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Jugendverbandsarbeit

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Das polnische Jugendverbandswesen, besonders auf nichtstaatlicher Ebene, hat seit 1989 eine äußerst dynamische Entwicklung genommen. Dadurch ist die Anzahl der Vereinigungen und Stiftungen deutlich gestiegen.

Entstanden sind viele formelle und informelle Organe, die sich zum Beispiel als städtischer Jugendrat, als Jugendparlament oder als Jugendforum der Wojewodschaft organisieren.

Viele Organisationen und Vereine entstanden und entstehen aus spontanen Initiativen und meist auf regionaler oder kommunaler Ebene. Sie engagieren sich vor allem im Bereich der Hilfe und Selbsthilfe für Kinder, Jugendliche und kranke Kinder. Auch die katholische Kirche engagiert sich im Bereich der Familiensozial- und der Jugendarbeit.

2015 waren in Polen rund 20 000 Stiftungen und 106 000 Verbände registriert. Nichtregierungsorganisationen sind am aktivsten in den Bereichen:

  • Sport, Tourismus, Erholung und Hobby (34 %): bieten sportliche Aktivitäten, Organisation von Freizeitveranstaltungen, Pflege von Sportanlagen,
  • Bildung und Erziehung (15 %): Durchführung von Interessensgruppen für Kinder und Jugendliche, Organisation von Kursen und Schulungen für Erwachsene, Laufschulen,
  • Kultur und Kunst (13 %): Festivals, Festivals, kulturelle Bildung, Aktionen zur Unterstützung der regionalen Tradition,
  • Soziale Dienste und soziale Hilfe (8 %): Hilfe für Behinderte und Arme, Unterstützung für große Familien und Süchtige,
  • Gesundheitsschutz (8,2 %): Gesundheitsförderung, Gesundheitserziehung, Laufrehabilitationszentren,
  • lokale Entwicklung (6 %): Animation von lokalen Gemeinschaften, Nachbarschaftsaktivitäten, Entwicklung ländlicher Gebiete.

Überregionale Jugendverbände

Schon zu sozialistischen Zeiten entstand der Polnische Pfadfinderverband (Związek Harcerstwa Polskiego), mit 200 000 Mitgliedern stärkster Pfadfinderverband in Polen. Seit 1996 ist er wieder Mitglied in der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung. Nach 1989 entstanden ist der Pfadfinderverband der Republik (Związek Harcerstwa Rzeczypospolitej).

Der Bund der Landjugend (ZMW - Związek Młodzieży Wiejskiej) ist einer der ältesten und größten Jugendverbände Polens. Auf seiner Internetseite bietet er viele Informationen, Links und Foren zu Europa.

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Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Polen ist von seiner Geschichte und Tradition sehr katholisch geprägt. Über 90 Prozent der Polen rechnen sich zur Katholischen Kirche zugehörig. Es sind gibt auch einige protestantische Kirchen, die Jugendarbeit anbieten.

Das weitaus größte Spektrum bietet allerdings die katholische Kirche, die auch vom Staat besonders gefördert und unterstützt wird (worunter oft die kleinen protestantischen Kirchen leiden).

Verhältnis zwischen Staat und Kirche 
Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche unterscheidet sich in Polen sehr von den laizistisch geprägten Ländern. Die Einflüsse der katholischen Kirche reichen in der Politik bis in die höchsten Positionen hinein, Kirchenvertreter genießen eine privilegierte Stellung im Staat. Gerade nach dem Wahlsieg der nationalkonservativen Partei PIS im Dezember 2005 unter Lech Kacynski scheint das Band zwischen Staat und katholischer Kirche noch enger geknüpft zu sein, die kleinen protestantischen Religionsgemeinschaften drohen hierbei ins Abseits gedrängt zu werden.

Situation während und nach dem Kommunismus 
Die kommunistische Partei versuchte meist erfolglos, die Religion aus dem Staat zu verdrängen, obwohl zahlreiche Priester, Ordensleute, Bischöfe und Kardinäle unter massiven Druck gesetzt wurden. Die volkskirchliche Tradition in Polen war so stark, dass der Staatsapparat trotz eines engen Netzes von Bespitzelungen und Geheimdiensten gegen die Bevölkerungsmasse machtlos war, große Wallfahrten (z.B. Tschenstochau) konnten ebenso wenig verhindert werden wie Versuche, neue „Städte ohne Gott und Kirche“ (z.B. Arbeiterstadt „Nowa Huta“) zu bauen. Spätestens mit der Wahl des Krakauer Erzbischofs Karol Wojtyla am 16. Oktober 1978 zum Papst Johannes Paul II. hat die Bevölkerung den nötigen Rückhalt, um für ihre religiösen Recht zu kämpfen und später sogar den politischen Umsturz herbeizuführen.

Verbände, Gruppen und Bewegungen 
Die katholische Jugendarbeit verfügt aber über fast keine nationalen Strukturen und Dachorganisationen, die vielen einzelnen Verbände und geistlich-charismatischen Bewegungen sind eigenständig organisiert und nur mit sporadischer Vernetzung. Dies hängt auch mit der langen volkskirchlichen Tradition in Polen zusammen. Das Herzstück der polnischen katholischen Jugendarbeit sind weiterhin die Pfarreien, wo Pfarrer und Kapläne ohne verbandliche Strukturen Aktivitäten, Katechesen und Gruppenstunden für Jugendliche organisieren. Über diese Pfarreien hinaus gibt es in der Jugendarbeit keine festen Strukturen. Davon profitieren in erster Linie die zahlreichen geistlichen Bewegungen, die sich während des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. eines immer größeren Zuspruches erfreuten (z.B. Fokolar-Bewegung, Schönstatt, Neokatechumenat etc.) und regelmäßige überregionale Treffen organisieren.

Die katholische Jugendarbeit in Polen kann man grob in drei Bereiche unterteilen:

  • die OASE-Bewegung:

In der OASE-Bewegung engagieren sich etwa 66 000 Jugendliche. Die biblisch-liturgischen Programme der OASE-Bewegung richten sich vor allem an Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Neben den Sommerlagern treffen sich auf Pfarrgemeindeebene einmal pro Woche die einzelnen Jugendgruppen mit ihrem Animator (meist einem Priester). Die OASE-Bewegung erreicht mit ihren Programmen vor allem viele Gymnasialschüler.

  • die Studentenseelsorge:

In der Studentenseelsorge sind in Polen in den Universitätsstädten über 250 Seelsorger tätig und in einem Kollegium der Studentenseelsorger zusammengefasst. Neben ihrer seelsorgerischen Tätigkeit engagieren sich viele Priester auch in der Lehre: so halten sie Vorlesungen zu Themen wie katholische Soziallehre, Ethik und Kirchengeschichte. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Studentenverbänden, von der Vereinigung „Friede und Gutes“ bis hin zu stark religiös geprägten Verbänden wie „Totus Tuus“ oder „Emmaus“. Ein Überblick über alle Studentenverbindungen gibt die Broschüre „Jugendverbände in Polen“, herausgegeben von IJAB (Bonn, 1992; vergriffen).

  •  die verschiedenen Verbände und geistlichen Bewegungen:

Während die OASE-Bewegung für die geistliche Formation der Jugendlichen zuständig ist, agiert der Katholische Jugendverband KSM (Katolickie Stowarzyszenia Młodzieży) als Jugendverband vor allem im sozial-karitativen und politischen Bereich und umfasst eine größere Alterszielgruppe. Dem KSM gehören insgesamt etwa 20.000 Mitglieder im Alter zwischen 16 und 30 Jahren an, die in rund 1200 Pfarrgemeindegruppen tätig sind. Der KSM versteht sich als nach außen offene Gemeinschaft und organisiert z. B. Zeltlager für behinderte Jugendliche oder kulturelle Veranstaltungen (Jugenddiskotheken ohne Alkohol). Er hat den Status einer juristischen Person, kann aber nicht als polnischer Dachverband angesehen werden, sondern ist vielmehr ein besonders mitgliedsstarker polnischer katholischer Jugendverband. Der KSM ist vor allem in Ost- und Südpolen besonders stark vertreten, weniger stark hingegen im Norden und Westen von Polen. Die Basisgruppen arbeiten entweder in einer Schule oder Pfarrei. Die Koordinierung der Arbeit der Basisgruppen erfolgt durch den Diözesanvorstand mit dem Organisationsvorstand (Krajowej Rady KSM). Etwa 10 Gruppen werden auf Kreisebene zu einem Dekanat zusammengefasst. Der Nationalvorstand besteht aus den Vorsitzenden der Diözesanverbände (in Polen gibt es insgesamt 34 Diözesen). Alle zwei Jahre wird ein Präsidium vom Nationalrat gewählt.

Weiterhin eng mit der katholischen Kirche verbunden ist die polnische Pfadfinderorganisation Zwiazek Harcerstwa Rzeczypospolitej (ZHR), die sich nach der politischen Wende neu ausgerichtet hat und zu den traditionellen christlichen Werten des Scoutings zurückkehrte. Das ZHR besteht heute aus 13 eigenständigen Bezirken und hat eine Dachbehörde, die so genannte Naczelnictwo ZHR. Deren Vorsitzender vertritt die polnischen Pfadfinder auch im Ausland.

Symptomatisch und dennoch ein polnisches Beispiel für die neuen geistlichen Bewegungen ist die so genannte Lednica-Bewegung, die 1997 durch das Engagement des Dominikanerpaters Jan Góra OP entstanden ist. Jedes Jahr an Pfingsten treffen sich in Lednica unter dem Symbol des Fisches (der an die Taufe erinnern soll) mehrere Hunderttausende Jugendliche, um gemeinsam das Pfingstfest zu begehen. Die Lednica-Bewegung zeigt viele typische Merkmale für die polnische katholische Jugendarbeit auf: In Polen kann man ohne größere Schwierigkeiten viele junge Menschen für die Kirche mobilisieren und große überregionale Treffen organisieren.

Für die Bildungsarbeit der katholischen Jugendlichen gibt es seit 1993 den Verein der christlichen Bildungswerke (Stowarzyszenie Chrześcijańskich Dzieł Wychowania - SChDW). Der Hauptarbeitsbereich dieses Vereins ist die Organisation von Fortbildungsprogrammen, die sich an Jugendliche und ihre Erzieher/-innen, Lehrkräfte und Eltern richten. Sie behandeln aktuelle Probleme und Fragen wie das Engagement der Jugendlichen im gesellschaftlichen Leben, die europäische Integration, den kritischen Umgang mit Massenmedien, die Suchtproblematik, Gefahren von Seiten der Sekten usw. und leistet damit einen wichtigen Bereich zur Bildung der katholischen Jugend. Der SChDW verfügt über mehrere Bildungszentren in Polen und arbeitet mit der AKSB (Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke) zusammen und unterhält auch Kontakte ins Ausland.

Die Jugendkommission des Polnischen Ökumenischen Rats (Polska rada ekumeniczna, PRE) ist ein Organ des Rats, das sich mit Problemen der Lebensweise von Jugendlichen in sieben im PRE zusammengefassten Kirchen befasst. Sie organisiert die ökumenischen Aktivitäten der Jugendlichen, wie Workshops für Jugendleader, ökumenische Ferienlager und Zusammenkünfte, Jugendgottesdienste in der Gebetswoche für die Einheit der Christen und andere Jugendgottesdienste. Außerdem arbeitet die Kommission mit der Evangelischen Kirche von Hessen-Nassau zusammen, nimmt selbst Delegierte auf und entsendet eigene nach Deutschland. Die Kommission ist auch Mitglied des Ökumenischen Jugendrats in Europa (EYCE), der zahlreiche Seminare für ökumenische Jugendleader organisiert.

Austausch und Partnerschaftskontakte
Um gute deutsch-polnische Kontakte in der katholischen Jugendarbeit bemüht sich seit vielen Jahren die „Aktion West-Ost“, ein dem Bund der Deutschen Kathlischen Jugend (BDKJ) angegliederter Dachverband für die vier katholischen Jugendverbände Adalbertus-Jugend, Gemeinschaft Junges Ermland, Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde und Junge Grafschaft. Alle Jugendverbände sind nach dem Zweiten Weltkrieg von Vertriebenen als Versöhnungsinitiative gegründet worden. Der Dachverband „Aktion West-Ost“ organisiert regelmäßig deutsch-polnische Jugendbegegnungen wie Bildungsveranstaltungen und hat für Multiplikator(inn)en im deutsch-polnischen Austausch ein breites Angebot an Material und Hilfeleistungen. Mit polnischen Partnern werden auch Fortbildungen und Schulungen für ehrenamtlich tätige Jugendliche in der deutsch-polnischen Jugendarbeit durchgeführt.

Links
www.kosciol.pl - Ökumenischer Informationsdienst (auf Polnisch)
www.ekd.de/Informations-und-Kontaktstelle-Osteuropa-IKOE-22782.htm  - Länderinformationen Polen (kirchliche Partnerbeziehungen) und weitere, Herausgeber: Informations- und Kontaktstelle Osteuropa (IKOE) der Evangelischen Kirche in Deutschland, 2018.

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Jugendinformation

Strukturen der Jugendinformation

Eine nationale Koordination der Jugendinformation in Polen besteht nicht, auch wenn dies in der nationalen Jugendstrategie so vorgesehen ist.

Auf regionaler und lokaler Ebene bestehen Informations- und Beratungszentren, die an Kulturzentren oder Schulen angebunden sind. Viele von ihnen fungieren teilweise auch als Dezentralen des europäischen Informations- und Beratungsnetzwerks Eurodesk. Einige davon haben sich auf die Beratung zu europäischen Fonds und zum Thema Arbeit und Berufsorientierung spezialisiert, jedoch nicht nur speziell für Jugendliche, zum Beispiel das Gminne Centrum Informacji z/s w Ołdrzychowicach Kłodzkich.

In vielen der rund 15 000 polnischen Mittel- und weiterführenden Schulen gibt es Berufsberater/-innen (2012: rund 1055 Fachkräfte). Angestrebt wird die flächendeckende Ansiedlung professioneller Berufsberatung an allen diesen Schulen.

Studierende erhalten Berufsberatung in den Beratungszentren (Biura Karier), die es an den meisten polnischen Universitäten und Hochschulen gibt.
(Quelle: Information Sheet "Participation of young people. Poland" im EKCYP, Stand 15.12.2011)

Internationale Kooperationen

Seit November 1998 wirkt Polen im Europäischen Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk mit und ist seit April 2003 bei der Stiftung für die Entwicklung des Bildungssystems (Fundacja Rozwoju Systemu Edukacji) angesiedelt. Die Stiftung koordiniert alle Bildungs- und Mobilitätsprogramme der Europäischen Union.

Die europäische Jugendinformations- und -beratungsagentur ERYICA (European Youth Information and Counselling Agency) hat zurzeit keine Mitgliedsorganisation in Polen.

Der Verband Young Journalists' Association ist Mitglied im europäischen Netzwerk European Youth Press, einem Dachverband junger Journalistinnen und Journalisten unter 30.

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