x

Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:

[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen

Österreich veröffentlicht den 3. Freiwilligenbericht: Es besteht noch Potenzial für mehr Freiwilligentätigkeit (15.01.2020)

3,5 Mio. Österreicher/-innen ab 15 Jahren sind in Vereinen, Organisationen, Initiativen oder der Nachbarschaftshilfe freiwillig tätig, so das Ergebnis des 3. Freiwilligenberichts aus dem Jahr 2019 (Veröffentlichung im Dezember).

Die Freiwilligentätigkeit reiche in Österreich von Katastrophenhilf- und Rettungsdiensten zu Sport und Kultur, sei aber auch in den Bereichen Umwelt, Soziales und Gesundheit sehr präsent. Allerdings zeige eine aktuelle Erhebung, dass das Potenzial an Menschen, die für Freiwilligenarbeit zu gewinnen wären, nicht ausgeschöpft sei.

Freiwilligenengagement im Lichte der Digitalisierung - Mehr Zeit für das Wesentliche

Unter dem Motto "Mehr Zeit für das Wesentliche" stellt das Sozialministerium im Bericht die Auswirkungen des stetigen Wandels der Freiwilligenarbeit insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung dar. Diese ermögliche orts- und zeitunabhängige Kommunikation, die gezielt und kostengünstig ablaufen könne. Neue Beteiligungsformate beispielsweise das Mikro-Engagement, Crowdsourcing sowie -funding und die Nutzung offener Daten seien entstanden.

Digital engagierte Freiwillige seien mehr einer bestimmten Sache als einer spezifischen Organisation verschrieben, weshalb Freiwilligenorganisationen das Engagement ihrer Mitglieder neu überdenken sollten, so eines der Ergebnisse der Expert(inn)en. In Konsequenz müssten die Organisationen lernen, über deren Grenzen hinwegzudenken und die Kompetenzen, Ressourcen und Bedürfnisse der Freiwilligen in den Vordergrund zu stellen. Außerdem bedürfe es der Expertise gemeinnütziger Organisation bei der Mitgestaltung der digitalen Transformation.

Als Herausforderung nennt das Sozialministerium neben dem Schutz der Privatsphäre sowie dem Umgang mit Fake News die Missachtung des respektvollen Miteinanders. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz könnten zwischenmenschliche Beziehungen bei sozialen Dienstleistungen an Bedeutung verlieren. Freiwilliges Engagement könnte einen Ausgleich dazu schaffen und zwischenmenschliche Beziehungen pflegen. Der Bedarf an freiwilligem Engagement werde in Zukunft – selbst durch massiven Technikeinsatz – nicht gedeckt sein, heißt es.

Neue Möglichkeiten durch Mikrovolunteering

Angesichts des demographischen Wandels erkennt das Sozialministerium steigenden Bedarf an Nachbarschaftshilfe für ältere und hilfsbedürftige Menschen. Das Potenzial an Menschen, die für Freiwilligenarbeit zu gewinnen wären, sei nicht ausgeschöpft, heißt es mit Bezug auf eine aktuelle Erhebung. Insbesondere bei Jugendlichen und der Gruppe der über 60-Jährigen gebe es freie Kapazitäten. Eine Aktivierung dieser Menschen sei notwendig, um den Bedarf an gemeinnütziger Hilfe in Zukunft zu decken. Der damit verbundene, persönliche Nutzen für die Helfer/-innen müsse hervorgehoben und jüngeren Menschen die Vorteile für den Berufseinstieg ins Bewusstsein gerufen werden.

Das Internet biete die Möglichkeit, sich zeit- und ortsunabhängig zu engagieren, eine neue Form sei das Mikrovolunteering, das nur wenig Zeit in Anspruch nehme. Dem Bericht zufolge sei dies in manchen Lebensphasen die einzige Möglichkeit zum freiwilligen Engagement. Nonprofit-Organisationen müssten neue Strategien zur Förderung der Freiwilligenarbeit entwickeln und sich stärker positionieren, um attraktiv zu sein. Kritisch wird die zunehmende Verrechtlichung angesehen, die für soziales Engagement wichtige Freiräume reduziere.

Bericht der Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz zur Lage und zu den Perspektiven des Freiwilligen Engagements in Österreich (3. Freiwilligenbericht)

Quelle: Republik Österreich: Parlamentskorrespondenz Nr. 25 vom 15.01.2020