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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

2004 beinhaltete der spanische Jugendbericht erstmals einen eigenen Bereich (Bereich VI) über junge Migrant(inn)en in Spanien. Die „Migrantenjugend“ wurde Anfang 2000 zu einem Begriff. Zuvor existierten junge Ausländer(innen) als „ausländische Studierende“ oder als „(junge) ausländische Arbeitnehmer(innen)“, wurden aber nicht entsprechend ihrer doppelten Eigenschaft als „jung“ und „Migrant(in)“ definiert. Anders traten die jugendlichen Migrant(inn)en aber als Gemeinschaft nicht in Erscheinung. Erst jetzt beginnen auch andere Dimensionen jugendlicher Migrant(inn)en sichtbar zu werden: Sie sind nicht länger nur an Schule, Universität oder im Arbeitsleben zu finden. Es sind Jugendliche,

  • die sich niedergelassen und Familien gegründet haben, 
  • deren Kinder in Spanien geboren wurden, 
  • die sich mit Gesundheitsproblemen befassen müssen, 
  • Freizeiteinrichtungen aufsuchen und am Wochenende ausgehen, 
  • die sich zum Ausüben von Gemeinschaftssportarten zusammentun, 
  • im Konflikt ihrer Identitäten Auseinandersetzungen haben, 
  • aus dem Konsum einen bevorzugten Raum ihrer Sozialisation machen und andere. 

Dies alles ist Ausdruck davon, dass sich innerhalb des “Einwanderungslandes Spanien” eine „Migrantenjugend“ mitheranbildet (vergleiche Cachón, Inmigrantes jóvenes en España. Sistema educativo y mercado de trabajo. Madrid, INJUVE, 2003b).

Statistischen Angaben zufolge waren 2010 vond en insgesamt 8 443 086 15- bis 29-Jährigen 1 556 077 Jugendliche mit ausländischen Wurzeln. Die meisten kamen aus Rumänien (18,1 %), Marokko (13,9 %), Ecuador (7,9 %), Kolumbien (5,7 %), Bolivien (4,6 %), China (2,9 %), Bulgarien und Brasilien (je 2,8 %), Italien (2,7 %) und Peru (2,4 %). Quelle: Observatorio de la Juventud en España (2011). Juventud en cifras. Población. Zugriff am 5.6.13. http://www.injuve.es/sites/default/files/JCifras-1Poblacion-Ene2011.pdf

Ende 2009 hat sich das Netzwerk Juvenreda (Red para la juventud inmigrante) gegründet. Ziel ist die Förderung der sozialen Beteiligung von jungen Migrant(inn)en. Gründerorganisationen sind neben dem Spanischen Jugendrat CJE: Asociación para la Cooperación en el Sur (ACSUR/Las Segovias), Asociación América-España, Solidaridad y Cooperación (AESCO), Asociación Juventud Inmigrante (AJI ATIME), Asociación pro derechos humanos de España (APDHE), Asociación AYNI De Codesarrollo, Área Federal De Izquierda Unida, Confederación Estatal de Asociaciones de Estudiantes (CANAE), Comisión Española de Ayuda al Refugiado (CEAR), Comisiones Obreras (CCOO) Juventud, Federación De Asociaciones De Peruanos, Federación Concordia, Federación estatal de asociaciones de inmigrantes y refugiados en España (Ferine), Asociación Cultural IBN BATUTA, Movimiento por la Paz (MPDL), Red Acoge, Red Europea contra el Racismo (ENAR), Asociación Rumiñahui, SOS Racismo, Unión de Juventudes Comunistas de España (UJCE) y Unión Sindical Obrera (USO).

Spanien hat den Strategieplan 'Staatsbürgerschaft und Integration (Ciudadanía e Integración) 2011 neu aufgelegt. Der Plan ist bis 2014 angelegt. Bezogen auf die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind insbesondere folgende Handlungsfelder relevant:

  • die Förderung der Entwicklung der Kompetenzen von Eltern und Stärkung des Elterngefühls vor dem Hintergrund von Diversitätund Anderssein
  • der Abbau von sozialer Ausgrenzung und Armutsfaktoren
  • die Förderung von Kinder- und Jugendbeteiligung 
  • die Förderung des Zugangs zu Kinder- und Jugendprogrammen 

Beiträge zum Thema Migrantenjugend in Spanien von:
- Lorenzo Cachón: Einwanderungsland Spanien und die Entstehung einer Migrantenjugend 
- Francisco García-Calabrés Cobo: Die Betreuung von Migrant(inn)en nach Spanien durch die Zivilgesellschaft. Das Beispiel von Córdoba Acoge. Erfolgreiche Praktiken und innovative Konzepte in der Jugendarbeit mit jungen Migrant(inn)en in Spanien

Links
www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/57887/spanien - Dossier 'Migration' Spanien der Bundeszentrale für politische Bildung
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

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Inklusion

Dem Bericht 'Kinder mit Behinderungen' der Unicef zufolge lebten 2013 in Spanien etwa 140 000 minderjährige Personen mit Behinderungen. Im Zusammenhang mit der Verabschiedung eines Programmplans 'Behinderung' im September 2014 sprach die Sozialministerin Ana Mato von rund 4 Millionen Spanierinnen und Spaniern, die in irgendeiner Form von Behinderung betroffen sind. Für die Umsetzung werden 3,093 Millionen € bereitgestellt. Das meiste Geld geht in die Beschäftigungförderung. Der Plan umfasst auch Maßnahmen zur Förderung von Jugendlichen, die ihre Ausbildung außeruniversität fortsetzen und Unterstützung benötigen.

Noch bevor Spanien die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Mai 2008 ratifiziert hat, war das Thema des Umgangs mit Menschen mit Behinderungen bereits in der spanischen Gesetzgebung verankert. Wichtige Meilensteine sind hier die Verankerung der Gleichstellung aller Bürger/-innen im Artikel 9 der Verfassung sowie das Prinzip der Gleichheit aller vor dem Gesetz und das Verbot von Diskriminierung, auch im Zusammenhang mit Behinderung, im Artikel 14. 1982 wurde das Gesetz über die soziale Integration behinderter Menschen verabschiedet. 2003 ging dieses in dem neuen Gesetz über die gleichen Möglichkeiten, die Gleichbehandlung und die allgemeine Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen auf.

2012 hat Spanien eine nationale Strategie zum Umgang mit Behinderungen (La Estrategia española sobre Discapacidad 2012-2020) verabschiedet. Ziel ist es, die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen durchzusetzen und die Entwicklung der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit von Menschen mit und ohne Behinderungen zu fördern. Schwerpunkte liegen vor allem auf der Beschäftigungsförderung, der Bekämpfung von Armut und des Schulabbruchs. Im September 2014 wurde ein Aktionsplan 2014-2016 verabschiedet. Siehe oben.

Der sogenannte II PENIA-PLAN (II Plan Estratégico Nacional de Infancia y Adolescencia) - der nationale Strategieplan für Kinder und Jugend - wurde vom Ministerrat im April 2013 für den Zeitraum 2013 bis 2016 verabschiedet. Er beinhaltet insbesondere auch den Schutz vor Ausgrenzung und die soziale Einbindung von Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen, darunter auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Das Thema 'Inklusive Bildung' ist auch in den Fokus gerückt.

Das sogenannte Büro zur Beachtung des Themas Behinderung (Oficina de Atención a la Discapacidad, OADIS) ist damit beauftragt, die Chancengleichheit, die Nicht-Diskriminierung und den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu fördern. Die Einrichtung ist dem Nationalen Behindertenrat (Consejo Nacional de la Discapacidad) und damit dem Ministerium für Gesundheit, Soziale Dienste und Gleichstellung (Ministerio de Sanidad, Servicios Sociales e Igualdad, MSSSI) unterstellt.

In Spanien gibt es zudem eine Vielzahl von Interessensvertretungen von Menschen mit Behinderungen. Dazu gehören:

  • Comité Español de Representantes de Personas con Discapacidad (CERMI) mit dem dort angesiedelten RID (Red Estatal de Infancia con Discapacidad)
  • Organización Nacional de Ciegos de España, ONCE
  • Confederación Española de Familias de Personas Sordas, FIAPAS
  • Federación Española de Asociaciones de Padres de Autistas, FES-PAU
  • Confederación Española de Organizaciones a favor de las Personas con Discapacidad Intelectual, FEAPS
  • Confederación Estatal de Personas Sordas, CNSE
  • Confederación Española de Federaciones y Asociaciones de Atención a las Personas con Parálisis Cerebral y Afines, ASPACE
  • Federación Española de Instituciones para el Síndrome de Down (DOWN ESPAÑA)
    Confederación de Asociaciones de Padres Protectoras de Personas con Autismo del Estado Español, Autismo España
  • Confederación Española de Personas con Discapacidad Física y Orgánica, COCEMFE
  • Confederación Española de Agrupaciones de Familiares y Personas con Enfermedad Mental (FEAFES)
  • Fundación Iberoamericana DOWN 21

Links
www.unicef.es/sites/www.unicef.es/files/libro_02_web.pdf - Bericht der Unicef zur Situation von Kindern mit Behinderungen in Spanien, 2013
www.eurofound.europa.eu/publications/htmlfiles/ef11355.htm - Bericht der European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound) zur aktiven Inklusion junger Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Problemen in Spanien, 2012
http://cermiandalucia.es/home/item/111-volumen-37-los-menores-con-discapacidad-en-espa%C3%B1a-ciap-uned.html - Bericht der Universidad Nacional de Educación a Distancia (UNED)/CIAP zu Minderjährigen mit Behinderungen in Spanien, 2008
www.injuve.es/observatorio/demografia-e-informacion-general/jovenes-con-discapacidad-en-espana-2016 - Bericht von INJUVE und CERMI (Spanisches Komitee zur Vertretung von Personen mit Behinderungen), 2017

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Das Jugendinstitut INJUVE unterhält Maßnahmen und Kampagnen mit einem sozialen Hintergrund in den Bereichen Prävention, Gesundheitskontrolle und -verständnis für die jugendliche Bevölkerung. Es hält ebenso Informationsmaterial für Jugendliche zu Themen wie Gesundheit, Verkehr, Gewaltprävention, soziale Integration, Familie und andere bereit. Seit 2000 führt das Jugendinstitut jährlich den Wettbewerb zur Förderung einer gesunden Lebensweise Salud Activa durch.

Außerdem setzt INJUVE das Projekt Módulo Joven durch. Das ist eine Initiative zur Reintegration von jungen Strafgefangenen zwischen 21 und 34 Jahren in die Gesellschaft durch Bildung.

Die spanischen autonomen Gemeinschaften Katalonien und Galizien sind Vollmitglieder, Andalusien ist assoziiertes Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zu den spanischen Büros unter
www.defensor-and.es (Andalusien)
www.sindic.cat/infants (Katalonien)
www.valedordopobo.com (Galizien)

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