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Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen - Österreich

Hier gibt's Infos zu den Grundlagen und Strukturen der Kinder- und Jugendpolitik in Österreich. Mehr lesen unter:

Gesetzliche und finanzielle Grundlagen

Als Jugendliche werden gemäß Bundes-Jugendvertretungsgesetz und Bundes-Jugendförderungsgesetz (Vollzug BMFJ) alle jungen Menschen bis zur Vollendung ihres 30. Lebensjahres verstanden. Sie werden auch gängig als "junge Erwachsene" bezeichnet. Jedoch ist "Jugend" kein einheitlicher Begriff weder in der Wissenschaft noch in der Rechtsordnung. (Quelle: Bundeskanzleramt)

Relevante Gesetze

Die rechtlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendpolitik werden in Österreich in verschiedenen Gesetzen festgelegt. Je nach Gesetz fallen dem Bundesstaat und den Bundesländern unterschiedliche Verantwortlichkeiten zu. Österreich gehört zu den wenigen Ländern, das Gewalt gegen Kinder absolut verbietet.

Bundesjugendförderungsgesetz
Seit 2000 existiert das Bundesjugendförderungsgesetz. Es hat folgende Zielsetzung: "Finanzielle Förderung von Maßnahmen der außerschulischen Jugenderziehung und Jugendarbeit, insbesondere zur Förderung der Entwicklung der geistigen, psychischen, körperlichen, sozialen, politischen, religiösen und ethischen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen." (Quelle: Bundesjugendförderungsgesetz)
Schwerpunkte der Jugendförderung wurden von der für Jugend zuständigen Bundesministerin gemäß §2 Absatz 2 der Richtlinien zur Förderung der außerschulischen Jugenderziehung und Jugendarbeit formuliert.

Bundes-Jugendvertretungsgesetz
Am 1. Januar 2001 trat das Bundes-Jugendvertretungsgesetz in Kraft. Durch die in diesem Gesetz vorgesehenen Maßnahmen soll die Vertretung der Anliegen der Jugend gegenüber den politischen Entscheidungsträgern auf Bundesebene sichergestellt werden. Zum Wirkungsbereich der Vertretung der Anliegen und Interessen der Jugendlichen gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern auf Bundesebene nach diesem Bundesgesetz zählen unter anderem 

  • die Interessensvertretung der Jugendlichen gegenüber der Bundesregierung und deren Mitgliedern 
  • die Beratung der Bundesregierung und deren Mitglieder in allen jugendrelevanten Angelegenheiten 
  • die Erstattung von Stellungnahmen zu allen Gesetz- und Verordnungsentwürfen, die der Bundes-Jugendvertretung relevant erscheinen 
  • die Behandlung von Fragen, wie sich geplante Vorhaben der Bundesregierung in jugendrelevanten Bereichen auf die Lebensbedingungen von Jugendlichen auswirken können.

Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz
Zum 1. Mai 2013 ist ein einheitliches nationales Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz (B-KJHG) in Kraft getreten. Für die konkrete Umsetzung sind die Bundesländer zuständig. Der Vorgänger war das von 1989 bis 2013 geltende Jugendwohlfahrtsgesetz.

Jugendschutz
In Österreich sind für den Jugendschutz die einzelnen Bundesländer zuständig. Deshalb gibt es neun verschiedene Jugendschutzgesetze und für Jugendliche unter 18 Jahre gilt jeweils das Jugendschutzgesetz jenes Bundeslandes, in dem sie sich aufhalten. Die Jugendschutzgesetze in den Bundesländern beziehen sich speziell auf Gefährdungstatbestände, die sich für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ auswirken können. Daneben enthalten eine Reihe von Bundesgesetzen Bestimmungen, die für die Jugend als Schutzmaßnahmen bestimmt sind (beispielhafte Nennung):

  • Arbeitsrecht: Unzulässigkeit von Kinderarbeit, 
  • Bankwesengesetz: Sorgfaltspflicht in den Geschäftsbeziehungen mit Jugendlichen. 

Übersicht des Jugendschutzregelungen in den Bundesländern Österreichs: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/174/Seite.1740000.html

Im August 2018 wurde auf der Landesreferentinnen- und Landesreferentenkonferenz die Harmonisierung der Jugendschutzgesetze der einzelnen Länder (betrifft: Rauchen, Ausgehzeiten und Alkoholkonsum) beschlossen. Nach 35 Jahren ist dies ein historischer Schritt. Sie treten zum 1. Januar 2019 in Kraft. In den Bundesländern ist die Umsetzung der neuen Maßnahmen bereits in vollem Gange.

Jugendgerichtsgesetz
Das Jugendgerichtsgesetz regelt die Verantwortlichkeiten und das Strafmaß für Jugendliche. Es exisitiert seit 1988 und wurde 2015 zuletzt geändert.

Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz
Seit 1987 besteht das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz, zuletzt geändert 2013. Dieses Gesetz impliziert, dass Kinder bis zum Ende des 15. Lebensjahres oder bis zum Ende ihrer Schulpflicht nicht arbeiten dürfen, auch nicht im Rahmen einer Lehre. Für Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gelten Regeln für Arbeits- und Auszeiten.

Ferner existiert eine Reihe von Bestimmungen, die die Mit- und Selbstbestimmung der österreichischen Kinder und Jugendlichen regeln (sexuelles Selbstbestimmungsrecht, Ausbildungswahl etc.).

Die Kinder- und Jugendanwaltschaften des Bundes und der einzelnen Länder vertreten allgemein die Interessen der Kinder und setzen sich für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ein.

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Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

Beginn der Schulpflicht: mit 6 Jahren

Anhörung vor Pflegschaftsgerichten zwingend, wenn über Obhut, Pflege und Erziehung verhandelt wird: ab 10 Jahre

Beschränkte Geschäftsfähigkeit / Sexuelles Selbstbestimmungsrecht / freie Wahl des Religionsbekenntnisses / Mitentscheidungsrecht bei Berufs- und Schulausbildung / strafrechtliche Verantwortung: ab 14 Jahre

Vollzeitbeschäftigung: ab 15 Jahre

Ehemündigkeit von Mädchen, jungen Frauen: ab 16 Jahre
Ehemündigkeit von Burschen, jungen Männern: ab 18 Jahre

erlaubter Alkohol- und Tabakkonsum in der Öffentlichkeit: ab 16 Jahre

Führerschein für Moped und Kleinmotorräder: mit 16 Jahren
Führerschein für PKW, LKW und andere Nutzfahrzeuge: mit 18 Jahren

Aktives allgemeines Wahlrecht: ab 16 Jahre
Passives allgemeines Wahlrecht: ab 18 Jahre
Passives Wahlrecht – Bundespräsident: ab 35 Jahre

Volle Handlungs- und Geschäftsfähigkeit: mit 18 Jahren

Allgemeine Wehrpflicht für Männer (Frauen freiwillig): ab 18 Jahre; Grundwehrdienst (acht Monate): bis 36 Jahre, Zivildienst möglich (12 Monate)
Quelle: help.gv.at

Links 
www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/174/Seite.1740000.html - Informationen zum Thema "Jugendrechte" in Österreich
www.protection-of-minors.eu/de/AT_overview.php - Informationen zum Kinder- und Jugendschutz in Europa der BAG Kinder- und Jugendschutz
http://wiki.crin.org/mediawiki/index.php?title=Austria - Wiki zu Kinderrechten in Österreich

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Finanzierung

Staatliche nationale Förderung

Mit dem Inkrafttreten des Bundes-Jugendförderungsgesetzes am 1. Januar 2001 unterliegt die staatliche nationale Jugendförderung einer neuen Regelung. Zielsetzung dieses Bundesgesetzes ist die Förderung von Maßnahmen der außerschulischen Jugenderziehung und Jugendarbeit, insbesondere zur Förderung der Entwicklung der geistigen, psychischen, körperlichen, sozialen, politischen, religiösen und ethischen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung ihres 30. Lebensjahres. Förderungen für Angebote der Jugendarbeit können auf Antrag unter bestimmten Voraussetzungen verbandlichen Jugendorganisationen, Jugendinitiativen und nicht verbandlich organisierten Jugendgruppen sowie Einrichtungen der offenen Jugendarbeit gewährt werden.

Schwerpunkte der Jugendförderung wurden von der für Jugend zuständigen Bundesministerin gemäß § 2 Absatz 2 der Richtlinien zur Förderung der außerschulischen Jugenderziehung und Jugendarbeit formuliert.

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Die Finanzierung der Aktivitäten und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit erfolgt neben der Förderung durch öffentliche Mittel des Bundes über Eigenmittel (Eigenleistungen ehrenamtlicher Mitarbeiter/-innen, eingebrachte Geldmittel oder Sachwerte), über Eigenfinanzierung (Einnahmen aus Veranstaltungen und Aktivitäten, Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Sponsorleistungen) sowie über Fremdfinanzierung (Subventionen der öffentlichen Hand, Träger wie Kirchen und Parteien). In Österreich sind Kommunen, Länder und der Bund, die mit Abstand wichtigsten Geldgeber der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit.
(Quelle: Außerschulische Kinder- und Jugendarbeit in Österreich (2015), S. 10, https://www.jugendarbeitinoesterreich.at/sites/default/files/files/ausserschulische_kinder-_und_jugendarbeit_in_oesterreich.pdf)

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Kinder- und jugendpolitische Strukturen

In Österreich sind auf Grund des föderalen Staatsaufbaus die Kompetenzen zwischen dem Bund und den Bundesländern aufgeteilt. Tätigkeitsfelder staatlichen Handelns sind auf dem Gebiet der Gesetzgebung und auf dem Gebiet der Umsetzung dem Bund oder den Ländern klar zugeordnet.

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Nationale Ebene

Auf Bundesebene ist seit Januar 2018 die Bundesministerin für Frauen, Familie und Jugend Dr. Juliane Bogner-Strauß im Bundeskanzleramt für Jugendangelegenheiten zuständig.

Weitere Ministerien mit Zuständigkeiten im Kinder- und Jugendbereich: 

  • Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF). In die Zuständigkeit des österreichischen BMBF fallen das komplette österreichische Schulwesen von der Grundschule bis zum Abitur, die Erwachsenenbildung und das Thema Lebenslanges Lernen. Außerdem schafft es bestmögliche Rahmenbedingungen für Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen auch auf internationalem Parkett.
  • Bundesministerium für Inneres (BMI). In Jugendsachen ist das Bundesministerium für Inneres für den Zivildienst zuständig. 
  • Bundesministerium für Justiz (BMJ). Das Bundesministerium für Justiz ist für Fragen der Jugendgesetzgebung (altersspezifische Fragen, Regelung des Strafausmaßes, andere) und für die kindschaftsrechtlichen Bestimmungen zuständig. 

Regionale Ebene

In den Kompetenzbereich der Bundesländer fallen primär Jugendförderung und außerschulische Jugendarbeit (gemäß Bundesverfassung). Die in den Landesregierungen angesiedelten Landesjugendreferate haben den Auftrag, die jugendpolitischen Maßnahmen des Landes in der außerschulischen Jugendarbeit umzusetzen. Dies führt dazu, dass es je nach Bundesland unterschiedliche Gesetzeslagen, Kompetenzverteilungen und Aufgabenbereiche geben kann.

Gemäß der Landesjugendreferenten/-innenkonferenz wurden folgende gemeinsame Kernaufgaben der Jugendreferate in den Ländern definiert:

  • Jugendförderung
  • Kompetenzzentrum
  • Jugend in allen Politikbereichen
  • (Mit-)gestaltung

Die Abstimmung der Maßnahmen und Aktivitäten zwischen Bund und Ländern erfolgt jährlich auf der politischen Landesjugendreferentinnen- und referentenkonferenz.

Link
Jugendarbeit in Österreich - https://www.jugendarbeitinoesterreich.at/landesjugendreferate

Lokale Ebene

Die Gemeindeverwaltungen sind der erste Anlaufpunkt für die Bereiche Jugendverbandsarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit, aber auch für selbstorganisierte Jugendinitiativen. Die Mitarbeiter/-innen in den Jugendabteilungen sind die Schnittstellen zwischen Kindern, Jugendlichen und der Gemeinde. Sie übernehmen auch die anwaltschaftliche Vertretung für die Fragen und Probleme der Kinder und Jugendlichen. Da, wo es kein eigenes Jugendreferat gibt, sind verwandte Abteilungen wie zum Beispiel Familie, Bildung oder Sport für den Bereich Kinder- und Jugendarbeit zuständig. Die Gemeinden sind neben dem Land (regionale Ebene) die wichtigsten Geldgeber für die Kinder- und Jugendarbeit. Ob die Kosten von der Gemeinde selbst getragen oder ob sie von selbständigen Vereinen übernommen werden, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. In vielen Fällen kommt die Gemeinde für die Infrastruktur wie Jugendzentren sowie Spiel- und Sportplätze auf.
(Quelle: Außerschulische Kinder- und Jugendarbeit in Österreich. Ein Überblick. (2015) https://www.jugendarbeitinoesterreich.at/sites/default/files/files/ausserschulische_kinder-_und_jugendarbeit_in_oesterreich.pdfhttps://www.jugendarbeitinoesterreich.at/sites/default/files/files/ausserschulische_kinder-_und_jugendarbeit_in_oesterreich.pdf)

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Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Jugendpolitik in Österreich ist ein Querschnittsthema. Das Bundeskanzleramt beschäftigt sich im Bereich 'Jugend' vor allem mit folgenden Handlungsfeldern:

  • Jugendpolitik
  • Jugendarbeit
  • Jugendstrategie
  • Beschäftigung und Bildung
  • Beteiligung und Engagement
  • Lebensqualität und Miteinander
  • Medien und Information
  • Jugendförderung
  • Jugendschutz
  • Kinderrechte
  • Internationale Jugendpolitik
  • Jugendforschung

Im Sinne einer Querschnittspolitik umfasst die Arbeit des Ministeriums für und mit Jugendlichen koordinative und strategische Aufgaben im Bereich der eigenständigen Jugendpolitik, der Jugendforschung, der Internationalen Jugendpolitik und des Jugendchecks. Den Rahmen bildet dabei die österreichische Jugendstrategie. Ihr Ziel ist es, Politiken und Maßnahmen für junge Menschen zu bündeln, zu systematisieren und ihre Wirksamkeit zu optimieren. Sie soll aber auch neue Handlungs- und Kooperationsfelder aufspüren, weiteren Handlungsbedarf benennen und diesen mit greifbaren Maßnahmen unterlegen. Die Jugendstrategie wird als laufender Prozess zur Stärkung und Weiterentwicklung der Jugendpolitik verstanden. Die Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 14-24 Jahren.
Die Handlungsfelder sind:

  • Beschäftigung und Bildung
  • Beteiligung und Engagement
  • Lebensqualität und Miteinander
  • Medien und Information

Mehr dazu unter https://www.frauen-familien-jugend.bka.gv.at/jugend/jugendstrategie.html

Im Oktober 2018 hat die österreichische Bundesregierung die Neuausrichtung der Österreichischen Jugendstrategie beschlossen.

Im Nachgang zum Weltkindergipfel 2002 erging der Auftrag an die einzelnen Staaten, entsprechende Nationale Aktionspläne folgen zu lassen. In Österreich wurde im November 2004 der Nationale Aktionsplan für die Rechte von Kindern und Jugendlichen – Ein kindgerechtes Österreich verabschiedet.

Link
https://www.bundeskanzleramt.gv.at/documents/131008/569203/Regierungsprogramm_2017%e2%80%932022.pdf/b2fe3f65-5a04-47b6-913d-2fe512ff4ce6 - Zusammen. Für Österreich. Regierungsprogramm 2017-2022 > Jugend (Seiten 103-104)

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Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Bundes ist im Bundeskanzleramt/Bereich Familie und Jugend eingerichtet und fungiert als zentrale Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche bei Problemen mit ihren Eltern oder der Umwelt. Zentrale Aufgabe ist das Einsetzen für eine kinderfreundlichere Gesellschaft und die gewaltfreie Erziehung. Sie arbeitet eng zusammen mit den Kinder- und Jugendanwaltschaften der einzelnen Länder.

Die Kinderfreunde Österreichs verstehen sich als bundesweite Lobby für Kinder und Familien. Die Basis des pädagogisch-politischen Handelns sind die von den Vereinten Nationen definierten Menschenrechte, im Besonderen die UN-Kinderrechte mit ihren drei Säulen Versorgung, Schutz und Partizipation. Ziel der Kinderfreunde ist die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes mit den Schwerpunkten "Kinder- und Jugendpolitik", "Familienpolitik" und "Schulpolitik". Die Kinderfreunde bestehen aus einer großen Bandbreite von Gliederungen (Ortsgruppen, Bezirks- und Landesorganisationen und der Bundesorganisation), den Roten Falken, und Einrichtungen wie Kindertagesheimen, Eltern-Kind-Zentren und anderen.

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Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Am 1. Januar 2001 trat das Bundes-Jugendvertretungsgesetz in Kraft. Durch die in diesem Gesetz vorgesehenen Maßnahmen soll die Vertretung der Anliegen der Jugend gegenüber den politischen Entscheidungsträgern auf Bundesebene sichergestellt werden. Nähere Infos zu diesem und weiteren Gesetzen siehe Dija.de/Kinder- und Jugendpolitik  Österreich/Gesetzliche und finanzielle Grundlagen>>>

Die Bundes-Jugendvertretung (BJV) ist die gesetzliche Interessenvertretung der jungen Menschen in Österreich und umfasst 54 österreichische Kinder- und Jugendorganisationen, die unterschiedlichste Ziele und weltanschauliche Hintergründe haben. Die Palette der Mitgliedsorganisationen erstreckt sich von den parteipolitischen, kirchlichen und verbandlichen Jugendorganisationen über VertreterInnen der offenen Jugendarbeit und der Volksgruppen und Minderheiten, bis hin zu den Landesjugendbeiräten.

Im Zuge der Verstärkung des Mitbestimmungsprinzips von Kindern wurden in vielen Gemeinden Kinder- oder Jugendgemeinderäte initiiert, um den jüngeren Gemeindemitgliedern eine Möglichkeit zu bieten, sich aktiv in die Gemeindepolitik einzubringen und gemeinsam mit den Verantwortlichen kinder- und jugendfreundliche Ideen umzusetzen.
Beispiel: Informationen zum Jugendgemeinderat im Land Niederösterreich

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Jugendarbeit

In Österreich leisten die Jugendverbände einen wesentlichen Beitrag zur Erziehung, Bildung, Freizeitgestaltung oder Beratung von jungen Menschen. Die Jugendverbände richten sich mit ihren Angeboten nicht nur an ihre Mitglieder, die sich auf freiwilliger Basis, selbstbestimmt und selbstorganisiert zusammenfinden.

Jugendverbandsarbeit

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit 

In Österreich leisten die Jugendverbände einen wesentlichen Beitrag zur Erziehung, Bildung, Freizeitgestaltung oder Beratung von jungen Menschen. Die Jugendverbände richten sich mit ihren Angeboten nicht nur an ihre Mitglieder, die sich auf freiwilliger Basis, selbstbestimmt und selbstorganisiert zusammenfinden, sondern wenden sich in Form von Projekten und Initiativen auch an “traditionell nicht organisierte Jugendliche" (in den letzten Jahren insbesondere Projekte zur antirassistischen Jugendarbeit und zur Mädchenarbeit).

Zum 1.1.2001 trat das Bundes-Jugendvertretungsgesetz in Kraft. Durch die in diesem Gesetz vorgesehenen Maßnahmen soll die Vertretung der Anliegen der Jugend gegenüber den politischen Entscheidungsträgern auf Bundesebene sichergestellt werden. Als Jugendliche im Sinne dieses Bundesgesetzes gelten alle jungen Menschen bis zur Vollendung ihres 30. Lebensjahres. Als Jugendorganisationen im Sinne dieses Bundesgesetzes gelten freiwillige Vereinigungen mit eigener Rechtspersönlichkeit, deren Mitglieder vorwiegend Jugendliche sind, denen gesamtösterreichische Bedeutung zukommt und deren Hauptzweck die Vertretung und die Förderung der Interessen von Jugendlichen ist.

Zum Wirkungsbereich der Vertretung der Anliegen und Interessen der Jugendlichen gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern auf Bundesebene zählen nach diesem Bundesgesetz unter anderem:

  • die Interessensvertretung der Jugendlichen gegenüber der Bundesregierung und deren Mitgliedern
  • die Beratung der Bundesregierung und deren Mitglieder in allen jugendrelevanten Angelegenheiten
  • die Erstattung von Stellungnahmen zu allen Gesetz- und Verordnungsentwürfen, die der Bundes-Jugendvertretung relevant erscheinen
  • die Behandlung von Fragen, wie sich geplante Vorhaben der Bundesregierung in jugendrelevanten Bereichen auf die Lebensbedingungen von Jugendlichen auswirken können, wie die Erstattung von 

    • Vorschlägen zu Fragen, welche die Stellung der Jugendlichen in der Gesellschaft betreffen
    • Vorschlägen für Maßnahmen von jugendpolitischer Bedeutung
    • Vorschlägen für soziale, bildungspolitische, wirtschaftliche und kulturelle Maßnahmen der Regierungspolitik
    • Vorschlägen zu Themen, welche die Jugend sowie das Zusammenleben und Zusammenwirken der Generationen betreffen
    • Empfehlungen für die Erlassung von Richtlinien gemäß § 8 Bundesjugendförderungsgesetz
    • Empfehlungen für die Gewährung von Förderungen jugendspezifischer Projekte nach § 7 Abs. 5 und 6 Bundesjugendförderungsgesetz, deren Antragssumme den Betrag von 200 000 S (zirka 14 535 €) übersteigt.

[Auszug aus dem 127. Bundesgesetz über die Vertretung der Anliegen der Jugend (Bundes-Jugendvertretungsgesetz)] 

Überregionale Jugendverbände

In Österreich gibt es eine Anzahl von Jugendverbänden, die überregional tätig sind. Die landesweit tätigen Verbände sind politisch oder kirchlich motiviert, widmen sich dem Natur- und Umweltschutz oder einfach ganz allgemein der Förderung der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen durch gemeinsame Aktivitäten.

Übersicht der überregional tätigen Jugendorganisationen: https://www.jugendportal.at/themen/jugendeinrichtungen-organisationen/jugendorganisationen

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Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Die Mitgliedschaft in einer konfessionellen Jugendorganisation ist in Österreich vor allem im ländlichen Raum sehr verbreitet. Im Vordergrund steht für die meisten zunächst das Erleben der Gemeinschaft und dann Religion und Glaube.

Die Zahl der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften in Österreich ist groß, ebenso unterscheiden sich deren Angebote für Kinder und Jugendliche. Einige legen sehr starkes Gewicht auf Religionsunterricht für Kinder und Jugendliche, andere haben eigene Jugendorganisationen. Daher wird nachfolgend eine Auswahl dargestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellt.

Die Katholische Jugend Österreich beschäftigt sich in derzeit vier Fachbereichen mit spezifischen Aspekten, Themen und Arbeitsfeldern kirchlicher Jugendarbeit. Dazu gehören die Jugendarbeit in Pfarreien und Dekanaten, die Jugendarbeit mit Lehrlingen und berufstätigen Jugendlichen, die Jugendarbeit mit Schülerinnen und Schülern sowie die Vermittlung von Jugendpastoral, Jugendforschung, Pädagogik, Psychologie mit der Praxis von Jugendleiter(inne)n und Mitarbeiter(inne)n in der Jugendarbeit). Mit dem Gewinn aus der Jugend & Jungschar Lotterie unterstützt die Katholische Jugend Österreichs Jugenderholung, Freizeitgestaltung und Bildungsarbeit der Katholischen Jugend und Jungschar in den Diözesen und Pfarren. Die katholische Jungschar ist die Kinderorganisation der Katholischen Kirche und zugleich die größte Kinderorganisation Österreichs. 

Die Katholische Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) ist die Katholische Aktion Österreichs im Bereich der Universitäten und Hochschulen. Sie vertritt ihre Anliegen in dem gemeinsam mit dem Literarischen Forum und dem Katholischen Akademikerverband Österreichs gebildeten Forum Kunst, Wissenschaft, Medien. In Übereinstimmung mit dem Inneren Statut der Katholischen Hochschuljugend Österreichs und deren Arbeitsweise werden an den einzelnen Hochschulorten Arbeitsweise, Programm und Bezug zur Katholischen Hochschulgemeinde festgelegt. Die Hochschuljugend engagiert sich auch im bildungspolitischen Bereich.

Die Evangelische Kirche fühlt sich für die christliche Erziehung der Kinder zuständig. Es werden viele Freizeiten für Kinder und Jugendliche angeboten. In vielen Gemeinden finden regelmäßig Kindergottesdienste und Kinderkreise statt. Die Evangelische Jugend Österreichs (EJÖ) sieht ihr Ziel vor allem in der persönlichkeitsfördernden Begleitung von Kindern und Jugendlichen in so genannten sozialen Nestern (Gruppen). Zu den Angeboten gehören unter anderem die Unterstützung, Begleitung und Förderung der an der Basis, das heißt in den 27 Pfarrgemeinden, befindlichen außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit zum Beispiel durch Schulungen, Projekte, Öffentlichkeitsarbeit, Spiele, Bücherverleih, die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien, Lobbyarbeit, Ferienfreizeiten. Dabei werden rund 80% der Leistungen von freiwilligen Mitarbeiter(inne)n erbracht. 

Bnei.akiva Wien ist Teil der weltweiten religiös-zionistischen Jugendbewegung. In Wien ist es eines der primären Ziele der bnei.akiva, in der Jugend eine jüdische Identität zu wecken, die sie Zeit ihres Lebens in einer nicht jüdischen Umwelt vor Assimilation schützen soll. Dazu gehört auch eine Beschäftigung mit aktuellen politischen Ereignissen, Aufklärung über die Schoah und Antisemitismus in Österreich. 

In Österreich leben zwischen 400.000 und 450.000 orthodoxe Christen. Sieben orthodoxe Kirchen haben in Österreich kirchliche Strukturen und sind in der Orthodoxen Bischofskonferenz vertreten: Das Patriarchat von Konstantinopel (griechisch-orthodox), das Patriarchat von Antiochien, die Russisch-orthodoxe Kirche, die Serbisch-orthodoxe Kirche, die Rumänisch-orthodoxe Kirche, die Bulgarisch-orthodoxe Kirche und die Georgisch-orthodoxe Kirche. Manche Kirchen haben zahlreiche Gläubige in ganz Österreich und andere bestehen nur aus einer kleinen Zahl von Gläubigen mit nur wenigen bis einer Kirchengemeinde. Alle gehören sie aber zur Einen Orthodoxen Kirche Österreich.

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich bietet regelmäßige Treffen zum Beispiel im Kreis Junger Erwachsener oder im Teenagerkreis an. Wichtig sind auch die Österreich-weiten Treffen. Das Pfingstlager für Teenager und das Wochenende für junge Erwachsene sind bereits Fixtermine für viele der jungen Mitglieder. Außerdem gibt es immer wieder in verschiedenen europäischen Ländern internationale Jugendtreffen der Methodistenkirche, an der auch österreichische Jugendliche teilnehmen können. Dort stehen offene Gespräche über Glaube und Spiritualität, Andachten mit Gebet und Musik, Spiele, Sport und Freizeit im Vordergrund. 

Alte und neue Schulen der Israelitische Kultusgemeinde Wien dienen den erzieherischen Bedürfnissen der jüdischen Gemeinde, während zahlreiche Jugendorganisationen und Sportverbände darüber hinaus ein umfangreiches und vielseitiges Lern- und Freizeitprogramm in jüdischer Atmosphäre anbieten.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) und ihre regionalen Vertretungen, die Religionsgemeinden, möchten als offizielle Vertretung der Muslime in Österreich wesentlich zur Lebensqualität der Muslime im Sinne der Sicherung religiöser Bedürfnisse beitragen. Sie sieht sich als Bindeglied zu staatlichen Institutionen und zivilen Einrichtungen in Österreich.

Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft bietet buddhistischen Religionsunterricht für Kinder und Jugendliche an Pflichtschulen, Mittleren und Höheren Schulen an. Hierzu wurde ein Lehrplan für die Erteilung des Buddhistischen Religionsunterrichts erarbeitet, vom Sangharat (dem Gremium der Orden und Dharmagruppen) der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft erlassen und vom Bundesminister für Unterricht und Kunst im Mai 1992 als Bundesgesetz bekannt gemacht. Zudem gibt es noch Kleinstkindergruppen und die buddhistische Jugendbewegung.

Links
www.kirche.at – Infos zu Glaubensgemeinschaften in Österreich
soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/staff/moerthpub/ReligionJugend.pdf - Studie zum Stellenwert organisierter Religion in Österreich

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Offene Jugendarbeit

Im Rahmen des Projekts 'Offene Jugendarbeit in Österreich bundesweit vernetzt' wurde eine Begriffserklärung von offener Jugendarbeit entwickelt. Darin heißt es:

"Offene Jugendarbeit (OJA) findet in Jugendzentren, Jugendtreffs, Jugendcafes und anderen räumlichen Gegebenheiten, aber auch im öffentlichen Raum statt und bietet jungen Menschen die Möglichkeit fachlich begleitete Angebote in Anspruch zu nehmen. Zielgruppe der Offenen Jugendarbeit sind junge Menschen unabhängig von sozialem Status, Geschlecht, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit." Als Arbeitsprinzipien Offener Jugendarbeit in Österreich werden genannt:

  • Offenheit
  • Niederschwelligkeit
  • Freiwilligkeit
  • Partizipation
  • Beziehungskontinuität
  • Parteiliches Mandat für junge Menschen

Zentrale Themen der Offenen Jugendarbeit sind:

  • Digitale Jugendarbeit
  • Geschlechtsbezogenes Arbeiten
  • Partizipation
  • Gesundheit und Prävention
  • Präventionsarbeit
  • Extremismus
  • Qualitätsentwicklung
  • Recht&Co

Mehr zur Begrifflichkeit 'Offene Jugendarbeit' und Methoden in Österreich unter http://www.boja.at/wissen/offene-jugendarbeit/ und im Dokument des Jugendministeriums "Außerschulische Kinder- und Jugendarbeit in Österreich. Ein Überblick. (2015)", S. 13 https://www.jugendarbeitinoesterreich.at/sites/default/files/files/ausserschulische_kinder-_und_jugendarbeit_in_oesterreich.pdf)

bOJA (Bundesweites Netzwerk Offene Jugendarbeit) ist das Kompetenzzentrum für Offene Jugendarbeit in Österreich. Der Verein ist Service- beziehungsweise Vernetzungsstelle sowie Fachstelle für die Qualitätsweiterentwicklung im Bereich Offene Jugendarbeit.

Link
www.noeja.at/images/JUTZ-NETZ/noeja-grundlagen-2014-endfassung.pdf - Grundlagen und Rahmenbedingungen für professionelle Jugendzentren in Niederösterreich. NÖJA. Amstetten, 2014

http://www.boja.at/wissen/offene-jugendarbeit/ - 1. Bericht Offene Jugendarbeit in Österreich 2016

http://www.boja.at/wissen/offene-jugendarbeit/jugendliche-in-der-offenen-jugendarbeit/ - Studie "Jugendliche in der Offenen Jugendarbeit Wien" (10/2016)

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Jugendinformation

Strukturen der Jugendinformation

Die Österreichischen Jugendinformationsstellen (Jugendinfos) bieten mit insgesamt 28 Stellen in allen Bundesländern ein flächendeckendes Beratungs-, Informations- und Orientierungsangebot. Es richtet sich vor allem an junge Menschen zwischen 12 und 26 Jahren. Außerdem gehören Eltern oder Erziehungsberechtigte, Familienangehörige, Lehrer/-innen, Jugendarbeiter/-innen und alle anderen, die an Jugendthemen interessiert sind, zu den Zielgruppen.

Die Österreichischen Jugendinfos bearbeiten jährlich rund 180 000 (2017) Anfragen. Außerdem bieten sie eine Vielfalt an Informationen, die online und offline zur Verfügung stehen. Die Online-Angebote der Jugendinfos werden jährlich von rund 1,5 Millionen Besucher/-innen genutzt.

Seit 2004 besteht der Verein Bundesnetzwerk Österreichische Jugendinfos als nationaler Zusammenschluss der Jugendinformationsstellen in Österreich. 

Link
www.jugendportal.at - Österreichisches Jugendportal mit Links zu jugendrelevanten Themen für in Österreich lebende Jugendliche zwischen 12 und 26 Jahren

Internationale Kooperationen

Das Bundesnetzwerk Österreichische Jugendinfos ist die österreichische Vertretung der Jugendinformation in den folgenden Netzwerken:

Der Verband Jugendpresse Österreich ist Mitglied im europäischen Netzwerk European Youth Press, einem Dachverband junger Journalistinnen und Journalisten unter 30.

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"Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen - AT" auf einen Blick.

Informationen zur Jugendpolitik in Österreich finden Sie auch im YOUTH WIKI der Europäischen Kommission.

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