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Bildung und Beschäftigung

Bildung 
Beschäftigung

Bildung

Gemäß Artikel 42 des Grundgesetzes ist Bildung in der Türkei kostenlos und laut Gesetz für Schul- und Ausbildung besteht für die Grundschule Schulpflicht.

Für Kinder im Alter zwischen 10 bis 14 Jahren, die nie oder nur selten zur Schule gegangen sind, wurde das „Programm für Unterricht in Förderklassen“ gestartet, das diesen Kindern ermöglichen soll, ihre Schulbildung mit Gleichaltrigen fortzusetzen.

Neben Fördermaßnahmen im Bildungsbereich leistet das Generaldirektorat für Soziale Dienste (SYGM Sosyal Yardimlar Genel Müdürlüğü) im Rahmen der „bedingten Bildungshilfe“ auch kostenlos Unterstützung für Kinder aus bedürftigen Familien, damit alle uneingeschränkten Zugang zu primären Bildungsmaßnahmen haben. In diesem Zusammenhang erhalten bedürftige Familien eine monatliche Bildungsbeihilfe unter der Bedingung, dass sie ihre Kinder regelmäßig zur Schule schicken. Um den Anteil von Mädchen bei der Einschulung und in weiterführenden Schulen zu erhöhen, wurde die Beihilfe höher angesetzt.

Weitere Informationen zum Bildungssystem in der Türkei unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen EURYPEDIA.

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Beschäftigung

Die Türkei verfügt im Vergleich zu den europäischen Ländern über den höchsten Anteil von Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung.
Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 18,7 % deutlich höher als die gesamtgesellschaftliche Arbeitslosenquote in der Türkei. 

Der größte Mangel im Erziehungssystem der Türkei liegt darin, nicht genügend Arbeitskräfte entsprechend den wirtschaftlichen Bedingungen ausbilden zu können. Vom Lehrkräftemangel bis zum Fehlen von Geräten und Ausrüstung ist das Bildungssystem mit vielen Problemen konfrontiert. In diesem Zusammenhang besteht ein wesentliches Manko darin, dass Praktika - die wichtigste Maßnahme, um junge Menschen mit der Arbeitswelt in Berührung zu bringen - nicht in effektiver Weise durchgeführt werden können. Ausbildungsprogramme für Fachkräfte sind häufig nicht an den Bedürfnissen der Arbeitswelt orientiert. Die Diplome und Dokumente, die den Absolvent(inn)en solcher Programme ausgehändigt werden, belegen deren Kenntnisse und Fähigkeiten nur ungenügend.

Das Institut für Professionelle Kompetenzen (Mesleki Yeterlilik Kurumu MYK) hat damit begonnen, ein nationales Qualifikationssystem (UYS) zu etablieren, das sicherstellen soll, dass zwischen Ausbildung und Beschäftigung eine direkte Verbindung geschaffen wird, dass die beruflichen und technischen Ausbildungsprogramme entsprechend dem Bedarf des Arbeitsmarkts strukturiert und dass das Wissen und die Fertigkeiten der Personen auf einem international zu vergleichenden Niveau anerkannt werden.

Um die Beschäftigungsquote von Frauen und Jugendlichen zu erhöhen, wurden seit 2008 eine Reihe gesetzlicher Bestimmungen verabschiedet. Im Rahmen des Arbeitsgesetzes Nummer 5763 und des Gesetzes Nummer 6111 entstanden Anreize bei den Versicherungsprämien für Arbeitgeber/-innen, die Frauen und Jugendliche einstellen. Dies konnte jedoch nicht zu der erwarteten Erhöhung des Beschäftigungsanteils von Frauen und Jugendlichen und zu gesicherten Arbeitsverhältnissen dieser Gruppen beigetragen.
(Quelle: http://www.uis.gov.tr/Media/Books/UIS-tr.pdf)

Gemeinsam unterzeichnete Protokolle zwischen beruflichen Gymnasien und Arbeitgeber(inne)n sollen Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben unterstützen. So können sie in einem echten Betriebsklima ausgebildet werden, in dem Materialien und Werkzeuge zur Verfügung stehen, die die Schule nicht bieten kann. Weiterhin ist mit diesen Protokollen beabsichtigt, den Jugendlichen eine praktische berufliche Ausbildung am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Damit wird auch die Möglichkeit geschaffen, dass die Jugendlichen nach Abschluss ihrer Ausbildung von dem Betrieb übernommen werden.

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Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit 
Sport 

Gesundheit

Seit 2008 genießen alle Personen unter 18 Jahren in der Türkei den allgemeinen Krankenversicherungsschutz. Darüber hinaus werden noch weitere Gesundheitsdienste sowie verschiedene soziale Hilfen angeboten, um das Wohlergehen von Kindern zu fördern.

Wichtige Probleme bestehen insbesondere bei Rehabilitationsangeboten für Drogenabhängige, in der beschränkten Anzahl von Programmen für psychische Krankheiten, in der ungenügenden Anzahl von Aufklärungsprogrammen über Sexualität und bei der Gefährdung der Gesundheit aufgrund von Eheschließungen im Jugendalter und von frühen Schwangerschaften.

Die Behandlung von Drogenabhängigen übernehmen in der Türkei staatliche und private Krankenhäuser. Weil die Anzahl der Therapieeinrichtungen in der Türkei ungenügend ist, gibt es bei der Behandlung zahlreiche Engpässe.

Die Fürsorge und Pflegedienste des Ministeriums für Familie und Sozialpolitik sowie das Generaldirektorat für Kinderhilfe basieren auf der Grundlage, dass Kinder in ihrem familiären Umfeld bleiben und dort unterstützt werden sollen. Im Rahmen des Projektes „Rückkehr in die Familie“ hat man gemäß dem Prinzip „die Pflege in der Familie hat Vorrang“ damit begonnen, Kinder in Einrichtungen mittels sozialer und wirtschaftlicher Unterstützung wieder ihren Familien zuzuführen und sie an der Seite ihrer Familien oder Angehörigen zu fördern.

Für Kinder, die Opfer von Missbrauch sind und die unter Fürsorge stehen, sind pflegerische und soziale Rehabilitationszentren zuständig. Auch für Kinder, die in die Kriminalität abgleiten und die ebenfalls unter Fürsorge stehen, gibt es Betreuungs- und Rehabilitationszentren. Um Missbrauch von Kindern vorzubeugen und um missbrauchten Kindern fachkundig und wirkungsvoll zu helfen, wurden in Krankenhäusern und in anderen Einrichtungen, die dem Gesundheitsministerium unterstehen, Kinderschutzzentren eingerichtet, damit umgehend sowohl juristische wie auch medizinische Maßnahmen von qualifizierten Fachkräften vorgenommen werden können. Damit will man vor allem Kinder, die sexuell missbraucht wurden, davor schützen, dass sie durch mehrmalige Untersuchungen seitens verschiedener Instanzen noch stärker belastet werden.

Für Einrichtungen, die für elternlose Kinder Fürsorgedienste anbieten, wurden verpflichtende Mindeststandards festgelegt. Diese sind Ergebnis des Programms „Ausarbeitung von Mindeststandards für Kinder ohne elterliche Pflege“. Es wurde im Rahmen des Projekts „Zuerst die Kinder: Konstruktive Amtsführung, Schutz und Gerechtigkeit für Kinder in der Türkei“  (2005-2008) erstellt, unter der Koordination der Institution für Kinderschutz und Soziale Dienste (Sosyal Hizmetler ve Çocuk Esirgeme Kurumunun SHÇEK) und in Zusammenarbeit des türkischen Staates mit UNICEF. Als Fortsetzung dieses Projekts wurde unter dem Motto „Zuerst die Kinder – einen Schritt weiter“ das Dokument über Mindeststandards neu überarbeitet und auf Einrichtungen des Jugendamtes, die behinderte Kinder betreuen, ausgeweitet.

Es untersteht dem Ministerium für Familie und Sozialpolitik, Kindern ohne Familienangehörigen, sei es vorrübergehend oder ständig, Pflege- und Fürsorgedienste zu unterbreiten und die Standards für diese Dienstleistungen festzulegen.

Von dem Amt für Informationstechnologie und Kommunikation wurde eine Maßnahme unter dem Namen „Sicheres Internet“ eingeleitet, damit Kinder über das Internet auf sichere Weise Informationen erhalten können, aber auch vor schädigenden Inhalten geschützt werden. Dieses Angebot ist kostenlos über das Internet zu erreichen.

Die Gegebenheiten und Mittel für Kinder an sportlichen, kulturellen und künstlerischen Angeboten und an Erholungs- oder Vergnügungsaktivitäten teilnehmen zu können, sind ungenügend. Es ist festzustellen, dass die örtlichen Verwaltungen ihre Aufgaben in diesem Bereich nur unzureichend erfüllen.

Die Jugendzentren, die dem Ministerium für Jugend und Sport unterstehen, bieten soziale, kulturelle, künstlerische und sportliche Aktivitäten an. Vergleicht man jedoch die Zahlen der jugendlichen Mitglieder von Jugendzentren mit den Zahlen des jungen Bevölkerungsanteils in der Türkei, so ist festzustellen, dass ein großer Teil nicht von diesen Jugendzentren profitiert. Es besteht die Notwendigkeit, die Dienstleistungen für Jugendliche neu zu strukturieren, die Zahl der Jugendzentren zu erhöhen und die Qualität der Angebote und Aktivitäten dieser Jugendzentren auszubauen.

Das Ministerium für Jugend und Sport organisiert kostenlose Camps in der Natur und am Meer, die geschlechtergetrennt veranstaltet werden.

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Sport

Sport ist auch in der Türkei eines der Lieblingsthemen und eine der Lieblingsbeschäftigungen der Mehrheit der Jugendlichen.
Die populärste Sportart in der Türkei ist Fußball und er stellt eines der wichtigsten Themen der Tagesordnung des Landes dar, was sich im Fernsehen und Sportzeitungen widerspiegelt. Nach Fußball sind Basketball und Volleyball weitere beliebte Sportarten unter den Jugendlichen.

In Artikel 59 des Grundgesetzes unter der Überschrift „Förderung des Sports“ steht: „Der Staat hat Maßnahmen zu ergreifen, die die körperliche und seelische Gesundheit der türkischen Staatsbürger/-innen in jedem Alter fördern, und er hat zur Verbreitung des Sports unter der Bevölkerung beizutragen. Der Staat hat erfolgreiche Sportler/-innen zu protegieren.“
Die Bestimmung zeigt die Bedeutung, die in der Türkei dem Sport zugewiesen wird. Der Staat fördert den Sport als öffentliche Dienstleistung und baut große Sportanlagen; auch Investitionen in diesem Bereich werden zu einem beachtlichen Teil von Staatsseite getätigt.

Im „Dokument zu einer Nationalen Jugend- und Sportpolitik“, erstellt vom Ministerium für Jugend und Sport, sind u.a. folgende Maßnahmen aufgeführt:

Administrative Maßnahmen

  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen den für den Sport relevanten Einrichtungen und Institutionen
  • Unterstützung des Sports in den Kommunen
  • Aufbau von Sportverbänden
  • Bau von Sportanlagen
  • Effektive Nutzung der Medien bei der Entwicklung und Verbreitung des Sports

Sportkultur und Sport für jede/n

  • Entwicklung und Verbreitung des Sports in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen
  • Sport als lebenslange Aktivität

Heranbildung von Leistungssportler(inne)n

  • Ausbildung von Fachkräften und qualifizierten Trainer(inne)n
  • Landesweite Rekrutierung von talentierten Sportler(inne)n
  • Heranbildung von Hochleistungssportler(inne)n
  • Prämierung von Erfolgen und Entwicklung von Anreizsystemen

Sportrecht

  • Schutz der Rechte von Sportler(inne)n
  • Verhinderung von Gewalt beim Sport

Behinderte und Sport

  • Behindertengerechter Umbau von Sportanlagen
  • Maßnahmen zur Steigerung der sportlichen Leistungen von Behinderten
  • Unterbreitung von Sportangeboten für Behinderte in Bildungseinrichtungen
  • Rehabilitation von Behinderten mittels sportlicher Maßnahmen

Gesundheit der Sportler/-innen

  • Sicherstellung einer gesunden Teilnahme an sportlichen Aktivitäten
  • Vorbeugung von Sportverletzungen
  • Gesunde Ernährung der Sportler/-innen 
  • Intensivierung des Kampfes gegen Doping

Internationale Sportveranstaltungen und Olympiaden

  • Bemühungen intensivieren, um internationale Sportveranstaltungen in der Türkei durchzuführen
  • Schaffung einer Struktur zur Teilnahme von Sportler(inne)n an Olympiaden und internationalen Sportveranstaltungen und Förderung der Sportler/-innen zur Erreichung von Höchstleistungen
  • Bildung eines ehrenamtlichen Systems beim Sport
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Partizipation und Citizenship

Politische Bildung 
Freiwilliges Engagement

Politische Bildung

Im Rahmen des von der Europäischen Union und der Republik Türkei finanzierten Jugendpartizipationsprojekts ŞEBEKE der Bilgi Universität Istanbul wurde im Mai 2013 eine Untersuchung mit dem Titel “Jugendliche und polititsche Partizipation in der Türkei: Macht der sozio-ökonomische Faktor einen Unterschied?” durchgeführt. Dafür wurden 2508 junge Türk(inn)en im Alter von 18 – 24 Jahren befragt.
Die Erhebung hat gezeigt, dass es in der Türkei eine bedeutende Gruppe junger Menschen gibt, die politisch aktiv ist. Die Daten geben Aufschluss darüber, dass 27 % der jungen Erwachsenen in Nichtregierungsorganisationen aktiv sind. 20 % äußern sich im Internet zu politischen Themen, 10 % stehen in Verbindung zu politischen Parteien und weitere 10 % haben an mindestens einer Demonstration, Kundgebung oder Protestveranstaltung teilgenommen. Die Untersuchung hat außerdem gezeigt, dass nur 12 % der jungen Menschen in einer politischen Partei aktiv sind, jedoch mehr als jeder vierte in Beziehung zu einer Nichtregierungsorganisation steht. Mehr als die Hälfte derjenigen, die Mitglied einer politischen Partei sind, sind gleichzeitig auch Mitglied oder Aktivist/-in in einer Nichtregierungsorganisation. (Quelle: http://stk.bilgi.edu.tr/media/uploads/2015/02/01/sosya-ekonomikstatufaryaratiyormu.pdf)

Im Rahmen der Inanspruchnahme demokratischer Rechte ist es jedem Kind, das das 15. Lebensalter vollendet hat und im Besitz seiner Urteilsfähigkeit ist, in der Türkei erlaubt, mit schriftlichem Einvernehmen seiner gesetzlichen Vertreter/-in einen Verein für Kinder zu gründen oder Mitglied in einem Kinderverein zu werden.

In allen Bereichen, die für Kinder relevant sind, gibt es Einrichtungen wie Komitees für Kinderrechte, Kinderbeiräte in den Stadträten und Schüler(innen)vertretungen, deren Aufgabe es ist, die Teilnahme junger Menschen an Entscheidungsmechanismen zu fördern.

Vom Ministerium für Familie und Sozialpolitik wurden auf Ebene der Provinzdirektionen Komitees für Kinderrechte in den Regierungsbezirken gegründet. Die Anstrengungen in diesen und ähnlichen Einrichtungen zielen darauf ab, die Akzeptanz von Kinderrechten und die Partizipation von Kindern am gesellschaftlichen Leben auszuweiten und zu verbessern. Was die Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen diesen Einrichtungen betrifft, gibt es keine intakte Struktur, weshalb die Notwendigkeit besteht, in diesem Bereich entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Freiwilliges Engagement

Die Freiwilligenarbeit wird in der Türkei zum großen Teil von Nichtregierungsorganisationen geleistet. An diesen Aktivitäten nehmen meist Jugendliche teil. Weiterhin tragen die Jugendzentren des Ministeriums für Jugend und Sport sowie die der Stadtverwaltungen dafür Sorge, dass Kinder und Jugendliche an ehrenamtlichen Aktivitäten teilnehmen.

Der Bereich Freiwilligenarbeit ist in der Türkei im Aufschwung. Es fehlt aber bisher hauptsächlich an der geeigneten Infrastruktur, der Anerkennung sowie ausreichenden Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich der Freiwilligenbetreuung. Ausgehend davon, regte das Volunteers-Programm der Vereinten Nationen (United Nations Volunteers, UNV) in der Türkei einen Diskussionsprozess an, der zur Gründung des Nationalen Gremiums für Freiwilligenarbeit führte. Die Gründungsmitglieder kommen aus den Kreisen der Zivilgesellschaft, der Regierung und den Vereinten Nationen und arbeiten inhaltlich zu den verschiedensten Themen wie Bildung, Jugend, Umwelt und Entwicklung. Zu den Gründungsmitgliedern gehören die folgenden 17 Institutionen und Organisationen:

  1. Community Volunteers Foundation (TOplum Gönüllüleri Vakfi, TOG),
  2. Civil Society Development Centre,
  3. Association of Kirikkaleli Businessmen and Administrators,
  4. Turkish Red Crescent Society,
  5. Turkish Foundation for Combating Soil Erosion For Reforestation and The Protection of Natural Habitats,
  6. Educational Volunteers Foundation of Turkey,
  7. Center For Social Innovation,
  8. Corporate Volunteer Association,
  9. You Got the Life Youth Academy Association,
  10. Habitat Center for Development and Governance,
  11. Labor and Social Security Research and Development Center,
  12. Association for Supporting Contemporary Life,
  13. Turkey Charity Association,
  14. Türkiye Yardim Sevenler Derneği Zonguldak şubesi. Third Sector Foundation of Turkey,
  15. Turkish National Agency,
  16. Ministry of Youth and Sports,
  17. United Nations Volunteers

sowie fünf Einzelmitglieder: Aydin Çetin,A. Duygu Fendal, Hülya Denizalp, Gelnta Achmetoglou, Timur Timothy Tiryaki.

Ansprechpartner für weitere Fragen sind:
UNV, Ulla Gronlund (Programme Officer), E-Mail: ulla.gronlund(at)undp.org 
TOG, Başak Tuğsavul, E-Mail: Basak.Tugsavul(at)tog.org.tr 

Literaturtipps zum Thema Freiwilligenarbeit in der Türkei

Die wissenschaftliche Studie „Kultur der Zivilgesellschaft in den Freiwilligeneinrichtungen der Türkei“ wurde 2010 von der Stiftung „Das Leben betreffend“ (Yaşama Dair Vakif YADA) veröffentlicht. Diese Studie eruiert die Charakteristika, die Schwächen und das Potenzial einer Kultur der Zivilgesellschaft bei den Freiwilligenverbänden der Türkei. Erstellt wird eine umfassende Bedarfsanalyse, die zur Entwicklung einer nachhaltigeren Zivilgesellschaft beitragen soll.

Die Stiftung für Freiwillige im Bildungsbereich (Türkiye Eğitim Gönüllüleri Vakfi, TEGV) führte drei Studien zur Freiwilligenarbeit durch, die sie 2012 in Buchform veröffentlichte. Die Themen sind: Jugend, Freiwilligenarbeit und Soziales Kapital in der Türkei (2008); Freiwilligendienste und ihre Errungenschaften (2009); Nachhaltige Freiwilligenarbeit (2010).

Das Buch "Freiwilligenarbeit in der Türkei – Erkundung ihrer Rolle und Verdienste" wurde 2013 im Rahmen des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen Türkei vom Zentrum für Jugenddienste GSM veröffentlicht. In dem Buch werden die wichtigsten Organisationen vorgestellt, die zu Themen der Freiwilligenarbeit in der Türkei tätig sind Es beschreibt die entscheidende Rolle, die die Freiwilligenarbeit bei der Realisierung von gesellschaftlichem Fortschritt und nachhaltiger Entwicklung spielt.

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Kultur und Kreativität

Nazar Amulett.
Nazar Amulett.Bild: Hans / pixabay.com

Für die außerschulische kulturelle Jugendbildung sind ebenso wie für die politische Jugendbildung nur das Ministerium für Jugend und Sport oderdas Ministerium für Nationale Bildung autorisiert.
Die Volksbildungszentren, die dem Ministerium für Nationale Bildung unterstehen, bieten zu beruflichen, technischen, sozialen und kulturellen Themen kostenlose Kurse für alle Interessierten an.

Das Ministerium für Kultur und Tourismus führt im Rahmen seiner Tätigkeiten zur Förderung der nationalen Kultur Kurse für türkische Ornamentik und traditionelles Handwerk durch. Damit werden sowohl Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen sowie Interesse und Aufgeschlossenheit gegenüber Kunst und Kultur populärer gemacht.

Jugendclubs, die in Arbeitsfeldern wie Kultur, Tourismus, Kunst, Folklore und Volkstänze tätig sind, führen Veranstaltungen und Kurse in diesen Bereichen durch. Ziel dieser Kurse ist es, die kulturellen und traditionellen Werte zu schützen, um eine Generation heranzubilden, die ihre eigene Kultur schätzt und die für die Sitten, Gebräuchen und Traditionen sensibilisiert ist.

Link
www.undp.org.tr/Gozlem2.aspx?WebSayfaNo=1741- Website des UN Development Programme mit Informationen zu dem Programm Alliances for Cultural Tourism (ACT) in Kars zur Mobilisierung des kulturellen Sektors in Ost-Anatolien.

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Aufgrund ihrer geografischen und strategischen Lage ist die Türkei seit jeher immer wieder letzte Station großer Einwanderungsbewegungen und Flüchtlingszahlen und beherbergte Millionen von Migrat(inn)en.

Die Türkei ist eines der Länder, das die Auswirkungen des Krieges in Syrien am meisten spürt. Das Land hat die höchste Anzahl an syrischen Flüchtlingen aufgenommen. Über die Hälfte der Syrer/-innen, die in Lagern leben, sind Kinder.
Nach einem Bericht von UNICEF aus dem Jahr 2015 stieg die Zahl der registrierten Syrer/-innen in der Türkei auf 1 938 999 Personen, 1 047 000 davon sind Kinder.

Die Migrationsbehörde führt die Anerkennung von Ausländer(inne)n in der Türkei, Unterkunft und Abschiebung in eigenen Zentren durch, die laut einem Protokoll der Generaldirektion für Migration des Innenministeriums dem Roten Halbmond unterstehen.

Links
http://www.goc.gov.tr/icerik/goc-tarihi_363_380
- Generaldirektion der Migrationsverwaltung des Innenministerium der Republik Türkei

www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/57911/tuerkei - Dossier 'Migration' Türkei der Bundeszentrale für politische Bildung
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Jugendsozialarbeit ist kein verbreiteter Fachbegriff in der Türkei. Das Ministerium für Familien- und Sozialpolitik ist hauptsächlich für Bereiche zuständig, die unter den Bereich Erziehungshilfen fallen, und vertritt insbesondere die Interessen von Kindern bis 12 Jahre, die der Pflege bedürfen, Waisen sind oder aus anderen Gründen nicht bei ihren Familien leben können.

Die Zentren für Soziale Dienste des Ministeriums für Familie und Sozialpolitik leisten Sozialarbeit für Kinder und Jugendliche. Die dort arbeitenden Fachkräfte wollen insbesondere Kinder und Jugendliche, die dem Blick der Gesellschaft entschwunden sind, wieder in das gesellschaftliche Leben integrieren. Auch Streetwork ist Teil der Arbeit dieser Zentren.

Ebenso gründeten die Abteilungen für Soziale Dienste, die auf der Ebene der Regionalverwaltungen tätig sind, Zentren für Kinder, die auf der Straße arbeiten. Aufgabe dieser Zentren ist es, die Probleme dieser Kinder mit ihren Eltern zu lösen und bei Schulproblemen zu helfen. Auch die Prävention von Vernachlässigung und Kindesmissbrauch gehört zu den Arbeitsbereichen der Abteilungen für Soziale Dienste. Es ist den Kommunen freigestellt, in diesen Bereichen mit Nichtregierungsorganisationen gemeinsame Projekte durchzuführen.

Aufgrund einer Vereinbarung mit dem Ministerium für Kultur und Tourismus haben Kinder, die unter die Zuständigkeit des Ministeriums für Familien- und Sozialpolitik fallen, freien Eintritt in Museen, Ausgrabungsstätten, staatlichen Theatern und andere historische Stätten. Ebenso dürfen sie, gemäß einem Protokoll mit dem Jugend- und Sportministerium, kostenfrei die Sportstätten in den Städten nutzen.

Um obdachlose Kinder und Jugendliche kümmert sich auch die halbstaatliche Institution für Kinderschutz (Türkiye Cocuk Esirgeme Kurumu).

Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Die zentrale Einrichtung für internationale Jugendarbeit ist das Ministerium für Jugend und Sport. In diesem Rahmen werden internationale Camps, Austausch- und Mobilitätsprogramme sowie bi- und multilaterale Kooperationsprogramme durchgeführt.

Das Zentrum für EU-Bildungs- und Jugendprogramme (AB Eğitim ve Gençlik Programlari Merkezi Başkanliği) der Türkischen Nationalagentur (Türk Ulusal Ajansi) untersteht dem Ministerium für EU-Angelegenheiten. Aufgabe des Zentrums ist, gemeinsam mit anderen Ländern - vor allem mit Europa - und in Zusammenarbeit mit internationalen Einrichtungen, Programme im Bildungs- und Jugendbereich zu konzipieren, zu finanzieren und durchzuführen, die Jugendlichen Mobilitäts- und Lernmöglichkeiten bieten.
Die Umsetzung des Erasmus+ Programms, ein Förderprogramm der EU im Bereich Bildung, Jugend und Sport für die Jahre 2014 – 2020, obliegt der Türkischen Nationalagentur.

Das Direktorat für Vereine (Dernekler Dairesi Başkanliği), das dem Innenministerium der Türkei untersteht, unterstützt internationale Aktivitäten und Projekte im Bereich Jungendarbeit und Mobilität von Nichtregierungsorganisationen.

Auch andere Ministerien führen Programme und Projekte für Jugendliche durch. Insbesondere das Ministerium für Familie und Sozialpolitik sowie das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit bieten internationale Projekte für Jugendliche an.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Die Grundlage der kulturellen Zusammenarbeit beider Länder bildet das Kulturabkommen zwischen der Türkischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland, das 1957 unterzeichnet wurde. Im Rahmen dieses Abkommens trifft sich der Ständige Türkisch-Deutsche Kulturausschuss regelmäßig.

Das „Protokoll zur Zusammenarbeit in der Jugendpolitik“ zwischen dem Generaldirektorat für Jugend und Sport beim Ministerpräsidentenamt der Republik Türkei und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) trat am 18. April 1994 mit seiner Unterzeichnung in Kraft.

Im Rahmen der gemeinsamen Ressortvereinbarung werden jährlich verschiedene Tagungen und Programme für Jugend- und Fachkräfteaustausch durchgeführt. Diese Aktivitäten werden vom Ministerium für Jugend und Sport der Türkischen Republik und von der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) im Namen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend koordiniert. Um einen Beitrag zu den Programmen zu leisten, wurde die „Arbeitshilfe für den türkisch-deutschen Jugendaustausch“ herausgegeben.
Weitere Informationen zum aktuellen Stand der internationalen jugendpolitischen Zusammenarbeit gibt es auf der Website von IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Die bilaterale Zusammenarbeit hat auch im Bereich Bildung zu wichtigen Entwicklungen geführt. Auf Grundlage des Regierungsabkommens zwischen der Türkei und Deutschland wurde am 23.05.2008 in Istanbul die Türkisch-Deutsche Universität (TAÜ) gegründet. Die TAÜ ist eine mehrsprachige Universität und die Unterrichtssprache ist in den Bachelor-Studiengängen überwiegend Deutsch, in den Master-Studiengängen je nach Bedarf Deutsch oder Englisch.

Die Deutsch-Türkische Jugendbrücke ist eine deutsch-türkische Kooperation und eine zivilgesellschaftliche Initiative mit staatlicher Förderung. Ihre Ziele will die Jugendbrücke gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern sowie weiteren Akteuren im deutsch-türkischen Schüler- und Jugendaustausch in Deutschland und der Türkei erreichen. Strategisch beraten wird die Jugendbrücke von einem deutsch-türkischen Beirat. Gesellschafterin und Initiatorin der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke ist die Stiftung Mercator.

Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Die Türkei arbeitet im Bereich Jugend und Jugendpolitik mit dem Europäischen Rat und der Europäischen Union zusammen.

Da die Türkei Gründungsmitglied des Europäischen Rates ist, nimmt sie an den Tagungen des Europäischen Lenkungsausschusses für Jugend (CDEJ) und an dem Gemeinsamen Rat für Jugendfragen (CMJ) teil. Der CDEJ bemüht sich um den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit im Jugendbereich, bereitet Entwürfe für gesetzliche Bestimmungen zur Regelung der Jugendpolitik in den Mitgliedsländern vor und organisiert die Konferenz für die Ministerien, die für Jugendpolitik zuständig sind. Der CMJ hingegen setzt die Prioritäten im Jugendbereich. Seit 2002 führt der Europäische Rat gemeinsam mit der Türkei Programme für die Jugend und zur Weiterentwicklung der Jugendpolitik durch. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden zahlreiche Aktivitäten organisiert.

Weil die Türkei dem Zentrum für EU-Bildungs- und Jugendprogramme eingegliedert ist, hat sie hinsichtlich der Teilnahme an diesen Programmen verschiedenste Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnet.

Darüber hinaus hat die Türkische Republik Abkommen mit über 50 verschiedenen Ländern in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur, Kunst, Jugend und Sport unterzeichnet.

Besondere Bedeutung hat das Jugendprogramm Türkei – Japan. Die japanische Regierung organisiert Projekte wie das Welt-Jugendschiff und das globale Programm zum Training von Jugendleiter(inne)n, an denen Jugendliche aus der Türkei teilnehmen. Junge Japaner/-innen nehmen an Programmen teil, die für sie in der Türkei veranstaltet werden.

Im Rahmen des Kulturabkommens, das die  Republik Türkei 1972 mit der Republik Südkorea unterzeichnete, entstand das Jugendaustauschprogramm Türkei – Südkorea. Seit 2007 werden jedes Jahr Jugendaustauschprogramme durchgeführt, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern ausbauen und die Jugend beider Länder freundschaftlich verbinden.

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Mobilität

Seit 1. Juni 2004 ist die Türkei Programmland im europäischen Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Die türkische Nationalagentur, das Centre for EU Education and Youth Programmes mit Sitz in Ankara, ist für die Umsetzung des Programms zuständig.

Der EUROPASS wurde am 15. Dezember 2004 mit der Entscheidung Nr. 2241/2004/EG des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates eingeführt. Dabei handelt es sich um ein Portfolio, das erworbene Qualifikationen transparent darstellt und somit jungen Menschen europaweit bei Mobilität und Beschäftigung hilfreich ist. Zuständig hierfür sind das Institut für Professionelle Kompetenzen (Mesleki Yeterlilik Kurumu MYK) und das Nationale Europass-Zentrum Türkei.

Die Europäische Jugendkarte (EYCA) ist eine Ermäßigungskarte für Reisen, Kultur und Freizeit in Europa für junge Leute. Türkische Jugendliche können die Jugendkarte seit 2015 bei dem unabhängigen Jugendverein für Ziviles Leben (Sivil Yaşam Derneği, SIYAMDER), der ausschließlich von Jugendlichen geleitet wird, erwerben.

Weitere Informationen zur Türkei für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: http://europa.eu/youth/TR_en

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Impressum aus Scrabblesteinen gelegt.
Impressum aus Scrabblesteinen gelegt. Bild: mih83 / pixabay.com

Impressum - Türkei

Die Länderinfos zu TÜRKEI wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit Frau Vildan Görbil.

Letzte Aktualisierung: Oktober 2016

Kontakt: dija(at)ijab.de