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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Kinder Hände
Kinder HändeBild: falco / pixabay.com

Schweden war und ist ein Land mit einer, gemessen an der Gesamtbevölkerung, relativ hohen Zuwanderung. Die Menschen kamen und kommen aus den unterschiedlichsten Gründen, seit den Neunziger Jahren vor allem aus den konfliktgeplagten Regionen wie Somalia, Iran, Irak, Kosovo, Bosnien und dem Libanon, aber inzwischen auch aus den neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union wie Polen. In einigen Regionen Schwedens, zum Beispiel Malmö, liegt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund beziehungsweise der im Ausland geborenen Personen inzwischen bei 50 %. Die Zuwanderungsrate lag (2005) in der Gruppe der 0- bis 34-Jährigen mit einem Anteil von 46 851 Personen wesentlich höher als bei den einwandernden Personen ab 35 Jahren (18 378). Ähnlich sieht es bei den Personen aus, die um Asyl ersuchen. Bei den Kindern und Jugendlichen bis 34 ist die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen jeweils die zahlenmäßig stärkste Gruppe, gefolgt von der Gruppe der 21- bis 24-Jährigen, danach die 0- bis 3-Jährigen.
(Quelle: www.scb.se/templates/Publikation____162450.asp, Zugriff 10.5.07)

Die schwedische Regierung setzt bei der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (barn och ungdomar med invandrarbakgrund) insbesondere auf den Bereich Bildung und die Sprachförderung. Dazu wurde auch eine Nationale Bildungsstrategie (Nationell strategi för utbildning av nyanlända barn och ungdomar) entwickelt. Kinder, die zu Hause eine andere Muttersprache als Schwedisch sprechen, haben ein Recht auf Förderung der Muttersprache bzw. auf die Förderung der Zweisprachigkeit. Kinder von Asyl suchenden Eltern dürfen sowohl die Vorschuleinrichtungen als auch die Grund- und weiterführenden Schulen besuchen. 

Weitere Informationen (auf Schwedisch) zum Thema 'Integration von Kindern und Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln im Bereich Bildung' auf der Website von Skolverket, der Nationalen Bildungsbehörde: http://www.skolverket.se/skolutveckling/larande/nyanlandas-larande

Mit Blick auf die Einbindung der Roma, insbesondere Frauen und Kinder, in die schwedische Gesellschaft hat Schweden 2012 eine Nationale Strategie zur Einbindung der Roma verabschiedet. Diese ist bis 2032 angelegt. Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Bildung, Arbeit, Wohnraum, Gesundheit, soziale Betreuung und Sicherheit, Kultur und Sprache sowie Zivilgesellschaft. 

Die Behörde für Jugend und Fragen der Zivilgesellschaft (Myndigheten för ungdoms- och civilsamhällesfrågor, MUCF) ist für die Verteilung von Mittel für Maßnahmen zur Förderung der Integration und gegen Diskriminierung zuständig.

Der Assyrische Jugendverband (Assyriska Ungdomsförbundet i Sverige, AUF) ist eine parteipolitisch und religiös unabhängige Organisation, die sich um die Bewahrung der assyrischen Sprache, die Erhaltung der assyrischen Kultur und die Integration der assyrischen Jugend in die schwedische Gesellschaft bemüht. 

Mehrere Verbände der Kurdischen Jugend Schwedens setzen sich ein: 
- für die Integration der kurdischen Jugend in die schwedische Gesellschaft, 
- gegen den Missbrauch von Drogen, Alkohol und Glückspiel und dem Schutz der kurdischen Jugend vor diesen Einflüssen, 
- für den Einsatz von Verbandsmitgliedern in Friedens- und Antirassismusgruppen und -organisationen und gegen Diskriminierung. 
- kurdische Jugendliche zu Hochschulstudien zu ermutigen,
- bei kurdischen Jugendlichen das Interesse Musik, Tanz und Sport zu wecken und an entsprechenden Kurse teilzunehmen,
- für die Organisation von Sommerlagern und Ausflügen für kurdische Jugendliche,
- für Demokratiearbeit,
- den Zusammenschluss kurdischer Jugendverbände und -vereine in Schweden.

Weitere Jugendverbände von Migrantenjugendlichen beziehungsweise Minderheiten, die sich um die Integration von Jugendlichen in die schwedische Gesellschaft bemühen, sind:
- der Serbische Jugendverband (Serbiska Ungdomsförbundet i Sverige),
- der Jugendverband der Roma (Romska Ungdomsförbundet),
- der Türkische Jugendverband (Turkiska Ungdomsförbundet).

Das Migrationswerk Schweden (Migrationsverket) fördert Projekte für und mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Die Martin-und-Birgit-Östlingers-Stiftung (Martin och Birgit Östlingers Stiftelse) richtet sich an Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sowohl Einzelpersonen als auch Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund können hier Fördergelder beantragen.

Links
www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/57839/schweden - Dossier 'Migration' Schweden der Bundeszentrale für politische Bildung
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

Inklusion

Am 15. Dezember 2008 ratifizierte Schweden die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Die nationale Politik zum Thema 'Behinderung' wird vom Ministerium für Gesundheit und Soziales koordiniert. Im Juni 2011 hat die Regierung eine Fünf-Jahres-Strategie zur Behindertenpolitik verabschiedet. Diese basiert teilweise auf der UN-BRK.Sie umfasst neun Schwerpunkte, in denen es Änderungen und Verbesserungen geben soll:

  • Arbeitsmarktpolitik,
  • Sozialpolitik,
  • Bildungspolitik,
  • Transportwesen,
  • IT-Politik,
  • Mehr technische Zugänge,
  • Rechtssystem,
  • Öffentliche Gesundheitspolitik,
  • Kultur, Medien und Sport

Behindertenpolitik ist in Schweden ein sektorübergreifender Politikbereich. Koordiniert wird dieser auf nationaler Ebene vom Ministerium für Gesundheit und Soziales. Bisher gibt es in Schweden keine umfassende Definition, die 'Behinderung' erläutert. Nach offiziellen Schätzungen gibt es in Schweden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen, die eine Behinderung in unterschiedlichem Umfang haben. Schätzungsweise 350 000 Personen nehmen sich selbst als Menschen mit Behinderungen wahr.

Seit 2008 gilt das Gesetz gegen Diskriminierung, unter anderem auch von Menschen mit Behinderungen. Zum 1. Januar 2009 wurde die Ombudsstelle zum Thema Diskriminierung (Diskrimineringsombudsmannen) eingerichtet. Hier wurden die bisher vier bestehenden Ombudsstellen, die im Bereich Diskriminierung aktiv waren, zusammengeführt. Auch der Kinderombudsmann (Barnombudsmannen) vertritt die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. 

Als nationale Vertretung der Interessen von Menschen mit Behinderungen, die diese auch auf europäischer Ebene vertritt, gilt der Behindertenverband (Handikappförbunden).

Link
www.ungdomsstyrelsen.se/unga-med-funktionsnedsattning-har-samre-forutsattningar
- Bericht über die Lebensrealität junger Menschen mit Behinderung in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Beteiligung, Gesundheit, Kultur, Freizeit, Vereinsleben (auf Schwedisch)
http://sweden.se/society/swedens-disability-policy/#start - Informationen zum Thema 'Behindertenpolitik' in Schweden
https://www.european-agency.org/country-information/sweden/national-overview/development-of-inclusion - Überblick zum Entwicklungsstand beim Thema Inklusion in Schweden (Stand Juni 2013)

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

In Schweden gibt es keine so stark ausgebildeten nationalen Strukturen im Bereich der Jugendsozialarbeit wie in der Bundesrepublik Deutschland, die Arbeit ist überwiegend kommunal angesiedelt. Die Organe der lokalen Selbstverwaltung treffen viele Entscheidungen, die sich auf den Zugang von jungen Menschen zu Sozialleistungen und Befugnissen auswirken. Die sozialen Dienste (Socialtjänsten) sind für die praktische Umsetzung von Maßnahmen im sozialen Bereich zuständig. 
(Quelle: Lena Hallengren (2005): Gestaltung einer neuen Jugendpolitik in Schweden, In: Forum 21, Europäische Zeitschrift für Jugendpolitik, Heft 4)

Schweden ist Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zum schwedischen Büro unter www.barnombudsmannen.se

Die Vereinigung für schwedische Jugendzentren (Föreningen för Sveriges Ungdomsmottagningar, FSUM) wurde 1988 gegründet und ist ein Zusammenschluss der Jugendzentren in Schweden. Das Hauptziel der Jugendzentren ist die Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit sowie die Unterstützung junger Leute in der Entwicklung ihrer Identität und den Umgang mit der eigenen Sexualität und Verhütung. Mehr Info: www.fsum.org/eng/policyen.pdf

Die Organisation Kinderrechte in der Gesellschaft (Barnens Rätt I Samhället, BRIS) betreibt ein Kindernotruftelefon. Die meisten Beschwerden drehen sich um die Themen Nötigung (Bullying), Familienkonflikte, Liebe und Partnerschaftsprobleme, sexuelle Entwicklung und Schwangerschaft, körperlicher und sexueller Missbrauch.

Sozialpädagogisch begleitete Betreuung wie das Jugendwohnen besteht vereinzelt wie zum Beispiel durch das Älgeredskollektiv. Das Älgeredskollektiv befasst sich vorwiegend mit Jungen und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren, die
- verhaltensgestört sind und den Abbruch destruktiver Lebensmuster erleben müssen,
- Schulverweigerer sind und denen die Möglichkeit des Abschlusses der Grundschule (9. Klasse) geboten werden muss,
- Missbrauch und /oder Straftaten begangen haben bzw. sich in einer Risikozone befinden.

Weiterführende Links
www.utg.goteborg.se – Website des Projekts „Jung & Sicher in Göteborg“ (Ung & Trygg i Göteborg) gegen das Abrutschen von Jugendlichen ins kriminelle Bandenmilieu
www.sposit.se - Website mit Betreuungs- und Pflegeangeboten in Schweden

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