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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Seit den 1990er Jahren hat sich die Tschechische Republik von einem durch Auswanderung geprägten Land zu einem Einwanderungsland gewandelt. Betrug der Anteil der in Tschechien lebenden Ausländer/-innen mit ständiger Aufenthaltserlaubnis 1993 0,5 % so waren es 2009 bereits 4,1 %. Unter den mittelosteuropäischen Staaten weist Tschechien damit eine der höchsten Einwanderungsquoten auf. Die meisten Migrant(inn)en kommen aus wirtschaftlichen Gründen nach Tschechien. Der größte Anteil stammt aus der Slowakei, weitere wichtige Herkunftsländer sind die Ukraine, Vietnam, Polen und Russland.

Auf die sich ändernde Einwanderungssituation reagierte die tschechische Regierung mit einer Anpassung ihrer Migration- und Integrationspolitik. So gibt es seit dem Jahr 2000 ein Konzept für die Integration von Migrant(inn)en auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Es bildet die Grundlage für verschiedene Integrationsprogramme der tschechischen Regierung.

Beispiele für Integrationsprogramme mit der speziellen Zielgruppe Kinder und Jugendliche:

  • Im Rahmen eines 2006 gestarteten Pilotprogramms wurde ein Netz von Zentren für die Integration von Minderheiten (St?edisek integrace menšin - SIM) gegründet. Die Zentren boten Beratung für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Familien sowie für pädagogische Mitarbeiter/-innen an. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit war die Tätigkeit der Mitarbeitenden vor Ort – in den Schulen und Familien. Das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt lief mehr als zwei Jahre und wurde nicht verlängert. Allerdings knüpft ein 2009 gestartetes Projekt an die Erfahrungen und Ergebnisse des Vorgängerprojektes an. Dieses Projekt hat zum Ziel, über ein Netz von Zentren zur Unterstützung der inklusiven Bildung (Centra podpory inkluzivního vzd?lávání - CPIV) an ausgewählten Schulen den Zugang von benachteiligten Schüler(inne)n zur Bildung zu fördern.
  • 2009 legte das Ministerium für Arbeit und Soziales (Ministerstvo práce a sociálních v?cí – MPSV) ein Förderprogramm zur Integration von in Tschechien lebenden Migrant(inn)en auf. Ein Teil des Programms richtet sich speziell an Kinder und Frauen. Unter anderem werden darüber Freizeitaktivitäten und Nachhilfeangebote für Kinder mit Migrationshintergrund gefördert. – Weitere Informationen auf der Webseite des Ministeriums (auf Tschechisch). 

Im schulischen Bereich garantiert das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy – MŠMT) Kindern und Jugendlichen mit Flüchtlings- oder Asylstatus das Recht auf einen Schulbesuch. Zur besseren Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in das Bildungssystem werden verschiedene Projekte durchgeführt, welche insbesondere die Behebung von Sprachbarrieren und die Förderung von jungen Migrant(inn)en zum Ziel haben – unter Berücksichtigung der kulturellen, ethnischen und religiösen Unterschiede der Kinder und Jugendlichen. Dabei umfassen die Projekte auch außerschulische Aktivitäten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die tschechische Praxis, Kinder allein wegen ihrer Herkunft auf Förderschulen zu schicken, 2007 verurteilt. Die tschechische Regierung reagierte darauf mit einem Förderprogramm mit dem Ziel, junge Roma besser in das Bildungssystem zu integrieren. Unter anderem soll dadurch die Zahl der Roma-Kinder in Vorschuleinrichtungen und in Vorbereitungskursen für die Mittelschule erhöht werden.

Quellen:

  • IDEA: Migration Trends in Poland, Hungary and the Czech Republic. Similarities and Differences, 2009. Download.
  • Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy): The Integration of Aliens.
  • Tschechisches Statistikamt: Population changes - year 2009, Prag 2010. Download.
  • Amnesty International: Injustice Renamed. Discrimination in Education of Roma persists in the Czech Republic, London 2010. Download.
  • Romea.cz - Artikel Na podporu romských žák? p?idá MŠMT desítky milion?? über finanzielle Unterstützung durch das Bildungsministerium für die Förderung von Kindern der Roma. Zugriff 11.6.13. 

Link
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

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Inklusion

2009 ratifizierte Tschechien die UN-Behindertenrechtskonvention. 2010 wurde ein Nationaler Plan zur Schaffung der Gleichstellung für Menschen mit Behinderungen 2010-2014 von der Regierung verabschiedet. Dort wird der Begriff 'Behinderung' als eine langfristig oder permanent zum Nachteil gereichende Gesundheitsbedingung dargestellt, die nicht wirklich durch Behandlung verbessert oder beseitigt werden kann. Der Nationale Plan schließt auch Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung von Kindern mit Behinderungen ein, unter anderem im schulischen Bereich, im Gesundheitssektor und in der kulturellen Bildung.

Der Schutz von Menschen mit Behinderungen ist auch durch nationale Gesetze garantiert, wie das Antidiskriminierungsgesetz vom April 2008.

Die koordinierende Einrichtung für die Belange von Menschen mit Behinderungen ist das Ministerium für Arbeit und Soziales (Ministerstvopráce práce a sociálních v?cí ?R).

Als nationale Vertretung der Interessen von Menschen mit Behinderungen, das diese auch auf europäischer Ebene vertritt, gilt der Nationale Rat der Menschen mit Behinderungen (Národní rada osob se zdravotním postižením ?R, NRZP).

Links
www.disability-europe.net/countries/czech-republic - Website des Academic Network of European Disability experts (ANED) mit weiterführenden Informationen zur Situation von Menschen mit Behinderungen in Tschechien
www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a808-Entschaedigungsrecht-eu-usa-japan.pdf?__blob=publicationFile - Bericht des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Politik für Menschen mit Behinderungen, unter anderem in der EU, 2011

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Jugendsozialarbeit wurde in der Tschechischen Republik lange Zeit größtenteils nicht als Präventionshilfe betrachtet, sondern als Hilfe für bereits auffällige Jugendliche mit Präventionselementen.

In den letzten Jahren entstand jedoch eine Vielzahl von niedrigschwelligen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche (Nízkoprahové za?ízení pro d?ti a mládež - NZDM), auch als niedrigschwellige Klubs bekannt, in denen Kinder und Jugendliche Hilfe und Beratung finden oder auch nur ihre Freizeit verbringen können. Die Freizeitangebote sind vielfältig und reichen von Tischtennis und Musikhören über Kletterwände und den Verleih von Sportausrüstung bis hin zu Proberäumen für junge Musiker/-innen. Die Angebote sind kostenlos. In jedem Klub gelten Regeln, die unter anderem Alkoholkonsum, Drogen, Gewalt und Schikane verbieten. Bei den Mitarbeiter(inne)n handelt es sich um sozialpädagogisch qualifizierte Fachkräfte.

Neben den niedrigschwelligen Klubs gibt es weitere Angebote für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen, die auf Beratung und Hilfe ausgerichtet sind. Dazu zählen

  • die aufsuchende Sozialarbeit, um zum Beispiel Straßenkinder zu erreichen;
  • Kontaktzentren, an die sich Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern wenden können;
  • Krisenzentren und Telefonhotlines für Kinder und Jugendliche in Not;
  • Dienste zur frühen Intervention, die sich an die gesamte Familie richten und Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitsmaßnahmen umfassen. Ziel ist es, die Eltern soweit zu unterstützen, dass ihre Kinder in einem angemessenen Lebensumfeld aufwachsen können.

Ein staatliches Programm namens „Haus auf halben Wege“ (D?m na p?l cesty; Englisch: halfway house oder recovery house) bietet jungen Menschen bis 26 Jahren, die bis zu ihrer Volljährigkeit in staatlicher Inobhutnahme waren, für eine Übergangsphase eine Unterkunft. Daneben erhalten die Bewohner/-innen unter anderem Unterstützung beim Aufbau von Kontakten und bei der Vertretung ihrer Rechte und Interessen.

Die sozialen Dienste für Kinder und Jugendliche werden sowohl von staatlichen als auch von nichtstaatlichen Trägern angeboten. Einen Überblick über Träger und Einrichtungen niedrigschwelliger Angebote bietet das Portal streetwork.cz (Kurzversion auf Deutsch). Auf staatlicher Seite sind das Ministerium für Arbeit und soziale Angelegenheiten (Ministerstvo práce a sociálních v?cí – MPSV) sowie die entsprechenden Stellen bei den Städten, Gemeinden und Regionen für die sozialen Angebote verantwortlich.

Auf nichtstaatlicher Seite sind verschiedene Organisationen und Stiftungen in dem Bereich tätig. Hier finden Sie eine kleine Auswahl:

  • Die Unterorganisationen von Charitas Tschechien (Charita ?eská republika - CH?R) unterhalten unter anderem an verschiedenen Standorten niedrigschwellige Klubs für Kinder und Jugendliche, „Häuser auf halben Wege“, Krisentelefone sowie so genannte Outreach-Programme für verschiedene Zielgruppen, darunter Jugendliche und junge Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen. – Weitere Informationen auf der Webseite von Charitas Tschechien (Kurzversion auf Englisch).
  • Die Diakonie der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (Diakonie ?eskobratrské církve evangelické) stellt soziale Dienste für Kinder und Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen bereit. Unter anderem unterhält sie drei Kinder- und Jugendclubs, vier Unterkünfte für Mütter mit Kindern in Krisensituationen sowie zwei Unterkünfte speziell für obdachlose Jugendliche. – Weitere Informationen auf der Webseite der Diakonie (auf Deutsch).
  • Die Stiftung Unser Kind (Nadace Naše dít?): Die 1993 gegründete Stiftung setzte sich für die Einrichtung und den Unterhalt eines landesweiten Kindernotrufs und einer Ausreißer-Hotline ein. Später kamen eine Hotline zur Rechtsberatung beim Kinder- und Jugendschutz und eine Internet-Hotline zur Meldung von Kinderrechtsverletzungen im Internet hinzu. – Weitere Informationen auf der Webseite der Stiftung (Kurzversion auf Englisch).
  • Die Tschechische Vereinigung für Streetwork (?eská asociace streetwork - ?AS) ist ein Berufsverband von Fachkräften und Anbietern von niedrigschwelligen sozialen Diensten. ?AS setzt sich unter anderem für die Entwicklung und die Verbesserung der Qualität der Streetwork-Arbeit ein. – Weitere Informationen auf der Webseite des Verbandes (Kurzversion auf Deutsch). 

Eine besondere Zielgruppe bilden Kinder und Jugendliche der Roma-Minderheit. Verschiedene Organisationen haben sich auf die Arbeit mit Roma spezialisiert mit dem Ziel, die Lebens- und Ausbildungsbedingungen für Roma-Kinder und -Jugendliche zu verbessern und deren Integration in die tschechische Mehrheitsgesellschaft zu fördern. Zu diesen Organisationen gehören unter anderem:

  • DROM, das Roma-Zentrum (Romské st?edisko) in Brno, bietet Freizeitaktivitäten, soziale und rechtliche Beratung und unterstützt Kinder und Jugendliche bei ihrer Ausbildung. - Weitere Informationen auf der Webseite von DROM (auf Englisch).
  • Der Nadace Open Society Fund Praha (Open Society Fund Prag) ist Teil des weltweiten Soros Foundation Netzwerks, welches sich für eine freie Gesellschaft einsetzt. Die Stiftung unterstützt Roma-Jugendliche unter anderem durch Stipendien und fördert deren berufliche Ausbildung. Darüber hinaus unterstützt sie außerschulische Aktivitäten für die Zielgruppe. - Weitere Informationen auf der Webseite der Organisation (auf Englisch).
  • Nová škola (Neue Schule) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Chancengleichheit von Roma einsetzt. Einen besonderen Arbeitsschwerpunkt bildet die Verbesserung der Bildungschancen von Roma-Kindern. Zu den Projekten zählen beispielsweise literarische und künstlerische Wettbewerbe in Grundschulen und vielfältige Förderangebote für Schüler/-innen. - Weitere Informationen auf der Webseite von Nová škola (auf Tschechisch).
  • Ob?anské sdružení Khetane-Spolu (Bürgervereinigung Khetane-Zusammen) ist eine gemeinnützige Organisationen, die durch künstlerische und handwerkliche Aktivitäten den Kontakt zwischen Roma- und Nicht-Roma-Kindern fördert. Teil der Aktivitäten ist die Einführung in die Geschichte der Roma-Kultur.

Eine Liste mit weiteren Organisationen und Stiftungen, die mit Roma arbeiten, findet sich unter http://archiv.radio.cz/romove/nadace.html (auf Tschechisch).

In der Tschechischen Republik gibt es bislang keine eigene Ombudsperson für Kinderrechte, die die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention überwacht und als Ansprechpartnerin für Beschwerden bei Kinderrechtsverletzungen fungiert. Der tschechische Minister für Menschenrechte hat die Schaffung einer solchen Stelle bis Ende 2017 angekündigt. Derzeit gibt es die Position einer allgemeinen Ombudsperson für die Verteidigung der Rechte der Bürger/-innen, die sich auch um die Belange von Kindern kümmert.

Auf lokaler Ebene gibt es bei den Gemeinden angestellte Kurator(inn)en für Jugendliche. Dabei handelt es sich um Expert(inn)en, die im Bereich des sozial-rechtlichen Schutzes und der Vorbeugung von Verhaltensstörungen tätig sind. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie deren Eltern. Die Kurator(inn)en für Jugendliche arbeiten mit der Polizei, Schulen, anderen staatlichen Einrichtungen, Bürgerinitiativen und Verbänden zusammen.

Quellen:

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