich zwei Jahre später (2008) präsentierte die Regierung eine erneute Überarbeitung des Bildungsgesetzes (Basic Plan for the Promotion of Education, 2008), in dem nun auch außerschulische Elemente an Bedeutung gewinnen, wie z.B. erlebenispädagogische Tage in NIYE Bildungsstätten und Pläne zur Umsetzung der Maßnahmen genannt werden.

Die Bereiche der außerschulischen Jugendbildung, Erwachsenenbildung und community education wurden als soziale Bildung zusammengefasst und 1949 in das Gesetz zur sozialen Bildung (Social Education Law) aufgenommen. Es ist seitdem mehrmals verändert und ergänzt worden. Das Gesetz soll die Zuständigkeiten für einzelne Maßnahmen der Sozialen Bildung regeln. Die Überarbeitung von 1959 schrieb die Einrichtung von Jugendhäusern vor und benannte so die Jugend zum ersten Mal als eigenständige Gruppe.
(Weitere Informationen unter “Social Education” System in Japan.)

Relevante Gesetze des Ministeriums für Arbeit und Wohlfahrt:

Die Neufassung des Kinderwohlfahrtsgesetzes trat am 1. April 1998 in Kraft. Kernstück des reformierten Gesetzes ist die Flexibilisierung der Kindertagesstätten. Das bedeutet für Eltern, dass sie nun selbst eine Tagesstätte mit einem freien Platz suchen können und nicht mehr an ein bestimmtes Einzugsgebiet gebunden sind. 

1999 wurde das Gesetz gegen Kinderprostitution und Kinderpornografie verabschiedet. Damit kann der freiwillige sexuelle Kontakt minderjähriger Mädchen mit älteren Männern, der bis dato nicht als Vergewaltigung galt, strafrechtlich verfolgt werden, sobald die Mädchen dafür Geschenke oder Geld nehmen.

2000 erließ die japanische Regierung das Präventionsgesetz zur Kindesmisshandlung. Auf dessen Basis wurden nachfolgend so genannte Präventionsbüros Kindesmisshandlung eingerichtet.

2000 und 2001 wurden die Gesetze über das Rauchverbot für Minderjährige und über das Alkoholverbot für Minderjährige jeweils ergänzt. Hier wurde jeweil das Strafmaß für Gesetzesverstöße erhöht. Außerdem wurde die Bestrafung sowohl des Geschäftseigentümers als auch des Verkäufers bei Verstößen gegen die Abgabe von Zigaretten an Minderjährige neu aufgenommen. Unter anderem wurde auch die Überprüfung des Alters gesetzlich verankert. 

2001 trat auch das Gesetz zur Förderung des Lesevermögens bei Kindern in Kraft. Im Zuge dessen wurde der 23. April zum Kinderlesetag erklärt.

Im Juni 2003 wurde das Gesetz zur Kontrolle von Internet Dating Sites verabschiedet, nachdem bekannt wurde, dass junge Mädchen im Zusammenhang mit dem Besuchen von Dating-Websites Opfer krimineller Machenschaften wurden. 

2003 trat auch das überarbeitete Wohlfahrtsgesetz für Alleinerziehende in Kraft. Hier geht es um die Unterstützung Alleinerziehender bei der Kindererziehung sowie bei der Karriereförderung.

Die japanische Regierung hat das Potenzial von Non-Profit-Organisationen (NPO) im sozialen Bereich und beim Aufbau einer "harmonischen Gesellschaft" erkannt (Begriff bezieht sich auf Politikbereich cohesive society, der gesellschaftliche Zukunftsfragen wie alternde Gesellschaft, gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen inklusive internationalem Jugendaustausch, Verkehrssicherheit etc. bündelt) und hat somit ein großes Interesse an der Weiterentwicklung des NPO-Sektors. Das entspricht dem New Public Common-Konzept der Regierung, das eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen staatlichen Akteuren und NPOs bei der Implementierung von sozialen Aktivitäten vorsieht. Seit Inkrafttreten des ersten Gesetzes zur Förderung gemeinnütziger Organisationen (Act to Promote Specified Nonprofit Activities, 1998) sind weitere Schritte unternommen worden, um die Rahmenbedingungen für NPO-Aktivitäten zu verbessern und die Gründung von NPOs zu erleichtern. So ergeben sich für sie guten Chancen, sich im Rahmen der Umsetzung eine gute Position in der Jugendarbeitsstruktur zu schaffen.

Internationale in Japan gültige Gesetze sind: 

  • UN-Kinderrechtskonvention 
  • Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über das Verbot von Kinderarbeit.

 Kinderrechte in Japan: http://www.crin.org/en/library/publications/japan-child-rights-under-japanese-law

Link
http://wiki.crin.org/mediawiki/index.php?title=Japan - Wiki zu Kinderrechten in Japan

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Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

In Japan erlangt man mit 20 Jahren die Volljährigkeit, davor ist von Minderjährigen die Rede (miseinensha). Im Arbeitsstandardgesetz wird anders definiert: bis 15 Jahren wird von Kind gesprochen (Jido). Bis zu diesem Alter ist eine Beschäftigung verboten und soweit reicht die Schulpflicht. Der Begriff Jugendlicher (nenshosha) wird für Menschen zwischen 15 und 18 Jahren verwendet. Über 18-Jährige werden als Erwachsene (seijin) bezeichnet. 

Die dem Büro des Premierministers unterstellte Staatsministerin für Jugendfragen ist für die Angelegenheiten der bis 25-Jährigen zuständig. Bei der LDP (Liberal-Demokratische Partei) beispielsweise wird die Parteijugend bis zum 35. Lebensjahr gerechnet. Einige Untersuchungen über Leben und Einstellung der Großstadtjugend in Tokyo setzen die Spanne auf 15 bis 29 Jahre fest.
(Quelle: Lemaire, Bernard: JugendleiterInnen in Japan und Deutschland, Frankfurt/M. u. a. 1996.)

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Finanzierung

Japanischer Geldschein, 5000 Yen.
Japanischer Geldschein, 5000 Yen.Bild: Jasmin777 / pixabay.com

Staatliche nationale Förderung

Die Ausgaben für die Jugend des Ministeriums für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) sichern den größten Teil der Jugendarbeit und schließen die Unterhaltung der Schulen mit ein. Daneben fördern die einzelnen Ministerien ihre spezifischen Programme der Jugendhilfe beziehungsweise der Jugendsozialarbeit. 

Die öffentliche Finanzierung spielt in Japan eine untergeordnete Rolle. Es gibt keine Dauer- oder Maßnahmenförderung mit Rechtsanspruch. Die Förderung ergibt sich in der Regel aus Einzelentscheidungen. Das gesamte Budget macht demzufolge nur einen geringen Teil der Gesamthaushaltssumme aus.

MEXT ist im Jugendbereich für die öffentlichen Organisationen finanziell zuständig, für die freien Träger gibt es über das MEXT projektbezogene finanzielle Zuschüsse. In diesem Bereich werden Projekte gefördert, die unter staatliche Pflichtaufgaben fallen, insgesamt gab es hier im Jahr 2012 ein Budget von 350 000 000 Yen, wobei 100 000 000 Yen darunter projektbezogene Gelder sind, auf die auch freie Träger Zugriff haben.

Im Rahmen der Vision für Kinder und Jugendliche wurde ein neuer Finanztopf namens "Kindertraum-Fond" in Höhe von 2.300.000 Yen eingerichtet, bei der freie Träger auch eigene Projekte beantragen können. Zur Förderung der gesunden Entfaltung von Kindern werden besondere und neue Maßnahmen und Angebote im Bereich Erlebnispädagogik und Bücher Leseaktionen unter anderem von freien Trägern finanziell unterstützt. (Quelle: NIYE)

Weitere Einrichtungen und Projekte werden u.a. durch Mittel des Ministeriums Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt (MHLW) finanziert.

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Die Jugendverbände und sonstige Jugendorganisationen und mit dem Thema Jugend befasste Stellen finanzieren sich aus Mitgliedsbeiträgen, aus dem Erlös von Veranstaltungen und aus Spenden beziehungsweise aus der Unterstützung von Firmen und Geschäftsleuten.

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Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Die oberste Zuständigkeit für die Entwicklung der Jugend liegt bei einer dem Büro des Premierministers angegliederten Leitstelle für Jugendentwicklung (Headquarters for Promotion of Development and Support for Children and Young People). Sie ist an das japanische Cabinet Office angegliedert und den Vorsitz hat der japanische Premierminister. Mitglieder sind unter anderem das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales, die Oberste Polizeibehörde und das Justizministerium. Diese Leitstelle stellt den engen Kontakt zwischen den auf administrativer Ebene für die Entwicklung der Jugend zuständigen Behörden sicher und strebt nach der Förderung umfassender und effektiver Maßnahmen für junge Leute.
Sie hatte die Aufgabe, die Jugendstrategie Vision zu formulieren und überwacht nun das darin enthaltene Ziel, Regionalräte in den Präfekturen bzw. Kommunen einzurichten. Ihr stehen jedoch keine finanziellen Mittel zur Verfügung und sie hat keine Weisungsbefugnis.

Das Ministerium für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) ist für den gesamten Schul-, Hochschul- und außerschulischen Bildungsbereich zuständig. Diese Aktivitäten werden in Japan unter dem Begriff social education zusammengefasst. Innerhalb des Ministeriums gibt es eine Abteilung für Sport und Jugend (Sports and Youth Bureau), die vor allem für die Formulierung und Ausgestaltung einer Politik für die gesunde Entwicklung der Jugend verantwortlich ist. Außerdem unterstehen dem Ministerium folgende Einrichtungen mit nachfolgenden Aufgabenbereichen:

  • Erziehungsberatungsstellen: Untersuchungen und Forschungen zur Erziehung, Schulung von Lehrpersonal, Erziehungsberatung,
  • Telefonische Erziehungsberatung für Familien: Beratung für problembelastete Familien,
  • Kindererziehungs-Hotline: Beratung für Eltern mit Erziehungsproblemen,
  • Kinder-Hotline: Beratung für Kinder und Jugendliche mit familiären Problemen,
  • National Olympics Memorial Youth Center der National Institution for Youth Education: Informationen und Koordination von Feriencamps, Jugendfreizeiten, Programmpartner deutsch-japanischer Jugendaustauschprogramme.

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales übernimmt Aufgaben, die man in Deutschland als Maßnahmen der Jugendsozialarbeit bezeichnen würde. Der gesamte Bereich der Sozial-, Kinder- und Behindertenfürsorge fällt in die Zuständigkeit des Ministeriums ebenso wie die berufliche Förderung der jugendlichen Arbeitnehmer und die Arbeitsplatzvermittlung. 

  • Staatliches Zentrum für Psyche und Nerven: klinische und psychische Behandlung,
  • Zentren für psychische Gesundheit und Wohlfahrt: Erkenntnisse über psychische Erkrankungen sammeln, untersuchen und entsprechende Beratungen anbieten,
  • Heime für arbeitende Jugendliche: Beratung arbeitender Jugendlicher insbesondere zu Freizeitangeboten,
  • Kinderberatungsstellen: Beratung und psychologisch-medizinische Begutachtung von Jugendlichen aus Problemfamilien, Einweisung in Jugendheime, Koordination lokaler Jugendhilfeeinrichtungen,
  • Hilfestellen für Familien mit Kindern: Aufnahme und Pflege der von den Kinderberatungsstellen zugewiesenen Kinder und Jugendlichen, Vernetzung der lokalen Jugendhilfeeinrichtungen,
  • Sprechzimmer für Familien mit Kindern: Beratung von Kindern und Jugendlichen und deren Familien, Hausbesuche.

Weitere Ministerien und Einrichtungen, die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe übernehmen, sind:

  • Oberste Polizeibehörde
    - Polizeipräsidien, Polizeizentralen, Jugendhilfezentren
    - Auftrag: Jugendliche polizeilich registrieren, im Verhalten anleiten, jugendliche Opfer schützen, Verstöße gegen das Kinderwohlfahrtsgesetz kontrollieren, Jugendliche beraten. 
  • Justizministerium
    - Jugendklassifikationsanstalten: Untersuchung vom Familiengericht zugewiesener Jugendlicher zum Zwecke der Klassifizierung/Weiterleitung,
    - Bewährungsaufsichtstellen: Bewährungsaufsicht, Kriminalitätsprävention, Koordination und Anpassung des sozialen Umfeldes der Jugendlichen, Schnell- und Noteinsätze, Beratung,
    - Büros der Menschenrechtsberatung: Beratung, Weiterleitung an zuständige Stellen, Zugangshilfen zur Rechtsberatung. 
  • Außenministerium
    - Jugendaustauschprogramme auf Basis von Kulturabkommen,
    - Global Youth Exchange (GYE) Program,
    - South Asian Youth Invitation Program,
    - Japan Exchange and Teaching (JET) Programme,
    - andere. 
  • Ausschuss für Bildung und Erziehung

 (Quellen: Jugendhilfe in Japan aus deutscher Sicht. Beitrag von Manuel Metzler. In: neue politik 4/2004; Website des Außenministeriums MOFA)

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Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Der National Council of Youth Organizations in Japan (NCYOJ) (chuseiren) ist der zentrale Dachverband der japanischen Jugendverbände. Er wurde 1951 gegründet und umfasst 23 Vollmitglieder und 13 assoziierte Mitglieder. Darunter fallen auch Organisationen, die sich der Jugendthematik widmen, aber keine konkrete Jugendgruppenarbeit organisieren. Die insgesamte Mitgliederzahl beläuft sich auf etwa 15 Millionen Jugendliche, zirka ein Drittel aller Jugendlichen. 

Die National Assembly for Youth Development (NAYD) wurde 1966 unter Initiative des Büros des Premierministers und von freiwilligen Organisationen gegründet, gehört aber offiziell zu den Nichtregierungsorganisationen. Der NAYD gehören 126 nationale Jugendorganisationen an und zirka 100 Einzelpersonen aus akademischen, Finanz- oder Wirtschaftsbereichen, die die Arbeit der NAYD unterstützen.

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Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Das National Institution for Youth Education (NIYE) ist in erster Linie eine nationale Bildungseinrichtung. Seit 2006 ist sie der Zusammenschluss der bis dahin einzeln agierenden Einrichtungen National Olympics Memorial Youth Center (Gründung 1965), National Youth Houses (Gründung 1959) und National Children’s Center (Gründung 1975). Seine Ziele sind vor allem die Förderung der außerschulischen Jugendbildung sowie die Förderung des gesunden Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen. Daraus erwächst die gemeinschaftliche Aufgabe: "Verselbständigung der Kinder und Jugendlichen durch erlebnispädagogische Angebote." Zu den zahlreichen Aktivitäten zählen vor allem die Organisation von Trainingskursen für Jugendliche, Jugendleiter und Ausbildungskräften von Jugendlichen, die Vernetzung und Kooperation mit anderen Jugendbildungseinrichtungen, die Erstellung von Studien und Untersuchungen zur Jugendbildung sowie die Förderung durch den Kindertraumfonds.

Auf lokaler Ebene wurde damit begonnen, ein Ombudsman-System für Kinder einzurichten. Dem System gehören derzeit vier lokale Behörden (die Stadt Kawasaki, die Stadt Kawanishi/Hyogo, die Stadt Ginam im Bezirk Hashima/Präfektur Gifu, die Präfektur von Saitama) an.

Im Rahmen der Umsetzung der von Japan 1994 ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention wurden auf lokaler Ebene Verfügungen zur Umsetzung der Rechte von Kindern verabschiedet. Derzeit gibt es fünf lokale Behörden, die diese umsetzen. Dazu gehören: die Stadt Kawasaki, die Stadt Naie im Bezirk Sorachi auf der Insel Hokkaido, die Stadt Kosugi im Bezirk Imizu/Präfektur Toyama, die Stadt Tajimi/Präfektur Gifu und die Präfektur Kochi. Die Stadt Kawasaki war die erste Stadt in Japan, die eine Verfügung zur Umsetzung der Rechte von Kindern auf lokaler Ebene verabschiedete.

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Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Sechs japanische Kinder in Schuluniform.
Sechs japanische Kinder in Schuluniform.Bild: mariamichelle / pixabay.com

Im Jahr 2010 wurde die Jugendstrategie Vision for Children and Young People formuliert, die eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Jugend und Jugendarbeit in Japan spielt.

Die Umsetzung ist systematisch bis auf Lokalebene vorgesehen. Präfekturen bzw. Kommunen sind aufgefordert, gemäß der neuen nationalen Vorgaben Kinder- und Jugendpläne aufzustellen und verstärkt koordinierende Strukturen aufzubauen. In der Gestaltung der Angebote sollen Non-Profit-Organisationen (NPOs) noch stärker Aufgaben übernehmen. Es handelt sich bei dieser Jugendstrategie nicht um ein Gesetz, sondern um Empfehlungen und Handlungsstrategien, die möglichst von allen Ministerien umgesetzt werden sollen. 

Die Vision für Kinder und Jugendliche wurde mit dem Ziel formuliert, die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu fördern und eine Gesellschaft zu gestalten, in der jeder einzelne eingegliedert werden kann.

Weiterhin wurde darin die Grundrichtung der Maßnahmen für die Kinder- und Jugendhilfe festgelegt:

1. Förderung einer gesunden Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen

  • Förderung zur Persönlichkeitsgestaltung
    (Lebenskompetenzen fördern; vielfältige Angebote an Aktivitätsmöglichkeiten, wie Naturerlebnisse, Erleben von Kunst und traditioneller Kultur; Stärkung der Lernfähigkeit; Sicherstellen der grundsätzlichen Lernfähigkeit, Qualitätssicherung vom Unterricht in der Senior High School; Sicherstellung der hochqualitativen Bildung in Hochschulen und Universitäten; Erweiterung der finanziellen Förderung: Kindergeld, Abschaffung des Schulgelldes in der Senior High School)

  • Förderung zur Mitgestaltung der Gesellschaft und gesellschaftliche Partizipation
    (gesellschaftliche Gestaltungsfähigkeit und Teilhabe fördern; Förderung der "Citizenship"-Bildung; Ort der Meinungsäußerung für Kinder und Jugendliche sicherstellen; ehrenamtliches Engagement; Teilnahme an internationalen Austauschprogrammen)

  • Gewährleistung von Gesundheit und Sicherheit
    (Beratungsmöglichkeiten über pubertätsspezifische Probleme anbieten wie Rauchen oder Geschlechtskrankheiten; Gesundheitsförderung in der Schule verstärken; Einsatz von Schulsozialarbeitern)

  • Förderung zur beruflichen Integration junger Menschen
    (Erwerben von Kompetenzen und Willen zur beruflichen Integration: Karriere- und Berufsbildung systematisch vorantreiben; Intensivierung der beruflichen Integration für Oberschüler und Studenten)

2. Hilfsmaßnahmen für benachteiligte Kinder und Jugendliche und deren Familien

  • Unterstützung für NEETs, Hikikomoris, schulabsente Kinder und Jugendliche
    (Einrichten der Regionalräte für Kinder- und Jugendhilfe vorantreiben (Aufbau von Netzwerken auf lokaler Ebene); Fort- und Weiterbildung von Multiplikatoren der Kinder- und Jugendarbeit; Durchführung der Programme von lokalen Jugendhilfestationen "support station")

  • Fördermaßnahmen für behinderte Kinder und Jugendliche
    (Unterstützung der schulischen Erziehung und Bildung sowie der beruflichen Integration; Hilfe für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen)

  • Hilfe für delinquente Kinder und Jugendliche
    (Präventive Maßnahmen gegen Delinquenz, erweiterte Beratungsmöglichkeiten in Fragen von Delinquenz; Drogenprävention bei Kindern und Jugendlichen; Möglichkeiten der Rehabilitationsprogramme in der Jugenderziehungsanstalt erweitern; Besserungsprogramm für die unter Bewährungs- und Führungsaufsicht stehenden Jugendlichen erweitern.)

  • Maßnahmen gegen Kinderarmut
    (Kindergeld, Abschaffung des Schulgeldes in der Senior High School, Stipendien verstärken; Unterstützung für Alleinerziehende; Prävention der Verkettung von Armut; präzise Beurteilung der gegenwärtigen Lage der betroffenen Kinder)

  • Schaffung eines "Aufenthaltsort" für benachteiligte, schutzbedürftige Kinder und Jugendliche, z.B. eine Wohngruppe

  • Unterstützung betreuungsbedürftiger Kinder und Jugendlicher wie ausländische Kinder und Jugendliche
    (Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten erweitern; berufliche Integration für langfristig aufenthaltsberechtigte ausländische Jugendliche; Hilfe für Menschen mit Geschlechtsidentitätsstörung; Unterstützung für Eltern im Teenageralter; Unterstützung von unehelichen Kindern)

  • Präventions- und Schutzmaßnahmen
    (Maßnahmen zur Verhinderung von Kindesmisshandlung; Konzept "Pflegeeltern" erweitern; Verbot von Kinderprostitution und Kinderporno; Beratung und Hilfe für Opfer von Straftaten; Prävention von Mobbing und Selbstmord; Schadenprävention durch Bewusstseinsförderung (Medienkompetenz, Informationsethik usw.))

3. Schaffung eines sozialen Umfeldes, um eine funktionsübergreifende Unterstützung der ganzen Gesellschaft zu ermöglichen

  • Wiederaufbau von Wechselbeziehungen zwischen Familie, Schulen und dem sozialen Umfeld
    (Elternarbeit "offene Familie": MultiplikatorInnen in Fragen familiärer Erziehung fort- und weiterbilden; Beratungsmöglichkeiten erweitern; Schaffung einer "offenen Schule" durch Einbindung externer Institutionen; Einrichten von lokalen Unterstützungszentralen für Schulen und Community school fördern; Einbindung von  Schulberatern und Schulsozialarbeitern; "Pläne für Kinder nach der Schule" fördern; Kriminalprävention durch Stadtgestaltung)

  • Förderung durch unterschiedliche Träger für Kinder- und Jugendhilfe vorantreiben
    (Beratungsmöglichkeiten erweitern: Institutionalisierung von zentralen Beratungsstellen, Einsatz von Ombudspersonen; Förderung durch freie Träger vorantreiben: Bürgerinitiativen fördern; Aktivitäten mit der Idee von New Public unterstützen (=die durch das Kabinett initiierte Idee und daraus entstehende Phänomene in der Gesellschaft, in der die Bürger oder NPOs als Anbieter von öffentlichen Dienstleistungen fungieren)

  • Verstärkung der Funktion von beteiligten Organen
    (Förderung von haupt- und ehrentamtlichen Mitarbeiter(inne)n der Jugendarbeit im sozialen Nahraum; Fachkräfte, Multiplikator(inn)en und Jugendleiter/-innen der Jugendarbeit fort- und weiterbilden; Peer Counseling popularisieren)

  • Abschaffung eines kinder- und jugendgefährdenden Umfeldes
    (Leistungsverbesserung und Popularisierung von Content-Filtern; illegale Informationen im Internet überwachen; Maßnahmen gegen Delikte durch Computerspiele oder Mobiltelefone)

  • Neubetrachtung des Leitbildes einer durch Erwachsene geführten Gesellschaft

Quelle: "Die Vision für Kinder und Jugendliche", Juli 2010.

Einmal jährlich erscheint das so genannte Weißbuch Jugend (White Paper on Youth (2013) - Informationen auf Englisch, Ausgabe 2012: White Paper on Youth 2012), das vom Büro des Premierministers (Management and Coordination Agency) herausgegeben wird. Das Weißbuch Jugend berichtet über die aktuelle Lage von Jugendlichen in Japan und relevante Maßnahmen, so dass die Öffentlichkeit ein Verständnis für die nationale Jugendpolitik und Verwaltung erhalten kann. Es wird seit 1956 herausgegeben.

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales hat am 17. Januar 2005 beschlossen, den New New-Angel-Plan (Neuer Neuer-Engel-Plan) umzusetzen, ein Fünf-Jahres-Programm zur Bekämpfung der sinkenden Geburtenrate, das die Regierung vom Haushaltsjahr 2005 an umsetzen wird. Die Umsetzung dieses Plans ist ein zentrales Ziel der Kinder- und Jugendpolitik in Japan. Bei den speziellen Umsetzungsleitlinien hat der Plan die folgenden vier Hauptthemen ausgewiesen: 

  1. Förderung der Eigenständigkeit von Jugendlichen und Erziehung von physisch und psychisch starken Kindern, 
  2. Unterstützung der Menschen bei der Vereinbarkeit von Arbeit und Kindererziehung und Überprüfung ihrer Arbeitszeitpläne, 
  3. Förderung des Bewusstseins und des Verständnisses für die Bedeutung des menschlichen Lebens und der Rolle der Familie, und 
  4. Neue Formen gegenseitiger Unterstützung und Solidarität im Zusammenhang mit der Kindererziehung. 

Was die zahlenmäßigen Ziele im Plan anbelangt, so wird die durchschnittlich von Männern für Hausarbeit und Kindererziehung pro Tag aufgewendete Zeit von derzeit 48 Minuten auf etwa zwei Stunden erhöht, was in etwa mit den Zeiten anderer Industrieländer vergleichbar ist. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Prozentsatz der Männer in den Dreißigern mit langen Arbeitszeiten - wöchentlich 60 Stunden oder mehr - auf die Hälfte der aktuellen Zahl von 23% reduziert. Außerdem wird der Prozentsatz der Kindererziehungsurlaub in Anspruch nehmenden Männer von derzeit 0,3% auf 10% und die Zahl der Frauen im Erziehungsurlaub von 40% auf 80% erhöht.

Die Zahl der in Tagesbetreuungseinrichtungen aufgenommenen Kinder wird vom in diesem Haushaltsjahr angestrebten Ziel von 2,03 Millionen auf 2,15 Millionen erhöht.

Der vorhergehende New-Angel-Plan mit seinem Schwergewicht auf der Unterstützung der Kinderbetreuung ist 2004 ausgelaufen. Der New New-Angel-Plan hat sich hin zu einer Politik verlagert, bei der ein größeres Schwergewicht auf der Arbeit von Kommunen und der Privatwirtschaft liegt, und nennt selbst für Unternehmensprogramme spezielle zahlenmäßige Ziele. Das Ziel besteht darin, die Quote der Inanspruchnahme des bezahlten Jahresurlaubs durch Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft auf mindestens um 50% anzuheben (die Quote lag im Haushaltsjahr 2003 bei 47%), den Prozentsatz der Unternehmen, die Erziehungsurlaubsysteme in ihrer Beschäftigungsvorschriften einbeziehen, auf 100% zu erhöhen (der Anteil lag im Haushaltsjahr 2002 bei 61%).

Um außerdem Schüler/-innen von Mittelschulen und Höheren Schulen zu ermutigen, Kinderbetreuung als eine erfreuliche und unterhaltsame Erfahrung zu betrachten, wird der Plan für solche Jugendliche Möglichkeiten anbieten, in Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen mit Babys und Kleinkindern in Kontakt zu kommen. Es werden auch neue Ideen wie die Einrichtung von Stützpunkten zur Unterstützung/Hilfe bei der kommunalen Kinderbetreuung einbezogen.

Der New New-Angel-Plan ist Ausdruck des im Ministerium bestehenden Krisenbewusstseins, nachdem man festgestellt hat, dass dem Rückgang der Kinderzahlen nicht einfach durch Umsetzung von Plänen aus der Vergangenheit ein Ende gesetzt werden kann. Jetzt wird die Gesellschaft insgesamt aufgefordert, umfangreichere Maßnahmen zu ergreifen.

Weitere Aktionspläne der japanischen Regierung:

  • Aktionsplan zu Schaffung von Spielplätzen für Kinder, der Familien, Gemeinschaften, Schulen landesweit dazu auffordert, zusammenzuarbeiten, um sichere Aktionsräume für Kinder zu schaffen sowohl in der Schule als auch im außerschulischen Rahmen, 
  • Nationaler Aktionsplan zur emotionalen Bildung von Kindern, das sich an Jugendverbände landesweit richtet und die Schaffung eines sozialen Umfeldes anstrebt, das sich förderlich auf die emotionale Entwicklung junger Menschen auswirkt.

 (Quelle: www.mext.go.jp/english/news/2007/03/07022214.htm, Zugriff 14.3.07) 

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Jugendarbeit

Impressum aus Scrabblesteinen gelegt.
Impressum aus Scrabblesteinen gelegt. Bild: mih83 / pixabay.com

Impressum - Japan

Die Länderinfos zu JAPAN wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. 

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Kontakt: dija(at)ijab.de