Jugendinformation
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Kinder- und Jugendmedien
Internationale Kooperationen
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Der Bereich der Jugendinformation befindet sich insgesamt noch im Aufbau. Jugendinformations- und Beratungszentren bestehen bereits vereinzelt. Wichtige Informationsanlaufstellen für Jugendliche sind die Bibliotheken.
Informationsangebote für Jugendliche in den Bereichen Drogen- und HIV/AIDS-Prävention bietet das Lietuvos AIDS Centras, das dem Gesundheitsministerium unterstellt ist, in Vilnius an. Ein besonderes Jugendberatungsbüro bietet Beratung für Jugendliche sowie psychologische Hilfe an.
Kinder- und Jugendmedien
Litauen bringt es laut Angaben des litauischen Justizministeriums, das bis 1996 ein Verzeichnis der Massenmedien führte, auf immerhin 60 Publikationen für junge Leute. Ein neues Mediengesetz entzog dem Justizminister die Zuständigkeit für den Bereich der Medien. Damit entfiel die Pflicht, neue Zeitungen und Zeitschriften registrieren zu lassen. Aktuellere Zahlen über den Bestand der Jugendmedien im Printbereich sind daher zurzeit nicht verfügbar.
Kleine Geschichte
Noch vor rund einem Jahrzehnt waren Jugendmedien in Litauen sehr stark zentralisiert. Einziger Herausgeber der thematisch wenig spezialisierten Jugendmagazine war das Zentralkomitee des kommunistischen Jugendverbands Komsomol. Kinderzeitungen wurden ausschließlich von der zentralen Verwaltung der Pionierorganisation verlegt.
Den wichtigsten Teil der Kontrollmaschinerie stellte die Propaganda- und Agitationsabteilung des Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei Litauens dar. Von hier wurden Chefredakteure eingesetzt sowie Aufgaben und zentrale Inhalte der Jugendmedien festgelegt.
Trotz dieser mächtigen Zensur waren Jugendmedien immer schon Tribüne für mutige und kritische Gedanken. Im Jahr 1968 erreichte die Kontrolle politischer Äußerungen aufgrund des Einmarsches der Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR ihren Höhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Kaunas das Jugendmagazin Nemunas gegründet. Schon nach den ersten Ausgaben setzte das ZK der Partei den Chefredakteur ab und leitete ein Verfahren wegen der Veröffentlichung von Fotos aus geheimen Staatsakten gegen ihn ein (der Chefredakteur jeder Jugendzeitung und -zeitschrift musste Mitglied des ZK des Komsomol sein). Tatsächlich wurden diese Maßnahmen durch Artikel über das Leben der Jugend im Westen ausgelöst.
In den sowjetischen Jahren kopierten die KP und Komsomol-Funktionäre in Litauen die Struktur der russischen Jugendpresse. Es gab nur wenige Zeitungen und Magazine speziell für die Jugend. Die waren jedoch groß, stark und hervorragend kontrolliert. Da war zum Einen Komjaunimo tiesa, eine Jugendtageszeitung, die in litauischer Sprache das gleiche behandelte wie die Moskauer Komsomolskaja Pravda. Dann existierte für Kinder Lietuvos pionierius als litauische Ausgabe der zentralen Pionerskaja Pravda. Der Markt für Jugendmagazine war auf vier Blätter begrenzt: Jaunimo Gretos und Nemunas für ältere Jugendliche sowie Genys und Moksleivis für Kinder. Alle Zeitungen und Magazine waren Organe des ZK des Komsomol von Litauen mit dem ZK als Herausgeber.
Die Wende
Jugendzeitungen griffen den Ausbruch der nationalen Bestrebung und die Geburt der Sajudis-Bewegung in den Jahren 1988 bis 1990 am stärksten von allen Medien auf. Ganze Seiten füllten die Portraits über Vertreter der neuen Ideen. Der Boom bei ihren Auflagen zeigte, wie populär diese Gedanken waren und wie groß das Bedürfnis nach einer freien Presse.
Ende 1988 erreichte die Tageszeitung Komjaunimo tiesa die astronomische Auflage von 600 000 Exemplaren - bei lediglich 3,5 Millionen Einwohnern! Das war doppelt so viel, wie die größte Partei-Zeitung Tiesa aufweisen konnte. Ganz schnell drängte jedoch eine neue Konkurrenz auf den Pressemarkt: die unanhängige Tageszeitung Respublika, die von einer Gruppe junger Journalisten gegründet wurde. Als Reaktion darauf trennte sich Komjaunimo Tiesa offiziell von der Komsomol-Organisation und änderte 1990 seinen Titel in Lietuvos rytas.
Aktuelle Printlage
Die beiden größten Zeitungen Lietuvos rytas und Respublika haben sich zu nationalen Tageszeitungen entwickelt, werden aber immer noch von jungen Chefredakteuren und Journalisten produziert. Nur wenige der Autoren haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder eine vergleichbare Ausbildung. Beide Zeitungen versuchen, junge Leser durch spezielle Wochenbeilagen an sich zu binden – Bendraamzis, Gyvenimo budas und Genys (für Kinder) von Lietuvos rytas, Savaitgalis, Julius und Brigita von Respublika. Das bedeutet zwar, daß es in Litauen inzwischen keine echte Jugendtageszeitung mehr gibt; weil aber eine Alternative fehlt, bleiben die meisten jugendlichen Leser bei diesen beiden Zeitungen. Die übrigen landesweiten Tageszeitungen, wie die konservative Lietuvos aidas oder die politisch linke Diena, sind unter jungen Lesern nicht besonders beliebt.
Lifestylemagazine wie Ore sind aber auch in Litauen im Kommen.
Die politische Unabhängigkeit Litauens und wirtschaftliche Reformen veränderten auch die Medienlandschaft des Landes. Schon seit 1995 gibt es keine staatlichen Zeitungen oder Zeitschriften mehr. Ein neues Mediengesetz verbietet dem Staat jeden Einfluss auf die Presse. Das bedeutete aber auch das Ende der staatlichen finanziellen Hilfe für Jugendmedien. Als Geldgeber bleibt allein die Stiftung zur Förderung der unabhängigen Presse. Sie vergibt ihre Mittel allerdings meist an Kulturzeitschriften oder an Medien der nationalen Minderheiten.
Viele Menschen können wegen der gesunkenen Einkommen nur eine Tages- oder Wochenzeitung für die gesamte Großfamilie abonnieren. Die jüngeren Mitglieder der Familie gehen dabei meist leer aus.
Fernsehen
Auch im TV-Bereich herrscht Ebbe, was spezielle Jugendprogramme angeht. Die kommerziellen Kanäle, die in den letzten Jahren gegründet wurden, geben nicht viel auf jugendspezifische Informationen oder gar Sendungen - denn die bringen nicht genug Werbegelder in die Kassen. In jüngster Zeit versucht allerdings LNK, der stärkste private Sender, mit seiner Diskussionssendung Priestarauk, Probleme von Jugendlichen anzusprechen.
Im staatlichen Fernsehen LRT (ehemals LTV) waren kulturelle und jugendspezifische Programme früher fester Bestandteil der Sendungen. Seit einem Streit um den Führungsanspruch innerhalb des Senders 1997 wurde der Sender reformiert. Die Jugendprogramme zählten zu den Opfern der Reform.
Radio
Der litauische Hörfunk hingegen ist von Kopf bis Fuß auf Jugend eingestellt. Die größten Sender M-1, Radiocentras und der neue M-1 Plus wurden praktisch als Jugendrundfunk gegründet. Sie senden überwiegend eine Mischung aus Musik und Diskussionen mit jungen Hörern. Aktuellen Umfragen zufolge sind die genannten Sender die populärsten im Land.
Ausbildung von Journalisten
Viele der professionellen Journalisten, die in Litauen arbeiten, haben am Institut für Journalismus der Universität in Vilnius studiert. Dort werden pro Jahr 20 bis 30 junge Leute zu diplomierten Journalisten ausgebildet. Sie sind die Kader der renommierten Redaktionen. Eine weitere Ausbildungsstätte befindet sich in Kaunas.
Eine große Zahl ist in den Jahren des Umbruchs ohne spezifische journalistische Ausbildung zur Presse gelangt - unter ihnen zum Beispiel Ingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler. Wer mag, kann im Zentrum der Journalistik im Rahmen von Abendkursen das journalistische Einmaleins lernen. Leider haben Verleger meist kein Interesse an einer weiteren Schulung ihrer Mitarbeiter.
Viele Beschäftigte im Bereich der Printmedien stoßen direkt nach der Schule zu den Redaktionen. Da der Journalismus in Litauen ein gut bezahlter Job ist, lässt sich unter jungen Journalisten die Tendenz feststellen, dass jede Form der Ausbildung als verlorene Zeit und damit als verlorenes Geld angesehen wird. Das Ergebnis sind oft Artikel mit einer Mischung von Fakten und eigener Meinung.
Ein Ausblick
Die Jugend Litauens braucht ein größeres Angebot an jugendspezifischer Information. Es gibt nur zaghafte Versuche, die Meinung der Jugend über die Hauptprobleme der Gesellschaft herauszufiltern: zum Beispiel, wie sie über einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union denkt. Viele junge Menschen lehnen vor dem Hintergrund der starken Politisierung der Gesellschaft jede Form von Politik ab, um sich von der älteren Generation abzugrenzen. Junge Leute weigern sich, in politischen Parteien aktiv zu sein - vielleicht ein später Protest gegen die Idealisierung der Parteien im Litauen der Dreißiger- und Siebzigerjahre.
Derzeit schluckt die litauische Jugend Tag für Tag das gleiche Informationsmenü, wie die übrige Bevölkerung - eine üble Mischung aus wirtschaftlichen oder politischen Skandalen und Gewalt.
(aus einem Artikel von Vilius Kavaliauskas, gekürzt)
Internationale Kooperationen
Internationale Kooperationen im Bereich der Jugendinformation sind bisher nicht bekannt.


