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Deutsch-Polnisches Barometer 2019: Was sagt die Jugend? (20.08.2019)

Das 1995 gegründete Institut für (Instytut Spraw Publicznych, ISP) hat das Deutsch-Polnische Barometer 2019 veröffentlicht. Das ISP ist ein führender polnischer Think Tank und ein unabhängiges Zentrum für politische Forschung und Analyse. Den Schwerpunkt des Deutsch-Polnischen Barometers 2019 bilden die Sichtweisen Deutscher und Polen auf die derzeitigen bilateralen sowie auf die europäischen und globalen Beziehungen. Auch die Jugend kommt zu Wort. Nachfolgend einige Ergebnisse des Barometers mit besonderem Blick auf die Zielgruppe der Altergruppe bis 34 Jahre:

  • In Deutschland bewerten die Jüngeren unter den Befragten die deutsch-polnischen Beziehungen besonders positiv; am positivsten äußert sich die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen.
  • Auf deutscher Seite stechen besonders die Antworten der jüngsten Befragten (bis 24 Jahre) heraus, wenn es um die Frage der wünschenswerten Einstellung in den Beziehungen zum Nachbarland Polen geht. Ein Viertel der Jugendlichen hat zu dieser Frage keine Meinung.
  • Bezüglich der Wahrnehmung des Einflusses des Zweiten Weltkrieges auf die gegenwärtigen Beziehungen bemerken in Polen jüngere Befragte weniger einen Einfluss des Zweiten Weltkrieges auf die deutsch-polnischen Beziehungen als Befragte der Altersgruppen „65 bis 74 Jahre“ bzw. „75+“. Auf deutscher Seite sieht die Gruppe der ältesten Befragten häufiger (34%) einen starken Einfluss als die Jüngeren. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen nimmt jeder Vierte (26%) überhaupt keinen Einfluss wahr.
  • Was die Wahrnehmung der Anerkennung des polnischen Leides angeht, gibt es insgesamt weder für die eine noch für die andere Seite eine Mehrheit. Die Jüngsten unter den befragten Polen sind häufiger der Auffassung, das dieses ausreichend anerkannt werde. Auf deutscher Seite ist ebenfalls der Anteil der jüngeren Altersgruppen geringer, die denken, dass die Leiden der Polen nicht genügend Anerkennung fänden (13 bis 26%). Unter den jüngsten Befragten, die sich nicht in der Lage sehen, diese Frage zu beantworten, liegt dieser Anteil bei 32%.
  • Abgefragt wurden auch die Meinungen zu drei politischen Jubiläen im Jahr 2019:
  1. Die demokratische Wende 1989
    Vertreter der jüngeren Generation (30% Befragte bis 24 Jahre, 42% 25 bis 34 Jahre) empfinden weniger häufig eine nicht ausreichende Anerkennung des polnischen Beitrages zum Transformationsprozess im Gegensatz zu den älteren Altersgruppen (55-64 Jahre: 45%; 65-74 Jahre: 53%).
  2. Polens Beitritt zur NATO
    Auf deutscher Seite trauen sich 21% der jüngsten Altersgruppe, also jede/r Fünfte, keine Einschätzung zu diesem Thema  zu. 
  3. Polens Beitritt zur Europäischen Union (EU)
    In der Altersgruppe der jüngsten Befragten auf deutscher Seite sehen sich 22% (auch hier jede/r Fünfte) nicht in der Lage, die Bedeutung des Beitritts Polens und anderer mittel- und osteuropäischer Länder zur EU im Jahr 2004 für die wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität in Europa zu beurteilen.
  • Im Hinblick auf die Meinungen zur Rolle der Großmächte haben die jüngsten Befragten in Polen weit größere Schwierigkeiten, die Rolle Russlands zu beurteilen; 28% trauen sich keine Einschätzung zu. Auch die jüngsten Deutschen haben im Vergleich zu den Altern die größten Schwierigkeiten, sich eine Meinung zu einzelnen Staaten zu bilden: 15% können keine Bewertung zur Rolle der USA abgeben, 19% keine zu Russland und 23% keine zu China.
  • Gefragt nach der Einstellung zu international führenden Politikern, bewerten die ältesten befragten Polen die deutsche Regierungschefin Angela Merkel und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron negativer (46% und 53%) als die jüngeren Altersgruppen. In Bezug auf die Bewertung des russischen Präsidenten Wladimir Putin wurde festgestellt, dass 31% der jüngsten Altersgruppe der deutschen Befragten diesen als positiv wahrnehmen. Angela Merkel wird von den deutschen Befragten der beiden jüngsten Altersgruppen am negativsten bewertet: Bei den Jugendlichen bis 24 Jahre sind es 40%, in der Gruppe bis 34 Jahre 47%. Vergleichsweise häufig keine Meinung hat die Gruppe der jüngsten Befragten in Deutschland zu Macron (16%) beziehungsweise zum chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping (32%).

Darüber hinaus wurde im Rahmen der Befragung festgestellt, dass wie bereits bei früheren Befragungen, auch 2019 die jüngsten Befragten generell die größten Probleme haben, eine Meinung zu äußern. Dies betrifft sowohl die deutsch-polnischen Beziehungen als auch viele andere gesellschaftspolitische Themen. Die Autoren sehen dadurch "die Notwendigkeit von Investitionen in Bildungs- und Austauschprogramme für Jugendliche bestätigt, um politische Meinungsbildung sowie ein gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen und zu fördern."

Zu den weiterhin bestehenden Herausforderungen gehört nach Meinung der Autoren auch die gemeinsame Geschichte, auch wenn die jüngere Generation den Einfluss des Krieges auf die deutsch-polnische Gegenwart weniger stark bewertet. Hier sollten Wege und Mittel gefunden werden, um weiter und differenzierter an dem Thema zu arbeiten und dranzubleiben.

Das PDF-Dokument mit der Zusammenfassung der Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers auf Deutsch kann über die Webseite des ISP per E-Mail angefragt werden.

Quelle: ISP