Situation der Kinder und Jugendlichen
Kultur und Lebensformen
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Kriminalität
Drogen
Kultur und Lebensformen
Laut der im Jahr 2000 durchgeführten Jugendstudie müssen über ein Drittel der 16- bis 29-Jährigen mit weniger als 300 Litas (87 Euro) monatlich auskommen. Auf dem Land liegt die Rate bei 53%. Nur 13% der Befragten sagten, dass sie genug Geld zum Leben hätten.

Gegenüber Themen wie Homosexualität, Prostitution, Abtreibung, Scheidung zeigen sich litauische junge Frauen deutlich aufgeschlossener. Arbeit, Bildung und Wohlstand liegen in der Prioritätenliste junger Leute ganz oben. Religion, Freizeit und Freunde haben im Vergleich zu 1994 deutlich an Bedeutung verloren. Laut Eurobarometer vom September 2003 sehen litauische Jugendliche die wichtigsten Aufgaben für die Verbesserung der Lebenssituation im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgliederung sowie den Schutz des Friedens und der Sicherheit in Europa.
Viele litauische junge Menschen zieht es aufgrund des nicht anerkannten litauischen Bildungssystems, veralteter Studienmethoden an den Hochschulen und fehlender Arbeitsangebote ins Ausland. Viele Jugendliche setzen sich auch selbst unter Druck und sind sehr erfolgsorientiert, um besser ausgebildet zu sein als andere.
In Litauen gibt es eine aktive HipHop- und Graffiti-Szene. Weitere Informationen dazu unter www.hip-hop.lt und www.tb2cru.tk. Eine interessante Studie zum Thema Rave Culture in Lithuania unter www.anthrobase.com/Txt/S/Sliavaite_K_01.htm.
Was den Lebensstandard angeht, fallen 18,2% der jungen Haushalte (unter 30 Jahre) unter die Armutsgrenze, jedoch gehören auch 30,4% dieser Haushalte zu den Reichsten im Lande und liegen sogar über dem Landesdurchschnitt. Bei der ersten Gruppe handelt es sich oft um Familien mit Kindern, bei der zweiten Gruppe um allein stehende Berufstätige.
Knapp 70% der 16- bis 29-Jährigen schätzen ihren Gesundheitszustand als gut ein, 7% sogar als sehr gut. Ein Drittel der jungen Männer trinkt regelmäßig Alkohol. Bei den regelmäßig Rauchenden liegen die Männer vorn, bei den Gelegenheitsrauchern (einmal wöchentlich, mehrmals monatlich) liegen im Durchschnitt gesehen die Mädchen vorn.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Laut Eurostat (Pressemitteilung vom 4.11.2004) betrug die Jugendarbeitslosigkeit Ende September 2004 (15- bis 29-Jährige) 17,4%. Junge Frauen sind weniger von Arbeitslosigkeit betroffen, da sie sich länger in der Ausbildung befinden und danach oft zu Hause bleiben und sich um die Erziehung der Kinder kümmern. Bei der Anzahl der arbeitslosen Jugendlichen gibt es auch regionale Unterschiede. In einigen Gebieten wie den Regionen Taurage oder Alytus erreicht sie bis zu 40% bei den unter 25-Jährigen. 2001 hatten 9,6% der registrierten jugendlichen Arbeitslosen einen beziehungsweise keinen Abschluss der fünften Klasse. Gründe für diesen vorzeitigen Schulabgang sind ärmliche soziale und wirtschaftliche Verhältnisse der Familien der Jugendlichen, die sie dazu zwingen, vorzeitig die Schule zu verlassen und eine Arbeit zu suchen.
Die litauische Regierung hat daher ein Beschäftigungsprogramm 2001 – 2004 verabschiedet, das auch jungen Menschen die Chance geben soll, ihre beruflichen Qualifikationen zu verbessern und ihren Schulabschluss nachzuholen. Außerdem soll die territoriale Mobilität der Jugendlichen gefördert werden, damit sie auch in anderen Regionen des Landes als ihren eigenen nach Arbeitsmöglichkeiten suchen. Speziell auf junge Leute ausgerichtete Beschäftigungsprogramme sind Der erste Schritt auf den Arbeitsmarkt, das sich an Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger richtet, das Programm Talentebank für Studierende und hoch qualifizierte junge Fachkräfte. Zwei weitere Programme, die 2001 verabschiedet wurden, sind Abiturientas (für Abiturienten) und Absolventas (für Universitätsabsolventen).
Ebenso ist die Regierung bemüht, den Zugang zu Informationen über Arbeitsmöglichkeiten zu verbessern. Dazu wurden spezielle Informations- und Beratungszentren in den Arbeitsämtern eingerichtet. Für Studierende gibt es eine Telefonhotline. Außerdem werden so genannte Arbeitsmarkttage durchgeführt.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)
Kriminalität
Litauen verzeichnet einen Anstieg der Jugendkriminalität. Laut Statistik werden rund zwei Drittel aller Verbrechen von 14- bis 29-Jährigen begangen. Die meisten der straffällig Gewordenen sind arbeitslos und ohne Schulbildung. Vor allem Diebstähle, Überfälle, Betrügereien und Erpressung gehen auf das Konto der jungen Leute. Bei den Gewaltverbrechen wurden fast 80% der Vergewaltigungen und versuchter Vergewaltigungen, 43% der Morde und Mordversuche sowie 33% der absichtlichen Körperverletzung von jungen Leuten verübt. Knapp 60% aller Gefängnisinsassen sind zwischen 14 und 30 Jahre alt.
Jugendgerichte oder Familiengerichte gibt es in Litauen nicht. Die Zuständigkeit für diese Zielgruppe liegt beim Zivilgericht.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)
Drogen
Laut Jugendstudie 2000 konsumieren rund 32% der jungen Männer mehrmals wöchentlich Alkohol, bei den jungen Frauen sind es 14%. Junge Menschen in Städten trinken öfter als ihre Altersgefährten auf dem Lande. Die Verleitung zum Genuss von Alkohol ist dadurch auch höher, da alkoholfreie Getränke wie Fruchtsäfte teurer sind als beispielsweise Wodka.
Beim Rauchen liegt die Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen an der Spitze. Die meisten Nichtraucher gibt es unter den 16- bis 19-Jährigen. In Litauen besteht ein absolutes Werbeverbot für Tabakwaren.
Rund 73% der 16- bis 29-Jährigen sagen, dass sie noch nie Drogen probiert haben und nie probieren werden. Bei den Gelegenheitsusern liegt die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen vorn. Das Durchschnittsalter der Drogenkonsumenten liegt bei rund 26 Jahren. Es gibt bereits vereinzelt Projekte, die sich der Problematik stellen wie mobile Busse, die einschlägige Drogentreffpunkte abfahren.
Der Besitz von Drogen in Litauen ist illegal und wird strafrechtlich verfolgt. Die Strafen können dabei höher als in Deutschland ausfallen.
(Quelle: Youth Policy in Transformation, 2002)


