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Jugendverbandsarbeit

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit  

Nach der Wende 1990 entstanden in Tschechien innerhalb des ersten Halbjahres Dutzende von Kinder- und Jugendvereinigungen. Unter diesen waren auch viele Kinder- und Jugendverbände, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg bestanden hatten und nach langer Unterbrechung ihre Arbeit wieder aufnahmen.

Dazu zählten zum Beispiel der tschechische Pfadfinderbund Junák, die Young Men’s Christian Association (YMCA) und die Liga der Waldweisheit (Liga lesní moudrosti). 

Nach der Samtenen Revolution und der Gründung der Tschechischen Republik führte der Demokratisierungsprozess zunächst zu einer starken Pluralisierung der Jugendverbandsszene. Dies führte zu einem verstärkten Wettbewerb unter den Jugendorganisationen. Erst nach und nach mündete dieser in eine Zusammenarbeit, vor allem wenn es um Jugendpolitik und Verhandlungen mit der Regierung ging. 

Trotzdem konnte man in Tschechien lange Zeit nicht von einer wirksamen Jugendvertretung sprechen, da die Beteiligung an politischen Prozessen auf eine kleine Anzahl großer Jugendorganisationen und Jugendplattformen begrenzt war. Gleichzeitig gab es eine Vielzahl von konkurrierenden Dachverbänden, was vor allem die Vertretung auf europäischer Ebene erschwerte. Dies hat sich in den letzten Jahren zum Positiven verändert und mündete im Frühjahr 2010 in die Aufnahme des Tschechischen Kinder- und Jugendrats in das Europäische Jugendforum (siehe auch Kapitel Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte). Bis heute ist die außerschulische Jugendarbeit in Tschechien aber weniger organisiert und strukturiert als in Deutschland. Schätzungen gehen davon aus, dass in Tschechien weniger als 10 % der Kinder und Jugendlichen Mitglied eines Jugendverbandes sind.

Bei den Jugendverbänden in Tschechien ist es üblich, für ihre Mitglieder Sommerlager zu organisieren. Fast jedes tschechisches Kind verbringt einen Teil der Sommerferien (zwei bis drei Wochen) in einem Ferienlager. Geschlafen wird in Zelten oder Hütten, tagsüber gibt es ein Freizeitprogramm. Besonders beliebt sind Wanderlager, bei denen eine Gruppe für eine längere Zeit (meistens eine Woche) mit Rucksäcken unterwegs ist - zu Fuß, mit dem Boot oder dem Fahrrad.

Quelle: Ditta Dolejšiová: European Youth policies and their effects on the Czech and Slovak republics, in: Europarat (Hrsg.): Revisiting youth political participation. Challenges for research an democratic practice in Europe, Straßburg 2005, S. 111-120.

Überregionale Jugendverbände

Zu den größten Jugendverbänden in der Tschechischen Republik zählen folgende Organisationen:

  • Vereinigung der Jugendwandergruppen A-TOM (Asociace turistických oddílu mládeže) organisiert Outdoor-Aktivitäten für Kinder und Jugendliche. Neben Wanderungen und Zeltlagern zählen unter anderem Expeditionen im In- und Ausland und Bergsteigen dazu. Nach eigenen Angaben hat der Verband landesweit rund 9000 Mitglieder.
  • Regenbogen - Verein für Kinder und Jugendliche für Freizeit, Natur und Spaß (Duha
  • Bund der Pfadfinder und Pfadfinderinnen (Junák - svaz skaut? a skautek) ist mit geschätzten 50 000 Mitgliedern mit Abstand der größte Jugendverband in Tschechien. Seine Aktivitäten umfassen eine breite Palette von Bereichen wie Sport, Wissenschaft, Technik, Kultur und Wohltätigkeitsprojekte.
  • Pionier (Pionýr) ist ein Jugendverband, der Aktivitäten im Bereich der non-formalen Bildung anbietet und Freizeitaktivitäten organisiert. Der Verband fördert demokratische Verhaltensweisen sowie Toleranz und Vielfalt. 
  • Christlicher Verein Junger Menschen YMCA (K?es?anské sdružení mladých lidí) hat sich die harmonische Entwicklung junger Menschen zum Ziel gesetzt. Der Verband ist offen für alle Menschen ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Religion, sozialem Status oder körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Laut eigenen Angaben (Dezember 2016) hat der YMCA in Tschechien rund 3700 Mitglieder.
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Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

In der Tschechischen Republik ist in der konfessionellen Jugendarbeit vor allem die katholische Seite dominierend, da sie in einem Land, in dem 70 % der Bevölkerung ohne Konfession sind, mit etwa 25 % die größte Religionsgemeinschaft stellt.

Die verbleibenden 5 % werden von der Altkatholischen Kirche, unterschiedlichen evangelischen Kirchen, wie der Neuhussitischen Kirche oder der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, sowie der Baptistischen Union der Tschechischen Republik eingenommen.

In Tschechien sind Kirche und Staat strikt getrennt, die Religionsgemeinschaften erfahren nur selten Unterstützung seitens des Staates. In der Zeit des Kommunismus wurden die christlichen Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften diskriminiert und Gläubige konnten ihren Glauben nur eingeschränkt ausüben. Nach der Wende 1990 entstanden neue Organisationen und Verbände und der Kontakt der Gläubigen untereinander wurde intensiver. Der von den Bischöfen erhoffte große Aufschwung der Glaubensgemeinschaften blieb allerdings aus. Der Großteil der tschechischen Gesellschaft bekennt sich weiterhin zum Atheismus, in manchen Landesteilen gehören über 80 % der Bewohner/-innen keiner Glaubensgemeinschaft an. Religionsunterricht wird in der Regel nur an kirchlichen Schulen gelehrt. Die Beziehungen zwischen Staat und Kirche sind nicht immer ungetrübt.

Die Jugendarbeit der katholischen Kirche ist Teil der Arbeit der tschechischen Bischofskonferenz. Diese gilt de facto als unabhängig, ist aber in der Praxis personell wie inhaltlich sehr eng mit der charismatischen Fokolar-Bewegung verbunden, die auch einen Großteil der kirchlichen Begegnungszentren unterhält. Die Mitarbeit dort erfolgt nicht auf verbandlicher, sondern persönlicher Grundlage. Pfarreiübergreifende Jugendarbeit findet aufgrund der wenigen Katholiken überwiegend auf Diözesanebene statt. Die Struktur der Jugendverbandsarbeit reicht anders als in Deutschland nicht bis in die Pfarrgemeinden hinein. Die Aktivitäten vor Ort werden häufig spontan organisiert. Die Qualität der Jugendarbeit ist nicht selten vom Engagement des Pfarrers bzw. der Pastoralassistent(inn)en abhängig. 

Um nach der Wende möglichst schnell ein effektives Netz von engagierten Gruppen in den Diözesen aufzubauen, wurde 1990 die Jugendsektion der Tschechischen Bischofskonferenz (Sekce pro mládež ?eské biskupské konference) gegründet. Sie koordiniert die Diözesanen Jugendzentren (Diecézní centrum mládeže - DCM) und die (kleineren) Diözesanzentren des Lebens der Jugend (Diecézní centrum života mládeže - DCŽM). Die Diözesanen Jugendzentren haben vom Bischof den Auftrag, die Jugendseelsorge in der Diözese auf möglichst breiter Ebene umzusetzen. Dazu gehört die Ausbildung von Jugendgruppenleiter(inne)n genauso wie die Fortbildung der Geistlichen für Aufgaben der Jugendseelsorge. Häufig werden auch Exerzitien, Kinderferienlager und Ähnliches organisiert.

Die jungen Gläubigen selbst treffen sich auf Diözesan- oder nationaler Ebene in so genannten Jugendforen, um ihre Ansichten zu zentralen Kirchenfragen zu formulieren und sie mit den Bischöfen zu diskutieren. Die im Jahr 2001 entstandene Internetseite signály.cz dient hierfür als zentrales Kommunikationsmittel.

Einmal jährlich lädt die Jugendsektion alle in der christlichen Jugendarbeit Aktiven zu einer Konferenz ein. Zudem ist sie im Jugendrat des nationalen Ökumenischen Kirchenrates vertreten und beteiligt sich an ökumenischen Jugendprojekten und -aktivitäten (Konzerte von Jugendbands, Exerzitien, karitatives Engagement etc.). Darüber hinaus arbeitet die Jugendsektion eng mit der Jugendabteilung des Päpstlichen Rates für Laien zusammen, entsendet Vertreter/-innen zu internationalen Konferenzen und beteiligt sich an der Vorbereitung der Weltjugendtage. 

Neben der katholischen Kirche spielen folgende Glaubensgemeinschaften in der Jugendarbeit Tschechiens eine bedeutendere Rolle:

  • Salesianer Don Boscos (Salesiáni Dona Boska – SBD): Die Arbeit der Salesianer begann in Tschechien bereits 1924. Schwerpunktmäßig betreiben sie in Tschechien zehn Jugendzentren, mehrere Pastoral- und Sozialzentren, eine weiterführende Schule und zwei Medienzentren, in denen vor allem benachteiligte Kinder und Jugendliche betreut und gefördert werden.
  • Die Salesianische Jugendbewegung (Salesiánského hnutí mládeže - SHD) ist eine gemeinnützige Jugendorganisation, die aus der Lehre von Jan Bosco hervorging und deren Arbeitschwerpunkt die Förderung von Kindern und Jugendlichen bildet. Die Organisation unterhält in verschiedenen tschechischen Städten Jugendklubs, die Programme und Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche anbieten. 
  • Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (?eskobratrská církev evangelická - ?CE) entstand 1918 durch die Verbindung reformierter und lutherischer Gemeinden in der damaligen Tschechoslowakei und zählt heute rund 120 000 Mitglieder. Sie betreibt aktive Jugendarbeit. Die meisten Aktivitäten finden auf gesamtkirchlicher und auf regionaler Ebene statt, insbesondere in den Regionen Prag, Hochland und Mähren. 
  • Die Altkatholische Kirche (Starokatolická církev) bietet ebenfalls Programme für junge Leute an. 
  • Die Apostolische Kirche (Apoštolské Církve) in Tschechien hat etwa 7000 Mitglieder. Ihre Jugendorganisation heißt Jugend der Apostolischen Kirche (Odbor Mládeže Apoštolské Církve - OMAK). Des Weiteren gibt es die Royal Rangers (Royal Rangers v ?R), eine weitere Organisation unter dem Dach der Apostolischen Kirche. Sie organisiert unter anderem Zeltlager für Kinder und Jugendliche.
  • Die Tschechische Union jüdischer Jugend (?eská unie židovské mládeže - ?UZM) ist die einzige jüdische Jugendorganisation in der Tschechischen Republik. Mit einem Programm, das von der Feier jüdischer Festtage über Seminare und Diskussionen bis hin zu kulturellen und sportlichen Aktivitäten reicht, versucht der Verband, die jüdische Identität unter Kindern und Jugendlichen in Tschechien zu fördern. 

Informationen über Aktivitäten und Angebote der muslimischen Jugend in der Tschechischen Republik können über das Forum of European Muslim Youth and Student Organisations (FEMYSO), das Forum der europäischen muslimischen Jugend- und Studierendenorganisationen, recherchiert werden.

Weitere Kirchen in der Tschechien Republik:

  • Brüderunität der Baptisten (Bratrská jednota baptist?), www.baptist.cz 
  • Evangelische Kirche A.B. in der Tschechischen Republik (Evangelická církev a.v. v ?R), www.ecav.cz 
  • Evangelisch-Methodistische Kirche (Evangelická církev metodistická), www.umc.cz 
  • Schlesische Evangelische Kirche A.B. (Evangelická - Slezská církev evangelická a. v.), www.sceav.cz 
  • Tschechoslowakische Hussitische Kirche (Církev ?eskoslovenská - C?SH), www.ccsh.cz 

Quelle: Alois K?iš?an: Eine junge Kirche bricht auf, in: Miteinander - Spole?n?. Arbeitshilfe für deutsch-tschechische Jugendbegegnungen. P?íru?ka k ?esko-n?meckým vým?nám mládeže, Düsseldorf 2000.

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Offene Jugendarbeit

In Tschechien gibt es eine mehr als 40-jährige Tradition von Jugendfreizeitzentren (St?edisko volného ?asu - SV?) beziehungsweise Kinder- und Jugendhäusern (Domy d?tí a mládeže - DDM), von denen es in jedem Kreis mindestens eines gibt.

 

 

Es handelt sich um selbstverwaltete Einrichtungen, die über qualifiziertes Fachpersonal und oft auch über einen großen Kreis von ehrenamtlichen Mitarbeitenden verfügen. Die Zentren bilden ein in sich geschlossenes Netz, welches von einem eigenen Ressort des Ministeriums für Schulwesen, Jugend und Sport verwaltet wird. Träger der meisten Freizeitzentren ist das Ressort für Schulwesen, in anderen Fällen die jeweilige Gemeinde oder Kirchengemeinde. Die Zentren stehen allen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 7 und 18 Jahren offen. Sie bieten verschiedenste Aktivitäten an. Dazu zählen unter anderem

  • ein regelmäßiges Angebot von Arbeitsgruppen und Kursen,
  • die gelegentliche Durchführung von Veranstaltungen in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport,
  • die systematische Arbeit mit begabten Kindern und Jugendlichen,
  • Angebote für die Feriengestaltung wie zum Beispiel Ferienlager und Ausflüge,
  • fachliche und methodische Hilfe sowie Beratung vor allem für Schulen und schulische Einrichtungen, für Bürgervereinigungen (ob?anské sdružení), also den anerkannten Trägern der Kinder- und Jugendarbeit und weitere Interessierte.

Analog zu diesen Freizeitzentren gibt es Schulklubs (Školní kluby), die den jeweiligen Schulen angegliedert sind. Außerhalb der Unterrichtszeiten bieten sie in den Schulräumen unter fachkundiger Leitung durch Lehrkräfte Kurse und Arbeitsgruppen für Schüler/-innen an. Ein ähnliches Freizeitangebot bieten die Schulhorte (Školní družiny) für Schüler/-innen in Grundschulen. Bei beiden Einrichtungen zahlen die Schüler/-innen symbolische Beiträge für die Teilnahme.

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Jugendinformation

Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche

Das Nationale Jugendinformationszentrum (Národní informa?ní centrum pro mládež - NICM) ist beim Nationalen Bildungsinstitut (NUV) angesiedelt, welches wiederum direkt dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy – MŠMT) unterstellt ist.

Das NICM war das erste Jugendinformationszentrum (Informa?ní centrum pro mládež) in der Tschechischen Republik. Es wurde 1992 gegründet. Grundidee war es, alle Informationen, Informationsprodukte, Beratungsdienste und allgemeinen Dienste für Kinder und Jugendliche an einem Ort zu konzentrieren. 

Aufgaben 
Wichtigste Aufgabe des NICM ist die Verbreitung relevanter Informationen für Kinder und Jugendliche. Eine sekundäre Zielgruppe bilden Schulen, Schuleinrichtungen, Eltern, Lehrer/-innen, ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen sowie Organisationen und Institutionen, die Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche organisieren. Darüber hinaus berät und unterstützt es regionale und lokale Jugendinformationszentren in methodischen und fachlichen Fragen. 

Fast jede Region in Tschechien verfügt über mindestens ein Jugendinformationszentrum. Eine vollständige Liste der ICM in der Tschechischen Republik findet sich auf der Webseite des NICM NIDM. Die Jugendinformationszentren stellen einheitlich Informationen zu folgenden Themenfeldern zur Verfügung:

  • Bildung in der Tschechischen Republik/Bildung im Ausland
  • Arbeiten in der Tschechischen Republik/Arbeiten im Ausland
  • Reisen in der Tschechischen Republik/Reisen im Ausland
  • Freizeit
  • Gesundheit
  • Ökologie
  • Sozial-pathologische Erscheinungen
  • Soziale Gruppen und Gruppierungen
  • Bürger und Staat
  • Jugend in EU

Internationale Kooperationen

Die Tschechische Republik ist Mitglied des europäischen Informationsnetzwerkes Eurodesk, das Jugendliche in allen EU-Mitgliedsstaaten zu Auslandsaufenthalten berät. In der Tschechischen Republik ist Eurodesk Tschechien beim Zentrum für internationale Zusammenarbeit (D?m zahrani?ní spolupráce, DZS) angesiedelt und verfügt über 30 lokale Kooperationspartner.

Tschechien ist auch Mitglied bei der European Youth Information and Counselling Agency (ERYICA), dem Zusammenschluss der Jugendinformationsangebote auf europäischer Ebene. Die Vertretung bei ERYICA übernimmt das Nationale Bildungsinstitut NUV.

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