Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Der Organisiertheitsgrad litauischer junger Menschen zwischen 16 und 29 Jahren ist sehr niedrig. Nur 13% sind in einem Verband organisiert, davon mehr Mädchen als Jungen. Die Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen arbeitet am meisten in Verbänden mit.

Das Alterslimit bei Jugendfunktionären wird in Litauen sehr ernst genommen und liegt bei 29 Jahren. Dies soll einer Überalterung der für Jugendfragen zuständigen Behörden und Einrichtungen vorbeugen.

Tanz am Lagerfeuer (Foto: Katharina Wildermuth, während einer Jugendbegegnung in Litauen 2003)

Im April 2000 waren rund 7 000 Nichtregierungsorganisationen registriert. Ein Fünftel davon ist als Schläfer einzustufen. Die meisten Organisationen und -verbände sind in Vilnius und Kaunas angesiedelt. Rund 2 000 sind große oder kleinere Jugendorganisationen oder -verbände. Ein spezielles Aktionsprogramm des Staatlichen Jugendrates hat im Jahr 2000 das Aktionsprogramm Jugend für die Gemeinschaft initiiert, das seit 2001 den Schwerpunkt auf die Gründung von Jugendorganisationen insbesondere im ländlichen Raum legt.

Neben den Nichtregierungs- und auf freiwilliger Basis agierenden Jugendorganisationen bestehen auch Jugendorganisationen in Schulen, die hauptsächlich von Lehrkräften geleitet werden, wie Schulsportklubs, Musikclubs und andere. Diese Jugendorganisationen werden aber von den freien Trägern nur eingeschränkt anerkannt.

Ein anderer Grund für die mangelnde Organisiertheit junger Leute auf lokaler Ebene sind fehlende Richtlinien und Führungskräfte, die die Bedeutung der Beteiligung junger Menschen an Entscheidungsprozessen erkennen und umsetzen.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)

Überregionale Jugendverbände

Viele Jugendverbände in Litauen wurden nach Erlangung der Unabhängigkeit neu gegründet. Zu den wichtigsten großen, national agierenden Jugendverbänden neben dem Nationalen Jugendrat LiJOT gehören die Scouts, AIESEC, YMCA/YWCA, das litauische Jugendrotkreuz und die Jugendverbände der politischen Bildung.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)

Politische Bildung

Über 50% der jungen Menschen sind am politischen Geschehen interessiert. 1994 waren dies nur 26%. Die Teilnahme am politischen Geschehen drückt sich hauptsächlich durch die Teilnahme an Wahlen (68%) und der Unterzeichnung von Petitionen (11%) aus. Weiteres politisches Engagement zeigen Jugendliche und junge Erwachsene durch die Beteiligung an partei- oder anderen relevanten Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen, die Teilnahme an politischen Versammlungen und an Wahlkampagnen.

Trotz alledem meinen 80% der Jugendlichen, dass die Regierung sich nicht genügend um die Belange von jungen Menschen kümmert. Hier versucht insbesondere der Nationale Jugendrat seinen Einfluss bei der Regierung geltend zu machen, um die Position und Interessen junger Menschen zu stärken.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002).

Kulturelle Bildung

Singen, was das Zeug hält (Foto: Katharina Wildermuth, während einer Jugendbegegnung in Litauen 2003)

Das Kulturministerium hat die Verantwortung für die Förderung der kulturellen Jugendbildung. Förderung erfolgt in Form von Stipendien, durch rechtliche Unterstützung und die Unterstützung von Wettbewerben sowie aus dem Fonds für Jugendförderung. Gefördert werden nur Künstler/innen mit besonderen Qualifikationen wie professionelle junge Künstler/innen, aber auch Kunst-Studierende, und nur Projekte von hohem qualitativem Wert.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)

Sport

Der staatlich gesteuerte Sportbereich in Litauen setzt seinen Schwerpunkt auf Wettkampfsport. Sport als Erholung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Mitgliedschaft in privaten Sportklubs ist teuer und öffentliche Sportstätten, insbesondere in Schulen, sind schlecht ausgestattet.

Beliebter Sport: Volleyball (Foto: Katharina Wildermuth, während einer Jugendbegegnung in Litauen 2003)

Die Förderung des Jugendsports spielt sich hauptsächlich im schulischen Bereich und in Bildungseinrichtungen ab. Laut Gesetz über Körpererziehung und Sport sollen in jeder Schule Litauen drei Unterrichtseinheiten Sport auf dem Stundeplan stehen. Im Jahr 2000 erfüllten nicht mal 4% der Schulen diese Auflage. Schulkinder können das Sportabzeichen erwerben.

Populär in Litauen ist das Wandern. Wanderpfade gibt es fast im ganzen Land. Durch die große Anzahl von Seen und Flüssen ist Angeln auch ein beliebter Sport, der aber nur mit Genehmigung betrieben werden darf. Für Segeln, Windsurfen und Schwimmen findet man hier gerade ideale Bedingungen. Im Winter greift man das auf das Eisangeln, Langlauf und Schlittschuhlaufen zurück. Bei den Ballsportarten sind Basketball, Volleyball, Fußball, Handball, Tennis und Hockey am Beliebtesten. Vilnius verfügt über ein Stadion mit Sitzmöglichkeiten für 15 000 Personen.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Die bestehenden Infrastrukturen im Bereich der Kinder- und Jugendsozialarbeit aus sowjetischen Zeiten werden weiterhin genutzt. Hier besteht ein gut entwickeltes Netzwerk von Einrichtungen und Organisationen. Die Einrichtungen umfassen vor allem Kinderheime, spezielle Bildungs- und Fürsorgeeinrichtungen für Kinder, Einrichtungen der Familienfürsorge, städtische Kinderbetreuungsgruppen und -zentren. So genannte Integrationsmaßnahmen für gefährdete Jugendliche, wie Drogen- oder Alkoholabhängige, greifen nur langsam. Kinder- und Jugendsozialarbeit wird vor allem von Nichtregierungsorganisationen und kirchlichen Gruppen und Vereinigungen wie Salesianer, Caritas, Malteserjugend oder Kolping geleistet, die auch teilweise eigene Einrichtungen aufgebaut haben, um auch Kinder und Jugendliche zu betreuen.

Psychologische Betreuung für junge Leute erfolgt unter anderem auch per Telefon. Hier besteht bereits ein gut funktionierendes Netzwerk telefonischer Dienste, die von Organisationen für die Rehabilitation Drogenabhängiger sowie zur Wiedereingliederung und Integration junger straffällig gewordener Menschen in die Gesellschaft dient, wie zum Beispiel die Youth Line in Vilnius.

Das Ziel der Regierung ist, soziale Betreuung möglichst nah am Lebensumfeld der Betroffenen zu leisten und setzt verstärkt auf Tagesbetreuung oder Betreuung zu Hause. Hier wird auch mehr Eigeninitiative von den Kommunen erwartet.

Der Beruf eines Sozialarbeiters und somit auch die Ausbildung in diesem Beruf sind in Litauen relativ neu. Dabei können sich die angehenden Berufseinsteiger spezialisieren. Jugendsozialarbeit fällt unter den Bereich der Sozialarbeit mit Kindern, Familien und Waisen. An den Universitäten gibt es bereits Studiengänge für den Bereich Sozialarbeit. An der Vytautas-Magnus-Universität in Vilnius beispielsweise haben im Verlauf von 1996 bis 2001 122 Studierende einen Studienabschluss im Bereich Sozialarbeit erlangt.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002; www.vdu.lt)

Litauen ist Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zum litauischen Büro gibt es unter http://www3.lrs.lt/pls/inter/vaikai?kalbId=2

Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Übersicht über die Kirchen und Religionsgemeinschaften
Litauen gilt als das am meisten christianisierte Land der drei baltischen Staaten mit einer langen katholischen Tradition aus der polnisch-litauischen Union, als 1386 der litauische Fürst Jogaila nur unter der Bedingung die polnische Krone bekam, dass Litauen katholisch wird. Fast 80 Prozent gehören der katholischen Kirche an (wovon allerdings nur etwa 15 Prozent ihren Glauben wirklich praktizieren), vier Prozent sind Orthodox und knapp ein Prozent (30 000 Gläubige in 55 Gemeinden) rechnet sich zu den protestantischen Religionsgemeinschaften. Eine kleine Minderheit der Litauer bekennt zudem sich zum Islam.

Verhältnis zwischen Staat und Kirche
Die katholische Kirche Litauens mischt sich trotz ihres großen Rückhaltes in der Bevölkerung fast nie in politische Angelegenheiten ein. Sie hat somit praktisch keinen Einfluss auf die Mehrzahl der politischen Entscheidungen. Zudem verfügt die katholische Kirche über keinerlei Massenmedien und ist somit in der öffentlichen Diskussion kaum vernehmbar. Die anderen Religionsgemeinschaften sind zu klein, um politischen Einfluss im Staat auszuüben.

Situation während und nach dem Kommunismus
Wie in den anderen sowjetischen Satellitenstaaten mussten auch die Kirchen in Litauen starke Einschränkungen hinnehmen. Die katholische Kirche verlor zudem viele Priester in den sowjetischen Internierungslagern.

Verbände, Gruppen und Bewegungen
Die katholische wie evangelische Kirche zeichnet eine straffe Organisationsstruktur der jeweiligen Jugendarbeit aus, die alle Bereiche und Pfarreien abdecken und damit die Basis erreichen soll. Trotz der relativ geringen Größe des Landes Litauen soll die Jugendarbeit möglichst dezentralisiert und unabhängig ablaufen.

Die katholische Kirche in Litauen hat sieben Diözesen. Jede Diözese hat ein eigenes Jugendzentrum, dass die Jugendarbeit der ganzen Diözese koordiniert. Es gibt keine „Dachorganisation“ im gesamtstaatlichen Sinne, die Fäden laufen weitestgehend in den diözesanen Jugendzentren in Vilnius und Kaunas zusammen, wobei Vilnius auch einen guten Kontakt zu deutschen Diözesen pflegt. Einen guten Überblick über die aktuellen Angebote der sieben diözesanen Jugendzentren mit weiterführenden Kontakten ist im Internet unter www.vajc.lt zu finden (auch auf Englisch).

Die Jugendzentren sind zuständig für die Ausbildung von Gruppenleitern und halten den Kontakt zu den Leitern anderer katholischer Organisationen und Verbände in ihrer Diözese und den Pfarreien. Während des Kalenderjahres finden mehrere zentrale Veranstaltungen statt, wozu alle in irgendeiner Weise eingebundenen Katholiken eingeladen sind: Jugendtage, Kreuzweg, verschiedenste diözesane Sportveranstaltungen, Gruppenleiterschulungen und verschiedenste Outdoor-Gottesdienste.

In jeder Diözese findet alle zwei Jahre ein vom jeweiligen Jugendzentrum organisierter  großer Diözesantag statt, wo alle katholischen Jugendlichen eingeladen sind. Auf gesamtstaatlicher Ebene findet alle drei bis vier Jahre ein Jugendtag für alle katholischen litauischen Jugendlichen statt, der vom Jugendpastoralrat der Bischofskonferenz organisiert wird. In diesen Jugendpastoralrat entsendet jedes der sieben Jugendzentren Delegierte. Dem Rat steht der Jugendbischof vor, der auch das Bindeglied zwischen Bischofskonferenz und Jugendpastoralrat ist. Aktuell ist dies der Bischof der Diözese Vilkaviškis, Rimantas Norvila.

Darüber hinaus gibt es unter der Leitung des Jugendpastoralrats ein Jugendforum, wo alle Leiter und Ehrenamtliche in katholischen Pfarreien, in der Studentenseelsorge, in geistlichen Bewegungen und allen weiteren katholischen Organisationen Litauens eingeladen sind. Dieses Forum tagt mehrmals im Jahr und ist als eine Plattform für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch gedacht. Auch aktuelle Probleme und Tendenzen in der katholischen Jugendarbeit sollen hier besprochen und erörtert werden.

Kontakt:
Vilnius Archdiocese Youth Center
Ausros Vartai st. 12
LT-01129 Vilnius
Fon: +370 5 2621408, 2123493
Fax: +370 5 2121467
Internet: www.vajc.lt 

Die evangelisch-lutherische Kirche (Lietuvos Evengeliku Liuteronu Baznycia) gründete 1992 als die mit Abstand größte protestantische Religionsgemeinschaft die Jugendzentrale LELB (Lietuvos evangelik? liuteron? bažny?ios Jaunimo centras) als Dachorganisation für die gesamtstaatliche Jugendarbeit. Sie verfügt über einen Vorsitzenden (Jugendpfarrer) und einen Vorstand. Diese Jugendzentrale der LELB verfolgt das Ziel, die evangelisch-lutherische Jugend zu sammeln und zu organisieren. Dazu veranstaltet sie regelmäßig Jugendlager, Kurse und Seminare, Treffen der Jugendgruppen verschiedener Gemeinden. Sie außerdem hält Kontakt zu christlichen Jugendorganisationen anderer Konfessionen und zu den evangelischen Partnern im Ausland (Deutschland, Finnland, die skandinavischen Ländern, Lettland, Estland, Großbritannien und die USA). Gemeinsam mit der deutschen Jugendorganisation „Entschieden für Christus“ veranstaltet die LELB jährlich internationale Jugendbegegnungen. Seit ihrer Gründung hat die LELB einen wichtigen Beitrag für den Aufbau von Strukuren im protestantischen Bereich in den baltischen Ländern geleistet. Regelmäßig treffen sich die Vorstände der drei protestantischen Jugendzentralen von Estland, Lettland und Litauen.

Die Mitarbeiter sind sowohl in der LELB als auch in den Gemeinden tätig, die Arbeit wird also von der LELB organisiert und soll bis in die einzelnen Gemeinden hinein gehen. Dazu gibt es noch einzelne Jugendgruppen, die regional angesiedelt sind (z.B. Kaunas, Vilnius etc.).

Internationale Vernetzung 
www.bienweb.org - BIEN-Netzwerk konfessioneller Jugendverbände in der Ostseeregion

Literaturtipps
GO EAST. Jugend in Ost und West gestaltet Zukunft
. Eine Arbeitshilfe für die kirchliche Jugendarbeit in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, hrsg. v. BDKJ und Renovabis - Infos und Download unter www.goeast-online.de.

Evangelische Kirchen in den Balitischen Staaten, hrsg. v. Kirchenamt der EKD, Informations- und Kontaktstelle Osteuropa (IKOE) - Download unter www.ekd.de/download/baltikum.pdf.

Fischer, Hans-Friedrich, Katholische Kirche in Litauen. Ein Situationsbericht, in: Ost-West. Europäische Perspektiven. Schwerpunkt: Die baltischen Staaten. Heft1/2006.

Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche

Der Bereich der Jugendinformation befindet sich insgesamt noch im Aufbau. Jugendinformations- und Beratungszentren bestehen bereits vereinzelt. Wichtige Informationsanlaufstellen für Jugendliche sind die Bibliotheken.

Informationsangebote für Jugendliche in den Bereichen Drogen- und HIV/AIDS-Prävention bietet das Lietuvos AIDS Centras, das dem Gesundheitsministerium unterstellt ist, in Vilnius an. Ein besonderes Jugendberatungsbüro bietet Beratung für Jugendliche sowie psychologische Hilfe an.

Kinder- und Jugendmedien

Litauen bringt es laut Angaben des litauischen Justizministeriums, das bis 1996 ein Verzeichnis der Massenmedien führte, auf immerhin 60 Publikationen für junge Leute. Ein neues Mediengesetz entzog dem Justizminister die Zuständigkeit für den Bereich der Medien. Damit entfiel die Pflicht, neue Zeitungen und Zeitschriften registrieren zu lassen. Aktuellere Zahlen über den Bestand der Jugendmedien im Printbereich sind daher zurzeit nicht verfügbar.

Kleine Geschichte
Noch vor rund einem Jahrzehnt waren Jugendmedien in Litauen sehr stark zentralisiert. Einziger Herausgeber der thematisch wenig spezialisierten Jugendmagazine war das Zentralkomitee des kommunistischen Jugendverbands Komsomol. Kinderzeitungen wurden ausschließlich von der zentralen Verwaltung der Pionierorganisation verlegt.

Den wichtigsten Teil der Kontrollmaschinerie stellte die Propaganda- und Agitationsabteilung des Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei Litauens dar. Von hier wurden Chefredakteure eingesetzt sowie Aufgaben und zentrale Inhalte der Jugendmedien festgelegt.

Trotz dieser mächtigen Zensur waren Jugendmedien immer schon Tribüne für mutige und kritische Gedanken. Im Jahr 1968 erreichte die Kontrolle politischer Äußerungen aufgrund des Einmarsches der Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR ihren Höhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Kaunas das Jugendmagazin Nemunas gegründet. Schon nach den ersten Ausgaben setzte das ZK der Partei den Chefredakteur ab und leitete ein Verfahren wegen der Veröffentlichung von Fotos aus geheimen Staatsakten gegen ihn ein (der Chefredakteur jeder Jugendzeitung und -zeitschrift musste Mitglied des ZK des Komsomol sein). Tatsächlich wurden diese Maßnahmen durch Artikel über das Leben der Jugend im Westen ausgelöst.

In den sowjetischen Jahren kopierten die KP und Komsomol-Funktionäre in Litauen die Struktur der russischen Jugendpresse. Es gab nur wenige Zeitungen und Magazine speziell für die Jugend. Die waren jedoch groß, stark und hervorragend kontrolliert. Da war zum Einen Komjaunimo tiesa, eine Jugendtageszeitung, die in litauischer Sprache das gleiche behandelte wie die Moskauer Komsomolskaja Pravda. Dann existierte für Kinder Lietuvos pionierius als litauische Ausgabe der zentralen Pionerskaja Pravda. Der Markt für Jugendmagazine war auf vier Blätter begrenzt: Jaunimo Gretos und Nemunas für ältere Jugendliche sowie Genys und Moksleivis für Kinder. Alle Zeitungen und Magazine waren Organe des ZK des Komsomol von Litauen mit dem ZK als Herausgeber.

Die Wende
Jugendzeitungen griffen den Ausbruch der nationalen Bestrebung und die Geburt der Sajudis-Bewegung in den Jahren 1988 bis 1990 am stärksten von allen Medien auf. Ganze Seiten füllten die Portraits über Vertreter der neuen Ideen. Der Boom bei ihren Auflagen zeigte, wie populär diese Gedanken waren und wie groß das Bedürfnis nach einer freien Presse.

Ende 1988 erreichte die Tageszeitung Komjaunimo tiesa die astronomische Auflage von 600 000 Exemplaren - bei lediglich 3,5 Millionen Einwohnern! Das war doppelt so viel, wie die größte Partei-Zeitung Tiesa aufweisen konnte. Ganz schnell drängte jedoch eine neue Konkurrenz auf den Pressemarkt: die unanhängige Tageszeitung Respublika, die von einer Gruppe junger Journalisten gegründet wurde. Als Reaktion darauf trennte sich Komjaunimo Tiesa offiziell von der Komsomol-Organisation und änderte 1990 seinen Titel in Lietuvos rytas.

Aktuelle Printlage
Die beiden größten Zeitungen Lietuvos rytas und Respublika haben sich zu nationalen Tageszeitungen entwickelt, werden aber immer noch von jungen Chefredakteuren und Journalisten produziert. Nur wenige der Autoren haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder eine vergleichbare Ausbildung. Beide Zeitungen versuchen, junge Leser durch spezielle Wochenbeilagen an sich zu binden – Bendraamzis, Gyvenimo budas und Genys (für Kinder) von Lietuvos rytas, Savaitgalis, Julius und Brigita von Respublika. Das bedeutet zwar, daß es in Litauen inzwischen keine echte Jugendtageszeitung mehr gibt; weil aber eine Alternative fehlt, bleiben die meisten jugendlichen Leser bei diesen beiden Zeitungen. Die übrigen landesweiten Tageszeitungen, wie die konservative Lietuvos aidas oder die politisch linke Diena, sind unter jungen Lesern nicht besonders beliebt.

Lifestylemagazine wie Ore sind aber auch in Litauen im Kommen.

Die politische Unabhängigkeit Litauens und wirtschaftliche Reformen veränderten auch die Medienlandschaft des Landes. Schon seit 1995 gibt es keine staatlichen Zeitungen oder Zeitschriften mehr. Ein neues Mediengesetz verbietet dem Staat jeden Einfluss auf die Presse. Das bedeutete aber auch das Ende der staatlichen finanziellen Hilfe für Jugendmedien. Als Geldgeber bleibt allein die Stiftung zur Förderung der unabhängigen Presse. Sie vergibt ihre Mittel allerdings meist an Kulturzeitschriften oder an Medien der nationalen Minderheiten.

Viele Menschen können wegen der gesunkenen Einkommen nur eine Tages- oder  Wochenzeitung für die gesamte Großfamilie abonnieren. Die jüngeren Mitglieder der Familie gehen dabei meist leer aus.

Fernsehen
Auch im TV-Bereich herrscht Ebbe, was spezielle Jugendprogramme angeht. Die kommerziellen Kanäle, die in den letzten Jahren gegründet wurden, geben nicht viel auf jugendspezifische Informationen oder gar Sendungen - denn die bringen nicht genug Werbegelder in die Kassen. In jüngster Zeit versucht allerdings LNK, der stärkste private Sender, mit seiner Diskussionssendung Priestarauk, Probleme von Jugendlichen anzusprechen.

Im staatlichen Fernsehen LRT (ehemals LTV) waren kulturelle und jugendspezifische Programme früher fester Bestandteil der Sendungen. Seit einem Streit um den Führungsanspruch innerhalb des Senders 1997 wurde der Sender reformiert. Die Jugendprogramme zählten zu den Opfern der Reform.

Radio
Der litauische Hörfunk hingegen ist von Kopf bis Fuß auf Jugend eingestellt. Die größten Sender M-1, Radiocentras und der neue M-1 Plus wurden praktisch als Jugendrundfunk gegründet. Sie senden überwiegend eine Mischung aus Musik und Diskussionen mit jungen Hörern. Aktuellen Umfragen zufolge sind die genannten Sender die populärsten im Land.

Ausbildung von Journalisten
Viele der professionellen Journalisten, die in Litauen arbeiten, haben am Institut für Journalismus der Universität in Vilnius studiert. Dort werden pro Jahr 20 bis 30 junge Leute zu diplomierten Journalisten ausgebildet. Sie sind die Kader der renommierten Redaktionen. Eine weitere Ausbildungsstätte befindet sich in Kaunas.

Eine große Zahl ist in den Jahren des Umbruchs ohne spezifische journalistische Ausbildung zur Presse gelangt - unter ihnen zum Beispiel Ingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler. Wer mag, kann im Zentrum der Journalistik im Rahmen von Abendkursen das journalistische Einmaleins lernen. Leider haben Verleger meist kein Interesse an einer weiteren Schulung ihrer Mitarbeiter.

Viele Beschäftigte im Bereich der Printmedien stoßen direkt nach der Schule zu den Redaktionen. Da der Journalismus in Litauen ein gut bezahlter Job ist, lässt sich unter jungen Journalisten die Tendenz feststellen, dass jede Form der Ausbildung als verlorene Zeit und damit als verlorenes Geld angesehen wird. Das Ergebnis sind oft Artikel mit einer Mischung von Fakten und eigener Meinung.

Ein Ausblick
Die Jugend Litauens braucht ein größeres Angebot an jugendspezifischer Information. Es gibt nur zaghafte Versuche, die Meinung der Jugend über die Hauptprobleme der Gesellschaft herauszufiltern: zum Beispiel, wie sie über einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union denkt. Viele junge Menschen lehnen vor dem Hintergrund der starken Politisierung der Gesellschaft jede Form von Politik ab, um sich von der älteren Generation abzugrenzen. Junge Leute weigern sich, in politischen Parteien aktiv zu sein - vielleicht ein später Protest gegen die Idealisierung der Parteien im Litauen der Dreißiger- und Siebzigerjahre.

Derzeit schluckt die litauische Jugend Tag für Tag das gleiche Informationsmenü, wie die übrige Bevölkerung - eine üble Mischung aus wirtschaftlichen oder politischen Skandalen und Gewalt.
(aus einem Artikel von Vilius Kavaliauskas, gekürzt)

Internationale Kooperationen

Internationale Kooperationen im Bereich der Jugendinformation sind bisher nicht bekannt.

Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen

22% der litauischen 16- bis 29-Jährigen würden gern dauerhaft im Ausland arbeiten und leben, 50% mindestens für eine bestimmte Zeit. Durch den Anschluss Litauens an die Programme der Europäischen Union nutzen auch litauische junge Menschen die Möglichkeit des Bildungs-, Studierenden- oder Arbeitsaufenthalts außerhalb ihres Landes. Trotzdem bleiben vor allem Reisen ins Ausland für litauische Kinder und Jugendliche Luxus, den sich die meisten nicht leisten können.

In Litauen gibt es von staatlicher Seite jährliche Kindererholungsprogramme. Im Angebot sind Dauercamps, Trainingscamps, Tagescamps, Workcamps und andere. Die Kosten für diese Camps werden für Waisenkinder und Kinder, die unter staatlicher Aufsicht stehen, komplett vom Staat getragen. 2001 wurden 683 Sommercamps angeboten, die von 32 921 Kindern besucht wurden. 21 993 dieser Kinder kamen aus sozial benachteiligten Familien.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)

Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte

Litauen hat einen eigenen Jugendherbergsverband, der Mitglied in der International Youth Hostels Federation (IYHF) ist. Derzeit gibt es in Litauen rund acht Jugendherbergen in den Städten Vilnius, Kaunas, Klaipeda, Âiauliai, Palanga, Trakai und Zervynos.

Campingplätze gibt es vor allem nahe der Ostsee, im Seengebiet um Trakai und in der Nähe von größeren Städten. Zelten darf man gegen Gebühr fast überall in der Nähe der Seen und Flüsse, wobei man dann auf sich allein gestellt ist.

Privatunterkünfte sind hauptsächlich über Reisebüros anzumieten.

Reisetipps und -informationen

Inlandsflughäfen gibt es in Kaunas, Palanga und Siauliai. Die Zahl der Inlandsflüge ist begrenzt, da Litauen ein relativ überschaubares Land ist, und man gut mit dem Zug reisen kann.

Gute Zugverbindungen gibt es von Vilnius nach Kaunas, Klaipeda und Siauliai. Palanga und Neringa kann man von Klaipeda aus mit dem Bus erreichen.

Busse sind schneller und fahren öfter als die Züge und sind daher populärstes Reiseverkehrsmittel. Zwischen Litauen und Deutschland verkehrt unter anderem die Buslinie Eurolines. Informationen zum Fahrplan unter www.deutsche-touring.com.

Bei den städtischen öffentlichen Verkehrsmitteln sind Busse und Trolleybusse am verbreitesten. Diese fahren grundsätzlich zwischen 6.00 Uhr morgens und 1.00 Uhr nachts. Tickets kann man vorher an Zeitungskiosken kaufen oder direkt im Bus erwerben. So genannte Minibusse sind weniger überfüllt, aber dafür teurer. Taxis haben ein beleuchtetes Taksi-Schild.

Weitere Informationen zu Litauen für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: www.europa.eu.int/youth/travelling_europe/index_lt_de.html

Zentrale Einrichtungen

Der Staatliche Jugendrat ist zuständig für die Umsetzung der abgeschlossenen Regierungsvereinbarungen über jugendpolitische Zusammenarbeit. Er engagiert sich besonders bei den Entwicklungen in der Ostseeregion. Er ist Mitglied in der Lenkungsgruppe des Ostseejugendsekretariats. 2002 war der Staatliche Jugendrat einer der Hauptakteure bei der Organisation der Jugendministerkonferenz zum Thema Jugend in der Wissensgesellschaft.

Der Nationale Jugendrat LiJOT spielt eine aktive Rolle in der internationalen Jugendarbeit. Er ist Mitglied im Europäischen Jugendforum und kooperiert mit anderen Nationalen Jugendräten. LiJOT ist Mitglied im Baltischen Jugendforum.

Die litauische Nationalagentur für die Umsetzung des Europäischen Aktionsprogramms JUGEND heißt Jaunimo tarptautinio bendradarbiavimo agent?ra.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Seit Juli 1993 besteht zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Litauen ein Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit. Zwischen dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Ministerium für Kultur der Republik Litauen wurde 1994 eine Vereinbarung über jugendpolitische Zusammenarbeit unterzeichnet. Aufgrund dieses Abkommen fanden in der Vergangenheit regelmäßig Fachgespräche der bilateralen Zusammenarbeit statt, die auf litauischer Seite vom Staatlichen Jugendrat der Republik Litauen und auf deutscher Seite vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter Beteiligung von IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. geführt wurden.

Der Nationale Jugendrat LiJOT kooperiert mit dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und den Landesjugendringen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Internationale Zusammenarbeit

Litauen hat mit mehreren Staaten bilaterale Abkommen oder Protokolle über die Zusammenarbeit im Jugendbereich abgeschlossen. Dazu gehören: Bundesrepublik Deutschland, Lettland, Estland, Polen, Belgien (Flämische Gemeinschaft), Norwegen. Die Zusammenarbeit des Nationalen Jugendrates LiJOT mit den nationalen Jugendräten in Belarus, Norwegen, Dänemark, Ukraine und Russland gestaltet sich sehr produktiv.

Das Ostsee- Jugendbüro beim Landesjugendring Schleswig-Holstein, ein Netzwerk für Jugendaustausch rund um die Ostsee, unterhielt bisher mit dem litauischen Jugendrat enge Verbindungen. Nachdem dieser nicht mehr in der alten Form existiert und (September 1999) eine neue Dachorganisation im Aufbau befindlich ist, kooperiert das Ostseejugendbüro derzeit projektabhängig mit einzelnen Institutionen der Jugend(verbands)arbeit.

Ebenso basiert die internationale Zusammenarbeit auf Vereinbarungen im Rahmen der Arbeit des Baltic Council of Ministers (Studierendenaustausch) und des Council of Baltic Sea States. Litauen wirkt mit in einer Arbeitsgruppe für Jugendfragen, die unter anderem für das Ostseesekretariat für Jugendangelegenheiten die Fachaufsicht hat.

Litauen ist Mitglied im Nordic Council of Ministers und kann daher aus den angebotenen Förderprogrammen schöpfen wie zum Beispiel das Förderprogramm für den Kulturaustausch von Kindern und Jugendlichen, den Aktionsplan Norden für Kinder und junge Erwachsene, Förderprogramm für Nichtregierungsorganisationen, etc. Weitere Informationen unter www.nmr.lt/index.php.

Litauen nimmt an den europäischen Programmen JUGEND, Socrates und PHARE teil.