Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche
Übersicht über die Kirchen und Religionsgemeinschaften
Litauen gilt als das am meisten christianisierte Land der drei baltischen Staaten mit einer langen katholischen Tradition aus der polnisch-litauischen Union, als 1386 der litauische Fürst Jogaila nur unter der Bedingung die polnische Krone bekam, dass Litauen katholisch wird. Fast 80 Prozent gehören der katholischen Kirche an (wovon allerdings nur etwa 15 Prozent ihren Glauben wirklich praktizieren), vier Prozent sind Orthodox und knapp ein Prozent (30 000 Gläubige in 55 Gemeinden) rechnet sich zu den protestantischen Religionsgemeinschaften. Eine kleine Minderheit der Litauer bekennt zudem sich zum Islam.
Verhältnis zwischen Staat und Kirche
Die katholische Kirche Litauens mischt sich trotz ihres großen Rückhaltes in der Bevölkerung fast nie in politische Angelegenheiten ein. Sie hat somit praktisch keinen Einfluss auf die Mehrzahl der politischen Entscheidungen. Zudem verfügt die katholische Kirche über keinerlei Massenmedien und ist somit in der öffentlichen Diskussion kaum vernehmbar. Die anderen Religionsgemeinschaften sind zu klein, um politischen Einfluss im Staat auszuüben.
Situation während und nach dem Kommunismus
Wie in den anderen sowjetischen Satellitenstaaten mussten auch die Kirchen in Litauen starke Einschränkungen hinnehmen. Die katholische Kirche verlor zudem viele Priester in den sowjetischen Internierungslagern.
Verbände, Gruppen und Bewegungen
Die katholische wie evangelische Kirche zeichnet eine straffe Organisationsstruktur der jeweiligen Jugendarbeit aus, die alle Bereiche und Pfarreien abdecken und damit die Basis erreichen soll. Trotz der relativ geringen Größe des Landes Litauen soll die Jugendarbeit möglichst dezentralisiert und unabhängig ablaufen.
Die katholische Kirche in Litauen hat sieben Diözesen. Jede Diözese hat ein eigenes Jugendzentrum, dass die Jugendarbeit der ganzen Diözese koordiniert. Es gibt keine „Dachorganisation“ im gesamtstaatlichen Sinne, die Fäden laufen weitestgehend in den diözesanen Jugendzentren in Vilnius und Kaunas zusammen, wobei Vilnius auch einen guten Kontakt zu deutschen Diözesen pflegt. Einen guten Überblick über die aktuellen Angebote der sieben diözesanen Jugendzentren mit weiterführenden Kontakten ist im Internet unter www.vajc.lt zu finden (auch auf Englisch).
Die Jugendzentren sind zuständig für die Ausbildung von Gruppenleitern und halten den Kontakt zu den Leitern anderer katholischer Organisationen und Verbände in ihrer Diözese und den Pfarreien. Während des Kalenderjahres finden mehrere zentrale Veranstaltungen statt, wozu alle in irgendeiner Weise eingebundenen Katholiken eingeladen sind: Jugendtage, Kreuzweg, verschiedenste diözesane Sportveranstaltungen, Gruppenleiterschulungen und verschiedenste Outdoor-Gottesdienste.
In jeder Diözese findet alle zwei Jahre ein vom jeweiligen Jugendzentrum organisierter großer Diözesantag statt, wo alle katholischen Jugendlichen eingeladen sind. Auf gesamtstaatlicher Ebene findet alle drei bis vier Jahre ein Jugendtag für alle katholischen litauischen Jugendlichen statt, der vom Jugendpastoralrat der Bischofskonferenz organisiert wird. In diesen Jugendpastoralrat entsendet jedes der sieben Jugendzentren Delegierte. Dem Rat steht der Jugendbischof vor, der auch das Bindeglied zwischen Bischofskonferenz und Jugendpastoralrat ist. Aktuell ist dies der Bischof der Diözese Vilkaviškis, Rimantas Norvila.
Darüber hinaus gibt es unter der Leitung des Jugendpastoralrats ein Jugendforum, wo alle Leiter und Ehrenamtliche in katholischen Pfarreien, in der Studentenseelsorge, in geistlichen Bewegungen und allen weiteren katholischen Organisationen Litauens eingeladen sind. Dieses Forum tagt mehrmals im Jahr und ist als eine Plattform für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch gedacht. Auch aktuelle Probleme und Tendenzen in der katholischen Jugendarbeit sollen hier besprochen und erörtert werden.
Kontakt:
Vilnius Archdiocese Youth Center
Ausros Vartai st. 12
LT-01129 Vilnius
Fon: +370 5 2621408, 2123493
Fax: +370 5 2121467
Internet: www.vajc.lt
Die evangelisch-lutherische Kirche (Lietuvos Evengeliku Liuteronu Baznycia) gründete 1992 als die mit Abstand größte protestantische Religionsgemeinschaft die Jugendzentrale LELB (Lietuvos evangelik? liuteron? bažny?ios Jaunimo centras) als Dachorganisation für die gesamtstaatliche Jugendarbeit. Sie verfügt über einen Vorsitzenden (Jugendpfarrer) und einen Vorstand. Diese Jugendzentrale der LELB verfolgt das Ziel, die evangelisch-lutherische Jugend zu sammeln und zu organisieren. Dazu veranstaltet sie regelmäßig Jugendlager, Kurse und Seminare, Treffen der Jugendgruppen verschiedener Gemeinden. Sie außerdem hält Kontakt zu christlichen Jugendorganisationen anderer Konfessionen und zu den evangelischen Partnern im Ausland (Deutschland, Finnland, die skandinavischen Ländern, Lettland, Estland, Großbritannien und die USA). Gemeinsam mit der deutschen Jugendorganisation „Entschieden für Christus“ veranstaltet die LELB jährlich internationale Jugendbegegnungen. Seit ihrer Gründung hat die LELB einen wichtigen Beitrag für den Aufbau von Strukuren im protestantischen Bereich in den baltischen Ländern geleistet. Regelmäßig treffen sich die Vorstände der drei protestantischen Jugendzentralen von Estland, Lettland und Litauen.
Die Mitarbeiter sind sowohl in der LELB als auch in den Gemeinden tätig, die Arbeit wird also von der LELB organisiert und soll bis in die einzelnen Gemeinden hinein gehen. Dazu gibt es noch einzelne Jugendgruppen, die regional angesiedelt sind (z.B. Kaunas, Vilnius etc.).
Internationale Vernetzung
www.bienweb.org - BIEN-Netzwerk konfessioneller Jugendverbände in der Ostseeregion
Literaturtipps
GO EAST. Jugend in Ost und West gestaltet Zukunft. Eine Arbeitshilfe für die kirchliche Jugendarbeit in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, hrsg. v. BDKJ und Renovabis - Infos und Download unter www.goeast-online.de.
Evangelische Kirchen in den Balitischen Staaten, hrsg. v. Kirchenamt der EKD, Informations- und Kontaktstelle Osteuropa (IKOE) - Download unter www.ekd.de/download/baltikum.pdf.
Fischer, Hans-Friedrich, Katholische Kirche in Litauen. Ein Situationsbericht, in: Ost-West. Europäische Perspektiven. Schwerpunkt: Die baltischen Staaten. Heft1/2006.


